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Ein neuer Spionagefall?

dies die erste offizielle Bestätigung von dem längst ge­rüchtweise gemeldeten Bormarsch russischer Truppen

Boſt" nach der Mongolet. Dieſe Mitteilung ist von beſonde­

Ueber einen neuen Spionagefall weiß die" Post" aus Hamburg zu berichten: Durch eine öffentliche Be= kanntmachung werden 500 Mart als Belohnung für den Nachweis des Verbleibes eines Handkoffers ausgesetzt, der am Sonnabend_abend zwischen 10 und 11 Uhr auf dem Hamburger Hauptbahnhof einem Oberleutnant Steinbrind von der Marine abhanden gekommen tst. Oberleutnant Steinbrinck war auf der Reise von Wilhelmshaven nach Kiel, wo er in der Marineakade­mie vor dem Prinzen Heinrich einen Vortrag über die deutsch- englische Kriegsheye halten sollte. Das Manuskript zu diesem Vortrag befand sich mit anderen Briefschaften, seinen Ausweispapieren usw. in diesem Koffer, der seinem Besizer während eines furzen Aufenthalts auf dem Hamburger Hauptbahnhof entwen­det wurde. Ueber die Persönlichkeit des Diebes fehlt feder Anhalt. Verdächtig ist ein englisch aussehendes Paar, das im Wartesaal ami Nebentische saß. Ob es sich um einen einfachen Raub handelt, oder ob fene Per­sönlichkeiten den Besizer kannten, vielleicht sogar über den Zweck der Reise und über den Inhalt des Vor­trages unterrichtet waren und Kapital daraus schlagen wollten, läßt sich bis jetzt noch nicht beurteilen."

Die Neustreliter Landeszeitung" verbreet fol­gende Nachricht: In der Wilhelmshavener Spionageaf­färe ist eine Aufsehen erregende Wendung zu verzetch­nen. Die Nachricht von dem Diebstahl eines Koffers des Oberleutnants Steinbrinck, in dem sich das Ma­nuskript eines Vortrages befand, bestätigt sich in dieser Form nicht. Der Oberleutnant hatte vielmehr den Auf­frag, die Akten der Wilhelmshavener Spionage= affäre nach Berlin zum Reichsmarineamt zu brin= gen, und der Koffer, der diese Aften enthielt, ist ihm auf dem Hamburger Hauptbahnhof entwendet worden.

Dem Berliner Tageblatt" wird aus Wilhelmsha­ven hierzu mitgeteilt, daß an amtlichen Stellen die Nach­richt, daß dem Oberleutnant Steinbrinck Akten gestohlen worden seien, die sich auf die Spionageangelegenheit be­zögen, unzutreffend seien. Steinbrinck hatte sei­ner ganzen Stellung nach nichts mit dem Spionagepro­zeß zu tun. Ebenso wird dem B. T." aus Hamburg telegraphiert, daß an den dortigen amtlichen Stellen den Meldungen, daß es sich bei dem Kofferdiebstahl auf dem Hamburger Hauptbahnhofe um Entwendung politischer Atten handle, kein Glauben beigemessen werde.

Noch ein Spionagegeschichte.

In der Woche vor Weihnachten wurde in der Ka­ferne des 8. Rhein. Inf.- Megts. Nr. 70 in Saarbrücken einer der in den Fluren stehenden Gewehrschränke er­brochen und ein Gewehrschloß neuesten Modells gestoh­len. Den offenbar in Spionagediensten stehenden Dieb muß aber schließlich die Angst vor dem Zuchthause ge­packt haben, denn das gestohlene Schloß wurde bet der von höherer Stelle aus angeordneten Durchsuchung der Latrinengruben in einer von ihnen gefunden.

Was wird in China werden?

rem Intereffe angesichts der am Mittwoch abend ver­öffentlichten Meldung über die Bildung eines Verwal­tungskomitees für die Mongolet" von russischen Gna­den. Offenbar sollen die in der Mongolei einrückenden ruffischen Truppen der Tätigkeit dieſes ſfellſamen p- mitees den wünschenswerten Rückhalt für alle Möglich­feiten geben.

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Rundschau oom Cage. Politisches.

Der Kaiser hat auf Vorschlag des Herrenmeisters des Johanniterordens, des Prinzen Eitel Friedrich von Preußen, die Prinzen August Wilhelm und Oskar von Preußen zu Ehrenrittern des Johanniterordens er­nannt.- Dem amerikanischen Multimillionär Bier­pont Morgan, der der Göttinger Universität, an der er vor mehr als 50 Jahren studierte, großartige Stiftun gen hat zuteil werden lassen, hat der Kaiser als Zet­chen seines Dantes feine Marmorbüste als Weihnachts­geschenk überreichen laffen.

Der Kronprinz wird, wie man in Berlin erwartet, noch vor Jahresschluß nach Berlin kommen. Bis zu set­ner Rückkehr ist auch die Weihnachtsbescherung im fron­prinzlichen Haushalt verschoben worden. Bet Hose er­wartet man, daß der Kronprinz in diesem Winter nicht mehr nach Danzig zurückkehren wird, da ihm das dor= tige Klima anscheinend nicht zusagt.

Eine Eingabe des Flottenvereins an den Reichs­fanzler. Wie die Köln. Voltsztą." missen will, wird die Leitung des Flottenvereins eine Eingabe an den Reichskanzler richten, in der der Flottenverein in ern­ster Besorgnis um die bedrohte Sicherhett unseres Vol­fes infolge der gegenwärtigen Mächtegruppierung an den Staatssekretär des Reichsmarineamis die dringende Bitte richtet, den Ausbau der Wehrmacht des Reiches zu Wasser zit beschleunigen und noch für das Etatsjahr 1912 den gesetzgebenden Faktoren eine Vorlage auf Verstärkung unserer Flotte zugehen zu lassen.

Die Verhältnisse in China find jetzt verworrener denn je. Nach einer Meldung der Franff. 3tg." aus Beking ist die revolutionäre Bewegung in China auf einem sehr fritischen Standpunkt angekommen. Die Friedensverhandlungen in Schanghai haben bisher zu feinem anderen Ergebnis geführt, als daß die Revolu­flonäre bestimmt erklärten, daß sie von ihrer Forderung einer republikanischen Regierungsform unter feinen Umständen abgehen werden. Der fatferliche Unterhänd­ler soll deshalb bereits abgedankt haben und die Ver­handlungen sollen deshalb ebenfalls abgebrochen sein. Die Mandschu- Prinzen des faiserlichen Hofes haben bet der Kaiserin- Witwe einen geheimen Familienrat abge­halten, um über die Frage zu entscheiden, ob China nicht eventuell in eine südliche Republik und ein nördliches Kaiserreich zu teilen set. Man hat sich jedoch zum Kampf bis aufs äußerste entschlossen. Juanschikat, der Vertraute der Regierung, hat daraufhin die Dynastie vor die Alternative gestellt, entweder jetzt das gesamte Brivatvermögen einschließlich desienigen der Brinzen für die vor einigen Tagen aufgelegte patriotische An­leihe von 30 Millionen Taels herzugeben oder seinen Rücktritt und denjenigen seines Kabinetts anzunehmen. Die Kaiserin- Witwe und die Brinzen haben das erstere Verlangen abgelehnt. Juanschifai soll daraufhin sein Abschiedsgesuch eingereicht haben. Läßt die Dynastie nun Juanschifai wirklich gehen, so wird wohl der Aus­bruch einer allgemeinen Anarchie im Norden die unmit­telbare Folge sein.

Russischer Einmarsch in die Mongolei?

Der sechste preußische Lehrertag wurde am Don­nerstag unter zahlreicher Beteiligung in Hannover er­öffnet. Das Kultusministerium hatte als seinen Ver­treter Geheimen Oberregierungsrat Schöppa entsandt, der in seiner Ansprache darauf hinwies, daß die Un­terrichtsverwaltung zum ersten Male einen Vertreter zu der Tagung des Vereins entfandt habe und der Hoff= nung Ausdruck gab, daß das gute Verhältnis zwischen Verwaltung und Verein für die Zukunft so bleiben möge. An den Kaiser und den Kultusminister wurden Drahtmeldungen abgesandt. An erster Stelle der Bera­tungen stand die Erörterung über das Thema Jugend­pflege". Das Hauptinteresse aber konzentrierte sich auf ein Referat des Lehrers Diefmann( Magdeburg) über Die Reform der staatlichen Schulverwaltung in Breu­Ben".

Kleine Nachrichten.

Ein neuer Landesverratsprozeß ist gegen den Kauf­mann Karl Holst in Schwerin eröffnet worden, der be reits seit einigen Monaten im Kieler Untersuchungsge fängnis in Haft sitzt. Die Anklagefchrift, die Holst kürz lich zugestellt worden war, beschuldigt ihn, daß er mit verschiedenen ausländischen Agenten in Verbindung ge­

Sie begründende Versammlung des Deutschen Wehrvereins wird Mitte Januar in Berlin stattfinden. Um auch Minderbegüterten die Mitgliedschaft zu er= möglichen, soll der fährliche Mindestbetrag auf eine Mark herabgesetzt werden. Es wird beabsichtigt, ein Monatsheft herauszugeben, das die Interessen des Ver­eins vertritt und sie verbreiten soll. Anmeldungen der Mitgliedschaft sind zu richten an den Vaterländischen Schriftenverband", Berlin W. 62, Kleiststraße 3.

standen habe.

Fran von Schönebeck- Weber mittellos. Der Vor­mund der Frau Weber hat an das Landgericht Allen­stein den Antrag gerichtet, feiner Mandantin die hinter­legte Kautionssumme von 50 000 Mart zurückzugeben, da sie so mittellos set, daß sie sonst der Berliner Armen­verwaltung zur Last fallen werde. Das Gericht hat den Antrag mit dem Hinweis abgelehnt, daß auch die Kin= der ein Anrecht auf das Geld hätten.

Bennruhigende Nachrichten über Kaiser Franz Jo­fefs Gefundheitszustand. In diplomatischen Kreisen Roms ist das Gerücht verbreitet, daß der Gesundheits­austand des Kaisers Franz Josef sehr beunruhigend set. Eine hohe ungarische Persönlichkeit sei mit Rücksicht auf die Krankheit nach Wien berufen worden, um mit meh­reren ungarischen leitenden Persönlichkeiten Fühlung zu nehmen.

Wie der Franff. 3tg." aus Betersburg gemeldet wird, teilte der dortiae chinesische Gesandte seiner Re­gierung mit, der russische Minister des Aeußern habe ihm erklärt, daß die in der Mongolet bereits einmar­schierten und noch einrückenden Truppen nicht zur Be­febung der Mongolet, sondern lediglich zum Schube der russischen Interessen dorthin marschieren. Es ist i

Die Herren von Dieskaut.

3)

Original- Roman von Franz Treller. ( Nachdruck verboten.)

Wieder sah er zu dem Kreuze empor. ,, Wo ist Dein Kind, Marie? Wellt es bei Dir im ewigen Leben oder wandelt es noch auf Erden?"

Ein leiser, geisterhafter Mollakford schien die Frage zu beantworten.

Er bebte zusammen,- galt der Sphärenklang thm? Da fiel sein Blick auf eine Aeolsharfe, die an den Aesten eines hohen Baumes hing, der Wind sprach aus ihren Saiten.

,, Wohl, ich nehme dieses Zeichen als trostreiche Antwort mit auf meinen Weg."

Er sah sich um und bemerkte erst jetzt ein altes Weibchen, das schweigend hinter einem Leichensteine stand und neugierig zu ihm herüberblickte.

Ein Wahnsinniger auf der Lokomotive. Ein Gre nadier vom Garde du Corps- Regiment, der von seinem Weihnachtsurlaub zurückkehrte, wurde auf der Heim­fahrt plötzlich wahnsinnig. Er kletterte in Erfner auf die Lokomotive und befahl dem Lokomotivführer zum Kronprinzen nach Potsdam zu fahren. Der Mann konnte nur mit Mühe überwältigt werden.

Tenerungsmaßnahmen in Frankreich. Der Zoll­ausschuß der französischen Kammer hat wegen der Teue= rung der Lebensmittel beschloffen, für einzelne Sorten von geschlachtetem Fleisch Zollerleichterungen, für ge­falzenes Schweinefleisch eine vorübergehende Rollermä­Bigung zu beantragen. Der Zol auf ausländischen Fut­termais soll vo übergehend aufgehoben werden.

Es war ein mageres, verwittertes Gesicht, das er fich jetzt genauer betrachtete; die tiefliegenden Augen desselben starrten ihn forschend an.

Wer ruht unter diesen Blüten, Mütterchen?" " Eine, die schon im Leben ein Engel war." " Du hast sie gekannt?"

Eine Familientragödie hat sich am Donnerstag in der Nähe von Essen abgespielt. In der Gemeinde Glad­beck geriet der Bergmann Bardezko mit seiner Frau in Streit. Ihr 16jähriger Sohn wollte den Streit schlich ten, wurde jedoch vom Vater über den Haufen gesto­chen und starb alsbald. Der Täter wurde verhaftet.

Ein Schuhmann ermordet aufgefunden. In Ober­aden bei Dortmund ist der Schußmann Kreigenfeld er­mordet und die Leiche am sogenannten Römerlager ver­scharrt worden. Die Mörder sind noch nicht ermittelt. Infolge Ausbruches der Maul- und Klanenfeuche sind die Viehquarantäneanstalten in Lübeck geschlossen worden. 1100 Rinder mußten abgeschlachtet werden.

Das Reisear giamm des Bräsidenten Fallieres für das Jahr 1912 enthält eine Sommerfahrt nach Lon­don Könia Georg von England hat dem Präsidenten der französischen Republik den Buckinghampalast für die Dauer seiner Aufenthaltes zur Verfügung gestellt. Fer­ner wird gemeldet, daß das englische Königspaar bet seiner im Jahre 1912 beabsichtigten Rundtour durch die europäischen Hauptstädte in Paris den ersten Auf­enthalt nehmen merde.

Ste wandte das runzelige Gesicht ab und sagte

Halblaut:

Ich wollte, ich hätte sie nicht gefannt."

Wie? Hat sie Dir ein Leid zugefügt, als sie noch unter den Lebenden wellte?"

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Selbstmord einer Nervenleidenden. Die 50jährige Gemahlin des Inspekteurs der Honvedkavallerie, Ba= rons Hauer in Budapest, die schwer nervenleidend ist und in einem Sanatorium lebt, hat sich in einem un= bewachten Augenblick mit Branntwein übergossen und die Kleider in Brand gesteckt. Sie erlitt so schwere Brandwunden, daß sie bald darauf starb.

Zusammenbruch eines Bankhauses. Wie die Stet tiner Ostseezeitung" mittellt, ist das Bank- und Lot­teriegeschäft Kolbe in Stettin in Konkurs geraten. Ge­schädigt sind etwa 200 Gläubiger, meist kleine Leute, auch die Volkssparkasse soll mit einem Betrage von 20 000 Mart in Mitleidenschaft gezogen fein.

Das japanische Barlament wurde am Mittwoch durch den Katser mit einer Tronrede eröffnet, in der er auf die zunehmende freundschaftliche Gesinnung zwi­schen Japan und den andern Mächten hinwies und set= ner hohen Genungtuung über die Erneuerung des Ver­trages mit Englard Ausdruck gab.

Ste? Ihr haben nur andere Lets zugefügt. Ale verließen sie alle, alle haben sie vergessen- nur ich denke ihrer noch;- ich wollte, ich hätte sie nicht ge= fannt."

" So schmerzlich ist Dir die Erinnerung?" " Ja.".

Was war sie Dir im Leben?"

Eine elektrische Fernbahn Halle- Leipzig? Ein eng­lisches Bankkonsortium plant den Bau einer normal­spurigen elektrischen Fernbahn Halle- Leipzig, für welche die Pläne demnächst den Behörden eingereicht werden.

120 Millionen für wohltätige Zwede. Die Ge­schenke, welche anläßlich des Weinachtsfestes durch retche Amerikaner verschiedenen Anstalten zugewendet wur den, haben in diesem Jahre die Summe von mehr als 120 Millionen Mark erreicht. An der Spitze der Liste steht Carnegie mit 32 millionen.

Die Alte starrte noch immer vor sich hin und fragte dann in rauhem Tone: Wer seid Ihr, daß Ihr Euch um das Grab bekümmert, das alle vergessen haben?" ,, Nein, Alte, nicht von allen konnte es vergessen sein, denn ich sehe," erwiderte er freundlich, das Grab ist von liebender Hand geschmückt. War es die Deine?"

Wer sollte es sonst tun?"

,, Und wer errichtete das Kreuz?"

Vermischtes.

Mordtet im Dorf- Theater: In Schnappach( Rhein­pfalz) gaftterte während der Feiertage das Tiroler Komiker- Ensemble" eines gewissen Grietsch. Einem Ruschauer, dem Glasbläser Wilhelm Well, gefiel ein Kouplet nicht, das Grietsch sang und dessen Refrain von der Gesellschaft mit Jodlern und Tanz wiederholt wurde. Weil verlangte, daß Grtetsch aufhören und ein anderes Kouplet singen solle. Grietsch antworte von der Bühne. daß er das nicht tue, und sang wetter. Darauf zog Weil einen Revolver und schoß der Rethe nach mit acht Schüssen die ganze Komitergesellschaft von der Bühne. Der Komifer Grietsch wurde durch einen Schuß in den Kopf getötet. Ein anderes Mitglied der Gesellschaft rhielt einen Schuß durch den Hals und liegt im Sterben. Zwet weitere Mitglieder wurden schwer verletzt. Der Täter, der vollkommen nüchtern und bet Sinnen mar. murde verhaftet.

Das tat die Frau, die das Kind holte= thre Schwester, sagten die Leute. Aber warum fragt Ihr das alles? Kümmert Euch das Grab?"

,, Nimm an, es wäre so!"

Seid Ihr ein Verwandter? Dann habt Ihr Euch spät genug um das Grab bekümmert!" Noch einmal wiederholte ste: Ich wollte, ich hätte ste nie ge= fannt!"

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Die Tollkühnheit eines Bettlers hat in München der Polizet und schließlich auch der Feuerwehr nicht we= nig zu schaffen gemacht. Der Waghalsige, der von einem Schußmann verfolgt wurde, stieg bei verschlossenem Dachboden in einem Hause zum obersten Stiegenfenster hinaus, ergriff die Dachrinne und arbeitete sich, zwi= schen Himmel und Erde schwebend, auf einen Fenster­vorsprung im Dachgeschoß, wo er zunächst sitzen biteb. Die Aufforderung des Schußmanns, herab zu kommen, beantwortete er mit der gegenteiligen Einladung, zün­dete sich eine Zigarette an und unterhielt sich mit der Menge, bis das Geklingel der Feuerwehr ertönte. Erst als der erste Feuerwehrmann die Schiebeletter herauf fam, entschloß sich der Tollkühne zur Flucht über die Dächer, auf der er, von der Feuerwehr längere Zett hin und her geheßt, schließlich in einen Dachwinkel ge­trieben, sich ergeben mußte.

Als der Fremde weitere Fragen an sie richten woll­te, sagte sie mürrisch: Geht zum Pfarrer, der weiß al­les,- besser als andere Leute. Ich weiß nichts!" Mit gleichbleibender Freundlichkeit reichte er der Alten ein Goldstück: Nimm das, Mittterchen, pflege das Grab auch ferner, ich will Dir's vergelten."

Die Alte warf zuerst einen erstaunten Blick auf die Münze, dann in das Gesicht des Gebers.

" Ich will's nicht gebt's anderen- das Grab will ich schon ohne Belohnung pflegen, habe bisher auch nichts bekommen!"

,, Nun, so kauft Blumen dafür."

Er legte das Goldstück auf den Leichenstein und ging langsam davon, dem Hause des Pfarrers zit. Die­ser, ein noch ziemlich junger Mann, war gerade daheim und der Fremde stellte sich ihm als Mr. Warthon vor.

Ein furchtbares Drama ereignete sich, wie aus Rom gemeldet wird, in der Frrenanstalt Mercereta. Durch den Sturm waren mehrere Leitungspfähle umgeworfen möchte ich noch einige Fragen an Ste richten." Er setzte thm auseinander, um welches Grab es sich handle. Warum wohl steht nur der Vorname auf dem Kreuze?"

Ich komme wegen eines Grabes hierher, Herr Pfarrer; dieses Grab ist die lezte Ruhestätte eines mir einst tueren Wesens; ich habe es auch gefunden. doch

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,, Ich bin erst seit einigen Jahren hier im Amt, Herr Warthon, deshalb kenne ich die Vergangenheit nur von Hörensagen. Mein verstorbener Amtsbruder hat in­dessen eine Bemerkung in das Kirchenbuch eingetragen, die vielleicht die Aufschrift des Kreuzes erklärt."

Er schlug das Buch auf und zeigte dem Besucher die Stelle, von der er gesprochen.

Da stand: Gestorben am 21. Juli 1862 Marte Ste­ger;( die Verstorbene behauptete noch in der Todes= stunde, in der ich an ihrem Bette weilte, verheiratet zu sein und ließ mehrmals die Worte Hermann" und Trauschein" vernehmen; doch kam der Tod so rasch über sie, daß keine genaue Angabe von ihr zu erhalten war. Alle Nachforschungen nach einem Trauschein oder über eine geschlossene Ehe erwiesen sich als vergeblich.)

Als weiteren Eintrag enthielt das Kirchenbuch nur noch folgende Bemerkung, die sich auf die Verstorbene bezog: Getauft: Sohn der Marte Steger, der in der Taufe den Namen Hermann Wilhelm empfing.

Das war alles,

Mir, Herr Pfarrer, der ich ein Anverwandter des Gatten der Verstorbenen bin,- sie war nämlich tat­fächlich kirchlich getraut- liegt es vor allem daran, zu ermitteln, ob das Kind dieser Frau noch lebt und wo?"

,, Darüber kann ich Ihnen leider keine Mitteilun= gen machen, ich weiß auch nicht, ob noch jemand im Dorfe lebt, der Ihnen in dieser Sache Auskunft geben könnte; es müßte denn vielleicht die alte Bentner sein, die heute noch das Grab der Verstorbenen pflegt."

Die habe ich wohl schon gesprochen, aber sie scheint nichts von dem zu wissen, was ich zu erfahren wünsche." Er erzählte dem Pfarrer von seiner Begegnung auf dem Kirchhofe.

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