Gießener Zeitung
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Nr. 190.
Telephon: Nr. 362.
Marokko.
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Geschäfte sollte man mit Verstand und mit Gefühl abschließen, weil jeweils der hineingelegt wird, dem der andere an Ruhe und Kaltblütigkeit überlegen ist. Uns scheint, als ob der Deutsche sich diesmal in der Rolle dieses Ueberlegenen befinde, und daß man deshalb auch das Nerböswerden getroft den Nachbarn jenseits der Vogesen überlassen sollte. Was fümmert's uns, wenn drüben die Generalräte mit glorreichen Ver. gangenheiten und ähnlichen wertlosen Erbschaftsgegenständen hausieren gehen, um Patriotismus zu erzeugen, und was fann uns daran liegen, wenn Herr Monis von dem Ernst der Situation und dem Stolz der Nation redet: Für uns besteht lediglich die Frage, in welchem Umfange wir uns dafür entschädigen wollen, daß sich Frankreich entgegen der Abwachungen in der Algecirasakte anschickt( seit Jahren anschickt), das blühende marokkanische Reich unter sein Protektorat zu bringen, d. h sich so festzusetzen, daß es, von feiner Seite gestört, darin nach Belieben schalten und walten fann. Da wir aber anerkanntermaßen ein bedeutendes Interesse daran haben, daß Frankreich nicht zur unum schränkten Herrschaft in Marokko gelangt, wird es fich für uns darum handeln, in aller Ruhe die Garantien festzulegen, die wir im Interesse unseres Handels und unserer sonstigen Intereffen in Südwestmarokko von Frankreich fordern müssen. Ferner werden wir auch als Entschädigung für den Verzicht auf territoriale Ansprüche in Marokko die Grenzen der Gebiete zu umschreiben haben, die aus dem französischen Kolonialbesig in unsere Hände übergehen sollen.
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Herr von Kiderlen- Wächter hat diese Forderungen dem französischen Unterhändler schon in der vergange nen Woche klar formuliert übergeben, und Herr Cambon hat sich bereits mit dem Ministerpräsidenten, den verschiedenen Ministern, Botschaftern und anderen maß gebenden Persönlichkeiten über die Möglichkeit der Fort setzung der Verhandlungen ins Benehmen gesetzt, um die Vorschläge zu formulieren, die man bis zur Grenze der möglichen Zugeständnisse Deutschland unterbreiten will. Nach allem, was man von halbwegs zuberläffiger Seite zu hören bekommt, scheint man sich im Ministerrat auch bereits über die an Deutschland zu leiftenden Kompensationen geeinigt zu haben und beschäftigt sich in der Hauptsache nur noch mit den Ga rantien, die man von Deutschland dafür verlangt, daß Frankreich in Marokko für die Zukunft frete Hand be hält. Am nächsten Dienstag oder Mittwoch wird dann Herr Cambon mit einer großen Aftenmappe, gefüllt mit Vorschlägen, nach Berl n zurückkehren, um Herrn bon Kiderlen- Wächter die Wünsche und Zugeständnisse seiner Regierung zu unterbreiten. Dann wird es an uns sein, zu bestimmen, ob der Handel endlos weiter gehen oder ein Ende nehmen soll, und zwar in Form eines Ultimatums, das der französischen Regierung die deutschen Ansprüche endgültig vor Augen hält. Oder sollen die Verhandlungen dann von neuem beginnen? Wir meinen, es wäre dann an der Zeit, zu sagen:„ Der Worte sind genug gewechselt.."
Aus Stadt und Cand.
Gießen, den 29. August 1911.
In den Ruhest and versetzt wurde auf sein Nachsuchen der Lehrer an der Gemeindeschule zu Vonhausen, Kreis Büdingen, Christian Schwalm. Aus diesem Anlaß ist ihm das Ritterkreuz 2. Klasse des Verdienstordens Philipps des Großmütigen verliehen worden.
Landesuniversität. Der ordentliche Professor an der philosophischen Fakultät der Landes= universität Dr. Karl Groos wird auf sein Nachsuchen mit Wirkung vom 1. Oktober 1911 ab aus dem Staatsdienst entlassen.
der Großherzoglichen Bürgermeisterei
des Großherzoglichen Polizei- Amtes sowie vieler anderer Behörden Oberhessens Expedition: Seltersweg 83.
Von der Eisenbahn. Der Minister der öffentlichen Arbeiten hat folgenden Erlaß an die preußischhessischen Eisenbahndirektionen gerichtet: In der Preſſe wird darüber Klage geführt, daß es in den Zügen oft an den erforderlichen Plätzen für Raucher fehle, während die Nichtraucher und Frauenabteile nur mäßig besetzt sind. Insbesodere wird hervorgehoben, daß viele Frauen in den Raucherabteilungen zum Nachteil der Raucher Platz nehmen. Wenn auch nicht in Frage kommen kann, die Vorschriften für die Bezeichnung der Abteile in den Zügen abzuändern, so sind die Zugbeamten doch anzuweisen, in höflicher Form darauf hinzuwirken, daß einzelreisende Frauen und Kinder möglichst in den Fraueu- und Nichtraucher- Abteilen Platz nehmen.
( Haus Brüder Schmidt.)
Dienstag, den 29. August 1911.
)*( Der neugegründete Automobilklub Gie-| Ben, der sich dem„ Allgemeinen Deutschen Automobilflub"( früher D. M. V.) angeschlossen hat, unternahm am Sonntag seine erste gemeinschaftliche Fahrt nach der Saalburg, wo im Saalburg- Restaurant der außeror dentliche Gautag des Gaues 3 d. A. D. A.-Cl. tagte. Die Fahrt ging von dem Startplatz Hotel Schütz mor= gens 8% Uhr über Wetzlar, Braunfels, Weilburg, Usingen und Wehrheim nach der Saalburg. Die Rückfahrt wurde nachmittags 4 Uhr über Homburg, Friedberg, Bad- Nauheim, Butzbach angetreten; in Homburg und Bad- Nauheim wurde längere Zeit gerastet. Gegen 7 Uhr trafen die mit Fähnchen geschmückten Fahrzeuge im ganzen 5 an der Zahl wohlbehalten wieder ein. Sämtliche an der Fahrt beteiligten Wagen errangen den silbernen„ Saalburgbecher", der vom Gau 3 d. A. D. A.-Cl. gestiftet ist.
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- Gießen, 28. Aug. Im„ Felsenkeller" fand am Freitag eine Versammlung von Landwirten aus Gießen und Umgegend statt, die sich mit der Milchypreisfrage und einem Zusammenschluß genannter Landwirte beschäftigte. Direktor Hirschel- Friedberg und Landwirt Adolf Hensel- Dortelweil referierten über die diesjährige Lage des Milchmarktes, den Milchpreis in der Provinzialhauptstadt und über einen Zusammenschluß der milchproduzierenden Landwirte in Gießen und dessen Umgebung. Eine anregende Aussprache knüpfte sich an die Referate. Die Redner waren der Ansicht, daß ein Zusammenschluß der Milchproduzenten, in dem nordwestlichen Teil der Provinz Oberhessen geboten sei. Zehn Landwirte aus verschiedenen Orten wurden gewählt, die die vorbereitenden Arbeiten in die Wege leiten sollen für eine am 3. September in Gießen stattfindende konstituierende Versammlung.
* Das Dünsberg- Turnfest der Turnvereine des Gaues Hessen am Sonntag erfreute sich wiederum eines sehr starken Zuspruchs seitens der Turner. Es traten 232 Wetturner an. Als Festplatz hatte diesmal nicht den Gipfel des Berges, sondern eine schöne gelegene Waldwiese am Forsthaus bet Bieber gewählt. Nach furzen Begrüßungsworten des 1. Gauvertreters, Stadt rat Helm Gießen, begannen um 11 Uhr die Fretübungen, an die sich dann das Einzelwetturnen schloß. Von den 232 Wetturnern wurden 152 als Steger ge frönt. Die Zahl der verteilten Preise betrug 50. Preise erhielten: 1. 5. Thöt- Gießen 84, P., 2. W. 2008Gießen 83 P., 3. H. Blank Weylar 76 P., 4. J. Ihle. feld Friedberg 74, P., 5. H. Oberheim Gedern 72%, P., 6. W. Koch- Friedberg 72 P., 7. E. Element- Buzzbach 71% P., 8. G. Schaab Buzbach 71 P., 9. H. Schimpf Marburg 69 P., 10. H. Schirmer- Gießen 68 P., 11. J. Mathäus Niederweisel und H. Röhrsheim- Krofdorf 66, P, M. Textor- Marburg und T. Hauptvogel- Marburg 651/2 P., 13. Ph. Schwab Gieken und F. Schmidt Marburg 65 P., 14. W. Schulte Großenlinden, G. Albold Gießen und H. Leidorf- Naunheim 64 P., 15. A. Schmidt Heuchelheim, H. Schneider Weglar, H. KämpferWeglar und H. Dechert- Gießen. Im Gilbotenlauf erhielten Preise: 1. Männerturnverein Gießen 66 Sef., 2. Turnverein Gießen 67 Set., 3. Krofdorf 682 Set., Der 1. Gauturnwart Will Gießen schloß das Turnen mit einem Gut Heil auf die Steger.
) Gleiberg, 29. Aug. Nachdem der Gleiberg: verein in den letzten Jahren mit Unterstützung des Preußischen Staates, der Rheinprovinz, des Hessischen Staates, der Kreise Wetzlar und Gießen, sowie der Stadt Gießen die gesamte noch vorhandene Nuine der Bleiburg gründlich gegen weiteren Verfall gesichert hat, soll nun eine genaue Aufnahme und Kartierung der Burg vorgenommen werden; dabei sollen umfängliche Aufdeckungen noch vorhandener Grundmauernrester borgenommen und besonders das Fundament des vor handen gewesenen zweiten und ältesten Bergfrieds einer wissenschaftlichen Durchforschung unterzogen werden. Man glaubt, das dieser ehemalge Wehrturm überhaupt den ersten baulichen Anfang der Gleiburg gebildet hat und daß dies der Bau ist, dem vor nunmehr tausend Jahren Otto der Salier, der Bruder des ersten konca
diner, errichtet hat..
* Lollar. Hier hat sich Sonntag nachmittag die bei ihrem Vater zu Besuch weilende Frau Euler aus Gießen auf dem Boden erhängt. Sie hinterläßt 4 unmündige Kinder.
* Bad Nauheim, 29. Aug. Wie man uns mitteilt, hat den Kartenverkauf für das unterm Protektorate des Großherzogs von Hessen am 4. Sept. in Bad- Nauheim stattfindende Konzert für Gießen die Musikalienhandlung von E. Challier übernommen.
( Gießener Tageblatt)
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die 44 mm breite Juseraten zeile. Stellen gesuche und Familienanzeigen 10 Pfg.- Die 90 mm breite Zeile im Neflameteil 50 fsExtrabeilagen worden nach Gewicht und Größe berechnet. Rabatt kommt bei Ueberschreitung des Sahlungs. zieles( 30 Tage), bei gerichtlicher Betreibung oder bel Konkurs in Wegfall. Pasvorschriften ohue Verbindlichkeit. Verlag der ,, Gießener Zeitung" 6. m. b. 6.
Telephon: Nr. 362.
23. Jahrg.
Bad Nauh- e.i m. Bis zum 17. August 1911 sind 30 146 Kurgäste angekommen. Bäder wurden 381 253 abgegeben.
* Obbornhofen, 28. Aug. Gegenwärtig schweben Verhandlungen zwischen der Rentkammer zu Laubach und unserer Gemeindeverwaltung wegen Verkauf des hiesigen Gutes. Später gedenkt man das Gelände zu parzellieren und an einzelne Ortsbürger zu verkaufen, die Gebäude aber zu einer Zuckerfabrik anzulegen.
* Schotten, 28. Aug. Der Vertrag mit der Provinz Oberhessen wegen Anschluß an die Elektrische Ueberlandzentrale in Wölfersheim wurde genehmigt.
-r- Alsfeld, 28. Aug. Für jeden früheren Schüler der hiesigen Realschule, der an der Jubiläums Feier hat nicht teilnehmen fönnen, dürfte es von Intresse sein, zu erfahren, daß eine ausführliche Festzeitung ( Preis 20 Pfg.) von Adolf Rühl Alsfeld versendet wird.
Aus dem Rheingau. Am Freitag gingen mehrere Gewitter mit wolkenbruchartigem Regen nieder. Mit einem der letzten war ein schwerer Hagelschlag verbunden. Der Schaden wird auf viele Tausend Mark geschätzt.
* Rüsselsheim. Die Nachforschungen nach der Ursache des Feuers lassen den Verdacht auf Brandstiftung zu. In dem Gebäude, in dem das Feuer seinen Herd hatte, fehlte unerklärlicherweise das Strahlrohr am Hydranten, wie die Löschmannschaften gleich feststellten. Vom Brandherd mußte sich das Feuer notwendigerweise allen umliegenden Bauten mitteilen.
* Main 3, 28. Aug. Der Obermonteur der Zellulosefabrik in Kostheim geriet in die Starkstromleitung der elektrischen Anlage und wurde sofort getötet. Worms, 27. Aug. Ein Wolfenbruch mit Gewitter richtete vorgestern in den rheinhessischen Gemeinden Gundersheim, Mölsheim und Hangenweis= heim großen Schaden an. Das Wasser stand teilweise meterhoch in den Ortsstraßen. In den Feldern und Weinbergen sind die Verheerungen groß. Der Blitz richtete verschiedentlich Schaden an.
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ver=
Bingerbrüd, 29. Aug. Sein 92. Lebensjahr vollendet heute am 29. Aug. Herr J. F. Herter, der Ehrenbürger von Bingerbrück. Wer den 92jährigen sieht, wird ihn höchstens für einen Siebziger schätzen. Die Maul- und Klauenseuche hat trotz Schärfter und ausgedehnter Vorsichtsmaßregeln auf dem Lande eine Ausdehnung genommen, wie sie, kaum für möglich gehalten wurde. Die sämtlichen Viehmärkte des Hunsrücks wurden gänzlich gesperrt.
* Worms, 28. Aug. In einer Versammlung des Alldeutschen Verbandes erklärte der Vorsitzende Dr. Göbel, Deutschland habe 1866 eine starke Regierung, aber ein schwaches Volk gehabt, jetzt sei es umgekehrt, wir hätten ein starkes Volk, aber eine schwache Regierung. Bei diesen Worten erhoben sich sämtliche anwesenden Offiziere, der Oberst des 118. Infanterie- Regiment an der Spitze, und verließen demonstrativ den Saal,
Wetzlar. Die 70jähr. Jubiläumsfeier des Männergesangvereins findet am 2. und 3. September unter freundlicher Mitwirkung sämtlicher Männerchöre aus Wetzlar und Wezlar- Niedergirmes, des Turnvereins und der städt. Kapelle statt. Der LahntalSängerbund unternimmt an diesem Tage eine Sänger= fahrt nach hier, um durch seine Anwesenheit das Fest zu verſchönen.
Infolge der anhaltenden Dürre dieses Jahres könnte die Meinung entstehen, daß es richtiger wäre, für die anzuwenden, die wafferlösliche Phosphorsäure an seine Herbftsaaten, da wo man gewohnt ist, Thomasmehl Stelle zu sehen.
Dengegenüber sei darauf hingewiesen, daß auch bei den ausgetrockneten Böden in diesem Jahre die Wirkung des Thomasmehls für Wintergetreide feinesfalls in Frage geftellt ist. Es liegt daher keine Veranlaffung bor, bon der Anwendung des auch im Preise billigeren Thomasmehls abzugehen.
Bei zahlreichen vergleichenden Versuchsdüngungen hat sich die Thomasmehlphosphorsäure bet langanhaltender Dürre als die mildere, zugleich aber auch andauernder wirkende und infolgedessen geeignetere Phosphorsäureform erwiesen gegenüber anderen, welch legtere bei trockener Witterung nicht selten mehr oder weniger bersagten.
Cn drei Tagen geht's heim! Der Sommer will scheiden, schon
Die Deimfebr
Die Heimkehr.
Allein er hat selbst keine rechte Ruh, die Kinder rennen
zu essen
Die Seimtebr
Eine Befteigung bes Fuji- no- Bama.
una escheiteres tun, Regen flappert noch immer eintönig und trinken gibt's nichts mehr, die Kinder schlafen, der Frau Niederhuber suchen denn auch bald ihr Lager auf: ala gegen das Fenster; was schlafen legen. Herr
einschlummert:
und
an, die ganze sie selbst und fort geht's nach Hause. Niederhuber- Familie
anderen Tag lacht die Sonne am woltenlos blauen Simmel, lacht, die Wagen ziehen
Am meisten aber lacht der


