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Gießener Zeitung

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( Neueste Nachrichten)

Bezugspreis 40 Pfg. monatlich vertelfährlich 1,20 Mt., vorauszahlbar, frei ins Haus. Abgeholt in unserer Expedition oder in den Zweig­ausgabestellen vierteljährlich 90 Pfg. Erscheint Mittwoche und Samstags. Redaktion: Selters­weg 83. Für Aufbewahrung oder Rücksendung nicht verlangter Manuskripte wird nicht garantiert. Verlag der., Gießener Zeitung" G. m. b. H.

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Nr. 51.

Telephon: Nr. 362.

Eine sachliche Beurteilung der hessischen Besoldungsvorlagen und deren Kritik.*) In den letzten Wochen sind von den hessischen Boltsschullehrern, insbesondere von deren Verbandslei­tung, dem Vorstande des Landeslehrervereins in fast alle hessische und benachbarte preußische Tageszeitungen Artikel lanciert worden, die alle an der Besoldungs­vorlage mehr oder minder herbe, einseitige Kritik üb­ten. Durch lebhafte Agitation, ermöglicht durch das große Maß ausgiebiger freier Zeit und das in mate­riellen Fragen stets geschlossene Auftreten der großen Zahl Volksschullehrer, die auch in politischer Hinsicht einen feineswegs gering zu veranschlagenden Faktor für die verschiedenen Parteigruppierungen bilden, ist erreicht worden, daß fast alle politischen Parteien notgedrun­gen sich zum Sprachrohr der Volksschullehrerwünsche ge­macht haben.

Zweck dieser Zeilen soll nun sein, in reiner Sa ch lichkeit zu erörtern, ob tatsächlich die vielerlei Wün­

sche der Volksschullehrer in ihrer Berechtigung sachkun diger Beurteilung standhalten können; nach Ansicht ein­fichtsvoller, unparteiischer Beurteiler haben die Abge­ordneten bezw. die einzelnen Parteien infolge des steti­

gen Drängens und Bittens die Lehrerwünsche ohne eine, allen Punten gerechtwerdende Prüfung zu den ihrigen gemacht, es würde sonst ein derartiges Vorgehen nicht denkbar jein können. Zunächst bedarf der Wunsch auf Gleichstellung im Gehalte mit den mittleren Beamten, der sachlich in keiner Weise begründet werden konnte, ingehender Erörterung. Vorausgeschickt sei, daß dieser Wun der Volksschullehrer nur als ein vorläufig er­Teichb Ziel aufgefaßt werden muß, wird doch in Wahtyeit allerdings auch hier wieder ohne jegliche Be­gründung, eine bedeutend höhere Gehaltsskala mit dem Wunsche auf Einrangierung zwischen mittlere und höhere Beamte verlangt. Daß dem so ist, beweisen die wieder­holten Ausführungen im Hessischen Schulboten", bis jetzt ohne Abänderung oder Berichtigung geblieben Find. An und für sich ist ein Vergleich, sowohl nach Vorbildung wie nach Verantwortung und Arbeitsqua­lität und-quantität, des Volksschullehrer- Berufes Dem eines öffentlichen Beamten ein Unding; so wenig ich zwei durchaus verschiedene Fakultäten z. B. die Juristische mit der philosophischen, einander nach realen

die

mit

*) Der Abdruck dieses Artikels erfolgt, ohne daß wir uns Bamit für oder gegen den Standpunkt des Artifekschreibers, einem

Finanzbeamten, wenden. Auch die Lehrerschaft möge uns diese Beröffentlichung nicht einseitig auslegen, sondern wir haben nach ganz unparteiischen Gesichtspunkten der Bitte um Veröffent­ichuma zuneinnt.

Unter Feinden.

Roman von Karl Mattbtas.

Samstags liegt für die Stadtabonnenten der

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gratis bei.

Expedition: Seltersweg 83.

Mittwoch, den 26. Juni 1912.

punktes, daß die verschiedenartige soziale Stellung und bildung u. s. f. irgendwelche Vergleiche unmöglich ma=

die grundverschiedene Art der Berufstätigkeit, der Aus­chen muß, aufgegeben hat. Statt dessen hat die ser Lehrerverein in viel zweckmäßigerer Weise die An­sicht vertreten, daß von jetzt an bei Anstrebung von Ve­soldungserhöhungen nur noch Vergleiche mit akademisch soldungserhöhungen nur noch Vergleiche mit akademisch gebildeten Lehrern in entsprechender, der höheren Fach­bildung der Letzteren Rechnung tragender Verhältnis form stattfinden sollen. Eine gehaltliche Gleichstellung der hessischen Volksschullehrer mit solchen mittleren Be­amten, die ihre Schulbildung auf höheren Lehranstalten erworben, ist auch solange nicht durchführbar, als nicht die vielerlei Privilegien und Vorteile, welche gegenwär­tig bei den Volksschullehrern konstatierbar, der Beam­tenschaft aber fehlen, verschwinden. Hierbei ist in erster Linie zu erwähnen, daß die Volksschullehrer bedeutend früher, bereits mit dem 25. Lebensjahr definitiv ange­stellt werden( bei Beamten tritt diese erst im 35.- 40. Lebensjahre ein), des weiteren, daß die Vordienstzeit bereits von der ersten dienstlichen Verwendung nach be­standener Schlußprüfung, also durchschnittlich vom 21. Jahre ab, den Volksschullehrern gerechnet wird, wäh­rend bei den Beamten in dieser Hinsicht keinerlei Be­rechnung eintritt, ferner, daß dem Volksschullehrer nicht allein tagtäglich im Verhältnis genommen, eine bedeu­tend kürzere Dienstzeit zugute kommt, sondern auch im Jahre eine bedeutend reichlichere Erholungsmöglichkeit von nahezu einem Vierteljahre Ferien als wichtiger Faktor anzuschlagen ist, dem ein Erholungs: urlaub von 1-3 Wochen der mittleren Beamten gegenübersteht. Die letztgenannten Unterschiede lassen sich weder nach qualitativer noch nach quantitativer Arbeits­leistung rechtfertigen, sondern haben ihre Begründung lediglich in anderen Fragen, hauptsächlich in dem Er­holungsbedürfnis der Schuljugend. Die Erlaubnis( be­ziehungsweise das Nichtverbot) zu vielerlei recht träglicher Nebenbeschäftigung und die Ermöglichung hierzu durch die verfügbare freie Zeit ist ein weiteres Glied der verschiedenen, nicht wegzuleugnenden Vorteile, die insgesamt den Volksschullehrerberuf und die peku­niäre Dotierung desselben nicht allein günstiger wie den der mittleren, sondern sogar eines größeren Teiles der höheren Beamten erscheinen lassen. Die so hohen Aus­bildungskosten zu den mittleren und den höheren Be­amtenstellen werden von den Volksschullehrern gleich wie die so überaus ungünstige soziale Lage sämtlicher An­wärter zu diesen Stellen gar zu leicht übersehen. Wei­tere Kreise der Bevölkerung, nicht allein die gesamte Be­amtenschaft sämtlicher Bundesstaaten und des Reiches, sehen allmählich auch ein, daß das stetige Vorwärts drängen der Volksschullehrer nach materielien Gesichts­punkten und zumeist mit geringer Rüdsichtnahme auf die Staats- und Kommunalfinanzen eine zu impulsive

ein­

Dodot aber bin thm trent geblieben und werde es bleiben bis zum letzten Bauch."

( Nachdruck verboten.) Es ist ein wertvoller Fund, der in meine Hand fel. Jede Beile dieses Schreibens klagt Ste an. Hier: Run bin ich in Bordeaux, der Schwelle des Geheim­niffes." Allerdings von hier aus werden alle Rüstungen betrieben. Ich werde hier alles erfahren und Dir Be­richt erstatten." Nun, diesmal hoffe ich doch, einen Rie­gel vorzuschieben. Ich schwöre Dir, daß ich nicht ohne Rachricht zurückkehren werde." Ich fürchte, Sie werden gar nicht zurückkehren, Mademoiselle. Denn ich bin tug und werde alles auskundschaften, was uns zu wis­Ren nottut!" Und was Sie ausfundschaften, erfährt das preußische Hauptquartier. He, so haben Sie sich die Sache gedacht, Abscheuliche? In welchem Verhältnis ftehen Sie zu diefem Tyrolt?" du en 19 Er ist mein Verlobter," entgegnete Desiree mit Festigkeit.

Ein Seufzer schlug an ihr Ohr. Sie wandte sich um und erblickte den Grafen, welcher aus der Fensternische getreten war. Erbleichend senkte sie den Blick zu Boden.

Wie, Sie sind verlobt mit einem Prussien, verlobt mit dem Willen Fhres Vaters, der gleichfalls nach Bor­deaux tam?" fragte de Soumis. Dann haben wir ja noch mehr Spione in der Stadt?" smsin deb

Desiree nahm allen Mut zusammen. Der Graf hatte. ihnen zugehört. Jest mußte er die ganze Wahrheit er­fahren, sollte auch seine Zune: rg ertötet, seine ine Eigen= Itebe auf das Empfindlichste 1

Bzt werden.

Tyrolt war als Direktor im Geschäfte meines Va­ters tätig. Wir verlobten uns in Friedenszeit mit set­nem Willen, als fener aber zur feindlichen Armee zu­ftoßen mußte, trennte der Vater unseren Bund. Der Bater steht mit Herrn Tyrolt in gar keiner Beziehung,

" as ist ungeheuer poetisch, mein Fr" sagte spöttisa) der Kommissar, entlastet Ste aber niot im Ge­ringsten. Wer weiß, ob das alles, was Sie sagen, nicht anmutige Fabeln sind?"

" Ich bitte um Entschuldigung, Herr de Soumis, daß ich in die Verhandlung eingreife," sprach Graf d'Alin­court hervortretend, mein Zeugnis fann aber hier von Gewicht sein. Die Angaben, welche Fräulein Bourlier machte, beruhen ganz und gar auf Wahrheit. Ich kenne den deutschen Offizier und den Vater der Dame persön­Itch. Ich finde auch die betreffenden Stellen in dem Briefe ganz unverfänglich, wenn man nicht gewaltsam nach einer Deutung sucht!"

,, Ste meinen, Herr Graf?" fragte Soumts mit ver­wundert aufgerissenen Augen und bestürztem Gesichts­ausdruck. wisaldoilgoma WW

Alles, was das Fräulein hier ausgesagt, ist mir bereits auf dem Schiffe mitgeteilt, ihre Verlobung, thre Zuneigung zu dem Offizier, ihre Absicht, den Vater zu suchen, der, wie ich annehme, Soldat geworden ist. Ja, mein Herr Generalkommissar, eine braver Soldat ist dieser Patriot geworden, kein Spion. Schlagen Sie ein­mal die Listen nach, Sie werden den Namen finden." Wie ist der Name Ihres Vaters?" fragte de Sou­mis ganz verdunt.

" Jean Bourlier."

Der Name kommt mir bekannt vor, warten Ste etmmal. Ist das nicht der Herr, den mir Trepillon brachte? Ein Kaufmann? Kennen Sie Trepillon?" Nein, der Name ist mir unbekannt."

"

Es war ein guter Freund aus Sedan, früher bei den Hundertvierern. Er wurde Oberst der Zweihun­dertvierer, welche in Orleans stehen. Ich habe das Ver­zeichnis der Offiziere, sehen wir einmal."

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( Gießener Tageblatt)

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Telephon Nr.: 362.

24. Jahrg.

Form angenommen hat. Besonders setzten die anmaß­

ungsvollen, überhebenden Artikel in Nr. 28 und 29 des

Hess. Schulboten"( Jahrgang 1911) allen bisher ge­

hörten Forderungen die Krone auf und zeigten recht deutlich, wie weit sich Jdealismus und Materialismus freundschaftlich paaren können und wie weit Verirrun­gen von Staatsbürgerpflichten hinsichtlich der gesunden Einordnung in die Gesellschaftsordnung möglich. Hier­bei sei gestattet, die Worte einer wissenschaftlichen Auto­rität( Prof. Dr. Runke) zu zitieren, die gelegentlich einer Tagung der Vereinigung deutscher Wirtschaftsreformer gefallen sind und darin gipfeln, daß die Ausbildung der Volksschullehrer zu sehr in städtischem Sinn erfolge und ein Ueberhebungsgefühl über die ländliche Bevöl kerung dadurch hervorrufe, weiter, daß es dem Volks­schullehrer nur am baren Gelde liege. Diese so geistigen Richtlinien könnten eine geeignete Erziehung der länd­lichen Jugend nicht ermöglichen u. s. f."-

Es ist taktisch durchaus richtig gewesen, daß die hessische Regierung unter Beachtung der finanziellen Lei­stungsfähigkeit des Landes in der Besoldungsvorlage die Gehalte der Volksschullehrer denen der einzelnen Bun­desstaaten gegenüberstellte analog dem Verfahren bei den Gehaltsnormen der Beamten. Wenn auch die an­fänglichen Vergütungssätze der Volksschullehrer in Hessen etwas niedriger stehen wie in manchen anderen Staa­ten, so findet dies doch wiederum seinen Ausgleich da­rin, daß in fast allen anderen Bundesstaaten von grö­ßerer Bedeutung die Anstellungsmöglichkeiten der Volks­schullehrer schlechter wie in Hessen sind, teilweise die An­stellung 3-4 Jahre später wie in Hessen erfolgt und auch die Aufrückungsquoten und die Endgehalte durch­weg in diesen Staaten niedriger wie in Hessen sind. Keine andere Staatsdienergruppe hat im Laufe von 2 Dezennien derartige Erhöhungen in petuniärer Hinsicht errungen, wie im Verhältnis genommen die Volks= schullehrer; das soviel umstrittene Wohnungsgeld stard letzteren bereits eine Reihe von Jahren mit pensions= fähiger Anrechnung zu und ist es deshalb durchaus ver­ständlich, wenn die hessische Regierung die Vorlage in dieser Form in aller Sachlichkeit ausarbeitete.

Bei dieser Gelegenheit sei gestattet, die Herren Ab­geordneten als Vertreter aller Bevölkerungsklassen, also auch der Nichtlehrer, darauf aufmerksam zu ma= chen, daß eine wärmere Fürsprache zur Behebung der trostlosen Lage aller Dienstanwärter, besonders der un­teren und mittleren Dienststellen eine weit dringendere Aufgabe sein dürfte, als die prüfungslos übernommene und eingehend sfizzierte. Jeglicher sozialen Fürsorge in der langen Anwärterzeit vom 15-25 Jahren bar, ohne feste sichere Stellung, dabei aber Dienste von anerkannt wertvollster, denen der Festbesoldeten oft gleichwertiger Bedeutung verrichtend, ist es durchaus und mit allem Ernste wünschenswert, wenn eine Vergütungserhöhung

Er suchte in den Akten. Endlich suchte er einen Back von Ranglisten hervor.

Hier ist es," sagte er. Hören Sie einmal: 15. Armeekorps, General d'Aurelles de Palladine. 1. Divi fton Martin de Pallieret. 2 Brigade Bertrand. 204. Re­giment Trepillon, Oberst. 1. Kompanie Kapitän Robert Bizet( Nevers). 2. Kompanie Jean Bourlier( Sedan), Kapitän."

Das ist mein Vater!" rief Desiree glückstrahlend. " Der Gesuchte," bestätigte der Graf. Aber, wie konnte der Kaufmann eine Kapitänstelle erhalten?"

Trepillon stand für ihn ein," antwortete Soumis etwas befangen. Uebrigens hat seine Persönlichkeit der Erfolg für ihn gesprochen. Die Zweihundertvierer haben Artenay gehalten und die Bayern zweimal ge= schlagen."

Also ist Herr Bourlier ein Held," sagte der Graf, die Hand Desiree's ergreifend, nun wissen Sie, wo Ste Ihren Vater finden. Und Sie, Herr Generalfommissar werden wohl zu der Ueberzeugung gekommen sein, daß die Tochter des Kapitäns der republikanischen Armee unmöglich eine Spionin sein kann und Ihre Entschul­digung wegen der Verhaftung wohl verdient."

,, Sobald ich wirklich davon überzeugt sein werde, bin ich bereit zu jeder Genugtuung," meinte Soumis unbehaglich. Indes will ich auf Grund Ihrer Für­sprache das Fräulein freigeben, unter der Bedingung, daß es mit dem nächsten belgischen Schiff Stadt und Hafen Bordeaux verläßt."

" Ich bitte Sie, Herr Generalkommissar, das ist un­möglich," fiel Desiree flehend ein. Ich muß meinen Vater suchen." read aneb Und wenn ich's auch erlaubte es ist unmöglich, daß Sie zu ihm gelangen. Orleans ist Kriegsschauplaz. Die Zweihundertvierer stehen dicht vor dem Feinde."

( Fortsetzung folgt.)