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Gießener Zeitung

( Neueste Nachrichten)

Bezugspreis 50 Pfg. monatlich Enthält alle amfl. Bekanntmachungen

oterteljährlich 1,50 Mt., vorauszahlbar, frei ins Haus. Abgeholt in unserer Expedition oder in den Zweig­ausgabestellen vierteljährlich 1,20 Mt. Mittags 3 Uhr.

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Erscheint

Die Illustr. Weltrundschau" liegt alle 14 Tage einmal gratis bei. Redaktion: Seltersmeg 83. Für Aufbewahrung oder Rücksendung nicht verlangter Manuskripte wird nicht garantiert.

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Verlag der ,, Gießener Zeitung ,, G. m. b. H.

Nr. 149.

Telephon: Nr. 362.

Kleine Geister.

wie

Wenn das bekannte Wort, Lächerlichkeit tötet", wahr wäre, müßten der Vorwärts" und alle diejenigen, die nach seinem Sinne handeln, schon längst begraben und vergessen sein. Denn in dem Bestreben, nur ja nicht irgend einer Einrichtung des nationalen Gegenwarts staates Anerkennung zu zollen, und in dem weiteren ängstlichen Bemühen, nur ja nicht die von ihm beherrsch ten Arbeiterkreise merken zu lassen, daß eine Regierung vorhanden ist, die für die Bedürfnisse und Interessen der Arbeiterbevölkerung Verständnis besitzt, gerät der Vor­wärts" und mit ihm die gesamte Sozialdemokratie ins Lächerliche, ins all zu Lächerliche. Man sehe sich diese Taktik, die der Vorwärts" entwickelt und mit der er im Sinne seines Programms zu handeln glaubt, an meh­reren Vorgängen, die die letzten Tage gebracht haben, einmal etwas näher an. Als am letzten Sonntag die zur Kaiserregatta in Grünau fahrende Jacht des Kai­sers mit dem Kaiser an Bord bei Treptow vorüberkam, wo sich das Bootshaus des sozialdemokratischen Ruder­flubs Vorwärts" befindet, wurde die Vorwärts"-Flagge, die auf dem Bootshause wehte, niedergeholt und erst, nachdem die Alexandria" vorüber war, wieder gehißt. Dasselbe Manöver wiederholte sich bei der Rückfahrt der " Alexandria". Die Leute vom Vorwärts"-Bootshause haben damit durchaus im Sinne des ungeschriebenen, aber umso strengeren Gebotes gehandelt, daß die Exi­stenz des deutschen Kaisers und Königs von Preußen so viel als möglich negiert und ignoriert werden müsse. Also ein Hurra den zielbewußten Genossen, die durch ihre Heldentat" das Parteiprogramm gerettet haben! Der Vorwärts" selbst leistet sich ähnliche Stücke. Seine Besprechung des ersten allgemeinen deutschen Hansata­ges, der am 12. d. Mts. in Berlin stattgefunden hat, gipfelt in einem scharfen Tadel, der die Teilnehmer am Hansatage deshalb ereilt, weil sie sich, als das Ant­worttelegramm des Kaisers verlesen wurde, von ihren Plätzen erhoben hätten. Bemerkenswert ist auch, der Vorwärts" über den Zweiten Deutschen Wohnungs­fongreß in Leipzig berichtet. Die einleitenden Sätze, die er der ausführlich wiedergegebenen Rede des früheren Staatssekretärs des Reichsamts des Innern Grafen von Posadowsky über die Aufgaben der Wohnungsfürsorge und Baupolitik vorausschickt, erwähnen nicht mit einem Worte, daß am ersten Tage der Kongreßtagung Ver­treter der Reichsregierung und der einzelstaatlichen Re­gierung erschienen waren, um auch ihrerseits das In­teresse an der Wohnungsfürsorge der minder bemittelten Klassen, auf der im letzten Grunde alles physische und psychische Gedeihen beruht, zum Ausdruck zu bringen. Der Bericht des Vorwärts" tut den ersten Sizungstag mit dem einzigen Sazze ab: Die Sonntagstagung wurde durch die üblichen Begrüßungsansprachen, ausgefüllt." Von anderer Seite wird dagegen über die Eröffnung der Tagung in folgender Weise berichtet: Namens Reichsregierung begrüßte Geheimrat Lewald vom Reichs­amt des Innern den Kongreß, in dem er betonte, daß die Reichsregierung den bevorstehenden Verhandlungen das lebhafteste Interesse entgegenbringe, zumal ihr früherer hervorragender Mitarbeiter Staatsminister Graf Posadowsky zu den Männern des Kongresses gehöre. Die Reichsregierung erblicke in der Wohnungsfrage und in ihrer Lösung eine ihrer allerwichtigsten Aufgaben, zu deren Mitarbeit das ganze deutsche Volk berufen sei. Die Reichsregierung selbst habe keine Mittel und We­ge, in der Frage gesetzgeberisch etwas zu tun, wohl aber habe sie inbezug auf die Beamten die Wohnungsfrage zu regeln versucht und hierfür 41 Millionen Mark in den Etat eingestellt. Auch den Wohnungsgenossenschaf ten sei das Reich helfend zur Seite getreten, indem es an 115 Genossenschaften Darlehen gab, die bei der Her­stellung von etwa 20 000 Wohnungen Verwendung fin­den. Wenn auch die Lage der Reichsfinanzen eine wei­tergehende Betätigung in der Wohnungsfrage nicht ge­stattete, so könne der Kongreß doch versichert sein, daß die Reichsregierung alles tun werde, um in der wich tigen Wohnungsfrage auch weiterhin lösend einzugrei­fen.( Großer Beifall.) Der Vorsitzende des Kon­gresses, Geheimer Regierungsrat Liebrecht- Hannover er­kannte dankbar die Mitarbeit des Reiches in der Woh­nungsfürsorge an und gab der Hoffnung Ausdruck, daß das langerstrebte Reichswohnungsgesetz bald kommen werde."

der

Das sind so einige Merkmale und Beispiele, wie der ,, Vorwärts" seinen Gegensatz gegen Regierungen und Be­hörden zur Geltung zu bringen sucht, aber die Methode, der er sich dabei bedient, ist so kleinlich und zeugt von so findlicher Denkart, daß man darüber nur lachen kann

der Großherzoglichen Bürgermeisterei

sowie vieler anderer

des Großherzoglichen Polizei Amfes

=

Behörden Oberhessens

Expedition: Seltersweg 83.

( Haus Brüder Schmidt.)

Mittwoch, den 28. Juni 1911.

( Gießener Tageblatt)

Anzeigenpreis 15 Pfg.

die 44 mm breite Inseratenzeile.- Stellen: gesuche und Familienanzeigen 10 Pfg.- Die 90 mm breite Zeile im Reklameteil 50 Pfg. Extrabetlagen werden nach Gewicht und Größe berechnet. Rabatt kommt bei Ueberschreitung des Zahlungs­zieles( 30 Tage), bei gerichtlicher Beitreibung oder bei Konkurs in Wegfall. Platzvorschriften ohne Verbindlichkeit. Verlag der ,, Gießener Zeitung" 6. m. b. H.

Telephon: Nr. 362.

23. Jahrg.

| und diejenigen bedauern muß, die mit solchen Manö- versammlung ist eine Ausstellung von lebenden vern hinters Licht geführt werden.

Hessischer Landtag.

Die Erste Kammer der Stände trat gestern ½ 11 Uhr zu ihrer Sch I ußtagung zusammen. Graf Solms- Lich präsidierte der Sitzung in Verhinderung des 1. Vorsitzenden Grafen Goertz. Vor Eintritt in die Ta­gesordnung gab der Vorsitzende bekannt, daß über ver­schiedene abweichende Beschlüsse der zweiten Kammer eine Verständigung in gemeinsamen Sitzungen erzielt worden sei. Auf Wunsch des Grafen Erbach- Fürstenau wurde die Beratung des Gemeindeumlagen= gesetzes zurückgestellt. Eine Reihe von Eingaben und Anträgen wurde im Sinne der Ausschüsse erledigt. Da­runter befinden sich zahlreiche Eingaben von Beamten um Gehaltsaufbesserung. Ein dringlicher Antrag von Uebel und Genossen wegen des schwedischen Handels­vertrages wird zurückgestellt. Bei der Vorlage über die Erhaltung des Liebig Laboratoriums in Gießen beantragt Dr. Schmitt, daß das für die Wissenschaft wertvolle Laboratorium erhalten stitut pekuniär zu unterstützen. Auch Fürst Isenburg und betont, daß die Regierung die Pflicht habe, das In­Birstein tritt für die Erhaltung ein. Die Kammer be= schließt dementsprechend. Bei der Besprech­ung der Notlage der Winzer in Gau- Algesheim weist Freiherr v. Heyl darauf hin, daß die hessischen Winzer seit 10 Jahren von Mißernten verfolgt seien und daß bei einer Fortdauer der Notlage der Winzer ihre Steuerkraft ernstlich gefährdet sei. Er verlangt finan­zielle Beihilfe des Staates und Freilassung der Rod­grundstücke von der Besteuerung. Nachdem noch mehrere Vorlagen nach den Beschlüssen der Zweiten Kammer er­ledigt worden sind, vertagt sich das Haus bis zum 4. Juli.

*

Aus Stadt und Land.

bleibt

Gießen, den 28. Juni. Das 3. Abonnementskonzert unserer Infanteriekapelle findet morgen abend in Steins Gar­ten statt. Das interessante Programm enthält u. a.: die große Fantasie a. d." Oper Tiefland", einen Walzer aus dem Rosenkavalier" und das große Schlachtenpotpourri von Saro: Deutschlands Erinnerungen an die denk würdigen Kriegsjahre von 1870-71. Wir können den Besuch des Konzertes nur bestens empfehlen.

* Der Gemeinde helfer Letmathe kehrte nach dreivierteljähriger Tätigkeit in der hiesigen Gemeinde nach der Brüderanstalt Karlshöhe zurück.

2.

Bienen, Bienenerzeugnissen, Bienengeräten 2c. verbun­den. In der Generalversammlung spricht Lehrer Som­mer- Jnheiden über: Die Bedeutung des Honigs als Nahrungsmittel".

*

nächsten Sonntag, den 2. Juli, statt. Für Unterhaltung Das diesjährige Hoher odstopffest findet und Bewirtung der Festgäste ist aufs beste gesorgt. Die Pilzzeit hat wieder begonnen, also Ach tung vor giftigen Gewächsen! Es ist ferner darauf hin­zuweisen, daß man Pilze nicht mit der Wurzel heraus­reißen, sondern abschneiden soll; die Pilze sterben sonst

aus.

* Vogelschutz! Vielfach werden eben ausge flogene, noch nicht sehr flugfähige junge Vögel von wohl­meinenden Leuten mitgenommen, in der Annahme, daß sie aus dem Nest gefallen oder von den Eltern

ver=

laſſen ſeien. Der alte Vogel hört aber das Zirpen sei­nes Kindes auf unglaublich große Entfernung. Wenn die Jungen sich zerstreut haben und hier und da eins in seinem Versteck sitzt, kann er nicht fortwährend da sein, sondern muß eins nach dem andern füttern. Gut­gemeintes Eingreifen kann da leicht mehr schaden als eine sehr mühselige, zeitraubende Sache und erfordert nutzen. Einen jungen Vogel zu Haus aufzuziehen, ist also draußen ein Vogeljunges findest, dann überlasse viel Geschick und eingehendes Verständnis. Wenn Du es nur getrost der Fürsorge seiner Eltern. Höchstens setze man den kleinen Schreihals an ein sicheres Plätzchen. Hören werden ihn die alten Vögel schon.

nanzminister hat an alle untergeordneten Behörden einen Papier statt Gold. Der preußische Fi­Erlaß gerichtet, wonach in Zukunft bei Zahlungen so­weit tunlich, Gold zurückgehalten werden soll; die Zahl­anstatt in Gold auszuführen. stellen sind angewiesen, Barzahlungen in Kassenscheinen

*) Butzbach, 28. Juni. Der ehemalige Rechner Heinzerling, der vor etwa 5 Jahren an der hiesigen Sparkasse sich große Unterschlagungen hatte zu Schul­den kommen lassen und deshalb zur Zeit eine Gefäng­nisstrafe von 7 Jahren in der Butzbacher Zellenstrafan­stalt verbüßt, wurde von dem Großherzog begnadigt.

*) Wetzlar, 27. Juni. Jm rüstigsten Mannes= alter ist heute früh der Generaldirektor der Buderus= werke, Kaiser, an den Folgen eines Magenleidens gestorben. Die Stadt Wetzlar verliert in dem Verstor benen seinen verdienstvollen Mitbürger. Er hat erst kürzlich die Mittel für die zahnärztliche Untersuchung der Schulkinder bewilligt, um eine geregelte Zahnpflege bei den Schulkindern durchzuführen. Im Frühjahr stiftete er 40 000 Mark zur Ausbildung begabter Arbeiterkinder der Buderus werke.

*) Marburg, 28. Juni. Dem Dichter Julius Rodenberg in Berlin wurde aus Anlaß seines 80. Ge­burtstages von der philosophischen Fakultät der hiesigen Universität der Titel eines Ehrendoktors verliehen. R. war in den 50er Jahren Marburger Student.

* Offenbach a. M., 28. Juni. Mit dem Ab­bruch der alten katholischen Notkirche in der Biebererstr. wurde am Montag begonnen.

Offenbach, 27. Juni. Ein schwerer Unfall eignete sich im nahen Froschhausen. Ein Landwirt fuhr mit seinem mit Klee beladenen Wagen in den Hof. Als die auf dem Wagen sigende Frau und Tochter von dem

* Die Hauptversammlung des Ober= hessischen Obstbauvereins wird in unseren Mauern abgehalten werden, da Gießen als zentraler Punkt von Oberhessen leicht mit der Bahn von allen Seiten zu erreichen ist. Die Versammlung findet am Sonntag, den 2. Juli, nachmittags 34 Uhr, im Saale des Lenz'schen Felsenkellers", Ecke Liebigstraße und Bahnhofstraße statt. Aus der reichen Tagesordnung seien folgende Punkte hervorgehoben: 1. Geschäftliches; Ergänzungswahl des Ausschusses; 3. Rechnungsvorlage und Voranschlag; 4. Statutenänderung des§ 8; 5. Die Unternehmungen des Vereins mit der Landwirt= schaftskammer und ein Vortrag des bekannten Fachman­nes Herrn M. Dent, Leiter des Versuchsgartens in Frank- Wagen absteigen wollten, zogen die Kühe an und Frau furt a. M. Ueber die Bekämpfung von Krankheiten und Schädlingen des Obstbaumes nach eignen Versuchen". Vormittags findet wie üblich eine Baumwärterversamm­lung statt, auf welcher die Baumwärter interessierende Punkte Erledigung finden. Unter anderem wird John- Friedberg über das Obstverbesserungsverfahren der Landwirtschaftskammer referieren. Fahrt 4. Klasse wird den Vereinsbaumwärtern vergütet. Da die Hauptver­sammlung interessanten Vortrag bringt, so wäre schon aus diesem Grund ein reger Besuch der Versammlung erwünscht. Alle Freunde des Obst- und Gartenbaues sind herzlichst eingeladen.

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Herr

Die Reichsversicherungsordnung, nebst Einführungsgesetz wird sofort nach Bekanntgabe der hessischen Ausführungs- und Vollzugsbestimmungen, mit eingehenden Erläuterungen, nebst einem ausführ lichen Sachregister versehen, bearbeitet von Herrn Geh. Regierungsrat Dr. Diez, Vorsitzender des Vorstandes der Landesversicherungsanstalt Gr. Hessen in Darmstadt, im Verlage von J. Diemer in Mainz erscheinen. Das Buch ist in allen Buchhandlungen erhältlich.

== Die 50. Wanderversammlung des Oberhessischen Bienenzüchtervereins findet hier am 15.- 17. Juli statt. Mit der Jubiläums­

und Tochter stürzten ab. Während das Mädchen mit dem Schrecken davonkam, blieb die Frau tot am Platze.

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Der Verlag der Gießener Zeitung ( Gießener Neueste Nachrichten)

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