Ausgabe 
11.11.1911 Zweites Blatt
 
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Gießener Zeitung

Bezugspreis 40 Pfg. monatlich

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( Reneste Nachrichten)

o erteljährlich 1,20 m., vorauszahlbar, frei ins Haus. Abgeholt in unserer Expedition oder in den Zweig­ausgabestellen vierteljährlich 90 Pfg. Erscheint Dienstags, Donnerstags, Samstags. Redaktion: Seltersweg 83.- Für Aufbewahrung oder Rücksendung nicht verlangter Manuskripte wird nicht garantiert. Verlag der ,, Gießener Zeitung" G. m. b. H.

Nr. 222.

( 2. Blatt) Soziales.

ga Angebliche Arbeitslosigkeit" im Ruhrfohlenrevier. In der Reichstagssitzung vom 17. Oftober d. Js. erklärte der Generalsekretär des Gewerkvereins christlicher Bergarbeiter, der Reichstagsab­geordnete Behrens, u. a.:

Enthält alle amfl. Bekanntmachungen

der Großherzoglichen Bürgermeisterei

des Großherzoglichen Polizei Amfes sowie vieler anderer Behörden Oberhessens Expedition: Seltersweg 83.

( Haus Brüder Schmidt.)

Samstag, den 11. November 1911.

Da auch fahrlässige Beschädigungen der Telegraphenan=| lagen im§ 318 des Reichsstrafgesetzbuches mit Strafe bedroht sind, wird den Baumbesitzern empfohlen, die nächste Postanstalt von der bevorstehenden Baumfällung so zeitig zu benachrichtigen, daß die Entsendung eines Beamten zur Sicherung der Leitungen veranlaßt den kann. Dadurch erspart sich der Baumbesitzer Unan­ Es ist mir von einer Stelle mitgeteilt worden, nehmlichkeiten; alle Kosten für die Sicherung der Tele­daß nach den Listen des Arbeitsnachweises( des Ze- graphenleitungen trägt außerdem in diesem Falle die chenverbandes) 10 bis 15 000 Bergarbeiter arbeitslos Telegraphenverwaltung. sind. Trotzdem werden täglich und wöchentlich noch große Scharen Ausländer ins Kohlenrevier hineinge­Schleppt".

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,, Diese Behauptung, so schreibt uns der Zechenverband, stellt die tatsächlichen Verhältnisse genau auf den Kopf. Nach der Statistik des Bochumer Knappschaftsvereins ist die Anzahl der ausländischen Arbeiter von 31 900 im Jahre 1908 auf 28 200 im Jahre 1909 und auf 27 500 im Jahre 1910 zurückgegangen, obwohl die durch schnittliche Mitgliederzahl des Knappschaftsvereins in dieser Zeit von 343 300 auf 352 200 erhöhte. Ferner veröffentlicht das sozialdemokratische Ergan des alten Bergarbeiterverbandes, die Bergarbeiter- Zeitung", Dom 28. Januar 1911, über die Arbeitslosigkeit wäh­rend der Jahre 1909 und 1910 innerhalb des 120 000 Mitglieder zählenden Verbandes folgendes: " Im Jahre 1909 betrug die Zahl der Arbeits= Cofen 1707, der Unterstützten 1453 und die Gesamt: ausgabe 32 512 Mt. Es ist für das Jahr 1910 also immerhin ein Rückgang der Arbeitslosigkeit gegen das Jahr 1909 zu verzeichnen. Wie im Jahre 1909 stellte auch 1910 die Braunkohlenindustrie den größten Teil der Arbeitslosen. Auf das Ruhrrevier entfallen nur insgesamt 140 Arbeitslose und im letzten Quar­tal sind nur 13 Fälle von Arbeitslosigkeit gemeldet worden. Diese Zahl ist gegenüber der großen Mit gliederzahl so gering, daß sie gar nicht in Betracht gezogen werden braucht."

Was man danach von den Behauptungen des Ab­geordneten Behrens zu halten hat, daß kann jeder Un­befangene selbst entscheiden."

Aus Stadt und Land.

Gießen, 11. November 1911.

Der Tabatarbeiterstreit. Da die in den Sympathieſtreik für die streifenden Tabakarbeiter in Westfalen und Lippe eingetretenen Arbeiter der Bremer Tabaffabriken bis zum 4. d. Mts. die Arbeit nicht wie der aufgenommen haben, ist sämtlichen organisierten Ar­beitern, auch der nicht streikenden Firmen, gefün digt worden, um sie nach 14tägiger Frist zu entlassen bezw. auszusperren. Daraufhin haben die gekündigten organisierten Arbeiter die Arbeit sofort niedergelegt. Die Zahl der Ausständigen ist ziemlich groß.

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3ur Bekämpfung der Maul- und Klauenseuche ordnet der Regierungspräsident des Regierungsbezirks Kassel folgendes an: Alle Sammel­molkereien im Bezirke dürfen Magermilch, Buttermilch und Molten nur nach Abkochung abgeben. Der Abkoch­ung ist eine Erhikung durch unmittelbar oder mittelbar einwirkenden strömenden Wasserdampf auf 85 Grad Cel­Jus oder eine Erhizung im Wasserbade auf 85 Prozent Für die Dauer einer Minute gleich zu achten. Das Ver­füttern von Milch und Molkereirückständen an das Vieh Der Sammelmolkereiinhaber ist nur unter gleicher Be­dingung gestattet. Zuwiderhandlungen gegen vorsteh­ende Bestimmung werden, sofern nicht nach dem Straf­gesetzbuche eine höhere Strafe verwirkt ist, mit einer Geld­

re signere, eintragrafe bis zu 150 Mark oder mit Haft bestraft.

weltbekannten thode Rastio

Der gebildete Kaul

slum. 5. Das Real

biturienten- Examen

*

Unbestellbare Postsendungen. Bei der Oberpostdirektion in Darmstadt haben im Jahre 1910 29 120 Postsendungen aus Orten des Großherzogtums Sessen vernichtet werden müssen, weil ihre Zustellung

reiwilligen- Prüfung war. Es fann nur von neuem den Briefschreibern delsschule. 10. Die weder an den Empfänger noch an den Absender mög­4. Die Studienanstall empfohlen werden, in oder auf den Postsendungen stets um oder Hobert Name und Wohnung des Absenders anzugeben.

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Baumfällen. In der Zeit des Baumfäl­

ens werden an den Straßen und in den Ortschaften die Reichs- Telegraphen- und Fernsprechleitungen durch um­türzende Bäume oder durch herabfallende Weste häufig beschädigt, weil die Personen, denen das Baumfällen bliegt, in der Regel die zur Sicherung der Telegraphen­

Theutigen Auflagen überhaupt nicht oder in ungenügendem Maße tref=

ard B. m. b. lagen gegen Beschädigungen erforderlichen Vorkehrun

en und es unterlassen, von den bevorstehenden Arbeiten nächsten Bostanstalt rechtzeitig Mitteilung zu machen.

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* Seit längerer Zeit schweben schon bei den naß­gebenden Körperschaften in Frankfurt a. M. Verhand­lungen, die dahin zielen, bei der Anstaltsdeputation und den Schulbehörden Frauen mit beratender Stimme zuzulassen. Der Magistrat hat diesem Plane zugestimmt.

-e- Der Kaufmännische und der Ortsge­werbeverein hatten ihre Mitglieder und Freunde am Montag zu einer 3 a uber- Soiree in Steins­Garten vereinigt. Die Fülle der Anwesenden, die kaum unterkommen konnte, brachte wohl den besten Beweis für die Zweckmäßigkeit dieser Veranstaltungen und den Ruf, den sie in den Bürgerkreisen genießen. Diesmal wurden die Anwesenden in die magischen Schlingen der Zauberei verstrict. Es übt einen eigenen Reiz auf den modernen, aufgeklärten Kulturmenschen aus, zu beobach ten, wie die Vorgänge, an deren naturgemäßen Verlauf er feinen Zweifel hegen kann, durch verblüffende Ge­schwindigkeit, Gewandtheit, entsprechende Apparate und ein unerschöpfliches Maß der raffiniertesten Triks, auf das Gebiet der vierten Dimension hinübergeschmuggelt" werden. Herr Conrade= Berlin verstand es auch meisterhaft, die Illusion der Hererei" hervorzu, zaubern" und zu erhalten. Es fällt schwer, aus der Fülle der sämtlich interessanten Hexenstückchen" besondere hervor­zuheben. Für die Hausfrauen war entschieden am wert­vollsten die Herstellung von Zuder aus Lumpen. Mit dem Ausdruck der tiefsten Entrüstung muß leider auch festgestellt werden, daß der Hexenmeister" seine schwarze Kunst auf das schmählichste mißbrauchte. Als auf mehr­fachen zarten Wink seinerseits die Anwesenden in Hin­blick auf die Teuerung ein schwaches Begriffsvermögen simulierten, stürzte er sich unter die ahnungslosen Bür­ger und raubte ihnen die schon auf die hohe Kante ge= legten Steuerbeträge in schweren Mengen. Die Folgen sind unabsehbar, wenn auch nachträglich von ängstlichen Gemütern unter den Ausgeraubten festgestellt worden sein soll daß sie nicht ärmer geworden seien. Daß der Besuch für Leute mit bösem Gewissen nicht ganz ungefährlich war, mußte jener Ueber- Don- Juan erfah­ren, der schreckensbleich und sichtlich zerknirscht an der Säule stand, als er erfuhr, was die Glocke geschlagen hatte". Es braucht wohl nicht erst gesagt zu werden, daß die Darbietungen des Gastes von starken Heiter­feitsausbrüchen begleitet wurden und die ihm ein leb­fall für den sehr unterhaltenden Abend dankte. 3u der Veranstaltung selbst muß bemerkt werden, daß vom Saalbesizer durchaus nicht für die nötige Anzahl von Stühlen gesorgt war, so daß das Publikum sich teil­weise selbst durch die Fenster hindurch Gartenstühle be­sorgen und nicht wenige stehen mußten. Ebenso ver= ursachte der Betrieb in der Garderobenabgabe sehr un­liebsame Verzögerungen.

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Das Gehalt macht' 61

( Gießener Tageblatt)

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die 44 mm brette Inseratenzeile.- Stellen: gesuche und Familienanzeigen 10 fg.- Die 90 mm breite Zeile im Reflameteil 50 Bfg. Extrabeilagen werden nach Gewicht und Größze berechnet. Rabatt kommt bei Ueberschreitung des Zahlungs. zieles( 30 Tage), bei gerichtlicher Beitreibung oder bei Konkurs in Wegfall. Plazzvorschriften ohne Berbindlichteit. Verlag der ,, Gießener Zeitung" G. m. b..

Telephon: Nr. 362.

23. Jahrg.

o Die Bereitung des Apfelweins in der Wetterau ist nunmehr zu Ende geführt. Wegen der geringen Obst­ernte ist die Menge des gelagerten Mostes zwar nicht so ergiebig wie in den Vorjahren, doch soll der dies­jährige Apfelwein dafür von vorzüglicher Güte sein Der Preis ist schon auf 12 Pfg. für 0,3 Liter gestiegen, so daß jetzt die meisten der Wirtschaften, die früher nur Apfelwein ausschenkten, auch Bier verkaufen.

):( Limburg. Von den Kartoffeln, welche die Eisenbahnverwaltung für ihre Angestellten bezogen hat, sind die ersten 4 Wagen angekommen. Der Preis für den Zentner dürfte 3.30 Mt. nicht übersteigen.

):( Marburg. Die Marburger Freie Studen­tenschaft hatte an die Landwirtschaftskammer für den Regierungsbezirk Wiesbaden ein Schreiben gerichtet, in dem die Kammer um die Nachweisung von Adressen sol­cher Gutsbesitzer und-Pächter ersucht wurde, die geneigt wären, Studenten während der akademischen Ferien als landwirtschaftliche Arbeiter bei sich aufzunehmen. Der Marburger Freien Studentenschaft konnte nur eine Domäne, die sich zur Aufnahme bereit erklärte, genannt werden. Interessenten am ):( Nassau. In einer Versammlung von 150 Konkurs des Kreditvereins Nassau wurde der Beschluß, daß jeder Beteiligte 100 Mark zahlen müsse, angenommen. 63 der Anwesenden zeich= neten sofort, es sind jetzt einschließlich der von Vor­standsmitgliedern gezeichneten Beträge 18 3000 Mark vorhanden.

):( Marienberg. Jm Frühjahr 1912 soll eine regelmäßige Automobil- Verbindung zwi­schen Marienberg, Kirburg, Friedewald, Daaden, und Betzdorf eingerichtet werden. Schon in den nächsten Ta­gen soll eine Probefahrt zwischen hier, Betzdorf und Hachenburg stattfinden.

Geschäftliches.

Der enorme Andrang zur Volks- Kaffeeschänke auf der Dresdener Hygiene- Ausstellung nahm häufig einen so gewaltigen Umfang an, daß die Räume zeitweilig geschlossen werden mußten. Jm ganzen wurden über 300 000 Taffen ausgeschänkt. Trogdem war es vielen Besuchern der Ausstellung nicht möglich, fich den Butritt zu erkämpfen und viele harrten stundenlang, um ein freies Bläßchen zu erhaschen. Da in der Kaffeeschänke nur 70 Sige bor handen waren und der Zuspruch täglich größer wurde, mußten biele unbefriedigt wieder von dannen stehen. Sie alle fönnen sich aber für den entgangenen Genuß leicht schablos halten, denn ber beliebte Kathreiners Malstaffee, der in der Schänke verabreicht wurde, war genau nach der auf jedem Baket befindlichen Kochbor schrift zubereitet und ist bei jedem Kaufmann ftets vorrätig.

Kirchliche Nachrichten.

Evangelische Gemeinde in Gießen. Sonntag, den 12. Novbr., 22. nach Trin. Gottesdienst

In der Stadtkirche. Vormittags Uhr: Professor D. Schian. Vorm. 11 Uhr: Militärgottesdienst. Pfr. Schwabe. Nachmittags Uhr: Kinderkirche für die Matthäusge­meinde. Pfarrer D. Schlosser. Abends 5 Uhr: Pfarrassistent Schorlemmer. Abends 8 Uhr: Vereinigung der konfirmierten männl. Jugend der Matthäusgemeinde. Dienstag, den 14. Nov., nachm. 4 Uhr im Mat­thäussaal: Frauenmissionsverein.

Mittwoch, den 15. Nov., abends 8 Uhr: Vereinig­ung der konfirmierten weiblichen Jugend der Markusge­meinde.

Donnerstag, den 16. Nov., abends 8 Uhr im Mat­thäussaal: Bibelstunde.( Bilder aus dem Leben der Apostel.) Pfarrer D. Schlosser.

In der Johanneskirche. Vorm. Uhr: Pfarrer Bechtolsheimer. Vormittags 11 Uhr: Kinderkirche für die Lukasgemeinde. Pfarrer Bechtolsheimer. Nachmittags 5 Uhr: Pfarrer Ausfeld. Abends 7 Uhr: Versammlung der konfirmierten männ­lichen Jugend der Lukas- und Johannesgemeinde. Mittwoch, den 15. Nov., abends 8 Uhr: Bibel= stunde im Lukassaal. Pfarrer Bechtolsheimer. Freitag, den 17. Nov., nachm. Uhr: Versamm­

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