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Gießener Zeitung
Bezugspreis 50 pfg. monatlich
( Neueste Nachrichten)
vierteljährlich 1,50 Mt., vorauszahlbar, frei ins Haus. Abgeholt in unserer Expedition oder in den ZweigErscheint ausgabestellen vierteljährlich 1,20 wk. jeden Werktag früh.- Die„ Humoristischen Blätter" Redaktion: liegen wöchentlich einmal gratis bei. Seltersweg 83. Für Aufbewahrung oder Rücksendung
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nicht verlangter Manuskripte wird nicht garantiert. Herausgeber: Albin Klein& Otto Fischer.
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II 2038.
Vertrag
in Gießen.
( 2. Blatt)
Was wir Wollen!
Von Direktor Pastor Stuhrmann
ist in der ersten diesjährigen Nummer der Wochenschrift „ Die Arbeit“ ein Artikel mit der Ueberschrift„ Was wir dem wollen" veröffentlicht, der weitesten Kreisen aus Herzen geschrieben ist. Er lautet u. a.:
Das Neujahrslied für Männer hat schon vor Jahr
tausenden der fromme Sänger des alten Bundes vor
gesungen, und es lautet:„ Mit Gott wollen wir
Taten tun!"( Psalm 60, 14). Taten tun wollen
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das ist Kraftbewußtsein. Aeußerung männlicher Energie. Wer nichts mehr tun kann, ist schwach und frank; wer nichts mehr tun will, der ist entweder ebenfalls frank oder aber ein Feigling oder ein Tagedieb; jedenfalls aber ist er überflüssig in der Gesellschaft von Menschen, in der er lebt oder vielmehr vegetiert. Denn zum bloßen Genießen sind wir nicht in der Welt, sondern wir sind arbeitspflichtige Geschöpfe. Christen gehö= wenn sie anders als das sind, was sie sein sollen ren weder zu dieser noch zu jener Menschenklasse. Arbeitslosigkeit wie Tatlosigkeit gibt es für sie nicht. Sie fühlen und haben das Zeug und den Mut, die Kraft und den Willen in sich, zu Taten nicht bloß zu reden. Reden, den Mund auftun für Ueberzeugungen und LeDas goldene bensanschauungen ist etwas Großes. Schweigen ist nur zu oft ein bequemer Deckmantel für charakterlose Gesinnungsfeigheit.
die
Mit Gott Taten tun wollen- das ist die höchste und tiefste Lebensaufgabe einer christlichen Per= sönlichkeit. Es ist auch das Lebensprogramm einer politischen Partei, welche die christlich- sittlichen Lebensgrundsätze zu ausschlaggebenden Faktoren im Staats- und Volksleben machen will. Das neue Jahr steht in einem rot aufflammenden Zeichen. Auf der einen Seite die geschlossene Phalanx der Partei, welche die Todfeindin nicht bloß der bürgerlichen Gesellschaftsordnung, nicht nur unseres bestehenden Staatswesens, sondern vor allem auch der christlich- sittlichen Weltanschauung und Lebensauffassung und Lebensbetätigung ist, und ihre geschlossene Feuerlinie verstärkt durch bürgerliche Schutztruppe jenes Liberalismus, der schließlich nur noch in der Klangfarbe sich von der roten Propaganda unterscheidet! Und auf der anderen Seite eine Zersplitterung der Kräfte, die einem das Herz zerreißen fönnte! Jch beneide alle die um ihr gutes Gewissen, zu welche die Verantwortung für den Luxus tragen und fönnen meinen, parteipolitischen Subjektivismus Partikularismus als höchste Weisheit taktischer Parteidiplomatie treiben zu dürfen. Daß solche Taktik einer bodenlosen Zielverschwommenheit und politischen Knochenerweichung nach dem natürlichen Gesetz der Entzu ſein. widlung führen muß, scheint ihnen nicht klar Durch solche Taktik muß man Augenblickserfolge erzie len; aber die innere sittliche Kraft geht zum Teufel und damit die Garantie für die Zukunft. Die vom Mandatshunger diftierte Umschmeichlung der Masse wird sich bitter rächen: die Frucht reift rot aus! Die Entwicklung schreitet über alle solche Mischmaschpolitik mit ehernem Fußtritt hinweg. Die Scheidung der Geister wird durch kein Paktieren und kein Kompromiß aufgehalten. Eine Scheidung in links und rechts politisch ge= sprochen oder in widerchristlich und christlich ― biblisch gesprochen- bahnt sich mit Naturnotwendigkeit
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an. Was hier neutral bleiben will, muß zugrunde gehen und wird weggefegt werden. Da tut uns Christlich- so zialen doppelt flare Zielstrebigkeit not! Unsere Partei ist eine sittliche ich spreche es immer wieder aus Notwendigkeit; und gerade im Blick auf die Versuche der letzten Zeit, uns in der alten konservativen Partei auf gehen zu lassen, muß das immer wieder betont werden. Ich bin konservativ bis in die Knochen, aber ich auch christlich- sozial bis ins Mark. Eine Verschmelzung beider Parteien unter dem altkonservativen Banner würde eine Verneinung des Kraftbewußtseins bedeuten, welche in dem christlichen Sozialismus wirkt und sich seine eigene Form zur Betätigung geschaffen hat und, wenn diese Form heute nicht vorhanden wäre, sich schaffen müßte. Es ist wahrhaftig fein parteipolitischer Partiku larismus, der diese seine Lebensform festhalten will; es ist der Ueberzeugungsausdruck der Gewißheit, diese eigene Form das notwendige Sammelbassin und die nötige Arbeitsstätte für viele christliche Elemente ist, die sonst mit ihrer Kraft gebunden bleiben würden. Darum feine Legierung von Konservativ und Christlich- so
daß
Enthält alle amfl. Bekanntmachungen
der Großherzoglichen Bürgermeisterei
sowie vieler anderer
des Großherzoglichen Polizei Amfes
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Behörden Oberhessens
Expedition: Seltersweg 83. ( Haus Brüder Schmidt.)
Samstag den 14. Januar 1911
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solcher Prozeß führt zu keiner neuen Kraftauslösung wohl aber eine ehrliche Allianz zu gemein ist samem Kampf wider gemeinsame Feinde! Möglich sie. Wird sie nicht gewollt wir wollen sie- dann geht der christliche Sozialismus auch allein seinen Weg zielbewußt, tatenfroh, sieges gewiß. Der Kampf wird in diesem Jahre toben, wie nie zuvor. Die Säulen wanfen, und der Boden zittert. Wir aber stehen fest- flar
( Gießener Tageblatt)
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23. Jahrg.
fratischen Reichstagskandidaten wurde dann von Reichstagsabgeordneten Behrens schlagfertig auf ihren wahren Wert zurückgeführt und die unrichtigen Darlegungen des Sozialdemokraten widerlegt. Abgeordneter Behrens frug den Sozialdemokraten zu dessen sichtlichen Verlegenheit, weshalb er denn den Landwirten die programmatischen Beschlüsse und Reden auf dem Breslauer sozialdemokratischen Parteitage zur Bauern=
den Blick, sicher das Auge, getrost das Herz, fampfbe- frage verschweige? Ob es denn nicht wahr sei, daß
reit, friegsgerüstet: wir wissen, was wir wollen, und darum wollen und können wir, was wir wissen! Wenn wir nicht wüßten, daß uns dennoch, dennoch, dennoch die Zukunft gehört, dann freilich täten wir besser, die Waffen aus der Faust und die Arbeitsgeräte aus der Hand zu legen. Aber noch tragen wir auf dem Helm des Heils die Schrift:„ Mit Gott!" Und weil wir sie tragen, darum fennen wir kein Grauen und keinen Kleinmut. Arbeiten wir weiter an dem Ausbau unserer Organisation! Kämpfen wir weiter in der Stille und in der Deffentlichkeit um die Seele unseres Volkes!
Ernst Moritz Arndt's Schlachtgesang vor hundert Jahren soll unser Neujahrslied sein:
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„ Zu den Waffen! Zu den Waffen! Als Männer hat uns Gott geschaffen! Auf, Männer, auf und schlaget drein! Laßt Hörner und Trompeten klingen, Laßt Sturm von allen Türmen ringen! Die Freiheit soll die Losung sein!" Ja, die Freiheit, die Gott will nicht jene Karidie Frei fatur, welche der soziale rote Haß zeichnet heit, welche Liebe, Frieden, Gerechtigkeit, Treue, Kraft und Leben ist! Dann mag kommen, was will- sei's trüber Tag, sei's heit'rer Sonnenschein, sei es das jink ende Abendrot zusammenbrechender Verhältnisse, sei es das aufflammende Morgenrot einer neuen Welt ser Siegeslied, das Lied von Männern, jauchzt: Wer es mit Gott herzhaftig wagt, Wird nimmer aus dem Feld gejagt!"
der wissenschaftliche Führer der Sozialdemo fraten Karl Kautzky u. a. ausführte:„ Für die Erhaltung des Bauernstandes einzu= treten haben wir keinen Grund, denn das könnte nur geschehen, indem wir sie in ihrem Besiz befestigen, also ganz entgegenge= ezt verfahren, wie sonst". Der Beschluß dieses Parteitages war denn auch wörtlich:„ Der vorgelegte Entwurf eines Agrarprogrammes ist zu verwerfen, denn dieses Programm stellt der Bauernschaft die Hebung ihrer Lage, also die Stärtung ihres Privateigentums in Aussicht." Also trotz aller schönen Reden sind und bleiben die Sozialdemokraten Feinde der deutschen Landbevölkerung.
Ein interessantes Geständnis.
In der Hochelheimer Versammlung am 7..Jan. machte der Abgeordnete Behrens in seiner Rede auf die sonderbare Tatsache aufmerksam, daß die Freisinnigen seiner 3eit, als die Liberalen im preußischen Landtag die Mehrheit hatten, keine Versuche gemacht hätten, ein besseres Wahlrecht einzuführen. Der Füh= rer der Fortschrittlichen Volkspartei im Kreise Wetzlar, Fabrikant Pfeiffer, antwortete darauf mit der bezeich= nenden Behauptung,„ d a ß damals, als die Liberalen die Mehrheit im Landtage hatten, seien die Wähler auch noch rückständig gewesen." Unter allgemeiner Heiterkeit der Versammlung stellte darauf Abg. Behrens fest, daß nach Ansicht des Herrn Pfeiffer also nur eine rückständige WählerAus dem Wablkreis Wetzlar- Altenkirchen.schaft liberal wähle. Er stimme in dieser Ansicht Herrn
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In den letzten Tagen hat sich hier schon ein recht interessanter Wahlkampf entwickelt, in dem unser Abg. Behrens gut abgeschnitten hat. Man lohnt ihm seine gute Arbeit im Reichstag jetzt durch großen Beifall, den er in den einzelnen Versammlungen bekommt. Es wird uns darüber geschrieben:
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Hochelheim, 7. Jan. Die christlich- soziale Versammlung, in der unser Reichstagsabge= ordneter Behrens redete, war so stark besucht, ja überfüllt, daß keine Nadel zur Erde fallen konnte. Das war ein neuer Beweis dafür, welcher großen Beliebtheit sich der Abg. Behrens in der hiesigen Gemeinde mit erfreut. Der Vortrag des Abgeordneten wurde großem Beifall aufgenommen. Der freisinnige Agitator Pfeiffer aus Wetzlar versuchte seine bekannten Verdrehungen an den Mann zu bringen, hatte jedoch bei der Versammlung kein Glück, denn die hiesigen Wähler sind politisch so geschult, daß sie über die freisinnigen Fase leien nur lächeln. Der sozialdemokratische Redner trug, abgesehen von einer die versammelten Landleute beleidigenden Aeußerung, die großen Unwillen hervorrief, seine Sache ruhig vor, ohne jedoch die geringste 3u
ſtimmung zu finden. Im Schlußwort widerlegte Abg. Behrens die beiden Gegner. Mit frischem Humor wies er das Törichte der freisinnigen und sozialdemokratischen Setzpolitik nach. Die Versammlung war ein rechter Beweis, daß in unserer und den Nachbargemeinden Christlich- sozial guten Klang hat.
„ Die Bauern mit den dicken Bäuchen füßen auf der ersten Bank in der Kirche", das war der prägnante Satz, mit dem der sozialdemokratische Reichstagskandidat Kremser für Kreis Wetzlar- Altenkirchen, seine Darlegungen in der Versammlung der christlich- sozialen Partei in Hochelheim einleitete. Im übrigen sprach er dann aber nicht über die Stellung seiner Partei zur Religion, sondern über das Vermieten der Kirchenstühle in seiner Heimat". Die für die Landwirte so verlegenden Sätze wurden von der Versammlung mit heftigen Unwillen zurückgewiesen. Im übrigen erging sich der sozialdemokratische Redner in einer Preispolitik für landwirtschaftliche Produkte, die zu töricht war, um auf Landwirte Eindruck zu machen. Die sonderbare„ Landwirtschaftspolitik" des sozialdemo
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Pfeiffer, der es als liberaler Führer ja wissen müsse, vollkommen zu. Da heute die Wähler aufgeklärter seien, deshalb könnten die Liberalen keine Geschäfte mehr machen.
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-e= Ulm. Die hier stattgefundene christlich- so= 3 i ale Versammlung, in der unser Reichstagsabgeordneter Behrens sprach, war überaus stark besucht. Der eineinhalbstündige Bericht unseres Abgeord= neten wurde mit großem Beifall aufgenommen. Aus Wetzlar war der Allerweltsredner Pfeiffer gekommen, um die bekannten freisinnigen Steuerredensarten Stapel zu lassen. Da er sich gewissermaßen als der Vormund der ländlichen Wähler aufspielte, so wurde ihm unter lebhafter Zustimmung der Versammlung vom Abgeordneten Behrens bedeutet, daß er die liberalen Herren aus Wetzlar keineswegs als Vormünder der Wähler im Landkreise anerkennen könne. Die Wähler in den Landorten seien politisch geschult genug, um ihre Sache selbst zu führen, dazu seien die Wetzlarer liberalen Herren nicht nötig. Wichtig war folgende& e ststellung. Abg. Behrens erklärte, es sei ihm mehr
verbreitet würde, er habe für die Tabaksteuer, für die Kaffeesteuer, für die Zündholzsteuer gestimmt. Das sei unwahr. Um diesen Verläumdungen ein Ende zu machen, erkläre er jeden, der ihm diesen unw a h- ren Vorwurf mache für einen groben Lügner. Da der Vorwurf„ grober Lügner" eine Beleidig= ung sei, so fordere er diejenigen, die dieser Vorwurf trifft, auf, ihn zu verklagen, damit an Gerichtsstelle fest. gestellt werden könne, ob er für Tabak-, Kaffee- und Zündholzsteuer gestimmt habe. Nach dieser Erklärung sprang Herr Pfeiffer erregt auf und erklärte, daß Herrn Behrens den Vorwurf nicht gemacht habe. Herr Behrens nahm darauf von dieser Erklärung des Herrn Pfeiffer Kenntnis und stellte fest, daß Herr Pfeiferabstimmungen vollkommen forrekt gehandelt habe. Da fer damit anerkenne, daß Abg. Behrens in diesen SteuHerr Pfeiffer anscheinend für die Freisinnigen fein reines Gewissen hatte, so wehrte sich Herr Pfeiffer gegen diese logische Schlußfolgerung. Die Versammlung, die von Herrn Behrens angerufen wurde, stimmte den Ausführungen des Abg. Behrens zu.
fach mitgeteilt, daß von liberaler Seite im Wahlkreise
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