Ausgabe 
10.2.1912 Zweites Blatt
 
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Gießener Zeitung

Bezugspreis 40 Pfg. monatlich

( Neueste Nachrichten)

verteljährlich 1,20 Mt., vorauszahlbar, frei ins Haus. Abgeholt in unserer Expedition oder in den Zweig­ausgabestellen vierteljährlich 90 Psg- Erscheint Redaktion: Selters­Mittwochs und Samstags.

weg 83. Für Aufbewahrung oder Rücksendung nicht verlangter Manuskripte wird nicht garantiert. Verlag der ,, Gießener Zeitung" G. m. b. H.

Nr. 12.( 2. Blatt.)

Samstags liegt für die Stadtabonnenten der

Illustrierte Wochen- Anzeiger

gratis bei.

Expedition: Seltersweg 83.

Samstag, den 10. Februar 1912.

Die Presse und ihre Berichterstattung. laubnis, junge Leute" von 14-16 Jahren bei der ge­

Man schreibt uns:

Die bei der Berichterstattung aus den Bergbaure­vieren und der Erörterung der Bergarbeiterverhältnisse hervortretende Unkenntnis bergmännischer Angelegenhei­ten hat schon oft zu berechtigten Klagen Anlaß gegeben. Manche Zeitungen halten es nicht für erforderlich, auf diesem Gebiete wirklich sachkundige Leute als Mitarbei­ter heranzuziehen. Welche Unsinnigkeiten dabei heraustom­men, zeigen namentlich die Veröffentlichungen von Dr. A. Goldschmidt, den das Berliner Tageblatt" feit einiger Zeit als Spezialisten für bergmännische Fra­gen gewonnen hat.

Am 22. Juni 1911 erschien im B. T." ein von dem Genannten verfaßter Artikel über die Beschäftigung in jugendlicher Arbeiter in den industriellen Betrieben, dem anschließend an die Behauptung, daß Verstöße ge­gen die Kinderschutzgesetzgebung täglich vorfämen, fol­gendes geschrieben wurde: 3war sind nicht alle Un ternehmer so rigoros, wie die im Verein für die berg­baulichen Interessen zusammengeschlossenen. Der Dort­munder Bergherrenverband begnügt sich, wie aus einem seiner letzten Jahresberichte hervorgeht, nicht nur mit der bequemen Ausbeutungs­möglichkeit, die ihm das deutsche Kinderschutzgesetz läßt, er möchte am liebsten, daß auch bei uns wie in Belgien, Frankreich und England Kinder von 12 oder 13 Jahren an unter Tage beschäftigt werden dürfen." In einer vom Bergbaulichen Verein in Essen veröffent­da= lichten Berichtigung mußte Herr Goldschmidt sich rüber belehren lassen, daß das Kinderschutzgesetz sich nur mit der Anstellung von Kindern unter 14 Jahren be­faßt, die im deutschen Bergbau überhaupt nicht beschäf= tigt werden, und daß schon aus diesem Grunde von einer Ausbeutung von Kindern in dieser Industrie keine Rede sein könne. Weiter wurde festgestellt, daß der Verein niemals die Beschäftigung von Kindern unter 14 Jah­ren als wünschenswert bezeichnet habe, und daß schließ= lich im Oberbergamtsbezirk Dortmund gemäß den berg­polizeilichen Bestimmungen selbst jugendliche Ar­beiter von 14-16 Jahren nicht zur Ar= beit unter Tage herangezogen werden dürfen.

Es zeigte sich also hier, daß Herrn Goldschmidt bis dahin die gesetzlichen Vorschriften über die Beschäftigung von jugendlichen Arbeitern und Kindern im Bergbau gänzlich fremd geblieben waren. Geradezu verblüffend mußte es nun aber wirken, als das B. T." unlängst wieder einen Aufsatz von Dr. G. brachte, der ganz die­selben unwahren Behauptungen wie der erste Artikel enthielt. Einleitend erinnerte der Verfasser an früheren Ausführungen und die vom Bergbauverein veröffentlichte Berichtigung, wonach Kinder im deutschen Bergbau nicht beschäftigt werden und fügte wörtlich hin­zu, seine Polemik habe sich aber damals gegen den bedauerlichen Brauch der Bergherren

Eine Freudenbotschaft

für

seine

Korpulente.

Ein neuer Weg zur sicheren und gefahrlosen Beseitigung der Korpulenz mit ihren schlimmen Folgen.

Was hat man bisher nicht alles schon zur Beseitigung der Korpulenz versucht! Der Eine empfahl eine kostspielige und zeit­raubende Badereise nach Karlsbad oder Marienbad, der Zweite langwierige und anstrengende Terrainkuren, der Dritte qualvolle und gefährliche Entziehungskuren, der Vierte glaubte, durch Massage oder Schwißkuren das übermäßige Fett zum Schwinden bringen zu können, und ein Weiterer suchte sogar in recht bar­barischer Weise das so heiß erstrebte Ziel durch starkwirkende Abführmittel zu erreichen. Und was wird erst jahraus jahrein mit großer Reklame in den Zeitungen angepriesen, wodurch jugendliche Schönheit und Grazie ganz unfehlbar" wieder ge­Pillen, Salze, wonnen werden sollen: abführende Tees, Mitunter wurde Tropfen usw. Natürlich alles ohne Erfolg. wohl eine vorübergehende Gewichtsabnahme erzielt, das Uebel aber selten an der Wurzel getroffen und dauernd beseitigt. Wer heute hocherfreut 20 Pfund leichter aus Karlsbad nach Hause kommt, hat sicher schon in wenigen Wochen nicht nur das Ver­lorene wieder eingeholt, sondern oft genug noch einige Pfund darüber zugenommen.

Da kommt jetzt endlich eine wirklich frohe Botschaft: Nach langwierigen Versuchen ist es gelungen, ein Mittel zu finden,

des Ruhrrevieres gewendet, die verfehlte gesetzliche Er­sundheitschädlichen Grubenarbeit zu verwenden, in d- sichtsloser Weise auszu nutzen. Es wurde ferner erwähnt, daß nach einem Bericht des Kaiserlich. Statistischen Amts im Jahre 1910 im Bergbau-, Hüt­ten- und Salinenwesen und in den Torfgräbereien 150 Kinder unter 14 Jahren und 40 198 junge Leute von 14-16 Jahren beschäftigt seien. Wieviel von die ser Summe auf den Bergbou entfalle, sei nicht angegeben. Bei seiner riesigen Ausdehnung und nach der Vorliebe des Bergherrenverbandes für Kinder­arbeit zu urteilen, sicherlich eine erhebliche Quote.

Im Eingang des Artikels weist der Verfasser also selbst auf die Tatsache hin, daß die Beschäftigung von Kindern im deutschen Bergbau ver­boten ist; das hindert ihn aber nicht, im selben Ar­tikel zu bemerken, von den 150 in der Jndu strie arbeitenden Kindern entfalle eine erhebliche Quote sicher auf den Berg­bau. Aus der Berichtigung des Bergbauvereins mußte ihm auch bekannt sein, daß jugendliche Arbeiter von 14-16 Jahren im Oberbergamtsbezick Dortmund nicht unter Tage beschäftigt werden und daß daher von einer rücksichtslosen Ausnutzung dieser Ar­beiter gar nicht gesprochen werden kann.

Es mag dahingestellt sein, ob Bosheit oder Gedan tenlosigkeit dem Verfasser hier die Feder geführt hat. Jedenfalls hat man hier ein Musterbeispiel dafür, wie außerordentlich gering die Sachkunde der bergmännisch. Berater" des Berliner Tageblattes" ist und mit welcher frivolen Leichtfertigkeit dieses Organ bergmännische Fra­gen behandelt. Und gerade Blätter dieser Art sind es, die in den Kreisen unserer Sozialtheoretiker und Kathe­dersozialisten viel gelesen werden und deren Auslassun­gen sie bei der Beurteilung der Verhältnisse in der Berg­werksindustrie zum mindesten beeinflussen.

( Cickener Tageblatt)

Anzeigenpreis 20 pig.

die 44 mm breite Inseratenzeile.- Die 90 mm breite Zeile im Reklameteil 50 Pfg. Extrabeilagen werden nach Gewicht und Größe berechnet. Rabatt kommt bei Ueberschreitung des Zahlungs­zieles( 30 Tage), bei gerichtlicher Beitreibung oder bei Konkurs in Wegfall. Platzvorschriften ohne Verbindlichkeit. Druck der Gießener. Verlagsdruckerei.

Telephon: Nr. 362. 24. Jahrg.

den Arzt;( Hebammen und Pflegerinnen dürfen ja, wie bekannt, keine künstliche Ernährung verordnen). In den Städten und größeren Gemeinden bestehen überall im Lande unentgeltliche ärztliche Beratungsstellen; deren Viele Mütter geben ihren Kindern Rat befolge man.

die Flasche jedesmal, wenn sie schreien; sie glauben, das Schreien wäre ein Zeichen von Hunger. Es kann aber gerade so gut ein Zeichen dafür sein und ist es oft, daß das Kind zu viel bekommen und die frühere Mahlzeit noch nicht verdaut hat. Wir Erwachsenen be­kommen doch auch Leibweh, wenn wir zuviel essen; ge= nau so geht es dem Kind. Der erwachsene Mensch be­darf regelmäßiger Pausen zwischen den einzelnen Mahl­zeiten. Wie viel nötiger hat der zarte Magen des Kin­des diese Ruhepausen. Es würde keinem erwachsenen Menschen einfallen, nachts aufzustehen und eine tüchtige das Mahlzeit zu sich zu nehmen. Dem Kinde aber, nachts aus irgend einem Grunde schreit, wird sehr häu­fig gleich die Flasche in den Mund gesteckt. Dadurch wird der Magen, dem die nächtliche mehrstündige Ruhepause entgeht, übermäßig angestrengt. Daß diese Arbeitsüber­lastung für den Magen und die ganze Verdauung nicht günstig sein kann, wird jedermann einsehen.- Viele Mütter wollen auch ein möglichst dickes Kind haben. Bei der Ueberfütterung, die aus diesem Wunsche entsteht, erkranken viele Kinder an Verdauungs- und Ernähr­ungsstörungen. Andere halten es aus und werden sehr dick; aber die Erfahrung hat gelehrt, daß diese fetten Kinder meist nicht die gesunden sind, sondern einer zu­und vernünftig ernährte Kind. Jede Mutter sollte sich fälligen Erkrankung häufiger erliegen, als das normal also davor hüten, ihr Kind zu überfüttern.

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3- Gießen. Am 17. Februar, nachmittags Uhr, findet eine Besprechung der leitenden Aerzte an den Beratungsstellen der Gr. Zentrale f. M./u. S. statt. Die ärztlichen Kreisvereine sind gebeten worden, dazu auch ihre Mitglieder einzuladen, wobei in erster Linie an diejenigen Aerzte gedacht wurde, die später als lei­tende Aerzte der Beratungsstellen der Gr. Zentrale tätig

Aus Stadt und Land. ein werden. Versammlungslokal iſt das Auditorium

Gießen, den 10. Februar 1912.

-3- Ueberernährung bei Flaschenfi n dern. Wer in der Praxis als Arzt oder sonst wie mit Säuglingen zu tun hat, stößt immer wieder auf die Tatsache, daß eine große Anzahl von Kindern im ersten Lebensjahr überfüttert oder, wie man es gewöhnlich nennt, überernährt wird, d. h., daß die Kinder, ganz und abgesehen von falschen Milchmischungen und unrichtigen Zusätzen( Nährpräparate usw.) öfters Nahrung mehr erhalten, als zuträglich ist. Eine Ueberernährung kann durch unvernünftiges häufiges Anlegen auch bei gestillten Kindern vorkommen, doch sorgt da die Natur schon selbst für einen vernünftigen Ausgleich. Anders bei der künstlichen( widernatürlichen). Ernährung: da ist auch inbezug auf die Menge der Nahrung die größte Vorsicht notwendig. Wenn irgend möglich, frage man

welches in geradezu erstaunlicher Weise das überschüssige Fett schon in furzer Zeit zum Einschmelzen bringt, ohne den Eiweiß­bestand des Körpers auch nur im geringsten anzugreifen, und welches daneben den gar nicht hoch genug einzuschätzenden Vor teil besitzt, daß durch seine Anwendung das einmal erreichte Ge­wichtsminimum auch dauernd erhalten werden kann. Außerdem unterscheidet sich das Mittel von allen anderen bisher angewand­ten schon dadurch, daß seine Anwendung nicht einmal etwas kostet. Da kann es denn natürlich nicht wundernehmen, daß sich dieses neue Mittel schon in ganz kurzer Zeit die Gunst der Aerzte im Sturm erobert hat. Es ist kein Geheimmittel und keine die wissenschaftliche Kritik scheuende Kurpfuschermedizin, enthält auch weder Jod noch Schilddrüsenertrakt, noch Blasentang usw.; auch fein Abführmittel, das auf die Dauer den Darm ruiniert und Es beansprucht auch dadurch mehr Schaden als Nutzen stiftet. feine kostspielige und dabei noch höchst problematische Badereise, keine quälende Einschränkung der Nahrung, keine Hunger-, Durst-. Schwitz- und Massage- Kuren oder dergleichen. Es reguliert viel­mehr auf eine ganz andere, bisher noch wenig bekannte Weise die gesamte Verdauung; es reinigt und desinfiziert den Darm und verbessert damit das Blut. Es entlastet und stärkt das Herz und besitzt neben seiner fetteinschmelzenden Wirkung auch noch die Fähigkeit, die so überaus schädlichen Darmfäulnisbakterien, die eine Quelle zahlreicher Leiden und nicht zuletzt indirekt oft auch die Ursache der Fettleibigkeit sind, aus dem Darm zu ver­drängen. Dabei hat es nicht die allergeringste schädliche Neben­wirkung und wirkt auch nicht wie andere Entfettungsmittel( so­fern sie überhaupt wirken!) schädigend auf die Haut und den Teint. Ganz im Gegenteil, die Haut, die sonst bei Entfettungs­furen oft welf und gelb wird, erhält durch die gründliche blut­reinigende Wirkung des Mittels eine rosige, jugendfrische Färbung und wird straff und elastisch. Der starke Leib, die breiten Hüften das Doppelkinn usw. verschwinden bei seiner Anwendung schon bald, der früher schwerfällige Gang wird leicht und elastisch, das ganze Aussehen jugendlicher. Kurz, es ist ein geradezu ideales Mittel, mit dem beim besten Wohlbefinden, ohne jede Berufs­störung und ohne strenge Diät mit Leichtigkeit Gewichtsabnahmen von 20 und mehr Pfund sich erzielen lassen. Und das Alles wie bereits gesagt ohne Kosten.

Die erste Anregung zur Schaffung des Mittels gab bereits

der Kinderpoliklinik, Frankfurterstraße 10. 1. Professor Dr. Walther- Gießen: Die Ausbildung der Hebammen­schülerinnen in der Mutter- und Säuglingsfürsorge und ihr Erfolg. 2. Dr. Weber- Alsfeld: Milchversorgung auf dem Lande. 3. Dr. Otto Brettel- Büdingen: Einige Be­merkungen über die Mutter- und Säuglingsfürsorge in ländlichen Bezirken.

):( Vom Obermesterwald. Dem Beispiele vieler anderer Kreise folgend, ist man auch hier der von der Staatsregierung angeregten Jugendschutzbeweç ung näher getreten. An einer Ende v. Js. in Erbach statt­gehabten Beratung unter dem Vorsitz des Landrats nah­men der Kreisarzt, die drei Kreisschulinspektoren, eine der Gewerbeschulen und der Turnerschaft teil. Anzahl Pfarrer, Lehrer und Bürgermeister, Vertreter Es wurde beschlossen, einen 26gliedrigen Kreisausschuß für Jugendschutz zu bilden. Die Vertreter der Lehrer=

vor ca. 40 Jahren der russische Leibarzt Dr. Th. Carell; ver­vollkommnet wurde es aber erst seit ganz kurzer Zeit durch die Anregungen, die der für seine wissenschaftlichen Forschungen mit dem Nobelpreis ausgezeichnete Bakteriologe und Arzt, der Leiter des weltberühmten Pasteur- Instituts in Paris, Professor Dr. E. Metschnikoff hierzu gab. Seine frappanten Wirkungen sind seither von allen Aerzten und Laien, die es anwandten, mit Worten höchster Anerkennung gepriesen worden.

Wer sich für das Mittel und seine Anwendung interessiert und jeder Korpulente sollte dies nicht nur aus kosmetischen, der sende sondern auch aus gesundheitlichen Rücksichten tun uns den angehängten, sorgfältig ausgefüllten Bestellzettel nebst 20 Pfennig für Porto usw. ein, und wir lassen ihm dann sofort eine reichliche Probe nebst einer aus der Feder eines praktischen Arztes stammenden hoch interessant geschriebenen Broschüre Die Entfettungskur der Zukunft" kostenlos und franko zugehen. Er wird es niemals bereuen, die Probe versucht und die Broschüre aufmerksam gelesen zu haben.

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Dr. J. Schaffner& Co., Berlin- Grunewald.

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