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nur in zehnjährigen Abständen wiederkehrenden Ober­ammergauern, die Waaler Passionsspiele neu belebt werden.

Nenes über die Entdeckung Australiens. Aus Mel­bourne fommt die Nachricht, daß der Direktor der histo­rischen Abteilung der australischen Staatsbibliothek absolut zuverlässige Beweise dafür gefunden hat, daß Australien im Jahre 1499 von dem Florentiner Amerigo Vespucci entdeckt wurde. Amerigo Vespucci hat in dem genannten Jahre ( sieben Jahre nach Columbus) den amerikanischen Konti­nent besucht, der später nach ihm benannt wurde. Bisher wurde angenommen, daß Magelhaens im Jahre 1522 zum ersten Male die australische Küste sichtete.

Für die Leipziger Universität stiftete Geh. Hofrat Dr. Hans Meyer, der bekannte Forschungsreisende und Mit­inhaber des Bibliographischen Instituts 150 000 Marf. Sie sollen Verwendung finden zum Ausbau der Institute für experimentelle Psychologie und für Kultur und Universal­geschichte.

Aus den Gerichtssälen.

Die Streiffrawalle in Bremen aus Anlaß des dortigen Straßenbahnerstreifs beschäftigten gestern das Gericht. Es wurde eine 17jährige Arbeiterin zu vier Monaten Gefäng­nis verurteilt, ein 16jähriger Arbeiter zu drei Monaten, ein 16jähriger Arbeiter und ein 16jähriger Schreiber zu je sechs Wochen. Ein 15jähriger Schreiber wurde freige= sprochen.

Vermischtes.

Die Trauerfeier für die verunglüdten Offiziere des Unterseeboots, 3" hat Freitag nachmittag in der Kie­ler Garnisonkirche stattgefunden. Auch Prinz Waldemar von Preußen nahm daran teil. Die Särge der beiden Verunglückten waren vor dem mit Lorbeer und Balmen geschmückten Altar aufgebahrt. Zu Füßen lagen Kranz­Spenden des Kaiserpaares, des Prinzen und der Prinzes= sin Heinrich, des Staatssekretärs des Reichsmarineamts und vieler Marinebehörden. Nach einem Gesange der Ge­meinde hielt der Militäroberpfarrer Konsistorialrat Gö­del eine ergreifende Ansprache, in der er der bis zum letz­ten Atemzuge getreuen Pflichterfüllung der Helmgegange­nen gedochte. Nach der Feier wurden die Särge von Un­teroffizieren aus dem Gotteshaus getragen und auf vier­spännige Leichenwagen gehoben. An dem Zuge nahmen teil eine Ehrenkompanie der ersten Matrosendivision mit der gesamten Musik, die ortsanwesende Admiralität, die dienstfreien Offiziere, Mannschaftsabordnungen sämtlicher in Kiel anwesenden Kriegsschiffe und Marineteile, Ver­treter der Stadt-, Reichs- und Staatsbehörden, endlich Fahnenabordnungen aller Krieger- und Militärvereine aus Kiel und den übrigen Ortschaften an der Kieler Föhrde. In den Straßen, durch die sich der Zug bewegte, wehten viele Trauerfahnen. Die Kriegsschiffe hatten sämtlich halbmast geflaggt. Auf dem Bahnhof wurden bie Särge in einen Sonderwagen gehoben. Nach einem furzen Segensspruch und Gebet des Geistlichen trat die Ehrenkompanie vor und gab über den Särgen drei Salven als letzten Gruß der Marine ab.

Neue Rodefunfälle. Auf einer steil abfallenden Ro­delbahn in der Dresdener Vorstadt Plauen prallte die Ehe­frau eines Gendarmen, die in voller Geschwindigkeit die Bahn hinabfuhr, mit solcher Gewalt gegen einen Pfahl, daß der Schlitten zerschellte. Die Unglückliche wurde ent­setzlich zugerichtet und starb auf der Stelle. Der 45jährige Postassistent Paul König aus Dresden, der auf einer Ro­delbahn bei Loschwitz schwer verunglückte, ist gestern sei­nen Verlegungen erlegen. Insgesamt sind in den letzten Tagen in Tresden und in der weiteren Umgegend etwa 100 mehr oder weniger schwere Rodelunfälle vorgekommen.

Die Furcht vor dem Polizeihunde. In Elsterwerda wurde vor einigen Tagen ein Diebstahl begangen. Einem Geschirrführer wurde ein höherer Geldbetrag aus der Ta­sche gestohlen. Der Polizeihund Held" sollte kommen, doch leider ging dies nicht gleich. Immerhin pflanzte es sich von Mund zu Mund fort: Morgen früh um 9 Uhr tommt der Polizeihund! Alles war in großer Aufregung, am meisten vermutlich der Dieb. Denn am frühen Mor­gen fand der Bestohlene sein Geld wohlverwahrt wieder vor, und Held" brauchte nicht in Tätigkeit zu treten.

Das Schicksal eines Prinzen. In Mailand wurde ein armer Teufel verhaftet, der seine Droschke nicht be­zahlen konnte. Er wurde als Prinz Ferdinand Alfons de Lignori aus dem Hause des Fürsten Bresina in Lugano identifiziert. Man fand bei ihm eine leere Schnapsflasche und Briefe des päpstlichen Geheimsekretärs Bressan, in denen er dem Prinzen rät, sich mit seiner von ihm getrennt lebenden Frau auszusöhnen und inzwischen ins Kloster Montecassino zu gehen. Der Prinz wurde einem Tempe­renzlerinstitut übergeben.

Zu den Goldfunden in der Eifel wird der Köln. Ztg. von einem Fachmann auf Grund der Resultate einer ein­gehenden Untersuchung über die Lagerstätten in der Eifel mitgeteilt, daß die Spekulation in sehr übertriebener Weise eingesetzt habe und in ihren Erwartungen weit über das Ziel hinausschieße. Auf Grund genauester Berechnungen fönne man annehmen, daß jetzt ein Arbeiter pro Tag 12 Gramm Gold zu Tage fördert. Eine genügende Ausdeh­nung der Lagerstätten sei vorhanden, aber dann ergebe sich auch wieder die bedeutungsvolle Frage, ob man mit genügend Wässern zur Abwässerei rechnen könne. Wenn man alles dies gebührend berücksichtige, so komme man zu dem Ergebnis, daß eine Rentabilität des Abbaues sich nur unter der Voraussetzung erhoffen lasse, daß sich später­uin ein größerer Goldgehalt des Gesteins herausstellt, als die bisherigen Mutungen zu Tage gefördert haben.

Einen Aufruf zur Sammlung von Geldern für die Errichtung eines Alters- und Invalidenheims für deutsche Seeleute erläßt das Präsidium des Deutschen Flottenver­cins. In dem Aufruf heißt es: Noch bleibt viel Not zu lindern übrig in der großen Menge der Seeleute, die im Frieden infolge unausgesetzter anstrengender Arbeit, im Kampfe mit Wind und Wetter und unter den verderbli­chen Einflüssen der Tropen ihre Gesundheit verloren ha­ben und frühzeitig gealtert sind, die, während sie ihr Le­ben auf den Meeren zubrachten, zu Hause heimatlos wur­den und nun einem trüben, einsamen Lebensabend in Not und Krankheit entgegengehen. Hier helfend einzugreifen ist eine Aufgabe, bei der mitzuwirken gewiß viele in un­serem Verein bereit sein werden, und so haben wir es mit Freuden begrüßt, daß ein langjähriges, treues und beson­ders opferwilliges Vereinsmitglied uns durch lettwillige Verfügung eine erhebliche Summe als Grundstock für Sammlungen zugesichert hat, deren Ergebnis der Versor­gung alter und invalider Seeleute der Kriegs- und Han­delsmarine gewidmet werden soll. Wir wenden uns da­her an alle unsere Mitglieder, besonders auch an die im Ausland lebenden, denen ja die Verdienste unserer waderen Seeleute am besten bekannt sind, mit der herzli­chen Bitte um Beiträge nach Makgabe ihrer Mittel, um

recht bald an die Ausführung des großen Werkes gehen zu können. Auch die kleinsten Gaben unserer weniger be­mittelten Mitglieder sind uns willkommen, die gewiß nicht abseits stehen wollen, wenn es gilt, Not und Elend zu lindern."

Eine wohlhabende Almosenempfängerin. Mitte De­zember v. J. starb in Berlin die 76 Jahre alte Witwe Kollinsti, die in der Lothringer Straße im Keller eine Wohnung innehatte. Seit dem vor einem Jahre erfolg­ten Tode ihres Mannes, der Pantoffelmacher gewesen war, erhielt sie Armenunterstützung. Die Frau lebte in den allerdürftigsten Verhältnissen, sie schlief in einem Wasch­faz und ernährte sich nur äußerst mangelhaft; nur dem Schnaps war sie zugetan und hatte hierfür immer Geld übrig. Jn ihrem Keller sammelte sie ganze Berge von Lumpen an. Nachdem der Tod sie ereilt hatte und sie auf Kosten der Armendirektion beerdigt worden war, kamen ihre Erben, die vermuteten, daß die Verstorbene Geld zu­sammengebracht haben müsse, und durchsuchten die vor Schmutz starrende Kellerwohnung. Unter Lumpen und Schutthaufen fand man 1000 Mark in Gold, einen Beutel voll Fünfmarkstüde, und weiter in den Kleidern Papier­geld eingenäht. Die gesamten Lumpen wurden sodann für 10 Mark es waren gegen fünf Zentner an einen Produktenhändler verkauft. Als dessen Frau zufällig ein Keilkissen auftrennte, um dessen Füllung zu verwenden, fand sie darin ein Sparkassenbuch über 1700 Mark, die bei der Sparkasse in Pantow angelegt waren. Die Frau hän­digte das Buch den Erben aus, die ihr 100 Mark Finder­lohn bezahlten. Im ganzen dürfte sich der Nachlaß der Verstorbenen auf etwa 4000 Mark belaufen.

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Ein folgenschweres Grabenunglück hat sich zwischen Sosnovice und Granica an der schlesischen Grenze ereig net. Bei einem Brand in der Grube Casimir" sind, so­weit bisher festgestellt werden konnte, über vierzig Berg­leute in den Flammen umgekommen. Das Unglück ereig­nete sich auf der zweiten Sohle, in der an einer abgebauten Sohle das Feuer zu einer Zeit ausbrach, als über 40 Grubenleute dort arbeiteten. Der beißende Rauch drang an die Arbeitsstätte, und die Bergleute bemerkten entsetzt, daß ihr Leben in Gefahr sei. Laute Schreie ertönten. Alles stürzte nach dem Ausgang. Die Gefahr war sehr groß; die Leute warfen ihr Handwerkszeug und ihre Klei­dung von sich, um schneller laufen zu können. Gleichzeitig ordneten Beamte die Absperrung des Brandherdes an. Sämtliche Opfer sind Familienväter. Die Grubenverwal­tung vermeigert jede Auskunft über das Unglück.

" Früh krümmt sich"! Wie alte Verbrecher arbeiten" zwei entsprungene Fürsorgezöglinge, die gestern von der Berliner Kriminalpolizei festgenommen wurden. Ein Max Zyballa und ein Karl Schüler entwichen am 11. November v. J. aus der Anstalt zu Strausberg, trieben sich seitdem in Berlin umher und lebten nur von Diebstählen. Die Bur­schen lagen den ganzen Tag auf der Straße und kundschaf= teten aus, wo ein Ding zu drehen" sei. Von ihren vielen Straftaten seien nur zwei erwähnt. Eines Nachmittags um 4 Uhr schlich sich Zyballa in einen kleinen Kleiderkeller, wäh­rend der Geschäftsinhaber sich in einem Raum hinter dem Laden aufhielt. Er versteckte sich zwischen den Kleidungs­stücken, die an den Riegeln hingen, bis nach Geschäftsschluß. Nachdem der Geschäftsmann weggegangen war, und seine anderswo gelegene Wohnung aufgesucht hatte, schraubte der Bursche die Tür von innen auf, nahm die Ladenkasse von 80 Mart an sich und ging mit seinem Spießgesellen, der draußen gewartet hatte, unangefochten davon. In einem Schuhmacherkeller der Neanderstraße sah Zuballa, wie die Kunden hinuntergingen und herauffamen, und hatte bald heraus, daß die dritte Treppenstufe beweglich war und mit einer Klingel im Wohnraum in Verbindung stand. Als der Laden wieder einmal leer war, sprang 3yballa über diese bewegliche Stufe hinweg in den Keller hinein, erbrach mit einer Schere, die auf dem Ladentische lag, die Kasse und steckte deren Inhalt ein. Als er damit gerade fertig war, kamen die Töchter des Meisters aus dem Wohnraum nach dem Laden, sahen, daß die Kasse erbrochen war, und er= hoben ein großes Geschrei. Der Bursche hatte gerade noch Zeit, hinter einen großen Karton zu kriechen, der in einer Ecke stand. In der Verwirrung blieb er unentdeckt. Eines der Mädchen trat sogar auf seine Füße, die unter dem Kar­ton hervorragten, ohne es zu merken. Während man lief, um die Polizei zu holen, entschlüpfte der Dieb. Bei den Nachforschungen nach den jugendlichen Dieben sahen Krt­minalbeamte sie in ein Haus der Andreasstraße hineingehen, konnten sie aber dort nicht finden. Später ergab sich, daß sie am Torweg eine Platte hochgehoben hatten und dann durch einen Schacht in den Keller eingestiegen waren. Von unten aus hatten sie die Platte wieder zurecht gerückt. Die Burschen benutzten den Keller schon lange als Nachtlager. Als Zyballa ihn jetzt in der Frühe durch den Schacht ver­laffen wollte, wurden er und Schüler ergriffen.

Opfer der Fremdenlegion. Der Ulan Birkel von der ersten Eskadron des Rheinischen Ulanenregiments in Saar­brücken war im Sommer v. J. fahnenflüchtig geworden und ließ sich dann bei der Fremdenlegion anwerben. Durch die Anstrengungen und Strapazen im Marokkofeldzuge wurde er herzleidend, worauf wegen Dienstunbrauchbarkeit seine Entlassung erfolgte. Schwerkrank wurde er an die Grenze abgeschoben und stellte sich dann freiwillig bei seinem Trup­penteil. Er mußte jedoch sofort dem Lazarett überwiesen werden. Jetzt ist Birkel zur Beobachtung seines Geistes­zustandes der öffentlichen Frrenabteilung des Militärlaza­retts in Straßburg zugeführt worden.

Aus alten deutschen Hofordnungen.

Der kulturgeschichtliche Wert der alten deutschen Hof­ordnungen darf ziemlich hoch angeschlagen werden, denn sie gewähren uns einen ziemlichen Einblick in das Leben und Treiben an deutschen Höfen in früheren Jahrhunder­ten. Aus einer von Herzog Ernst zu Sachsen- Gotha unter dem 1. Februar 1648 erlassenen Hofordnung ersieht man, daß das Mittagessen um 3/11, das Abendessen um 3/6 aufge= tragen wurde. Bei Androhung ernster Strafe wird den Bedienten verboten, verschlossene Gemächer und Behälter zu erbrechen, um Kleinodien, goldenes Geschmeide, goldene oder silberne Münzen, Perlen, Silbergerät und andere mit dem herzoglichen Namen und Wappen gezeichnete wertvolle Gegenstände zu entwenden. Niemand sollte sich gelüften lassen, von der Suppe und anderen Speisen zu essen und zu, flauen", bevor man sich bei Hofe zur Tafel gesetzt hätte.

Gemäß einer Stolbergischen Hofordnung vom Jahre 1735 sollten sich die Pager und Kammerlafaien bei Strafe des spanischen Mantels alles Naschens aus den Schüsseln und Trinkens des übriggebliebenen Weines enthalten. Bei der Speisung an den Beitischen hatten sie sich still und sitt­sam aufzuführen und während der Mahlzeit alle unnützen, sündlichen und ärgerlichen Reden zu vermeiden. Eine hessen­darmstädtische Hofordnung aus dem Jahre 1718 unterrichtet uns von hochschädlichen Konfusionen", die aus der Spei­sung des weiblichen Hofpersonals entsprungen seien. Der Kammerfrau der Erbprinzessin wird zum Vorwurf gemacht, sie habe sich zwischen den Mahlzeiten allerlei Viktualien zum Kochen und Backen verabfolgen lassen. Der Hofton­ditorei wird eingeschärft, fernerhin naschsüchtigen Hoffräu­leins nicht mehr nach deren Belteben Kaffee, Tee, Zucker und Konfitüren auszuhändigen. Mit den Frühsuppen für die adeligen Fräulein wäre es ebenio au halten wie früher:

wenn eine die ihr geschickte Suppe nicht annehmlich" fände oder fle zurückschickte und eine andere begehrte, dann sollte ihr an demselben Tage überhaupt keine Suppe mehr fer­viert werden. Dem Mundschenk wird bei Strafe der Kassa­tion verboten, den Hoffavalieren nach ihrem willkürlichen Verlangen die großen Deckelgläser mit Wein füllen zu lass sen. Das starke Trinken und Vollsaufen, das dem Hofe nur zur Unehre gereiche, solle abgestellt werden.

Eine Frauenzimmerordnung der Herzogin Sophie von Mecklenburg aus dem Jahre 1654 wirft auf die höfische Sittengeschichte jener Zeit helles Licht. Der Hofmeisterin wird hier anempfohlen, im Frauengemach gutes Regiment zu halten, die Jungfrauen zu guter Zucht und Ehrbarkeit zu ermahnen. Sie dürfe ihnen feine Wildheit" oder Frech­heit" gestatten, und wenn die Junker sich im Frauengemach befänden, solle sie nicht zugeben, daß in Winkeln heimliche Gespräche geführt würden. Aller leichtfertigen Reden und Gebärden hätten sie sich gänzlich zu enthalten, sie dürften auch nicht vor der Tür und auf den Gängen mit den un­fern, Knechten oder Jungen schwatzen. Beim Tanzen er­wartete man von ihnen gesittetes Betragen, fein lautes Gelächter mit den Junkern, fein Heraustreten aus der Reihe, feine Aeußerungen, die mit der guten weiblichen Sitte im Widerspruch wären. In der Kirche sollten sie weder miteinander schwaben noch schlafen, sondern dem Pre­diger aufmerksam zuhören, beim Gesang sämtlich mitsingen und ihren Schöpfer loben. Wenn sie die Erbröde" der Herzogin anhätten, müßten sie die Gewänder schonen; ver­dürbe eine von ihnen ein solches Kleid mutwillig, dann wäre sie verpflichtet, ihrer Gebieterin ein neues machen zu lassen.

Drahtnachrichten und neuestes.

Der Kaiser besucht das Achilleion. Berlin, 21. Januar. Der Kaiser wird nach den vor­läufigen Dispositionen im Frühjahr dem Achilleion auf Korfu einen Besuch abstatten. Dagegen wird die Behaup= tung eines Brüsseler Blattes, der Kaiser werde auf der Rückreise von Korfu Rom besuchen, offiziös als nicht zu­treffend bezeichnet.

Keine Erkrankung der Kaiserin.

Berlin, 21. Januar. Die von einem hiesigen Blati gebrachte Nachricht, die Kaiserin sei an einem Augenleiden erfrankt und ein Wiesbadener Arzt set nach Berlin gerufen worden, entbehrt in allen Teilen jeder tatsächlichen Unter lage.

Tod eines deutschen Admirals. Berlin. 21. Januar. Konteradmiral Grühler, beauf tragt mit der Führung des Kreuzergeschwaders, der seit ets niger Zeit an Typhus erkrankt war, ist gestern in Hong­fong gestorben.

Ein gemeingefährlicher Bursche. Berlin, 21. Januar. Gestern wurde ein Spitzbube vers haftet, der es sich zur Aufgabe gemacht hatte, Schulfnaben zu Ladenkassendieben auszubilden. Er ging in der Weise zu Werke, daß er mit einem Knaben wie zufällig gleich­zeitig ein Geschäft betrat und etwas forderte, was im Las den nicht gerade vorrätig war. Während der Ladeninhaber dann ging, um den Gegenstand zu holen, schlich sich der Knabe hinter den Ladentisch und plünderte die Kaffe. Ge­stern raubten die Diebe in einem Falle etwa 80 Marf.

Blutige Schlägerei zwischen Matrosen und Arbeitern. Bremen, 21. Januar. In der vergangenen Nacht fand eine blutige Schlägerei zwischen Arbeitern und Ma­trosen statt, wobei ein Matrose durch Stiche in die Lunge so schwer verletzt wurde, daß er bald nach der Einlieferung ins Krankenhaus starb. Auch zwei andere Matrosen wurs den schwer verletzt.

Folgenschwerer Gerüsteinsturz.

Kerpen( Eifel), 21. Januar. Infolge Einsturzes eines Baugerüstes wurden zwei Arbeiter getötet und meh< rere schwer verletzt.

Grubennnfälle im Ruhrrevier.

Effen( Ruhr), 21. Januar. Auf Schacht 3 und 4 der Zeche Matthias Stinnes in Horst hat sich gestern ein schweres Grubenunglück ereignet. Dort wurden drei Berg­Leute verschüttet. Einer ist tot, die beiden andern schwer verletzt. Auf der Zeche Julia bei Herne wurde ein Berg­mann durch hereinbrechendes Gestein erschlagen. Auf der Zeche Viktoria stürzte ein Arbeiter ab und starb an einem Schädelbruch.

Infolge Einatmens giftiger Gase erkrankt.

Köln, 21. Januar. In den Wiesdorfer Farbwerken ers eignete sich ein folgenschweres Unglück. 15 Arbeiter, die in einem besonderen Arbeitsraum ihr Mittagsessen ver­zehrt hatten, fielen, als sie wieder ins Freie traten, be= sinnungslos zu Boden. Sechs mußten alsbald nach dem Mülheimer Krankenhaus geschafft werden, wo einer bereits gestorben ist. Die Vergiftung ist anscheinend durch Ein­atmen von. Wasserstoffgasen entstanden.

Feuer in einer Schule.

Paris, 21. Januar. In Cajarc brach in der Volks­schule Feuer aus. Der Letter der Schule starb an seinen schweren Brandwunden. Sieben Schüler erlitten starfe Verletzungen.

Dampferbrand auf hoher See.

London, 21. Januar. Aus Albany( Australien) wird gemeldet, daß der britische Stahlschraubendampfer Parifiana auf der Fahrt von Neuyork nach Albany am 13. Dezember v. J. verbrannte. Nach vergeblichen Anstrengungen, den Brand zu löschen, verließ die aus 35 Köpfen bestehende Be­satzung das Schiff und erreichte auf Rettungsbooten am 19. Dezember die St. Pauls- Inseln. Drei Mann starben un­terwegs an Erschöpfung. Die Ueberlebenden fanden an der Küste ein Nahrungsmitteldepot, von dessen Vorräten sie lebten, bis sie von einem englischen Dampfer gefunden wur­den, der sie nach Albany brachte.

Amerikanische Räuberromantik. Neuyork, 21. Januar. Vier Räuber drangen in dit Wohnung eines Logierhauses ein und zwangen mit vorge­haltenen Revolvern sechs Gäste, ihr Geld und die Schmuck sachen auszuliefern. Dann verschwanden sie spurlos.

Fünffacher Mord aus Geldgier. Petersburg, 21. Januar. In dem Orte Manyag hal sich ein furchtbares Verbrechen abgespielt. Ein Lehrer holte abends seinen Freund, einen Kaufmann, ab, um ein Wirtshaus zu besuchen. Als der Kaufmann seinen Laden abschloß, bemerkte der Lehrer, daß der Kaufmann eine größere Geldsumme in die Ladenkasse einschloß. Da erwachte in dem Lehrer die Begierde nach dem Geld. Er entfernte sich bald aus dem Wirtshaus unter einem Vor­wande, worauf er sich zu der Frau des Kaufmannes be­gab und sie um den Ladenschlüssel ersuchte, da er in dem Geschäftslokal etwas vergessen habe. Ahnungslos folgte die Frau dem Freunde ihres Mannes den Schlüssel aus. Kurz darauf hörte die Frau einen dumpfen Fall im Laden. Sie begab sich mit dem Kinde auf dem Arm nach dem Laden, um nachzusehen. Hier fand sie den Geschäftsdiener in einer Blutlache liegen. Dieser hatte den Lehrer bek der Plünderung der Kasse überrascht und war von diesem mit einem schweren Instrument niedergeschlagen worden. Als der Räuber die Frau erblickte, schlug er auch diese samt dem Kinde zu Boden. Dann brachte er noch das Dienstmädchen und die Schwester eines Nachbarn um, die von dem Lärm herbeigelockt waren und stürzte endlich ins Freie. Den Gendarmen gelang es, den Mörder fest­zunehmen.