Ausgabe 
13.3.1912 Erstes Blatt
 
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Bilder aus dem Strelkgebiet.

In der Nähe der Beche Massen" in Unna wurde am Montag ein Steiger von mehreren streikenden Berg­Ieuten angegriffen; es gelang thin aber, sich der An­greifer zu erwehren. Mehrfach tamen Ansammlungen von Streifenden vor, doch wurde die Ruhe nicht weiter gestört. Etn Ausständige, der mehrere Arbeitswillige der Beche Scharnhorst" belästigte, wurde von diesen durchgeprügelt. Um die Zeit des Schichtwechsels full­en fich Montag mittag die Zugangswege zu den Kat­ferstuhlzechen bei Dortmund mit einer fast unüberseh­baren Menschenmenge. Den Hauptbestandteil dieser Menge bildeten Frauen und Kinder der Streifenden, die die Straßen besetzt hielten und die Arbeitswilligen sozusagen Spießruten laufen ließen. Man spuckte vor den Arbeitswilligen aus und sparte nicht mit Schimpf= worten. Zu weiteren Ruhestörungen fam es nicht. Da­gegen ist es auf der Beche" Adolf von Hansemann" in Meschede Montag mittag beim Schichtwechsel zu schweren Ausschreitungen zwischen Arbeitswilligen und ben Ausständigen gekommen. Die Polizei mußte von der Waffe Gebrauch machen. Verschiedene wurden erheblich verletzt. Der Vorfall hatte zur Folge, daß bei der Mittagsschicht kein Mann eingefahren ist. In Bruckhausen bet Hamborn hatte sich Montag abend eine große Anzahl Streifender angesammelt, um die heimkehrenden Arbeitswilligen zu belästigen. Infolge= deffen kam es zu schweren Zusammenstößen zwischen den Streifenden und Polizeibeamten. Die Beamten wurden mit Steinwürfen empfangen. Nun gingen diese mit blanker Waffe vor und zerstreuten ote Menge. Mehrere Polizisten wurden durch Steinwürfe verletzt. Von den Streitenden erlitten viele durch Säbelhiebe Verlegungen. Auch wurden auf die Polizeibeamten 15 Nevolverschiffe abgegeben, die jedoch ihr 3tel verfehl­ten. Eine große Anzahl Verhaftungen würden vorge­

nommen.

Weitere ernste Zusammenstöße.

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Dortmund, 12. März. In Recklinghausen kam es gestern zu einem Zusammenstoß zwischen der Polizet und 400 Streifenden. Sieben Personen wurden durch Säbelhiebe schwer verleßt, vier leicht. Einem Arbeits­willigen wurde ein Auge ausgeworfen.

C Herten bei Recklinghausen, 12. März. Gestern abend sammelten sich nach dem Schichtwechsel auf der Beche Ewald hunderte von Personen an, die die Ar­bettswilligen belästigten. Die Polizei schritt gegen die Menge ein und mußte von der Waffe Gebrauch machen. Dabei wurden mehrere Personen verlebt. Ein Arbeits williger wurde von zwei Streifenden überfallen und erheblich verlegt,

Essen, 12. März. Heute vormittag fam es auf der Gute Hoffnung- Grube bet Oberhausen zu schweren Stretferzesien. Auf dem Schacht Tondern wurden acht zehn Bergleuten die Schuhe und Kleider zerschnitten. Die Arbeitswilligen wurden mit Stöcken geschlagen. Folgen des Streifs.

Der Stettiner Magistrat beschloß gestern, die öffent liche Gasbeleuchtung mit Rücksicht auf den Bergarbets terstreit und mit Rücksicht darauf, daß der Streit auch auf Oberschleſten übergreifen werde, auf die Hälfte herabzufeber. Stettin war beretts Montag abend in Halbdunkel gehült.

Die Lage im oberschleftfchen Kohlengebiet beginnt sich zuzusptzen. Noch ist bei den vereinigten fünf Arbetterverbänden teine Antwort auf ihre am 6. März an die Grubendirektion gerichtete Forderung einer 15% igen Lohnerhöhung ab 1. April eingelaufen. Bisher betrachtete man dies als ein günstiges Beichen und man rechnete mit einem Entgegenkommen der Gruben. Die Stimmung ist aber seit Bekanntwerden des Streits im Ruhrgebiet bet den Bergleuten um­geschlagen und ein Ausstand erscheint unvermeidlich.

Vermischtes.

Durch die Fälschungen des früheren Oberfaktors Grünenthal hat sich die Reichsbank seit mehr als zehr Jahren in jedem Jahre veranlaßt gesehen, mehrere Hunderttausende von threm Gewinne abzusehen, weil doppelnummrige Tausendmarkscheine im Verkehr Ite­fen. In diesem Jahre mußten auf diese Weise wieder 177 000 Mart abgesezt werden. Es ist noch nicht abzuse­hen, wann diese Abschreibungen aufhören werden. Man nimmt an, daß die Netchsbani noch auf viele Jahre hinaus mit diesen Abschreibungen rechnen muß. Merkwürdig ist, daß sich der Umfang der Betrügereten niemals hat aufklären lassen. Grünenthal hat in vers hältnismäßig sehr kurzer Zeit mehrere Millionen ge­fälscht.

Der hohe Wert des 1911er Rheinweins. Aus Rhein­beffen wird geschrieben: Wie hoch der 1911er bewer­tet wird, zeigt die große Nachfrage, die nach ihm herrscht. Es sind in der leßten Zeit für 1911er Wein Preise er­zielt worden, wie sie seit langen Jahren taum bekannt find. So verkaufte in Zornheim Herr Bürgermeister Sieben seinen 1911er Naturwein zu dem hier unerhör­ten Preise von 1300 Mark für das Stück. Der Gesamt­

Er stand mühsam auf, um nicht weiter in Versu­chung zu kommen. Der Bedürftigere mußte sein Lab­sal haben; er selbst konnte warten. Am Brunnen er­quickte ihn ein frischer Trunk mitten unter seinen Leu-. ten. Nicht um alles in der Welt hätte er seinen Kame­raden der Erquickung beraubt.

Neumann kniete neben Tyrolt nieder. Sehen Sie, sehen Sie, ich wußte es ja, daß es nicht so weiter geht," sagte er topfschüttelnd. Nu wol­len wir mal ordentlich nachsehen, denn da hilft keen Gefizzel mehr."

Er trennte den aufgeschnittenen Aermel ganz he­runter und schlug das zerfetzte Hemd hinab.

Hm, der Schaden scheint mehr innerlich zu sein. Ein Hautriß; aber drum ist alles braun und blau. Tüchtig fühlen, das ist wohl die Hauptsache," brummte er, und machte sich an die Arbeit.

Allmählich fam Tyrolt zu sich. Er öffnete die Augen und leckte durstig die bleichen Lippen.

,, Trinken Ste, Herr Leutnant," beeilte sich sein treuer Bursche zu sagen und hielt ihm den Krug mit Milch hin. Ste wird wohl ein bißchen nach Rauch schmecken, aber besser als Wasser ist das Getränke doch."

Tyrolt schlürfte in vollen Zügen und nickte dem Geber freundlich und dankbar zu. Er tat es mit Recht, denn Neumann hatte die Milch mit Gefahr feines Le­bens aus dem brennenden Hause herausgeholt. Ist meine Verletzung sehr schlimm?" fragte der Verwundete, der nun seinen entblößten Arm bemerkte.

" Ich denke nicht, Herr Leutnant, es wird wohl bef= ser werden, wenn Sie sich recht still verhalten. Der Kno­chen hat wohl einen Knay. Am Ende werden Sie doch in's Feldlazarett rein müssen!"

Ins Lazarett? Nimmermehr, ich muß mit, vor= wärts, vorwärts!"

Nu, wenn's geht, dann geht's. Endlich muß doch mal so'n Pflasterkasten kommen."

erlös betrug rund 10 000 Mart. Der für den Wein be­zahlte Preis ist um über 100 Prozent höher als die ers zielten Durchschnittspreise der letzten zehn Jahre.

Ein furchtbarer Hotelbrand. Bum gemeldeten Ho­telbrand in Chicago wird noch bekannt, daß das Feuer mit ungeheuerer Schnelligkeit um sich griff und sich über Gänge und Korridore ausbrettete, sodaß in furzer Zeit die Treppen verqualmt und unpassterbar geworden wa­ren. An den Fenstern zeigten fich zahlreiche geängstigte Menschen. Die Feuerwehr erschien kurze Zeit nach dem Alarm und breitete mehrere Sprungneze aus, wodurch ein Teil der Bewohner gerettet werden konnte. Aus einem Fenster sprangen fedoch gleichzeitig vier Perso­nen in ein Tuch, das zerriß. Alle vier stürzten mit sol­cher Kraft auf das Pflaster, daß zwei sofort getötet und die anderen schwer verletzt wurden. Mehrere Personen hatten zu große Angst vor dem Sprung in die Tiefe und verbrannten in den Zimmern. Einige andere tro= chen aus den oberen Stockwerfen auf das Dach, wo nach dem Löschen des Brandes über 20 Ohnmächtige zum Teil mit schweren Brandwunden bedeckte Leute von der Feuerwehr aufgefunden wurden. Bis jetzt wurden 23 Leichen geborgen, man fürchtet jedoch, daß in den oberen Zimmern weitere unter den Trümmern begraben flegen.

Dentsche Mädchen in Amerika. Die Zahl der jun gen Mädchen, die allfährlich nach Amerika auswandert, um sich dort einen Beruf zu schaffen, ist weit bedeuten­der, als man im allgemeinen anzunehmen geneigt ist. Die jungen Mädchen kommen, wie von dem Deutsch­amerikanischen Freundschaftsklub für junge Mädchen" mitgeteilt wird, mtt Hoffnungen in das Land jenseits des Ozeans, die sich nur in den seltensten Fällen ver­wirklichen. Der Freundschaftsklub, der unter dem Vors fiz von Fräulein Marta Lydia Winkler steht, hat es sich zur Aufgabe gemacht, allen jungen Mädchen, die aus­wandern wollen, von den Aussichten Mitteilung zu ma­chen, die sie in Amerika haben. Die sind natürlich bet weitem nicht so groß, wie stets angenommen wird, denn man verlangt im Lande der unbegrenzten Möglichket­ten von einer arbeitenden Frau sehr viel. Um sich in Amerika eine gutbezahlte Stellung zu verschaffen, muß man unbedingt die Lindestprache in Wort und Schrift beherrschen, und wenn dies nicht der Fall ist, dann kann es geschehen, daß die jungen Mädchen Ehre und Gesund­heif verlieren und gebrochen an Leib und Seele im frem­ben Lande bletben müssen. Die bestbezahlten Stellun­gen finden die deutschen Mädchen in Amerika, wenn sie als Dienstmädchen und Köchinnen in die Häuser der Reichen geben. Denn der Dienstbotenmangel ist in Amerika ungeheuer und gar nicht mit unserer Dienst­botennot zu vergleichen. Die Stellung der weiblichen Hausangestellten unterscheldet sich auch von derjenigen unseres Dienstpersonals bedeutend, die Dienstmädchen führen ein sehr gutes und angenehmes Leben. Aber bennoch wollen gewiß die jungen Damen, die thre Het­mat verlassen, nicht nach Amerika gehen, um dort Dienst­mädchen zu werden. Schon deshalb nicht, well sich the nen die Aussicht auf eine standesgemäße Heirat dadurch verschließt.

Brantlotterien. In der Krim herrscht, wie aus Be­tersburg geschrieben wird, ein eigenartiger Brauch, um auch arme Mädchen unter die Haube" zu bringen und thnen das zum Heiraten notwendige Geld zu verschaffen. Allerdings erhalten die Mädchen nur so viel Geld, wie zur notwendigen Ausstattung erforderlich ist. Wenig­stens taten das einige junge Mädchen in Jalta, in der Krim, als sie einsahen, daß fie feinen Mann fanden, trotzdem sie es an Schönheit und Getst mit vielen an­deren Mädchen aufnehmen fonnten. Ste veranstalteten eine Brautlotterte. Nach den Gefeßen dieser Braut­lotterte mußte jeder junge Mann, der mit einer von den Mädchen, die zu dem Verein der Brautlotterie gehörten, einen, wenn auch noch so harmlosen Flirt, anfangen wollte, 5 Rubel an die Kaffe bezahlen. Jedes der Mäd­chen legte gleichfalls, sobald es Interesse an einem jun gen Mann fand, 5 Rubel, für die es fich for ein neues Kleidungsstück gekauft hätte, tn dte kaffe. Wollte eine der Tetlnehmerinnen an dieser Brautlotterie heiraten, dann wurden Lose ausgegeben und diese Lose konnten fowohl von den jungen Männern als auch von den jun­gen Mädchen gekauft werden. Die Gewinne bestanden nicht in Geld, sondern in trgend einer wertvollen Ar­belt, die von den Händen her Mitglieder geliefert wurde. Diese Arbeit bedeutete zumeist shon ein Ausstattungs­stud, es waren suwetlent fostbare Semben, auch Tisch­tücher, Spigen zu Gardinen und gewebte Teppiche. Dtea fentge aber, die sich verheiraten wollte, bekam das Geld, das die Lotterte eingenommen hatte. Sobald diese Mit­gift ausgezahlt war, begann die Sammlung von neuem, von neuem wurden Rotterien veranstaltet und es wurde für die nächste Braut gespart. Die jungen Damen von Jalta, und es gehören die jungen Damen aller Gesell­schaftstreife zu dieser Lotterievercinigung, haben die Freude, konstatieren zu können, daß, seitdem sie die Lot­tertebrautkaffe befizen, schon dre: funge, arme Mädchen glücklich unter die Haube gebracht haben.

Fenertürme als Lebensretter. Die außerordentliche Höhe der Bauten in einigen amerikanischen Städten,

Tyrolt feufzte und horchte nach der Straße hinüber. Der Tritt festgeschlohener Infanterie Iteß sich heren, dazu Trommelschlag und Hornsignale.

" Das sind die Bayern," meinte Neumann. Deren Elefantenfüße kenne ich; wo die hintreten, wächst kein Gras. Nu bleiben wir wohl ein bißchen zurück, die lö­fen unsere Avantgarde immer ab. Mehr können wir auch so nicht. Gottframbach, wir hatten eine harte Nuß Bu fnacken."

Der Leutrant nickie, regungslos lag er da; er be­fand sich wie im Halbschlafe. Fast gegen seinen Willen Huschten die Bilder der Vergangenheit, durch Pumar­quet's plögliches Erscheinen in die Erinnerung geru­fen, an seiner Seele vorbet.

Zwei Tage nach seiner Abreise von Bazailles war er in Reichenbach eingetroffen. Dort fand er seine Ge­stellungsordre bereits vor. Nur wenige Stunden konnte er bei seinem alten Vater, seiner treuen Mutter ver­leben, dann nahmen sie unter Segenswünschen und Tränen neuen Abschted, und er begab sich nach Dresden, wo er sich beim Kommando meldete und sofortigen Marschbefehl empfing. Das Schitzenregiment 108 be fand sich bereits am Rhein. Am Vorabend der Schlacht bet Weißenburg erreichte er seine Truppe und mar­schierte mit ihr gemeinsam über die französische Grenze. Erst bei Beaumont erlitt das Regiment Einbuße an Offizieren wie an Mannschaft. So war Tyrolt troß der anstrengenden Märsche gesund geblieben; nur die Seele litt unter den Eindrücken, welche er bei seinem Abschied von Desiree mit sich genommen. Mit dem Betreten des französischen Bodens war er auf immer von der Geliebten geschieden, das wußte er, da er Bourlter's Charakter nur zu gut kannte. Er hatte aber gehofft, das ihn das Kriegsglück weitab von der Maas führen würde, und run marschierten die Kolonnen geradewegs auf Bazailles, auf Sedan zu.

Während die Bayern an dem Pachthof vorüberzo gen, sammelte fich das ganze 108. Regiment auf dem

eine Folge der unsinnig hohen Grund- und Bodenpretse und der Neigung des Amerikaners zur räumlichen Kon zentration des Geschäftsviertels, hat schon eine Reihe großer Unglücksfälle bei Feuersbrünsten zur Folge ges habt. Die amerikanischen Feuerwehren sind zwar gut ausgerüstet, auch straff organisiert und erfreulich rasch zur Stelle, aber der Aufgabe, Menschen aus dem 20. Stockwert zu retten, wenn das 15. bis 17. brennt, fann auch der größte Held nicht gerecht werden. Alle mögli chen Hilfsmittel find schon vorgeschlagen worden. Die Gebäude selbst sind feuersicher" gebaut, d. h. das eigent liche Baumaterial, Stein und Eisen, sind unverbrenn lich. Man hat auch schon einen großen Teil der Eina richtungsgegenstände aus Eisen hergestellt, eiserne bel, Stühle, Tische, Schränke usw. Aber schließlich läßts es sich nicht vermeiden, daß brennbare Gegenstände eina gebracht werden, dienen die Gebäude doch dem Geschäfts­verkehr, und dieser kann sich nicht gut auf den Handel: mit Blech und Asbest beschränken. Bricht ein Feuer aus, so ist auch bekanntlich nicht die Flamme, sondern der Rauch das gefährliche, und dieser wird durch die schorn steinartig wirkenden Treppenhäuser und Fahrstuhl= fchächte rasch nach oben gezogen. Jezt ist man auf den Einfall gekommen, neben den Gebäuden besondere Türme zu errichten, die von jedem Stockwerk aus leicht zugänglich sein sollen und die Rettung ermöglichen; es find also gewissermaßen Feuerleitern größeren Stiles.. Daß ein derart völlig getrenntes Treppenhaus, zumal dann, wenn die Zugänge über Brücken durch das Freie geführt werden, so daß ein Zugweg für den Rauch nichtt gegeben ist, nüßlich wirken können, tit zweifellos. Fragt sich nur, ob die Erbauer großer Geschäftshäuser die Ko ften für solche nublose" Ertrabauten übernehmen wol len. und ob schließlich nicht auch vom ästhetischen Stand­punkt eine andere Lösung der Feuersicherheitsfrage empfehlenswert erscheint.

Die neuen fapitolinischen Gänse. Es ist Mons in Belgien, das aus der Geschichte die Lehre steht, feine Kunstschäße durch eine Gänseherde bewachen zu lassen. Schon seit langer Zett wurden die städtischen Museen allnächtlich planmäßig bestohlen, und zwar verstanden es die Diebe, genau den Zeitpunkt abzufaffen, wo die Nachtwächter ein fletnes niderchen machten. Wett ent­

fernt, den Getreuen den wohlverdienten Schlummer zur verbieten, hat die Stadtverwaltung vielmehr dies an­dere Mittel erfonnen, um den Dieben das Handwerk zu legen. Und mit großem Erfolge! Schon in der ersten Nacht drang ein Baar gefährlicher Verbrecher in einen Raum des Museums ein, in dem fostbare Gobelins auf bewahrt wurden. Kaum hatten ste jedoch den Fuß in das Heiligtum gefeßt, als sich ein furchtbares Geschnata ter erhob. Bestürzt ob dieses seltsamen Empfanges= gerten sie einen Augenblick und die alarmterten und rasch herbeigeetlten Wächter konnten die Verdußten in aller Ruhe festnehmen. So wenigstens berichtet etn Pa= riser Blatt.

Dienstmädchengespräch. In Bückeburg treffen sich am Montag früh zwei Dienstmädchen am Brunnen und die eine sagt zu der andern: D, et was gistern abend wunnerschön, bloß terletzt, da schläugen sick de Herrns, da sprungen wt Damens ut'n Fenster."

Drabtnachrichten und neuestes.

Ein Dementi des Reichsichazsekretärs.

Berlin, 12. März. Der Staatssekretär oes. Reichsschatamtes dementiert die Meldung der Ger= mania", wonach der Schatzsekretär bet der Beratung des Zuwachssteuergefeßes mehreren nationalliberalen Abgeordneten die Zusage gemacht haben soll, daß sein erster Steuervorschlag nach den Neuwahlen der Erb­schaftsstener gelten folle. Diese Mittellung entspreche nicht den Tatsachen. Von der Erbschaftssteuer sei nicht die Rede gewesen.

Verhaftung flüchtiger Verbrecher.

Berlin, 12. März. Der achtzehnjährige Haus­ditener Pyttlick, der am Mittwoch voriger Woche die Witwe Schell in ihrer Schantwirtschaft am Spittelmarkt niedergeschlagen und 120 Mark geraubt hatte, ist gestern abend in Canban verhaftet worden.

Planen, 12. März. Der Postbote Hoefer, der nach Unterschlagung eines Bostbeutels mit Wertsachen flüchtig geworden war, ist nach einem heute hier ein­getroffenen Telegramm in Basel verhaftet worden. In feinem Befit wurden noch 11 000 Mart in bar, 7400 Mark in Wertpapieren und 14 goldene ubren gefunden.

König Alfons von Spanien als Erbe.

Paris, 12. März. Der König von Spanten hat burch seinen Rechtsanwalt bei dem Gericht in St. Gau­dens erklären lassen, daß er die Erbschaft von zwei­einhalb Millionen Francs antreten werde, die ihm ein im vorigen Jahre verstorbener Rentier in Braqueville hinterlaffen hat, da das Testament aus einer Bett stammt, wo der Erblasser unzweifelhaft gesund gewesen fit. Eine Nichte des Verstorbenen hat die Uügültig­fettserklärung des Testaments beantragt.

Obstgarten- Terrain, und mit dem ersten Bataillone traf auch die Sanitätskolonne ein, während die Schüßer mit Fleiß an die Aufräumung der inzwischen abge­brannten Gebäude gingen. Unter dem Schutte fand man keinen Verwundeten, sondern nur Tote. Der Stabsarzt, welcher sich eingestellt, hatte genug mit den Blessuren der Kämpfer zu tun. In einer Baracke hatte er seine Klinik aufgeschlagen. Auch Tyrolt Iteß sich dorthin ge­Ietten.

Doktor Reiter untersuchte die Schulter mit Auf­merksamkeit.

,, Hm, zerschlagen ist nichts," sagte er gemütlich, aber. Ste müssen dennoch niederträchtige Schmerzen ausge­standen haben. Da stecken Ste sich einen Tabak an, da­mit sie etwas zwischen den Zähnen zum Beißen haben. Ich muß die Schulter einrenken, und das wird einen tüchtigen Ruck geben."

Tyrolt tat nach dem Willen des Arztes, obgleich er durchaus keinen Appetit zum Rauchen verspürte. " Also ist keine Gefahr dabet?" fragte er mit Erge= benheit.

Vielleicht Gefahr infolge der Entzündung. Die Ku­gel ist ganz aus dem Gelenke; die Berrung der Bän­ber bereitet Ihnen die kannibalischen Schmerzen. Brennt die Zigarre?"

" Ich glaube ja.

Na, denn, Sie Schüßenjüngling, halten Sie den Herrn Leutnant' mal den Kopf," wandte er sich an Neu­mann, nachdem sich der Pattent auf eine Kiste gesezt hatte.

Ein Ruck- und das verletzte Glted war eingerentt. Tyrolt hatte nicht mit der Wimper gezuckt, aber die 31­garre hatte er glatt durchgebiffen.

( Fortsetzung folgt.)