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Gießener Zeitung
Bezugspreis 40 pfg. monatlich
( Neueste Nachrichten)
mt., v aerielfährlich 1,20 vorauszahlbar, frei ins Haus.
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Tk. 5,90, 5,25,4
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Erscheint Mittwoche und Samstags. Medaftion: Selters. Für Aufbewahrung oder Rüdsendung nicht verlangter Manuskripte wird nicht garantiert. Berlag der ,, Gießener Zeitung" G. m. b. H.
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40, 7.80, 6.95,5
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2. Blatt.
Die Jugendpflege in der Industrie.
Erpedition: Seltersweg 83.
Samstag, den 12. Oftober 1912.
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lichen Angehörigen der Arbeiter dienen. Es hier hauptsächlich Haushaltungsschulen, Kochschulen und Handarbeitsschulen in Frage. Die Kosten werden in der Regel von den Werken allein bestritten; ein Teil der Zechen leistet zur Unterhaltung dieser Schulen namhafte Zuschüsse und stellt die erforderlichen Unterkunftsräume zur Verfügung. Die Anstalten erfreuen sich, von ganz vereinzelten Ausnahmen abgesehen, eines regen Besuchs. Die Zeche Dahlbusch bei Rotthausen hat im Jahre 1910 eine Kochschule eingerichtet, die mit Genehmigung der Kgl. Regierung an das öffentliche Volksschulwesen der Bürgermeisterei Rotthausen derart angeschlossen ist, daß der Kochschulunterricht als ein verbindlicher Unterrichtsgegenstand für die Mädchen des letzten Schuljahres anzusehen ist. Es war vorgesehen, in jedem Jahre 144 Mädchen auszubilden. Jm letzten Jahre war indes der Andrang derart start, daß man sich veranlaßt fah, an 3 Nachmittagen von 4-8 Uhr Parallelkurse
Der preußische Minister der geistlichen, UnterrichtsMedizinalangelegenheiten hat in dem bekannten ErDom 13. Januar 1911 die Jugendpflege als eine wichtigsten Aufgaben der Gegenwart bezeichnet. Der die ppell des Ministers an das Wohlwollen und ferwillige Mithilfe aller Vaterlandsfrennde in allen inden und Klassen ist nicht ungehört verhallt. In enntnis der großen Bedeutung einer planmäßigen Jugen bpflege haben sich allenthalben staatliche und kommunale Behörden, geistliche und weltliche Vereine zu gemeinsamer Arbeit zusammengefunden. Daß alle diese Bestrebungen nicht ohne Erfolg bleiben werden, darf man zuversichtlich hoffen, zumal es sich nicht darum hanbelt, ein neues, bisher unbearbeitetes Gebiet sozialer Täfigleit zu erschließen. Auch der Minister gab in seinem Elak dem Wunsche Ausdruck, daß die warmherzige be und opferwillige Begeisterung, die dem Werk der Jugendpflege von einzelnen Personen und zahlreichen ondere Anerkennung verdienen auch die Beſtrebungen Werksverwaltungen, den Kindern ihrer ArSereinigungen bisher schon zugewandt worden sei, ihr beilei eine etwa fehlende Fürsorge angedeihen zu lassen tholten bleiben möge. Es sei hier insbesondere der und franken Kindern Erholung zu verschaffen. Die WarTitigleit unserer Frauenvereine gedacht, die sich um die tung der nicht schulpflichtigen Kinder zwischen 3 und 6 Jugendfürsorge schon seit vielen Jahren unschätzbare Jehren macht den Arbeiterfrauen erfahrungsgemäß beBadienste erworben haben. Aber auch von anderer Seite ist auf diesem Gebiete im Laufe der letzten Jahr fondere Mühe. Das Zusammenwohnen der Arbeiter in nun die Möglichkeit, die winte manches getan, wovon die Deffentlichkeit wenig geschlossenen Kolonien bietet jahren hat.
Nicht unangebracht dürfte es sein, einmal die von en großen industriellen Unternehmungen des rheinischweltfälischen Industriebezirks unter Aufwendung nicht rheblicher Kosten geschaffenen Einrichtungen zu er=
mähren, die nicht nur den Arbt ein Eufig auch für die Allgemeinheit von großem Nuzen find. Da eine zusammenfassende Uebersicht über die bethenben Einrichtungen auf sämtlichen Werken nicht vorbunden ist, beschränken wir uns auf die Wiedergabe Figer Mitteilungen, die teils in den Geschäftsberichten Fizelmer größerer Gesellschaften, teils in den Jahresbeiter der Bergrevierbeamten enthalten sind.
In den Berichten der Bergrevierbeamten des Oberbagamtsbezirks Dortmund werden an vielen Stellen die
den Werksverwaltungen eingerichteten Anstalten ermihn, die der hauswirtschaftlichen Erziehung der weib
Leciferrin
Das Glückskind.
Noman von Frene von Hellmuth ( Nachdruck verboten.)
Sie denteie auf eine Gruppe von Menschen, die, 2754. Auss aus Neugierde, tells aus Teilnahme einen ärm te Broschüre foi gefleideten Mann umftanden, der, wie es schten, Referen
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Ermattung oder Schwäche auf einen Haufen Schnee bergefunken war. Es mochte ein Haufterer sein, matigstens berechtigte ein neben ihm stehendes, vielattztes schwarzes Lederföfferchen zu dieser Annahme. Auf dem Boden verstreut lagen verschiedene Paplece, anscheinend Lose, die jedenfalls dem Manne aus Gand geglitten waren.
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Voye
In dem Augenblick, als Tante Aurelia mit Rös" en herzutrat, tehrte dem armen Bedauernswerten die Befinnung zurück. Sein erster Blick galt den am Bokn verstreut liegenden Papieren, und mit dem Rufe: Gott, ach Gott, meine Lose, auch das noch," wollte er den wertvollen Besitz eiligst zusammenraffen, defin er taumelte und fiel kraftlos zurück, stöhnend md jammernd.
„ Beruhigt Euch, armer Mann," meinte einer der Imtehenden mitleidig, es soll feines verloren gehen." Euch ist gewiß unwohl?" fragte ein anderer, Ihr fcht so trank und elend aus."
Ich habe heute noch keinen Bissen gegessen, Herr, haber wurde mir vorhin so
humte, dazu die Kälte, flagte bo, da im right metter
der Aermite traurig. der A
„ Nun lauf ich sett heute früh ununterbrochen von bauns zu Haus, ohne auch nur einen Pfennig verdient haben. Niemand will faufen von mir, und zu Hause da: warten sieben hungrige Kinder und ein armes, frantes 8 Weib sehnsüchtig auf mich. Nun muß ich wieder muleeren Händen heim und sagen, ich habe nichts, reinin gar nichts verdient, kann Euch deshalb kein Brot
einzurichten.
nod; nicht schulpflichtigen Kinder gemeinsam unter Aufsich erfahrener Kindergärtnerinnen mit leichtem Anschauungsunterricht und Spielen zu beschäftigen. Die Gutehoffnungshütte in Oberhausen hat 5 Kleinkinderschulen eingerichtet, eine sechste ist im Bau begriffen. An der Spitze der Kleinkinderschulen und der mit ihnen räumlich verbundenen Handarbeitsschulen ſteht eine ſtellt terin, der 7 Lehrerinnen und 3 Gehülfinnen unterstellt sind. Die Kleinkinderschulen, die 3. 3t. von etwa 600 Kindern besucht werden, sind mit reichlichem Material für den Anschauungsunterricht und mit Spielgeräten u. Spielplätzen ausgestattet. Die Bergwerksgesellschaft Hibernia hat im Bezirk Redlingshausen- Land 4 Kleinfinderschulen errichtet; die Unterhaltungskosten betrugen 1911 4300 mt.( ausschließlich Zinsen). Die Harpe ner Bergba u A.-G. erwähnt in ihrem letzten Geschäftsbericht, daß Kleinkinderschulen verbunden mit Kran| fenpflegestationen auf 8 Zechen der Gesellschaft einge
Das
( Gickener Tageblatt)
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die 44 mm breite nieratenzeide.- Die 90 mm breite Zeile im Retiamerei 50 Pig.- Gewich und Größe Ertrabeilagen werden nach berechnet. Rabatt fommi bei leberschreitung des Zahlungs. sieles( 30 Tage), bei gerichtlicher Beitreibung oder bei Konkurs in Wegfa. Blavvorichriften ohne Verbindlichtet. Druck der Gießener Verlagsdruckerei.
Telephon Nr.: 362.
24. Jabrg.
richtet sind, die im Durchschnitt von 1020 Kindern besucht wurden. Auch in den meisten Berichten der Bergrevierbeamten werden die auf den Zechen bestehenden Kleinkinderschulen erwähnt und mitgeteilt, daß die Schulen durchweg gut besucht wurden.
( Fortsetzung folgt.)
Geschäftliches.
) Der Haas Apparat vor Gericht. Die Firma F. Menzel, Orthopädisches Institut in Dres= den, Steuvestraße, vertreibt den patentierten Haas- Apparat, der in tausenden von Exemplaren von an Rückgratsverkrümmung Leidenden getragen wird. Der Inhaber dieser Firma war nun beschuldigt, durch Inserate solche Leidende irregeführt und in ihnen den Glauben erwedt zu haben, daß der bekannte Haas- GeradehalterApparat in allen Fällen Heilung erziele. 3u der vor
dem Kol. Schöffengericht Leipzig unter Vorsitz von Amts= richter Dr. Kök stattgefundenen Verhandlung war als Sachverständiger des Gerichts Medizinalrat Prof. Dr. Kölliker geladen. Die Anklage beschuldigten den Be= flagten, durch eine Annonce in den Leipziger N. N." mit zwei Abbildungen, von denen die eine ein Kind mit stark verkrümmtem Rückgrat, die andere dasselbe Rind mit angelegtem Apparat darstellt, und in der von „ glänzenden Erfolgen" gesprochen wurde, die sächsische Ministerialverordnung vom 14. Juli 1903, betr. Ankündigung von Heilmitteln, übertreten zu haben. Aus der Vernehmung des Angeklagten ergab sich, daß in allen Fällen eine streng individuelle Behandlung aller Patienten, die sich an ihn wenden, ausgeübt wird, sowie, daß jeder Apparat nach einem vom Körper des Leidenden genommenen Gipsmodell besonders angefertigt wird. Der Angeklagte hatte einige hundert Patienten namhaft gemacht, die zu bestätigen bereit waren, daß sie weder durch die übersandten Prospekte, noch durch die mündliche Aufklärung über die Wirkungsmöglichkeit des Apparates irregeführt worden waren; ferner waren eine Menge Dankschreiben von mit dem Haas- Apparat behandelten Personen vorgelegt, die verlesen wurden, und die alle Besserung oder völlige Heilung feststellten. Das Gericht verzichtete auf die Vernehmung der Zeugen und das Urteil mehrerer Aerzte, die den Apparat entwe
Blutbildend, Nervenstärkend, Appetitanregend. Vorzüglich für die Allgemeinernährung, speziell bei Nervosität u. in der Rekonvaleszenz. Bringt rosige Wangen und blühendes Aussehen.
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Herz, es ist zu viel, au viel, o arme, arme& inder." Der Mann im zerlumpten Rittel hatte die Hände vor das Geficht geschlagen und große Zähren rannen ihm in den struppigen, ergrauenden Bart.
Aufs tiefste ergriffen von folchem Elend, das hter so fichtlich zutage trat, umstanden alle eine Beile den hefHig schluchzenden Alten.
Ihr sollt heute nicht ehne Brot heimkehren," fagte ein Mann in Arbeiterkleidung. Indem er sich an die anderen wandte, fuhr er fort:„ Wir wollen dem Unglücklichen seine Waren abkaufen, jeder trage nach seinen Kräften zur Linderung dieser Not bet."
Ein anderer hatte bereits die sämtlichen Lose vom Boden aufgelesen und hielt sie den übrigen umstehenden entgegen, indem er lachend jedem zurief: Lauter Treffer, meine Herrschaften, lauter Treffer, wer tauft? Wer hat noch Lust? Hier tut man ein gutes Wert."
„ Wir wollen auch so einen Treffer haben, aber den Haupttreffer, Röschen, Du ziehst für mich ein Vos," fagte Tante Aurelia heiter. Als das Kind ihr das ausgewählte Papier übergab, legte sie lächelnd ein blantes Zweimarkstück in die fleine Hand. Röschen brachte es eilig dem glückstrahlenden Mann, dessen Schmerz sich rasch in Freudentränen aufgelöst hatte.
Im Nu war auch alles andere verkauft, was vorher niemand haben wollte, Hosenträger, Portemonnates, Knöpfe, aller mögliche& ram wurde versteigert und mit
guten Preiſen bezahlt. wires beretgett
„ Noch tann ich es gar nicht faffen," jubelte der Arme, dessen Schwäche wie weggeblasen war, in der Freude schien er sich gar nicht mehr tranz zu fühlen.
,, Nun freuf Euch, Kinder!" schrie er, als tönnten die Angerufenen ihn hören,„ nun bin ich reich und bringe Brot zum Sattessen. Vergelts Euch
tausend und
tausend Mal, ihr guten Leute!" mit Glückselig ig trottete er gleich darauf mit seinem lee
ren Kofferchen von dannen. Alle aber fühlten eine süge Genugtuung im Herzen ob des gelungenen guten Wertes.
Etwa dret Wochen mochten fettdem vergangen fetu, als eines Tages Aurelia zu Mathilde ins 8immer stürzte, ein Beitungsblatt in der hochgehobenen Han schwingend.
Die gute Zante befand sich offenbar im Zustande höchster Erregung. Ste sah aus, als ob fte nicht recht bet Verstand wäre, und schrie ihrer fie erstaunt unb faffungslos anftarrenden. Schwägerin zu:
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„ Hilf mir, Mathilde, daß ich nicht verrüdt merbe! O Gott, ist es denn wirklich wahr, ist es keine Täuschung meiner Sinne, -ich- ich kann nicht mehr lesen, mir flimmerts vor den Augen- fieh' her, Mathilde, was da steht, ich hier und sage mir dann, tenn es noch nicht glauben!"
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Erschöpft hielt Aurelia inne, indes Mathilde die bezeichnete Stelle las:
„ Den Haupttreffer der Kirchenbau- Lotterie zu G... gewinnt Los Nr. 135 692"-
Noch erregter als vorher wurde Aurelta und Mathilde war tatsächlich im 3weifel, ob jene bet Sinnen sei oder nicht.
„ Aber sage doch endlich, was bedeutet dies alles?" Was das bedeutet, Mathilde?" schrie Aurelia,„ das bedeutet, daß ich ich den Haupttreffer gewonnen habe, o Himmel, 60 000 Mart, welche Summe!" Jubeind eilte sie hinweg ins Nebenzimmer, wo Röschen, ruhig spielend, bei ihren Puppen saß, riß das Kind, das gar nicht wußte, wie ihm geschah, stürmisch empor, nahm es in die Arme, indem sie es mit üffen fast erstickte, und trug die Kleine in das Zimmer der Mutter.
( Fortsetzung folgt.)


