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Zu dem Duell Richthofen- Gaffron teilt der Bruder bes ersteren, Legationssekretär Frhr. v. Richthofen, dem Berliner Tageblatt" mit, es sei vollständig unzutreffend, baß die Straftammer festgestellt habe, Herr v. Gaffron habe in der Geldgeschichte völlig einwandfrei gehandelt. Das Gericht habe ich mit der Geldaffäre überhaupt nicht zu befassen gehabt. Im übrigen habe der Oberlandesge­richtsrat Frhr. v. Richthofen als Zeuge unter seinem Eid ausgesagt, daß nach seiner menschlichen und juristischen Auffassung das Verhalten Gaffrons in der Geldgeschichte nichts anderes sei, als Wucher. Die ehrengerichtliche Un­tersuchung, die v. Richthofen nach dem Rencontre in dem Weinrestaurant selbst gegen sich beantragt habe, habe das Ergebnis gehabt, daß das Verhalten v. Richthofens so­wohl in der Geldaffäre, als auch bei dem Rencontre und dessen Folgen einwandfrei gewesen sei. Das gerichtliche Verfahren gegen den Leutnant v. Richthofen beginnt am Montag und wird wohl die vollkommene Aufklärung des Falles ergeben. v. Gaffron war verheiratet und lebte in seiner Villa in Potsdam auf sehr vornehmem Fuße. Er hielt mehrere Reit- und Rennpferde. Auch als Maler be vorzugte er Tier und Sportbilder. Er wird in seinem Geburtsdorf in Schlesien bestattet werden.

Opfer des Blizes. In östlicher Richtung von Bam­berg und in der Fränkischen Schweiz sind heftige Gewitter niedergegangen, die von Wolkenbrüchen und Hagelwetter begleitet waren In Memmelsdorf bei Bamberg wurde die Frau des Meggers Möhrlein vom Blitz erschlagen. In Gunzendorf wurden zwei Kinder auf der Straße vom Blizz getroffen und getötet. Auch in anderen Orten hat das Unwetter furchtbar gehaust; der Blitz hat mehrmals ein­geschlagen, so in Leiter bei Aschaffenburg, wo der Dienst­fnecht eines Gastwirtes auf seinem Gespann vom Blizz ge= tötet wurde.

Ein neuer großer Kupferfund in Deutsch- Südwestafrika ist auf der Farm Heidelberg, die einem Herrn Tobias ge hört, gemacht worden. Die Analyse des Erzes ergab 18 bis 20 Prozent Kupfer, etwas Blei und Silber. Ein Syn­dikat zur Aufschließung des Kupferfundes hat sich gebildet. Während die Erze von Tsumeb und Otavi meist in Kalt vorkommen, hat man es in Heidelberg anscheinend mit Granit zu tun. Wir weisen darauf hin, daß Kupfer im Granit manchmal mit Gold verbunden auftritt.

Mörderische Reflame. Auf einem großen Plaze Chi­cagos wurden die Passanten jüngst Zeugen einer außer: ordentlich aufregenden Szene: aus dem ersten Stodwerke eines Hauses hörte man gellende Hilferufe, dann ging ein Fenster in Trümmer, und dahinter erschien eine junge Frau, augenscheinlich in größter Aufregung. Eine Strick leiter wurde zu Boden herabgelassen, in größter Eile klet­terte die junge Frau die Leiter abwärts, und hastig folgte thr ein junger Mann. Während die beiden noch zwischen Himmel und Erde kletterten, erschien im Fensterrahmen eine zweite männliche Gestalt, mit einem Dolche bewaff­net, die voller Wut schrie: Sa, Treulose, Du mußt ster­ben!" Entsetzt folgte die Menschenmenge, die sich mittler­weile angesammelt hatte, diesen Vorgängen. Die Polizei eilte herbei; plöglich aber machten die drei handelnden Personen Halt, und der Herr mit dem Dolche sagte mit vernehmlicher Stimme: Meine Damen und Herren! Dies ist eine Szene aus dem fesselnden Roman, mit dessen Ab­brud die X.- Q.- 3.- 3eitung heute abend beginnt."

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Aus dem Vertrage eines Südpolfahrers. Man schreibt der Frff. 3tg.: Eine aus mehreren oder gar vielen Mit­gliedern gebildete Forschungsexpedition bedarf einer ge­nauen Festlegung der Rechte und Pflichten dieser Mitglie­der. Geschähe sie nicht, so wären Differenzen und Miß­helligkeiten eine tägliche Folgeerscheinung, die die Ergeb nisse des Unternehmens schwer beeinträchtigen, wenn nicht gar zu seinem Scheitern führen müßte. Das ist auch schon vorgekommen. Besonders eine Polarexpedition ist einem Feldzuge vergleichbar, in dem, soll er gelingen, der Ober­führer und die Unterführer ihre genau umschriebenen Be­fugnisse haben müssen. Man pflegt also heute durch Ver­träge und Vorschriften die nötige Klarheit zu schaffen. Das ist auch bei der jetzt aufgebrochenen zweiten deutschen Süd­polarexpedition geschehen. Vergleichsweise einfach war diese Angelegenheit bei Expeditionen zu regeln, die von Seeleuten geleitet wurden, z. B. bei fast allen englischen Nord- und Südpolarfahrten. Ist aber der Leiter eine Landratte, so braucht z. B. das Schiff einen Kapitän, der bis zu einem gewissen Grade ebenfalls eine leitende Stel­lung haben muß, und es ist nicht einfach, diesem Verhält­nis Rechnung zu tragen. Bei der zweiten deutschen Süd­polarerpedition so heißt es in der Dienstanweisung ist der Kapitän dem Leiter für die Erhaltung des Schiffes, sowie dafür verantwortlich, daß der Schiffsdienst stets der Expeditionsaufgabe entspricht. Der Kapitän hat allen Anordnungen des Leiters, die die Durchführung dieser Auf­gabe bezwecken, Folge zu leisten; aber er behält die volle seemännische Verantwortung für das Schiff. Das Verhält­nis der Besatzung zum Schiffsführer regelt die Seemanns­ordnung. Alle Teilnehmer bekommen Gehalt und eine Polarzulage, die von dem Eingetragenen Verein Deutsche antarktische Expedition" gezahlt werden. Die dafür im Kostenanschlag für zwei Jahre und 35 Teilnehmer ausge worfene Summe beträgt 240 000 M. Alle Teilnehmer sind überdies auf Leben und Invalidität versichert, bei einer Versicherungsgesellschaft sowohl wie bei der Seeberufsge­nossenschaft, wofür die Prämie auf jährlich etwa 50 000 Mark bemessen ist. Die Mitglieder des wissenschaftlichen Stabes haben ihre bestimmten Fächer zu versehen, im üb­rigen grenzt der Leiter ihre Arbeitsgebiete ab. Kein Mit­glied darf Nachrichten über die Expedition in die Oeffent­lichkeit bringen, dieses Recht hat nur der Letter, der mit ber Verbreitung seiner Meldungen eine Berliner Korre­( pondenz beauftragt hat.

Der Chekontrakt einer Suffragette. Eine Londoner Suffragette ist mit allen Zeichen begründeten Mißtrauens in den heiligen Stand der Ehe getreten. Soweit es sich tun ließ, hat die Dame natürlich ihre Interessen gewahrt und keine von den althergebrachten Formeln bei der Trau­ungszeremonie geduldet, die ihr auch nur den Schatten einer Abhängigkeit vom Manne zugemutet hätten. Aber für eine würdige Vorkämpferin der Frauenrechte hat das Unternehmen immerhin noch seine Gefahren. Die uner­Schrockene Ehekandidatin hat denn auch zur Warnung

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des Gatten einige hundert handfeste und stimmgewal­Hige Gesinnungsgenossen zur Feier mitgebracht; und man tann sich vorstellen, wie dem depossedierten Tyrannen da zumute wurde! Er wird auch auf die Dauer mit seinen etwaigen Herrschergelüften man fennt fa diese Män­fein Glück haben. Dafür sorgt der Ehevertrag, der von einem besonderen Frauenkomitee ausgearbeitet

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und von den beiden Parteien unterschrieben wurde. Die­ses denkwürdige Schriftstück enthält unter anderem fol­gende Punkte: 1. Die Angelegenheiten des Hausstandes werden auf parlamentarisch- konstitutioneller Basis erle­digt. Die Legislative liegt in der Hand der Frau, die Exekutive bleibt dem Manne vorbehalten, d. h.: er hat zu tun, was die Frau will. 2. Das Parlament(= die Frau) beschließt stets einstimmig. 3. Das Ministerium (= der Mann) ist verantwortlich und fann gestürzt wer­den. 4. Der Mann verpflichtet sich, nicht früher eine Kan­didatur fürs englische Parlament anzunehmen, als bis eine weibliche Mehrheit in diesem Hausre erreicht wurde. Inzwischen hat er bei jeder passenden Gelegenheit die Mi­nister zu beschimpfen und womöglich zu verprügeln. Sollte er während des ersten Ehejahres nicht mindestens fünf Monate Gefängnisstrafen aufzuweisen haben, so ist die Ehe ungültig.

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Die verkannte Bombe. Ein heiteres Vorkommnis be­richten Petersburger Blätter aus Wilna. Bringt da vor einigen Tagen ein Dienstmann nach dem Winogradschen Progymnasium ein schweres Paket, für den Herrn Turn­lehrer." Der Hausmeister nimmt die Hülle vom Paket und wird bleich vor Schred eine Bombe! Der Turnlehrer wird herbeigerufen, sieht die Höllenmaschine, leugnet jeden Zusammenhang mit dem Schredensinstrument und läuft entsetzt davon. Endlich beschließt man, die Polizei von dem Vorfall zu benachrichtigen. Mehrere Polizisten, Gen­darmen und Kriminalbeamte eilen herbei, prüfen den ver­dächtigen Gegenstand und benachrichtigen den Staatsan­walt. Inzwischen wird die Bombe unter Beobachtung aller Vorsichtsmaßregeln nach dem Polizeibezirk transportiert und gleichzeitig der Gouverneur und alle Polizeibezirke benachrichtigt, worauf unverzüglich eine energische Unter­suchung eingeleitet wird. Nun hat in demselben Hause, in welchem sich das Gymnasium der Frau Winograd be­findet, auch der Sofol" seinen Siz. Turnlehrer im ,, So­fol" ist ein gewisser Czyzewski. Unter polizeilicher Eskorte wurde Czyzewski an den Ort der Entdeckung der Bombe gebracht. Im Polizeibezirk wurde ihm die auf dem Tische liegende Bombe gezeigt; er ergriff sie und hob sie in die Höhe..

Die Anwesenden sprangen vor Schrecken

dicht an die Wand. Also das ist die Bombe?" rief er. Und ohne zu überlegen, warf er den Gegenstand auf die Erde. Es ertönte ein schwerer..... Aufstoß. Nun er­läuterte Czyzewski, daß der Absender des verhängnisvollen Patets ein Lehrer der Lokal- Gymnastik an den örtlichen Kronslehranstalten sei. Jener lieh sich, bevor er sich zu dem Preisturnen nach Turin begab, von Czyzewski eine zwölfpfündige eiserne Kugel, die ihm zu besonderen Uebun­gen im Werfen notwendig war. Und nun sandte er sie zu­rüd. Die Aufklärungen wurden als ausreichend erachtet, Czyzewski auf freien Fuß und die Polizeibezirke sofort in Kenntnis gesezt, daß es keine Bombe, son­dern eine Jerunde" war, die ganz Wilna einen halben Tag lang in atemloser Spannung gehalten hatte.

Breußische Klaffenlotterielose unter Preis offerterte ein Berliner Lotteriehändler, indem er an sämtliche preu­Bische Lotteriekollekteure ein hektographiertes Rundschret­ben versandte, in dem er sich erbot, für die 5. Klaffe ganze Bose für 180 M statt für 200 M Itefern zu wollen. Die met­sten Kollekteure übersandten das merkwürdige Angebot der Generaldirektton, welche die Kriminalpolizei mit der Er­mittelung über den Ursprung der Lose betraute. Es wurde folgendes festgestellt: Mehrere ruffische Handelsleute betrie­ben seit längerer Zeit einen eigenartigen, recht lohnenden Losehandel mit echten preußischen Losen. Sie kauften eine größere Anzahl davon an und verkauften und vermiete­ten diese in Rußland an Spiellustige, aber nur bis zur 4. Klaffe. Bis hierin deckten sich Einahmen und Ausgaben. Nun erwarben ste planmäßig die Lose zur 5. Klasse wieder für je 40 M pro ganzes Los, gaben diese aber nicht mehr an thre bisherigen Spieler ab, sondern verkauften sie nun für 150 Man Private oder auch an Händler in Deutschland, da= bet an jedem Lose 110 M verdienend. Die Kriminalpolizet verhaftete zwei dieser genialen Handelsleute; bei einem von ihnen wurden nicht weniger als 50 ganze Lose im Werte von 10 000 M vorgefunden.

Ein Eisenbahnidyll. Den Münch. N. N." wird ge= schrieben: Nicht um ein Lokalbahnidyll, sondern um eins von der großen, richtigen Staatseisenbahn handelt es sich. War da in einem Raum für Herren am Bahnhof des Fug­gerstädtchens Babenhausen ein Retsender damit beschäftigt, Einlagefohlen in feine Stiefel zu tun, von denen ihm et­iter hinunterfiel in die grausige Tiefe. Bis der Schuh wie­der von einem willigen Retter für 50 Reichspfennige her­aufgeholt und gründlich gereinigt worden war, wartete, in Anbetracht des außerordentlichen Falles, der Zug, um mit einer Verspätung dann abzudampfen. Und nun sage noch einer, die banerischen Staatsbahnen vernachlässigen die Rücksicht auf das reisende Publikum.

Der Gipfel der Zerstrentheit. In einer Plauderei über Künstler und Gelehrte, die eine russische Zeitschrift ver­öffentlicht, wird eine köstliche Episode von dem Shakespeare­Ueberseber Professor Jurjem erzählt, über dessen Berstreut heit in Moskau zahlreiche Geschichtchen umlaufen. Eines Tages hatte Jurfew Gäste geladen und etne Art Itterart­scher Soiree veranstaltet. Die Unterhaltung hatte ihren Gipfelpunkt erreicht, als der Professor, noch vor dem Abendeffen, langsam dem Ausgange zusteuerte und, in tte­fes Nachdenken versunken, in dem Haufen der Hüte und Müßen herumwühlte. Seine Gattin bemerkte dieses son­derbare Gebahren und eilte auf ihn zu. Was suchst du denn da?" fragte ste. Er blinzelte ihr zu und flüsterte: Meine Müze suche ich! Das ist ja hier so langweilig, daß es nicht mehr auszuhalten ist! Komm auch mit! Wir wollen uns auf französisch empfehlen, sonst könnte sich die Haus­frau am Ende beleidigt fühlen, daß wir so früh aufbrechen. Was soll man hier machen?" Die belustigte Gattin ver­mochte ihm nur mit Mühe klarzumachen, daß sie selbst diese unglaublich langweilige Soiree veranstaltet hätten, und daß er soeben im Begriff gewesen set, heimlich aus dem eigenen Heim zu flüchten.

Das billige Landleben.

Es muß doch eine wahre Luft sein, auf dem Lande zu leben, meint mancher Großstädter, so schreibt ein ländlicher Leser aus Oberhessen einem Frankfurter Blatte. Die ge­funde Luft, die natürlichen Verhältnisse, die Gelegenheit, alles frisch, wohlschmeckend und billig zu kaufen, da muß man doch ein nettes Summchen sparen fönnen. Denn die billigen Wohnungen, kein gesellschaftlicher 3wang, fein un­nötiger Komfort, feine Ausgaben für Theater und ähn lichen Luxus. Vorteile, nichts als Vorteile.- Nun ja, das Land ist schön, ich wohne gerne auf dem Lande und schwärme dafür. Weil ich ein völlig ungezwungenes Leben zu führen beabsichtige und auch führe, soweit mir die berufliche Tätig­fett feinen 3wang auferlegt. Und dann stelle ich absolut gar keine Ansprüche an das Leben. Ich suche mich auf die allerbilligsten Weise durchzubringen, jede unnötige Ausgabe zu vermeiden, nur meine Zigarre fann ich nicht entbehren. Würde ich aber irgendwelche Ansprüche, wie sie die Groß­stadt bietet und fordert, ans Leben stellen, dann wäre ich bald auf dem Nullvunkt angelangt.

In der Stadt z. B. ist es üblich, daß zu jedem Mittags­tisch Fleisch oder Fleischspeisen gefocht werden; das entbehre ich meistens, höchstens zweimal die Woche habe ich Fleisch, davon wenns gut geht einmal gebratenes. Warum? Jetzt fostet in der Großstadt das Schweinefleisch 70 und einige Pfennige, hier bei mir auf dem Lande kostet es 85 Pfennig. Ein Pfund reicht aber nicht für ein Mit­tagsmahl meiner Familie und da mein Verdienst nicht aus­reicht, muß ich auf Fleisch vielfach verzichten, worüber ich aber weiter nicht bös bin. Frische Eier? Ja, die gibts auf dem Lande, in der Hauptsaison vor Ostern fann man sie vierzehn Tage oder drei Wochen lang für sechs und sieben Pfennig kaufen, dann aber, im Sommer, und besonders im Herbst und Winter fann man auf dem Lande meistens überhaupt keine Eier bekommen. Wenn die Hüh ner brüten, oder sich mausern, hat der Bauer nur noch et nige Leger unter seiner Hühnerschar, diese paar Eier ver­fauft er nicht, oder nur sehr teuer. Frisches Gemüse? Wenn man ein Stück Land in Bewirtschaftung hat, kann man Gemüse billig pflanzen, sonst Gemüse außer der Zeit zu erhalten, wäre faum erschwingbar. Man muß sich aber für die Sonntage und wenn einmal Besuch kommt, einen tüchtigen Ständer Sauerkraut einmachen; das ist immer noch die Nationalspeise" auf dem Land bei den kleinen und kleinsten Leuten. Dazu Kartoffelbrei und wenns gut geht ein Stück Speck. Herz was begehrst du mehr! Gewöhn Itch gibts morgens zum Kaffee Pellkartoffeln, zum Früh­stück Brot und Käse( und leider oft Schnaps), mittags Mehlspeisen oder etwas von Kartoffeln, nachmitags Kaffee und Brot, abends Kartoffeln und Kaffee. Die Zeiten, wo man Did miIch haben konnte, sind vorüber, die Molfe= reien verbrauchen die Milch. Vom Bauer kaufe ich heute den Schoppen, ein halbes Liter, süße Milch zu 9 3, das ist über ein Drittel teurer als früher.

Meist haben die geringen Leute" eine zahlreiche Fa milie, sodaß sehr gespart werden muß, wenn man auskom­men will. Die Tischschublade muß verschlossen gehalten werden, sonst räumen die Jungen außer den Tischzeiten mit dem Brote auf. Bei dem oft reichen Kindersegen der armen Leute stellen diese das Hauptkontingent zum Militär, fönnten es aber noch mehr, wenn die Jungen nicht durch interernährung. und dadurch entstehende Krankheiten in der Entwicklung zurückbleiben. Und wie stehts mit der Hygiene? Ja, im Sommer kann man ab und zu im Bach baden, oft aber ist keine Zeit dazu, auch eine gewisse Scheu hält davon ab; sonst ist keine Badegelegenheit vor­handen.

Wer den Leuten all diesen Mangel am Gesicht ablesen will, der braucht nur in die armen Kreise zu blicken. Frei­lich, manche Ausgabe für Genußsucht" auf dem Lande wür­de besser zur Pflege des Körpers verwendet, aber es fehlt die belehrende Anregung.

Drabtnachrichten und Deuestes.

Die Hauptstadt der mexikanischen Insurgenten. El Paso, 12. Mai. Die Rebellen haben Juarez als Hauptstadt proklamtert und eine provisorische Regierung eingesetzt.

Ein Türke in Holland ermordet.

Cöln, 12. Mat. Im Haag ist ein türkischer Kaufmann namens Murad Bay, der einen Laden mit orientalischen Sachen hatte, in seinem Schlafzimmer ermordet aufgefun­den worden. Neben dem Toten lag ein Spithammer, mit dem der Mord ausgeführt worden war. Laden und Woh­nung waren vollständig ausgeraubt. Der Türfe hatte ei­nen jungen Griechen als Gehilfen, der verschwunden ist. Man nimmt an, daß dieser der Mörder ist.

Die Folgen eines Bligschlags.

Hamburg, 12. Mat. In Elmshorn schlug der Blitz in das Polizeigebäude ein. Dabei fiel eine Steinfigur in eine spielende Kindergruppe und tötete ein vierjähriges Kind.

Zwei Knaben beim Baden ertrunken. Duisburg, 12. Mai. Beim Baden in der Alten Emscher ertranfen im benachbarten Neumühl zwei Knaben von 12 und 13 Jahren.

Eine neue Duellaffäre. Breslau, 12. Mai. Zwei Offiziere der dem 6. Jä­gerbataillon zugeteilten Maschinengewehrabteilung, die Freiherrn von Dallwik und von Lee, duellierten sich gestern. Zepterer wurde durch einen Schuß in die Brust schwer ver­letzt. Es heißt, daß es bei einem Streite im Kasino zwischen beiden Offizieren zu Tätlichkeiten gekommen war.

Berliner Getreide: und Schlachtviehmarkt.

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In der ersten Hälfte der am 10. Mai beendeten Be­richtswoche machte die Aufwärtsbewegung der Roggenpreise zunächst weitere Fortschritte, dann aber veranlaßten Re­genfälle in den bisher unter Trockenheit leidenden südlichen Gebieten Rußlands die russischen Exporteure, in größerem Umfange zu nachgiebigeren Preisen Offerten zu machen. Als daraufhin am Berliner Markt ein Preisrüdgang ein­trat, fühlten sich auch, wie dies bei abflauender Tendenz der Fall ist, inländische Warenbefizer bewogen, mit mehr Ma­terial auf den Markt zu kommen. Schließlich haben die Roggenpreise wieder etwas angezogen wegen neuerlich er­höhter Forderungen Rußlands, wo wiederum Besorgnisse wegen der Witterung plaßgegriffen haben. Weizen hatte zeitweilig eine wesentlich festere Tendenz als Roggen. In Hafer haben sich die Offerten in letzter Zeit sowohl vom Inlande wie von Rußland vermehrt, und da der anfänglich durch große Kauflust der westeuropäischen Gebiete stärkte Begehr eine wesentliche Einschränkung erfahren hat, so stellten sich die Schlußpreise niedriger. Gerste behielt sei­ne feste Tendenz, da die bedeutende Einfuhr schlanke Auf­nahme gefunden hat. Mais war ziemlich ruhig und eher et was schwächer. Am letzten Tage der Berichtswoche stellten sich die Preise für Lieferung im Juli wie folgt: Weizen 206,75 M, Roggen 170,25 M, Safer 167,00 M Mais 141,00 M. Preise des städtischen Schlachtviehmarktes. 1. Ochsen: a) vollfleischige, ausgemästete höchsten Schlachtwertes, un gejocht 78-83 M, 6) junge, fleischige, nicht ausgemästete und ältere ausgemäftete 73-80 M, c) mäßig genährte junge und gut genährte ältere 68-72 M, 5) gering genährte jeden Al­terz bis- M. 2. Bullen: a) vollfleischige, höchsten Schlachtwertes 78-78 M, 6) vollfleischige jüngere 70-76 M, c) mäßig genährte jüngere und gut genährte ältere 66-72 Mark, d) gering genährte-M. 3. Färsen und Kühe: a) vollfleischige, ausgemästete Färsen höchsten Schlachtwertes 70-77 M, 6) vollfleischige ausgemästete Kühe höchsten Schlachtwertes, höchstens 7 Jahre alt 65-70 M, c) ältere ausgemästete und weniger gut entwickelte jüngere Kühe 60-65 M, 5) mäßig genährte Kühe und Färsen 53-60 M, e) gering genährte Kühe und Färsen bis 60 M, f) gering, genährtes Jungvieh( Freffer) 50-76 M. 4. Kälber: a) Dop­pellender feinster Mast 111-136 M, b) feinste Mastkälber 103-110 M, c) mittlere Mast- und beste Saugfälber 88 bis 97 M, b) geringere Mast- und gute Saugfälber 77-88 M, e) geringe Saugkälber 51-64 M. 5. Schafe: a) Mastlämmer und jüngere Masthammel 76-80 M, 6) ältere Masthammel, geringere Mastlämmer und gut genährte junge Schafe 70 bis 75 M, c) mäßig genährte Hammel und Schafe( März­schafe) 62-73 M. 6. Schweine: a) Fettschweine über 3 Bent­ner Lebendgewicht M, b) vollfleischige über Zenter Lebendgewicht 57 M, c) vollfleischige bis Zentner Le= bendgewicht 53-56 M, d) fleischige Schweine 51-54 M, e) gering entwickelte Schweine 48-50 M, f) Sauen M