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vergewissern, daß die Ware völlig einwandfrei war. In­dem er das unterlassen habe, habe er sich der Fahrlässigkeit schuldig gemacht.

Vermischtes.

Eine blaue Fünf- Pfennig- Marte auf einer Pfingst­Ansichtspostkarte führte unter den Beamten eines Post­amtes eine große Erregung herbei. Man besah sich das Ding von allen Seiten und mußte schließlich anerkennen, daß der noch unbekannte Briefmarkenfälscher seine Sache bezüglich des Drudes ganz vorzüglich gemacht habe. Nur das Rätsel, warum er die Marte nicht in grün, sondern in blau hergestellt hatte, blieb ungelöst. Die schöne Pfingst­poftfarte wanderte an ihren Bestimmungsort, wurde aber dem Adressaten nicht ausgehändigt. Die Postverwaltung gab ihm nur Kenntnis von dem Inhalt der Karte und er­fundigte sich teilnehmend nach dem Absender, der auch be reitwilligst genannt wurde. Es war der Bruder der Adres­satin, ein Chemiker. Bei der nun erfolgten Untersuchung stellte sich heraus, daß er, obgleich er noch etwa 80 solcher blauen Fünf- Pfennigmarten besaß, sich mit allen möglichen Dingen beschäftigte, nur nicht mit der Herstellung falscher Briefmarken. Er hatte einen frisch von der Post bezogenen Bogen Fünf Pfennigmarten in sein Laboratorium mitge nommen, und die Dämpfe der Schwefel- und anderen Säu­ren machten nun heimliche Arbeit und verwandelten grün in blau. Inzwischen hat der Chemiker für seine echten blauen Briefmarken echte grüne Marken erhalten, ein Gutachten aber ist darüber in Vorbereitung, auf Grund welcher Umstände sich der Farbenwechsel vollziehen konnte.

Ein aufregender Vorfall ereignete sich gestern vormit­tag auf dem Bahnhof Friedrichstraße in Berlin. Dicht an Der Bahnsteigschwelle stand ein alter Herr, der plötzlich Sein Gleichgewicht verlor und ehe ihm jemand zu Hilfe eilen fonnte, auf die Schienen stürzte. In diesem Augen­blid brauste auch bereits ein Stadtbahnzug heran. Der Berunglüdte wurde anscheinend vom Zuge nur gestreift, trotzdem erlitt er eine Kopfverlegung. Er wurde besin nungslos nach der Charitee gebracht.

Das Todesopfer einer Ballonfahrt nach sechs Monaten gefunden! Die Leiche des Kaufmanns Ernst Metzger aus München, der mit dem Direktor Distler und dem Haupt­mann Jördens vom Touring- Club aus München am 3. Dezember 1910, nachmittags um 4 Uhr von Gersthofen bei Augsburg in dem Freiballon Touring- Club" zu einer nach der Schweiz geplanten Fahrt aufgestiegen war und bei der unerwartet stürmischen Fahrt über die Nordsee nach einem im Nebel verunglückten Landungsversuch an der hollän­dischen Küste aus dem auf das offene Meer herabgedrückten Ballonkorb durch eine Sturzwelle herausgespült wurde, ist am 2. Juni bei Bierum, einem Orte in der niederländi­schen Provinz Groningen, 23 Kilometer westlich von Em­ben, ans Land gespült worden. An der goldenen Uhr und an den Papteren, die sich in der Brieftasche noch bei der Leiche fanden, wurden die Personalien des Verunglückten festgestellt und die Leiche auf dem Bierumer Friedhofe be= ftattet.

Brief eines Fremdenlegionärs. Die elsässische Than­ner Zeitung" veröffentlicht folgenden Leidensbrief, den ein Fremdenlegionär an seine Eltern in Sennheim gerich tet hat: Debbou( Marokko), 21. Mai, Sonntag mittag. Das Gewehr im Schoß und 120 Patronen um den Leib ge­Schnallt, size ich hier und will Euch einige Zeilen schreiben. Am 15. Mai fand ein Gefecht hier statt in den Bergen, welches sehr traurig verlief. Tot waren 1 Kapitän, 1 Sergeant, 3 Korporale und 20 Legionäre; verwundet 17 Mann, darunter 1 Leutnant und i Korporal. So etwas Trauriges habe ich noch nie gesehen. Die Leichname der 30 Toten waren ganz verstümmelt; dem einen waren die Fußsohlen aufgeschnitten, den anderen in die Augen ge= stochen. Einem haben die Araber den Hals halb durchge­schnitten und der Hals herumgedreht. Dem einen war der Leib aufgeschlitt, einem anderen die Schamteile abgeschnit­ten. Alle Körper waren schrecklich anzusehen, denn fast feder hat mehrere Schüsse und Dolchstiche gehabt. Ich kann Euch diese Grausamkeiten nicht alle schildern; es ist sehr traurig, und wer weiß, ob ich nicht im nächsten Gefecht. falle. Immerhin macht Euch um mich feinen Kummer, wenn ich hier mein Grab finde, dann geht mit mir nur ein un­glückliches Leben zugrunde. Meine Lieben, Tränen stehen mir in den Augen, wenn ich an Euch denke in der fernen Heimat. Während ich hier am Hungertuch nage, siht Ihr zu Haus am gedeckten Tisch. Im Moment, wo ich gegen den Tod fämpfe, macht Ihr Euch lustig. Nun rufe ich Euch allen aus dieser Wildnis vielleicht mein letztes Lebewohl zu."

Ein betrügerischer Bankbeamter. Der 28jährige Bant beamte Schädel in Hamburg ließ sich von seinem Prinzipal für 15 000 M Wertpapiere, die er angeblich für einen Be fannten faufen sollte, sowie eine Provision von 60 Mark einhändigen und flüchtete dann in Begleitung seiner Ge­liebten, eines 22jährigen Dienstmädchens, nachdem er vor­her Wertpapiere in Höhe von 3000 Mart bei der Filiale der Deutschen Bank für 2000 Mart verpfändete. Schädel hat sich noch weiterer Betrügerien durch Erteilung fingier­ter Aufträge schuldig gemacht.

Die reiche Erbin. Ein von Braunschweig in Hannover zugereistes Ehepaar verstand es durch sein sicheres Auf­treten, einem dortigen Kaufmann 6500 Mart abzuschwin­deln. Die Ehefrau gab an, sie habe eine Erbschaft von Mil­Itonen gemacht und müsse die Kosten zunächst bezahlen, be­vor das Geld ausgezahlt würde. Da die Angaben der Frau auf unwahrheit beruhten und sie diese Betrügereten auch auswärts ausgeführt hatte, wurde sie verhaftet. Lynchjustiz an einem Damenhute. In Worms spielte sich gestern eine erregte Straßenszene ab, die durch eine Sutnadel heraufbeschworen worden war. Dort rauschte über den Martinsplatz eine Dame, hochmodern mit riesen­großem Hut und dito Nadeln. Die an beiden Seiten her­ausstehenden Hutnadeln hatten aber unversehens Unheil angerichtet und einen vorbeigehenden Mann erheblich im Gesicht verletzt. Als dieser sein Blut fließen sah, riß er in seiner Wut der Dame den Hut vom Kopfe und zertrat ihn zu einer unförmlichen Masse. Die Dame sah hände­ringend und mit Weinträmpfen kämpfend der Zerstörung des modernen Kunstwerkes" zu.

Die geheimnisvolle Amerikanerin. In der Behand­lung eines der berühmtesten Nervenärzte von Paris, Dr. Le Menant des Chesnais, befindet sich zurzeit eine junge Amerikanerin, die über ihren Namen, ihre Herkunft und Erlebnisse feinerlei Auskunft anzugeben vermag. Sie hat dies allez völlig vergessen. Ueber ihr ganzes bisheriges Leben besitzt man keinen Anhaltspunkt als einige Aeußer­jungen, die sie in der Hypnose tut. Sie vermag dann zu­fammenhängend über ihren einstigen Aufenthalt in einem Pensionat, über einen Schiffbruch, wobei sie ihre Eltern perlor und über eine von ihr erlebte Eisenbahnkatastrophe

erzählen. Aber diese Angaben haben sich den Nachfor= ungen genenüber als falsch erwiesen. Der Arzt glaubt,

daß das Mädchen sich in einem Geisteszustand befindet, wo­rin sie Erlebics und Gelesenes ungeordnet reproduziert. Sie erzählt auch von großen Reisen und nennt Städte und selbst einzelne Straßen. Auch spricht sie von ihrem Vetter und ihrem Onkel, die angeblich Offiziere waren. Bisher haben sich Angehörige des Mädchens nicht gemeldet.

Die Brände in der Lüneburger Heide, über die wir be­reits berichtet haben, find immer noch nicht gelöscht. In Himmelmoor bei Quikborn, wo der Brand die größte Aus­dehnung genommen hat, konnte die Tätigkeit der vereinig­ten Feuerwehren dem Brand nicht Einhalt gebieten, nur ein anhaltender, heftiger Regen wäre imstande, die Flam­men zu löschen. Auch in Orbüll ist ein großer Komplex Heidemoor vernichtet. Ein großer Moorbrand brach ferner bei Ahrenlohe aus, nachdem vorher ein Eisenbahnzug die Heide passiert hatte. Es ist anzunehmen, daß das Feuer infolge Funkenfluges entstanden ist. Den aus den um­liegenden Orten herbeigeeilten Feuerwehren gelang es an­fangs nicht, das Feuer aufzuhalten. Erst an einem breiten Weg war es den Feuerwehren möglich, dem Flammenmeere Halt zu bieten. Ein weiterer Brand wurde aus Sorgen­sen gemeldet, wo 15 Morgen Föhrenbestand vernichtet wur­den. Auch hier soll Funkenflug einer Lokomotive die Brandursache sein. In dem Dorfe Pötrau sind drei Bau­ernhöfe mit allem Zubehör niedergebrannt. Es kam viel Vieh in den Flammen um.

Breuer zu lebenslänglichem Zuchthaus begnadigt. Der seinerzeit wegen Ermordung des Fabrikanten Mattonet zum Tode verurteilte Rennfahrer Breuer ist, wie das ,, B. T." erfährt, zu lebenslänglichem Zuchthaus begnadigt worden. Die Begnadigung erfolgte auf Grund des Gna­dengefuches, das der Verteidiger Breuers, Rechtsanwalt Werthauer, eingereicht hatte. Breuer selbst wollte, wie er­innerlich, von einem Gnadengesuch nichts wissen, da er in jedem Stadium des langwierigen Prozesses immer wieder betonte, daß er unschuldig veruteilt worden set und des­halb nicht begnadigt zu werden brauche. Inzwischen neh­men die Bestrebungen zur Durchführung des Wiederauf­nahmeverfahrens ihren Fortgang.

Ein dritter Selbstmordversuch Hofrichters. Aus Möl­lersdorf kommt von wohlinformierter Seite die Nachricht, iaß Adolf Hofrichter, der in der dortigen Militärstraf­anstalt als Häftling erster Kategorie" internierte Gift­mörder, dieser Tage neuerlich einen Selbstmordversuch unternommen habe, jedoch auch diesmal rechtzeitig genug bemerkt worden sei. Er wurde vorigen Sonntag turz nach 7 Uhr früh in seiner Zelle an dem Fenstergitter hängend aufgefunden. Einer der Verschließer durchschnitt die Schnur, an der Hofrichter hing, und dieser erholte sich bald wieder. Hofrichter erklärte, er habe sich nun einmal in den Kopf gesetzt, zu sterben, und werde sein Vorhaben ausführen. Endlich werde es ihm doch gelingen. Man nimmt jedoch an, daß es dem Giftmörder mit den Selbst­mordversuchen nicht ernst sei, was schon daraus hervor­gehe, daß er dieselben immer bei Tageslicht unternehme, so daß er von. Gang aus gesehen werden muß. Hofrichter ist auch jetzt noch in strenger Einzelhaft und verrichtet seine Spaziergänge im 3winger" stets allein, immer mit dem Havelock bekleidet, ohne den er die Zelle nie verläßt. Er ist zum Stelett abgemagert und sein schwarzer Vollbart hat eine erstaunliche Länge erreicht. Er mißt weit über einen halben Meter. Hofrichter verbringt derzeit fast den ganzen Tag mit Beten und oft hört man aus seiner Zelle Weinen und Schluchzen. Seit langem hat er feinen Be­such mehr empfangen. Strafweise werden ihm Briefe nicht ausgefolgt und er selbst darf solche auch nicht schreiben.

Tolstois verlassenes Grab. Wie St. Petersburger Blätter berichten, wird schon jetzt die Zahl der Besucher der Grabstätte L. R. Tolstois immer geringer: es vergehen Tage, bis einer der zwei Besucher sich am Grab einfinden. Auch die Inschriften an der mit einem verschlossenen Pfört­chen versehenen Umzäunung werden seltener. Dafür kommt eine neue Art auf, seinen Besuch an der Stätte zu doku­mentieren: die Hinterlassung von Visitenkarten mit ein­gebogener Ecke, die von der Visite" des Herrn X oder Zeugnis ablegen. Diese Visitenkarten werden mit Fich­tennadeln am Grabe befestigt. Sie vergilben und ver­wittern aber schnell genug. Daher sind auch dauerhafte Inschriften beliebt, die man in die Planken des Zaunes oder in die Baumrinden einrigt. Ein ganzes Stück aus einem Baum hat sogar ein Besucher ausgeschnitten und seinen Namen darauf, verewigt". Eine Inschrift, die vom 14. April datiert ist, bezieht sich auf die Ostertage und zeigt in einem Oval die Buchstaben X. B. Nebenan hat femand ein achtendiges Kreuz eingegraben und die In­schrift: Wie seltsam: auf dem Grabe des großen Christen befindet sich kein Kreuz. Ich stelle es und bete für ihn." Auch die Inschrift eines Geistlichen findet sich, deren In­halt zeigt, daß auch Diener der orthodoxen Kirche sich mit dem Gedächtnis des Verstorbenen ausgesöhnt haben.

Ein wirklicher ,, Sherlock Holmes".

Die Wirklichkeit, die häufig hinter den noch so fühnen Phantasien der Dichter nicht zurückbleibt, hat den von Con­nan Doyle erdachten Meisterdetektiv Sherlock Holmes ein lebendes Pendant gegenübergestellt, das sich mit dem Ge­schöpf der Einbildungskraft wohl vergleichen kann. Es ist das William J. Burus, Ameritas größter Detektiv, def sen Wirken J. W. T. Mawson einen fesselnden Aufsatz wid­met. Wie Sherlock Holmes weiß auch er durch die glän­zende Logik seiner Folgerungen und die zähe Energie feines Verstandes die geheimsten Gespinste aufzulösen, die schlauer Verbrecherfinn entdeckt. Seit 25 Jahren ist Burns als Kri­minalist tätig. Eine Zeitlang war er von den Vereinig ten Staaten angestellt, machte sich dann aber selbständig, und heute besteht seine Hauptarbeit darin, die zwanzigtausend Banken zu bewachen, die zu der amerikanischen Bankier­gesellschaft gehören. Nebenbei aber unternimmt er aus Liebhaberei" noch allerlei Abenteuer und widmet sich der Aufdeckung schwieriger Verbrechen, an denen die Bemühun gen der offiziellen Polizei gescheitert sind. Erst jüngst hat er die Helden des aufsehenerregenden Dynamitverbrechens ausfindig genacht und der gerechten Strafe überliefert. Mit seinem Aeußern steht Burns zu Sherlock Holmes im größ­ten Kontrast. Nicht schlank, dünn, nervös ist er, sondern dick, plump und phlegmatisch aussehend und schein­bar der gemütlichste und schwerfälligste Spießbürger von der Welt. Er trägt niemals einen Revolver und macht über­haupt alle Vorstellungen, die man sonst von einem Detektiv hat, zuschanden. Aber er ist Meister in der Kunst der Ver­kleidung und hat mit einer geschickten Maske seine besten Leistungen vollbracht. So gelang es ihm z. B., den berühm­ten Banknotenfälscher Charley Ulrich zu entlarven. Ulrich hatte durch seine ebenso geschickten wie kühnen Fälschungen, die er an der Spize einer ausgebreiteten Bande betrieb, die ganzen Vereinigten Staaten in Aufregung versetzt. Burns wurde damit beauftragt, den Verbrecher, den man als Täter vermutete, dem man aber zunächst nichts nach­weisen konnte, zu überwachen und zu überführen. Als ge­wöhnlicher Arbeiter gekleidet, nur von seiner Frau unter­stützt, machte sich Burns an die Arbeit. Er mietete sich in einem Hause ein, das dem gegenüberlag, in dem Ulrich wohnte; wenn der Verbrecher zum Fenster hinaussah, konnte er aus der gegenüberliegenden Haustür des Morgens den

harmlosen Arbeiter herausgehen und des Abends wieder­tommen sehen Ulrich, der sich bewacht wußte, wandte bet der Herstellung der falschen Scheine die größte Vorsicht an, so daß zunächst Wochen vergingen, ohne daß der Detektiv etwas ermitteln fonnte. Eines Tages aber bemerkte Burns, daß der Fälscher zur Bahn ging und sich dort ein Billett nahm. Er mochte sich also in Sicherheit glauben. Wenige Minuten nach Ulrich stand Burns an dem Schalter und sagte: Ich dachte, ich würde meinen Onfel hier treffen, ist er nicht eben hier vorbeigekommen?" Dann gab er eine genaue Beschreibung Ulrichs. Ja, er ist eben dagewesen." " Dann geben Sie mir ein gleiches Billett wie ihm," und furz darauf befand sich der Detektiv im Neuyorfer Zuge zusammen mit seinem Opfer. Da sich Ulrich völlig un­beobachtei glaubte, so beging er die Unvorsichtigkeit, in den Rauchwagen zu gehen und seine Tasche zurückzulassen. Burns fonnte sich nun davon überzeugen, daß sie eine große Menge gefälschter Banknoten enthielt. Als der Fälscher in Neuport ein Telegramm eufgab, in dem er seinen Hel fershelfern seine Ankunft mitteilte, fühlte er plötzlich, wie ein Mann ihm über die Schultern sah. Er hatte nur noch die Adresse und seinen Namen zu schreiben. Geht Sie das etwas an, was ich schreibe?" fragte rich mitGalgenhumor. " Ja", war die Antwort. Nun, dann können Sie es viel­leicht besser schreiben als ich." Iud Ulrich ein. Burns nahm die Feder und schrieb die Adresse und die Unterschrift. Es geht Sie wirklich etwas an," sagte Ulrich einfach und ließ sich von Burns abführen. In einem anderen Falle ge­lang es dem Detektiv, eine Falschmünzerbaude dadurch zu entdecken, daß er vierzehn Monate lang in den Vereinigten Staaten die Arbeiter, die technisch imstande gewesen wären, eine so ausgezeichnete Nachahmung zu liefern, beobachtete, unter den Geschicktesten immer mehr auswählte und schließ lich seine Kreise so eng zog, daß er die Fälscher entdeckte. Sein einziger Anhaltspunkt war die ausgezeichnete Aus­führung der nachgemachten Hundertdollarscheine gewesen. Eine besondere Geschicklichkeit entfaltet Burns darin, einen Verbrecher, von dessen Schuld er sich überzeugt hat, nun auch zum Geständnis zu bringen. Irgend welche Gewalt­mittel wendet er nie an. Aber er scheint seine Opfer zu Hypnotisieren, denn fast stets Itefert er geständige Uebel­täter bet der Polizei ein.

Neue Opfer der Aviatik.

Tödlicher Unfall auf dem Flugplatz Johannisthar.

Der Flieger Schendel, der Freitag abend mit et­nem Passagier auf dem Flugplatz Johannisthal bei Ber­Iin aufgestiegen war, ist aus einer Höhe von etwa 2000 Meter in der Nähe der Grenze zwischen der Gemarkung Adlershof und Köpenick abgestürzt und tödlich verunglückt.

Der 24 Jahre alte Schendel war mit seinem etwa 30 Jahre alten Monteur Voß auf einem Dorner- Eindecker gegen 7 Uhr aufgestiegen in der Absicht, den Welt­höhenrekord zu brechen. Als um Uhr der Kanonenschuß zum Zeichen der Beendigung der Flüge er= tönte, befand sich Schendel noch in einer Höhe von etwa 2000 Metern. Vermutlich vollte er im Gleitfluge landen, als sich das Fahrzeug plötzlich senkrecht stellte. Es ge­lang dem Flieger wieder, das Flugzeug ins Gleichgewicht zu bringen, doch stellte es fich bald wieder senkrecht und stürzte herab und kam in einer Laubenkolonie hinter Ad­lershof nieder. Sofort fuhr ein Automobil der Flugplatz­gesellschaft an die Unfallstelle und brachte den Flieger samt seinem Passagier als Leichen zurück.

Ein Augenzeuge, der sich in seiner Laube in der Nähe der Unfallstelle befand, gewahrte das abstürzende Flugzeug Schendels, als es sich in annähernd 150 Meter Höhe befand. Der Motor arbeitete nicht mehr. Die In­faffen stießen Schrete aus. Die Frau des verunglückten Monteurs Boß weilte zurzeit des Unglückes auf dem Flug­plaße und mußte den Absturz ihres Mannes mit ansehen. Die Leichen bilden blutige formlose Massen. Arme und Beine sind gebrochen. Das Flugzeug, das bei dem Sturz nicht vollständig zertrümmert wurde, steckt mit seinem vorderen Ende senkrecht im Boden.

Todessturz zweier japanischer Militärflieger. Die japanischen Militärflieger Hauptmann Tokusawa und Leutnant Ito haben in Tokio bei einem Sturz aus großer Höhe den Tod gefunden.

Ueber die Todesfahrt Schendels wird noch gedrahtet: Johannisthal, 10. Junt. Als Schendel eine Höhe von 500 Metern erreicht hatte, setzten plößlich heftige Böen ein, und man konnte deutlich erkennen, daß der Eindecker in bedenklicher Weise überlegte. Bald schwebte der Flieger 1000 Meter hoch und verließ das Flugfeld. Nach fünf Mi­nuten fehrte er zurück. Darauf stieg er 1600-1700 Meter hoch. Drei Minuten blieb er in den Wolken verschwunden. Dann sah man die Maschine wieder auftauchen. Sie neigte sich vornüber und in unglaublich steilem Gleitflug ging fie auf 1000 Meter nieder. In dieser Höhe stellte sich die Maschine senkrecht und schoß noch 300-400 Meter tief. Dann überschlug sie sich zweimal und sauste pfeilschnell zu Boden. Als man herbeieilte, war von dem Eindecker nichts zu sehen, als ein wüster Trümmerhaufen. Unter ihm lagen zwei menschliche Körper.

Drabtnachrichten und neuestes.

Ein Berliner Schuhmann erschossen. Berlin, 10. Junt. Als der Schußmann Lucht in der Gastwirtschaft von Borchard in der Friedrichstraße ei nen Mann festnehmen wollte, erschoß dieser den Schuh­mann, verwundete einen Kellner und erschoß sich dann selbst.

Gistmordversuche einer Schwermütigen. Berlin, 10. Juni. Die 30jährige Frau des Ober­postschaffners Tiele versuchte in der vergangenen Nacht in threr Wohnung sich selbst und ihre acht Kinder im Alter von ein bis zu 18 Jahren durch Gas zu vergiften. Das zwei Jahre alte Kind wurde tot aufgefunden. Die Mutter und das jüngste Kind waren bewußtlos, fonnten aber ins Leben zurückgerufen werden. Die übrigen sechs Kinder, die in einem anderen Raum ſchliefen, waren nur leicht betäubt. Frau Tiele hat in der letzten Zeit Anzeichen von Schwermut gezeigt.

Ein Durchbrenner.

Frankfurt a. M., 10. Juni. Nach Unterschlagung von 3800 Mart ist der 35jährige aus Kehl a. Rh. gebürtige Kaufmann Adolf Rose durchgegangen. Er sollte im Auf trag einer Engrosfirma das Geld in drei Briefen zur Post bringen, vertauschte es aber unterwegs mit Papier­schnitzeln. Seiner Frau schrieb er, daß er die Familie nicht mehr ernähren könne und allein durch die Welt gehen wolle.

Ausstand englischer Kohlenverlader. London, 10. Juni. Der Aufstand der Kohlenver­lader in Southampton nimmt eine ernstere Gestalt an. Die Dampfer fönnen feine Kohlen nehmen und müssen ihre Abreise verschieben.

Vom Gefanaenen der Balkanräuber. Salonifi, 9. Juni. Eine sieben Mann starke Gen­darmerieabteilung, die nach der Entführung Richters mit dem Abstreifen der Umgebung des Klosters Spalmos be= schäftigt war, stieß auf drei Hirten, als plöblich eine vierte bewaffnete Gestalt auftauchte. Da diese entfliehen wollte, schossen die Gendarmen sie nieder. Der Tode wurde als Mitglied der Bande festgestellt, die Richter entführt hat. Die Gendarmen arretierten die drei Hirten. Bei dem Ver hör im Kloster Spalmos im Beisein der Mönche ergab sich, daß auch die Mönche an der Entführung Richters beteiligt find. In einigen Tagen hofft man, das Versted Richters ausgefundschaftet au haben.