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40 000 Franken Uebersetzungshonorar. Das größte Honorar, das wohl je für eine Uebersetzung gezahlt worden ist, ist dem Franzosen Marcel Prévost für die Hebertragung des Gefährlichen Alters" der Karin Mi­chaelis ins Französische bewilligt worden. Prévost er­hielt dafür nämlich nicht weniger als 40 000 Franken.

Aus den Gerichtssälen.

Wegen militärischen Aufruhrs verurteilte das Kriegsgericht der Küstenartillerieinspektion in Wil helmshaven einen Angeklagten zu 8, einen zu 6, zwei bu je 5 Jahren Buchthaus und zwet Angeklagte zu je 5 Jahren Gefängnis. Die Verurteilten hatten einen Unteroffizer gemeinschaftlich verprügelt.

Das Reichsgericht hat im Gegensatz zu einem Ur­teile des Oberlandesgerichts Cöln den Grundsaß auf gestellt, daß der Grund eines Ausverkaufs auch dann in einer Ankündigung anzugeben ist, wenn nicht formell in der Ankündigung das Wort Ausverkauf" gebraucht wird.

Wegen Unterschlagung im Amte und Betruges ver­urteilte das Schwurgericht in Bonn den Obertelegra­phenassistenten Oskar Huttanus zu sechs Jahren Zucht­haus und sechs Jahren Ehrverlust. Huttanus hat in den Jahren 1905 bis 1910 rund 150 000 Mark amtliche Gelder unterschlagen. Er hatte, obwohl er mit der Kasse eigentlich nichts zu tun hatte, Fernsprechgebühren ein­gezogen und für sich verwendet, die Beträge aber als Außenstände weiter gebucht. Er lieh sich auch aus der Kasse des Amtes Bargelder und gab dabei an, er wolle damit Hausforderungen begleichen. Von seinem Tele­graphendirektor hatte er 32 000 Mark ohne jede Sicher­hett erhalten, um sie angeblich vorteilhaft anzulegen.

Vermischtes.

Die Typhusepidemie in Schneidemühl ist noch im­mer nicht zum Stillstand gekommen. Im Laufe des Sonntags wurden wieder 23 neue Erkrankungen fest­gestellt. Die in der Nähe des Krankenhauses aufge= stellten Baracken vermögen die Zahl der Patienten nicht mehr zu fassen, und man hat deshalb telegraphisch in Posen zwei neue Isolierhäuser bestellt. Außer den bet­den Berliner Chariteeärzten sind fünf Krankenschwe= stern und ein Posener Arzt nach Schneidemühl berufen worden. Nach den Mitteilungen der Aerzte wird bet den meisten Kranken die Krisis in dieser Woche ein­treten. Das Befinden einiger Erkrankter hat sich seit Sonnabend bedenklich verschlimmert. Die Aufregung in der Stadt wächst von Tag zu Tag. Zahlreiche Fa­milten, die die Stadt verlassen wollten, um entfernte Bäder aufzusuchen, mußten ihre Absicht aufgeben, weil thnen überall die Aufnahme verweigert wurde. Wie verlautet, ist in der Garnison soeben ein Typhusfall vorgekommen, doch wird von seiten der Kommandantur über die Erkrankung die Auskunft verweigert.

Eine aufregende Eisenbahnfahrt machten am Sonn­abend zahlreiche Sonntagsausflügler in einem Vor­ortszug von Birkenwerder nach dem Stettiner Bahn­hof in Berlin mit. Der Zug hatte schon ziemlich ge= füllt Birkenwerder verlassen und in Hermsdorf noch neue Fahrgäste, darunter den 22 Jahre alten Bäcker­gesellen Felix Penkwitt aus der Stralsunder Straße und dessen Braut aufgenommen. Als der Zug zwischen den Stationen Waidmannslust und Wittenau sich be= fand, geriet das Brautpaar in Streit, der so heftig wurde, daß P. plößlich einen Revolver aus der Tasche zog und auf seine Braut anlegte, um sie zu erschießen. Andere Fahrgäste sprangen dazwischen und versuchten P. den Revolver zu entreißen. Nun riß dieser die Coupétür auf und sprang aus dem in voller Fahrt befindlichen Bug. Er stürzte auf das Nebengleis. In diesem Augenblick kam aus der entgegengesetzten Rich­tung ein Zug, von dem Penkwitt überfahren wurde, Rasch zog man die Notleine, und als der Zug hielt, suchten Beamte die Strecke ab und fanden den schreck­lich zugerichteten besinnungslos. Er wurde im Zuge nach dem Stettiner Bahnof gebracht und von dort nach der Unfallstation. Nachdem man ihn dort verbunden hatte, wurde er nach der Kgl. Klinik transportiert, wo er am Montag starb.

Die Tournee der Sarah Bernhardt. Die große französische Tragödin Sarah Bernhardt hat soeben eine Tournee beendigt, die sie durch die Vereinigten Staa­ten und Kanada geführt hat. Die Künstlerin, die jetzt wohl 66 oder 67 Jahre alt ist, hat eine Leistung voll­bracht, der man die Bewunderung nicht versagen kann. Sie hat Anfang vorigen Jahres ihre Tournee in Cht= cago begonnen und 25 000 Meilen in der Eisenbahn zurückgelegt, bis sie zu den letzten Vorstellungen in Neuyork eintraf. Jn 238 Tagen hat die Künstlerin 285mal gespielt und ist in 103 Städten aufgetreten. Die Gesamteinnahme, die sie erzielte, betrug rund 5 Mil­Itonen Franken, und sie soll mit einem Reingewinn von 2 Millionen Franken die Heimreise nach Europa antreten. Troß der großen Leistung hat Frau Sarah Bernhardt noch Zeit und Muße gefunden, um sich im Lande der Dollars umzusehen. Sie hat in jeder Stadt die interessantesten Monumente besichtigt und sich über die Landesgewohnheiten informiert. Sie hat sogar ein­mal an einer Krokodiljagd teilgenommen. Es wird wohl wenig selbst junge Künstler geben, die dieser Großmutter eine derartige Leistung nachmachen werden. Krawalle bei einer Krönungsfeier. Die englische Stadt Evesham hatte am Sonntag verschiedene Krö­nungsfestlichkeiten, darunter auch einen Maskenball im Rathaus veranstaltet. Die ärmeren Klassen waren mit den hohen Eintrittspreisen zum Ball nicht einverstan­den, zogen nachts, während fest getanzt wurde, vor das Rathaus, warfen die Fenster ein und setzten die De­forationen in Brand. Auch warfen sie in der Bürger­meisterwohnung die Fenster ein. Polizei mußte aus den Nachbarorten gerufen werden. Die Feuerwehr drehte die Hydranten auf und suchte die Hitzköpfe durch Wasserstrahlen zu pertreiben. Doch der Radau währte die ganze Nacht hindurch.

Ein schwerer Straßenbahunnfall hat sich Montag mittag in Berlin ereignet. Auf der Charlottenburger Chaussee zwischen dem Großen und Kleinen Stern überschritt ein Fräulein Dr. med. Marie Lorenz den Straßendamm, als sie von einem in raschem Tempo daherkommenden Automobil erfaßt und umgeworfen wurde. Die Unglückliche fiel besinnungslos auf die Straßenbahngeleise, gerade als ein Motorwagen die Unfallstelle passierte. Der Führer konnte den Wagen nicht mehr bremsen. Fräulein Lorenz wurde von dem Motorwagen erst ein Stück mitgeschleift und dann über­fahren. Nachdem der Wagen zum Stehen gebracht wor ben war, wurde die furchtbar Verlezi aufgehoben und schleunigst nach der Charitee geschafft, wo man sie sofort

operierte. Leider befürchten die Aerzte, daß infolge der außerordentlich schweren Verlegungen keine Hoffnung besteht, die Dame am Leben zu erhalten.

Ein

Flammentod zweier Dollarprinzessinnen. Brandunglück, dem zwei blühende Menschenleben, da­runter zwei Töchter bekannter Millionäre, zum Opfer gefallen sind, hat sich auf der Insel Nantucket, dem im Atlantischen Ozean der Küste Massachusetts vorgela­gerten Eiland, ereignet. Eine Gesellschaft von sechs jun­gen Mädchen und Herren, die einen Segelausflug un­ternehmen wollten, hatte im Bootshaus auf der Be­sitzung des bekannten Neuyorker Millionärs und repu= blikanischen Führers William Barneßvor einem nieder­gehenden Gewitterregen Schutz gesucht. Man vertrieb sich die Zeit bis zum Aufhören des Regens mit aller­hand Kurzweil. Plößlich durchgellte ein lauter Auf­schrei den Raum. Einer der jungen Leute hatte ein noch glimmendes Bündholz, mit dem er eine Zigarette angezündet hatte, achtlos zu Boden geworfen und die= ses war in ein Gefäß mit einer teerartigen Flüssigkeit gefallen, aus der sofort ein manneshoher Feuerstrahl emporschoß. Der Raum war mit geteerten Schiffsge­räten, Del- und Gummimänteln gefüllt. Im Nu hat= ten die Flammen alles ergriffen und auch die leich­ten Sommerkleider der dret anwesenden Mädchen in Brand gesteckt. Während eins von ihnen und die dret jungen Leute in das Freie eilten, glaubten Ellen Wil­son, die Tochter des Neuyorker Großbankiers R. A. Wilson, und Hidrod de Haven, die Tochter eines Neu­yorfer Großhändlers, in threr Kopflosigkeit und Angst, sich in einem Nebenzimmer in Sicherheit bringen zu können. Doch dieses hatte keine Fenster, die Flam­men drangen sofort nach und die beiden unglücklichen standen Hilferufend inmitten eines Feuermeeres. Zwet Diener erkannten sofort die Gefahr und versuchten durch den brennenden ersten Raum in das Hinterzim­mer zu dringen. Vom Qualm erstickt, fielen sie jedoch inmitten der Flammen betäubt um und wären deren Opfer geworden, wenn nicht zwei der Jünglinge sie sofort herausgeholt hätten. Kurz entschlossen sprangen sie, deren Kleider gleichfalls Feuer gefangen hatten, mit den Geretteten in die Meereswellen. Als endlich Hilfe fam, war es für die beiden von den Flammen einge­schlossenen Mädchen zu spät. Sie waren verbrannt. Auch einer der Diener, der sich todesmutig in den bren­nenden Raum gewagt hatte, tst seinen Wunden nach furzer Zeit erlegen. Die übrigen Teilnehmer des so traurig geendeten Ausfluges haben fast alle mehr oder weniger schwere Brandwunden davongetragen.

Schweigen ist Gold. Eine ergößliche Geschichte von einem Richter, der den vor ihm im Gerichtssaal Erschet­

Stock eine Wohnung leer. Diese wird gründlich ausge beffert. Am Sonnabend hatte die Pförtnersfrau aus dem Hause in den leeren Räumen Wäsche aufgehängt. Als fie fie Sonntag vormittag abnahm, fand sie das sonst verschlossene Vorderzimmer auf und in dem Fußboden ein großes Loch. Mit einem ziemlich breiten Zentrums bohrer hatten die Einbrecher ein Loch in die Decke ge bohrt, das etwa einen halben Geviertmeter mißt und sich nach unten auf einen Meter erweitert. Durch eine zunächst fleine Oeffnung warfen sie einige Lappen hinunter, die den Schall etwa herabfallender Mörtel­stücke dämpfen sollten. Zur Vorsicht spannten sie dann auch noch einen Schirm ohne Strücke unter die Deffnung. Wahrscheinlich stiegen sie endlich auf einer Strickleiter hinunter. Der Laden ist die ganze Nacht hindurch be­leuchtet, und steht ständig unter der Aufsicht eines Wächters der Wach- und Schließgesellschaft. Auch das müssen die Einbrecher vorher genau gekannt haben, denn fie wählten sich zum Deckendurchbruch und Abstieg ge­rade die Stelle aus, die ihnen Deckung bot und fie gleich hinter den Ladentisch führte. Hier streiften sie die Wert- und Schmucksachen von den Behältern ab. Die Schränke, die von der Straße aus sichtbar sind, und die sie nicht aufbrechen konnten, ohne gesehen zu wer­den, ließen sie ganz unberührt. Gerade aber diese Schränke enthielten den wertvollsten Schmuck. Die Ein­brecher stiegen dann mit der Beute wieder in die leere Wohnung hinauf und verließen sie durch die Vorder­tür, während sie durch die Hintertür eingedrungen wa ren. Am Tatorte ließen sie eine Feile und zwei Mef­fer zurück. Wie sie in das Haus hineingekommen sind, weiß man nicht, wahrscheinlich haben sie sich einschlie­ßen lassen.

Die Frankfurter Einbruchsversicherungsgesellschaft, bei der die Juwelierfirma versichert war, und die des­halb für den Schaden aufzukommen hat, hat eine große Belohnung auf die Ergreifung der Täter ausgesetzt. Zweifellos handelt es sich um gewerbsmäßige Ein­brecher. Die Bande ist so weit gegangen, bei dem Ein­bruch fast ausschließlich Werkzeuge zu benutzen, die sie im Hause selbst vorgefunden hatten. Die Flucht aus dem Juwelierladen haben die Einbrecher fast genau auf dieselbe Weise bewerkstelligt, wie den Einbruch selbst. Sie sind aus dem Laden durch die Deffnung in der Decke wieder in die obere Etage geklettert und von dort aus weiter geflüchtet. Um aber zu der Deff= nung zu gelangen, bedienten sie sich einer großen Let­ter, die sie aus dem an den Laden anstoßenden Bureau des Herrn Nevir genommen hatten. Diese Leiter fonnten sie nur über den Ladentisch hinweg transportieren. Dabei aber hätten sie, da der Laden die ganze Nacht hindurch hell beleuchtet ist, eigentlich ge= sehen werden müssen. Die Einbrecher sind auch so eilig geflüchtet, daß sie beim Klettern einige Dußend der be­reits erbeuteten Ringe und Broschen verloren haben. Man fand sie nach der Entdeckung des Einbruches auf dem Boden.

nenden stets aufs tnappste zu antworten oder gar zu Ein angeblicher Todesfall an Trichinosis

schweigen empfahl, der aber selber mit Vorliebe große Neden hielt, wird in einer Pariser Zeitschrift erzählt. Ein Zeuge sollte verhört werden. Antworten Sie mit Ja oder Nein," begann der Richter; der Gerichtshof fümmert sich nicht um das, was sie glauben, thn füm­mern nur Tatsachen. Auch ich glaubte heute morgen, meine Uhr in die Westentasche gesteckt zu haben, aber in Wirklichkeit habe ich sie auf meinem Nachttische liegen gelassen. Wir wollen hier nur Tatsachen, nicht Meinun­gen hören." Der Zeuge blieb stumm wie ein Ftsch, der Prozeß war schnell erledigt, und zufrieden ging der Richter nach Hause. Du scheinst ja schlimm in Verle­genheit gewesen zu sein," empfängt ihn seine Frau, ,, wieso hast du denn deine Uhr vergessen? Nicht weniger als vier Leute sind schon jetzt hintereinander hier gewe= seit, um sie abzuholen." Ein furchtbarer Verdacht er= hellt den Geist des redseligen Mannes: Du hast sie doch nicht mitgegeben?"" Natürlich, dem ersten, der kam; er sagte noch ausdrücklich, du ließest mir mitteilen, die Uhr wäre auf dem Nachttisch liegen geblieben." Bei der nächsten Verhandlung war der Richter sehr schweigsam.

Die Schweiz als Automobilfeindin. Die automobil­feindlichen Tendenzen in der Schweiz machen sich nun auch stark im Kanton Zürich bemerkbar. Dort soll auf dem Wege der Volksinitiative eine Beschränkung des Automobilverkehrs angestrebt werden. Inzwischen hat eine Expertenkommission für das internationale Kon­tordat für den Automobilverkehr eine neue Verordnung ausgearbettet. Gegenüber der alten Verordnung bringt sie Verschärfungen. Niemals darf die Maximalge­schwindigkeit vierzig Kilometer in der Stunde über­schreiten, es fragt sich indessen sehr, ob die Verordnung imstande ist, die automobilfeindliche Stimmung in Bern, Aargau, St. Gallen, Zürich und den Urkantonen zu be­schwichtigen.

Der Entwurf eines Heiratszwangsgesetzes, der zur Hebung der Bevölkerungsziffer in Frankreich beim Se­nat eingebracht wurde, ist von diesem im Entwurf an­genommen worden. Der Entwurf enthält u. a. folgende Bestimmungen: Wer mit 29 Jahren noch Junggeselle ist, wird zu besonderen Militärdienstübungen in Reserve und Landwehr herangezogen, wer bis zum 45. Jahre noch ledig ist, bleibt dienstpflichtig bis ins Greiſenalter. Jeder Staats-, Departements- und Gemeindebeamte muß mit 25 Jahren verheiratet sein oder den Dienst ver­lassen. Diese Bestimmung hat keine rückwirkende Kraft, bezieht sich auch nicht auf Offiziere, Matrosen, Soldaten, und die mit 25 Jahren verwitweten oder geschiedenen Beamten gelten als verheiratet. Jeder Beamte, der dret Kinder hat, genießt folgende Vorzüge: bei gleichen Let­stungen eine Vorzugsnote für das Avancement; eine Gehaltszulage von 200 Francs für jedes Kind, vom 3. Kinde an, und zwar bis zum 16. Jahre; eine Pensions­erhöhung von 100 Francs für jedes Kind, vom 3. Kinde

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Beim Barbier. Barbiergehilfe( leise zum Kollegen, der einen Herrn mit sehr schwachem Bartwuchs bedient): Tüch­tig mit der Scheere klappern, dann gibt er' n gutes Trink­geld!"

Im Vorschuß. Arzt: Beachtet denn auch Ihr Mann meine Weisung, jeden Tag nur ein Glas Bier zu trinken? Frau: O nein, Herr Doktor, er is schon' mit vierzehn Tag' im Vorschuß!

Der Berliner Brillantendiebstahl.

Zu dem großen Brillantendiebstahl, der, wie be­reits berichtet, tn der Nacht zum Sonntag in der Pots= damer Straße in Berlin bei den Juwelieren Henrt Nevir und Sohn verübt wurde, bei dem Brillan­ten und Goldsachen im Werte von über hunderttausend Mark erbeutet wurden, werden noch folgende Einzel­heiten gemeldet.

Der verwegene Einbruch ist von langer Hand vor­berettet worden. Ueber dem alten bekannten Geschäft im Erdgeschoß des Hauses steht augenblicklich im ersten

im Berliner St. Hedwigskrankenhause, der mit den von uns vor einiger Zeit gemeldeten Erkrankungen an Tri­chinosis in Binne( Bosen) zusammenhängt, beschäftigt augenblicklich die Behörden in Berlin. Anfang Junt fand im Hedwigstrankenhause der 23 Jahre alte Leh­rer Edwin Krokowski aus Pinne Aufnahme, der zu Pfingsten zum Besuch setner Eltern nach Berlin ge­fommen war. Krokowski hatte in Pinne von Fleisch, das ein Tierarzt bei der Schau für gesund erklärt hatte, eine Karbonade gegessen. Er fühlte sich bald unwohl und glaubte, während er in den Pfingstferien bei sei­nen Eltern weilte, nach den Angaben eines Lehrbuches der Naturheilkunde Anzeichen von Trichinosis zu erkennen, obwohl er von dem Ausbruch der Krant­hett in Binne noch nichts wußte. Am zweiten Pfingst= feiertage ging er mit seiner Mutetr nach dem Hedwigs­frankenhause. Hier soll er gleich dem aufnehmenden Arzt gesagt haben, daß er fürchte, an Trichinosis zu letden, der Arzt soll aber nur eine Nierenentzündung festgestellt haben. Der Zustand Krokowskis verschlim­merte sich, und während dieser Zeit soll der behandelnde Arzt, unter Hinweis auf die schweren Erkrankungen in Binne, nochmals eindringlich darauf aufmerksam ge­macht worden sein, daß es sich wahrscheinlich doch um Trichinosis handle. Der Arzt wies angeblich aber diese Mutmaßung zurück und erklärte, daß Krokowski an schwerem unterleibstyphus leide. Der Lehrer starb am zehnten Tage nach seiner Aufnahme, bei der er alle Erscheinungen von Nierenentzündung hatte. Sodann glich die Krankheit in ihrem Verlauf vollkom men dem Typhus. Erst vier Tage später wurde be­fannt, daß er trichinenverdächtiges Fleisch gegessen habe. Da seitdem jedoch über drei Wochen verstrichen waren, so mußten die jungen Trichinen schon durch die Darm­wand in die Muskulatur gewandert sein, so daß ihre erfolgreiche Bekämpfung vom Darm her ausgeschlossen nahm man nun Erfranfung an Typhus und Tricht­war. Wegen der ausgesprochenen Typhussymptome nose an, verursacht durch robes Schabefleisch. Derjenige Arzt, der den Lehrer aufgenommen hatte, Dr. Wiedemann, ist schon gerichtlich vernommen wor den, da sich die Staatsanwaltschaft mit der Sache be­schäftigt. Typhus soll auch als Todesursache angegeben worden sein, als Krokowski am 15. Juni starb. Die Eltern verfolgten die Sache aber weiter und setzten die Ausgrabung der Leiche durch, um die wahre Todes­ursache feststellen zu lassen. Diese fonnte jedoch nicht mit Sicherheit ermittelt werden. Dagegen fand man bei der Leichenöffnung, daß verschiedene Körperteile von Trichinen befallen feten.

Drabtnachrichten und neuestes.

Die Kieler Woche.

Kiel, 27. Juni. Der Kaiser begab sich heute morgen 8 Uhr an Bord des Meteor", um an der Wett­fahrt Kiel- Eckernförde, für welche der Start auf 9 und 10 Uhr festgesetzt ist, teilzunehmen. Das erste Ge­schwader der Hochseeflotte hat heute früh die Ausreise nach der Nordsee angetreteit.

Vom Deutschen Rundflug.

Münster, 27. Juni. Heute früh ist Vollmöller um 5,23 Uhr hier eingetroffen. Um 7,04 Uhr folgte Lindpaintner. Lange, Wincziers und Büchner werden in Hannover wahrscheinlich abmontieren und erst von Cöln aus wieder an dem Rundflug teilnehmen.

Minden, 27. Junt. Thelen ist um 5 Uhr glatt aufgestiegen, mußte aber drei Kilometer vor Bielefeld wegen Versagens des Motors niedergehen. Bet der Landung wurde Thelen aus dem Apparat geschleudert, blieb aber glücklicherweise unverlegt. Die Maschine lief ohne Thelen noch eine Strecke weiter, schlug als­dann um und wurde erheblich beschädigt.

Durch Funkenauswurf in Brand geratene Brannfohlengrube.

Rottbus, 27. Juni. Durch Funkenauswurf aus einem Bagger wurde der Tagbau 3 der Grube Clara bei Wölzom in Brand gefeßt. Starker Wind begün ftigte die Ausdehnung des Brandes, deffen Ende noch nicht abzusehen ist. Am gefährlichsten erscheint der Brand des abgedeckten Kohlenflötes, der etwa 15 bts 18 Millionen Zentner Braunkohlen enthält.