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Ohren des Dickhäuters mit besonderer Sorgfalt gereinigt. Nach jedem Seifenbad wurde der Elefant mit feinem See­sand abgerieben, eine Prozedur, die Jumbo nicht besonders gefiel. Zum Schluß rieb man ihn mit einem dafür be­fonders präparierten Del ab. Das Bad war beendet. Der Elefant glänzte in einem Grau, das den Besuchern des Gartens ungewöhnlich erschien. Er war wie.- neu. Drei Wärter waren notwendig, um dieses Bad zu vollenden.

Die größten Tore der Welt sind die, die man gegen wärtig für den Panama- Kanal in Pittsburg herstellt. Es werden 92 Tore sein, so hoch, wie sechsstöckige Häuser, 20 Meter breit, 2,50 Meter did. Ihre Herstellung erfordert die Verwendung von 60 000 Tonnen Erz. Vier Paare die­ser Tore werden an dem Deich an der Küste des Stillen Ozeans aufgestellt, 12 bei Pedro Miguel bei Miraflor an der Küste des Atlantischen Ozeans.

Ueber das Haupttelegraphenamt in Berlin schreibt Karl Vinnen in der Zeitschrift Ueber Land und Meer": Mit rasender Geschwindigkeit jagen Tag und Nacht Säbe aus allen Sprachen der Welt durch dies unscheinbare Ge­bäude. Nur einmal in den Morgenstunden Tag um Tag durch fünf Minuten, ruhen alle Apparate, alle Hebel, alle Klopfer. Es ist die Gnadenspanne Zeit, in der die Uhr des Haupttelegraphenamtes ihre Hochmütige und beispiellofe Herrschaft aufrichtet. Denn alle Teletraphenämter t Deutschen Reich müssen jetzt feiern, um nach den Schläget dieser einen Berliner Uhr auszuhorchen. Sie wird von der Berliner Sternwarte elektrisch gestellt, und dann dif­tiert fie allen Hauptstationen der deutschen Telegraphie die Zeit. Fünf Minuten vor acht Uhr sitzt an allen deutschen Telegraphenstationen der Beamte, hält sorgsam seinen Ap­parat im Auge und wartet. Da plöblich schlägt der Appa­rat an- Berlin depeschtert: Ach Uhr, auf den Bruchteil einer Sekunde". Und alle Uhren werden eingestellt, alle Hauptstationen geben den Nebenstationen das Beichen wet­ter. Im nächsten Augenblick ist das feterliche Schweigen im Saal aller kontinentalen Telegraphenpassagen auch schon wieder zerstört: von allen Windrichtungen Klopfen, rattern, dröhnen die Stimmen der Weltstadt, des Reiches, des rastlos wachen Europa.

Das Taschentuch als Waffe. Das ist das neueste Sy­stem der Selbstverteidigung. Der japanische Professor" Osaka, der seine Zelte gegenwärtig in London aufgeschla= gen hat, beglückt die Welt mit einer neuen Waffe, dem Ta schentuch. Nach dem Dju- Djitsu, das wir ebenfalls den Ja panern verdanken, kommt das Schnupftuch an die Reihe. Und wie Londoner Berichte melden, kann das Tüchlein eine gefährliche Waffe in den Händen eines geübten wer­den. Der Japaner ist imstande, durch Schnellen mit der Spitze eines zusammengedrehten Taschentuches vorüberge­hende Lähmungen des Gegners zu verursachen. Er richtet feine Schläge vorwiegend nach dem Kopf, den Armen oder nach dem Rücken. Osaka gebraucht auch ads Taschentuch, um einfache, aber unzerreißbare Ketten daraus zu bilden, die, um geeignete Stellen des Körpers geschlungen, einen Schmerz verursachen, dem niemand widerstehen kann. Na­türlich ist es notwendig, wie der Professor alle schwachen Punkte des Muskelsystems a fennen. Wer hätte jemals gedacht, daß das galante Taschentuch soviel Tücke in seinen parfümierten Falten verbergen kann?

Der entmenschte Roghi. Der Korrespondent der Lon­doner Daily Mail" in Elksar berichtet eine Schauerge­schichte von dem neuen marokkanischen Roghi( Prätenden­ten), der vor einigen Tagen eine Niederlage erlitten hat. Der vielgenannte spanische Schutzbefohlene Hamid Ben Ma­lek und seine beiden Söhne waren von dem Roghi gefangen genommen worden. Die Söhne wurden vor den Augen des Vaters hingerichtet. Dann versprach der Roght dem Hamid, daß sein Leben geschont werden solle, wenn er von dem Fleische seiner Kinder essen wolle. Der entsegte Vater wei­gerte sich, dies zu tun und wurde daraufhin sofort geköpft. Die Anhänger des Roght spielten mit dem abgeschlagenen Kopfe wie mit einem Fußball.

Ein unmusikalischer Gutsvorsteher. Aus dem Elbestädt­chen Schandau wird den Dresdener Anzeiger" berichtet: Vor drei Wochen unternahmen einige Dresdener Herren einen Ausflug in das Schrammsteingeblet und ließen sich auf einer der Schrammsteinaussichten nteder. Ein von Schandau mitgenommenes Bläserquartett blies um 11 Uhr vormittags von der Höhe einige Lieder, zunächst Mendel­sohns Wer hat dich, dr schöner Wald". Alle Spaziergän= ger waren über diese Ueberraschung Hocherfreut. Jetzt ist den Herren von der Kg! Forstverwaltung Postelmi fol­gende Strafverfügung zugegangen: An. 13. Mai d. J. haber Sie in Gemeinschaft mit anderen Herren auf den im Po­stelwitzer Staatsforstrevier gelegenen Schrammsteinaussich­ten ohne Genehmigung der zuständigen Gutspolizei durch eine Kapelle mit Blasinstrumenten Musik aufführen lassen und dadurch ungebührlicherweise ruhestörenden Lärm er­regt. Auf Grund von Paragraph 360 P. 11 des Strafgesetz­buches für das Deutsche Meich wird daher gegen Ste eine Geldstrafe von 10 Mart festgesetzt.

Teure Studenten. Nach einer Meldung der Vol. 3tg. besitzt zurzeit die Universität Perugia einen einzigen Medi­zinstudierenden im vierten Semester. Dieser Hörer kostet der Universität 50 000 Lire. Bereits im vorigen Jahre mußte man dort wegen der geringen Zahl der Hörer des fünften und sechsten Semesters verschiedene Kollegien auf­geben. Die Abwenderung der Studenten macht Riesen­schritte. Aehnlich liegen die Dinge an manchen anderen der 24 italienischen Universitäten. Viele freuen sich, wenn sie 200 bis 250 Studierende aufweisen können. Am meisten gefährdet erscheint zurzeit die Existenz der Universität in Messina.

Die Speisung der 55 000". Bei der Krönung des eng­lischen Königspaares werden in London etwa 55 000 Sol­Daten zusammengezogen sein, die in den öffentlichen Parks biwafieren, und die Pioniere sind schon eingetroffen, die Lager aufzuschlagen. Was die Verpflegung dieser unge­heuren Truppenzahl anbetrifft, so bekommt jeder Soldat die sogenannte Krönungsration", für die eine große Un­ternehmerfirma in London sorgt. Diese hat mit der Mi­litärverwaltung einen Kontrakt geschlossen, ähnlich den Verträgen, die in den Geschäftsbüchern der Firma unter den Namen eingetragen sind: Vertrag über das Begräbnis der Königin Vittoria, Vertrag über die Krönung König Eduards, Vertrag über das Begräbnis König Eduards, Vertrag über die Königsproklamation König Georgs. Den Truppen wird folgendes geliefert: Zum Frühstück:% Pfd. Brot, ½ Liter Tee, 300 Gramm Butter,% Pfund gefoch­tes Fleisch. Zum Mittagstisch: ½ Pfund Brot, 3, Pfund neue Kartoffeln, 1 Pfund Fleisch. Zu Abend: ½ Liter Tee, ½ Pfund Brot, 300 Gramm Butter. Um einige Abwechs­lung in die dritte Mahlzeit des Tages zu bringen, bekom­men die Truppen umschichtig zum Tee Fruchtgelee, Büch­senfleisch und Sardinen. Die Firma liefert nur die Ra­tionen, das Kochen besorgen die Armeeköche. Backen und braten ist verboten; daher wird jedes Gericht zum Mittag geschmort sein. Jeder Mann bekommt ½ Liter Bier oder Ingwerbier je nach Wunsch. Außerdem werden in den Parts 150 bis 170 Kantinen und Erfrischungshallen er­richtet, in denen die Mannschaften Kates, Schokolade und andere Kleinigkeiten kaufen können. Um sich einen Be­griff von der Ausdehnung zu machen, welche die Vorberet­tuna dieser Snelluna der 55 000 Mann erfordert, muß

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man sich vergegenwärtigen, daß gebraucht werden: Tee 1500 Kilogramm, Butter 10 000 Kilogramm, gekochtes Fleisch 10 000 Kilogramm, Kartoffeln 60 000 Kilogramm, 3wiebeln 20 000 Kilogramm, Fruchtgelee 8000 Kilogramm, Bier und Ingwerbier 110 000 Liter. Zur Ueberwachung der Lieferungen und der Verteilung ist ein Stab von über 12 000 Mann erforderlich, außerdem find 70 Aufseher und 12 Geschäftsführer der Firma dabet tätig.

Das Schloß Hohenzierig, das vom Kaiserpaar am 7. Juni von Neustrelitz aus besucht worden ist, birgt eine eigenartige Autographensammlung", in der sich die mei­ften fürstlichen Bewohner dieses Schlosses einzuzeichnen pflegen. An dem Flügel einer Tür, die aus einem Par­terresaal auf die Hintertreppe führt, haben zahlreiche fürst­liche Besucher des Schlößchens ihre förperliche Größe ge­messen, indem sie sich an den Türrahmen stellten und die Größe durch einen Bleistiftstrich kennzeichneten, zu dem jedesmal der Gemessene seinen Namen eigenhändig schrieb. Die Fürstenhäuser von Mecklenburg, Preußen, Dänemark, England, Rußland, Anhalt, Hessen- Nassau sind am meisten vertreten, merkwürdigerweise aber fehlt Kaiser Wil­helm L., obwohl er auch nach Anlegung dieser Autogra­renommlung" wiederholt in Hohenzierig war. Wahr­finlich war Kaiser Wilhelm jedesmal, wenn er an der Sterbestätte seiner Mutter weilte, eingedenk der Stunde, da er selbst dort als Knabe am Sterbelager der Königin neben dem Vater und dem Bruder gestanden hatte, zu bewegt, als daß man ihn zu dem scherzhaften Treiben, dem sich die anderen Besucher unterzogen, veranlassen wollte. Von den dort gewesenen Fürstlichkeiten überragen Kaiser Friedrich, der sich als Kronprinz dort einzeichnete, und Prinz August von Württemberg, der bekannte preußische General und Sieger von Chlum, alle anderen. Uebrigens schwebte diese Sammlung mehrmals in Gefahr, vernichtet zu werden, einmal durch eine allzu reinliche Bedienstete, die in Unkenntnis über die Bedeutung der Sammlung beim Großreinemachen sie wegscheuern wollte, dann aber auch durch ,, Sammler", die sich bei den Führungen durch das Schlößchen ein Stück zum Andenken" aus dem Tür­rahmen herausschneiden wollten. Ja, ein bekannter eng­lischer Sammler machte vor Jahren eine Eingabe an das Mecklenburg- Strelitzsche Ministerium, in der er eine sehr bedeutende Summe für Ueberlassung des Türrahmens bot.

Die Rechnung des Diebes. Aus Paris wird der Inf." geschrieben: Man spricht hier allgemein von einem amü­santen Vorkommnis, das einen der bekanntesten Pariser Junggesellen in empfindlicher Weise geschädigt hat, und das trotzdem nicht das leiseste Bedauern hervorgerufen hat. Dieser Junggeselle hatte einen Diener, der ihn durch ein geringes Versehen in Zorn versetzt hatte. Der Herr ließ sich dazu hinreißen, den alten Mann zu schlagen und auf die Straße zu weisen. Hier verbrachte der Unglückliche einen Teil der Nacht, bis ihm plöglich ein junger Mensch entgegentrat, den er um einige Pfennige ansprach, da er über gar keine Barmittel verfügte. Der junge Mann ließ sich die Geschichte des Dieners erzählen und schenkte ihm zu seiner größten Ueberraschung einen Hundertfrancsschein. Er brachte ihn in ein Hotel, bezahlte Pension im voraus und verschwand, noch ehe der Diener ein Wort des Dankes zu sagen vermochte. Als der Marquis eines Morgens, einige Tage nach jenem Vorfalle aus dem Klub na chhause fam, merfte er sofort an der Unordnung, die in seinen Räumen herrschte, daß bei ihm eingebrochen worden war. Er hatte die Absicht, sofort die Polizei zu alarmieren, aber da sah er auf seinem Nachtschränkchen ein großes weißes Kouvert liegen, das er öffnete. Darin befand sich eine Rechnung folgenden Inhaltes: Ueberführung eines Die­ners in ein Hotel und sonstige Ausgaben 150 Francs, Schmerzensgeld für den Mann 60 Francs, Hotelfosten im Voraus bezahlt 120 Francs, Unkosten für falsche Schlüssel 100 Francs, Unkosten für Aufwendung meiner Person 200 Francs, Summa 630 Francs. Obige Summe teils in Wertsachen, teils in barem Gelde richtig erhalten zu haben, bescheinigt Charles Gobineau, Dieb. Darunter stand noch die Adresse des Mannes, der den Einbruch verübt hatte, ganz genau angegeben. Der Marquis unterließ es aber trotzdem, die Anzeige gegen den Einbrecher zu er­statten. Er besuchte auch seinen alten treuen Diener sofort, und als er erfuhr, daß der Mann nichts von dem Dieb­stahl ahnte, nahm er ihn von neuem in sein Haus und setzte ihm eine hohe Summe Schmerzensgeld aus. Ueber die Rechnung des Diebes aber lacht augenblicklich ganz Paris.

Wissenschaft, Kunst und Literatur.

Joh. Svendsen, der bekannte dänische Komponist, ist in Kopenhagen gestorben. Svendsen hat ein Alter von 70 Jahren erreicht, und war weit über die Grenzen seines Vaterlandes bekannt.

Verschwinden des Hallenschen Kometen. Der Welten­wanderer, der im vorigen Jahre so viel Aufsehen erregte, ist jetzt dem Verschwinden nahe. Die vielleicht lehten Be­obachtungen in der gegnwärtigen Erscheinung dieses Him­melskörpers wurden jetzt am 40-3öller der Neuyorker Sternwarte gemacht. Er zeigte eine rasche Lichtabnahme und war schon schwächer als 15. Größe. 3arte Helligkeits­schwankungen wurden notiert, und am Ende der Beob­achtungen war der Komet sehr matt geworden. Die Sicht­barkeitsverhältnisse werden immer ungünstiger. Mög­licherweise wird er aber im Herbst noch einmal aufgefun­den werden können, bevor er sich auf Jahre dem Auge der Erdbewohner entzieht.

Der Einzug in Berlin.

16. Juni 1871.

Die Waffen ruhten; heim zogen, mit Lorbeer geschmückt, die deutschen Krieger in die jubelnde Heimat. Festesrau­schen, flatternde schwarz- weiß- rote Fahnen, mit Waldesgrün und Blumen geschmückte Feststraßen, jauchzende Volksmen­gen überall im jungen Deutschen Reiche. Aber am glän­zendsten gestaltete sich vor nun 40 Jahren der Einzug der preußischen Garde und der Abordnungen des gesamten deutschen Heeres durch das Brandenburger Tor in die neue Reichshauptstadt Berlin. An der Spitze der 42 000 Mann der oberste Krieg sherr, Kaiser Wilhelm! Auf dem Tempel­hofer Felde hatte er die Einzugstruppen besichtigt, dann setzte sich der Zug in Bewegung durch die Belle- Alliance­straße nach dem Brandenburger Tore. Auf dem Askanischen Plaze tönte dem Kaiser aus 10 000 jugendlichen Schüler­fehlen von einer Riesenbühne herunter der begeisterte Ge­fang der Wacht am Rhein" entgegen.

Und dann ging es durch das herrlich geschmückte Bran­denburger Tor. Dicht vor dem Kaiser ritten die dret Pala­dine: Bismarck, Moltke, Roon. Graf Moltke der Schlach­tendenker, zügelte sein mutiges Roß, welches vor den we­benden Fahne fcheute, mit der Kraft eines Jünglings, wäh

rend Fürst Vismard, der Staatsmann, feinen Braunen ge laffen gängelte und die jubelnden Zurufe mit freudestrah lendem Antlitz erwiderte. Selbst Roons schwermütige 3 ge heiterten sich auf: der Gedanke an die glänzende Probe, die die von ihm ausgestaltete Wehrordnung bestanden, übers wog den Schmerz des Vaters, der auf dem Felde der Ehre einen hoffnungsvollen Sohn verloren hatte. Dem Kaiser folgte unmittelbar der Kronpring. Unser Frig" hieß er in den Kriegszeiten und seit jener Zeit im Norden und Süden des Reiches, und alle die vielen kleinen Züge, die seines Sinnes Güte und Herzlichkeit in den ersten Monaten des Krieges ganz besonders offenbarten, waren in aller Mun de. Da folgte ferner Prinz Friedrich Karl, der rote Prina", der durch seine Kriegskunst, seine eiserne Tatkraft und die Unerschrockenheit, mit der er die Kriegsgefahren und die Un­bilden ertrug, sich mit die erste Stelle unter den Heerfüh rern erobert hatte. Dann kamen die anderen Prinzen und deutschen Fürsten, nun die Truppen, an ihrer Spitze die er­oberten Feldzeichen: 81 Fahnen und Adler.

Die Musik tönte, die Glocken läuteten, das Volk beglei tete den Zug mit immer wieder schallendem tausendstimmi­gen Hurra- und Jubelgeschret. Am Brandenburger Tore wurde dem Kaiser von einer Ehrenjungfrau ein Lorbeer­franz überreicht. Aber kaum hatte er ihn in Empfang ge­nommen, da fiel sein Blick auf eine Tribüne, die mit vers wundeten Offizieren besetzt war. Da wandte er sein Roß dorthin und übergab den Braven, die für ihn und das Vas terland ihr Blut vergossen hatten, mit huldvollen königlt­chen Worten Lorbeerkränze. Und weiter ging der Zug dte feenhaft ausgestatteten Linden entlang. Zwischen den Bäumen hatte man in unabsehbarer Reihe die mit Eichen laub bekränzten Kanonen und Mitrailleusen Napoleons aufgestellt, voran gewaltige Festungsgeschütze der Forts von Parts; Riefengeschütze waren auch an der Friedrich­straße aufgepflanzt. Dann folgten 82 erbeutete Mitrail­leusen. Die Gesamtzahl der hier aufgefahrenen Geschütze und Mitrailleusen betrug 543. Dazwischen erhoben sich Kandelaber mit Feuerbecken und an Uebergängen 46 Fuß hohe Stegessäulen und die Heldenzeit verherrlichende Rie­sengemälde. Am Blücherstandbilde auf dem Opernplay machte Kaiser Wilhelm Halt und ließ die Truppen an sich vorbeimarschieren. An ihm zogen auch vorüber, weithin im Winde flatternd und rauschend,.die eroberten französischen Fahnen, mit stürmischem Hurra von der Menge begrüßt. Dann ordnete sich alles in weitem Kreise um das noch ver­hüllte Denkmal König Friedrich Wilhelm III. im Lustgar­ten. Die französischen Feldzeichen wurden am Fuße des Denkmals niedergelegt. Die Hülle fiel, Kaiser Wilhelm salutterte, das edle Gesicht tief ergriffen zu dem Standbilde seines Vaters hinaufwendend, mit gezogenem Degen. Die prinzlichen Feldmarschälle grüßten mit ihren Marschallstäben das Bild des Großvaters. Die Truppen präsentierten, die preußischen Fahnen senkten sich, die Trommeln wirbelten, Musikchöre spielten Heil dir im Siegerfranz", alle Glocken läuteten, und 101 Kanonenschüsse erschütterten die Luft. Dann erscholl der Choral Nun danket alle Gott", in den die Anwesenden tiefbewegt einstimten. Manche treffende Inschrift gab das wieder, was aller Herzen an diesem Tage bewegte, aber treffender konnte dies nicht geschehen, als am Hause Bismarcks. Dort wehte eine mächtige Fahne mit den Versen Schillers: Wir wollen sein ein einig Volk von Brü­bern, in feiner Not uns trennen und Gefahr!

Am Abend ging es in Berlin natürlich hoch her: Alles wetteiferte, die flegreichen Truppen zu feiern und zu bewir ten. Die Reichshauptstadt erstrahlte im hellsten Lichter­glanze, und auf den großen Plätzen waren Tanzböden, Ee­frischungshallen und dergleichen für die heimgefehrten Ste­ger hergerichtet. Bis in dte späte Nacht hinein wurde hier der Siegeseinzug gefeiert, und kein Mißton störte das un­vergeßliche Fest des Wiedersehens.

Gewitter- und Sturmschäden.

Auch heute übermittelt der Draht wieder Meldungen über schwere Unwetterschäden. Leider sind auch eine An­zahl Menschenleben zu beklagen. Die Nachrichten lauten: O Triest, 15. Juni. Gestern in den Abendstunden entstand hier ein Gewitter, das in einen orfanartigen Sturm ausartete. Viele Schiffe im Hafen und auf der Reede wurden stark beschädigt. Eine Fischerbarke mit zwölf Mann Besatzung ist untergegangen. Auch ein großer Dampfer ist gefunken, jedoch konnte die Mannschaft ge rettet werden. In Triest sind zwanzig Leichen geborgen. In Santa Crucia waren vierzig Fischer auf dem offenen Meere; man befürchtet, daß sie umgekommen sind.

Paris, 5. Junt. In St. Crispin wurde gestern eine Gruppe auf dem Felde arbeitender Leute vom Blizz getroffen. Ein Arbeiter war sofort tot, die übrigen trugen schwere Verlegungen davon.

Die dritte Etappe des Rundfluges.

Von Schwerin nach Hamburg.

Von den bisher in Schwerin, dem Ziel der zweiten Etappe des deutschen Rundfluges eingefroffenen Fliegern starteten Donnerstag morgen in Gegenwart des Großher­zogs zur dritten Etappe Schwerin Hamburg Wincziers, Lindpaintner, König und Büchner. Büchner ist nach tele­graphischer Meldung als erster uni 6,29 Uhr mit seinem Passagier in Hamburg gelandet. Er hatte sich in dichtem Nebel verirrt und mußte eine Zwischenlandung vorneh­men. Lindpaintner ging bet Seedorf nieder infolge Motor­defektes, Wincziers ist bei Kirchsteinbeck wegen dichten Ne­bels niedergegangen.

Nach Beendigung der am Mittwoch stattgefundenen Schauflüge in Schwerin erhielt Lindpaintner den Ehren­preis des Großherzogs und des Prinzen Heinrich der Nie­derlande, König denjenigen der Großherzogin- Mutter und der Stadt Schwerin, Büchner den des Luftflottenvereins der Ortsgruppe Schwerin. Die Preise der ersten Etappe der mit 10 000 M dotterten Strecke Berlin- Magdeburg wer­den wie folgt unter die Flieger verteilt: Lindpaintner 3286 M, Büchner 1914 M, König 781 M, Schauenburg 766 M, Laitsch 768 M, Müller 609 M, Dr. Wittenstein 609 M, The­Ien 575 M, Vollmöller 687 M.

Drahtnachrichten und neuestes.

Sturz vom Kirchturm.

Frankfurt a. M., 15. Junt. An dem Dach der Kirche in Bonames werden zurzeit Ausbesserungen vorge­nommen. Gestern nachmittag gegen fünf Uhr wollten Dach­decker einer Bockenheimer Firma das Turmdach neu decen und seilten sich an einem Dachsparren an. Der Hafen, der in anscheinend morschem Holz steckte, riß plötzlich los. Zwei Dachdecker stürzten zuerst auf die Schutzvorrichtung, die nicht stand hielt, und stelen dann etwa zehn Meter tief aufs Straßenpflaster hinab. Der Dachdecker Sauer­sein wurde schwer, sein Kollege Fechter leicht verletzt.

übergreifen des Seeleutestreits auf Frankreich. Marseille, 15. Juni. Der Ausschuß der Syndikate der Hafenarbeiter und eingeschriebenen Seeleute hielt hier eine Versammlung ab, um aus Anlaß des Streiks der englischen Seeleute über den Generalstreik in den franzö fischen Häfen zu beraten.