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Die Erbsenkung in Hohensalza. Zu dem Verfinten etnes Hauses an der Orlower Straße in Hohensalza in der Provinz Posen, von dem wir bereits berichtet haben, wird noch weiter gemeldet: Der Unfall trug sich vormittags gegen 9 Uhr zu. Schon am Abend vorher wurde eine Senkung des zwischen dem Hause und einem Vorbau gelegenen Gärtchens beobachtet. Da die Nisse am Hauſe timer größer wurden, verließen die Einwohner thre Wohnungen. Kaum war dies geschehen, als auch schon unter donnerähnlichem Getöse der westItche Giebel des Hauses einstürzte und in die Tiefe verfant. Der ganze Hausrat von drei Familien ist mit versunken, so daß sie ihr ganzes Hab und Gut verloren haben. In die Zimmer hat man durch die eingestürzte Giebelwand einen Einblick. Noch sieht man den Hausrat stehen; an den Wänden hängen Spiegel und einige Kleider und auf den: Trockenboden noch Wäschestücke. Um die Mittagszett zerriß das überhängende Dach und stürzte in die tefe, aus der dumpfes Rollen nachhallte, wie aus einer größeren unterirdischen Höhle. Eine Staubwolfe steigt aus der Tiefe der Grube, deren Stän der aus der Entfernung einigermaßen erkenntlich sind. Im Laufe des Nachutittags dauerten die Einstürze fort. Gemäuer, Türen, Feniter, Fußböden, Spinde, Tische usw. verschwanden in der Tiefe. Die Häuser der näch ften Umgebung mußten auf polizeiliche Anordnung geräumt werden. Die neue Einsturzstelle ist von der Kirche, die vor zwet Jahren bekanntlich durch einen Einsturz nicht unerheblich beschädigt wurde, etwa 200 Meter entfernt. Dazwischen steht die Notkirche, die vor acht Tagen eingeweiht worden ist. Eine nach Hunderten zählende Menschenmenge umlagerte den Play, der durch Polizei und ein Kommando der Garnison abgesperrt ist.
Ein furchtbares Unglück hat sich im Markte Simbach a. Inn ereignet. Auf einem Blaze war unter den sonstigen Voltsbelustigungen auch eine Schiffsschaufel aufgestellt. Einem jungen Mädchen, das die Schaukel benutzte, war einiges Geld zu Boden gefallen, das es aufhob, als die Schaufel stille stand. Einer der bedtenenden Burschen aber setzte die Schaufel zu früh in Bewegung, das Mädchen wurde von der Kante der Schaufel mitten im Gesicht getroffen und blutüber strömt zur Seite geschleudert. Die rechte Gesichtssette wurde buchstäblich hinweggeriffen. Mehrere Beugen bteses gräßlichen Vorfalls wurden ohnmächtig. An dem Aufkommen des unglücklichen Mädchens wird ge zweifelt.
Bombenwürfe aus Luftschiffen. Die Luftschiffübungen in Cöln, an denen zwet Militärluftschiffe fellnahmen, führten zu interessanten Versuchen. Auf einem abgestellten Gelände bet der Luftschiffhalle wurden von ben Luftkreuzern Sprenggeschosse ausgeworfen. Die Versuche gelangen überaschend gut und sollen fortgesetzt werden.
Ein Berliner Ingenieur von spanischen Räubern ausgeplündert. Aus Hulva in Spanien wird gemeldet, daß dort der Ingenteur Hanssen von der Berliner Firma Orenstein und Koppel durch vier spanische Räuber völlig ausgeplündert worden ist. Hanssen lettete als Oberingenieur für die genannte Firma in Südspanien die Ausführung eines größeren Bahnbaues. Auf seiner Rückreise von Huelva zwischen Nerva und Bena, wurde er von vier bewaffneten spanischen Räubern überfallen, gebunden und beraubt. Es fielen den Näubern 45 000 esetas( etwa 36 000 Mart) in die Hände, außerdem wurde das Pferd geraubt. Die Räuber ent= famen und werden verfolgt. Hanssen selbst scheint unverletzt zu sein
Eine Fronie des Schicksal. Zu der Meldung, daß die vor kurzem gestorbene Helene von Rakowiza, die Freundin Lassalles, der Anatomie verfallen wäre, wenn nicht Freunde in tester Stunde die Beerdigungskosten für die in Armut Verstorbene berichtigt hätten, schreibt die Augsburger Abendzeitung: Das Romanhafte des Vorganges wird durch die Wirklichkeit noch überboten. Bekanntlich war Helenens dritter Gatte, der russische Schriftsteller Schewitsch, seiner Frau um wenige Tage im Tode vorangegangen. Kurz vorher hatte sich nun Helene in ihrer Not an ihren ehemaligen zweiten Gatten, den Schauspieler Siegwart Friedmann, um Hilfe gewandet, die auch sofort gewährt wurde. Inzwischen starb Schewitsch und so kam es daß das Begräbnis des dritten Gatten mit dem Gelde des zweiten bezahlt wurde.
Ein schwer Berkannter. Der in der Gemeinde Lettheim in Schwabent ansässige jüngere Freiherr v. Tucher erbot fich, das Amt des Bürgermeisters und Gemeindeschreibers sechs Jahre lang ganz umsonst zu führen, um den Gemeindefäckel zu entlasten. Das wollten aber die Lettheimer nicht haben und wählten einen anderen, und doch hätten sie es ruhig mit dem Fretherrrn als Steuermann versuchen könen, das Gemeindeschifflein wäre wahrscheinlich gar nicht schlecht dabet gefahren.
nicht bobet gefahrering. Auf
Antrag der Berliner Staatsanwaltschaft sollte am Fret tag abend die bekannte Operettensängerin Mizzt Wirth wegen verschiedener Betrügereten verhaftet werden.
" Durchaus nicht!" ftel der Prosessor schlagfertig ein. „ Die Großen jener früheren Betten lebten viel argenehmer als Ihr ins Treffen geführter Arbeiter. Denn fte hatten ja so und so viel Sklaven für die niederen Verrichtungen der Arbeit um sich."
" Stimmt! Stimmt!" sagte Onkel Muche begeistert. " Dann treten Ste also für die Sklaveret ein, Herr Professor? Ich danke schön!"
Onkel Muche fah ratlos von einem zu dem andern, und der Professor erwiderte mit Würde:„ Wir haben die Berichte der Alten, aus denen hervorgeht, daß die Sklaven durchaus nicht so schlecht behandelt wurden. wie sich das mancher denkt. Ist nicht in unserer Zeit auch die Behandlung mancher Menschen recht verwerf= Itch? Denken Ste als Jurist zum Beispiel an die schuid= Ios Verurteilten oder an jene, die grundlos in Unter fuchungshaft genommen werden!"
Doktor Waldow, der hinzugetreten war, verfärbte fich bet den letzten Worten des Driektors, und dieser wollte wetter sprechen. Aber Frau Justizrat Heinroth trennte die beiden Stretter, dte sich häufig in die Haare gerteten, auf einfache Wetse voneinander, indem sie mitteilte, daß im Nebenzimmer die Tafel gedeckt set, und die Gäste bat, Plaz zu nehmen.
Das ausgezeichnete Mahl und der vortreffliche Wein brachten bald eine freudige Stimmung über alle, und auch Waldom fühlte sich so fret und leicht, wie sett langer Zeit nicht.
Emmt hatte es so einzurichten gewußt, daß er zwtschen ihren Vater und sie zu ſizen kam, und so konnte sie ungezwungen manches Wort mit ihm wechseln.
Die Frau Gymnasialdirektor und die Frau Rechtsanwalt vertteften sich in ein wichtiges Gespräch über die Bubereitung von Hasenpfeffer und ob es besser set, den Teppich mit Essig oder Sauerkohl abzureiben, und Onkel Muche, dieses devote Familienfaktotum, das ganz am Ende der Tafel saß, lachte eifrig über jedes Scherzwort,
Trotzdem ihre Gage monatlich durchschnittlich die ansehnliche Höhe von 5000 M erreichte, hat sie in den legten zwei Jahren etwa 30 000 M. Schulden gemacht. Es scheint nun, daß die Sängerin von dem Vorhaben der Polizei von guten Freunden unterrichtet worden ist, denn es gelang ihr, sich der Verhaftung dadurch zu entziehen, daß sie die Kleider threr Zofe anzog und in dieser Verkleidung unbehelligt mit dem übrigen Publikum das Theater verließ. Als die Polizei nach Schluß der Vorstellung die Sängerin verhaften wollte, fand sie im Ankleidezimmer nicht die gesuchte KünstIerin, sondern ihre Zofe, die fich für ihre Herrin geopfert und die Kleider der Mizzi Wirth angezogen hatte. Mizzi Wirth fuhr noch vor Mitternacht von Berlin ab, um sich nach Moskau zu begeben, wo sie in einem dortigen Varitee ein Engagement angenommen hat.
Die Hutnadel. Die Deutsche StaatsbahnschaffnerBeitung" schreibt in ihrer leßten Nummer: In einer elfäffischen Stadt erschien vor einigen Tagen eine junge Dame auf dem Bahnsteig, um den Zug zu benutzen. Der Bug rollte heran, die Dame war gerade im Begriff, thr Abteil zu besteigen, als der Stationsvorsteher sich ihr näherte und sie ersuchte, thre Hutnadeln aus dem Hut zu nehmen oder die hervorstehenden Spißen zu schützen. Einen Schuß hatte die Dame nicht bei sich; die Nadeln herauzunehmen wetgerte sie sich, da thre Kopfbedeckung dann feinen Halt habe. Der Beamte forderte die Dame noch einmal auf, seinem Wunsch nachzukommen; als ste sich aber entschieden weigerte, schloß er sie von der Mitfahrt aus. Nun ging ein heftiger Protest los. Als Ant wort darauf konnte ihr aber der Stationsvorsteher die neueſte Bestimmung der Eisenbahndirektion Sqarbrücken entgegenhalten, in der es u. a. heißt: Die Eisenbahnverwaltung hat ihr Personal angewiesen, Damen mit solchen Hutnadeln zur Entfernung der Nadeln aufzufordern. Wer dieser Anordnung der Bahnbeamten nicht nachkommt, kann auf Grund des§ 11 der Etsenbahnverkehrsordnung von der Mitfahrt ausgeschlossen und zum Verlassen des Bahnhofes aufgefordert werden.
390 000 M. Unfallentschädigung. Bei einem Unfall auf der Süd Pacific- Eisenbahn in San Franzisko hatte ein Reisender beide Arme und ein Bein verloren. Die Eisenbahngesellschaft bot ihm zunächst 500 Dollar(!) Entschädigung an, womit er aber, und wohl mit Recht, nicht zufrieden war. Das Gericht, dessen Entscheidung er anrief, sprach ihm in erster Instanz 100 000 Dollar zut. Da der Kläger jedoch fürchtete, daß die höhere Instanz dieses Urteil nicht aufrecht erhalten würde, ging er auf einen Vergleich ein, auf Grund dessen ihm 70 000 Dollar Entschädigung gezahlt werden sollten. Trozz dieses Vergleichs famt es nochmals zu einer Klage, und das Gericht setzte nunmehr die Entschädigung auf 70 000 Dollar fest. Da für diese Summe Zinsen vom 31. Dezember 1906 zu zahlen sind und die Eisenbahnverwalfung außerdem die Kosten zu tragen hat, so hatte ste dem Verunglückten im ganzen die Summe von 92 747.65 Dollar oder nahezu 390 000 zu zahlen, was sie auch am 24. Jult d. J. mit einem Scheck getan hat. Die Sum me wird für die größte erklärt, die eine amerikanische Eisenbahngesellschaft bts jetzt an eine einzelne Person als Unfallentschädigung gezahlt hat.
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Richtig. Frau( als die Küchenuhr stehen geblieben, zum Gatten): Ich werde sie wohl auf zwet Uhr stellen können a'rade geh'n der Vorstand und der Sefretär drüben ins Büro!" Gatte:" Da ginge sie sicher nach Du mußt fie richten, wenn die Herren um fünf Uhr herauskommen!" Verschnappt. Sie: Wie konnten Ste sich erlauben, mich zu küssen, während ich heute morgen in der Hängematte lag und schlief?" Er:„ Ich habe ThSte nen doch nur ein einziges Süßchen geraubt!" ( empört):„ Lügen Sie nicht! Ich habe bis steben gezählt, ehe ich aufwachte."
Das
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Das Tagebuch des Verschütteten.
Während in Südafrika ein neues furchtbares Grubenunglück 200 Menschen in den Tiefen des Bergwerkes begraben hat, fand man in einer Kohlenmine Kaliforniens die Leiche eines Bergarbetters, der als ver schollen gegolten hatte, in den Tiefen des Werkes durch einen Erdsturz abgeschnitten worden war und einen furchtbaren Tod erlitten hatte. In der trampfhaft ge= ballten Faust des Toten fand man ein mit Bleistift mühsam hingefrißeltes Tagebuch über die sieben Tage des Sterbens. Der Morning Telegraph" veröffentlicht die Aufzeichnungen des Unglücklichen. 6. Oktober. Es tst zu Ende. Sagt meiner Frau, daß ich starb, ohne zu zittern. Es ist gräßlich, wie eine Ratte in der Falle rerenden zu müssen, aber Gottes Wille erfülle fich. 7. Oftober. Ich hungere, ich friere, ich erleide schreckliche Qualen. Warum fommt keine Hilfe? Vielleicht
nicht lange dauern. 8. Oktober( Sonntag). Noch am Leben. Ich friere so sehr und bin so müde. Hilf mir, o Gott. Ich verzethe meinen Feinden. Die Welt scheint
das gemacht wurde, und verzehrte dabet unglaubliche Mengen von Speisen.
Nach Schluß des Mahles, als der Champagner den Geistern schon eine erhöhte Schwungkraft verliehen hatte, erhob sich Herr Professor Sauermann um die Hausfrau hochleben zu lassen, die so wunderbar für alles Leibliche und dadurch indirekt quch für alles Geistige gesorgt habe. " Sie soll leben
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„ Hoch! Hoch!" fiel Onkel Muche voretlig ein.
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Der Professor sah ihn streng an. Bitte, ich bin noch nicht fertig!" sagte er scharf und erhob stirnrunzelnd den langen Beigefinger der Rechten, als wenn er einem setner Zöglinge drohte.
Onkel Muche knickte beschämt zusammen und stammelte demütig ein paar Worte der Entschuldigung, und der Professor fuhr fort:„ Ich meine, sie soll leben in Glück immerdar, wie es am heut'gen Abend war, wo sie fich auch als guter Geist gezeigt hat, indem sie ihre Fittiche wie ein holder Engel des Lebens über einen Mann gebreitet hat, der der nachdem er indem er gelitten hat nun wieder fret das Sonnenlicht atmet will sagen, im Sonnenlicht atmet-"
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Er hielt erschrocken inne. Die Totenstille ringsum und die starr nach ihm blickenden Gesichter brachten ihn zum Bewußtsein, daß er bös entgleist war. Und so erhob er rasch sein Glas und forderte die Anwesenden auf, anzustoßen auf das Wohl der Hausfrau.
Der Bann löste sich plötzlich, und hell klangen die Gläser aneinander.
mir jetzt so schön. Tod, wo bleibst du? 9. Oktober. Es ist Mittag. Warum vergißt man mich? Ich werde immer schwächer: ganz allmählich verläßt mich das Le ben. Ich gäbe es fofort für einen Schluck Waffer. 10. Oktober. Das Ende naht. Nun leide ich nicht mehr so viel und habe refigniert. Der Tod scheint mir sitßz und ich fürchte ihn nicht. Gott irret nté, bald werde ich sein Geheimnis kennen." Die letzte Eintragung lautet: 11. Oktober: Dies ist die letzte Nacht; nun tommt der Frieden. Lebt wohl!"
Das Chaos in China
wird von Tag zu Tag schlimmer und damit vergrößert sich auch die Gefahr für die Fremden. Für sie gilt es deshalb, auf der Hut zu fein. Sie können sich in China leichter gegen Gewalttätigkeiten schützen, weil sie in den größten Städten in abgeschlossenen Vierteln wohnen, die von einer Mauer umgeben sind und in der jebigen fritischen Zeit ständig bewacht werden. Auch die in den chinesischen Gewässern versammelten Kriegsschiffe ge= währen ihnen eine gewisse Sicherheit, so daß man mit einer gewissen Zuversicht der Entwicklung der Dinge zusehen kann. Aus Schanghai wird gemeldet, daß in Nanking und Umgebung große Verwüstungen durch Diebe und Ränber angerichtet werden, die die gegen wärtigen anarchischen Zustände dazu benutzen, so viel als möglich durch Räubereien herauszuschlagen. Eine Barke, welche mit Waren beladen war, die einer ame= rifanischen Firma gehörten, ist auf dem Roten Fluß den Räubern in die Hände gefallen. Ebenso wurde etn Automobil- Lastfuhrwerk, gleichfalls mit Waren beladen, die einem Amerikaner gehörten, beschlagnahmt. Die Führer der republikanischen Partei in Kanton veröf fentlichen eine Broklamation, in welcher sie den Mandschus, welche den Treueid leisten und die neue Regie= rung respektieren, vollständige Freiheit gewährt. Bis fett sollen mehr als 4000 Mandschus diesen Treuetd_geleistet haben und in Freiheit gefeßt worden sein. Eine wettere Proflamation untersagt das Tragen des Zopfes. Eine neue Partei, genannt die republikanisch- gemäßigte, hat sich in Kanton gebildet In Futschaut haben sich die geschlagenen Mandschus im Yamen des Gouverneurs versammelt. Diebe plündern und stecken alles in Brand.
Beking, 13. November. Juanschikai hat nach einem abermaligen Telegrammwechsel mit der Regierung eingewilligt, zur Besprechung der Lage nach Pefing zu kommen, lehnt aber nach wie vor den Vorsitz im Ministerrat ab. Von den Aufständischen ist ihm die Präsidentschaft über das vereinigte China angeboten worden. In Taisunfu haben sich, wie gemeldet wird, bte Revolutionäre bei der Empörung, wobei der Gou verneur, seine Frau und sein Sohn sowie 30 Mandschus enthauptet wurden, musterhaft benommen. Die Provinz unterstützt die Aufrührer. Tschifu ist ohne Blut> vergießen zu den Rebellen übergegangen.
Drabtnachrichten und neuestes.
Tragödie eines Brautpaares
Chemniß, 13. November. In Borna erschoß gestern der Lehrer an der höheren Knabenschule, Hochmut, feine Braut, die Tochter eines Gutsbesizers. Das Paar wollte Weihnachten Hochzeit machen. Hochmut leugnet die Tat und behauptet, seine Braut habe sich selbst erschossen.
Ein Ballon vor der Ostsee gelandet.
Stettin, 13. November. Wie aus Altenhagen gemeldet wird, landete dort am Sonntag nachmittag auf den Ahrenshooper Wiesen ein Ballon vom Erfurter Verein für Luftschiffahrt. Der Ballon war um 8 Uhr morgens in Erfurt aufgestiegen. Die Landung war eine glückliche, denn wenige Minuten später hätte der Ballon die Ostsee unter sich gehabt.
Wegen Gattenmordes zum Tode verurteilt. Tilfit, 13. November. Das hiesige Schwurgericht verurteilte die Kätnersfrau Ursula Tiessat aus Damedsen nach viertägiger Verhandlung wegen Mordes zum Tode. Die Verurteilte hatte thren Mann, mit dem sie in ständigem Unfrieden lebte, mit Rattengift, das sie unter die Spetsen mischte, vergiftet.
Handel und Verkehr.
Die günstige Wirtschaftslage tommt in folgendem Bericht der Rhein. Westf. 3tg." über den rheinischwestfälischen Eisenmarkt zum Ausdruck: Der allgemeine Beschäftigungsgrad hat in der Eisenindustrie einen Höhepunkt erreicht, wie er kaum in Hochkonjunkturjahren dagewesen ist. Bis April nächsten Jahres reicht durchschnittlich der Auftragsbestand, und der Abruf ist so lebhaft, daß ausgedehnte Lieferungsfristen von 6-8 Wochen verlangt werden. Prompte Lieferzeiten können selbst gegen Gewährung von Prämien nicht bewilligt werden. Die Arbeitsmengen sehen sich zum erheblichen Teil aus Auslandsaufträgen zusammen, wie denn das Ausland überhaupt start bei der guten Beschäftigung mitspricht.
war, nach dem man argwöhnisch hinschielte. Seine Miene verdüsterte sich.
Emmi merkte sofort, was in ihm vorging. Ste berührte sanft seinen Arm und flüsterte: Herr Doktor, ich möchte im Nebenzimmer ein paar Worte mit Ihnen sprechen."
Er sah sie dankbar an, und gleich darauf hob der Justizrat mit einigen scherzhaften Bemerkungen die Tafel auf. Alle erhoben sich, nur der Professor und der Rechtsanwalt blieben sizen. Trozdem sie sich am meisten stritten, so waren sie doch immer schwer auseinander zu bringen und konnten sich stundenlang mit dem größten Eifer ihre gegenteiligen Ansichten entgegenschleudern.
Felicia mußte auf allseitiges Bitten den YankeeDoodle vortragen, und Friz gab mit hübscher Baritonstimme einen schwermütigen Niggersong zum besten, wobei Felicia geschickt auf dem Klavier begleitete. Währenddessen saßen der Doktor und Emmt allein in dem Nebenzimmer. Ste hatte thm so viel sagen wolIen, aber jetzt, da sie mit dem Geliebten allein war, fehlten ihr die Worte, die Sprache blieb in der Kehle stecken. Ste sahen sich beide in die Augen und preßten thre Hände. Das langentbehrte Glück, endlich wieder einmal beisammen zu sein, schloß ihnen den Mund und ließ ihre vollen Seelen stumm meinander überfließen.
„ Sie Guter! Was haben Sie leiden müssen!" brachte fie endlich hervor, wobet ste fanft über seine Hände strich.
Den armen Doktor hatte es bet diesen Worten, die wohl der Dämon Alkohol veranlaßt hatte, bald heiß, bald falt überrieselt. Da war es wieder, was er für kurze 3ett vergessen hatte! Der Redner erinnerte ihn in seiner Harmlosigkeit nur zu deutlich daran, daß alle, wie sie sich auch stellen und verstellen mochten, doch in ihrem In- mag nern immer noch mit einem gewissen Verdacht auf thn schauten, daß für sie in seinem Leben ein dunkler Bunft
,, Und Sie Gute, was haben Sie mir Trost gespendet durch Ihr kühnes Auftreten," versetzte er weich und füßte ihre Hand.
( Fortsetung folgt.)


