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Gießener Zeitung

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Bezugspreis 40 Pig. monatlich

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( Neueste Nachrichten)

vertelfährlich 1,20 Mr., vorauszahlbar, fret ins Haus. Abgeholt in unserer Expedition oder in den Zweig­ausgabestellen vierteljährlich 90 Pfg. Erscheint Mittwochs und Samstags. Redaktion: Selters- ar weg 83. Für Aufbewahrung oder Rücksendung nicht verlangter Manuskripte wird nicht garantiert. Verlag der ,, Gießener Zeitung" G. m. b. H.

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Telephon: Nr. 362.

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Die Jahresberichte der Königl. Preußischen Berg­behörden enthalten ein reichhaltiges und wertvolles Ma­terial füe die Beurteilung der Lage der Bergwerksin­dustrie und der wirtschaftlichen Verhältnisse der Bergar= G. m. b. beiter. Nach den soeben erschienenen Jahresberichten für

f. I. 4359 amtsbezirken insgesamt 736 021 Arbeiter und

das Jahr 1911 waren in den 5 Preußischen Oberberg­

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thild Samstags liegt für die Stadtabonnenten der 3llustrierte Wochen- Anzeiger

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Expedition: Seltersweg 83.

Mittwoch, den 10. April 1912.

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nsd midna Die Baiserin in Bad Nauheim. sid o Bad Nauheim, 10. April. Die Kaiserin trof heute morgen gegen 8 Uhr mittels Sonderzuges hier eins: Die hohe Frau, die hier ganz der Kur leben will, hat jeden Empfang und jede Ovation abgelehnt. Den starken Osterverkehr, wie man ihn hier noch nie erlebte, führt man auf den Besuch der Kaiserin zurück. Die Straßen sind mit unzähligen Flaggen geschmückt und die Gebäude mit grünen Ranten geziert. Der Spru­delhof bietet in seiner festlichen Aufmachung ein ganz besonderes prächtiges Bild.

Arbeiterinnen beschäftigt( gegen 727 704 im Jahre 1910, mithin 1911 mehr 8317). Hiervon ent­fallen auf den Oberbergamtsbezirk Dortmund 353 902 ( im Vorjahre 346 763), Breslau 167 019( 166 572), Bonn 125 605( 125 849), Halle 67 136( 66 775), Claus­thal 22 359( 21 745). Demnach hat die Gesamtbeleg= schaftszahl im Oberbergamtsbezirk Dortmund eine Zu­nahme um 7139, im Bezirk Breslau um 447, Halles 361 und in Clausthal um 614 erfahren, während im Bezirk Bonn ein Rückgang der Gesamtbelegschaftszahl um 244 zu verzeichnen ist. Die Gesamtzahl der im Berg- del baut beschäftigten weiblichen Arbeitskräfte betrug 10 062 gegen 10 227 im Jahre 1910( 1911 we­niger 205). Davon entfallen auf den Oberbergamtsbe­zirk Breslau 9018( 9235), Halle 799( 749), Bonn 192 ( 228), Clausthal 12( 13), Dortmund 1( 2). Die Zahl der jugendlichen Arbeiter betrug im Jahre 1911 26 142 gegen 26 201 im Vorjahre( 1911 weniger 59). Auf die einzelnen Oberbergamtsbezirke verteilt sich diese Zahl wie folgt: Dortmund 12 006( 12 040), Bonn 5427( 5742), Breslau 6635( 6363), Halle 1634( 1569), Clauthal 440( 487). An der Gesamtzahl der jugend lichen Arbeiter ist das weibliche Geschlecht mit 1,72 Prozent( gegen 1,97 Prozent im Vorjahre und 2,2 Prozent in 1909) beteiligt. Nach der amtlichen Lohn­statistik hat der verdiente reine Lohn im Jahre 1911 auf eine Schicht im Durchschnitt betragen:

im Oberbergamtsbezirk Dortmund Mt. 4,69( im Vorjahre Mk. 4,54),

bei Aachen Mt. 4,59( i. V. Mt. 4,49), auf den staatlichen Saarbrücker Gruben Mk. 4,06 ( i. V. Mt. 3,97),

Oberschlesien Mt. 3,48( i. V. 3,45), Niederschlesien Mt. 3,30( i. V. MI. 3,23),

im Berzirk Halle( Braunkohlen- Bergbau) Mt. 3,69 ( i. V. Mt. 3,57),

im Bezirk Halle( Salz- Bergbau) Mt. 4,20( i. V. 3,98), im Bezirk Clausthal( Salzbergbau) Mr. 4,29( i. V. MI. 4,09).

Hiernach sind im Berichtsjahre die Löhne in allen Revieren gestiegen.

Rg.

Unter Feinden.

Roman von Karl Matthias. ( Nachdruck verboten.)

Mit dem Feinde des Vaterlandes?" fragte er hef­" Eher will ich Dich tot wissen! Geh, Du bist keine Branzöfini

Er wandte fich grollend ab. Desiree schwankte zu Der Tante. Frau von Tarandal atmete ruhig. Der furchtbare Rnall hatte sie nicht erwecken tönnen. Uebermüdet lag fe in Hefem Schlaf.

Die entseßliche Nacht war vorüber. Der Morgen bes zweiten September brach herein. Ueberall in der Stadt sah man bleiche Gesichter und schlotternde Ge­stalten der obdachlosen Menschen, welche auf dem Pflaster herumlungerten. Nach dem Rausche des ver­gangenen Abends war die Ernüchterung eingetreten.

Von der Citadelle wehte die weiße Fahne. Der Kaiser selbst habe sich dem Feind ausgeliefert, hieß es, ber Kaiser, der den Bewohnern von Sedan bisher ein Vorbild gewesen, in dessen Geschick sich das Los der Nation verkörperte. Ganz Sedan trümmte sich unter diesem fürchterlichen Schlage. Das Heer war wie ein zerschmettertes Gefäß, ohne Zusammenhang, ohne inne­res Gefüge, die Scherben des Nationalstolzes. Der Bürger fürchtete es nur noch, wie man Räuber und Diebe fürchtet; man fing an, die Stunden bis zu sei­nem Abzuge zu zählen. Und die Stunde kam herbei. Die Maffen wurden von den Offizieren zusammenge­trieben. Gesunde und Kranke, wenn sie sich noch an der Krücke fortschleppen konnten, zogen in langen Ret­hen durch die wettgeöffneten Tore, warfen dort thre Waffen von sich und gingen durch die blutgetränkten Gefilde in die Gefangenschaft, fort, weit fort aus dem schönen Frankreich.

Auch Bourlier vermochte nicht in der Stadt zu

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Politische Rundschau.

Deutschland.

* Der Kaiser begab sich Samstag nachmittag vom Schloß Achilleion im Automobil zur Stadt, ging dann an Bord der Hohenzollern", um dort das Ein­laufen der Kolberg" abzuwarten. Die Kolberg" mit dem Reichskanzler v. Bethmann- Hollweg an Bord, lief um 6 Uhr im Hafen von Korfu ein. Der Kaiser pfing den Reichskanzler auf der Hohenzollern", begab sich dann mit ihm im Automobil nach dem Achilleion.

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* Berlin. Als fünftigen Gouverneur von Sa­moa nennt man in unterrichteten Kreisen den Gouver­neur von Togo, Dr. Brückner, dessen Gesundheits­zustand dem ungünstigen Klima Logos nicht gewachsen

iſt.

Ueber die Schweizer Reise des Kai­sers sind folgende Dispositionen getroffen: Der Kai­ser reist am Tage nach der Herbstparade über das Gar­dekorps am 2. September nach der Schweiz. Es ist jetzt endgültig festgesetzt, daß er an zwei Tagen, und zwar am 3. und 4. September, den Manövern bei wohnen wird. Nach den jüngsten Meldungen, die nach Berlin gemacht wurden, werden die Manöver zwischen der Thur und dem Ostufer des Züricher Sees stattfin­den. Es nehmen daran zwei Divisionen teil, die auf 30 000 Mann gebracht werden. Ueber die Beteiligung des Kaisers an den Tellspielen zu Altdorf sind bisher feste Bestimmungen noch nicht getroffen worden. Es ist jedoch anzunehmen, daß der Kaiser die Gelegenheit er­greifen wird, um die Tellspiele an historischer Stätte an­sehen zu können.

* Die diesjährigen Herbst übungen des 18. Armeekorps finden im Großherzogtum Hessen statt.

bleiben. Als die Gefangenen die Ture geräumt hat­ten, wanderte auch er hinaus, um sein Besitztum wieder zu sehen und seinen Sohn zu suchen.

Die Frauen blieben in der Stadt zurück. Selbstlos walteten sie three Amtes, das sie sich selbst erkoren hatten. Nur die Schwerverwundeten und die Nichttrans­portablen waren in der Rue d'Espagne zurückgeblieben. Als auf dem Pflaster der Schritt der preußischen Ba­taillone klang, die mit Pfeifen und Trommeln die Stra= ßen durchzogen, da schten das Kleine Haus in seinen Grundfesten zu erbeben, und lautes Jammern durch­zitterte die halbgeleerten Räume. In der Verzweif lung rissen sich zwei der Verwundeten die Verbände ab, und verbluteten unter den Händen der verzweifel­ten Frauen.

In ihnen war bald der Entschluß, Sedan zu ver­lassen, gereift. Der Vater kehrte nicht zurück, schickte auch keine Botschaft. Bittend wandte sich Frau von Tarandal an Herrn Prevendaux, und diesem gelang es, Pferd und Wagen aufzutreiben, was keine Kleinig­teit war, denn man hatte alles Fuhrwerk zur Fort­Der schaffung Verwundeter mit Beschlag belegt. Freund des Hauses Bourlier mußte sich auch bequemen, selbst zu tutschieren, da kein zuverlässiger Mann zu diesem Dinst aufzutreiben war, ein Dienst, der nebenbet auch Mut erforderte, denn vor den Toren wimmelte es von allerlei Marodeurs. Der Sicherheit wegen, um nicht aufgehalten zu werden, hatte fich Prevendaur einen Passierschein von dem preußischen Komman= danten ausstellen lassen, welcher ihm auf das Liebens­würdigste gewährt wurde. Aber er bedurfte des Papte­res nicht. Die deutschen Wachen und Patrouillen hat­Ben andere Dinge vor, als harmlose Leute zu belästt­gen. S'e alle folgten der strengen Manneszucht. Gut gekletdet und gut verpflegt, raubten sie nicht an ber Heerstraße, wie man ihnen nachsagte, sie schl'ßten viel­mehr das französische Eigentum vor dem Lumpengefin

( ba( Gießener Tageblatt)

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Telephon: Nr. 362.

24. Jahrg.

Sie beginnen voraussichtlich am 5. September; als letz­ter Manövertag ist der 21. September in Aussicht ge­nommen. Für die Korpsmanöver wird das Manöver­gelände im Norden durch die Orte Breuberg, Neustadt, Näuses, Klingen, Ueberau, Bessungen, Griesheim, Gerns­heim und den Rhein abwärts bis Bingen, im Westen, Süden und Osten durch die hessische Landesgrenze be­stimmt. Die 21. Division erhält den östlichen, die 25. ( hessische) Division den westlichen Teil zugewiesen. Die Grenze des Geländes zwischen den beiden Divisionen bildet der Rhein.

* Das neue preußische Kavallerieregiment, dessen Bildung die neue Militärvorlage vorsieht, wird nach Trier gelegt werden. Die zweite Schwadron der 7. Dragoner wird am 1. Oktober von Saarbrücken nach Trier verlegt und mit zur Stammbildung des neuen Re­giments verwendet werden.

Die Reservist en werden, einer kaiserlichen Kabinettsordre zufolge, spätestens am 30. September des laufenden Jahres entlassen werden. Bei den Trup­penteilen, die an den Manövern teilnehmen, findet die Entlassung der zur Reserve zu beurlaubenden Mann­schaften in der Regel am zweiten, ausnahmsweise am ersten oder dritten Tag nach deren Beendigung oder in nach dem Eintreffen in den Standorten statt. Abweich­ungen hiervon können das Kriegsministerium und bezug auf einzelne Mannschaften die Generalkomman­dos verfügen.

Wie das B. T." aus gut informierter römisch. Quelle erfährt, soll demnächst für Deutschland ein Hand­schreiben des Papstes Pius 10. an die deutschen Bi­schöfe erscheen, worin allen Welt- und Ordensgeist­lichen das öffentliche Auftreten in politischen Versamm­lungen irgend welcher Art unter Strafe einer Zensur verboten wird, desgleichen die Teilnahme an solchen Versammlungen.

Die Vertrauensmänner- Versammlung der Fort­schrittlichen Volkspartei stellte Herrn Wiemer als Nachfolger im oldenburgischen Reichstagswahlkreise Va­rel- Jever als Kandidaten auf.

Desterreich.

Wien. Kaiser Franz Joseph ist in Wallsee zum Besuche der Erzherzogin Marie Valerie eingetroffen.

Frankreich.

* Paris, 9. April. Zu Ehren der preisgekrön­ten Schüler des Journal d'Allemangne" fand heute vormittag in der Sarbonne eine Versammlung statt,

del, das sich überall umherzutreiben begann und beson­ders nachts seinem lichtscheuen Gewerbe nachging. Die Toten und Verwundeten hatte man seiner unmenschlt­chen Habgier entzogen; aber das bewegliche Eigentum, das hier und dort umherirrende Vieh, entging den etn heimischen Langfingern nicht, die um so strafloser hau­ften, als jedes Verbrechen den Feinden, den Prussiens, zugeschrieben wurde.

Daß die Hyänen des Schlachtfeldes überall gehauft, merkten die Reisenden sofort, als das Gefährt über die aufgewühlte, holperige, von allerlet Stückwert und Ge­Iump überfäete Straße bahinrollte. Zerstörte Häuser, Brandstätten, vernichtete Gärten und zerbrochene Zäune begleiteten sie auf jedem Schritt des Weges Das waren die Spuren des unerbittlichen Krieges. Aber abgezogene Kadaver von Pferden und gefallenem Vich, die unverscharrt überall die Luft verpesteten, die ausgeraubten Wohnungen, in denen jedes Möbelstück, das nicht fortgeschleppt werden konnte, zerschlagen war, die aufgerissenen Getreidemieten, leergepflückte Obst­bäume, die teilweise ihrer 8meige beraubt waren, die aufgebrochenen Keller, vor denen Faßdauben und Ret fen lagen, ein Zeichen, daß man die geleerten Wetnfäs­ser zerstört, das hatten die einheimischen Räuber als Erinnerungszeichen thres Verbrechens zurückgelassen.

Im Dorfe Balan, das die Retsenden durchqueren mußten, war nichts als die Fundamente der Häuser und die rauchgeschwärzten verkohlten Pfosten der Ställe und Scheunen übrig geblieben. Der Kirchturm war quer über die Straße hinabgeschmettert, ein wirrer, hausho­her Haufen von Steinen, Dachziegeln, Holzsparren und Erz. Die Glocken waren zertrümmert worden, die Telle berselben bereits gestohlen. Das Turmfreuz von wet Bem Metall krönte, aufrecht stehend, durch einen Zufall in den Schutt eingebohrt, den wüsten Haufen, das Sinnbild göttlicher Liebe auf dem Denkmale des Mens ichenmordes und des grausamen Haffes,( Forth, folgt.)