Ausgabe 
2.11.1912 Erstes Blatt
 
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die Uebergabe rundweg abgelehnt. Die Verteidigung der Beste ist erstklassig. Flatterminen, die von der Fest­ung aus dirigiert werden, haben den Montenegrinern sehr schweren Schaden zugefügt. Die Garnison beträgt 15 000 Mann, mehr als man erwartet hatte. Die Ver­letzten von Tarabosch werden in die Stadt gebracht. als Eine ärztliche Pflege ist noch weniger vorhanden bei den Montenegrinern. Raum daß einer dem Tode entgeht.

Vom griechischen Kampsplay.

Die Griechen rüden ohne große Hindernisse weiter vor. Sie haben die schwachen türkischen Streit­kräfte überall, wo diese ihnen entgegentraten, geschla­gen. Jetzt stehen die hellenischen Divisionen bei Wer­ria am Ausgang des Gebirges. Die Ebene von Saloniti liegt vor ihnen.

Die griechischen Truppen besetzten Grevena ohne Widerstand. Die griechische Regierung hat in den ercberten Gebieten mehrere Kommissio= Die Griechen marschieren auf nen eingesetzt. Saloniti. Prinz Georg ist zum ersten Adjutanten des Königs ernannt worden.

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Athen, 31. Oft. Vizeadmiral Cunduriottis, Kom­mandant des Geschwaders im Aegäischen Meer, depe­schierte dem Marineministerium: Thasos und Im­bros wurden besetzt und auf beiden Inseln die griechische Flagge gehißt. Heute früh ist der Kreuzer Canaris" mit einigen Torpedobooten zur Besetzung der fleinen Inseln Strato abgeschickt worden.

Afhen, 1. Nov. Heute Nacht wurde in dem Ha­fen von Saloniki ein türkisches Kriegsschiff von einem griechischen Torpedoboot in Brand geschossen und zum Sinten gebracht. Nach einer weiteren Depesche aus Athen ist das zum Sinten gebrachte türkische Kriegsschiff der Kreuzer Feht- i- Bulend".

Neue türkische Bataillone rücken vor. Galonili, 28. Oft. Am 23. Oktober sind aus

der Richtung Konstantinopel im Zeitraum weniger Stunden nicht weniger als 11 Militärzüge eingetroffen. Ein Teil der Truppen ging nach Thessalien ab, der größte Teil aber in der Richtung Uestüb. Es handelt sich um asiatische Regimenter.

Konstantinopel, 1. Nov. 32 Bataillone sy­rischer Truppen passierten gestern die Stadt auf dem Wege zum östlichen Kriegsschauplatz.

Konstantinopel, 30. Oft. Das in Wisa tämpfende Armeekorps erhielt große Nachschübe. Außer der in Midia gelandeten Redisdivision von Trapezunt wurden dort die asiatischen Redisdivisionen von Malatia und Beirut ausgeschifft. Sie gelangten über das Gebirge nach Wisa, wo gegenwärtig sehr starke Streitkräfte vereinigt sind. Weitere asiatische Truppen werden in die Front geschoben.

Haifa. Infolge der angeordneten Mobilmachung der Truppen der 27. Jnfanterie- Division herrscht in Haifa ein reges militärisches Leben. Von einer eigentlichen Kriegsbegeisterung ist hier nichts zu merken. Fahnen flucht der Christen findet massenhaft statt. Die Aus= rüstung ist mangelhaft, teils haben die Leute keine Uni­form; nur das Seitengewehr umgeschnallt und das Mauiergewehr auf dem Rücken, ziehen sie in den Krieg. Jm ganzen dürften aus Syrien und Palästina etwa 25 000 Mann in die europäische Türkei geworfen wer= den.

Die neue Lage auf dem Balkan. Die Siege der Balkanstaaten haben eine neue Lage geschaffen, mit der man rech­nen muß. Die öffentliche Meinung bringt zweifellos den siegreichen Verbündeten Sympathie entgegen, aber die Regierungen fönnen sich nicht von Sympathien lei­ten lassen. Sie haben Verpflichtungen, die sie nicht vergessen dürfen. Die jetzt auftauchenden verwik­felten wirtschaftlichen und politischen Fragen müssen die ernstesten Bemühungen der Großmächte her­vorrufen. Man kann nicht von einer Sonderpolitik des Dreibundes oder der Triple- Entente sprechen. May zweifle nicht, daß Bulgarien den vollen Wert der ge­und genwärtigen Beziehungen zu Rumänien versteht er= daß es keine Lage schaffen wird, die Rumänien es schweren würde, seine loyale Haltung bis zu Ende zu bewahren. Jedenfalls müssen die Balkan­völfer mit Rumänien rechnen als mit einem wichtigen politischen Faktor.

In Konstantinopel ist die Lage eine außerordent- lich fritische. Der Zustrom von Mohammedanern, die aus den vom Feind besetzten Gegenden nach der Haupt­stadt kommen, ist ein gewaltiger. Alle befinden sich im äußersten Elend. Trotz der siegverheißenden Depeschen Najim Paschas sind in der Stadt Gerüchte im Um­lauf, daß der Feldzug für die Türkei verloren ist.

Odessa, 1. Nov. Zwei türkische Beamte aus dem Ministerium der auswärtigen Angelegenheiten sind hier angekommen. Sie fahren nach Peters­burg weiter, von wo sie sich nach Wien begeben werden.

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Auch aus London wird halboffiziell bekannt ge= machi, daß die Großmächte in Konstantinopel und in den Hauptstädten der Verbündeten gleichzeitig Vorstellungen machen sollen, die darauf hinzielen, dem Blutvergießen ein Ende zu bereiten. Der türkische Minister des Auswärtigen gab auf die Anfrage des Dip­lomaten die Erklärung ab, daß die türkische Regierung bereit sei, sofort die guten Dienste der Mächte zur Ver­mittelung mit den Balkanstaaten anzunehmen, aber nur, wenn die Mächte sich einig seien. Die Türkei werde sich zu Reformen aller Art bereit fin den, insofern ihr der Besitz ihrer europäischen Provin­zen gewährleistet werde, andernfalls werde sie bis zum bittern Ende weiter fämpfen. Man glaubt nicht, daß die siegreichen Balkanstaaten jich die Friedensbedingun gen diktieren lassen werden. Eine in diesem Sinne ge haltene Wiener Depesche der Daily Mail" endet mit den furzen Worten: Die einzige Sicherheit in der Lage, soweit Oesterreich- Ungarn in Betracht kommt, ist, daß diese Monarchie auf alle Fälle vorbe reitet ist und daß, wenn die Forderung kommt, zu handeln, sie imstande sein wird, nach jeder Richtung hin einen Schlag mit gleicher Stärke fräftig zu führen." Es gilt in Wien als ausgemacht, daß Rumänien im Einverständnis mit Oesterreich handle und daß die beiden Staaten die Mobilisierung ihrer Streitfräfte schon beendet haben werden, wenn ihr Be­ginn offiziell angefündigt wird.

Konstantinopel, 1. Nov. Vor einigen Ja­gen hat in der Moschee Fatph, im fanatischsten Biertei Stambuls, eine Versammlung stattgefunden, in deren Verlauf eine große Anzahl Hodschas in ihren Reden das Volk aufforderten, sich gegen die Christen 311 erheben, wenn neue Nachrichten von türkischen Niederlagen eintreffen sollten. Die Behörden, die von dieser Versammlung Kenntnis erhielten, haben den Be­lagerungszustand noch verschärft.

Athen, 1. Nov. Die griechische Regierung ist fest entschlossen, sich jedem Vermittelungsvorschlag zu widersetzen, so lange die hellenische Armee nicht in

Saloniki einmarschiert ist.

Smyrna, 30. Oft. Der russische Generalkonsul von Smyrna notifizierte den türkischen Behörden, daß alle ortodoxen Christen der asiatischen Türkei unter rus­sischen Schutz gestellt sind.

Berlin, 1. Nov. Die Mächte haben sich geeinigt, zum Schuhe ihrer bedrohten Staatsangehörigen einige Kriegsschiffe in das Aegäische Meer zu entsenden. Auch Deutschland wird energische Maßregeln zum Schutze der Deutschen ergreifen. Der Botschafter ist dahin instruiert, daß seinem Verlangen sofort entsprochen wird.

Paris, 1. Nov. Wenn die Nachrichten von der Niederlage der Türken sich in vollem Umfange beſtäti­gen, so steht die Intervention der Groß­mächte unmittelbar bevor. Man will vor allen Din­gen von den Kriegführenden einen Waffenstillstand ver­langen. Sobald die Feindseligkeiten abgebrochen sind, wird eine Konferenz zusammentreten fönnen, an der die Verbündeten teilnehmen werden und die ein für alle mal die Orientfrage in einer für die Kriegführenden gerechten und für die interessierten Na­tionen zufriedenstellenden Weise zu regeln haben werde. Die Befürchtungen, die man über die öster= reichisch ungarischen Ansprüche zu erken­nen gab, sind übertrieben. Wie es heißt, haben die Großmächte sich entschlossen, Freitag oder Samstag Schritte bei der Pforte und bei den Verbündeten zu unternehmen, um die Einstellung der Feindseligkeiten und weiteres unnüßes Blutvergießen zu verhüten.

Der Temps" fonstatiert heute: Wenn die jich einigen würden, zu erklären, daß keine von die Absicht habe, sich auf Kosten des Ballans zu größern, so werden sie bei der Gebietsverteilung, b Sieg der Verbündeten unvermeidlich gemacht habe, fachlicher Weise als Schiedsrichter auftreten tönnen. sie diese Uebereinstimmung nicht realisieren, so we jie jede für sich arbeiten und

ein allgemeiner Krieg wird schwer zu verhüten sein. Deften Ungarn, das in diesem Falle das Spiel für den bund in der Hand hat, hat wiederholt erklärt, D auf Saloniti noch auf den Sandschak Anspruch a heben.

Politische Rundschau.

Deutschland.

Prinz Heinrich von Preußen traf dem sibirischen Expreßzuge in Moskau ein. Am S hoje wurde er von der Großfürstin Elisabeth rowna, der Prinzessin Irene, dem Stadthauptm dem Gouverneur und anderen Persönlichkeiten emp

gen.

Der deutsche Kreuzer Vittoria Luise in Veracruz in Mexiko eingetroffen. Wilhelmshaven, 1. Nov. Die neue Hechjeetorpedoboote wurden hier zu der fünften pedobcotsflottille vereinigt; sie werden damit erstm in Dienst gestellt.

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