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Gießener Zeitung
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( Neueste Nachrichten)
perteljährlich 1,20 M., vorauszahlbar, frei ins Haus. Abgeholt in unserer Expedition oder in den Zweigausgabestellen vierteljährlich 90 Pfg.- Ericheint Mittwochs und Samstags. Redaktion: Selters. weg 83. Für Aufbewahrung oder Rüdiendung nicht verlangier Manuskripte wird nicht garantiert. Berlag der ,, Gießener Zeitung" G. m. b. v.
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Rr. 50.
Telephon: Nr. 362.
Ein neuer Dreibundvertrag.
Jn Rom wird der bevorstehenden Zusammenkunft Ranjer Wilhelms mit dem Zaren in den finländischen Gewässern folgende Bedeutung beigemessen:
1. Die Neuorientierung oder Neugruppierung europäischen Mächte ist nicht mehr zu umgehen,
der
dorf 2. die Balkanfrage wird mit dieser Neugruppierung
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ihre entsprechende Lösung finden,
1. Mit der Abschluß des Friedens ist nur noch Frage weniger Wochen.
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Demgegenüber wird aber behauptet, daß, solange der Krieg dauert, Zwischenfälle oft geringfügiger Natur zu gefährlichen Elementen der Störung und Trübung
des bisherigen bezw. neubeſtegelten Berhältnisses wer
Flöte, bem fönnen. Es soll ein funkelnagelneuer Bund mit strament Reuen Gesichtspunkten und neuen Aufgaben geschaffen geraden werden, ein Bund, der Jrrungen und Wirrungen nicht juläßt, wie sie die letzten Lebensjahre des alten Bundes ausfüllten und ihren Höhepunkt in der Groteske
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Ein liberaler Sieg.
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is per Nach dem vorläufigen amtlichen Ergebnis der am Nachn. be Die ustag im Wahlkreise Hagenow- Grevesmühlen vorgePostpaket nommenen Reichstagsersazwahl wurden abgegeben für Sivkovich( liberal) 6962, für Pauli( kons.) Draber 736, für Kober( S03.) 4267 Stimmen. Es fehlen die Resultate aus 5 fleinen Orten. Es findet ſomit StichFettwall zwischen dem liberalen und konservativen Kandiaten statt. Bei der letzten Wahl erhielt Pauli( konj.) d. 4.50 7063, Sivkovich( liberal) 6140, Kober( S03.) 6151 Stimmen. In der Stichwahl siegte dann Pauli mit g, Ostpr. 865 Stimmen über Kober, der 8755 Stimmen erhielt. Die Konservativen verlieren also gut 300 Stimmen, die eFrell reinnigen gewinnen 800 und die Sozialdemokraten anserieren fast 2000 Stimmen. Dieser sozialdemo
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atische Stimmenrüdgang ist so auffällig, aß fonservative Behauutungen von einer Abkomman= ermung sozialdemokratischer Wähler zugunsten des frei mn igen Kandidaten nicht ganz unwahrscheinlich flingen. Es wäre das seitens der Sozialdemokratie ein bemer= enswertes Zeichen politischen Verständnisses, denn im bestalle einer Stichwahl zwischen dem konservativen und außerordentem Sozialdemokraten wäre der Sieg des ersteren sicher Preisliste kletsen, wie denn auch der konservative Kandidat bei Hartman er allgemeinen Wahl im Januar gewählt wurde. Dawie die mals war der sozialdemokratische Kandidat, Branch Ballprüfungskommission des Reichstages feststellte, zu Unrecht in die Stichwahl gekommen; deshalb wurde die Ball Paulis für ungültig erklärt. Dieses Mal wird s dun Konservativen wohl kaum gelingen, das Mangegen die Liberalen zu behaupten.
Eisenach.
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Unter Feinden.
Roman von Karl Mattbias.
( Nachdruck verboten.)
Der Spionin!" rief der Kommissar, mit ärgerlicher hr harini tane aufstehend. Ein eklatanter Fall gemeiner Spionage, wie dieser Brief bezeugt. Er deutete auf ein Schnetben, welches auf seinem Tische lag.„ Uebrigens babe ich eigentlich mit dieser Angelegenheit nur insozu schaffen, als ich dem Polizeichef zeigen wollte, bergleichen Gesindel massenhaft in Bordeaux weilt, trend fich jener einbildet, Spionage wäre eine Fa= Demnach ließen Sie die Dame verhaften, Herr GeReralfommissar?"
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Ich nicht, der Polizeihäuptling. Ich ließ das Geof nur zu mir kommen, weil ich ihm selbst auf den Bahn fühlen will."
Dann wird der Dame Gerechtigkeit werden, die so als id unschuldig verdächtigt wurde, daß ich mit Freuden jede Bürgschaft übernehme."
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Tun Sie das nicht, Herr Graf," sagte der Beamte ronisch lächelnd. Die Dame, welche sehr hübsch sein muß daß sie einen so vornehmen und heldenmütigen Ber felbiger fans, st start kompromittiert," Das wäre?
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wuve eine korrespondenz mit einem deutschen Dffister aufgefangen, die deutlich dafür spricht, daß sie, mu spionieren, hergekommen ist. Women Sie den Brio lefen?" So war er
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mam bupiert worden? Was fonnte der deutsche Offizier er Berstockten anders sein als ein Geliebter? Ich habe kein Recht, den Brief des Fräuleins Bourlier zu lesen," sagte er diskret.„ Aber Sie würden mich sehr verbinden, wollten Sie die Dame in meiner
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Expedition: Seltersweg 83.
Samstag, den 22. Juni 1912.
Politische Rundschau.
Deutschland.
* Der Kaiser hörte gestern vormittag den Vortrag des Staatssekretärs v. Tirpit. Er besichtigte dann in Begleitung des Reichskanzlers und der Herren des Gefolges die Kaiserliche Werft in Kiel. Später machte der Kaiser wiederum in Begleitung des Reichs
kanzlers und der Herren des Gefolges auf einer Anzahl ausländischer Jachten Besuch. Um 12 Uhr 45 Minuten kehrte der Kaiser an Bord der„ Hohenzollern" zurück, wo er militärische Meldungen entgegennahm.- Anstelle des Vizeadmirals Schröder wurde Kontreadmiral Jacobson zum Kommandanten von Helgoland und der Kommandant der Jacht„ Hohenzollern" Kapitän zur See Karpf, unter Belassung in dieser Stellung zum Flügel- Adjutanten des Kaisers ernannt.
* Berlin, 21. Juni. Reichskanzler von Bethmann Hollweg wird nach der Entrevue des Kaisers mit dem Zaren in den Finischen Schären, an der der Kanzler teilnehmen wird, sich nach Gastein begeben, um dort eine längere Kur zu absolvieren. In diplomatischen Kreisen wird es nicht für unmöglich gehalten, daß der Reichskanzler auf der Reise nach oder von Gastein dem österreichischen Minister des Aeußeren, Grafen Berchtold, seinen Gegenbesuch abstatten wird. Hierauf wird der Reichskanzler einen längeren Urlaub auf seinem Gute Hohenfinow bei Berlin antreten.
*
Trier, 21. Juni. Bei der heutigen Land= tagsersatzwahl in Trier für den zurückgetretenen Abgeordneten Rören wurde Freiherr v. Steinäder( 3.) mit 399 gegen 3 liberale Stimmen gewählt.
* Berlin, 21. Junt. Nachdem sämtliche Mächte Deutschlands Vorschlag der Beschickung der internationalen Konferenz anläßlich der„ Titanic- Ka= tastrophe" zugestanden haben, hat Deutschland offizielle Einladungen an die fremden Staatsregierungen beschlossen.
*
Erhebungen über die Ursache des Geburtenrüdganges in Preußen werden demnächst auf Veranlassung des Ministeriums des Innern in den grökeren Städten beginnen. Vor allem wird hier die Frage geprüft werden müssen, ob der namentlich in den Großstädten beobachtete Geburtenrückgang durch hygienische oder soziale Momente oder durch die Verhältnisse in den einzelnen Erwerbszweigen verursacht worden ist.
Oesterreich.
* Die ungarische Regierung legte dem Abgeordnetenhaus einen Gesetzentwurf vor, nach dem Abgeordsind nete, die vom Präsidenten ausgewiesen worden und trotzdem wieder im Sitzungssaal erscheinen und der neuerlichen Aufforderung, sich zu entfernen nicht folgen,
Gegenwart anhören. Ich bin überzeugt, daß sie dann nur die Wahrheit sprechen wird."
,, Es freut mich, einem so tapferen Mann, wie Sie, Herr Major, gefällig sein zu können. Huissier," befahl er dem Wachthabenden,„ führen Sie die Delinquentin vor!"
Beide Herren setzten sich wieder, der Generalfommissar mit wichtiger Miene hinter seinen aftenbedeckten Diplomatentisch, d'Alincourt einigermaßen verborgen in eine Fensternische.
Einige Minuten später trat Desiree ein. Herr von Soumis betrachtete die schlanke, aristokratische Gestalt nicht ohne Interesse. Er war ein feiner Desiree's schönes Auge, Kenner weiblicher Schönheit. welches sich flehend auf ihn richtete, verfehlte seine Wirfung nicht. Er deutete auf einen Stuhl, daß sie sich setzen möge, und winkte dem Huissier, abzutreten. „ Sie heißen Desiree Bourlier? Haben Sie Papiere?" „ Hier ein belgischer Paß und meinen Heimatschein." Ste legte beides vor den Generalkommissar auf den Tisch.
Vom französischen Konsul visitiert," sagte von Soumis, ganz schön! In wessen Auftrag reisten Ste hierher?"
" Ich tam in eigener Angelegenheit, um meinen Vater aufzusuchen, der nach Bordeaux gereist und gänzlich verschollen ist. Ich hatte die Absicht, heute bei Malvezin, Rue de Fey 14, Erkundigungen nach ihm einzuziehen.) seinen Ratschlägen wollte ich meinen Bater aufsuchen."
,, und unsere Stellungen, Rüstungen, Bewegungen ausfundschaften. Ist es nicht so?"
Nein, gewiß nicht, Herr Generalfommissar. Ich bin eine gute Patriotin und denke gar nicht an Verrat. In wessen Interesse sollte ich wohl so Schändliches unternehmen?"
( Gießener Tageblatt)
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Telephon Str.: 362.
24. Jahra.
des Mandats verlustig erklärt werden und die Wählbarkeit für die laufende Legislarturperiode verlieren.
* Wien, 21. Juni. Kaiser Franz Josef hat dem Ministerium mitgeteilt, daß er seine für den 26. Juni festgesetzte Abreise nach Jichl auf einige Tage verschiebe, da er die Annahme der Wehr gesetz vorlage abwarten will.
* Wien, 21. Juni. Der Regent von Persien ist heute früh hier eingetroffen.
*
Prag. Der Statthalter von Böhmen, Fürst v. Thun und Hohenstein, hat dem böhmischen Landesausschuß mitgeteilt, daß er der im Wahlkreise Jungbunzlau in den Landtag gewählten Frau Vik- Kuneticky die Ausstellung des Wahlzertifikats verweigern müsse, da den Frauen das passive Wahlrecht nicht zustehe.
Luxemburg.
Die Großherzogin Marie Adelheid leistete den Eid auf die Verfassung. Dann verlas sie eine Thron= rede, in der sie versprach, den Luxemburgern eine gute, gerechte, mildtätige und nachsichtige Fürstin zu sein, die ihr Augenmerk besonders auf die soziale Fürsorge richten wolle.
Frankreich.
Frankreich wird hinfort über 670 Bataillone verfügen, gegen 651, die dem deutschen Reiche nach der neuen Militärvorlage zur Verfügung stehen. Dieses Zahlenübergewicht bedeutet indessen teine tatsächliche Ueberlegenheit.
Paris, 21. Juni. In allen Hafenorten ist der Streit der Seeleute ausgebrochen. In Mar= seille ruht die Hafenarbeit so gut wie ganz.
Paris. Mehrere radikale Deputierte beschlos= sen, zum Budgetgesetz einen Zusazantrag einzubringen, wonach behufs Bekämpfung der Bevölkerungsabnahme jedes Familienoberhaupt, das mehr als drei Kinder unter 13 Jahren zu versorgen hat, für jedes weitere Kind eine monatliche Unterstützung von sechs Francs erhalten soll.
England.
* Am 8. Juli findet auf der Höhe von Spithead eine englische Flottenparade und eine Besichtigung der Kriegsschiffe durch die Mitglieder des Parlamentes statt. Am folgenden Tage beginnen dann die großen Schiffsmanöver, an denen sich wohl die stärkste Die Flotte, die jemals vereint war, beteiligen wird. Linie der Schiffe wird ungefähr 48 Kilometer lang sein. Unter anderem werden 18 Dreadnoughts daran
„ Im Interesse der Prussiens und in Verbindung mit dem Leutnant Waldemar Tyrolt in Reichenbach." Desiree's Mund estfuht ein Schret. Das war also der Kern des Verdachtes!
„ Sie wissen?" fragte sie tonlos. " Bekennen Sie sich schuldig, gestern an den Mann einen Brief geschrieben zu haben?" „ Mein Gott, ja!"
" Ist es dieser?" fragte der Kommissar, thr ein geöffnetes Schreiben hinhaltend
,, Allerdings, aber wie kam der Brief in Ihre
Hand?"
„ Sehr einfach. Das Stubenmädchen las die Adresse auf den Schreiben und benachrichtigte dte Directrice des Pensionats, die als eifrige Patriotin bekannt ist. Diese nahm den Brief an sich und lieferte ihn der Polizei aus, die Polizei gak ihn mir, ich öffnete und las ihn, voila! Ich ließ Ste verhaften wegen Landesverrat und Spionage. Nun wird Ihnen der Verlauf der Angelegenheit wohl klar geworden sein," schloß er mit bltzenden Augen und drohender Handbewegung.
" So hat man mich also bestohlen!" rief das Mädchen mutig, und das Briefgeheimnis verlegt?" „ Gewiß, die Adresse allein ist schon Landesverrat. An den Leutnant Tyrolt, offenbar ein Offizier, der gegen Frankreich gefochten hat, ein Feind des Vaterlan des."
,, Aber mit welchem Rechte öffnet man den Brief?" fragte Desiree, die die Gefahr nicht begriff, in der sie schwebte.
,, Mit welchem Rechte?" donnerte Herr von Soumis. „ Mit dem Rechte der Justiz Berrat zu verhindern und zu bestrafen."
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( Fortsetzung folgt.).
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