Ausgabe 
24.1.1912 Zweites Blatt
 
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ter Hinzurechnung der denselben zustehenden Zustellungs­Gebühren und Nebenbezügen an Jahresgehalt nahezu 3000 Mart, während die Gehilfen um einen großen Betrag diesen gegenüber zurückſtehen.

Die bestehenden Ungleichmäßigkeiten und die hier­durch hervorgerufenen Unzufriedenheiten dürften woh! absolut nicht im Interesse des Staates liegen und bei der bevorstehenden Revision der Besoldungsordnung un­bedingt aus der Welt zu schaffen sein.

Die Stimmenzahl der Parteien.

Bei der Reichstagshauptwahl wurden nachstehende Stimmen abgegeben:

Konservative 1 149 916( i. J. 1907: 1 060 209), Reichspartei 365 087( 471 863), D. Reformpartei 42 882, Dtsch. Soziale 47 287, Christlich- Soziale 85 371, dieje drei Parteien zusammen 175 540( gegen 261 000 i. J. 1907), Bd. d. Landwirte 61 412( 95 000), sonstige Parteien 123 171( 105 000), Bayr. Bauernbd. 48 775 ( 72 000), 3entrum 2012 990( 2 179 743), Polen 438 807( 453 858), Nationalliberale 1 671 297( 1637048), Dtsch. Bauernbund 28 535( 0), Fortschr. Volkspartei 1 556 549( 1 233 935), Demokraten 28 557( 0), Sozial­demokraten 4 238 919( 3 259 020), Elsässer 84 113, 20­thringer 36 390, Welfen 76 922, Littauer 6228, Dänen 17 295, Wilde 12 376, unbestimmt 38 252, 3ersplittert 13 206.

Die Zahl der Wahlberechtigten betrug 14 236 722 ( 3. T. geschätzt), 1907: 13 350 698. Gültige Stimmen wurden abgegeben 12 188 337( 1907: 11 262 775). Demnach betrug die Wahlbeteiligung 85,6 Proz. gegen= über 84,7 Pro3. bei der Wahl 1907.

Die Sozialdemokratie hat also den gewaltigen Zu­wachs von einer Million zu verzeichnen. Die Konserva­

tiven und Nationalliberalen haben sich im ganzen ge­halten. Die kleinen Rechtsparteien haben erheblich ver­loren, die Fortschrittler 300 000 gewonnen. Der Rück­gang des Zentrums ist auf die Abkommandierung von 200 000 Wählern an die Rechte zurückzuführen.

Zum Knappschaftsstreit im Rubrrevier.

P

In der heutigen Generalversammlung des Allgemei­nen Knappschaftsvereins in Bochum stand als wichtig­ster Punkt die Frage zur Entscheidung, ob eine Auf rechnung der reichsgesetzlichen Leistungen der Hinterblie­benen- Versicherung auf die Knappschaftsleistungen er­folgen solle oder nicht. Außerdem waren von mehreren Knappschaftsältesten zirka 20 Anträge auf Abänderung einzelner Krankenkassen- und Pensionskassenbestimmun­gen mit einer finanziellen Belastung des Knappschafts­vereins von nicht weniger als 30 Mill. Mk. p. a. ein­gebracht. Die Anträge der Vertreter der Arbeitnehmer wurden von seiten der Arbeitgeber abgelehnt.

Den Standpunkt der Arbeitgeber vertrat Herr Berg assessor Kleine. Er wies u. a. darauf hin, daß die Witwen- und Waisenversicherung, die wir im Bergbau seit Generationen haben, jetzt zum erstenmal allgemein für jeden Beruf und für den ganzen Umfang unseres deutschen Vaterlandes durch Reichsgesetz eingeführt werde. Dabei sei der Kreis der Witwen, denen reichsgesetzlich eine Rente gewährt werde, viel enger umgrenzt, als bei der Knappschaft. Während bei der Knappschaft jede Witwe, ob invalide oder nicht, eine Rente bekommt, er­hält nach der R. V. D. nur diejenige Witwe eine Rente, die selbst erwerbsunfähig ist. Vielfach seien die Renten mehr als doppelt so hoch wie die reichsgesetzlichen Wit­wenrenten, und es sei wirklich nicht einzusehen, warum die Einführung niedrigerer Renten für den Umfang des ganzen Reiches Veranlassung geben soll, die an sich schon höheren Renten zwangsweise noch weiter zu erhöhen. Wenn der§ 1322 R. V. D. vorsehe, daß durch Sta­tut über das Gesetz hinausgegangen und bestimmt wer­den könne, daß die Aufrechnung zu einem kleineren Teil oder garnicht stattfinden soll, so sei die Aufnahme die­ser Bestimmung nur erfolgt, um den Knappschaftsver­einen, die außerordentlich niedrige Witwen- und Waisen­renten gewähren, die vielfach schon längst geplante aber in Rücksicht auf die kommende R. V. O. immer noch zurückgestellte Erhöhung der Renten zu erleichtern. Dies sei denn auch von einzelnen Knappschaftsvereinen ge­schehen, deren Leistungen sich mit denen des Bochumer K. V. aber keineswegs in Vergleich stellen lassen. So erhält 3. B. bei einem Dienstalter des verstorbenen Man­nes von 10 Jahren eine Witwe beim Bochumer Kn.­Verein 135,20 Mt., beim Arnsberger Verein 51,00 M., beim Olper und Deutzer Verein 48,00 Mt., beim Bri­loner Verein 27,00 Mt. Redner weist darauf hin, daß der Handelsminister für den Saarbrücker Snappschafts­verein, der im großen und ganzen ähnliche Renten wie der Bochumer K.-V. bezahlt, die Verzichtleistung auf die Aufrechnung abgelehnt hat. Bei Beurteilung der de­stellten Anträge sei auch unbedingt erforderlich, sich klar zu machen, wie hoch überhaupt die Belastung des Berg­baues für die soziale Fürsorge in den letzten Jahren ge­wachsen ist. Die gesamten Aufwendungen dafür betru­gen für den Ruhrbergbau im Jahre 1892 16 355 769 Mt., im Jahre 1910 69 504 804 Mk. Auf den Kopf der Belegschaft betrugen sie im Jahre 1892 111,72 M., im Jahre 1910 198,29 M., das sind rund 13 Prozent des durchschnittlich verdienten Jahreslohnes. Das sei ein außerordentlich hoher Betrag, wenn man bedenke, daß bei den vielfachen Verhandlungen über die Ver­sicherung der Privatbeamten 8 Prozent als das höchste bezeichnet wurde, was Beamter und Prinzipal zusam­men für die Versicherung leisten können. Gerade im Hinblick auf das Kohlensyndikat und die Schwierigkei­ten, die einem Fortbestand entgegenstehen, liege es nahe, auch an die Zeiten wirtschaftlichen Niedergangs zu den­fen, in denen es sich gar nicht umgehen lassen werde, die Arbeitslöhne zu ermäßigen, und diese Ermäßigung

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sind. Schon aus diesem Gesichtspunkte heraus sei man werde um so höher sein, je höher die sozialen Lasten verpflichtet, bei jeder beabsichtigten Mehrleistung sorg fältig zu prüfen, ob nicht die Erhöhung des Beitrages Leistung nützt. Redner weist sodann auf die gewaltigen den Arbeitern mehr schade, als ihnen die gewünschte freiwilligen Aufwendungen der Werksverwaltungen für Unterstützungszwecke hin, die Jahr für Jahr mehrere Millionen Mark betragen. Angesichts all' dieser Fak­toren sei es umsomehr Pflicht, vorsichtig zu sein, als immer neue Ansprüche herantreten. Die Mehranforde­rungen durch die Saßungsänderungen des Jahres 1908 seien von 50,6 Millionen im Jahre 1907 auf 66,9 Mil­lionen im Jahre 1908 oder von 164 Mt. auf 195 Mark pro Kopf der Belegschaft in die Höhe geschnellt. nenversicherung wieder eine Mehrbelastung von Jetzt bringe die R. V. O. allein für die Hinterbliebe­1,75 Mill. Mk. und außerdem in der Unfallversicherung über kostspieligere Verfahren weitere, heute noch nicht zu über­und durch das viel umständlichere, langwierigere sehende höhere Lasten. Dazu können nun die Anträge, die verschiedene Gruppen der Knappschafts ältesten zum Knappschaftsältesten Teil wiederholt, zum Teil neu gestellt hätten, durch die eine Mehrbelastung von fast 30 Miil. Mk., eine Erhöh= ung der Krankenkassenbeiträge von 2 auf 3 Prozent und auf 3,42 Mt. eintreten würde. eine Erhöhung der Pensionskassenbeiträge von 1,94 Mr.

und

Redner schloß mit der Versicherung, daß es den 3e­lehnend gegenüber stellen zu müssen, besonders, wenn chenbesitzern nicht angenehm sei, sich den Anträgen ab­es sich um die Erhöhung der Witwen- und Waisenren­ten handele. Wenn irgendwo, so gelte in der Sozial­politik der Satz: Man soll vorgehen mit warmem Her= sich sagen, daß im rheinisch- westfälischen Bergbau eine zen, aber auch mit kühlem Kopfe". Und da müsse man Fürsorge für Verletzte und Kranke, für Invaliden, Wit­

wen und Waisen bestehe, wie sie an einer anderen Stelle kaum vorhanden sei. Man müsse sich aber wohl hüten vor Maßregeln, von denen zu befürchten sei, daß sie letzten Endes denen zur Last und Plage werden, denen sie eine Wohltat bringen sollen.

Lokales.

bezirke der Provinz Oberhessen betrugen nach * Die Einwohnerzahlen der Amtsgerichts­der Volkszählung vom 1. Dezember 1910: 309 233. Davon entfallen auf Gießen 65 484, Alsfeld 20 C82, Butzbach 17 315, Friedberg 33 200, Grünberg 15 195, Altenstadt 7375, Bad- Nauheim 11 356, Büdingen 13 409, Herbstein 11 454, Homberg 11 400, Hungen 7917, au­bach 7453, Lauterbach 12 320, Lich 8100, Nidda 13 728, Ortenberg 13 121, Schlitz 6268, Schotten 8759, Ulrich stein 8134, Vilbel 17 263.

n Gießen. Die Strafkammer verurteilte drei drei Monaten und einen zu einer Woche Festungshaft. Friedberger Gewerbeakademiker wegen Duells Zu Der Paukdiener, der Kutscher und die Wirtin des Men­surlokals in Bad- Nauheim erhielten je 26 Tage Festung.

Oppenheim. Die Reichstagswahl nahm hier nicht um 10 Uhr, sondern schon um halb 10 Uhr für die Deffentlichkeit ihren Anfang mit einer großen Schlägerei auf dem Marktplatz vor den Wahllokalen.

o Friedberg. Der Bäcker Pfaff, welcher durch seine Drohbriefe verschiedene Bürger in Aufregung ver­setzte, erhielt jetzt 2 Jahre 6 Monate Zuchthaus, 10 J. sicht gestellt. Ehrverlust und wurde lebenslänglich unter Polizeiauf

in

! Mainz. Die Stadt bewilligte dem Karnevalver -ein 3000 Mark als Beitrag zu einem Rosenmontags­zuge, den durch Hochwasser geschädigten Deutschen Brasilien 1000 Mark und entsprechende Summen für Notstandsarbeiten.

Literarisches.

richs des Großen hat auch die bet der Deutschen ? Zur 200. Wiederkehr des Geburtstages Fried­Verlagsanstalt in Stuttgart erscheinende Monatsschrift Arena" das Andenken an unseren Alten Fritz" fest­gehalten. So gibt eine mehrfarbige Reproduktion nach dem Gemälde von L. Noster sein Porträt wieder, wäh­rend eine zweite besondere Illustration ihn im Kreise seiner Generale im Schloß Sanssouci zeigt. Eine wei­tere Gemäldereproduktion führt ihn und seinen Stab am Vorabend der Schlacht von Zorndorf vor Augen. Au­ßerdem wird in illustrierten Artikeln Friedrichs des Gro­Ben Politik, seine Vorliebe für Bau- und Denkmals­Auch der übrige Inhalt dieses wiederum reich ausge­funst, sowie seine Begeisterung für die Musik besprochen. statteten schmucken Heftes ist ein ebenso interessanter wie vielseitiger.

Ursprung der meisten Leiden.

Unzählig sind die Schmerzenssymptome und Schwä­chezustände, deren Ursprung in der Blutarmut des Or­ganismus zu suchen ist. Allgemeine Schwäche, schnelles Ermüden, Schwindel- und Ohnmachtsanfälle, Kopf- und Rückenschmerzen, Herzklopfen, Furcht- und Angstgefühl, Niedergeschlagenheit, fahles, blasses Aussehen, ver­schwinden, wenn das Blut in der genügenden Menge und richtigen Zusammensetzung im Körper freift. Nach wissenschaftlichen Aeußerungen hervorragender Aerzte ist Leciferrin das zuverläßigste blutbildende und kräftigen­de Präparat, und wird von zahlreichen Aerzten bei obenerwähnten Symptomen verodnet.

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Ueberraschung, die der berühmte Forscher seinen zahl­losen deutschen Verehrern bereiten konnte. Eine Reiſe um die Welt ist das Leitmotiv dieses Buches. Mit Ei­selbstgezimmerter Fähre und auf dem Rücken des Ka­senbahn und Dampfschiff, zu Pferd und zu Wagen, auf mels, kurz mit allen Beförderungsarten, die die alte Kulturwelt des Ostens ersonnen hat, führt uns Hedin von seiner schwedischen Heimat aus durch Deutschland, Desterreich und die Türkei hinein in das unermeßliche Asien. Wir durchstreifen mit ihm Persien, Tibet, Indien und Ostturkestan, umfahren die beiden indischen Halb­inseln, legen an den Sundainsein an, schauen in Au­stralien hinein, besuchen die Hauptstädte Chinas und Japans, wandern über die Schlachtfelder des Russisch= Japanischen Krieges und kehren schließlich auf der nach Hause zurück. Es ist ein Volksbuch ersten Ranges Transsibirischen Eisenbahn durch Sibirien und Rußland von packendem Stoff und weltweiter Perspektive, einem unserer größten Entdeckungsreisenden und einem glänzenden Erzähler, in prächtiger künstlerischer Aus= ftattung mit 35 Textillustrationen, 8 Vollbildern und 10 Karten, und schließlich zu dem geringen Preise von 3 Mark!

? Sven Hedins Von Pol zu Po l" ist die beste

Don

? Der Photograph im Luftschiff. Uns liegen die Lieferungen 135-138 von Hans Kraemers prachtvollem Werk Der Mensch und die Erde" vor( Deutsches Verlagshaus Bong u. Co., Berlin W. 57, Lieferung 60 Pfg.), in denen wir eine ausgezeich­nete Wiedergabe von Ballonaufnahmen finden. Sie sind durch einen Ingenieur vom Zeiß- Werke in Jena aus verschiedenen Höhen, von 800 bis 2000 Meter, aufge­nommen und setzen in Erstaunen durch die Klarheit in durch, daß sie dem Beschauer eine Vorstellung von der den Details der Bodenbedeckungen, besonders aber da­betreffenden Gegend vermitteln, wie es keine Karte ver­

mag.

Bekanntmachung.

Friedrich Nuhn dahier hat sein Gewerbe als Dienst­mann niedergelegt und die Rückgabe der hinterlegten Kaution beantragt.

Diejenigen, welche Ansprüche an die Koution zu ha­ben glauben, wollen diese binnen 8 Tagen bei uns geltend machen.

Gießen, den 22. Januar 1912. Großh. Polizeiamt.

Gebhardt. Bekanntmachung.

Betr.: Reinigung der Fußsteige von Schnee und Eis. Grundstücken machen wir wiederholt auf die ihnen ob­Die Eigentümer von an die Straße grenzenden liegende Pflicht der Reinigung der Fußsteige von Schnee und Eis aufmerksam.

ung des Schneefalls und, wenn dieser während Der frischgefallene Schnee ist alsbald nach Beendig­der Nacht stattgefunden hat, längstens bis 8 Uhr vormittags von dem Fußsteig zu entfernen, und zwar muß der Fußsteig in seiner ganzen Breite bis zur Fahrbahn schneefrei gemacht sein.

Bei fortdauerndem Schneefall ist diese Reinigung so oft als nötig zu wiederholen.

Wenn auf den Fußsteigen Glatteis oder infolge an­dauernden Schneefalls, Frosteinwirkung oder aus son­stigen Ursachen Schnee- und Eisbuckel sich gebildet ha­ben, sodaß die Fußsteige schwer zu begehen sind, müssen diese in einer Breite von mindestens 1 Meter mit Sand, Kies, Sägemehl oder anderem geeignetem Material ausgiebig bestreut werden.

Das Aufstreuen von Abfällen, Schlacken oder sonstig ungeeignetem Material ist verboten.

Nach eingetretenem Tauwetter sind die Fußsteige un­ter Vermeidung von Beschädigungen gründlich zu rei­nigen.

Die Schutzmannschaft ist angewiesen, den Befolg ge­nau zu kontrollieren und geeignetenfalls Strafanzeige zu erheben.

Gießen, den 22. Januar 1912. Großh. Polizeiamt. Gebhardt.

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