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Gießener Zeitung

Bezugspreis 40 pfg. monatlich

( Reueste Nachrichten)

verteljährlich 1,20 m., vorauszahlbar, frei ins Haus. Abgeholt in unserer Expedition oder in den Zweig­ausgabestellen vierteljährlich 90 Bfg. Erscheint Mittwoche und Samstags. Redaktion: Selters weg 88 Für Aufbewahrung oder Rücksendung aicht berlangier Manuskripte wird nicht garantiert. Berlag ber..Gießener Zeitung" G. m. b. 8.

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Nr. 66.

Telephon: Nr. 362.

Politische Rundschau.

Deutschland.

und

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Zur Frühstücstafel beim Raiser auf Wilhelms­höhe waren geladen Fürst zu Solms- Braunfels Rr. Butler, Präsident der Columbia- Universität. Der Kaiser wird im Herbst, vermutlich im Novem­ber, als Gast des regierenden Fürsten Adolf zu Schaum­burg- Lippe zur Jagd auf Hochwild nach Bückeburg Hommen.

acher Aus Anlaß des 50. Geburtstages des Prin gen Heinrich von Preußen hatten die öffent­Befohlen lidhen wie auch viele private Gebäude in Kiel und 18. Bat. für Edernförde festlich geflaggt. Der Prinz verlebte den Tag achnahme. in Hemmelmark( Schleswig- Holstein). Dem Prinzen , Erfurt Heinrich gingen anläßlich seines 50. Geburtstages zahl­riche Glüdwunschtelegramme zu, darunter vom Kai­Jer, vom Magistrat in Kiel. Die Feier wurde im eng­ten Familienkreise abgehalten. biu

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Der Staatssekretär des Auswärtigen von Ki­derlen Wächter, der erst vor einigen Tagen von Risingen, wo er zu mehrwöchiger Erholung geweilt hatte, nach Berlin zurückgekehrt war, hat die Reichs hauptstadt schon wieder verlassen und sich nach Berch­esgaben zu seinem dort den Sommerurlaub verleben­Den Vorgänger, dem Pariser Botschafter Freiherr von Schön, begeben. Von dort aus wird der Staats­dretar nach Gastein reisen und mit dem Reichs= angler fonferieren. Diese Geschäftigkeit des Leiters umferer auswärtigen Politik wird lebhaft bemerkt, und man fragt angesichts ihrer: Was geht vor?

Bei der neuen Reichsversicherungs­Anst a It für Angestellte wird eine ziemlich erhebliche Bahl von Stellen für weibliche Angestellte geschaffen. :: Bei voller Entwidelung des Dienstbetriebes rechnet man besigen, bei der neuen Anstalt mit 1500 Beamtenstellen. Es

wurden dann etwa 500 weibliche Angestellte in dem zen liegt een Versicherungszweig Beschäftigung finden. Die Ingestellten der neuen Reichsversicherungsanstalt sind eine Reichsbeamte, sie werden mit Kündigung und ne Pensionsberechtigung angestellt.

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Defterreich.

Wien. Die Neue Freie Presse" meldet, der Minister des Aeußern, Graf Berchtold habe die nitiative ergriffen, um einen Meinungsaustausch da­über herbeizuführen, daß einerseits das gegenwärtige

tische Regime die Interessen der anderen Bal möller entsprechend berücksichtigen solle, andererseits Balkanvöller ihre Postulate an die Pforte mit den

Unter Feinden.

Roman von Karl Matthias. ( Nachdruck verboten.)

Es wäre töricht gewesen, die Heimreise auch nur um men Tag aufzuschieben. Das Land lag offen vor ihnen, Be Eisenbahnzüge verkehrten regelmäßig bis zur Wrenze, und da sich Desiree kräftig genug fühlte, nahm Abschied von der treuen Josnes, und sie fuhren Bach dem interimistischen Bahnhof, der statt des gänzlich störten alten Bahnhofs in der Samoy- Vorstadt er­Tibtet war. Kieze ließ es sich nicht nehmen, den Schet­enden das letzte Lebewohl nachzuwinken. Er hatte sich finnig gefreut, daß sein Brief den Herrn Leutnant ge­offen und hergebracht hatte. Und der Leutnant erwies To nicht undankbar und belohnte den wackeren Berliner mt einer Handvoll harter Taler, welche damals in Or­Jans besseren Cours als die französischen Banknoten atten. Ueber Fonteinebleau, Chalons und Nancy ge­Tangten die Wiedervereinten, ohne Paris zu berühren, ach Deutschland und fuhren mit Schnellzugseile Dres­

Expedition: Seltersweg 83.

Samstag, den 17. August 1912. tatsächlichen Verhältnissen in Uebereinstimmung bringen mögen.

England.

London. Die Königin ist nach Dover ab­gereist und inzwischen in Neustrelitz eingetroffen.- Der Premierminister der südafrikanischen Union, Botha, ist zum Ehrengeneral der britischen Armee er­nannt worden.

Italien.

Rom, 16. Aug. Der 3ar hat durch seinen Flügeladjutanten dem italienischen Thronfolger, dem achtjährigen Prinzen Umberto, eine fostbare Sammlung russischer Spielzeuge überreichen lassen.

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Marokko.

zu

Muley Jussuf ist zum Sultan ausge­rufen worden. Die Proklamation fand um 9 Uhr vor­mittags statt. Der General Moinier selbst und seine Offiziere halten für die Nachfolge Mulen Hafids den früheren Sultan Abdul Asis für geeigneter als seinen Bruder Mulen Jussuf. Verschiedene Stämme hätten schon versprochen, den Sultan Abdul Asis unterstützen. Die Beschießung Agadiers hat den Vormarsch El Haibas nach Norden nicht verhindert, sondern beschleunigt. El Haiba befindet sich auf dem Nordabhang des Atlat bei Jmintanut und rückt gegen Marrakesch vor. Da Frankreich an die Stelle der bestehenden Machsen- Autorität nichts gesetzt hat, so ist feine Ausrufung als Sultan in Marrakesch möglich. Angesichts dieser von Frankreich verschuldeten Lage nennt die Depeche Marocaine das Verbleiben deutschen Kolonie in Marrakesch bedauernswert.

Türkei.

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Die Sanierung der Türkei wünscht Wiener Meldungen zufolge der österreichisch- ungarische Minister des Auswärtigen Graf Berchtold mit Hilfe der europäischen Großmächte dadurch herbeizufüh­ren, daß er die türkische Regierung veranlaßt, allen Nationalitäten des osmanischen Reiches eine gleichbe­rechtigte Stellung einzuräumen. Das gegenwärtige Ka­binett Ghazi Mukhtar Pascha ist zu einer solchen De­zentralisation bereit, während bekanntlich die Jungtür fen, so lange sie in der Macht faßen, das entgegenge setzie Ziel, die straffe Zentralisierung unter osmanischer vorherrschaft verfolgten.

der er gedient hatte, in Trümmer geschlagen, Bourbakt trot Garibaldanern und toller Renommage aufs äu­Berste bedrängt, die Nordarmee vernichtet, dte Festun gen alle, alle erobert und König Wilhelm in Versailles zum deutschen Kaiser ausgerufen, das machte den alten Fretschärler rasend vor Born. Heftig warf er die fried­Itchen Bücher, die ihm Waldemar überlassen, betsette und vertiefte sich in die französischen Zettungen, auf al­les scheltend, was die Weltlage mit sich brachte.

Man sollte Ihnen die aufregende Lektüre entzie­hen," sagte Winigerode, den er eines Tages in ein po= Ittisches Gespräch verstriden wollte. Es taugt nichts für so nervöse Männer wie Sie, sich über etwas zu ärgern, das man nicht ändern kann."

" D, wäre ich an der Spitze meiner Kompanie, met­nes Bataillons geblieben!" rief Bourlier zornig, die Bayern hätten nicht so leichtes Spiel gehabt."

" Ihre Tapferkeit in Ehren," entgegnete der Offizier lächelnd, darum fällt Paris doch, und der deutsche Kat­fer zieht durch den Triumphbogen in die Weltstadt ein." Das geschieht nie, nie, eher bleibt die Sonne fte­

den, dem schönen Elb- Florenz zu. er Abgeschieben!"

Bourlier wäre ganz zufrieden in seiner Abgeschie= denheit gewesen, wenn ihn das Ausbleiben Waldemars not beunruhigt hätte. An Defirees Wiederfinden dachte er nicht. Er zählte sie zu den Toten; aber er fürchtete für die Sicherheit des Sohnes, über dessen Ge­kolade baltstreiche ihm Devereug Aufklärung gegeben hatte.

Borliebe g

Täglich fragte er den Feldwebel oder Herrn von

uch wird Staigerode, welche abwechselnd tamen, um sich von sei­

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Vorhandensein zu überzeugen, ob und wann der Kommandant zurückkehren würde, ja, er fragte gerade­ob sich dieser nach Sedan begeben habe. Er fühlte dentlich Sehnsucht, das ihm verhaßte Geficht zu sehen, m fehlte jemand, an dem er seine Unzufriedenheit aus­

lersweg en fonnte. Sein Chauvinismus fagte

allem Grund dazu habe. Die Südarmee Frankreichs, bet

Die Sonne von Mez, Sedan, Orleans und St. Quentin? Sie hat auf alle Niederlagen Frankreichs nie­dergeschaut und ging um feine Sekunde später unter, als im Kalender vorgeschrieben war," lachte der Offizier. Es ist nicht edel, Herr Leutnant, mich so zu demi­tigen," Inurrte der Alte.

Warum fangen Sie an? Da muß man Ihnen schon die Wahrheit sagen. Nun, ich werde Sie nicht lange mehr ärgern. Herr Tyrolt ist angekommen und wird es sich gewiß nicht nehmen laffen, seinen Schwiegervater selbst zu inspizieren.

Bourlier schnitt eine Grimaffe. Das Wort Schwte­gervater ärgerte ihn, aber die Ankunft Waldemars machte ihm Freude. Trozdem heuchelte er Gleichgültig­feit.

( Gießener Tageblatt)

Anzeigenpreis 20 pfg.

die 44 mm breite Inseratenzeile.- Die 90 mm brette geile im Reflameteil 50 fg. Extrabetlagen werden nach Gewicht und Größe berechnet. Rabatt kommt bei Ueberschreitung des Zahlungs. zieles( 30 Tage), bei gerichtlicher Beitreibung ober bet Ronkurs in Wegfall. Blapvorschriften ohne Berbindlichfett. Druck der Gießener Verlagsbruckerei.

Telephon Nr.: 862.

Amerika.

24. Jahrg.

Merilo. Die Aufständigen verüben in dem Staate Morelos die furchtbarsten Grausam. feiten. Den Personen, welche die Bewegungen der Aufständigen verraten, werden die 3ungen aus. gerissen, die Augen ausgebrannt und die Beine abgeschnitten. Die Bundestruppen sto Ben überall auf enthauptete Leichen, die an Bäumen hängen. Die Grausamkeiten gegen die Amerikaner neh­men in bedenklichem Maße zu.

Bote Pharisäer.

Der Köln. 3tg." wird unter der Ueberschrift: Rote Pharisäer" aus dem Industriegebiet ge= schrieben: Die Presse der Genossen hat sich gewaltig aufgeregt, weil nach ihrer Ansicht nach der ersten Mit­teilung von einer Explosion auf der Zeche Loth= ringen, woraus sich die erst allmählich festgestellte Größe des Unglüds im ersten Augenblic gar nicht er­fehen ließ, nicht sofort in Essen alle Festlichkeiten auf­gehoben wurden. Diese Presse, die sich in diesen Ta­gen so unsäglich blamiert hat und zum Gespött der eige­nen Leser und Genossen geworden ist, sprach mit Ent­rüstung davon, daß man in Essen rücksichtslos die Ruhe der Opfer auf der Zeche Lothringen störe; ein paar Ki­lometer von der Unglüdsstätte habe man muntere Wei­sen gespielt und weiter getafelt, jubiliert und musiziert. Es kam ja alles anders. Was haben aber die Ge= nossen selbst getan? Am Sonntag feierten an verschiedenen Orten die sozialdemokratischen Gewerkschaften ihr Sommerfest. Unter den Klängen mun­terer Weisen zogen sie durch die Straßen, und dann wurde tagelang getrunken, jubiliert und musiziert, so= gar am Montag, als 100 Bergleute in Gerthe unter einer riesigen Trauerkundgebung aller Bevölkerungs= treise zu Grabe geleitet wurden. Das Düsseldorfer Ge­nossenblatt" schrieb gestern: Heute, am zweiten Festtag ( Montag nachmittag und abend), ladet die Festkommis sion nochmals alle, groß und klein, zum Festplatz ein. Was gestern an fröhlichem Spiel und Treiben im Freien ( wegen schlechten Wetters) unterbleiben mußte, soll nun heute nachgeholt werden. Den Beschluß des Festes wird ein großes Feuerwerk bilden. Darum nochmals: alle hinaus zum Festplatz!" Mehr als 15 000, Genossen und Angehörige haben sich an dem Festzug beteiligt und 2 Tage lang musiziert und jubiliert. Auch in Hörde und in Werden haben die Genossen am Sonntag geräusch= volle Gewerkschaftsfeste gefeiert. Wer hat nun die Ruhe der Opfer auf der Zeche Lothringen gestört?"

" So," fagte er, meinetmegen konnte der Herr in Frankreich bletben, am besten sechs Fuß tief unter der Grde."

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Pah," meine Wintgerode, das ist Ihnen nicht Ernst. Sie können die Beit nicht erwarten, thn wieder zusehen, und mit Recht, denn er hat Ihnen viel Gutes erwiesen. Dies schöne Quartter, die gute Verpflegung, alles haben Sie ihm zu verdanken, und nun bringt er eine Ueberraschung." Ihnen sogar noch etwas mit Mir? Was denn? Ich habe ihn nicht beauftragt." Glaub' schon, aber Augen werden Sie machen und ihm um den Hals fallen." Unsinn," sagte Bourlier rauh. Das passiert nicht, selbst wenn er aber das ist ja nicht möglich, denn Deftree ist tot, tot." Troß diefer Ueberzeugung tat Bourlier in der fol­genden Nacht kein Auge zu. Seine Wirtsleute hörten ihn unabläffig hin- und herschreiten und mit sich selbst sprechen.

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In früher Morgenstunde fuhr Waldemar vor dem Hause in einem geschlossenen Wagen vor, stieg aus und trat in Bourliers Zimmer. Seine Brust schmückte das eiserne Kreuz. Er hatte den Orden bei seinem Eintref= fen vorgefunden. Der Empfang desselben auf der Kom­mandantur hatte ihn aufgehalten, so daß er erst am nächsten Tage bei Bourlier vorsprechen konnte.

Das wär's, was Binigerode mit der Ueberraschung gemeint hatte.

Bourlier sah das Kreuz auf den ersten Blid. Er tannte auch die Bedeutung desselben. Höhnisch blickte er Tyrolt von der Seite an, erhob sich schwerfällig von Jeinem Size und blieb falutierend stehen.

Ich melde mich zur Stelle, Herr Leutnant," sprach er, als ob dieser täglich bei ihm erschienen wäre. Der Exkapitän liebte es, bet jeder Gelegenheit den Unter­gebenen herauszukehren.

( Fortsetzung folgt.)