Ausgabe 
21.10.1911 Zweites Blatt
 
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Am verständnislofeften für vieles find die

Derstandesmenschen.

( C. Stein.)

Das Reich der Frau.

Dasselbe, was wir fäen,

Müssen wir schneiden und mähen. ( Gottfried v. Straßburg.)

11, XX.

Modeneuheiten.

Durch die unerträgliche Bize in den vergangenen Monaten haben die Konfektionäre länger gezögert als fonft, ihre neuheiten herauszubringen, legte doch auch Paris erst in der letzten Hälfte des Auguftmonats feine Modelle vor. Was nun speziell das Straßenkleid und den Mantel anbetrifft, so bewährt fich der enge Roch noch immer, sowie auch die in einem Stück geschnittene Bluse, die wir wegen der angeschnittenen Aermel Kimonobluse nennen, und der Empiremantel ist und bleibt der drifte im Bunde, ein Beweis für die Vorzüglichkeit dieser Kleidungsstücke im Gebrauch. Aber auch weitere Röcke in Glockenform tauchen hier und dort auf. Sichus und Volants geben der Sigur eine breitere Sorm, und für Ball und Gesellschaft wird vielen die Schleppe wieder als notwendigkeit erscheinen. Glauben Sie aber nur nicht, meine Damen, daß alles so unbedingt angenommen wird, was die Herrscherin Mode vorschreibt. Durchaus nicht, das bewies uns im vorigen Jahre die oftentative Ablehnung des Hosenrocks, trotz aller Bemühungen der Konfektionäre, die gern ihr Geschäft damit gemacht hätten.

Wer da nun aber sagt, daß die neue Saison nichts neues gebracht hätte, der schaue sich nur unsere Straßenkleider an mit ihren verschiedenartigsten Jacken, die lang, halblang und kurz mit und ohne angesetzten Schoß, mit schrägem und geradem Schluß, mit angeschnittenen und eingesetzten Aermeln gearbeitet sind. Und welche Dielseitigkeit herrscht in den Stoffen und Besätzen! Die Vor­liebe für das englische Gewebe brachte das Grobe, Kompakte auf den Markt, und so sehen wir Slauschstoffe, englischen Slanell, tuchartigen Sries, Tweed, Covercoat, Bomespun und Bibelinplüsch zu unseren Berbst, und Winterkostümen verarbeitet.

Apropos Winter! Ja, im Winter werden die dicken, langen Pelzarten vorherrschend, wie Skunks und das ihm ähnliche, aber weniger wertvolle Opossum, sowie Alaska Suchs, doch auch Chinchilla, Bermeline und die anderen bekannten Edelpelze werden an der Tagesordnung sein. Ein empfehlenswerter Besatz find außerdem die breiten Borten und großen Knöpfe. Häkelknöpfe, glatt polierte Goldknöpfe, an denen die farbig eingesetzten Steine wie Edelsteine hervorblitzen, Belluloid­knöpfe mit kantigen Rändern, überzogene Seiden, Sammet und Stoffknöpfe, blitzende Kristallknöpfe mit farbigen Rändern, und die absonderlichsten Phantasiegebilde werden sehr zum Ausputz beitragen. Auch für die Hüte erwarten Sie keine besonderen neuen Sormen! Aber das reichhaltigste Material zum Aufputz wird ihnen besonderen Reiz verleihen. Sedern, viele Sedern! Keck zugestutzte denn wie dem großen But, so Phantasiefedern jeden Genres, breite, ungeknüpfte Straußfedern foll auch den Pleureusen die Existenzberechtigung abgesprochen werden. Trotzdem aber werden sie sich ebenso wie der große But behaupten; das vom But herabrieselnde Sedergewoge ist eine viel zu kleid fame Tracht als daß die Srauen darauf verzichten würden. Noch immer gestattet die Mode, daß auch im Winter Blumen auf den Büten erblühen. Wunderschöne Eremplare mit Goldmotiven, wie überhaupt Metallwirkungen, Jett und Perlen bilden einen beliebten Aufputz.

Was aber wirklich aus all dem Genannten als Bleibendes hervorgehen wird? Wer kann das vorher prophezeihen? Stehen uns doch noch ganz besondere Ueberraschungen bevor, denn unsere Künstler, denen die jetzige Srauenkleidung ein Dorn im Auge ist, wollen uns eine neue, künstlerische Srauentracht bescheren, ohne Anlehnung an die Antike, überhaupt ohne ein historisches Vorbild! nur aus der Gegenwart Geschöpftes, den Bedürfnissen der modernen Srau Entsprechendes soll als Resultat ihrer Schöpferkraft in künstlerischer Vollendung dargeboten werden. Da aber all das ohne Mithilfe der Schneiderin geschehen soll, so stehen die Sachleute diefem Streben der Künstler etwas skeptisch gegenüber, denn die Erfahrung hat überall gezeigt, daß vor allen Dingen auch der Technik Rechnung getragen werden muß, und das besonders bei Die Srauenwelt nimmt der Anfertigung unserer Garderobe.

nicht mehr so ohne weiteres die Mode aus der Band des Künstlers entgegen, ohne Garantie für den fachtechnischen Wert des Kunst. werks. Solgen die Srauen doch selbst nicht so bedingungslos den herrschenden Modekönigen und königinnen, wie Madame Paquin, Drécoll, Poiret u. a. und nehmen nicht alles widerstandslos auf, was diese gern lanzieren möchten. Unsere Srauenwelt wählt, prüft, überlegt, hat den Wunsch nach etwas Bleibendem, aus dem künftighin wieder neues entstehen kann. Sie selber erkennt oft die Unzulänglichkeit dessen, was die mode ihr vorschreibt, kann sich dem aber, ohne aufzufallen, nicht immer entziehen; deshalb würde sie die von den Künstlern ausgegangene Botschaft gläubig aufnehmen, wenn diese die Einsicht hätten, daß sie ohne technischen Beirat auf diesem Gebiete nicht das Richtige schaffen können. Boffen wir also, daß sie selber erkennen, daß Kunst allein uns in der Mode nicht vorwärts bringen wird, sondern hier heißt es:" Kunst und Bandwerk zu einem schönen Ganzen zu vereinen", denn die Mode kann nie in den Dienst der reinen Kunst gestellt werden, sie gehört in die Kategorie des Kunsthand­werks, dem ja heute ein so weites Seld offen steht, das nur der Bearbeitung harrt. Belene Grube.

Die Vorzüge des kurzen Rocks.

Diel ist geredet und vielleicht noch mehr geschrieben über die Mode des engen, kurzen Rocks; meistens aber hörten wir nur Tadel, dem einen war der Rock zu eng, dem andern zu kurz. Sreilich, gibt es überall Auswüchse, und die, welche die Röcke zu eng tragen, und dadurch am Ausschreiten gehindert werden, oder den Rock so kurz geschnitten haben, daß die Grenze des Suffreien überschritten, tun das auf ihr eigenes Risiko, niemand wird einem solchen Gebaren das Wort reden oder es gar nachahmenswert finden. Die mode an und für sich ist des. halb nicht zu tadeln, sondern nur die Auswüchse. Es wäre sogar sehr zu bedauern, wenn dem kurzen Rock das Todesurteil gesprochen werden sollte. Auf der Straße, im täglichen Leben, möge er überall vorherrschen, wenn auch der Schleppe für den Salon die Daseinsberechtigung nicht abgesprochen werden soll.

Sigur 2,

Wie kühn und frank präsentiert sich das kurze Kleid auf unserem Modell; magemutig schreitet die Srau in einem solchen Gewand einher, kein Bindernis hemmt ihren Suß, kein lästiges Aufheben des Rocks stört ihre Bewegungsfreiheit, nicht einmal im Regenwetter, keine Unbequemlichkeit beim Treppensteigen, und was die größte Hauptsache und von außerordentlicher hygienischer Bedeutung ist, kein Staubaufwirbeln, kein breiter Schmutzsaum und infolgedessen ein bequemes Reinigen des Rocks für Hausfrau und Dienstboten.

Stellen wir nun allen Vorzügen des kurzen Rocks die Nachteile des weiten, langen ja vielleicht gar schleppenden gegenüber, so wird dieser Vergleich unbedingt zugunsten des ersten ausfallen. Betrachten wir nur einmal das Modell, das uns durch Abbildung 2 dargestellt wird! Wie lästig mußte den Srauen der dreißiger Jahre des vorigen Jahrhunderts das Tragen des aus schwerem Stoff mit wogenden Dolants garnierten weiten und langen Rocks werden. Sür unsere heutigen Begriffe hat die ganze Tracht etwas ungraziöses, ja Unbeholfenes und wurde besonders dadurch recht unbequem, daß sie sowohl auf der Straße als auch im Simmer ein Aufheben des Rocks an jeder Seite erforderte, durch das die vorderen und hinteren Bahnen mit aufgerafft wurden. Und da die Mode ja stets ihre höchsten Triumphe in starken Kontrasten suchte so unkünstlerisch das auch sein saß auf dem voluminösen Unterbau eine spindeldürre Taille, die durch den spitzen Schneppen. gürtel und die weitbauschigen Aermel noch besonders hervorgehoben wurde.

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Die Frau als Vormund.

Es ist etwa ein Menschenalter her, daß in Deutschland die letzten Reste der sogenannten Geschlechtsvormundschaft verschwanden. Darunter versteht man die Vormundschaft über die Srau als solche, also auch die über die unver heiratete volljährige Srau. Und noch bis zum 1. Januar 1900 finden wir im Gebiet des Bayrischen Landrechtes das uns heute unglaublich anmutende Büchtigungsrecht des Ehemanns seiner Srau gegenüber. Der Mann konnte seine Srau erziehen und hierzu angemessene Buchtmittel" anwenden.

Sage man also, was man will, der kurze Rock ist entschieden dem langen und längeren vor. zuziehen. Er wird voraussichtlich auch noch lange seine Herrschaft behaupten und sich nicht durch mach arten verdrängen lassen, die uns an unserer freien Bewegung hindern, ist es doch auf allen Gebieten gerade Bewegungsfreiheit, was die Srauen fordern, wie unlogisch wäre es also, sich täglich, ja stund. lich durch die Kleidung Hemmnisse zu bereiten, die weder auf Schönheit Anspruch machen können, noch dem Nützlichkeitsprinzip entsprechen. Auch verlangt die geistige Bewegungsfreiheit unbedingt diejenige des Körpers, und wer könnte bei rastloser Arbeit und in dem Drange der Geschäfte, wie fie heute von den Srauen verlangt werden, eine Kleidung ertragen, die nur zum ruhigen Vorwärts. schreiten geschaffen zu sein scheint. Wir brauchen einfache, aber formenschöne Kleider, ohne wertlosen Bierrat, als einzigen Schmuck vielleicht nur gediegene und künstlerisch ausgeführte Handarbeiten. A. 6.

Frauen!

Beachtet, leset und abonniert die

Empfehlt bei den Geschäftsleuten die

Unser Bürgerliches Gesetzbuch ist so weit von dem Ge. danken einer rechtlichen Minderwertigkeit der Srau entfernt, daß es vielmehr die Srau als Vormund kennt. Allerdings bringt das Amt des Vormundes einen so umfangreichen und tiefgreifenden Pflichtenkreis mit sich, daß es bezüglich der verheirateten Srau angemessen erscheinen mußte, die Interessen ihres häuslichen und mütterlichen Wirkungskreises in Betracht zu ziehen. Deshalb bestimmt das Gesetz, daß eine solche Srau nur mit Justimmung ihres Mannes zum Vormunde bestellt werden soll. Würde das Vormundschafts­gericht sie ohne Zustimmung ihres Mannes zum Vormunde bestellen, so würde allerdings dennoch die Bestellung gültig sein.

Das Vormundschaftsgericht kann ferner eine Srau, die zum Vormunde bestellt war, entlassen, wenn sie sich verhei ratet, selbst wenn ihr Mann mit der Vormundschaft einver. standen ist. Es muß die Srau entlassen, wenn der Mann dies verlangt, selbst wenn er früher zugestimmt hatte.

Ob dieses willkürliche Bestimmungsrecht des mannes Es gesetzgeberisch glücklich ist, darüber läßt sich streiten. wäre vielleicht besser gewesen, auch hier den Gedanken, den unser Gesetzbuch sonst bei Chegatten verfolgt, durchzuführen, daß nämlich die Bestimmung des Mannes dann rechtlich wirkungslos ist, wenn sie sich als Mißbrauch des ehemänn lichen Rechtes zeigt. Hier sehen wir noch ein wenig die Eierschalen des früheren Rechtszustandes, der der Srau überhaupt die Vormundschaft verschließt.

Auf der anderen Seite sehen wir ein Vorrecht der Srau im§ 1786. Unser Recht kennt im allgemeinen sogenannte weibliche Rechtswohltaten nicht mehr. Das sind Vergün. stigungen, die die Srau mit Rücksicht auf ihre weibliche Schwäche genießt. Denn unser Recht hält sie ja eben dem Manne für ebenbürtig. Es weiß nichts von weiblicher Schwäche. So erscheint uns die Vergünstigung des§ 1786

Sigur 1.

als eine nicht vollkommen konsequente Artigkeit des Gesetzgebers. Wenn nämlich jeder andere Deutsche durch Ordnungsstrafen bis zu 300 m., die wiederholt werden können, zur Sührung der Vormundschaft gezwungen werden kann( wenn er nicht gewisse Ablehnungsgründe hat), darf eine Srau, gleichviel ob sie verheiratet oder unverheiratet ist, die Sührung einer Vormundschaft ohne Angabe von Gründen ablehnen.

Die Sührung einer Vormundschaft durch eine Srau erscheint unserem Empfinden als erheblicher Sortschritt im Rechtsleben. Insbesondere wird hier der kinderlosen Srau ein reiches und dankbares Gebiet zur Betätigung ihrer mütterlichen Instinkte erschlossen. Verargen wir daher dem Gesetzgeber nicht allzusehr, wenn er auf seiner neuen Bahn sich noch etwas zaghaft und linkisch zeigt! Danken wir ihm vielmehr, daß er überhaupt diese neue Bahn zu betreten wagte!

Deutsche Srauen insbesondere können diesen Dank nicht schöner betätigen, als indem fie jede sich bietende Gelegenheit zur Sührung einer Vormundschaft ergreifen und die Pflichten eines Dor Dr. jur. 2- d. mundes mit Gewissenhaftigkeit erfüllen!

Ein Wort zur Reform des Handarbeitsunterrichts.

Die Bandar that von jeher im Leben des Mädchens eine Rolle gespielt. Wer nicht mit der Made! umzugehen verstand, galt bei unseren Großmüttern und Urgroßmüttern nicht viel, und deshalb durften in der guten, alten Zeit unsere Mädchen die Handarbeit auch nicht als etwas nebensächliches betrachten, sondern mußten mit der Nadel in einer Woche mehr zusammenhalten, als manche heute vielleicht in einem Jahre. Dabei kannte man in den Schulen keinen methodischen Unterricht, jede arbeitete, was mutter ihr mitgegeben hatte, und wenn in der Nähschule" nicht genügend geschafft wurde, setzte die Mutter sich selber zu ihren Kindern und half die Lücken ausfüllen. Als dann etwas mehr Methode in den Bandarbeitsunterricht kam, und die geisttötenden 3eichen, näh., Stopf- und Slicktücher in geordneter Reihenfolge gearbeitet wurden, die Mutter aber mit der zunehmenden An forderung, die die sich immer weiter ausdehnende Geselligkeit an sie stellte, nicht mehr genügend Zeit fand, ihren Töchtern praktische Anleitung im Bause zu geben, zeigte es sich bald, daß die folgende Generation immer ungeübter wurde, und einsichtige Sachleute bemühten sich, Wandel zu schaffen. Doch selbst die besten Methoden wie z. B. die Schallenberg'sche" konnte die alte 3eit nicht wieder zurückbringen, da der Lernstoff auch für Mädchen immer mehr anwuchs, und Musik, Malen, fremde Sprachen ihnen wenig Zeit zu Nadelarbeiten ließen, es kam sogar so weit, daß jede mühsame and arbeit als zeitraubend und wenig nußbringend verpont war, hatte man doch so vortrefflichen Ersatz durch die Maschine, die jegliches Bandnähen und sticken fast ganz unnötig machte.

Darauf folgte wieder eine neue Epoche! Die Erziehung des Kindes zur Kunst nahm ihren Bug durch die Welt, und auch die Schule bemächtigte sich des 3auberstabes, durch den bei allen Kindern künstlerische Inspirationen geweckt werden sollten. Sreie Entwürfe! nicht nur in der Zeichen­stunde, auch die Handarbeiten sollten nach selbsterdachten Motiven ausgeführt werden.

Selbstverständlich bin ich weit entfernt davon, diese Bestrebungen zu tadeln. Im Gegenteil! Die schon von Sröbel gelehrte Selbsttätigkeit des Kindes ist nach Kräften zu fördern und zum Selbst das eine tun und das andere nicht lassen, wäre auch hier anzuwenden, schaffen auszugestalten, aber- denn neben den anderen notwendigen häuslichen Sähigkeiten sollte die Srau vor allem mit der Nadel umzugehen verstehen. Wer von unseren jungen Mädchen kann aber jetzt noch eine ordentliche Naht nähen? Sehr wenige, sowohl unter den Schulpflichtigen, als unter den Schulentlaffenen. Die praktischen Resultate des in der Schule Gelernten zeigen sich meistens in dem Unvermögen der Mädchen einen Strumpf zu ftopfen und einen Slicken einzusetzen.

Die Bestrebungen der Reformler im Bandarbeitsunterricht in allen Ehren! Aber bei aller Betonung der Kunst im Leben des Kindes" follte auch so viel Zeit übrig sein, die Mädchen das so notwendige nähen, Stopfen und Slicken genügend zu lehren und dadurch den Grund zur Liebe zum Soliden und Dauerhaften zu legen, denn in der Konfektion unserer Tage ist das Billige Trumpf, und daß Gutes nicht für niedere Preise feil sein kann, wird nicht bedacht. Die billige und schlechte Ware wird leicht vertragen, zeigt sie erst einen Riß, folgen bald mehrere, der Stoff ist durch und durch mürbe geworden, da ist es nicht der Mühe wert, noch daran auszubeffern! Jegliches Unter zeug ist für geringen Preis mohlfeil im Laden fertig zu kaufen. Warum fich also erst die Mühe des Selbstanfertigens machen? Wozu also noch nähen und flicken, find das doch ganz veraltete Beschäftigungen bei dem Sortschritt unserer heutigen Industrie, so denken manche, und bedenken nicht, daß sie mit solchen Ansichten auf dem besten Wege zum Ruin sind. Die genannten Handarbeiten find heute eben so nötig für jede Srau, wie sie es im vorigen Jahrhundert waren. Man vergesse alfo vor dem Künstlerischen nicht das Praktische. Außerdem wären auch die Bestrebungen der Sreunde all der kostbaren Spitzen, Stickereien und anderer aus Großmutters Truhe herausgegrabenen Berrlich keiten und ihre Bemühungen, fie neu erstehen zu lassen, nicht zu verwirklichen, wenn unsere Mädchen es nicht gelernt hätten, die nadel in fubtilfter Weise zu führen. Da ist es aber vor allem nötig, daß Schule und Baus gemeinsam Band in hand arbeiten. Die Mutter muß 3eit finden, mit ihrer Tochter die Wäsche nachzusehen und das Mädchen anhalten, das in der Schule Gelernte weiter zu vervall kommnen und praktisch zu verwerten. Einige Stunden in der Woche würden dazu genügen und ohne daß andere wichtigere, künstlerische, hygienische, soziale, müßten sich dazu finden laffen die oft allerdings nur eingebildete Pflichten find gesellschaftliche und sonstige Pflichten vernachlässigt würden.

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