Ausgabe 
18.3.1911 Zweites Blatt
 
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Gießener Zeitung

( Neueste Nachrichten)

Bezugspreis 50 Pfg. monatlich Enthält alle amil. Bekanntmachungen

oterteljährlich 1,50 Mr., vorauszahlbar, frei ins Haus. Abgeholt in unserer Expedition oder in den Zweig­ausgabestellen vierteljährlich 1,20 Mk. Erscheint jeden Werktag früh.- Die Humoristischen Blätter" liegen wöchentlich einmal gratis bei. Redaktion: Seltersweg 83. Für Aufbewahrung oder Rücksendung nicht verlangter Manuskripte wird nicht garantiert. Herausgeber: Albin Klein& Otto Fischer.

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Nr. 66.( 2. Blatt.)

Ein Zusammenschluss nationaler Arbeiter Verbände

Kürzlich trat der am 15. und 16. Oktober gebildete hauptausschuß der nationalen Arbeiterverbände zu einer Gizung in Magdeburg zusammen. Vertreten waren der Bund deutscher Werkvereine durch zehn, der Bund va= terländischer Arbeitervereine durch sechs, der Bund der Bader( Konditor-) Gesellen Deutschlands durch zwei, der Zentralausschuß seemännischer Berufsvereine durch einen, wichtigen as deutsche Arbeiterkartell Unterelbe ebenfalls durch 1 Abgeordneten; nicht vertreten war der Verband der va­terländischen Arbeitervereine des Herzogtums Altenburg. Insgesamt vertraten die 20 Abgeordneten fast 200 Ver­eine mit rund 110 000 Mitgliedern.

uss.

Die Erörterung der Frage, in welcher Weise ein er­folgreiches Arbeiten des nun endgiltig gebildeten Haupt­ausschusses zu erreichen sei, wurde durch Annahme von Leitsätzen erledigt, in denen über Zweck und Ziel des Zusammenschlusses folgendes festgelegt wird: Die

16. Juni nationale Arbeiterbewegung umfaßt alle auf dem Bo­

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ben der heutigen Staats- und Wirtschaftsordnung steh= Mung einer enden deutschen Arbeiter, welche in gewerkschaftlichen Fra­ustitute zu ren von der Ueberzeugung ausgehen, daß die Interes= en der Arbeiter und der Arbeitgeber überwiegend gleich­aufend sind und daß die beiderseitigen Interessen am .18 obm besten gewahrt und gefördert werden durch ein ehrliches and friedliches Zusammenwirken beider Teile. Die ge= amten örtlichen Ausschüsse haben eine Spitze in dem vellen, Ab. Sauptausschuß. Die Ausschüsse haben die Aufgabe, die

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Interessen der nationalen Arbeiterschaft nach jeder Richt­ing hin zu vertreten und der Sozialdemokratie sowie den ewerkschaftlichen Kampforganisationen entgegenzuwir­n. Die Verfolgung einseitig parteipolitischer Ziele so­pie die Erörterung religiöser Fragen sind ausgeschlos= n. Eine Einwirkung auf die inneren Angelegenheiten er einzelnen Vereine und Verbände stehen den Aus= hüssen nicht zu. Bei allen Wahlen werden die Aus­hüsse diejenigen Kandidaten unterstützen, welche der na­tonalen Arbeiterbewegung freundlich gegenüberstehen und gewillt sind, ihre Gesichtspunkte nach Möglichkeit zu ver­theten. Der Hauptausschuß hat außerdem die Aufgabe,

f unserem i der Beratung sozialer Gesetze an den zuständigen

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tellen im Sinne der nationalen Arbeiterschaft zu wir In statistisches Material über die nationale Arbeiterbe­begung zu sammeln und zu verarbeiten und Mitteil­ungen über diese Bewegung herauszugeben.

Die Besprechung aktueller Arbeiterfragen nahm einen for breiten Raum ein. Als erster Punkt stand noch nhals die Frage des Schutzes der Arbeitswil­ligen und des Verbotes des Streikpostenstehens zur ussprache. Nach lebhaftem Hin und Wider einigte man sich auf einen Antrag Heß- Essen, der dahin ging,

dir Hauptausschuß möge vorerst einwandfreies Mate­

ril sammeln und dann an der Hand dieses Materials eithe Entscheidung darüber herbeiführen, ob ein neues Gesez zu beantragen, oder nur eine strengere Durchführ­ung der bestehenden Gesetze zu fordern sei.- Weiter lag ein Antrag Hoffmeister- Magdeburg vor: Von der Eatsregierung Maßnahmen zur Milderung der Fleisch­feeming zu fordern. Nach einer eingehenden Begründ­ung des Vorsitzenden wurde der Antrag mit 16 Stim­men angenommen. Drei Vertreter enthielten sich der Stimme, einer stimmte dagegen.

Die Stellungnahme zu dem neuen Arbeitskammerge­fer bezw. zur Wählbarkeit der Organisationsangestellten ergab die einstimmige Annahme des Antrages Heß- Essen, der folgenden Wortlaut hatte: Die Werk- und nationa­len Arbeitervereine haben selbst kein Interesse daran, daß Albeitersekretäre in die Arbeitskammern gewählt werden, der Eintritt der Sekretäre der Kampfgewerkschaften aber ligt nicht im Interesse der Arbeiterschaft. Nach den ge­mchten Erfahrungen können diese wirksam nur geför­dort werden durch ein ehrliches und friedliches Zusam= menarbeiten der Arbeiter und Arbeitgeber. Die Arbeiter­wolle relire der Streifgewerkschaften wirken aber grundsätz­lidh im entgegengesetzten Sinne." Es folgte hierauf eine Besprechung über die Reichs­ockengame venicherungsordnung und die Hälftelung des Beitrages 3 den Krankenkassen. Hierzu wurde nach Ablehnung eifles Antrages, über diesen Punkt zur Tagesordnung lerzugehen, folgende Entschließung einstimmig ange

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I. in Gießen.

Rommen:

Der Hauptausschuß der nationalen Arbeiterverbände hört es für unbedingt erforderlich, daß die Betriebskran­fertassen ungeschmälert erhalten bleiben und daß sie bei der Errichtung und in ihrem Bestande nicht von der

der Großherzoglichen Bürgermeisterei

sowie vieler anderer

des Großherzoglichen Polizei- Amtes Behörden Oberhessens

Expedition: Seltersweg 83. ( Haus Brüder Schmidt.)

Samstag den 18. März 1911

Leistungsfähigkeit der Orts- und Landkrankenkassen ab­hängig gemacht werden. Die Betriebskrankenkassen ha= ben sich bei weitem als die beste Kassenart bewährt, sie leisten mehr als andere Krankenkassenarten, erheben trotz dem geringere Beiträge und haben auch größere Rück­lagen. Bei den Betriebskrankenkassen arbeiten auch Un­ternehmer und Arbeiter in friedlichem Verein zusammen zum Besten beider Teile. Jm Interesse der Verdräng­ung der Sozialdemokratie hält es der Hauptausschuß der nationalen Arbeiterverbände für erforderlich, daß die Hälftelung der Beiträge und des Stimmrechts in der Krankenversicherung eingeführt wird."

Nachdem einige innere Angelegenheiten erledigt wa­

ren, schloß der Vorsitzende Fichtner die erſte Sitzung des

Hauptausschusses der nationalen Arbeiterverbände mit der Bitte um weitere tatkräftige Mitarbeit und dem Wun­

sche, daß diese Arbeiten der deutschen Arbeiterschaft zum Segen gereichen mögen.

Literarisches.

Wodurch entsteht das gefährliche Dr. Michael Karinus, Nervenarzt. Berlag der Beren

Alter? Aus dem Leben eines Junggesellen. Von

berg'schen Druckerei, Hannover. Preis 2 Mt.- Der

Verfasser erklärt das gefährliche Alter der Frau aus dem gefährlichen Alter des Mannes und gibt dem Leser einen

tiefen Einblick in die menschliche Psyche und den ver= derblichen Einfluß unserer sexuellen und sozialen Zeit­

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verhältnisse. Ein tiefernstes sittliches Empfinden ganz frei von jeder Obscönität oder Lascisvität zeichnet dieses Buch besonders aus. Man fühlt förmlich über lichen Arztes, sodaß wohl jeder hier für sich und die

all die milde und heilende Hand des menschenfreund=

Seinen etwas lernen fann.

- Kulturgeschichtliche Dokumente, so

nennt sich eine neue, im Verlag der Schwabacher'schen Verlagsbuchhandlung in Stuttgart soeben beginnende Sammlung wichtiger Bücher, die nach dem Prospekte recht interessantes Material in guter Form und gediege­ner Ausstattung zu mäßigen Preisen vereinigen will. Nun, nach dem ersten Bande zu urteilen, darf man der

Fortsetzung mit gutem Vertrauen entgegensehen. Na= poleon auf St. Helena" lautet der Titel des mit vier Illustrationen nach alten, selten gewordenen

Stichen ausgestatteten Bandes( broschiert 4 Mark, geb. 5 Mark), der eine wertvolle Bereicherung der reichlichen Napoleonliteratur unserer Zeit darstellt. Er enthält eine

gute Uebersetzung der 1830 zu Paris erschienenen Recht fertigungsschrift" von Sir Hudson Lowe, den seine Zeit­genossen den Kerkermeister oder gar den Henker Napo­

leons zu nennen pflegten.

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( Gießener Tageblatt)

Anzeigenpreis 15 Pfg.

die 44 mm breite Petitzeile oder deren Raum, auswärts 20 Pfg.; die 90 mm breite Petitzeile im e flameteil 50 Pfg., auswärts 60 Pfg.; Tabellen mit 50% Aufschlag. Extrabeilagen werden nach Gewicht und Größze berechnet. Rabatt kommt bei Ueberschreitung des Zahlungs­zieles( 30 Tage), bei gerichtlicher Beitreibung oder bei Konkurs in Wegfall. Platzvorschriften ohne Verbindlichkeit. Gesamtleitung: Albin Klein.

Telephon: Nr. 362.

23. Jahrg.

Bozen- Gries und Umgebung.". Grie­bens Reiseführer. Bd. 50.( 60 Pfg.) Verlag von Alb. Goldschmidt, Berlin W. Dieser Spezialführer, dessen 2. Auflage schon seit längerer Zeit vergriffen war, er­scheint soeben, gänzlich umgearbeitet. Zwei vorzügliche Karten sind dem Buche beigegeben, das jedem Reisen­den, der diese schöne Gegenden besucht, empfohlen wer­den kann.

Alle die nervös u. geschwächt

sind, finden in Leciferrin ein anerkannt vorzügliches Kräf­tigungs- und Belebungsmittel. Es führt dem Organismus die nötigen Elemente zu, wodurch eine normale Blutbildang, eine günstige Ernährung des gan­zen Körpers und eine Kräfti­gung der Nerven erfolgt.

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Leciferrin befördert eben­falls die Verdauung und Assi­milation der Speisen, was sehr wertvoll ist bei geschwächten und nervösen Personen. Personen. Leci­ferrin wird deshalb auch mit Vorliebe von Aerzten verordnet.

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sollen durch schriftliche Angebote vergeben werden. Pläne und Bedingungen sind bei dem Unterzeichneten, Zimmer Nr. 24 einzusehen und deren Unterlagen daselbst bezieh bar. Angebote sind verschlossen und mit entsprechender Ausschrift versehen bis

Mittwoch den 22. März ds. Js. nachmittags 1, Uhr postfret bet Gr. Bürgermeisteret Allendorf a. Lda. ein­zureichen, woselbst auch die Eröffnung in Gegenwart etwa erschienener Bieter stattfindet.

halten.

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J. V.: Knöll.