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Gießener Zeitung

Bezugspreis 40 pfg. monatlich

( Neueste Nachrichten)

erteljährlich 1,20 Mt.. vorauszahlbar, frei ins Haus. bgebolt in unserer Expedition oder in den Zweig­musgabenellen vierteljährlich 90 Pig. Erscheint Mittwoche und Samstags. Redaktion: Seltere brg 83.

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Für Aufbewahrung oder Rüdsendung

1 ich verlangier Manuifriste wird nicht garantiert. Berlag der ,, Gießener Zeitung" G. m. b..

Kr. 45.

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Telephon: Nr. 362.

Politische Rundschau.

Deutschland.

Berlin, 4. Juni. Der Kaiser stattete gestern adtmittag dem Bildhauer Prof. Martin Wolff in pinum Atelier einen längeren Besuch ab, um dort das ir Wilhelmshaven bestimmte Coligny- Denkmal in Au­enthein zu nehmen. Das Denkmal, das in den An­gan vor dem Stationskommando in Wilhelmshaven lufstellung finden soll, stellt den Admiral in reich ge­hnrädter spanischer Rüstung dar. Es ist nach einer Zeichnung des Kaisers entworfen, und hat eine Höhe on 6 Metern, wovon auf die Figur 2,70 Meter ent­allem.

ein Berlin, 4. Juni. Aus dem Spandauer Ar­Telleriedepot find Zeichnungen gestohlen worden; es han­elt sich um einen Spionage- Fall.

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s Darmstadt. Am Montag tagte hier die Frak om des Sess. Bauernbundes unter dem Vor­des Abg. Brauer, um zu der Regierungsvorlage, etr das Beamtenbesoldungsgesez, nochmals Stellung unehmen. Nach eingehender Aussprache beschloß man infimmig, an dem früheren Standpunkt festzuhalten nd die im Finanzausschuß bisher eingenommene Stel­ung auch weiter einzuhalten. Man lehnte die Regier­ings vorlage in der jetzigen Gestalt mit der Steuererhöh­ing entschieden ab, bis auf eine Anzahl der von der Regierung gemachten Dedungsvorschläge, gibt aber dem Busch Ausdruck, daß diese Deckungsvorschläge baldigst ur Verabschiedung kommen. Man ist bis zur Vorlage ine endgültigen Besoldungsordnung für eine einmalige ich pensionsfähige Zulage für 1912.

Der Finanz ausschuß der Zweiten hessi­chem Rammer wird nunmehr die Beratungen über die Beaurtenbesoldungsvorlage fortsetzen.

! Worms. Freiherr v. He ŋl hat in der Frks. 3tg. erklärt, daß er weder direkt noch indirekt Schritte ur Wiederaufnahme in die nationalliberale Partei un­ernommen habe. Der Wormser 3tg." wird bezüg­

ich der Anstellung eines nationalliberalen Parteisekre­ärss in Hessen von zuständiger Seite mitgeteilt, daß es ich nur um eine private Anstellung" handele, mit wel­ther Sache der Landesausschuß der Partei nichts zu tun jab

Berlin. Der 1. Staatsanwalt beim Land= gericht Berlin 1 hat die von den sozialdemokratischen bgeordneten Borchardt und Leinert gegen ben Polizeileutnant Kolb und vier Schuuleute, bie gegen sie am 9. Mai im Sizungssaale des Abge­ordrietenhauses vorgingen, erstattete Anzeige z urüd= gewiesen.

Posen. Jm Nationalliberalen Verein zu Po­baden tam nach einem Referat des Prof. Dr. Lehmann

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Unter Feinden.

Roman von& arl Mattotas.

( Nachdruck verboten.)

Diefe batten bas Gehölz bei Saran flar gemacht, Sine 18er das Dorf selbst, unterstützt von der Artillerie, tor heräumt und die Franzosen hinausgetrieben. Die Der waren bestimmt, die Fltehenden aufzunehmen n Sie be fich den andringenden Bayern als ausgeruhte Truppen in den Weg zu stellen.

Bet Martin stießen betde Heeresabteilungen aufam men Bourlier hielt das Gehöft, welches etwas abfetts ober großen Borstadtstraße liegt, mit feinen Centen befest und bertefolgte es mit großer umsicht und Kalt Niglett um felner& ompante ein Bethptel der Tap­fertkit& gebent, entris er ettfent Gefallenen etn Chaffe= potgewehr und feuerte selbst Schuß für Schuß gegen Den: Setub ab. Solange nur Kleinfeuer setne Stellung bedrohte, hielt er aus; als seine Position aber in ein Avesfeuer von Kärtätschen tam, folgte er dem allge­bfeln, methen Rudzug, um nicht abgeschnitten zu werden.

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Das 1 bayerische Regtment saß der 2. Kompanie dauli ber: 204er dicht auf den Hacken. Vergeblich verschanzte fich der Oberst Trepillon abermals hinter den Mauern der: Fabriken und hinter den Wällen der Gasanstalt. Die Gasometer gingen in die Luft, und die preußischen Ramonen rasierten die Mauern der Fabriken und diese

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felt weg. Von seinem Befehlshaber, Oberstleutnant von br. Semleth, unwiderstehlich fortgeführt, gelangte das 1. Regiment in die Stadt und drang, die Zollbarriere um= geend, bis zum Marktplaße vor. Die 204er bildeten das Soutien der fliehenden Franzosen. Bourlier's Sol­daten verteidigten die Strc Schritt für Schritt.

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Als sie die Ecke der Rue Chesy erreicht hatten und fich nach der Galerie Imperiale wenden wollten, mte ihnen eine Kompanie bayerischer Jäger enige=

Samstags liegt für die Stadtabonnenten der

Illustrierte Wochen- Anzeiger

gratis bei.

Erpedition: Seltersweg 83.

Mittwoch, den 5. Juni 1912.

und eingehender Aussprache eine Resolution einstimmig zur Annahme, wonach die Umwandlung der Bo­sener Akademie in eine Universität warm be­fürwortet wird.

Desterreich.

* Im ungarischen Abgeordneten hause haben sich am Dienstag Skandali zenen ereignet, wie sie in der Geschichte der Parlamente bis­her faum vorgekommen sein dürften. Der Präsident des Hauses Graf Tisza hat mit eiserner Energie und mit ition, die so lange Zeit jede ersprießliche Tätigkeit des Hilfe der bewaffneten Macht die Obstruktion der Oppo­Parlaments unterbunden hat, niedergerungen. Unter furchtbarem Lärm wurde das Wehrgesezin erster, zweiter und dritter Lesung angenommen. Gleichzeitig wurde das Gesetz an das Magnatenhaus geleitet und auf die Tagesordnung der Nachmittagssitzung des Ab­geordnetenhauses die Debatte über die Landwehrgesetze gestellt. In der Nachmittagssitzung erreichten die Lärm­und Standalszenen den Höhepunkt. Vor dem Parla­mentsgebäude waren größere Truppenmassen zusammen­gezogen. 120 Polizisten erschienen im Sigungssaal und beförderten die sich heftig sträubenden Abgeordneten der Opposition, 37 an der Zahl, aus dem Saal. Die Ma­jorität erklärte sich mit dem Vorgehen des Präsidenten Tisza, der niemand zu Worte kommen ließ, vollständig einverstanden. Die Opposition beschloß, eine Eingabe an das Magnatenhaus und an den Kaiser zu richten, man möge die Beschlüsse für ungesetzlich erklären. Gleich zeitig sollen Protestadressen an sämtliche Parlamente der Welt gerichtet werden.

Belgien.

* Brüssel, 3. Juni. Das Ergebnis der Kam­merwahlen ist eine endgültige Niederlage der Liberalen. Der Sieg der Regierungspartei ist grö­ßer, als sie selbst in ihren fühnsten Erwartungen ge­hofft hatten. Soweit sich die Ergebnisse bisher übersehen lassen, dürfte sich die Zusammensetzung der neuen Kam­mer ungefähr wie folgt gestalten: Von den 186 Sitzen werden 101 von den Klerikalen, 45 von den Liberalen und 39 von den Sozialisten eingenommen werden. Au­ßerdem gehört der Kammer ein christlicher Demokrat an. Die Regierungsmehrheit wird 16 Stimmen betragen.

Der Ausfall der Wahlen in Bel­gien hat am Montag zu schweren Unruhen geführt. Während in Brüssel nur vereinzelt Zusam= menstöße zwischen den in Gruppen von Hunderten brül­lend umherziehenden Demonstranten und der Bürger garde, die alle Hauptkreuzungspunkte der Stadt besetzt hält, stattfanden, wobei lediglich Fenster eingeschlagen wurden, gewannen in Lüttich und Verviers die Krawalle verhältnismäßig große Ausdehnung.

gen. Bourlter und sein Beutnant Periffter, sowie 20 Mann der Kompante, wurden dadurch vom Regtment abgeschnitten und gerieten in ein Kreuzfeuer. Erfterer wollte sich in die nächststehenden Häuser werfen, fand aber die Türen fest verschlossen.

Ergebt Euch!" rief der Oberstleutnant von Helm­leth dem kleinen Häuflein Franzosen zu. Bourlter, der fich auf einen Vorbau des nächststehenden Hauses zu­rückgezogen, stieß ein Hohngelächter aus und richtete seinen Revolver gegen den Offizier zu Pferde. Aber ehe er abdrücken konnte, erhielt er eine Augel in die Schulter und einen Bajonetthleb über den Schädel, daß er blutüberströmt zu Boden fant.

Als er wieder au fich tam, lag er mit anderen schwer Verwundeten auf einem Karren, der im Dorfe Bourgneuf hielt. Man hatte die noch Lebenden in den Straßen von Orleans aufgelesen und zum Verbinden nach den rückwärts Itegenden Ambulanzen geschickt.

Bourlier war verwundet, gefangen, in der Gewalt des verhaßten Feindes. Sofort erkannte er die entsetz­liche Tatsache seiner Lage. Er betastete sich, seine Stirn war bandagiert, sein rechter Arm gleichfalls. Mit dem Bewußtsein kehrte auch ein entsetzlicher Schmerz in seinen Kopf, ein viel fürchterlicherer in seinem Her­zen zurück.

Nein, ich will nicht leben!" rief er verzweifelnd, indem er die Binde von seiner Stirn riß, daß ihm das Blut über das Gesicht floß. Eher tot als gefangen! Was soll ich noch hier? Alles ist dahin- ich bin ent­ehrt, ein Spott meiner Gegner."

Da richtete sich neben ihm eine Gestalt auf, und ein bleiches Gesicht gloẞte ihn mit erloschenen Augen an.

Warum schreien Sie so, Verehrtester, und reißen sich das Tuch vom Kopf? Zu Ende geht es darum doch nicht. Die Prussiens binden Ihnen den Schädel wieder ein und die Hände auch, daß Sie sich nicht rühren kön­nen. Heidi, es geht in die Gefangenschaft.

( Gießener Tageblatt)

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Telephon Str.: 362. 24. Jahrg.

In Lüttich begannen die Unruhen mit der Zer­trümmerung der Fenster des Jesuitenklosters. Die Un­ruhestifter erhielten dann Verstärkung durch die Arbeiter dreier Fabriken aus Hersdaal, die wegen der Wahler­gebnisse streikten. Diese zogen vor das Vereinshaus der Katholiken, zerschlugen die Fassade und rissen die als Siegeszeichen gehißten Fahnen herunter. Die Poli= 3eimannschaften wurden überwältigt und entwaffnet. Das gleiche Schicksal widerfuhr der Bürgergarde. Jetzt wurden reitende Gendarmerie und eine Schwadron Ulanen mobil gemacht. Barrikaden wur­den aufgerichtet und es entwidelte sich ein regelrechter Straßenfam pf, wobei sowohl aus der Menge, sowie aus dem sozialdemokratischen Volkshause geschos= sen wurde. Daraufhin feuerten auch die Gendarmerie und einige Soldaten namentlich in die Fenster des so­zialdemokratischen Volkshauses, aber auch in die Menge. Erst nach Mitternacht gelang es einer zweiten Schwa­dron Ulanen, von den Regimentern der Gardeschützen und der Bürgerwehr unterstützt, die Aufrührer zu zer­streuen. Während der Kampf hin- und herwogte, wur­den die Schwerverwundeten durch die Straßen in die Hospitäler geschleppt. Drei wurden bereits tot einge­liefert, zwei Brüder, 30 und 33 Jahre alte Arbeiter, hatten tödliche Schüsse in den Kopf erhalten, ein derer Arbeiter starb nach der Einlieferung infolge eines Schusses in die Brust. Fünf andere Männer sind so schwer verwundet, daß sie nicht wieder aufkommen dürf­ten. 17 Personen liegen außerdem mit gefährlichen Ver­legungen durch Schuß- und Hiebwunden in den Hospi­tälern. Nach Tausenden zählen die verwun= deten Personen. Das Pflaster ist mit Blut besudelt und mit Trümmern übersät.

England.

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* London, 4. Juni. Kriegsminister Lord Hal­dane ist gestern hier von seinem Ausfluge nach Deutsch­land wieder eingetroffen.

Türkei.

* Konstantinopel, 4. Juni. Die italienische Flotte kreuzt vor den Gewässern von Smyrna. Wacht= posten sind am Eingang des Hafens aufgestellt, um die Bewegungen der italienischen Schiffe zu beobachten.

* Konstantinopel, 4. Juni. Freiherr von Marschall, der gestern von Konstantinopel abgereist ist, wird zunächst eine Woche auf seinem Gut bei Freiburg zubringen und dann nach Berlin kommen, um sich beim Kaiser zu melden.

*

Nord- Amerika.

Washington, 4. Juni. Präsident Taft sandte an Kaiser Wilhelm folgendes Telegramm:

Machen Ste's, wie ich es getan habe. Netßen Ste ans. Ich tann's letber nicht mehr. Man hat mir betbe Betne abgeschnitten."

Es war Oberst Trepillon, der also sprach. Bour Iter wurde es blutig rot vor den Augen; fein Herz stand still, und stöhnend sant er zurück, immer das blet che, verzerrte Geficht in Erinnerung, bts tiefe Nacht fetne Sinne beckte. Als er wieber zu sich kam, rumpelte der Wagen durch einen Wald. Der Mond schten durch bte Zweigen nbbeleuchtete spärlich die schmerzensreiche Gesellschaft. Aber so viel auch Bourlter nach dem am­putterten Kameraden fuchte, er war verschwunden.

Wir haben thn in Bourgneuf zurüdgelaffen, sagte der deutsche Lazarettgehilfe, den den Karren beauf fichtigte, wird wohl schon in der Grube fein. Glid Itcher Kerl, was hätte er ohne Betne anfangen können?"

XVII.

Die Briefe, welche Herr Devereux in Sedan an fetnen Klienten Bourlier in Bordeaux geschrieben hatte, waren fämtlich als unbestellbar zurückgekommen. Dadurch des wurde der Auftrag Fabrikanten, das Schloß und die Fabrik bet Bazeilles zu verkaufen, hinfällig, da die Unterschrift des Besizers nicht zu er­halten war. Auch Deftrees Briefe hatten dasselbe Scht fal. Vergeblich waren thre Nachforschungen durch die Post. Bet Herrn Malvezin war der Vater nur ein­mal gewesen und hatte dort Geld depontert. Damit ver lor sich jede Spur.

Desiree ertrug die Ungewißbett nicht länger. Ihre Seele lechzte nach Versöhnung mit dem Vater. Hinter dieser Sehnsucht verschwand alles, was thr Herz sonst erfüllte; der Geliebte, welcher sich auf dem Wege voll­kommener Heilung bei seinen Eltern befand; die Tante, für die sie sonst in dankbarer Zuneigung sich gern auf­opferte; der Bruder, um den sie bisher tief und innig getrauert hatte. ( Fortsehun folgt.)