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Gießener Zeitung
( Neueste Nachrichten)
Bezugspreis 50 Pfg. monatlich vierteljährlich 1,50 Mt., vorauszahlbar, frei ins Haus. Abgeholt in unserer Expedition oder in den ZweigErscheint ausgabestellen vierteljährlich 1,20 Mr. jeden Werktag früh. Die„ Humoristischen Blätter" Redaktion: liegen wöchentlich einmal gratis bei. Seltersweg 83. Für Aufbewahrung oder Rücksendung nicht verlangter Manuskripte wird nicht garantiert. Herausgeber: Albin Klein& Otto Fischer.
Nr. 11.
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Telephon: Nr. 362.
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Der bessische Staatsbaushalt stand letzten Dienstag im Finanzausschuß der Zweiten Kammer zur Beratung. Abg. Dr. Gutfleisch erstattete das Referat. Kap. 88, Ministerium, erfordert eine Ausgabe von 62 714 Mark gegen 68 294 Mr. im Vorjahre. Bei Kap. 89, Gericht, betragen die Gesamtausgaben 3 509 221 Mark und die Einnahmen Mark 1 990 660; hierbei wurde angeregt, die Regierung um nähere Auskunft über den Ausgang der eingestampften resp. verkauften Gießener Aften zu ersuchen. Im allgemeinen wurde im Ausschuß die enorme Steigerung für Schreibhilfe sehr bemerkt. Die Regierung soll Auskunft darüber ersucht werden, welche Art von Kontrolle über die Schreibhilfe ausgeübt wird. Von anderer Seite wurde der Vorschlag gemacht, zu erwägen, ob nicht durch Gewährung einer Schreibgebühr der Fleiß der Schreibgehilfen angespornt werden könnte. Der vorletzte Posten mußte infolge der am 1. April 1910 in Kraft getretenen Novelle zur Zivilprozeßordnung und der darin vorgeschriebenen Vermehrung der Zustellungen von Amtswegen ein um 30 000 Mark gegen das Vorjahr höherer Betrag eingestellt werden. Dagegen fonn ten infolge der am 1. Juli 1910 erfolgten ortoablösung bei letztgenanntem Posten 15 400 Mt. weniger angesetzt werden. Im Anschluß an den Justizetat wurde auch der geplante Neubau eines Amtsgerichtsgebäudes in Gießen zur Sprache gebracht.
Zur kommenden Reichstagswahl.
*) Frankfurt a. M. Die Sozialdemokraten haben den Stadtv. Dr. Quard als Kandidaten für die Reichstagswahlen aufgestellt, der im Jahre 1907 mit 30 778 Stimmen gegen Deser( 33 659 Stimmen) unterlegen ist.
Für den Reichstagswahlkreis Höchst- Homburg Usingen wurde von der sozialdemokratischen Partei der bisherige Vertreter des Reichstagswahlkreises, Schuhmachermeister Friedrich Brüh ne- Frankfurt, wieder in Vorschlag gebracht. Brühne hat die Kandidatur ange
nommen.
Marburg. Abg. Dr. Böhme hat sich der Nationalliberalen Fraktion zuzählen lassen.
Aus der Heimat.
Gießen, den 13. Januar. * Der Großherzog hat den von dem Prinzen Friedrich zu Solms- Braunfels als Vormund des minderjährigen Fürsten auf die evangelische Pfarrstelle zu Muschenheim präsentierten Pfarrverwalter Heinrich Döring daselbst für diese Stelle bestätigt.
Der früher
* Aus dem Militärwochenblatt. der 25. Division als Oberst und Kommandeur des Inf.Regiments Nr. 113 und danach als Generalmajor und Kommandeur der 50. Infanterie- Brigade angehörige Beneralleutnant v. Dietlein, Kommandeur der 19. Division in Hannover, ist in Genehmigung seines Abschiedsgesuches mit Pension zur Disposition gestellt.
* Die Bevölkerung Hessens zählt nach einer vorläufigen Zusammenstellung der Zentralstelle für die Landesstatistik, die im Darmstädter Regierungsorgan veröffentlicht wird, nach der letzten Volkszählung 1910 1 282 109 Personen gegen 1 209 175 im Dezember 1905. Die Zunahme beträgt also nur 72 934 oder 5,7 Proz. gegen 90 196 oder 8,1 Prozent im vorhergehenden Jahr fünft, und 80 870 oder 7,8 Prozent von 1895 auf 1900. Am stärksten sind die beiden industriellen Kreise Offenbach und Groß- Gerau gewachsen, nämlich um 12,7 und 10,9 Prozent, doch hat auch die Bevölkerungsvermehrung im Kreis Offenbach gegenüber den beiden vorhergehenden Jahrfünften erheblich nachgelassen. Im Kreis Groß- Gerau hat sie sich auf der Höhe gehalten. Am geringsten war die Zunahme in Rheinhessen, besonders in den Kreisen Oppenheim( hier sogar eine Abnahme von 8 Personen), Alzen und Bingen je 0,9 Prozent), was wohl auf die schlechten Weinjahre zurückzuführen ist. Eine sehr geringe Zunahme( 0,6 Prozent) hat auch Büdingen aufzuweisen.
*) Gießen. Das Ministerium der Justiz hat durch Verfügung vom 6. d. Mts. den 12. Januar 1911 als den Tag bestimmt, an dem mit der Anlegung des Grundbuchs für die Flur 1 der Gemarkung GieBen zu beginnen ist.
- Gießen, 12. Jan. Die heutige Stadtver= ordnetensitzung, die erste in diesem Jahr, war Stadtschnell beendet. Die meisten Mitglieder unseres parlamentes waren im schwarzen Anzug erschienen, denn die Tagesordnung meldete ja die feierliche Einführung der alten wiedergewählten Stadträte und die durch Eid auf das Gesetz zu verpflichtenden neugewählten an. Es
Enthält alle amfl. Bekanntmachungen
der Großherzoglichen Bürgermeisterei
des Großherzoglichen Polizei- Amtes Behörden Oberhessens sowie vieler anderer Expedition: Seltersweg 83. ( Haus Brüder Schmidt.)
Freitag den 13. Januar 1911
( Gießener Tageblatt)
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Telephon: Nr. 362.
23. Jahrg.
§ Eine aktuelle Steuerfrage hat das Gr. Finanzamt Friedberg für das ganze deutsche Reich aufgerollt. Dem im Juni v. J. neu gewählten Reichstagsabgeordneten Busold in Friedberg ist jetzt nämlich die übliche Steuerdeklaration mit der Anfrage zugegangen, wie hoch sich sein Einkommen inklusive der Diäten als Reichstagsabgeordneter belaufen. Da Busold nun erst fast mit Ende des Steuerjahres zum erstenmal im Reichstage erscheint und es sehr fraglich ist, ob derselbe in diesem Jahre wieder gewählt wird, könnte ja eigentlich die ganze Sache mit Stillschweigen übergangen werden, wenn es nicht der erste Fall, seit Einführung der Reichstagsabgeordnetendiäten wäre, daß einem Mitgliede des Reichstages in Deutschland eine derartige Anfrage gestellt wurde. Unseres Wissens nach sind Reichstagsdiäten ebenso wenig versteuerbar als Renten und Ehrensolde jeder Art. Um in dieser Hinsicht Klarheit zu schaffen, hat Reichstagsabgeordneter Busold den Staatssekretär des Innern um Auskunft darüber ersucht, ob nach der deutschen Reichsverfassung Tagegelder der Reichstagsabgeordneten versteuer- oder verpfändbar sind. * Bad Nauheim. Die Badedirektion hat das AnStreichen von 219 Badewannen, 101 Strandkörben, 853 Bänken im Submissionswege ausgeschrieben.
fehlten entschuldigt die Stadtv. Dr. Gutfleisch, Dr. Schäfer, Heichelheim, Helm, Krumm und der neugewählte Prof. Dr. Sommer; unentschuldigt die Stadtv. Faber und Orbig. Nach Worten der Begrüßung des Herrn Oberbürgermeister Mecum im neuen Jahr nahm er von den wiedergewählten und soweit anwesenden Stadtverordneten Huhn, Grünewald, Emmelius, Eichenauer, Helfrich und Jann den Handschlag entgegen und die anwesenden neuen Stadträte Max Friedberger, Profes= for Dr. Urstadt und Redakteur Vetters wurden durch Eidesleistung verpflichtet. Damit war dieser feierliche Aft beendet und Oberbürgermeister Mecum machte noch verschiedene Mitteilungen. Die Prozeßfache betr. 3uschuß zu dem Bahnbau Lollar- Grünberg ist in höchster Instanz ganz nach der letzten Entscheidung des Provinzialausschusses beurteilt worden, die Stadt muß nun einen Teil der Baukosten tragen. Es kamen dann Dank schreiben zur Kenntnis von Frau Prof. Biermann für einen überlassenen Raum im alten Rathaus für die Rechtsschutzstelle für weibliche Angestellte, des Polizeisekretär Pfeffer für dessen Anstellung und des Oktroir- Aufseher Roloff für dessen Gehalts- Erhöhung. Justizrat Grünewald fragt nachdem an, wann endlich die bekannte Baracke in der Neustadt beseitigt wird, wozu er von seinen Kollegen Habe= nicht, Löber, Plank und Troß sehr unterstützt wird. Der Besitzer Schön sei nicht in Gießen, es müsse doch ein Weg gefunden werden, damit dieselbe- vielleicht gleich mit dem Schneider'schen Hause abgebrochen wird. In nichtöffentlicher Sitzung wurde darüber weiter verhandelt. Die Stadtv. Plank und Troß verlangen, und das mit Recht, daß der Gießener Viehmarkt endlich wieder abgehalten werde, da sonst der ganze Markt noch vollständig zurückgeht, während die in den Städten Kirchhain, Hanau 2c. emporblühen. Es solle eine Eingabe an das Ministerium gemacht werden, daß die Handhabung des Viehseuchengesetzes auch für Gießen nicht hinterlich ist. Schluß der Sitzung 6 Uhr.
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* Gießen. Die Kreisstraßen des Kreises Gießen lieferten im letzten Herbst zirka 3000 Zentner Obst. Es wurde dafür ein Preis von rund 16 000 M. erzielt, eine Summe, wie sie kaum bisher erreicht wurde. Die erzielten Preise gingen meistens über die Schätzung hinaus, nur an den Straßen Lich- Nieder- Bessingen, Nieder- Bessingen- Münster- Kreuz und Hungen- Inheiden blieben sie zurück. Auf letzterer Strecke waren die Gebote so niedrig, daß der Kreis die Versteigerung nicht genehmigte und das erstklassige Obst selbst erntete.
*) Gießen, 12. Jan. Der Oberhessische Verein für innere Mission veranstaltet jetzt fast jeden Sonntag auf dem Lande Lichtbildervorträge, die sich großer Beliebtheit erfreuen.
)( Gießen. Am letzten Samstag veranstaltete der Eisenbahn- Fahrbeamtenverein im Cafe Leib eine recht schöne Weihnachtsfeier. Neben mehreren Vorträgen„ Weihnachten in 4 Etagen“,„ Rodelheil" und „ Aber der Mann" haben die beiden Theaterstücke„ Die Jahreszeiten der Liebe“ und„ Der Militärengel" großen Beifall gefunden. Natürlich war am Schlusse die Verlosung und dann der Tanz noch die weitere Ursache zu einer recht gemütlich- familiären Ausnutzung des ganzen Festes, um das sich der Vereinsvorstand recht verdient gemacht hatte.
= 0= Gießen. Bei dem am 11. Januar stattgefundenen Schweinemarkt waren aufgetrieben: 21 Schweine. Der nächste Schweinemarkt findet am 25. Januar statt. Händlerschweine sind ausgeschlossen und nur Schweine von Züchtern aus dem Kreis Gießen zugelassen.
* Buzzbach. 590 Jahre sind es, daß Butzbach von König Ludwig 4. Stadtrechte erhielt und 170 Jahre, daß die gesamte Stadt Butzbach zum Hause Hessen
Darmstadt gehört.
Obbornhofen. Der Pachtvertrag des hiesigen Hofgutes mit dem Pächter Bornemann läuft demnächst ab. Wie verlautet, soll es nicht mehr zu einer Verpachtung kommen, es soll vielmehr verkauft werden. Die Gesamtgröße des Gutes beträgt zirka 630 Morgen. Die ganze Gemarkung Obbornhofen hat 566 Hektar bewirtschaftete Fläche; das Hofgut bildet also zirka 30 Prozent der Gesamtfläche. Bekanntlich hat das Solms- Laubach, die Eigentümerin des Gutes, schon früher mehrere Hofgüter eingehen lassen und an klein= bäuerliche Besitzer oder an die Gemeinden verpachtet.
Haus
Ober- Hörgern. Wichtige Altertumsfunde wurden in unserer Gemarkung gemacht. Es handelt sich um Gräber aus der Bronzezeit, die etwa ein Alter von 3000 Jahren haben.
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Homberg a. d. O. In diesen Tagen werden es 600 Jahre, daß unserem Städtchen Stadtgerechtsam keit verliehen wurde.
*) Hungen. Hier wird am 28. Mai das Verbandsfest der hessischen Kirchengesangvereine abgehalten.
Darmstadt. In der Sitzung des Finanzaus= schusses gab Geheimrat Willbrand bezüglich des Braunkohlenbergwerks„ Ludwigshoffnung" dahin Auskunst, daß eine Brikettfabrik mit einem Elektrizitätswerk dort errichtet werden solle, dann werde das Bergwerk rentabler werden. Das Elektrizitätswerk werde durch Bürgschaft mit der Provinz Oberhessen gestützt und das von der Provinz Oberhessen in Aussicht genommene Elektrizitätswerk in Lißberg dann fal len gelassen werden. Die Verhandlungen mit der Provinz Oberhessen seien dem Abschluß nahe, und dann werde eine Vorlage dem Landtage zugehen.
* Mainz. Der 13jährige Schüler Faund ist auf der dünnen Eisdecke des Festungsgrabens eingebrochen und ertrunken.
*) Mainz. Der sozialdemokratische Redakteur Adelung von der„ Mainzer Volkszeitung" ist in den Kreistag als Abgeordneter gewählt und bestätigt worden.
* Mainz. Die von der Stadt Mainz geplante Billettsteuer findet in allen Schichten der Bevölferung eine einmütige Verurteilung. Man prophezeit weiteren Niedergang der davon betroffenen Unternehmen. * Worms. Auf der Landstraße nach Weinsheim wurde die Leiche eines etwa 30 Jahre alten, gutgekleideten Mannes an einem Baume aufgehängt vorgefunden. Alle Umstände lassen auf Mord schließen.
-5= Wetzlar. Der eine Zeit lang als nationallib. Kandidat für die nächsten Reichstagswahlen genannte Kommerzienrat Jung ist im Alter von 52 Jahren in Jungenthal, wo er eine große Lokomotivfabrik hat, g e- storben.
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* Rodheim a. d. B. Unter Anwesenheit Schreinermeister Karl Schlierbach- Rodheim, G. WagnerFellingshausen und Philipp Crombach- Bieber, des Gesellen- Prüfungsausschusses im Schreinerhandwerk, wurden folgende Schreiner geprüft: Wilhelm Heinrich- Naunheim, Karl Raabe- Waldgirmes, Philipp Hörr- Fellingshausen und Heinrich Lepper- Königsberg. Sämtliche Prüflinge bestanden die Prüfung mit„ gut“.
)( Wißmar. Der als gewalttätig bekannte Ludwig Stroh hatte am letzten Sonntag wieder seine Frau mißhandelt, die dann zu ihrem Vater, den Maurer Fray, geflüchtet war. Stroh wollte dort gewaltsam eindringen, worauf er von seinem Schwiegervater eine Schrotladung in der in Brust und Unterleib erhielt, sodaß er nun Gießener Klinik hoffnungslos darniederliegt. *) Garbenheim. Das Allg. Ehrenzei= chen hat mit Uebertritt in den Ruhestand der hiesige Rangiermeister Bamberger erhalten. und
*) Ehringshausen( Wetzlar). Am 18. 19. Juni d. Js. feiert die hiesige Feuerwehr ihr 30jähriges Stiftungsfest.
-5= Altenkirchen( Wetzlar). Die Kaiserin hat unserem Pfarrer Nacke, als Geschäftsführer des Verbandes der Frauenhilfe im Kreise, ein Dankschreiben gesandt für die Neujahrsgratulation und für die Mitarbeit der Frauenhilfe.
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Vom Taunus. Die Holzversteiger. ungen der letzten Wochen haben fast alle die Genehmigung nicht erhalten. Die Gebote blieben nicht selten die beträchtlich hinter der Taxe zurück, so daß kaum Werbungskosten gedeckt werden konnten.- Eine ähnliche Erscheinung tritt auch bei Versteigerungen auf dem Westerwald zutage.


