Ausgabe 
6.3.1911 Erstes Blatt
 
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Mitglieder der Bande wurden zu schweren Zuchthausstrafen verurteilt.

Die Folgen der Pest in der Mandschurei. Die Char­biner Zeitung Neues Leben" schreibt: Aus mehreren Städten wird uns mitgeteilt, daß unter der Bevölkerung Elemente auftauchen, die ste gegen die Ruffen und Japaner aufwiegeln. Sie erklären, die Götter hätten die Pest nicht deshalb geschickt, damit alle armen Chinesen sterben sollten, wie dies auf den ersten Blick scheine, sondern um den Chi­nefen zu helfen, die weißen Teufel" und die Jopaner aus der Mandschurei zu vertreiben. Die Ruffer een schon angefangen, zu fliehen, und würden das Land ganz ver­laffen, wenn die Chinesen die Pest gegen die verhaßten Fremdlinge weiter tragen würden. Diese verhaßten Ein­dringlinge, so predigen die Agitatoren, sind ins Land ge= lommen, wirtschaften da und verbieten den Chinesen, auf threm heimatlichen Boden sich frei zu bewegen, und sogar, im eigenen Hause inmitten der Familie zu sterben. Die Fremdlinge haben die chinesischen Götter beschmaht. Ste e- trachten fie als Spielzeug und schmücken ihre Häuser da= mit. Die Götter befehlen jedem Chinesen, sein Leben so lange nicht zu schonen, als ein Fremdling in der Mand­schurei ist. Niemand solle sich impfen lassen, die Aerzte solle man nicht hören, Militär und Polizei nicht fürchten. Mit aller Energie soll man die Pest verbreiten, indem man Best­leichen in die Häuser leat oder die Kleider von Kranten usw. Die Götter wollen feinen Krieg, aber sie wollen die verhaßten Europäer züchtigen und sie veranlassen, die Mandschurei zu verlassen. Als Werkzeug zur Züchtigung baben die Götter die Chinesen gewählt, well sie so lange Jahre geschwiegen und sich gebeugt haben. Nur wenn sie ausharren und den Japanern und Europäern nicht helfen, werden sie die Herren werden."

Der Bart in England. Die Barttracht ist in den ver­schiedenen Perioden wohl mehr der Veränderung unter­worfen gewesen als irgend eine andere Gewohnheit. Das merkwürdigste in der Geschichte der englischen Bärte ist öte Tatsache, daß in William Rufus' Zeiten alte Leute, die sich noch an die glattrasierten Gefichter, die zur Zeit des vor­herigen Herrschers Mode waren, erinnerten, die langen Bärte als weibliche Verweichlichung der modernen Zeiten betrachteten. Und der Grund, weshalb die Leute sich den Bart wachsen ließen, war, daß cin stoppelipes Ninn deit Mund einer Schönen verletzte. Es ist noch gar nicht so lange her, als es nur vier Leute in Birmingham gab, die es wagten, sich einen Bart stehen zu lassen. Als sie zuerst sich in den Straßen zeigten, wurden sie von allen Seiten verhöhnt. Das erste Parlamentsmitglied, das einen Bart trug, war der Vertreter von Birmingham, Frederick Munz.

Das Glück des Sammlers. Einen fast tragikomischen Beitrag zur Psychologie des Sammlers liefert ein Fall, über den Petersburger Blätter berichten. Der berühmte Briefmarkensammler Stemmer in Petersburg besaß acht alte Marken, die er für die einzigen Exemplare dieser Art hielt. Sein Stolz auf diesen Besitz kannte keine Grenzen. und immer wieder mußte er seine Sammlerkollegen fühlen lassen, wieviel wertvoller seine Sammlung sei als alle an= deren. Einer seiner Freunde, der Fürst Trubeßkoi, ver­lor schließlich die Geduld, und bot durch Inserate eine ge= waltige Summe für die acht Exemplare jener Marke. Nach einigen Monaten bekam er von einem Händler auch ein Angebot, und kaufte die Serie für rund 26 000 Mart. Als er damit zu Stemmer eilte, war dieser wie vernichtet; die schönste Illusion seines Lebens war zerstört. Weinend be= schwor er den Fürsten, ihm die Marken zu überlassen, bot das Doppelte der Summe, und als er sie für 52 000 Mark auch endlich erhielt, schleuderte er sie in den Kamin und jubelte unter Tränen: Nun kann sich niemand rühmen, auch diese Serie zu besitzen, ich bin der Einzige auf der Welt."

Der ungelante Onkel Sam.

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Frtf. Stg." geschrieben: Dieser Tage konnte sich eine Dame des Vorzuges rithmen, thren Namen in den Spalten der Beitungen unter großen Ueberschriften zu lesen. Es war dies Frau Roberta Hill, welche als erfte weibliche Person wegen Schmuggelns zu Gefängnis verastellt wurde. Bis­her hat Onkel Sam, in dessen Bereich hic Damen ja große Vorrechte genießen, stets nur mit Gelsstrafen versucht, die holde, nach Europa reisende Weiblichkeit auf dem schmalen Pfade zu halten, den der Zolltarif für die heimkehrenden Amerikaner vorgeschrieben hat. Aber Geldbußen wirkten nicht, denn, so meinte der Bundesanwalt, solche müssen ja doch die Männer tragen; die Väter oder die Gatten. Und als nun Frau Roberta mit einem auf 6000 Dollars bewer­teten Zobelpelz, den sie unter einem anderen Kleidungs­stück an ihrem Körper verborgen hatte, an Land gehen woll­te, wurde sie von den Zöllnern gepackt und von einem Rich­ter, der ob des Antrags des Bundesanwalts, auf Gefängnis aut erkennen, beinahe weinte, zu 60 Stunden Haft verurteilt.

Wie unser Kaiser Leutnant wurde. Prinz Joachim, der sechste Sohn unseres Kaiserpaares, ist am 2. März vom Kaiser in die Leibkompanie des 1. Garderegiments zu Fuß in Potsdam als Leutnant eingeführt worden. Es wird nun von Interesse sein, wie unser Kaiser vor jetzt 34 Jah­ren zum Leutnant ernannt wurde. Es war am 9. Dezem ber 1877, als der damalige Prinz Wilhelm zur Leibkompa­nie des 1. Garderegiments zu Fuß kam. Die Einführung des Prinzen erfolgte durch den alten Kaiser in dem histo­rischen Langen Stall". Der alte Kaiser hielt damals, wte üblich, an die Offiziere und Soldaten und an den Prinzen Wilhelm eine Ansprache, die mit den Worten schloß: Nun geh' hin und tue Deine Pflicht, wie es sich für einen preu­ßischen Soldaten geziemt." Prinz Wilhelm wurde linker Flügelmann bei der 6. Kompanie. Sein Hauptmann und Kompaniechef war der Hauptmann v. Petersdorff, der als besonders gründlicher und energischer Offizier bekannt war. Die Kompanie, bei der Prinz Wilhelm stand, war 152 Mann start.. Prinz Wilhelm zeigte sich zur größten Ueberraschung der Mannschaften, die in ihm einen sehr bequemen Vorge­setzten zu haben glaubten, sehr bald seines gestrengen Herrn Hauptmanns, der energisch und gerecht war, würdig. Am ersten Morgen schon nahm er gründliche Besichtigungen der Mannschaftsstuben vor und feiner legte solchen Wert auf die exakte Durchführung des Dienstes wie gerade Prinz Wilhelm. So begann die militärische Laufbahn unseres jezi­gen Kaisers, der schon damals die militärischen Eigenschaf ten an den Tag legte, die ihn noch heute auszeichnen, und derentwegen er allen Soldaten als ein Muster soldatischer Pflichttreue gilt.

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Neujahrgeschenke während der Belagerung von Paris. Georg Cain, der bekannte Schilderer Alt- Pariser Lebens, veröffentlicht im Temps" Erinnerungen an den Pariser Winter der Kriegsjahre 1870/71. Von besonderem Interesse ist eine Aufzählung der Neujahrgeschenke, die seine Mut­ter während der Belagerung erhielt. Er und sein Bruder, damals noch junge Bürschlein, brachten ihr am Neujahrs­morgen ein ziemlich großes Stüd Schweizerkäse, für das fie ihre ganzen, nicht unbeträchtlichen Ersparnisse hatten anlegen müssen. Dann kamen die Geschenke der Freunde des Hauses: Gemüsesträuße, in welchen Möhren und Rüben dte Rosen ersetzten und Selleriefüße das Grün" bildeten; ein mit den französischen Farben geschmücktes Tönnchen mit geselscuer Butter; zwei Liter Linsen in einem herrlichen geschnitten offer, der aber ganz sicher weniger kostete als bte Pinien; wet Gefäßchen mit Marmeladen; ein Blumen­fohltopf; ein Pfund Bärenwürstchen; ein Stück von Ca­stor", dem damals geopferten Elefanten des zoologischen Gartens; ein halber holländischer Käse; dret Treibhaus­Lumen das Geschenk eines weltfremden Professors der Na­furwiffen chaften; und schließlich eine Gans, das Geschenk nes retchen Gönners, der, wie die Familie Catn später exfuhr, für den Vogel 145 Fr. bezahlt hatte.

Was der Anblick eines Krönungszuges fostet. Die See­len der Londoner Hausbefizer schwelgen in phantastischen Träumen, die Krönungstage rüden näher und damit die Hoffnung, aus der patriotischen Opferwilligkeit der Neu­gier Kapital zu schlagen. In den Straßen, die der Krö­nungszug pafsieren soll, find die Mietsforderungen ins Märchenhafte gestiegen; in diesen Tagen, so berichtet eine eine englische Wochenschrift, hat ein glücklicher Hausbesitzer sein Heim für den Krönungstag etnem reichen Amerikaner für nicht weniger als 20 000 Mart vermietet. 20 000 Mark für einen Tag! Die Kollegen dieses glücklichen Vermieters werden durch diesen Abschluß keineswegs in Bescheidenheit bestärkt. In der Tat werden für die Häuser am Großve­nor Square für die kommende Saison ganz unerhörte Mie­ten gefordert, und wer den Sommer in einem bequemen Hause in dieser Gegend verbringen will, muß mit Mietsprei­sen von 50 bis 100 000 Mark rechnen. In Belgravia fann man für die Sommermonate fein kleines Haus 23 000, tein größeres unter 30 000 Mark mieten. Aber es eint, daß die Londoner Hausbefizer in ihrer patriotischen Begeisterung die Opferwilligkeit der Bürger überschäßen. Die Agenten schütteln den Kopf und erklären, daß fast tet­ne Mietsabschlüsse mehr zustande kommen, sie scheitern an den exorbitanten Forderungen. Diese Märchenmieten," so versichern die Fachleute, werden nur den Erfolg haben, daß die Gäste entweder die Hotels aufsuchen oder überhaupt nicht nach London kommen." Immerhin hat man bei der Krönung der Königin Viktoria und auch bei der Krönung König Eduards einzelne Siße oder Fenster zu ansehnlichen Preisen vermieten fönnen; die Neugierigen zahlten 400 bis 10 000 Mark für die Gelegenheit, die prunkvolle Zere­monie sehen zu können.

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Angenehme Beschäftigung. A.:... Was tut denn unser Freund Maier, seit er die große Erbschaft gemacht hat?" B.: Er setzt Fett an."

Galgenhumor. Verschuldeter Lebemann: Das Leben tst furchtbar komisch! Je schlechter es mir geht, um so besser leb' ich."

Aus dem Reiche der Technit.

Eisenbahnen in Mont Blanc- Höhe. Die höchste Eisen­bahnlinie der Welt besitzt nach einer Zusammenstellung, die sich in der Zeitung des Vereins deutscher Eisenbahnver­waltungen findet, die Antofagasta- und Bolivische Eisen­bahngesellschaft. Von Autofagasta steigt die Hauptlinie die­ser Bahn stetig auf eine Länge von 360 Kilometer und er= reicht dadurch bei Ascotin eine Höhe von 3965 Meter. Auf viele Meilen läuft die Bahn in einer Seehöhe von 3660 Meter hin. Die ganze Strecke von Antofagasta an der Küste von Chile bis Oruro in Bolivien ist 942 Kilometer lang; obgleich sie eine Spurweite von nur 76 3entimeter hat, verkehren doch auf ihr sogar Schlafwagen. Diese Haupt­linie ist aber noch nicht die höchste Strecke des Netzes. Von thr zweigt bei Ollague eine Bahn nach Collahuasi ab, de­ren Gleise eine Höhe von 4820 Meter über dem Meeres­spiegel erreichen. Durch eine andere Zweigbahn von Rio Mulato nach Potosi, eine Meterspurbahn, die im Bau be­griffen ist, wird auch die letztgenannte Bahn voraussicht­Itch noch übertroffen werden. Man erwartet, daß hier die Höhe von 4880 Meter erreicht oder gar noch überschritten werden wird. Die nächsthöchste Bahn zu sein, darf wohl die Oroya- Eisenbahn für sich in Anspruch nehmen. Dann folgt die Peruanische Südbahn, die bei Portez del Cruzera eine Höhe von 4473 Meter erreicht. Auf der Argentinisch­Chilenischen Transandenbahn beträgt die größte erreichte Höhe 3200 Meter, immerhin noch eine recht außergewöhn= liche Höhenlage für eine Eisenbahn.

Die mächtigste Frau der Welt.

Wenn es wahr ist, daß das Geld die Welt regiert, so muß notwendigerweise der reichste Mann auf dieser Erde die größte Macht besitzen. Und reicher ist, wie man weiß, von allen Lebenden niemand als Mr. John D. Rode= feller. Hieraus ergibt sich die zwingende Folgerung, daß die Frau, deren Willen Mr. Rockefeller sich beugt, von allen ihres Geschlechts die mächtigste ist. Ja, sie ist eigentlich das mächtigste aller menschlichen Wesen. Man würde sich nun täuschen, wenn man glauben wollte, daß Mrs. Rockefeller, die Lebensgefährtin des Milliardärs, diesen Ruhmestitel für sich in Anspruch nehmen darf. Es scheint vielmehr, daß sie nur einen geringen Einfluß auf ihren Gatten hat. Nein, die Frau, auf deren Urteil Mr. Rockefeller soviel Wert legt, daß er ihm oft das seinige unterordnet, ist seine Privat­sekretärin. Sie heißt Miß Adam und man rühmt ihr nach, daß sie nicht nur außergewöhnlich klug und geschäfts­erfahren ist, sondern auch einen Charakter von fast männ­licher Entschlossenheit und eine unbeugsame Energie be= fizzt. Die riesige Korrespondenz ihres Herrn geht durch ganz ihre Hände. An jedem Morgen sieht sie die nach hunderten zählenden Briefe durch und wählt nach freiem Ermessen die­jenigen aus, die nach ihrer Ansicht wert sind, von Mr. Rocke­feller selbst gelesen zu werden. Es ist nur ein verschwin­dend kleines Häuflein, das dieser Ehre für würdig gehal­ten wird. Die übrigen werden in zwei Kategorien geteilt, in die Kategorie der Briefe, die Miß Adam nach ihrem Gut­dünken beantwortet, und die Kategorie derer, auf die über­Haupt keine Antwort erfolgt, und das sind die zahlreich­sten. Mr. Rockefeller läßt seine Sekretärin nach ihrem un­eingeschränkten Belieben entscheiden, da er unbedingtes Vertrauen in ihren Verstand und ihre Zuverlässigkeit setzt. Manchmal kommt es indessen vor, daß es seinen Freunden oder Bekannten gelingt, ihn bei zufälliger Begegnung, ei­nem gelegentlichen Gespräche für irgend ein Unternehmen zu interessieren, und daß er ihnen seine Mitwirkung zu sagt, ohne Miß Adam gehört zu haben. Aber er tut keinen wirklich bindenden Schritt, bevor er sie gefragt hat, und wenn sie der Ansicht ist, daß die Joee, für die man ihn ge= winnen wollte, nichts taugt, so sagt sie es ihm mit der größ­ten Offenheit und erreicht fast immer, daß er seine Zusage zurückzieht. Woraus man wieder einmal ersieht, daß eine fluge Frau, wenn sie es nur richtig anfängt, mit jedem Manne fertig wird.

Das höchste deutsche Kloster im Winter.

Die meisten Klöster auf deutschem Boden liegen behag­lich in der Ebene, wenige nur auf Bergeshöhen. Die höchste Lage hat ein Franziskanerkloster- es erhebt sich auf dem Kreuzberg beim unterfränkischen Städtchen Bischofsheim in der Rhön. Der Kreuzberg ist mit 932 Meter der zweit­höchste Gipfel der Rhön. Von oben erschließt sich ein pracht­volles Panorama, das einen stattlichen Teil Mitteldeutsch­lands umfaßt. Im Sommer genießt das Auge die lachende Pracht fruchtreicher Fluren, aber im Winter die erschüt­ternde Großartigkeit der grausamen Dede.. Freilich, leicht ist der Aufstieg in der falten Jahreszeit nicht, denn die Rhön, und besonders ihr vom Kreuzberg beherrschter Teil, ist rauh und unwirtlich; die Klosterleute, die 72 Meter unter­halb des Gipfels in ihrem Bau hausen, fönnen ein Lied von ben winterlichen Drangsalen singen. Der Boreas braust und heult und klagt, eisige Nebel wallen und weben. Schnee= stürme pettschen gegen die Mauern, knarrender Frost zau= bert Eiszapfen aufs Dach, das Thermometer sinkt tiefer und tiefer unter Null- bis auf 10, 15 und 20 Grad- und die armdicken Eiszapfen am Dach verlängern sich zu anderthalb und zwei Meter. Für die Gewalt, mit welcher der Sturm­wind einherfegt, ist es bezeichnend, daß ein gewaltiges, 23 Meter hohes Kreuz, das schon seit mittelalterlicher Zeit den Gipfel frönt, im Laufe der letzten hundert Jahre wieder­

holt geknidt worden ist. Am furchtbarsten war oer Orran am 16. Oktober 1882: er brach das Kreuz, als ob es nicht aus mächtigen Baumstämmen, sondern aus Latten gezim mert sei. Der Schnee erreicht eine solche Höhe, daß die sechs oder acht Fratres einen großen Teil des Winters von den Bewohnern unten im Tal vollständig abgeschlossen sind, denn selbst der Verkehr auf Schneeschuhen, von denen man im Winter 1901 zum ersten Mal Gebrauch machte, läßt sich nicht immer durchführen. Eine Schneelage von 1,20 bis 1,50 Meter gehört nicht zu den Seltenheiten; es hat schon Winter gegeben, da die weiße Mauer bis zum ersten Stockwerk des Klosterbaues anwuchs. Auch kommt es vor, daß im Januar und Februar Gewitter losbrechen und in den Schnee und das Eis strömende Regenfluten senden.

So führen die Klosterbrüder vom November bis zum April ein hartes, weltabgeschiedenes Leben. Nach den An­dachtsübungen in der von einem Turme gekrönten Kirche beschäftigen sie sich mit häuslichen Arbeiten, an denen es nicht fehlt, denn zur Beherbergung und Bewirtung der Pilger und Touristen, die von Anfang Mai bis zum Herbst in großer Zahl eintreffen, muß alles wohlvorbereitet sein Im geräumigen Refektorium mit seinen Brunnen, Del gemälden, Singvögeln und Pflanzen, und in den Gast- un Fremdenzimmern ist es urgemütlich. Wer Muße hat, be­sichtigt die sehr interessante Sammlung der in der Rhön vorkommenden Gesteinsarten oder durchblättert die bis ins 18. Jahrhundert zurückreichenden versereichen Fremden­bücher. Die Schlafzimmer für die Gäste und die Zellen der Mönche liegen oben im ersten Stockwerk. Aus der großen Küche können hundert Personen gespeist werden. Ihr Bier brauen die Fratres im eigenen Brauhause. Kegelbahn, Blumen- und Gemüsegarten mit lauschigen Plätzchen feh­len nicht. Und im Hintergrunde wölbt sich der Buchenwald, im Winter halb vergraben im Schnee, aber im Sommer ein prächtiger Dom. Wenn der Sturm nicht tost, dringt in die Einsamkeit und das Schweigen zeitweise nur der Klang des Klosterglöckleins. So steht der Bau in Sturm und Wetter schon seit den achtziger Jahren des 17. Jahrhun derts. Als Filialisten der am schönen Main Hausenden Dettelsbacher Franziskaner halten die Klosterleute auf dem Kreuzberg das Andenken an den heiligen Kilian wach, der nach der Eage mit seinen Begleitern im Jahre 668 eine auf dem Gipfel des Berges stehende Bildsäule der Diana um gestürzt und den heidnischen Franken das Evangelium ge­predigt haben soll. Am 8. Jult, dem St. Kilianstage, ziehen Tausende zum Gipfel hinauf, um dem Heiligen ihre Ver ehrung darzubringen ein geräuschvolles, festliches Leben und Treiben, das zur Dede des Winters im schroffsten Ge gensate steht.

Drabtnachrichten und neuestes.

Eine neue Stiftung des bayerischen Prinzregenten. München, 4. März. Der Prinzregent hat 100 000 Mark zu einer Stiftung für Pensionen an tüchtige und be­dürftige Künstler gespendet. Rumänische Offiziere auf dem deutschen Militärflugplatz.

Berlin, 4. März. Die von der rumänischen Regierung zum Studium des deutschen Flugzeuges entsandte Militär­kommission, bestehend aus drei Stabsoffizieren, stattete ge stern nachmittag dem Flugplatz Johannistal einen Be­such ab.

Portugiesische Verschwörer.

Lissabon, 4. März. Zu der in Brasilien entdeckten Ver­schwörung portugiesischer Monarchisten, an der auch der frit­here Marineminister Branco beteiligt ist, wird noch gemel det: Durch gestern beim Ministerium eingelaufene Privat­briefe wird die Meldung von der in Rio de Janeiro ent deckten Verschwörung der Monarchisten bestätigt. Das Hauptglied des Komplottes scheint der kürzlich aus Por­tugal ausgewiesene Erminister Branco zu sein. Minister Machado gab offiziell bekannt, daß er die Untersuchung der Sachlage der brasilianischen Polizei übergeben habe.

Die drohenden Unruhen in China. Petersburg, 4. März. Nach Wladiwostoker Mel­dungen wird dort täglich der Ausbruch eines Borerauf­standes erwartet. Die dort erscheinenden Blätter empfeh len ihren Regierungen, rechtzeitig Hab und Gut ihrer Landsleute zu schützen und dazu Militär aufzubieten. In Mukden und Umgebung wird eine starke Agitation gegen die Europäer betrieben. Massenproflamationen fordern da= zu auf, die Europäer zu vertreiben, indem man ihnen Best­kranke in die Wohnungen legt. Große Chungusenbanden tauchen auf, ebenso zahlreiche Flüchtige aus dem Pestgebiet Die englische Regierung will für Südchina Militär auf bieten.

Spanien und der Vatikan.

Madrid, 4. März. Das Verhältnis Spaniens zum Va tikan hat durch die scharfe Sprache der letzten vatikanischen Note, wie vorauszusehen war, eine bedeutende Verschlech­terung erfahren. Die Antwort der spanischen Regierung weist die Forderungen des Papstes entschieden zurück. Die Regierung erklärt energisch, Spanien beanspruche das Recht, ohne äußere Einmischung Gesetze zu geben. Der König hieß die Vorlage des Vereinsgesetzes gut und sie wird noch im Laufe des Monats im Parlament eingebracht werden. Wahlausschreitungen in Rumänien.

Bukarest, 4. März. Anläßlich der Parlaments­wahlen fanden in Bezeu blutige Straßenerzesse statt, in deren Verlauf drei Personen durch Revolverschüsse getötet wurden. Eine konservative Versammlung, in der der Un­terrichtsminister sprach, wurde von der Opposition gesprengt, so daß die Polizei den Saal räumen mußte. Auf der Straße fam es dann zu blutigen Schlägereien. Der Bürgermeister von Bezeu und zwei andere Personen wurden dabei durch Schüsse getötet. Polizei und Militär zu Fuß und zu Pferde mußte die Demonstranten mit der blanken Waffe ausein­andertreiben und die Ruhe wieder herstellen.

Schwerer Unfall auf einem Flugplak.

Madrid, 4. März. Bei den Schauflügen eines franzö­sischen Aviatikers streifte dessen Apparat das Publikum, wo­bei eine Person getötet, vier schwer und drei leicht verletzt wurden. Der Aviatiker blieb unverlegt..

Madrid, 4. März. Das Unglück auf dem hiesigen Flugplatz trug sich folgendermaßen zu: Als der Flieger zwet oder drei Meter sich vom Erdboden erhoben hatte, riß die Menge in dem Glauben, daß der Abflug bereits bewerk­stelligt sei, die Schranken um und drängte in die Bahn. Plöblich senkte sich das Flugzeug wieder herab und geriet in die Menge, wobei durch die Flügel der Schraube einer Frau der Kopf fast abgerissen wurde. Zwei Militärperso= nen, ein Priester und ein hoher Beamter wurden am Kopf schwer verletzt.

Sensationeller Freispruch.

Paris, 4. März. Der 15jährige Guillemett, der kürz­lich den Liebhaber seiner Mutter erschlagen hatte, weil die­ser die Mutter grausam mißhandelte, ist von dem Schwur­gericht in Versaille freigesprochen worden.

Ein deutscher Deserteur.

o Paris, 4. März. Auf dem Boulevard Sewastopol wurde gestern nachmittag der deutsche Deserteur Karl Rider vom 28. Infanterieregiment, gebürtig aus Crefeld, verhaf tet. Er hatte auf dem genannten Boulevard einem daher kommenden Manne Uhr und Kette entrissen. Bald darauf versuchte er einen Gemüsegärtner zu berauben. Radfah= rende Polizisten holten ihn ein und nahmen ihn fest. Ein Pestfall in Odessa.

Odessa, 4. März. In einem Vorort der Stadt ist ein Fall von Pest festgestellt worden.

Der enttäuschte Nordpolfahrer. Washington, 4. März. Der Senat hat den Antrag, Peary wegen seiner Verdienste um die Entdeckung des Nord­pols zum Konteradmiral zu ernennen, abgelehnt