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Gießener Zeitung

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( Neueste Nachrichten)

verteljährlich 1,20 Mt., vorauszahlbar, frei ins Haus. Abgeholt in unserer Expedition oder in den Zweig­ausgabestellen vierteljährlich 90 Pfg. Erscheint Mittwochs und Samstags. Redaktion: Selters­weg 83. Für Aufbewahrung oder Rücksendung nicht verlangter Manuskripte wird nicht garantiert. Berlag der ,, Gießener Zeitung" G. m. b. H.

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Nr. 67.

Telephon: Nr. 362.

Ein neuer Krieg?

Ein Krieg zwischen der Türkei und Montenegro scheint sich vorzubereiten.

Die Köln. 3tg." meldet folgendes Bertiner Tele­gramm: Die Schwierigkeiten an der türkisch- montene­grinischen Grenze bestehen immer noch, es scheine aber, daß jetzt die Montenegriner über das ortsübliche Maß hinausgegangen sind, denn die Besetzung einer 5 Kilo­meter von der Grenze entfernten Stadt läßt sich nicht durch die übliche Bostenschießerei erklären. So wie die Dinge liegen, meint das Blatt, fann gar kein Zweifel darüber herrschen, daß die Türkei von vornherein nicht das mindeste Interesse hat, mit Montenegro Streitig= feiten anzufangen und, wenn solche Streitigkeiten trotz­dem seit einer Reihe von Wochen zu verzeichnen sind, so spricht die dringende Vermutung dafür, daß die Schuld auf montenegrinischer Seite liegt. Man kann geradezu sagen, daß eine türkische Kriegserklärung an Montenegro für die Türkei eine Rettung aus den schwierigen inneren Verhältnissen sein würde und, wenn eine solche Kriegserklärung aus verschiedenen Gründen auch ihre ernsten Bedenken hätte, so sei die Annahme doch nicht fernliegend, daß die Türkei jetzt zu diesem Mitte! ihre Zuflucht nehmen könne.

Es würde sich fragen, ob nicht Italien dem mon­tenegrinischen Freunde zu Hilfe eilen, d. h. den Krieg mit der Türkei auf das europäische Festland ausdehnen würde. So könnte aus dem kleinen Balkanbrand der große europäische Krieg entstehen, in dem niemand mehr wüßte, wem er verbündet sei. Dieser Gefahr wollte Graf Berchtold mit seinem Vorschlage begegnen.

Berana ist von den Montenegrinern völlig eingeschlossen. Sie greifen den Ort und die Befestigun­gent unausgesetzt an.

Cetinje, 20. Aug. Die Kämpfe im Ge­biete von Berane dauern fort. Sowohl auf türkischer als auch auf montenegrinischer Seite ist die Artillerie in Tätigkeit. Der türkische Ministerrat beschloß, in Cetinje mergische Schritte zu unternehmen und die Aufmerk= samkeit der Mächte auf das Vorgehen Montenegros zu lenten, das eine friegerische Haltung eingenommen.

Die staatliche Beaufsichtigung der Bergwerke, im besonderen im Oberbergamtsbezirk Dortmund. Anläßlich des Grubenunglücks auf der Zeche Loth­ingen" ist in der Oeffentlichkeit auch die Frage erörtert borden, ob eine Verschärfung der Grubenkontrolle

tolt.

Unter Feinden.

er=

Roman von Karl Matthias. ( Nachdruck verboten.) Herzlichen Gruß, Herr Bourlier," entgegnete Ty­

" Sie kommen aus meinem Vaterlande?" fragte Bourlier, mit den Augen zwinkernd. Haben Sie viel­leicht den König von Preußen zum deutschen Kaiser ma­hen helfen?"

" Das nicht," erwiderte der andere, ohne seine Ruhe verlieren. Mich führten nicht Staatsaktionen nach Frankreich, sondern private Angelegenheiten, die Ihnen vielleicht interessanter erscheinen werden, als jener hi­forisch bedeutsame Att."

" Dazu gehört nicht viel," meinte der Alte achsel­juckend. Herr von Winigerode erzählte mir, Sie hätten einte Ueberraschung für mich."

Mein Kamerad täuschte sich nicht. Ich habe etwas für Sie mitgebracht, und bin überzeugt, daß Sie es dankend von meiner Hand empfangen werden."

Hm, der Orden ist es nicht," dachte der Franzose, etwas anderes also? Laß sehen."

" Nun folgt wahrscheinlich das Verzeichnis aller Bwhltaten, welche mir hier aufgedrängt, wider Willen auffgezwungen wurden," fuhr er hämisch fort. Ich kon­tattere, daß ich nichts verlangt habe und nicht verlangen werde. Weshalb geben Sie sich nur die Mühe? Mein Edhwiegerfohn tönnen Sie doch nicht werden, denn De­free ist tot."

wiffen Sie das so genau?" fragte Waldemar mit blüßenden Augen. Diese Redensart paßt nicht mehr, berr Bourlter. Gerade, um eine neue Spur zu verfol­gem, die zu Desiree führen konnte, bin ich nach Frank­tech gereist und diesmal nicht ohne Erfolg." " Desiree lebt?" fragte der Vater mit einem freu­

Expedition: Seltersweg 83.

Mittwoch, den 21. August 1912.

forderlich sei. Es dürfte daher wohl am Platze sein, an Hand einiger Zahlen, die nach den Jahresberichten der Königlich Preußischen Bergrevierbeamten zusammenge­stellt sind, zu zeigen, in welcher Weise die Beaufsichtig­ung der Bergwerksbetriebe durch die staatlichen Behör­den gehandhabt wird.

Entsprechend der Gefährlichkeit des Bergbaues ist die staatliche Ueberwachung naturgemäß weit intensiver als in allen anderen gewerblichen Betrieben. In den 5 preußischen Oberbergamtsbezirken waren im Jahre 1911 2123 Anlagen im Betriebe, die der Aufsicht der staat­lichen Bergbehörden( Revierbeamte, Hilfsarbeiter, Ein­fahrer) unterstanden. Von diesen 2123 Anlagen wur­den im Jahre 1911 1989 gleich 93,69 Prozent revi­diert und zwar 280 gleich 13,19 Prozent einmal, 223 gleich 10,50 Prozent zweimal und 1486 gleich 70,0 Prozent drei- und mehrmal. Hierzu kommt dann noch die große Zahl der Unfalluntersuchungen, mit denen immer die Anwesenheit des Aufsichtsbeamten auf der betr. Grube und somit eine gewisse Revision der letz teren verbunden ist.

Wenn auch bereits aus der großen Zahl( 70 P3.) der drei- und mehrmal revidierten Anlagen die beson­dere Sorgfalt, die die Bergbehörden den gefährlicheren Betrieben zuwenden, zu erkennen ist, so wird diese Sta­tistik doch ungünstig beeinflußt dadurch, daß sie sich auf das ganze Gebiet des preußischen Staates bezieht und demgemäß auch alle kleineren, minder gefahrvollen Bergwerksbetriebe( z. B. des Westerwaldes, Harzes, der Eifel usw.) umfaßt, bei denen naturgemäß nicht eine solch eingehende Beaufsichtigung erforderlich ist.

Ein wesentlich anderes Aussehen erhält obige Sta­tistik, wenn man einen Bezirk herausgreift, der im all­gemeinen nur gefährlichere Bergwerksbetriebe umfaßt wie z. B. den die Sektion 2 der Knappschafts- Berufs­genossenschaft bildenden Oberbergamtsbezirk Dortmund, der etwa zwei Fünftel der gesamten in der Knapp= schafts- Berufsgenossenschaft versicherten Arbeiter beschäf­tigt. Hier gestaltet sich das Bild für das Jahr 1911 folgendermaßen:

Zahl der revidierten Anlagen Zahl der Zahl der Anlagen Revision. überhaupt einmal zweimal drei u. mehr­1( 0,54%) 5( 2,7° ( 100%)

185

22198

185

mal 179 ( 96,76% 0

Außerdem fanden 6857 Unfalluntersuchungen statt. Dortmund unter Einschluß der Unfalluntersuchungen auf Es geht hieraus hervor, daß im Oberbergamtsbezirk Dortmund unter Einschluß der Unfalluntersuchungen auf jede der Bergbehörde unterstehende Anlage im Jahre 1911 durchschnittlich 162 Revisionen entfielen, auf die gefährdeteren Betriebe mehr und die minder gefährdeten

digen Aufschrei, Sie haben Sie gefunden? O, sprechen Sie die Wahrheit, sagen Sie, was Sie wissen."

Wenn ich sie in Ihre Arme führe, würden Sie dann den unvernünftigen Groll begraben, den Sie mir unaufhörlich zeigen, würden Sie endlich einsehen, wie unrecht Sie mir getan haben? Sie haben mich den Mör­der Ihres Sohnes genannt. Ich fand Olivier und ent­träftete Ihre Anklage. Ohne Erfolg! Ich bewies Jh­nen, daß ich meiner Braut fern, ach nur zu fern ge­wesen war. Ohne Erfolg! Sie schmähten mich und hiel= ten mir als Belohnung meiner Dienste vor, daß Desiree tot sei und meine Hoffnung auf ihre Hand vergeblich. Nun, ich gab diese Hoffnung nie auf, und frage Sie, wollen Sie ihren Groll vergessen, wenn ich sie Ih­Desiree gefunden?"

Spannen Sie mich nicht auf die Folter. Haben Sie Desiree gefunden"? " Ja!"

Gott sei gelobt! Werde ich sie wiedersehen?" " Ja. Doch nur, wenn Sie ihr verzeihen und sie liebevoll aufnehmen wollen."

Alles, alles will ich vergessen," versprach Bourlier. Wir haben beide zum iebermaße gefühnt, was wir im Zorn und in der Verblendung taten. Wenn Sie je ein Atom von Zuneigung für mich gefühlt haben, bringen Sie mir mein Kind, daß ich mich mit ihm versöhnen und es in meine Arme schließen kann."

Und ich?" wollte Waldemar fragen. Aber er drängte das Wort zurück. Die unbefriedigte Sehnsucht des Vaters rührte ihn, riß ihn fort, jeden persönlichen Vorteil aus der Hand zu geben.

Nun denn, ich will Desiree holen," sagte er, fie wartet im Wagen auf die Erlaubnis, hier einzutreten."

" Desiree, mein Liebling, mein verlorenes Kind!" rief Bourlier in hellem Entzücken und eilte mit jugend­Itcher Behendigkeit an dem Offizier vorbei aus dem Bimmer zum Wagen, wo er die Türe aufriß.

( Gießener Tageblatt)

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Telephon Nr.: 362. 24. Jahrg.

weniger. Es gibt im Ruhrbezirk eine ganze Reihe von Schachtanlagen, die viermal in der Woche von staat= lichen Aufsichtsbeamten besucht werden. Berücksichtigt man ferner, daß ein Teil dieser Revisionen an Sonn­tagen und während der Nacht vorgenommen werden, so fann von einer unzureichenden Beaufsichtigung wohl kaum die Rede sein.

Im Anschluß hieran seien zum Vergleich einige Zahlen über die gewerbepolizeiliche Aufsichtstätigkeit mitgeteilt, wenn auch von vornherein nicht bestritten werden soll, daß die der Gewerbepolizei unterstehenden Anlagen zum größten Teil bei weitem nicht einer sol­chen intensiven Beaufsichtigung bedürfen wie die Berg­werksbetriebe. Von 163 370 gewerbepolizeilich beauf­sichtigten Fabriken und diesen gleichgestellten Anlagen find im Jahre 1911 84 861 gleich) 51,9 Prozent revi­diert worden: die Gesamtzahl der Revisionen betrug 126 814.

Auf einen revisionspflichtigen Betrieb entfallen also für das Jahr 1911- ohne Unfalluntersuchungen bei der Gewerbepolizei 0,7, bei der Bergpolizei( in den 5 Oberbergamtsbezirken Preußens) 20, im Oberberg= amtsbezirk Dortmund 125 Revisionen.

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Politische Rundschau.

Deutschland.

Berlin, 20. Aug. Prinz Heinrich von Preu­Ben traf heute früh 8.15 Uhr auf dem Bahnhof Fried­richstraße ein und setzte seine Reise nach Japan fort. Berlin, 20. Aug. Heute vormittag traf die Prinzessin Mary von England in Begleitung einer Hofdame und dem Obersten Dogdal von Neu- Strelitz hier ein, um die hiesigen Sehenswürdigkeiten zu be=

sichtigen. Die Abreise erfolgte am Abend.

Zur Stellung der deutschen Regierung zur Berchtoldschen Aktion meldet ein Berliner Telegramm der Köln. 3tg.":" Bereits bei der ersten Mitteilung durch den österreichich- ungarischen Geschäftsträger von Flotow ist die Anregung des Grafen Berchtold von Staatssekretär v. Kiderlen zustimmend aufgenommen worden. Diese Zustimmung wurde ausdrücklich wieder­holt in einer Unterredung des Staatssekretärs mit dem österreich- ungarischen Botschafter.

Die kaiserliche Marine erhält zum 1. Oktober ihr erstes 3eppelin- Luftschiff. Die ses wird seitens des Reichsmarineamts in der großen Ballonhalle auf dem Flugplatz Johannisthal stationiert. Das Schiff bleibt bis auf weiteres dort. Das Reichs­marineamt hat die große Ballonhalle zu diesem Zwecke gemietet.

Mein süßes Kind, mein Töchterchen!" jauchzte er und hob eine verschleierte Dame aus dem Fond.

Des Schmerzes in seinem Arm nicht achtend, trug er sie auf seinen Händen in die Stube und ruhte nicht eher, bis sie vor ihm auf einem Stuhle saß.

Bitternd vor Erregung schlug er den Schleier zurück und betrachtete the blasses Gesichtchen mit funkelnden Augen und betastete es mit bebenden Fingern. Dann tüßte und herzte er sie und sprach auf sie ein, als ob sie ein kleines Kind wäre. Und Desiree erwiderte seine Liebkosungen und schluchzte und erzählte von ihrer Sehn­sucht und ihrem Kummer, von ihrer Krankheit und Ret­tung und strich wehmütig über des Vaters graues Kopf­haar und den verwilderten Bart.

Waldemar hatte sich bescheiden zurückgezogen. Er wartete ab, bis der tolle Sturm des Wiedersehens vor­beigegangen war, Desiree dachte an ihn zuerst. Sie machte sich von des Vaters Umarmung frei und trat zu dem Geliebten.

" Dante ihm, Papa", sagte sie bittend, indem sie ihre Hand in die seine legte. Waldemar war mein Leitstern in gefahrvollen Stunden, mein Freund in der Not, mein Retter aus Gefahr. Daß Du mich hier siehst, ist sein Wert. Dante ihm das, mein Vater."

Bourlier blickte zuerst sein Kind, dann den Mann ihrer Wahl an. Es wurde ihm offenbar sehr schwer, thre Bitte zu erfüllen, widerstrebend reichte er dem Freunde die Hand, um dieselbe aber nach kurzer Berührung zu= rückzuziehen, dann begann er mühsam sprechend:

" Mein Kind hat Recht. Sie haben sich um uns, um mich vielfach verdient gemacht, und ich wäre undankbar, wollte ich das nicht anerkennen. Das tue ich zunächst da durch, daß ich Sie um Verzeihung bitte für jedes Wort, das Sie tränken mußte, daß ich Sie falsch beschuldigte. Sind Sie so zufriedengestellt?"

( Fortsetzung folgt.)

Yacht- Sport.

Yacht- Sport.

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