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Mittwoche und Samstags. Redaktion: Selters­Deg 83. Für Aufbewahrung oder Rücksendung nicht verlangter Manuskripte wird nicht garantiert. Verlag der ,, Gießener Zeitung" G. m. b. H.

hten Nr. 65.

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Telephon: Nr. 362.

Expedition: Seltersweg 83.

Mittwoch, den 14. August 1912.

Füß Großadmiral Prinz Heinrich von Preußen. Erklärlicherweise legt er hierbei wie alle tüchtigen Män­

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Ein Gedenkblatt zu seinem 50. Geburtstage.

14. August.

Wenn wir in Dankbarkeit derer gedenken, die nach ärzti, enden zielbewußten Weisungen unseres faiserlichen Herrn Salbe bem großen Werk der Ausgestaltung der deutschen Kriegsflotte tatenfreudig mitgear­, 15 u. 2.25. beltet haben, so tritt uns in der vordersten Reihe der den Nameperdienten Männer Seiner Majestät erlauchter Bruder, bert& Co Brinz Heinrich von Preußen, entgegen. In hnt verkörpert sich das Musterbild eines echtdeutschen Mannes, der sein ganzes Leben hindurch nichts deres gefannt hat, als die Erfüllung seiner Berufspflich­Jen und die Arbeit zum Wohle des Vaterlandes. Sein ENT Rebensberuf wurde der Flottendienſt. Wohl ſpielen in

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lekterer die materiellen( sächlichen) Kampfmittel eine noch Her, Wareejentliche Rolle als beim Landheer. Das Schiff ist berwer Waffe und Träger der Waffe zugleich. Mit seiner Ver­nrad Köchlinnichtung ist der Kampf beendet. Aber gerade darum ist der Rammas Können der Menschen, welche diese wertvolle 18: u. Sande Baffe zu führen berufen sind, von der entscheidendsten Bahnhofft. Bedeutung entscheidend nicht allein für das augen­sführl., Leiblidliche Stampfergebnis, sondern in weiterer Folge für toft.nfrei. den Ausgang eines ganzen Krieges. zu überwachen, dak dieſes Können in unserer Marine bis zur höchſt­meichbaren Stufe gefördert wird, ist die verantwort rauchter ungsvolle Aufgabe des Generalinspekteurs, des Prinzen heinrich. Seit dem Jahre 1909 bekleidet er diese Stel­emähe ung, nachdem er vorher drei Jahre lang das Kom­Light zu velmando über die aktive Schlachtflotte, jetzt Hochseeslotte Barantie) genennt, in mustergiltiger Weise geführt hatte. Ihm Th. iegt es ob, den Dienstbetrieb, die Kriegstüchtigkeit und et Friedberg Kriegsbereitschaft der Schiffsverbände und Schiffe, so­wie der Marineteile und Marinebehörden am Lande an­dauernd zu überwachen und zu prüfen und über seine

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Bimmobachtungen unmittelbar an den Staiser zu berichten. Benfon zu Daß er das Rüstzeug für diese hochwichtige Tätig 50 p. nad hat, dafür birgt seine ganze Vergangenheit. In einer Reihe von 35 Dienstjahren hat er es verstanden, sich wie

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Bimmer enso das Vertrauen seines kaiserlichen Bruders ndgrafen der gesamten Marine zu erringen. Ihm wurde

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Gelegenheit geboten, in allen Dienststellungen, von der iedrigsten an, und in allen Teilen der Welt Erfahr­ungen zu sammeln. Und unermüdlich hat er diese Ge­Zimmegenheit ausgenutzt, um seinen Blick für alles, was den Eemannsberuf angeht, zu erweitern und zu schärfen. hat er es ausgesprochen, daß er auch von einer erjade manches Nützliche lernen könne, und gern als Zimmer Stadett den Erzählungen alter, erfahrener Ma­jen mit Aufmerksamkeit zugehört. Es ist bekannt, daß estets von seinen einzelnen Untergebenen wie von der

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Unter Feinden.

Roman von Karl Matthias.

( Nachdruck verboten.)

Er brach in neue Klagen aus. Waldemar verließ thn verstimmt, da er einsah, daß gegen den verschrobenen Eigensinn des Alten so quell nichts ausrichten würde.

Die Zeit muß es bringen und die damit abschwä­ende Wirkung des Schmerzes," dachte er, aber er irrte in dem unbeugsamen Charakter Bourliers. Obgleich jer nach wenigen Tagen umquartiert wurde und das te Zimmer des Kasernements nur mit einem einzigen beren Offizier teilte, obgleich ihm dort die beste ärzt­be Pflege, die vorzüglichste Verpflegung zuteil wurde, blieb ablehnend, sogar beleidigend.

Weshalb geben Sie sich die Mühe mit mir?" fragte immer wieder den gütigen Kameraden. Sie können doch mein Schwiegersohn nicht werden, denn Desi­Tee ist tot!"

Allen Versicherungen Waldemars, daß er aus Liebe bevorzug und Dankbarkeit also handle, setzte der Franzose nur Schweigen und Mißtrauen entgegen. Er fragte brief= libet Frau von Tarandal und Herrn Prevendaux in Sedan an. Sie bestätigten, daß Olivier lebe, der aufmann setzte allerdings hinzu, daß ihm Oliviers biger Aufenthalt unbekannt set, da er wegen patrioti­her Mißhelligkeit sich versteckt halte. Trotzdem änderte Bourlier seine Art nicht, sondern zeigte Tyrolt unver­ohlen seine Abneigung, zum großen Erstaunen seines Simmergencssen, der dieses Benehmen ungerecht und mug fand.

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Plöglich stellte Waldemar seine Besuche ein. Statt er kam ein Feldwebel der Landwehr und verkündete dem Hartnäckigen, daß er nach den Baracken ziehen derde, und zwar ganz allein nach einem Vorzugsquar=

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ihm unterstellten Gesamtheit sehr viel gefordert. hat. ner den hohen Maßstab des eigenen Strebens zugrunde. Aber gerade das flößt dem Untergebenen Achtung ein und sicher würden ihm alle mit vollster Zuversicht fol­gen, wenn er einmal berufen sein sollte, die deutschen Geschwader gegen den Feind zu führen. Jeder weiß, daß der Prinz nicht seiner hohen Geburt, sondern ledig­lich seinen Leistungen die höchste Stellung in der Ma­rine verdankt.

Am 14. August 1862 geboren, trat er nach Erlang­ung des Reisezeugnisses für die Universität und dem Be­stehen der Eintrittsprüfung an der Marineschule am 21. April 1877 in den aktiven Flottendienst ein, in dem er gleich jedem seiner Berufsgenossen alle Stufen der Seeeffizierslaufbahn durchmachte. Schon die ersten An­fänge seiner Dienstzeit brachten ihm eine zweijährige Reise um die Welt und eine anderthalbjährige Fahrt nach Südamerika und Westindien. Als er im Jahre 1887 eine Torpedodivision befehligte, führte er sie zur Jubiläumsfeier der Königin Viktoria bei schwerstem Wetter über die Nordsee nach der britischen Küste, eine Leistung, die seitens der feetüchtigen Engländer hohe Anerkennung fand. Ebenso führte er im Sommer 1888 die Kaiserjacht Hohenzollern", als auf ihr der Kaiser seinen ersten Besuch bei den nordischen Höfen machte. und als es galt, die Besitzergreifung des Kiautschouge biets durch Entsendung eines Geschwaders zu besiegeln, war es wiederum Prinz Heinrich, den der Kaiser zur Erledigung dieses wichtigen Auftrages wählte. Seit 1895 Flaggoffizier und seit 1901 Admiral, führt der Prinz nunmehr seit 3 Jahren als wohlverdienten Lohn seiner Tätigkeit und Zeichen der höchsten Seeoffizierswürde in seiner Admiralsflagge neben der Krone zwei sich freuz­ende Admiralstäbe, während er in der Heeresrangliste als Generaloberst mit dem Range eines Generalfeld= marschalls in der Ehrenstellung des Chefs des Füsilier­regiments Prinz Heinrich von Preußen( Brandenbur

gischen) Nr. 35 verzeichnet steht.

So dürfen Marine und Heer den Prinzen Hein rich mit Stolz zu den ihrigen zählen. Die gesamte Wehrkraft des Deutschen Reichs bringt ihm daher zu dem bedeutsamen Abschnitt der Vollendung des 50. Le­bensjahres aus treuem Herzen mit allen denen, die früher die Ehre hatten, unter seiner Leitung dem Va­terlande zu dienen, die aufrigsten Glück und Segens­wünsche dar.

Eine Erdbebenkatastrophe am Marmarameer die auch von fast allen deutschen Erdbebenwarten als eine überaus heftige und dem Erdboden von Messina tier, wenn er sein Ehrenwort geben wolle, keinen Flucht­versuch zu machen.

" Weshalb fündigt mir das nicht der Herr Leutnant selber an?"

Der Feldwebel zuckte die Achseln und gab keine Auskunft.

Am andern Tage stellte sich ein junger Offizier, Leutnant von Winigerode, ein.

Er nahm Bourlter das Ehrenwort ab und geleitete ihn nach dem neuen Logis, denn so mußte man das Quartier in einem freundlichen Landhause bei Uebigau, unweit der Elbe gelegen, nennen.

Sie verwundern sich wahrscheinlich, nicht den kom­mandierenden Offizier Herrn Tyrolt zu sehen?" fragte Winigerode.

,, Nein," entgegnete Bourlier schroff.

Er wurde nach Frankreich beurlaubt," erklärte der Offizier.

" So," meinte der Andere und suchte Gleichgültig­keit zu heucheln. Aber er war sehr ruhig geworden. " Was tut der Mann in meiner Heimat? Wird er zu­rückfommen?" Das waren die Fragen, die ihn beweg= ten, und derart in Anspruch nahmen, daß er keinen Sinn für seine neue Umgebung hatte.

Und doch war diese anheimelnd und für den ver­grämten Mann wie ausgesucht. In einem reizenden Stübchen mit anstoßendem Kabinett fand er allen Kom­fort, den er billigerweise beanspruchen konnte, franzö­fische Lektüre, fachmännische und novellistische, sowie Bettungen im Ueberfluß, dabei eine aufmerksame Be dienung seiner Wirtsleute, von denen der Mann ein Bi­tograph war, und die Frau, eine Elsässerin, fich als eine Meisterin der französischen Kochkunst erwies.

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Bourlier lebte sich in dieses Hauswesen schnell ein. Waldemar Nur Einer fehlte in seiner Einsamkett Tyrolt es schmerzte den Grollenden, jenem nicht täg­lich seine Unversöhnlichkeit zeigen zu können.

( Gießener Tageblatt)

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Telephon Nr.: 362. 24. Jahrg.

ähnliche registriert worden war, hat große Ver= heerungen angerichtet, sowohl auf europäischem als aud) auf asiatischem Gebiete. Die Angst der türkischen Bevölkerung, die ohnehin durch die inneren Aufstände und den Krieg mit Italien genug beunruhigt ist, vor den elementaren Gewalten trieb in Konstantinopel nahe Zehntausende in die Moscheen und Kirchen, wo unab­lässig Gottesdienst abgehalten wird. Am schwersten ist der Südwesten Adrianopels mitgenommen worden. In jener Gegend liegen 6 Ortschaften fast völlig in Trüm­mern. Das Entsetzen der Bevölkerung steigerte sich, als zu dem Erdbeben sich noch gewaltige Feuersbrünste ge­sellten, welche die stehengebliebenen Häuserreste ganz zerstörten.

Die offiziellen Berichte sprechen von mehr als 1000 Toten und ebensoviel Verletzten. In der Umgegend von Adrianopel sind allein mehr als 15 000 Menschen ob= dechlos. Furchtbar war der Brand von Philippopel, das ebenso wie Gallipoli teilweise zerstört wurde.

Halb Adrianopel liegt in Schutt und Asche. Nicht weniger als 20 Moscheen wurden zerstört. Eine eigen­artige Begleiterscheinung des Erdbebens war es, daß das Wasser an den Küsten des Marmarameers tochte, sodaß eine Unmenge Fische getötet wurde.

Nach den neuesten Berichten sollen 28 Städte und Ortschaften völlig zerstört sein. Tatsächlich war das Be­ben das schwerste, das je auf der Potsdamer Erdbeben­warte wahrgenommen worden ist. Die Erdbewegung erstreckte sich vom Marmarameer bis Anatolien. tens der Regierung ist bereits eine Hilfs- und Rettungs­aktion eingeleitet worden. Der Sultan spendete als er­

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ster 100 000 Frants. In Konstantinopel, das nur sehr wenig gelitten hat, treffen fortgesetzt Dampfer mit Ver­letzten ein.

Konstantinopel, 12. Aug. Die Zahl der durch das Erdbeben vernichteten Häuser wird auf etwa 10 000, der tot aufgefundenen Menschen auf 1800, der Verwundeten auf 3000 geschätzt. Die hiesigen Hospi­täler, besonders die griechischen, sind angefüllt mit Ver­wundeten; jeder einlaufende Dampfer bringt solche her­bei. Die türkische Regierung fommt in umfassender Weise den Verunglückten zu Hilfe. Glänzend bewährt sich wieder der griechische Wohltätigkeitssinn ihren so grausam geschädigten Landsleuten gegenüber. Die Städte Myriophito, Harkeul, Ganos und Hora sind fast ganz vom Erdboden verschwunden.

Politische Rundschau.

Deutschland.

* Der Kaiser, der am Sonntag mit der Ka i- serin und der Prinzessin Viktoria Luise auf Schloß

XXV.

Waldemar war wirklich nach Frankreich abgereist. Er benutzte einen kurzen Urlaub, den er nicht ohne Schwierigkeiten und nur auf die Dringlichkeit des Falles erhalten hatte. Ein Brief, den er eines Tages unter den Feldpostsachen fand, war die Veranlassung gewe­sen, und dieser Brief lautete folgendermaßen:

" Lieber, hochgeehrter Herr Leutnant!

Ich schreibe Ihnen, ohne Ahnung, ob Ste diefen Brief erhalten werden; denn wo stehen Sie fett int dem großen, untergefriegten Frankreich? Ich bin jezt in Orleans bei's Lazarett und habe viel zut fun, da die Verwundeten, besonders die Herren Offiziere, nicht bloß im Militärspital, sondern auch in den Privatquartieren liegen. Nu hab' ich auch Herrn Oberstleutnant von Wingath zu verbinden, dem es aber schon ganz gut geht. Wie ich zu dem hinfomme, denken Sie bloß, wen ich dort treffe? Das Fräulein von Bazeilles, welches Sie schon so fein gepflegt hat und die wir immer Ihre Braut nannten. Das arme Mädchen sah recht elend aus, aber sie erkannte mich gleich und freute sich sehr und fragte nach Ihrer Adref se, die ich ihr aber ja nicht sagen konnte. Fräulein Bourlier war sehr trant gewesen. Auch hatte fie kein Geld zur Nachhausereise und hat deshalb an thre Tante geschrieben. Ich aber möchte Ihnen das doch mitteilen und gehorsamst melden. Sonst bin ich recht gesund und grüße Ihnen ergebenst. Ihr ergebenster

Johann Kieze, Lazarettgehilfe. Waldemar war schwindlich vor Frende geworden, als er diesen Brief erhielt. Defiree lebte, Desiree dachte setner in Liebe und Sehnsucht. Die Hoffnung, fle wiederzufinden, welche er treu in dem innersten Käm merlein seines Herzens aufbewahrt, hatte thn nicht ge täuscht. ( Fortsetzung folgt.)