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Gießener Zeitung

Bezugspreis 40 Pfg. monatlich

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( Neueste Nachrichten)

verteljährlich 1,20 Mt., vorauszahlbar, frei ins Haus. Abgeholt in unserer Expedition oder in den Zweig­ausgabestellen viertelfährlich 90 Pfg.- Erscheint Redaktion: Selters­Mittwochs und Samstags. weg 83. Für Aufbewahrung oder Rücksendung nicht verlangter Manuskripte wird nicht garantiert. Verlag der ,, Gießener Zeitung" G. m. b. H.

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gegengenommen wird. Da sind alle anderen Berufs= stände viel besser daran. Die Aerzte sind eben oben nicht so beliebt. Sie leisten nichts für den Staat, d. h. die Allgemeinheit, wollen nicht einmal neben der Einkom­mensteuer Gewerbesteuer zahlen und lassen sich auch noch ruhig die Konkurrenz unbesoldeter außerordentlicher Pro­fessoren, u. a. Staatsdiener, gefallen, sodaß es schwer ist, Gründe zu finden, unter welchen man diesen aller­hand zuweisen kann. Aber es geht ja auch ohne Grund. Das ist eben ein engeres wichtiges Ge= biet, die soziale Frage. Die Aerzte aber haben mi, der selben gar nichts zu tun, i Gott bewahre. Und manche Blätter gehen schon heute so weit, daß sie als Vorsitz­enden der oberhessischen Gesellschaft für Natur- u. Heil­funde einen Theologen ausgeben. Komme was kommen mag! Jst doch gar ein Jurist und seitheriger Eisen­bahndezernent Leiter des hessischen Schulwesens gewor

den.

Frische Treber aus der presse,

von Justinus Barnabas.

Die Naturgeschichte lehrt, daß der Kuckuck eigner Häuslichkeit abhold, sogar die eigenen Eier gern anderen zum Bebruten unterschiebt. Und nun hat einmal in Charlottenburg ein Rudud ein eigenes Nest gebaut, da muß ihm natürlich ein loser Vogel einen Tausendmark­Der aber

fucks durch Did und Dünn angenommen und hat den braunen Lappen, mit welchem weder es, noch der Kuk­fuck etwas anzufangen wußte, dem Staatsanwalt über­geben. Ob dieser den Täter fassen wird? Um Bereich herum spielen die Menschen den Polizisten manche Streiche und laufen sogar nicht selten über die Dächer fort. Wieviel eher werden die Vögel ankommen! Und die Fluchttechnik ist bei uns noch nicht so hoch entwickelt.

Wir leben überhaupt in einer schlimmen 3eit. Da unten am Balkan frachts wieder allenthalben. Nicht nur von Kometen und Pistolenschüssen, denn das - ist man nach und nach gewöhnt. Wohl aber von Thro­nen, Palästen und Häusern, die zusammenbrechen. Lauve qui pent! heißt da die Losung. Sie befolgten den Be­wohner des Hauses Bragranza bei dessen Zusammen­bruch und begaben sich lieber auf schwankende Schiffe. Ihnen folgte jetzt die Mandschus nach. So dachten auch die Bewohner des von der Götter Neide in den letzten Jahren so hart heimgesuchten Süditaliens. Gräßliche Szenen haben sich einem hier ausgehängt gewesenen Telegramm zufolge zugetragen. Unter anderem fand man eine Frau mit 5 Tausendlirenoten in der Hand tot vor. Was mag sie mit dem Papier vorgehabt haben? Nicht auszudenken! Die Summe hätte gerade hingereicht, um den baufälligen Palast des Königs der Hellenen zu repa­rieren, aber der hat sie eben nicht. Hoffentlich kommt der Aermste wenigstens heil aus seinen vier Wänden, ehe ihm die Etache auf's Dach fallen.( Der Palast eines ge­frönten Haupts muß natürlich anders fallen, als eines gewöhnlichen Sterblichen.)

Schorsch

Gießener Allerlei.

Sag emal Christian, hast de aach schon so was erlebt, daß mer jetzt sogar aus em Gottes­

Cafè Herr

Samstags liegt für die Stadtabonnenten der

Illustrierte Wochen- Anzeiger

gratis bei.

Expedition: Seltersweg 83.

haus e Wertshaus will mache. Geh mer fort, das gibts ja gar net. Das wär denn doch zu stark, wo soll denn das sei. Hast des dann net gelese im Wocheblatt, in die katholisch Kerch soll Wert­schaft komme, da drüwer hawe sich sogar zwaa Stadtverordnete ganz gehörig dispetiert, ich glawe die Sach fimmt aber noch emal vor, von wegen der ,, Bedürfnisfrag", weil neben dran, der Russische Hof" is. Der Zar un sei Fraa hawen allerdings noch net mit ihrem Besuch geehrt. Christian: Das is ja mei erscht Wort, waaste, ich lese net mehr viel, mei Aaage wern immer schlech­ter, ich bin froh, daß ich bei Tag noch sehn, de Awend kann ich üwerhaupt nix lese, und wann mer allaan uff der Welt herumstolpert, wer soll aam da die Neuigkeite erzähle, na ich sage dir, es werd immer schöner. Ich wohne jetzt in der Hunds­straße, früher Hundsgasse genannt, weil doch Gieße Großstadt is', deshalb gibts nur noch Straße. Ge­gen Awend gehe ich dann in blaue Engel", trink mei Vertelche und dann leg ich mich in mein Korb. Schorsch Was sägst de da, in blauen Engel", den fenn ich awer noch net, wo is dann der. Ei, in der Branntstraße, un da kriegste en feine Schnaps, Kümmel, Bittern, Frucht, Ordinäre das is mei Sort. Na, da geh ich awer Morgen am Tag mal hin, dann fimmst de liewer gegen Awend, dann sehn mer uns, da triffst de de ganze Tag Gesell­schaft un fannst aach stets das Neueste hörn, was in der Stadt vorgeht. Christian: Hör mal Schorsch von dere Ueberbrück­ung von wege dem Anbau an de Justizpalast, was maanst de denn dazu. Ich hawe die Strich, d. h. die Skizze im Wocheblatt geseh'n, ich hawe mich für das Projekt a un b interessiert, das is mein Fall, un tann aach nur de Advokate recht gewe, wann se die Gerichter verbinden wolle, ich tät mich selbst bedanke, bei Wind un Wetter mit dem dünnen Kittelche von aam Gericht ins annere über die Gaß zu laafe.

Schorsch Ich kann der sage, das Gericht mit samt de Advokate interessiert mich net mehr, denn ich hat aan Prozeß in meim Lewe, weil das Regen­wasser von meim Kennel in mein Nachbar sein's lief un haw, trotzdem daß ich Recht hat, verloren. Später haw ich emol e Buch gelese. Die Dachtraufe nach Beurteilung im bürgerlichen Gesetzbuch, un wann das damals schon gedruckt war, hätt ich mei 200 Mark, die mich's gekost hat, behalte könne, des­halb sei mer jetzt still von der Ueberbrückung. Christian: No ja, also rede mer emal von

de

Poletik. Ich hab mich gefreut, daß der Scheide­mann de Vogel abgeschosse hat, un aach emol, wenn aach net von langer Dauer, als Reichstagspräsident fungiert hat, das is em an seiner Wieg net gesunge worde, aber er hat die Schell geschwunge, als wann er schon in seiner Jugend damit umgange wär, un

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phon: Nr. 362.

24. Jahrg.

rbach. Hier traf ein Waggon mit 106 s Schleswig- Holstein ein, drei davon wa­Es wurde festgestellt, daß die drei ver­an der Maul- und Klauenseuche einge= n. Auf Anordnung des hess. Ministers brigen 103 Schweine, nachdem ein Schlacht­isiert war, auf dem Bahnhof abgeschlachtet zu verhüten, daß die Seuche in unserem teut zum Ausbruch kommen sollte. Die dieser Tiere ergab, daß sie von der Seuche fallen waren.

m st a dt. Die nationalliberale Partei in eschlossen, ihren Parteifreunden zu empfeh­Wahlkreisen, in denen ein sozialdemokrati­einen bürgerlichen Kandidaten steht, mit it für letzteren einzutreten.

: m st a dt. Auf eine Eingabe des Verban­r Bürgervereine bezüglich Aufhebung abendstunde ging dem Vorstand von ng eine ablehnende Antwort zu. Den und Bürgermeistereien ist aber in der Hand­betr. Vorschriften ein weiter Spielraum und feit gegeben, allen Verhältnissen Rechnung zu

gen. Donnerstag nacht ist das katholische s, der frühere Mainzer Hof, einer Feuers­Opfer gefallen.

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