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Gießener Beitung

Bezugspreis 40 pfg. monatlich

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( Neueste Nachrichten)

verteljährlich 1,20 Mt., vorauszahlbar, frei ins Haus. Abgeholt in unserer Expedition oder in den Zweig­ausgabestellen vierteljährlich 90 Pfg.- Erscheint Mittwochs und Samstags. Redaktion: Selters­weg 83. Für Aufbewahrung oder Rücksendung nicht verlangter Manuskripte wird nicht garantiert. Verlag der ,, Gießener Zeitung" G. m. b. H. Nr. 49.

Telephon: Nr. 362.

Die neue Kongogrenze.

Samstags liegt für die Stadtabonnenten der

Illustrierte Wochen- Anzeiger

gratis bei.

Expedition: Seltersweg 83.

Mittwoch, den 19. Juni 1912.

tig ist. In Frankreich hat man viel von den Entschä­digungsansprüchen dieser Gesellschaften geredet. Das ist natürlich eine Sache, die diese Gesellschaften mit der französischen Regierung werden ausmachen müssen. Glauben sie, ein Recht darauf zu haben, unter franzö= eine

eventuelle Entschädigung natürlich von Frankreich und nicht von uns verlangen. So schwierig die Fragen sind, die die Berner Kommission zu verhandeln hat, so sind sie doch im wesentlichen unpolitischer und mehr technischer Natur und können in Ruhe und ohne Erreg­ung verhandelt werden. Es ist vielleicht ein hartes Rin­gen, aber keine politische Verwickelung zu erwarten.

Politische Rundschau.

Deutschland.

Am Montag hat in Bern die deutsch ranzösische Kommission zur Regelung der ungo abtretung ihre Arbeit begonnen. Der Zu­Lmentritt dieser Kommission war in dem deutsch- fransischer Oberhoheit zu verbleiben, so müßten sie fischen Abkommen vom November des vorigen Jahres orgesehen. Er hat sich etwas verzögert, da umfang= ge und schwierige Vorarbeiten zu bewältigen waren, E welche nur recht fragwürdiges und mangelhaftes Raterial zur Verfügung stand. Die Hauptaufgabe die Kommission ist die Festlegung der Grenze, eit dies ohne Augenschein an Ort und Stelle mög­dist. In dem Novembervertrag ist die neue Grenze wischen Französisch- Kongo und Deutsch- Kamerun nur edit summarisch festgelegt durch gerade, in unbekannten be genden gezogene Linien, durch Flußläufe und Breite­rande. Damals wurde schnell gearbeitet und unter Um­mden, die zur Regelung politisch unwichtiger, aber disch schwieriger Detailfragen nicht gerade günstig penen. Das soll die Berner Kommission nun nachholen. Das ist kein leichtes Stück Arbeit. Von beiden Seiten aden benden Konzessionen gemacht werden müssen, und wenn uf der einen Stelle eine für einen Teil günstigere ranze gezogen wird, wird es an einer anderen Stelle zlar mgelehrt sein. Ist dann die Grenze festgelegt, so wird Kommission an Ort und Stelle alle ejenigen Details regeln, die in Bern nicht geregelt wer­en fönnen. Da die Grenze außerordentlich lang ist nb durch zum Teil unerschlossene und unwirtliche Ge­ett führt, wird diese weitere Kommission wohl ein wirten zwei Jahre brauchen, bis sie von der Küste zum fennung go und Ubanghi und von da zum Tschadsee ihre re beiten beendet hat und der Uebergang der abgetrete­seralle en Gebiete an Deutschland erfolgen kann. Die andere, Jenfalls recht verwickelte Frage, mit der sich die Berner ormission beschäftigen wird, ist die Frage der onzessionsgesellschaften. Die Konzessio­in der bisherigen französischen Gesellschaften in den ab­etratenen Gebieten sind außerordentlich verwickelte Ver­ige, deren Interpretation zum großen Teile recht strit­

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Unter Feinden.

Roman von Karl Matthtas.

( Nachdruck verboten.)

Desiree antwortete nicht. Bewegungslos saß sie ne­hn und en der Portierloge und harrte mit klopfendem Herzen uf den Augenblick, der sie aus der eklen Gesellschaft

vy, badeffer Männer befreien würde.

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Endlich rollte ein Wagen vor die Pension, eine to be, bequeme Kutsche mit einem Wappen auf dem Einfach Schlage und einem gallonierten Kutscher auf dem Bock. dem Prokurator Sie gehört meinem Freunde, ern Lamezan. Ich habe ihm die Equipage vor der Staffe fortgefischt, als er gerade spazieren fahren wollte," gte der Graf lachend, als er aus dem Wagen sprang.

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it Roll Stigen Sie ein, meine arme Freundin, und auch Sie, eine Herren. Da Sie Ihre Beute doch nun einmal t aus den Händen lassen wollen, so lassen Sie sic enigstens fahren."

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Die Polizisten setzten sich bescheiden auf den Rück­6. Desiree und d'Alincourt nahmen nebeneinander Blog. Der Kutscher trieb die Pferde an und brach sich Balln durch den johlenden Volkshaufen.

Nun sagen Sie mir, was ist geschehen?" fragte der Staf Spionin? Es ist zu lächerlich, wenn es nicht so efährlich wäre. Sie, die Sie kamen, Ihren Vater zu uchen? Ich nehme an, daß Sie mir die volle Wahrheit

Tam belagt haben."

Beim allmächtigen Gott, das habe ich," sprach De­res, die Rechte auf das Herz legend. Das ist das ein­Biel meiner Neise. Ich habe auch gar keine Ah= ang, wie der schimpfliche Verdacht gegen mich entſte= baben fonnte."

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Reichten Sie Ihre Pässe bei der Mairie ein?" Nein, ich schrieb gestern nur meinen Namen ins Frandenbuch. Meine Papiere habe ich bei mir; es ist in: belgischer Paß, vom französischen Konsul visiert, und

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* Wie jetzt bekannt gegeben wird, wird der deut­sche Kaiser mit dem 3aren in den ersten Tagen des Julis in den Finnischen Schären zusammentref­fen. In Begleitung des Kaisers wird sich der Reichs­kanzler befinden. Der Kaiser dürfte auf der Reise nach den Finnischen Schären zur Begegnung mit dem 3aren um den 8. Juli auf der Hohenzollern" in Dan­zig eintreffen, um dort dem Kronprinzenpaar einen ge= Besuch abzustatten, sowie das vom Kronprinzen führte erste Leibhusaren- Regiment besichtigen. Der Kai­ser wird auf der Hohenzollern" wohnen.

( Gießener Tageblatt)

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Telephon Nr.: 362.

24. Jahrg.

tionalliberale, 4 Vertreter der rechten Parteien, 3 der Fortschrittlichen Volkspartei. Die Sozialdemokraten ver­loren einen seit vier Jahren innegehabten Siz.

Desterreich.

* Wien, 18. Juni. Unvermutet ist heute im Parlament eine derartig kritische Lage aus­gebrochen, daß in der Folge wahrscheinlich auch eine Ministerkrise zu erwarten ist. Die Situation entstand durch einen parlamentarischen wie fonſtitutionellen Miß­griff des mit der Stellvertretung des Ministerpräsiden ten betrauten Ministers des Innern, Baron Heinold, der den Ruthenen eine kaiserliche Botschaft über ihr parlamentarisches Verhalten verlas, ohne daß die pol­nischen Minister des Kabinetts Kenntnis hatten. Zwei­fellos wird das Kabinett seine Demission geben, da sonst im Parlament eine schwierige Situation hinsichtlich der Annahme der Wehrvorlagen bestehen würde.

Wien, 18. Juni. An dem Ministerpräsiden­ten Grafen Stürth wurde heute eine Opera= tion vorgenommen, die wie es heißt, im Rahmen des Heilungsprozesses des erkrankten Auges gelang.

Frankreich.

Paris, 18. Juni. Bei einem in Lille ver­anstalteten Musikfest entstand auf der Straße zwischen zwei Offizieren und einer Gruppe von Antimilita­* Berlin, 17. Juni. Der Reichskanzler empfing rist en ein heftiger Streit. Die Offiziere wurden schließ­heute den Botschafter Frhr. Marschall v. Bielich von den Antimilitaristen arg mißhandelt und einer der letzteren schleifte eine Tricolorevereinsfahne durch den berstein. Frhr. Marschall v. Bieberstein hat heute Unrat, indem er Beschimpfungen gegen die Armee aus­mittag Berlin verlassen, um sich nac) London ริน begeben. Die Gattin des Botschafters wurde gestern ließ. Bier der Antimilitariſten wurden verhaftet. mit ihrer Tochter von der Kaiserin in Potsdam empfangen und zur Frühstückstafel zugezogen. Berlin. Den beiden sozialdemokratischen Landtagsabgeordneten Borchardt und Leinert ist jetzt die Anklageschrist wegen Hausfriedensbruchs und Widerstands gegen die Staatsgewalt zugegangen.

Koburg, 18. Juni. Im ganzen Herzogtum fanden Landtagswahlen statt. Gewählt wurden 4 Na­

mein Heimatschein. Die Tante sah darauf, daß ich meine Legitimation in Ordnung hielt."

" Das ist gut," nickte d'Alincourt nachdenklich, aber es beweist noch nichts. Kennen Sie hier in Bordeaux niemand persönlich, der für Sie Bürgschaft leisten fann?"

Niemand. Herr Malvezin hat mich natürlich nie gesehen, nur meinen Papa- er würde über den jeden­falls Auskunft geben können."

Das wird nicht nötig sein," meinte der Graf, mein Zeugnis wird besser wirken, Sie nehmen es doch an?" Sie sind mein Retter, Herr Graf."

" Ihr aufrichtiger Freund bin ich, liebste Desiree. Haben Sie guten Mut. Es kann nichts vorliegen als eine abscheuliche Verleumdung. Weshalb zogen Sie auch in ein Damenpensionat? Schlimm genug, daß auf die Verdächtigung irgend einer alten Jungfer hin eine anständige Dame verhaftet werden kann und dazu noch so rücksichtslos wie von Euch, Ihr Herren."

Wir tate, nur, was unsere Pflicht ist, Herr Ma­for," antworter Blichart.

Gar so unschuldig wird die Dame wohl nicht sein," meinte Piffart. Wir arretierten schon manches Fräu­lein, das wie die Unschuld selber aussah und nachher blieb sie doch in Gewahrsam. Die Dame hat eine richtige Spionennase."

Ich bewundere Ihren Scharfsinn," sagte der Offi­zier lächelnd, hoffentlich wird der Herr Maire feine Abneigung gegen niedliche Stumpfnäschen haben."

Die Dame kommt nicht vor den Maire, sondern zum Herrn Generalkommissar," sagte Blichart wichtig.

,, Generalkommissar, was ist das für eine neue

Charge?"

Augenblicklich die höchste in Bordeaux. Herr von Soumis ist die rechte Hand des Retters Frankreichs, des Herrn Gambetta, der ihn selbst als oberste Polizei- und Militärbehörde eingesetzt hat."

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Luremburg.

Luxemburg. Die Großherzogin Maria Anna wird nun den offiziellen Titel Großherzogin= Witwe" führen. Graf zu Stolberg- Stolberg versieht die Funktion eines diensttuenden Kammerherrn bei der Großherzogin Maria Adelheid und bei der Großherzo­gin- Witwe.

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Das republikanische Frankreich stellt alles auf den Kopf," murrte der Graf kopfschüttelnd. Indessen wir werden auch mit dem Herrn von Gambetta's Signatur fertig werden."

Der Wagen hielt am Stadthause. Die Insassen stiegen aus. Während Desiree mit den beiden Polizisten in das Tor trat, sagte d'Alincourt zum Kutscher:

Mein Kompliment an Herrn von Lamezan. Sagen Sie nur, tch hätte Sie mit der Waffe in der Hand zur Fahrt gezwungen. Das Uebrige werde ich verantworten und für Ihren Schreck und Bereitwilligkeit, hier!"

Er warf dem Rosselenker einen Doppellouts zu, welchen dieser geschickt auffing. Eine tiefe Verbeugung mit abgezogenem Hut quittierte den Empfang. Der Kutscher trieb seine Pferde an und Graf d'Alincourt trat in das Stadthaus.

Er ließ sich sofort bei dem Generalfommissar mel­den und hatte das Glück, infolge seines berühmten Na­mens sofort vorgelassen zu werden."

Herr von Soumis, der frühere Militärbevollmäch­tigte zu Toure, empfing ihn mit ausnehmender Höflich= feit.

Der Ruf Ihres Tote rittes bei Sedan ist bis zu uns gedrungen," sagte er, dem Gaste einen Stuhl an­bietend. General Gallifet nannte Ihren Namen mit Auszeichnung. Die Ehrenlegion, ja das Comthurkreuz ist Ihnen gewiß, auch ein Avancement zum Oberst­leutnant vermag ich Ihnen anzubieten. Sie fommen je= denfalls, um Dienste im republikanischen Heere zu nehmen?"

,, Deshalb verließ ich Belgien mit meinen Kamera­den. Ich stehe zur Verfügung Frankreichs. Doch das führt mich augenblicklich nicht zu Ihnen, Herr von Sou­mis, sondern das Schicksal einer jungen Dame, des Fräulein Bourlier

( Fortsetzung folgt.)

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