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GLANZI

Gießener Beitung

( Neueste Nachrichten)

Bezugspreis 50 Pfg. monatlich Enthält alle amfl. Bekanntmachungen

oierteljährlich 1,50 Mt., vorauszahlbar, frei ins Haus. Abgeholt in unserer Expedition oder in den Zweig­

der Großherzoglichen

ausgabestellen vierteljährlich 1,20 M. Erscheint Bürgermeisterei

Mittage 3 Uhr.

Redaktion: Seltersweg 83.

Für Aufbewahrung oder Rücksendung nicht verlangter ... Manuskripte wird nicht garantiert.... Verlag der ,, Gießener Zeitung" G. m. b.§.

Nr. 168.

Telephon: Nr. 362.

Landtagswahlvorbereitungen.

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Jm Landtagswahlkreise Langen- Neu­Isenburg wurde von den Sozialdemokraten wie­der Rechtsanwalt Dr. Fuld a- Darmstadt als Kandi­dat aufgestellt. Beigeordneter M. Mayer in Mainz läßt erklären, daß er eine Kandidatur zur Landtags= wahl nicht annehmen werde, da er seinem neuen Amte als Beigeordneter der Stadt Mainz seine ganze Kraft

widmen wolle.

Für Jatho.

Von 87 hessischen Pfarrern ist in Vilbel eine Ent­schließung gefaßt worden, die wir nachstehend im Wort­laut wiedergeben:

der

Wir unterzeichneten evangelischen Pfarrer Hessens erheben im Namen des Evangeliums, das wir zu ver­kündigen haben, entschiedenen Protest gegen die Abset­zung des Pfarrers Karl Jatho in Köln. Durch diese Absetzung wird der Eindruck erweckt, daß ein evangel. Pfarrer nach bestimmten Vorschriften predigen müsse, wenn er nicht Gefahr laufen will, sein Amt zu verlie­ren. Dadurch wird das Vertrauen zu der Wahrhaftig­keit unserer Verkündigung auf das tiefste erschüttert, was eine größere Schädigung der evangelischen Kirche bedeu­tet als alle vom Herkommen abweichenden Ueberzeu­gungen in ihrer Mitte. Wir bedauern die gänzliche Ver­ständnislosigkeit, die das Spruchkollegium gegenüber dem Versuch Jatho's, Menschen unserer Zeit den alten Got­tesglauben in Bildern und Gedanken unserer Zeit zu predigen bewiesen hat. Wir sind erschrocken, daß man innerhalb einer sich evangelisch nennenden Kirche Erhaltung der herrschenden theologischen Formulierung mehr Wichtigkeit beimißt, als dem Bekenntnis von Tau­senden, denen Jatho das Herz für christlichen Glauben und christliche Liebe warm gemacht hat; daß man wagt, einer Gemeinde den Seelsorger zu nehmen, den sie liebt und verehrt. Wir protestieren aber auch gegen den Ge­danken, daß die evangelische Kirche in irgend einer for­mulierten Lehre die maßgebende Wahrheit christlichen Glaubens besitze. Luther hat uns gelehrt, daß christl. Glaube eine innere Ergriffenheit des Herzens von Got­tes Liebe ist. Diese innere Ergriffenheit kann sich einen Ausdruck suchen, der mit dem Herkommen übereinstimmt. Sie kann aber auch in neuer Zeit neue Worte für das alte Evangelium suchen. Wer dies Suchen fesseln will, fesselt die Bewegungskraft lebendiger Frömmigkeit, fesselt das heiße Drängen, andern zu rechtem Verständnis Got­tes zu helfen, das Gott selbst in den Herzen seiner Kin­der wach ruft. Gegen diesen Versuch: zu dekretieren, daß innerhalb der evangelischen Kirche nur die herkömmliche Weise gelten dürfe, und daß Gott ihr keine Prediger er­wecken darf, die neue Wege suchen, erheben wir den allerschärfsten Protest, denn er ist Gottlosigkeit. Eine Kirche, die Lehrgesetze an die Stelle innerer Frömmig­feit und ihres Suchens nach dem ihr am besten ent­sprechenden Ausdruck setzt, ist nicht mehr die Kirche Lu­thers, Schleiermacher's, Arndt's. Sie geht den Weg, auf dem die Frömmigkeit erlischt und äußerliches Tun, Lehren, Beugen unter tote Autoritäten und Menschen an Stelle der wahrhaftigen Beugung vor Gott allein tritt. Als Diener unserer evangelischen Kirche wehren wir uns gegen das Beschreiten dieses Weges und hof­fen auf den Tag, da Jatho kraft des höheren Rechtes des Glaubens, in das Amt der evangelischen Kirche zu­rückgerufen wird, das ihm nach einem von menschlicher Kurzsichtigkeit und Unglauben diktierten Rechte genom­men wurde.

Aus Stadt und Land.

Gießen, den 20. Juli.

-h Die 5. Sitzung Groß h. Handelskam= und mer Gießen, für die Kreise Gießen, Alsfeld Lauterbach, beschäftigte sich u. a. mit folgenden Punkten: 1. Entwurf einer Verordnung betr. die Lagerung und Aufbewahrung feuergefährlicher Flüssigkeiten; 2. Han­delsgebräuche betr. den Kartoffelhandel; 3. Normal= maße und Packungen für Eisenwaren und Werkzeuge im Inlandsverkehr; 4. Erleichterung des Deutsch- Eng­lischen Rechtsverkehrs. Dem Geschäftsbericht entnehmen wir folgendes: 1. Die Handelskammer hat bei dem Kö­niglich preuß. Minister der öffentlichen Arbeiten die Aus­gestaltung der Bahnstrecken Alsfeld- Niederaula und Nie­deraula- Hersfeld als Vollbahnen befürwortet. 2. Einer Anregung des Handelsvereins Lauterbach entsprechend, hat die Handelskammer eine Späterlegung der Abfahrts­zeit des Juges 532 auf der Strecke Fulda- Gießen, etwa

des Großherzoglichen Polizei Amfes

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sowie vieler anderer Behörden Oberhessens Expedition: Seltersweg 83.

( Haus Brüder Schmidt.)

Donnerstag, den 20. Juli 1911.

auf 11 Uhr nachmittags, beantragt, wodurch die bis­her mangelnde Anschlußverbindung an den Zug 69 auf der Strecke Frankfurt a. M.- Bebra hergestellt wer­den würde. 3. Den wiederholten Bemühungen der Handelskammer auf Errichtung einer Haltestelle bei Block Dorlar sind von der Kgl. Eisenbahndirektion Frankfurt a. M. ablehnend beschieden worden, nachdem die angestellten Ermittelungen ergeben haben, daß die Be­triebsverhältnisse der Strecke Wetzlar- Gießen die Ein­schiebung eines Haltepunktes noch weniger als früher zulassen. 4. Eine Anfrage des Kaiserl. Patentamts, ob das Wort Schlager" im allgemeinen freien Gebrauch für alle Waren der Bekleidungsbranche insbesondere der Schuh, Modewaren- und Konfektionsbranche als ein Anhörung der beteiligten Kreise bejaht. Freizeichen zu gelten habe, hat die Handelskammer nach

*

Die Landwirtschaftskammer schreibt: Die Aussichten der diesjährigen Braugerstenernte im Großherzogtum lassen es erwünscht erscheinen, in aus­gedehnterem Maße wie früher eine Prüfung hessischer Braugersten durchzuführen. Die Landwirtschaftskammer veranstaltet daher dieses Jahr wiederum eine Beschickung der Braugerstenausstellung in Berlin, sowie ferner un­abhängig von dieser einen größeren Preisbewerb für hessische Braugerste. Die Landwirte werden aufgefordert, sich zahlreich zu beteiligen. Anmeldungen sind von der Landwirtschaftskammer, Darmstadt, zu erhalten.

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Man schreibt uns: Die Schauflüge des Aviatikers Kahn t- Leipzig finden kommenden Sonntag nachmittag bestimmt auf dem Trieb statt. Der Apparat befindet sich bereits im Flugschuppen und wird 3. 3t. aufmontiert. Die Besichtigung des Apparates findet von Freitag ab statt. Herr Kahnt wird hierbei den Motor in Tätigkeit setzen und die nötigen Erklärungen geben. Dem Flieger ist als Erinnerung für seine hiesigen Schau­flüge vom Sportverein von 1900 ein Ehrenpreis stiftet worden, welcher im Schaufester der Firma Stück­rath, Seltersweg, ausgestellt ist. Während der Schau­flüge wird der Trieb vollständig abgesperrt, ist also für das Publikum nur durch Eintrittskarten zugänglich. Da der Zudrang jedenfalls sehr stark sein wird, wird ge­beten, die Eintrittskarten möglichst im Vorverkauf zu lösen. Die Wagenzufahrt hat nur längs des Philoso­phenwaldes zu erfolgen. Während der Flüge ist das Rauchen wegen der damit verbundenen Gefahr unter­sagt.

* Das 5. Abonnements Konzert findet heute abend in Steins Garten unter Mitwirkung des Kgl. Sächs. Kammervirtuosen Wiggert- Dresden statt.

* Der Mittelrheinische Verband ev. Arbeitervereine" feiert sein diesjähriges Ver­bandsfest am 20. August in Höchst a. M. Der Ver­band umschließt gegenwärtig 22 Vereine mit nahezu 5000 Mitgliedern und umfaßt das Großherzogtum Hes sen und den Regierungsbezirk Wiesbaden.

* Die Kolonial- Frauenschule wird vom 1. Oktober d. Js. ab in Angliederung an eine von dem Verein für wirtschaftliche Frauenschulen auf dem Lande" neu zu errichtende wirtschaftliche Frauenschule in Weilbach( Station Flörsheim der Eisenbahn Frankfurt a. M.- Wiesbaden) zur Wiedereröffnung gelangen. Die Schülerinnen sollen dazu vorbereitet werden, sich in den deutschen Kolonien als Farmgehilfinnen, Stüßen der Hausfrau 2c. nützlich zu betätigen, oder sich auf eigenem Besitz durch Hauswirtschaft, Gartenbau, Kleinvieh-, Ge­flügel- oder Bienenzucht eine Lebensstellung zu schaffen. Anfragen und Anmeldungen sind für's Erste an Frl.

Jda von Kortfleisch in Reifenstein bei Birkungen ( Eichsfeld), vom 1. Oktober ab an die Vorsteherin der Schule in Weilbach zu richten.

Die längsten Tage haben wir jetzt wie­der hinter uns. Die Tageslänge nimmt zunächst lang­sam, später wieder schneller ab; sie betrug am 1. Juli 16 Stunden 41 Minuten, am 31. d. Mts. beträgt sie nur noch 15 Stunden 23 Minuten, sodaß wir im gan­zen eine Abnahme von 1 Stunde 8 Min. haben.

-p- Gestern wurde am Leihgesterner weg ein zirka 14 Tage altes Kind aufgefunden. Die Mutter fonnte bis jetzt noch nicht ermittelt werden. Das Kind befindet sich im Säuglingsheim.

== Bettenhausen, 18. Juli. Um die Verbrei­tung der Maul- und Klauenseuche zu verhindern, hatte das Kreisamt während des Bauernfestes folgende Vor­sichtsmaßregel getroffen: An den Ortseingängen waren große Tücher ausgebreitet, die mit Kreolin durchtränkt waren. Jeder, der das Dorf betrat, hatte die Füße auf dem Tuch zu reinigen. Die auf Wagen ankommenden

( Gießener Tageblatt)

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die 44 mm breite Inseratenzeile.- Stellen gesuche und Familienanzeigen 10 Pfg.- Die 90 mm breite Zeile im Reklameteil 50 fg. Extrabeilagen werden nach Gewicht und Größe berechnet. Rabatt kommt bei Ueberschreitung des Zahlungs. zieles( 30 Tage), bei gerichtlicher Beitreibung oder bei Konkurs in Wegfall. Platzvorschriften ohne Berbindlichkeit. Verlag der ,, Gießener Zeitung" G. m. b. H.

Telephon: Nr. 362.

23. Jahrg.

Festteilnehmer mußten sich ebenfalls der Vorschrift un­terziehen. Polizei und Gendarmerie hatten ein wach­sames Auge darauf, daß diese Maßregel streng befolgt

wurde.

Langsdorf, 20. Juli. Im Anschluß an das Bauern fest in Bettenhausen fand unter dem Vor­sitz des Landtagsabgeordneten Bähr eine Sitzung des Denkmalsausschusses statt. Es wurde beschlossen, an die Gemeinde Langsdorf das Gesuch um Ueberlassung eines Denkmalplatzes zu richten. Gleichzeitig soll die Samm­lung für das Denkmal des Volksmannes eröffnet wer­den. Von Landtagsabgeordneten wurden gleich zirka 300 Mark gezeichnet. Außerdem sind von einer Anzahl Gemeinden und Bauernvereinen bereits größere Beträge für das Denkmal angemeldet.

= d= Nidda, 20. Juli. Die anhaltende Dürre und Trockenheit hat in sehr ungünstiger Weise die diesjährige Beerenernte beeinflußt. Namentlich sind es die Himbeeren, die gar fümmerlich und halb vertrocknet an den Stauden im Walde gefunden werden, sodaß sie nur sehr wenig Saft geben und deshalb marktfähige Ware für Himbeersaft und Gelee nur mit viel Mühe und in ganz geringer Menge zu haben ist. Für die ge­ringen Leute, deren Kinder namentlich in den Som­merferien mit Himbeerpflücken ein ganz hübsches Stück Geld verdienten, bedeutet die heurige schlechte Himbeer­ernte einen recht merklichen Ausfall.

== Schotten, 20. Juli. Die Hoherodskopf- Kon­ferenz der ev. Geistlichen des Vogelsberges fand Diens­tag im Klubhaus statt und war gut besucht. Superin­tendent Dr. Petersen- Darmstadt hielt einen Vortrag über Englische Reiseerinnerungen".

* Alsfeld, 19. Juli. Einer Arbeiterfamilie im Dorfe R. waren die Stachelbeeren aus dem Garten ge­stohlen worden. Darüber war insbesondere die Ehefrau ungehalten. Sie erklärte, daß sie einen Polizeihund kommen lassen werde. Die Wirkung dieser resoluten Er­tlärung war überraschend. Ein angesehener, wohlhaben­der Dorfbewohner bat, man möge ihn einmal in den Garten lassen, er gedenke durch Jnaugenscheinnahme des Tatortes dem Dieb auf die Spur zu kommen. Diesem Wunsche aber trat die Frau entschieden entgegen: Es komme ihr keiner in den Garten, bevor der Polizeihund dort gewesen sei. Da geschah etwas, was man nicht erwartet hatte. Besagter Dorfbewohner meldete sich klein­laut als der gesuchte Stachelbeerdieb.

* Mainz, 20. Juli. Jm Dilirium riß sich der 48jährige Hausierer Joh. Friedrich Bayrhoffer die Klei­der vom Leibe und lief nackend in den Festungswerken vor dem Binger Tor herum. Die alarmierte Feuer­wehr fing den Mann ein und übergab ihn dem Ho­ſpital.

Worms, 20. Juli. Ein 5jähriges Kind hatte nach dem Genuß von Kirschen faltes Wasser getrunken. Es erkrankte sofort und st ar b schon nach wenigen Stun­den.

-m- Limburg, 20. Juli. Da die Metzger den Landleuten die geforderten Preise für Schlachtschweine nicht zahlten, haben einige Landleute in Dahlheim selbst geschlachtet und das Pfund zu 65 Pfg. verkauft. Nun wurde der Metzgermeister noch billiger und ver­kaufte das Pfund Schweinefleisch zu 60 Pfg.

* Frankfurt, 20. Juli. Am Dienstag wurde die Rettungswache nach einer Brauerei gerufen. Dort war ein Bierbrauer dem Erstickungstode nahe. Er wurde sofort nach dem Heilig- Geist- Hospital verbracht, wo ihm durch einen Kehlkopfschnitt das Leben gerettet wurde. Dem Manne war am Montag eine giftige Fliege in den Hals geraten, und er verspürte am Dienstag früh eine An­schwellung des Kehlkopfes, welche bis gegen Mittag der­maßen zunahm, daß er nicht mehr sprechen konnte und feine Luft bekam. Dem Bedauernswerten geht es nach der Operation so weit gut und hoffen die Aerzte, daß er mit dem Leben davon kommen wird.

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