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Ein schweres Brandunglüc ereignete sich am Freitag in Taucha bei Leipzig. In einer Wohnung in der Bahn­hofstraße waren die drei Kinder der Familie Seifert allein gelassen worden. Durch die Explosion einer in der Nähe des Ofens hängenden Petroleumlampe brach Brand aus, dem alle drei Kinder zum Opfer fielen. Das eine Kind, das in einem Korbe lag, verbrannte, während die beiden anderen erstickten.

Eine sensationelle Verhaftung ist am Freitag in Nizza erfolgt. Es handelt sich um den in der Berliner Lebewelt bekannten Grafen Günther von Königsmard, dessen Ver­haftung auf Antrag eines schlesischen Gutsbesitzers erfolgt ist. Der Verhaftete soll sich betrügerischer Manipulationen bet Grundstücksgeschäften und Wechselschwindeleien schuldig gemacht haben.

Die furchtbare Tat einer Geisteskranken hat am Frei­tag die Stadt Graz im Aufregung versetzt. Die Postbeam­tenfrau Likaweg erstach ihre beiden Kinder, einen sechs­jährigen Knaben und ein fünf Monate altes Mädchen. Die Mutter tötete sich dann selbst durch einen Stich ins Herz. Die Frau war wegen eines förperlichen Gebrechens ihrer Tochter trübsinnig geworden. Die Tat hat sie in geistiger Umnachtung verübt.

Vermischtes.

Das Ergebnis des Margeritentages in Leipzig, dem die gesamte Peoolferung mit großem Interesse entgegensah, ist nunmehr festgestellt. Es beziffert sich auf 156 000 mt., die aus dem Erlös des Flumenverkaufs und aus den son= stigen dem Komitee überwiesenen Beträgen sich zusam­mensetzen. Das Deffnen und Auszählen der 3000 Sam­melbüchsen hat drei Tage in Anspruch genommen. Diese verhältnismäßig rasche Erledigung war nur möglich durch Suhilfenahme von Angestellten verschiedener großer Ban­fen und von 3ählmaschinen. Der Ertrag fließt je zur Hälfte dem Heim für gebrechliche Kinder und dem Kin­derkrankenhause zu. Eämtliche Spesen und Unkosten sind von dem obengenannten Ergebnis bereits in Abzug ge­bracht. Wie sehr das Unternehmen Interesse fand, geht auch daraus hervor, daß aus vielen anderen Städten, wie Salle, Chemniz, Dresden Abordnungen entsandt waren, welche die Einrichtung und Organisierung der Sache stu= dieren sollten.

Drei Negerinnen den Löwen zum Fraß vorgeworfen. Einem Telegramm des Pariser ,, Journal" aus Tanger zu­folge hat sich im Palaite des Sultans Mulen Hafid in Fez ein geheimnisvolles Tiama abgespielt. Es wird bes hauptet, daß drei Negerinnen des Palastes infolge von Meinungsverschiedenheiten. die unter den Frauen des Ha­rems ausgebrochen sind, auf Veranlassung des Sultans den Löwen zum Fraß vorgeworfen worden sind. Ferner wird mitgeteilt, daß Muley Hofit verschiedene Frauen ins Ge= fängnis werfen und dort durchprügeln ließ.

Vor Lachen in Ohnmacht gefallen. Im Kolosseum zu Budapest ereignete sich am Donnerstag während des Auf­tretens der isländischen Glimatämpfer ein eigenartiger Unfall. Ein deutscher Ringer namens Kropfhuber hatte sich zum Herausforderungslampf mit den Isländern ge­meldet. Die Weise, in welcher er die Griffe seines ge= wandten Gegners zu parieren suchte, war von derart fo= mischer Wirkung, daß sich des Publikums stürmische Heiter­feit bemächtigte. Ganz besonders schien sich ein im Par­tett sigender Herr zu amüsieren, er lachte so frampfhaft, daß sich die Aufmerksamkeit der um ihn Sigenden ihm zuwandte. Plötzlich aber brach er zusammen; seine Freun­be geleiteten den halbohnmächtigen Herrn in das Foyer hinaus, und es stellte sich heraus, daß der Herr tatsächlich vor Lachen einen Krampfanfall erlitten hatte, von wel­chem er sich jedoch nach einigen Minuten vollständig er­holte

Ein orientalisches Eifersuchtsdrama in Paris. In ei­ner Pariser Straße hat fid) am Donnerstag ein blutiges Eifersuchtsdrama abgespielt. Ein türkischer Schneiderge= hilfe, Hovaghimran, lebte in gemeinsamem Haushalt mit einer jungen Deutschen, Sophie Latt. Um die Gunst des jungen Mädchens bewarb sich aber auch ein intimer Freund des Schneiders, der vierzigjährige Armenier Djer­madjan. Es bildete sich eine tödliche Feindschaft zwischen beiden heraus. Donnerstag abend trat der Armenier dem jungen Paare, als dieses vor seiner Wohnung anlangte, entgegen und forderte den Türken auf, ihm das Mädchen zu überlassen. Auf dessen Weigerung gab der Armenier zuerst mehrere Schüsse auf das Mädchen ab, die fehlgingen; durch drei weitere Schüsse tötete er seinen Nebenbuhler. Nach der Tat floh er in seine Wohnung, verbarrikadierte sich dort und schoß sich eine Kugel in die Brust. Auf dem Wege zum Krankenhause starb er.

Der Defraudant als schöne Maste. Auf dem letzten öffentlichen Maskenball, den ein Königsberger Lokal ver­anstaltete, erregte eine elegante Maske besonderes Auf­sehen. Der junge Mann, um einen solchen mußte es sich handeln, zeigte sich sehr liebenswürdig, namentlich gegen hübsche weibliche Masken, die er zu verschiedenen Flaschen Wein einlud. Nach der Demastierung wurde er für ei­nen Augenblick in die Garderobe gebeten und blieb seit­dem für seine neuen Freundinnen verschwunden. Im bürgerlichen Leben war die elegante Maske der Kontorist Grandel, der eine Schwäche für die Weiblichkeit hatte und daher über seine Verhältnisse lebte. Als der Karne­val herannahte unterschlug er seinem Chef 2500 Mt. und verschwand. Bei der Demaskierung wurde er aber von einem Bekannten erblickt, der sofort den Geschäftsführer benachrichtigte. Dieser rief telefonisch die Polizei herbei, und nach einigen Minuten wurde Grandel mitgeteilt, daß er in der Garderobe von einer Bekannten erwartet wer= de. Als er vertrauensselig das Garderobenzimmer be­trat, wurde er für verhaftet erklärt. Er gab auch ohne weiteres zu, die 2500 Mart seinem Chef veruntreut zu haben, und gestand, daß er über 2400 Mark bereits in lustiger Gesellschaft innerhalb von neun Tagen veraus­gabt hatte. Nur 83 Mart wurden noch in seinem Besitz gefunden.

Die englische Gesellschaft und das Verliebtsein. In einer englischen Zeitschrift macht ein Philosoph" einige amüsante Ausfälle auf die englische Gesellschaft und das Verliebtsein, die auch auf andere Länder Anwendung finden dürften. Reine Leute," sagt er, die irgend etwas auf sich halten, verlieben sich heutzutage. Wahrscheinlich ist die Billigkeit des Verliebens daran schuld, daß es aus ber Mode fam. Motorwagen, Kartenspiel, Luftschiffahrt alle diese kosten Geld und sind gefährlich. Die Liebe fostet keines von beiden, ausgenommen die Gefahr, daß eine gerichtliche Verfolgung wegen Bruchs des Ehever­sprechens eingeleitet werden könnte. Man kann sich ganz ohne Geld verlieben, und nur zwei Menschenkinder sind für diesen 3wed notwendig. Es ist auf jeden Fall die billigste Unterhaltung, die man sich schaffen kann. Wenn man verliebt ist, kommt man in den Verdacht, daß man größere fostspielige Bergnügungen sich nicht leisten könne.

Und selbst wenn Leute aus besseren Gesellschaftsklassen sich wirklich verlieben, so halten sie es geheim, um nicht aus dem ,, exklusiven Rahmen zu fallen".

Er nutzt die Dummhei: anderer aus. Daß der Aber­glaube trotz aller Aufklärung und trotz allem Stolze auf unsere täglichen Fortschritte auf dem Gebiete der Kultur" noch immer im Volte wurzelt, zeigte eine kürzlich in Bern­burg abgehaltene Echöffengerichtsverhandlung, die übri­gens eines komischen Beigeschmades nicht entbehrte. Ein Schlosser war des Betruges angeklagt worden, weil er einer Ehefrau ein Zaubermittel" für teures Geld ver­fauft hatte. Besagte Frau war in Verzweiflung über ihren Gatten, der nicht mehr sittsam zu Hause bleiben wollte, sondern sich herumtrieb. Aber der Schlosser wußte Rat; er fenne ein Mittel, das imstande sei, ungetreue Ehegatten im Haus zu halten und trüoerische Männer­herzen wieder einzufangen. Die Frau sollte, so riet er ihr, ein Stück Papier dauernd auf der Brust tragen; auf dem Zettel stand:" Jch thue dich anhauchen, drei Bluhts­tropfen will ich dir entziehen, den ersten aus deiner Leber, den zweiten aus deinem Herzen, den dritten aus deiner Lebenskraft, damit du nur mit mir und keiner anderen etwas zu schaffen hast: dies gelobe ich..... Gella.... Amen!" Da die Frau natürlich Freundinnen gegen= über über das wundertätige Zaubermittel, für das sie dem Schlosser 15,50 M hatte zahlen müssen, den Mund nicht halten fonnte, gelangte die Sache zur Kenntnis der Po­lizei. Vor Gericht war der Angeklagte geständig; er be= saß aber die Frechheit, in seiner Verteidigungsrede den fühnen Satz aufzustellen: Ich mache mich doch nicht straf­bar, wenn ich die Dummheit der Leute ausnute." Wo­bei man allerdings die Dummheit derer, die nicht alle wer= den, als Milderungsgrund anrechnen kann.

Spichbürgerci. Aus Bayern wird den 2. N. N." ge­schrieben: Eine kleinere Stadt in Unterfranken soll auf behördliche Anordnung aus Gesundheits- und Sicherheits­gründen sich endlich eine Wasserleitung bauen, denn sie hat das Geld dazu durch natürliche Wohlhabenheit, und sie hat erst neulich von einem Bürger eine Million Mark für ge= meinnüßige 3wecke vermacht erhalten. Tut alles nichts: die Stadt setzt ihren Ehrgeiz darein, keine Umlagen zu erheben und scheut deshalb den Bau einer Wasserleitung. Sie hat deshalb Beschwerde bei dem Verwaltungsgerichts­hof erhoben. In dem Briefe des Bürgermeisters heißt es: Wir besitzen das gesündeste und schönste Städtchen Bayerns, aber auch das idealste, denn es ist von der modernen Seuche, der Umlagenerhebung, noch nicht ergriffen, und deshalb brauchen wir auch keine neue Wasserleitung." Die Ent­scheidung des Verwaltungsgerichtshofes kann nicht zweifel­haft sein, und es wird jetzt darauf ankommen, wie die Herrschaften zur Vernunft gebracht werden, die auf die Grundbedingungen der Gesundheit und der Feuersicherheit verzichten, um nur ja keine städtischen Steuern bezahlen zu müssen.

Brand der Berliner Kunstgewerbeschule.

Freitag nachmittag kurz vor 4 Uhr brach auf bisher noch nicht aufgeklärte Weise in dem Seitenflügel der zum Königlichen Kunstgewerbemuseum gehörigen Unterrichtsan= stalt an der Prinz- Albrechtstraße ein Dachstuhlbrand aus. Jm vierten Stock des Gebäudes liegt eine Anzahl Atelier­räume. Hier war der Brand zum Ausbruch gekommen. Auf den Alarm Großfeuer" eilten sofort eine Anzahl Löschzüge zur Brandstelle, wo das Feuer bereits den ganzen Dachstuhl ergriffen hatte. Die Gefahr eines Ueberspringens des Feu­ers auf das angrenzende Kunstgewerbemuseum war sehr groß. Der Sturm war so mächtig, daß die Feuerwehrmän­ner sich auf dem Dache nicht aufrecht halten fonnten. Durch den Sturm wurden die Schieferplatten weit fortgeschleudert und die Funken bis auf das Dach des Palais des Prinzen Albrecht getrieben. Was das Feuer nicht zerstörte, mußte den Aexten der Wehr zum Opfer fallen. Die großen Ate­lierfenster barsten und ein Scherbenregen ergoß sich auf die unten stehenden Feuerwehrmänmer. Erst den Anstreng­ungen von 10 Löschzügen war es möglich, den Brand Schritt für Schritt einzudämmen. Um 6 Uhr war der Brand als gelöscht anzusehen. Der Dachstuhl ist völlig vernichtet. Das Wasser hat die Decke der dritten Etage durchbrochen und in den dort befindlichen Unterrichtsräumen arge Verwüstun= gen angerichtet. Das Gebäude ist Eigentum des Königs und als solches durch keinerlei Versicherung gedeckt. Prinz Friedrich Wilhelm war auf der Brandstätte persönlich er­schienen. Der National- 3tg." zufolge sind bei dem Brande in der Kunstgewerbeschule die wertvolle Einrichtung und eine große Zahl von wertvollen Gegenständen, die teilweise für das Kaiserschloß in Posen bestimmt waren, mit ver: brannt. Die Höhe des beträchtlichen Schadens läßt sich erst nach Beendigung der Aufräumungsarbeiten feststellen.

Der letzte Schuß vor Belfort.

Ein Einjährig- Freiwilliger der 2. Kompanie 4. Mag­deburgischen Infanterieregiments Nr. 67, der am 18. Feb­ruar 1871 in Perouse auf Vorposten gegen Belfort stand, hat einem Berliner Blatte einen Auszug seiner Feldzugs­notizen über den letzten Schuß vor Belfort und damit des Feldzuges im nachstehenden zur Verfügung gestellt:

Die gewaltige Schlacht an der Lijaine war geschlagen und das französische Heer unter General Bourbaki in die Schweiz übergetreten und dort entwaffnet. Die Belager­ung von Belfort die Festung war seit Anfang Novem­ber eingeschlossen nahm daher ihren Fortgang. Von den beiden wichtigen am 8. Februar besetten Forts Haute und Basse Perche aus sollte die Feste mit Erfolg beschossen werden.

Es war der 18. Februar. Der Tag ging zur Neige, die Vorposten warteten auf Ablösung. Der größeren Sicher­heit wegen wurde sie in der Dunkelheit vorgenommen.

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Da vernahmen die Belagerer ungefähr um 6 Uhr abends aus der Festung ein Signal, bald ertönten allen Forts und auch von deutscher Seite Signale. Donner der französischen Geschüße verstummte zuerst, end­lich schweigen auch die deutschen Geschüße, nur eine deutsche Batterie, von den Soldaten die bayerische genannt, nahe dem Dorfe Chevremont, beachtet die Signale nicht und feit­ert weiter. Darauf setzt von neuem eine allgemeine ge­waltige Kanonade, aber nur von kurzer Dauer, ein. Etwa um 7 Uhr abends ertönen abermals in der Festung Signale, sie werden von deutscher Seite aufgenommen und weiter­gegeben. Wiederum schweigen zuerst die französischen Ge­schütze.

Während dieser Vorgänge waren mehrere der rückwärts liegenden Soldaten an die Vorpostenlinie herangetreten und der obenerwähnte Kriegsfreiwillige machte sie auf die Wichtigkeit des Augenblicks aufmerksam. Nach und nach verstummte auch der Donner der deutschen Geschüße, auch die bayerische Batterie stellte das Feuern jetzt ein, aber sie hatte den lezten Schuß.

Ungewohnte Totenstille! Von der Gewalt des Augen­blicks ergriffen, entblößten die Soldaten ihr Haupt und fnieten zum Dankgebet nieder.

Bald kam die Ablösung, und als die Kompagnie in Chevremont abgekocht und die Ruhestätte aufgesucht hatte, wurde verkündet, daß Waffenstillstandsverhandlungen ein­geleitet seien.

Ueber den Einzug der deutschen Truppen in Belfort, der heute vor 40 Jahren stattfand, schreibt ein Teilnehmer in der Magdeb. 3tg.":

Nachdem am 17. Februar die in Belfort befindliche fran zöfifche Garnison in der Stärke von etwa 12 000 Mann durch unsere südlich der Festung gelegenen Kantonnements in fleinen Trupps abmarschiert war, fand am 18. Februar der Einmarsch der Deutschen in die Festung statt. Es war ein trüber, regnerischer Tag, der zu dem vielen Traurigen, welches uns der Anblick der eroberten Festung gewährte, recht paste. Die Stadt bot das Bild entsetzlicher Ver­wüstung dar. Keine Straße, fein Haus war von den Ge­schossen verschont geblieben. Schutt und Steine bedeckten fußhoch das Pflaster. Abgebrannte Sadtteile, wie in Straßburg, sah man nicht, nur einzelne Häuser waren aus­gebrannt, aber die Zerstörung war eine viel allgemeinere als dort, die Dächer und Wände sämtlich wie ein Sieb durchschossen. Die blassen, abgemagerten Gestalten der Eins wohner standen schen vor den Häusern und sahen mit trau rigen Gesichtern inmitten der Trümmer die Belagerer sieg­reich einziehen. Der Anblick der Wallgänge in den Fest ungswerken neben den Geschüßen und den Infanterie stellungen war meist entseblich. Es starrte dort von Schmutz und Unrat. Geradezu widerlich aber waren die Gerüche welche den Eintretenden besonders aus den fünstlich herge stellten bombensicheren Unterkunftsräumen der Besatzung entgegenströmten. Daß da nicht die schwersten Krankheiten Blab gegriffen hatten, war wohl nur dem Umstande zuzu schreiben, daß es Winter war. Pockentrante gab es aller dings unter der Besatzung und den Einwohnern eine so große Zahl, daß die Festung vor der Hand feine Garnison erhielt, sondern nur durch Wachen besetzt wurde. Zu dem Einzuge. der am frühen Nachmittage erfolgte hatten fämt­liche Truppen des Belagerungsforps Deputationen gestellt. Anschließend an ihn fand auf dem höchsten Punkte der Festung ein feierlicher Danfgottesdienst statt. Es war ein ergreifender Moment, als hier die Krieger die Knie beug­ten, um Gott dem Allmächtigen dafür zu danken, daß nach so vielen durchlebten Gefährnissen und Schwierigkeiten end lich die Festung gefallen war. Nach Beendigung des Gottes­dienstes brachte der Kommandeur der Belagerungsarmee ein Hoch auf den Kaiser aus. Gleichzeitig wurde die preu ßische Flagge gehißt und dazu aus den eroberten Geschützen Salut geschossen.

Drabinachrichten und neuestes.

Doch eine Romreise des Kaisers?

O Berlin, 18. Februar. Von einer vorzüglich infor­mierten, Hochstehenden Persönlichkeit will die" Morgenpost" erfahren haben, daß der deutsche Kaiser im Laufe des April oder Mai in Rom eintreffen wird, um dem König Viktor Emanuel seine und des Kaisers Franz Josef, des dritten Verbündeten, Glückwünsche zu überbringen. Der Aufent halt des Kaisers in Rom werde drei Tage dauern. Ein neuer Militär- Parseval. Bitterfeld, 18. Februar. Das Kriegsministerium_hat bei der Luftschiffbaugesellschaft ein weiteres Parseval- Luft­schiff in Auftrag gegeben.

Furchtbarer Selbstmord.

Oberhausen, 18. Februar. Einen gräßlichen Selbstmord verübte ein Heizer auf der Zeche Concordia, indem er sich in das Kesselfeuer stürzte. Er verbrannte vollkommen. Eine Bestie in Menschengestalt.

Kiel, 18. Februar. Das hiesige Schwurgericht verur­teilte gestern den Schuhmacher Schild aus Nortorf wegen Mordes, begangen an dem Kind seiner Tochter und Blut­schande zum Tode, vier Jahren Zuchthaus und Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte. Seine Tochter wurde wegen Blutschande zu fünf Monaten Gefängnis verurteilt. Die Verhandlung ergab geradezu schauerliche Tatsachen. Schilds neunzehnjährige Tochter sah ihrer Niederkunft entgegen, und der Vater zwang sie wiederholt zu Verbrechen gegen § 218 und verging sich auch selbst an ihr. Als das Kind ge= boren war, erdrosselte es der Angeklagte trotz des Flehens der unglücklichen Mutter und vergrub die Leiche im Gar­ten. Weil er jedoch befürchtete, daß die Leiche gefunden werden könnte, verlangte er jegt von seiner Tochter, daß sie die wieder ausgegrabene Leiche koche, um sie den Schwei nen im Stalle als Futter vorzuwerfen. Da sich die Tochter weigerte, vergrub ihr Vater sein Enkelfind an zwei ver­schiedenen Stellen seiner Wiese. Am 3. August aber wurde das Verbrechen dennoch entdeckt und Vater und Tochter in Untersuchungshaft genommen. Jetzt ist nun das Urteil über das Scheusal gesprochen worden.

Sturmwetter überall.

Berlin, 18. Februar. Der gestrige Sturm, der zeit­weise einen orfanartigen Charakter annahm, riß von den Dächern Ziegel und Metallstücke ab und führte zahlreiche Verlegungen herbei. In Nauen bei Spandau stürzte wäh­rend der Stadtverordnetenversammlung der Holzaufbau über dem Rathausturm, in dem sich die Uhr befindet, und der Rundgang um den Turm auf die Straße. Personen wurden nicht verletzt.

Gurhaven, 18. Februar. Der andauernde Sturm ver­ursachte gestern nachmittag sehr hohen Wasserstand. Die Uferpartien sind weit überflutet. Vor der Schelde verlor der französische Schlepper Atlas" das deutsche Segelschiff " Anna" aus dem Schlepptan. Die Anna" wurde abge= trieben und stieß bei Büsum auf. Schleppdampfer haben bisher vergebens versucht, sie zu erreichen, doch besteht an­scheinend für die Mannschaft feine Gefahr. Ein von Eur­haven gestern ausgefahrener Schleppzug wird vermißt.

Wien, 18. Februar. Der gestern in Wien wütende or­fanartige Sturm richtete an zahlreichen Gebäuden großen Schaden an. Dächer wurden zum Teil abgedeckt und durch herabfallende Mauerstücke wurden zahlreiche Personen ver wundet, davon drei so schwer, daß sie in bedenklichem Zu­stande ins Krankenhaus eingeliefert werden mußten.

Graz, 18. Februar. Gestern abend wütete in Graz und dessen Umgebung ein orfanartiger Sturm. In der Ortschaft Stübin ist ein großer Waldbrand ausgebrochen, der einen derartigen Umfang angenommen hat, daß die Ortschaft arg bedroht ist. Militär ist zur Hilfeleistung dort­hin entsandt worden.

Handel und Verkehr.

Frankfurt a. M., 17. Februar. Viehmarkts­preise vom 16. Februar. Preise für 1 3entner Kälber: a) Doppellender, feinste Mast( Lebendgew.) M 00-00, ( Schlachtgew.) M 00-00, 6) feinste Mast( Vollmilch- Maft) und beste Saugkälber( Lebendgew.) M 58-62,( Schlachtgew.) M 93-103, c) mittlere Mast und beste Saugfälber( Le­bendgew.) M 54-57,( Schlachtgew.) M 92-97, 5) geringere Saugfälber( Lebendgew.) M 50-53,( Schlachtgew.) M 85 bis 90. Schafe: A. Stallmastschafe: a) Mastlämmer und jüngere Masthämmel( Lebendgew.) M 40-41,( Schlachtgew.) M 84 bis 85, 6) ältere Masthämmel, geringere Mast lämmer und gut genährte junge Schafe( Lebendgew.) M( Schlacht­gew.) M c) mäßig genährte Hammel und Schafe ( Merzschafe)( Lebendgew.) M00-00,( Schlachtgew.) M 00, d) Marschschafe oder Niederungsschafe( Lebendgew.) M ( Schlachtgew.) M, Weidmaſtschafe B. Schweine a) vollfleischige Schweine von 80-100 g. Lebendgewicht( Le= bendgew.) M 50%-52,( Schlachtgew.) M 64-66, 6) vollflet­schige Schweine unter 80 g. Lebendgewicht( Lebendgew.) M 50%-52,( Schlachtgew.) M 63-65, c) vollfleischige Schwet­ne von 100-120 kg. Lebendgewicht( Lebendgew.) M 50-52, ( Schlachtgew.) M 61-65, 5) vollfleischige Schweine von 120 bis 150 g. Lebendgewicht( Lebendgew.) M 50-52,( Schlacht­gem.) M 63-65.