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Gießener Zeitung

Bezugspreis 40 Dig. monatlich

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( Reueste Nachrichten)

vertel jährlich 1,2 it.. vorauszahlbar, irei ins Haus. Abgeholt in unserer Expedition oder in den Zweig­ausgabestellen vierteliährlich 90 Pfg. Erscheint Mittwochs und Samstags. Redaktion: Selters. meg i Für Aufbewahrung oder Rücksendung nicht vergier Manuile: pie wird nicht garantiert. Berlag der ,, Gießener Zeitung" G. m. b. H. Kr. 48.

Telephon: Nr. 362.

Schwaben" das erste Postluftschilf. in tuchtige, Wir leben im Zeitalter der epochemachenden Erfin­elzme

1278.

ungen. Intelligenz und Tatendrang des Menschen ha­an sich zur höchsten Kraftentfaltung entwickelt und feiern fallen Gebieten, besonders aber auf dem der techni­inter Angaben Wissenschaften, die höchsten Triumphe. In einer e erbeten arzen Spanne Zeit, unter den Augen der lebenden Ge­ale.ration, machte der Mensch sich die gigantischen Kräfte as Dampfes dienstbar und zwang die gewaltigen elek­schen Energien unter seine Botmäßigkeit. Handel und erfehr erfuhren infolge dieser neuen, unermeßlichen ilfskräfte von Grund auf eine völlige Umwandlung Giessen nd eine nie geahnte Ausdehnung. Das menschliche Le­strasse 24- an wurde in vollständig neue Bahnen gelenkt, von nen aus der guten alten Zeit" mit mitleidigem=

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Samstags liegt für die Stadtabonnenten der

3llustrierte Wochen- Anzeiger

gratis bei.

Expedition: Seltersweg 83.

Samstag, den 15. Juni 1912.

ohne Unterschied des Alters und Standes, in hellen Scharen nach dem Biebererberg hinaus, dem Luftpost Verladungsplatze zu. Der Führer der Absperrungs=

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( Gießener Tageblatt)

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die 44 mm breite Inseratenzeile. Die 90 mm breite Zeile im Reklameteil 50 Pfg. Extrabeilagen werden nach Gewicht und Größe berechnet. Rabatt kommt bei Ueberichreitung des Zahlungs. zieles( 30 Tage), bei gerichtlicher Beitreibung oder bei Konkurs in Wegfall. Platzvorschriften ohne Verbindlichkeit. Druck der Gießener Verlagsdruckerei.

Zelephon Nr.: 362.

24. Jahrg.

erste Abgabe und Aufnahme der Reichspost durch ein Luftschiff spielte sich mit der größten Sicherheit inner­halb weniger Minuten a b. Während die Beamten noch mit ihren Postsäden beschäftigt waren, entschwand die Luftreichspost über dem Waide bereits wieder den Blicken der Zuschauer und brachte die Of­fenbacher Luftpostsäcke im Weiterflug vollständig an Bord. Mit dem Verschwinden des Reichspostluftschiffes änderte sich auch mit einem Schlage das Bild des Exer­zierplazzes. Ein Hornsignal rief die militärischen Mann­schaften zusammen und die Massen der Zuschauer setzten sich nach der Stadt zu in Bewegung. Das Bewußtsein, Zeuge eines denkwürdigen Augenblicks gewesen zu sein, flang noch lange aus der Unterhaltung der einzelnen Gruppen heraus und ließ erkennen, daß der Postflug eines Reichspostluftschiffes dazu beigetragen hat, das noch weiter zu stärken. Und dieses Interesse wird ohne fauf von Luftpostkarten zum Ausdruck kom­men, damit die in allen Kartensorten ergänzten Vor­räte bis zum Samstag voll ausverkauft sind und das Reichspostluftschiff auf seiner zweiten offiziellen Postfahrt am Samstag nachmittag 5 Uhr 40 Minuten noch eine größere Postlast auf dem Exerzierplatz aufnehmen muß.

ohhid gedacht wurde. Aber jeder Erfolg des unauſhalt- poſt am Rhein und Main Offenbach 12. 6. 1912." Intereſſe für die Beſtrebungen zur Eroberung der Luft

um aufwärtsstrebenden menschlichen Geistes war der An­ren, Knaben zur immer gesteigernden Entfaltung der geistigen Mädchen räfte und der Anfang zu neuen, umwälzenden Erfin­de Warengen. War es unter diesen Umständen zu verwun­ige Preise en, wenn sich der Mensch auch der Lösung der Pro­attmarkeleme der Alten zuwandte und vor allem das Ziel

erreichen suchte, das von Anbeginn des Menschen anzes Sehnen ausmachte, das er seit Jahrtausenden einisches mer vergeblich erstrebte: die Eroberung der kum Bin uft. Und was den Menschen bis vor wenigen Jah­au, Elektroen als ein phantastischer Traum erschienen war, dessen bau, Brückerwirklichung sich nicht mit den Gesetzen der Natur hauffeurkurereinbaren ließ, gewann in unseren Tagen Leben und

ftalt. Im Besitze der notwendigen Vorbedingungen nd Haulourde der sagenhafte Sonnenflug des Jkarus zur glanz­ndelt speziellen Wahrheit: im Lenfballon und Flug= entzau aug beherrscht der Mensch die luftigen Regionen mit 395 imer Sicherheit, die besonders in den letzten Tagen durch Zeppelinfahrt von Friedrichshafen nach Hamburg und zurück, sowie durch den Fernflug von Berlin nach ng, meisien wieder von neuem in unübertroffener Form do­rufsstör. mentiert wurde.

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b. Leichte

So ist es denn nicht zu verwundern, daß die neu­t Erscheinung auf dem Gebiete der Lufteroberung, die Fahrt des Zeppelin- Kreuzers Schwabe n" als Post­ein Maluftschiff von Frankfurt über Offenbach nach Darm­Fulda, ot, Worms und Mainz im ganzen Hessenlande und f Nachfrage her dessen Grenzen hinaus überall berechtigtes Auf=

. zu sprechen

ellen erregt hat. Daß dieses Interesse in allen Schich­1. Zitten der Bevölkerung der genannten Städte sehr starke Wurzeln geschlagen hat, dafür gab der gestrige Tag Steinftra inten vollgilttgen Beweis, als es galt, der Einführung Des Luftpostverkehrs durch das erste Post luft­Ziiff, das Zeppelin- Luftschiff Schwaben", auf dem Enerzierplate beizuwohnen. Aus Offenbach meldet die Herweg 26.b. 3tg." wie folgt: Schon lange vor der angekün­sigten Ankunft des Luftschiffes pilgerte die Bevölkerung,

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unter Feinden.

Roman von Karl Matthias.

XIX.

( Nachdruck verboten.)

Das Schiff hielt am Quai des Quatrons" in Bor­Gderbeur. Da Desiree die Gelegenheit, mit dem Grafen in Ede einem Hotel zu wohnen, vermeiden wollte, nahm sie in etmem Pensionat für Damen, welches den Namen Mi­nerve führte, Aufenthalt. Hier hatte Raoul d'Alincourt Sehwierigkeit, ihr den Hof zu machen. Desiree war dem

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tes Zimmerlichen Grafen durchaus gewogen, aber gerade dies n Landgefühl hielt sie von ihm fern. Hätte sie ihm sagen kön=

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nem, daß fie Braut wäre, so würde sie unbedenklich mit thm zusammengeblieben sein. Darum auch lehnte sie ein Anerbieten, die Nachforschungen sogleich zu begin­nen, ab und zog sich müde und wie zerschlagen in ihr Bunfionat zurück. Um sich eines Teiles ihrer Sorge zu emiledigen, fezte sie sich sogleich nieder und schrieb einen Brief an Tyrolt, damit er wenigstens benachrichtigt set. Verzeih mir, daß ich, ohne Deinen Rat einzuholen, her ging. Mich trieb die Pflicht hierher, das tst ine Entschuldigung. Nun bin ich in Bordeaux an der Shwelle des Geheimnisses. Ich werde hier alles erfah­

und Dir sofort Bericht erstatten. Ich schwöre Dir, ba ich nicht ohne Nachricht zurückkehren werde, denn btu flug und auf der Hut und werde alles auskund­faften, was uns zu wissen not tut. Ich werde vor nichts ridschrecken, schlau und tapfer fein, bis ich den Va­gefunden habe, dessen Liebe ich um jeden Preis wie­Deßh der gewinnen win."

Bebrand

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Ste adressierte ben Brief und ließ ihn auf dem reibtische tegen, nachdem sie fenen sorgfam geſchloſſen Gratiste. Sie wollte thm am andern Tage, wenn sie zu

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truppen, Leutnant Ruppert, hatte seine Aufgabe nach allen Seiten hin in loyalster Weise gelöst. Von den et­wa 300 Mann, die ihm zur Verfügung standen, be= nutzte er 150 zur Absperrung; die übrigen nahmen an verschiedenen Punkten des weiten Platzes Aufstellung, um für alle Fälle zur Hilfeleistung bereit zu sein. Kopf an Kopf gedrängt, säumten Tausende und Abertausende den Postluftschiff- Verladeplatz von allen Seiten ein, mit steigender Spannung der Ankunft des Luftschiffes ent­gegensehend. Im Luftpostamte im neuen Schießhaus herrschte inzwischen noch eine fieberhafte Tätigkeit. Sämtliche Luftpostkarten, auch die aus der Stadt auf­gelieferten, erhielten im Luftpostamt den Stempel ,, Luft­Die beiden Postsäcke( der eine 25 Kilogramm, der an­dere 15 Kilogramm schwer) waren postmäßig verschlos= 3weifel auch in einem noch lebhafteren Ver­sen, nur verlief das eine Ende des Verschlußstrides in einem Ring, der zum Einhaken in den Karabiner des Postseiles bestimmt war, das aus dem Luftschiff zur Aufnahme der Kartengrüße herausgeworfen werden sollte. So stand alles zum Empfang des Luftschiffes bereit, nur dieses selbst ließ sich nicht sehen. Gegen 6 Uhr war die Schwaben" in Frankfurt mit 16 Passa­gieren an Bord aufgestiegen und wenige Minuten spä­ter schon blinkte seine bläulich- weiße Hülle durch die Lichtungen des Waldes. In majestätischem Fluge näh­erte es sich dem Flugpost- Verladeplay, begrüßt von dem Jubel der Menge und den Böllern des Schützenvereins. Jm Angesicht von etwa 10 000 Zuschauern senkte sich auf etwa 50 meter herab und schwebte dann lang= sam unter den jubelnden Zurufen und dem Tücherschwen­ken der Menge und dem Krachen der Böller über dem Exerzierplatz. Lustig flatterte im Heck des ersten Reichs­postluftschiffes die deutsche Reichspostflagge, und aus der Kabine wehten grüßend die Taschentücher der Passa­giere.

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Nach neuester Mitteilung hat der Zeppelin- Kreuzer Schwaben", den man das erste deutsche Postluftschiff nennt, auf seinen Fahrten zwischen Frankfurt, Mainz und Darmstadt an einem Tage rund 2 Millio­nen Postkarten befördert. Ein schöner Erfolg. Aber man verdankt ihn zunächst nur der Postkartenwoche der Großherzogin von Hessen.

Reichs- Luftpoftverkehr.

Von einem Postverkehrsmittel verlangt das moderne Bedürfnis außer der selbstverständlich möglichsten Schnel­ligkeit dreieclei: Pünktlichkeit in Abfahrt und Ankunft, unbegrenzte Aufnahmefähigkeit und Sicherheit gegen Ver­lust. Prüft man die Leistungen der neuesten Zeppelin­luftschiffe an diesen Forderungen, so dars bereits ohne

Inmitten des Plazzes senkte sich das Luftschiff bis auf etwa 30 meter herab. Der historische Mo- amerikanische Uebertreibung und Ueberschwänglichkeit von ment war gekommen: aus der Kabine des fast gegen den Wind stillstehenden Postluftschiffes flog das Post ſeil; schnell waren die beiden Postsäcke in dem Karabi­ner des Seiles eingehängt und während dieses langsam aufgeholt wurde, stürzte auch schon der erste offi­zielle Luftpostsad der Welt über Bord der Schwaben" und glitt, getragen von einem Fallschirm, unter erneutem Jubel der Menge sanft zur Erde. Und während die Schwaben ihre Spitze bereits wieder nach oben richtete und sich zum Weiterflug in größerer Höhe anschickte, folgte dem ersten Postsack ein zweiter, der in der gleichen Weise glücklich zur Erde niederkam.

Die

zu lassen. Die Pension war voller Fremder. Die Un­ruhe und der Lärm waren thr schnell zuwider. Ste speiste hastig und zog sich auf the Simmer zurüd.

Ihr Körper und thr Geist waren müde; die Augen schmerzten sie. Sie beschloß, sich niederzulegen, ohne Licht zu machen. Seufzend lehnte fie sich in die Kis­fen und dachte über ihre Lage nach, die durch die Be­tanntschaft mit d'Alincourt nur heikler geworden war. Wie konnte sie die Bewerbungen dieses Mannes mit ihrer treuen Liebe zu Waldemar in Einklang bringen? Sie suchte vergeblich um Entschuldigung in ihrer fritt­schen Lage, und mit diesem Bemühen kam Vergessen über sie. Sie war entschlummert.

Der Traum spann ihr Gedanken weiter fort. Sie war wieder am Bette des verwundeten Geliebten. Sie pflegte, tröstete und füßte ihn, aber er wollte sich nicht von ihr berühren lassen. Nimm den Brief fort," sagte er unaufhörlich; er tut mir weh und wird Dich unglück­lich machen. Nimm den Brief, den Du aus Bordeaux geschrieben, er brennt mich mehr als meine Wunde.

Was hat Waldemar nur mit dem Briefe?" dachte fie halbwachend nach. Er enthält kein böses Wort. Was kann nur tränken? Er ist kurz und fachlich von Liebe steht zwar nichts darin." Sie wiederholte den Inhalt Wort für Wort und wurde hierüber ganz mun­ter.

Das Zwielicht ftel grau durch das Fenster und er­hellte das Zimmer notdürftig. Unwillkürlich suchten thre Augen den Brief, von dem sie geträumt. Sie schaute nach dem Schreibtische.

Der Brief war nicht ba

Es trieb sie aus dem Beffe. Sie andere Eicht an und lembtete liberall Htn. Unter dem Tische, dem Sopha, dem Bette suchte fie, der Brief blieb verschwunden. Trotz der Kälte im Simmer, trotz ihrer mangelhaften alvezin gebe, selbst zum Bostamt tragen. Dann be- Bekleidung füh.te fie Schweißtropfen von der Stirn her= ab fie fich in den Salon, um sich ein Essen auftragen abrinnen. Wo war der Brief geblieben?

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dem baldigen Beginn eines Reichs- Luftpostver­tehrs gesprochen werden. Die beiden Haupteinwände gegen die Leistungsfähigkeit der Zeppelinluftschiffe wa­ren bisher die Schwierigkeiten bei der Landung und die Schwere. Diese Bedenken sind tatsächlich neuer­dings hinfällig geworden. Dr. Hugo Eckener, der Füh­rer des Luftschiffes Schwaben, hat mit diesem Ballon im Jahre 1911 schon 145 Fahrten gemacht, ohne das irgend ein Spanndraht gerissen wäre, auch bei den schwierigsten Landungen. Die lenkbaren Zeppelin- Luft­schiffe stehen unter anderen Bedingungen und garantie­ren eine immer größere Pünktlichkeit und Sicherheit.

Ein scharfes Klepfen an der Tür unterbrach ihr Tun. Ste löschte das Licht aus. Es war ganz hell im Zimmer.

" Was gibt es?"

Stehen Sie auf, Fräulein Bourlier," rief draußen eine scharfe Stimme. Man verlangt nach Ihnen." Wer ist dort?"

" Ich bin's Mademoiselle Antoinette, die Direttrice des Pensionats. Bitte, laffen Sie mich ein. Es ist gut, wenn die Nachbarschaft meine Botschaft nicht hört."

Desiree öffnete die Tür. Die Dame trat ein und zeigte eine aufgeregte Miene, die ihr ohnehin häßliches Gesicht fast zu einer Fraße verzerrte.

Vollenden Sie Ihre Toilette, Mademoiselle," fagte ste in keifendem Tone ohne vorherigen Gruß. wet Herren von der Polizei sind unten und wünschen Sie zu sprechen. Ich gab Ihnen mein Wort, daß Sie sich mei­ner Gesellschaft nicht entziehen werden."

Die Polizei? Was habe ich mit ihr zu schaffen? Ich bin eine harmlose Reisende, das muß doch jeder se­hen."

" In dieser Zeit tann man fich in Frankreich nicht genug vor Feinden schüßen. Wenn Sie ein gutes Ge­wissen haben, brauchen Sie die Neugierde der Behörde nicht zu scheuen."

Ich bin eine Franzöfin, Madame!" rief Desiree voll edlem Stolz.

Bitte, Mademoiselle. Man wird die Richtigkeit Ihrer Paptere prüfen. Nun beellen Sie sich, die Polizei wird ungeduldig."

Deftree fügte fich ber Dringenben. Während e the Haar ordnete, fragte fie:

" Wiffen Sie nicht, wohin der Brief gekommen ti ber auf meinem Schreibtische Ing?"

Keine Antwort.

Sörfezing fOLY