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der Bedingung lieb, daß fie ihm monatlich 5 v. S.( dertigt. Bet festlichen Gelegenhetten trägt der Maharad­übliche Binsfuß der Wucherer in Spanien) an Binfen Bahlte. Diese sind aber niemals entrichtet worden und mittlerweile auf 1043 Befetas angewachsen. Der men schenfreundliche Geldgeber verlangt jest Kapital und Binsen, widrigenfalls er die Lehrerin pfänden lassen werde. Diese hat sich an den Unterrichtsminister ge­wandt; fie verweigert die Zurückzahlung der thr geliehe­nen Summe, wenn ihr das rückständige Gehalt nicht ausgezahlt, und die Entrichtung der Zinsen, wenn die Summe, die man ihr schuldet, nicht zum gleichen Bins­fuße, also 5 v. H. monatlich, verzinst wird.

Ein gemütliches Gericht scheint Lille zu befizen. Der Arbeiter Wallecamp, der einen Arzt durch zwei Revol­verschüsse schwer verletzt hatte, wollte sich fürzlich selber stellen; man bedeutete ihm jedoch, es sei niemand vom Gericht anwesend. Er solle fich freundlichst fortscheren und ein andermal wiederkommen. Nachmittags fam endlich das Gericht, und da die Tat inzwischen bekannt geworden war, wurden Wallecamp sofort Gendarmen nachgeschickt. Man fand thn, gemütlich Karten spielend, in nächster Nähe des Gerichts.

Eine refolute Bäuerin. Am Ostbahnhofe in Mün chen waren 2000 Wallfahrerinnen im Begriffe, nach Altötting einzusteigen, als plöblich im dichtesten Knäuel eine Bäuerin einer Städterin Ohrfeigen gab, eine nach der anderen. Was ist los?" rief alles. Was los ist!" entgegnete die Bäuerin, mein Geldbeutel hätt's mir g'stohl'n, die Stadtnock'n, die mistige," und als die also itulierte noch die Entrüstete spielen wollte, gab's neue Ohrfeigen von der Bäuerin, und alles begann auf die Taschendiebin loszuschlagen. Die wild gewordenen Wallfahrerinnen hätten sie noch in Stücke zerrissen, wenn nicht die Bahnhofspolizei weitere Grausamket­ten verhüttet hätte, indem sie sich der Langfingerin Ite= bevoll annahm.

Ein willkommener Brand. Im Gemeindehause der Ortschaft Alvaca bei Arad in Ungarn brach dieser Tage ein Brand aue. Mit dem Gebäude verbrannten viele Dokumente. Die Bevölkerung weigerte sich, trotz des Befehls der Gendarmerie, an den Löscharbeiten teilzu­nehmen, well sie sich sagte, daß die Gemeindevorstehung nicht mehr wiffen könne, mit welch hohen Steuern feder im Rückstande set, wenn die Aften verbrannt seten. Da muß in Zukunft die Gemeindeverwaltung die Rück­tände nach babylonischem Vorbild in feuersichere 3te­gelsteine eingraben laffen.

20 000 Mark Belohnung. Durch roten Anschlag an den Ettfaßfäulen tündlgt die Polizei von London eine Belohnung von 20 000 Mart an für die Ergreifung et ner Diebesbande, die vor einer Woche in das Vaughan­Morgan- Haus in Carlton Houseterrace, einem der vor­nehmsten Viertel in London, in dem sich auch die deutsche Botschaft befindet, eingebrochen hat und Juwe­len und Goldsachen im Werte von 400 000 Mart erbeu­tete. Bisher ist auch nicht die geringste Spur von der Diebesbande oder von den geraubten Kostbarkeiten ge­funden worden, obwohl ein Inspektor der Geheimpolt­set und ein ganzer Stab von Beamten Scotland Yards nach allen Richtungen hin sich auf die Suche gemacht ha­ben. Die Gegend gilt als die von der Polizei am besten bewachte Londons überhaupt. Die Diebe sind durch die Borberthr eingedrungen, die sie auf bis jetzt nicht er­lärte Weise ausgehoben haben. Nachdem sie einen fchweren Geldschrank geöffnet hatten, ohne daß trgend­etner der Hausbewohner durch das Geräusch geweckt wurde, nahmen ste die Kaffetten mit den Pretiosen an fich und verließen durch die Vordertür das Haus. Nicht einmal einen Fingerabdruc ließen sie zurück.

200 000 Mark Mündelgelder defraudiert. Eine Auf­fehen erregende Verhaftung wurde Sonnabend nach­mittag in Altona vorgenommen. Nach einer Selbstbe= sichtigung wegen Veruntreuung ihm anvertrauter Gel= ber tit der ustizrat Dr. Karl Waetke verhaftet wor­ben. Den Anlaß zu den Veruntreuungen des Justizrats gab der finanzielle Ruin feines Bruders, des Kauf­manns A. Waetke der etn Holz- und Sägewerk in Al­fona betreibt und sich wiederholt in Zahlungsschwierig­fetten befand. Der Justizrat half dem Bruder immer wieder in der Hoffnung, daß eine finanzielle Gesun= bung des Unternehmens ihm die Möglichkeit bieten perde, die entwendeten Gelder wieder zurück zu erstat= ten. Da sich aber die Firma genötigt fah, ihre Zahlun gen einzustellen, mußte auch der Justizrat seine Ver­fehlungen bekennen. Er stellte sich der Polizei, die ihn fofort in Saft nahm. Die Höhe der Unterschlagungen

es handelt sich zum größten Teile dabei um Mündel­gelder wird mit 200 000 Mark angegeben.

Wie ein Märchen aus Tausendunbeine Nacht" flin­gen die Geschichten, die von dem Herrscher von Baroda, Sajadschi Rao III., erzählt werden. Unter den indischen Potentaten, die sich in Delhi um Georg V. scharen wer­ben, ist Sajadscht Rav einer der retchsten. Sein Ein­tommen wurde schon vor 15 Jahren auf 16 Millionen Ruplen geschätzt. Die Valantine für seine von 500 Sklaven und Kornats bedtenten fünfzig Elefanten sind von Gold und Silber und über und über mit den herr­fichsten Edelsteinen besetzt: die Schabraken und das Baumzeug find aus einem kostbaren Goldgewebe gefer­

tos Ganz dicht, wie in einem gefüllten Ballsaal, war bas Menschengedränge auf den spiegelglatten Flächen um die Rousseau- Insel, wo sich eine elegante Menge von Herren und Damen nach den Klängen des Dr chesters fröhlich tummelte. Hier glitt ein selig lächelndes Bärchen schwebend weiter, dort holländerte ein Offizter mit schneidiger Sicherheit, und dort wiederum fuhr ein flotter Studio mit rasender Schnelligkeit rückwärts da­btn. An verschiedenen Stellen zeigten gewandte Sports­Ieute geschickt ihre Kunststücke, oft bewundert von dem Publikum oben auf den Wegen und beneidet von man­chem weniger geschulten Läufer.

8wet Herren, ein großer, brettschultriger und ein Hetmerer, Itefen rastlos nebeneinander die Bahn hin und her.

Also Ste haben Sie immer noch nicht entdeckt, Prizelwig?" fragte der Kleinere.

Nein, Iteber Muller. Nichts von ihr zu sehen." Es tst aber doch beretts 8 Uhr vorbet. Und Ste sagten, sie würde punkt 8 Uhr hier sein."

Sie wissen doch, Verehrtester, daß Pünktlichkett nicht die starke Sette des schwachen Geschlechts tst."

Aber dafür die schwache Sette des stärkeren Ge­fchlechtes!" lachte Muller. Wte oft find Ste übrigens schon mit ihr zusammengewesen?"

"

Nur zweimal hier auf der Etsbahn. Vorgestern lernte ich sie kennen, gestern sah ich sie wieder, na, und für heute hat sie auf meine dringende Bitte auch ihr Er­fchetnen zugesagt."

und ste hetẞt?"

" Hedwig von Below."

" Wohnt bet den Eltern?"

Ste sind ja der retne Inquifitor. Lelder kann ich Donen nicht dienen, well mir das alles selber noch fchleierhaft ist. Es ist nichts aus thr herauszukriegen.

scha einen Halsschmuck im Werte von fünf Millionen Mart; in diefem Schmuck befindet fich ein Diamant von 125 Karat, der einst Napoleon gehört haben soll. Der Fürst besitzt aber außerdem noch andere Schmucksachen, die insgesamt auf 40 Millionen geschäßt werden, und in seinem Arsenal steht eine große Kanone von massivem Silber, deren Wert zwei Millionen betragen soll. Unter den anderen wunderbaren Dingen, die in den Schatz­kammern des Palastes aufgespeichert sind, verdienen be­sondere Erwähnung noch die mit echten Perlen durch­wirkten Teppiche, die ursprünglich als Hülle für das Grabmal Mohammeds bestimmt waren. Troß feines fabelhaften Reichtums ist der Gaekwar ein sparfamer, beinahe geiziger Herr: er gibt jährlich nicht mehr als dret Millionen aus, was als eine wahre Lappalte be­zeichnet werden muß. Sein Lieblingsvergnügen find Elefantenkämpfe, wobel die Tiere durch allerlei aufret= zende Mittel wild gemacht werden

Das große Los. Am Sonnabend nachmittag, am legten Biehungstage, kam das große Los heraus und fiel auf die Nr. 107774. Das Los der ersten Abteilung ist in Viertel- Abschnitten nach Cassel, das andere in Achtel- Abschnitten nach Görltz gefallen. Die Gewinne der beiden Abteilungen sind mit ie 500 000 Mart do­Hert. Von den 8 Tellnehmern am großen Los find 4 arme Leute, die übrigen gehören dem Mittelstande an. Kurze Zeit vorher entschied sich auch die Prämie. Nach den Bestimmungen des Lotterieplans wird in der letzten Ziehung für diejenigen Lose betder Abteilun­gen, auf die der zuerst gezogene Gewinn von 1000 Mr. und darüber fällt, eine Prämte von je 300 000 Mart ge= währt. Die zuerst mit 3000 Mart gezogene Nummer 175467 erhält die Prämie von 300 000 Mart. Die 8 Achtel der einen Abteiluna fiel in ein Berliner Botte­rtegeschäft, die andere Abteilung des ebenfalls in Ach­teln gespielten Loses ist nach Breslau gewandert.

Ueber den ungeheuren Verkehr Londons gibt ein soeben veröffentlichter Bericht des Handelsministeriums Auskunft. Im Jahre 1910 beförderten die Untergrund­und andere Bahnen innerhalb der Stadt nicht weniger als 1566 277 272 Berfonen. Aus den Vorstädten strömt alltäglich eine Menschenflut von 1 070 000 in die Stadt. Am 28. April d. J. nahm die Behörde einen Zensus der Fahrzeuge auf, die von auswärts in die Stadt fa­men, und zählte 18 915 Krafiwagen, 52 094 mit Pferden -quvcs 189 01 gun anggapai 909 v zg farren.

Ein Heiratsvermittler, der übel ankam. Aus Neu­york wird geschrieben: Das Gewerbe der Het­ratsvermittler blüht in Neuyork und ganz Amerika of= fen und geheim in feder Weise. Am meisten umschwärmt von ihnen find natürlich die jungen Millionäre, bet denen eine schöne Heiratsprovision herauskommt. Nun war der junge Delver dafür bekannt, daß er nicht nur sämtliche Heiratsvermittler, die sich unter irgend einem Vorwande bet ihm einschlichen und erst später ihr wah­res Gesicht enthüllten, zur Tür hinauswarf, sondern dabei auch recht grob und gewalttätig werden konnte. Es magte also tein Heiratsvermittler mehr, den Fuß in sein Haus zu seben. Nun wurde er eines Tages von einem Bekannten namens Wistler zur Besichtigung eines neuen Flugapparates in den Part seiner Billa eingeladen. Ster lernte er den Nachbarn Wistlers, Johnson und dessen reizende Tochter kennen. Aus der Bekanntschaft entwickelte sich eine Liebe und das junge Baar verlobte sich im Geheimen. Die junge Brauf ver­traute nun ihrem Bräutigam an, daß Wistler ein Het­ratsvermittler set, der nur als Grandseigneur zum Zwecke der Heiratsvermittlung lebe, weil ihm dadurch die besten Partien durch gesellschaftliche Vermittlung gelängen. Auch sie habe er als ein Opfer auserforen und ihr schon mehrere Freter vorgeführt. Sie glaube, daß er auch zu gleichem 3wecke eingeladen worden set. Der junge Millionär beschloß nun, sich dafür zu rächen, daß der Heiratsvermittler auch jetzt noch seine Braut weiter verfuppeln wolle. Er erfuhr, daß der angebliche Grandseigneur sich in großen Geldschwierigkeiten be­fände. Er ließ unter der Hand seine Forderungen und Wechsel auffaufen und dann die vielverschuldete Villa zur Deckung feiner Forderungen versteigern. Er selbst erstand die Villa und verbot nun Wistler, sich noch ein mal auf dem Grundsticke fehen zu lassen. Zugleich teilte er mit, daß er sich mit der Tochter feines Nach­barn verlobt habe und daß dies die Provision für einen Gentleman- Ehevermittler set.

Moderne Methusalems. Die Zahl der Menschen, die das 100. Lebensjahr überschreiten, ist nach Ausweis der Statistik ungleich größer, als man gemeinhin anzu­nehmen gewöhnt ist, Ste beträgt in Deutschland 77, in Frankreich 213, in Spanien 401, in England 146, in Jr­land 578 und soll in Rumänien gar 1000 übersteigen. In den Vereinigten Staaten lebten im Jahre 1890 3081 Per­sonen, die über 100 Jahre alt waren, und die Stadt Lon­don beherbergte in derselben 3eit 21 Greise über 100 Jahre. Im Jahre 1850 lebte in Rußland ein alter Herr von 168 Jahren, der 1700 in der Schlacht von Bultawa mitgekämpft und sieben Souveräne auf dem 3arenthron gesehen hatte. Das gleiche Alter erlebten der ungarische

Vielleicht ein verarmtes adliges Mädchen, das irgendwo die Erzieherin spielen muß

" Dann hätte sie wohl faum soviel Bett." Na, oder meinetwegen Vorleserin oder so etwas Trübfeltges. Jedenfalls besitzt sie höllisch viel Schick." Prizelwitz, sehen Sie sich vor! Solche Sirenen find manchmal gefährlich."

" Dante ergebenst! Ich weiß, Ste sprechen aus Er­fahrung."

Der Affeffor hörte schon nicht mehr auf die letzten Worte. Seine Augen waren zwischen den vorüberflte­genden Paaren hindurch nach etner Dame auf der ent­gegengesezten Sette gerichtet, die dort Kreise um Kretse zog. Donnerwetter!" entfuhr es ihm. Was für etne fabelhafte Geschicklichkeit! Einfach pyramidal! Sehen Ste nur, Prizelwit!"

Der Angeredete wurde rot wie ein Knabe, der auf etner tecken Tat ertappt wird. Das ist fte ja," flüsterte er überrascht.

Muller war Feuer und Flamme. Dann nur hin zu ihr, so schnell uns unser Nickelstahl tragen kann."

Ste htelten dicht vor der Dame an, die plötzlich ebenfalls stehen blieb. Prizelwit stellte seinen Freund vor und fügte mit einem dankbaren Blick hinzu: Gnä­diges Fräulein find sehr pitnktlich. Bin sehr erfreut darüber."

Mullers Augen hingen unverwandt mit Bewun­derung an der eigenartigen Erscheinung dieser Dame. Durch ihre große, geschmeidige Gestalt und die gelbblon­den Haare kam sie ihm wie eine Tochter Albions vor, die fast schwarzen, fühn geschwungenen Augenbrauen über den grünlich schillernden Augen waren dagegen die etner Jtaltenertn.

Alle dret überließen sich nun mit voller Jugendlust dem köstlichen Vergnügen des Eislaufes. Die Dame konnte es sich nicht versagen. ab und zu flir sich allein

Erzbischof Spodisveda, ein schottischer Geistlicher und froatischer Bauer, und aus dem Jahre 1816 wird gar von einem Kanonikus aus Luzern berichtet, der es auf volle 185 Jahre gebracht haben soll. Sehr wahrscheinlich flingt das allerdings nicht.

Das schnellste Telegramm. Um herauszufinden, wte rasch ein Telegramm um die Welt reisen könne, stellte die Neunorf Times" fürzlich interessante Expe rimente an. Es wurde eine Botschaft von neun Wor ten an die eigene Redaktion gerichtet und diese De­pesche oftwärts aufgegeben. Das Telegramm berührte Honolulu, Manilla, ging nach Hongkong, Singapore und Bombay, dann nach Suez und Gibraltar und erreichte schließlich Neuyork nach Zurücklegung einer Distanz von 28 613 Metlen. Es waren keinerlei Versuche gemacht worden, den übrigen Verkehr irgendwie aufzuhalten, und das Telegramm ging die gewöhnliche Route all­täglicher kommerzieller Botschaften. Es wurden 16 Sta ttonen passiert, und 16% Minuten nach Absendung kam ble Depesche wieder in Neuyork an. Sie hatte 1700 Met­Ien per Minute zurückgelegt. Die Refordzett wurde aber bet Eröffnung des Pacific- Kabels erreicht. Damals wurden allerdings alle Linien der Erde für diese Bot schaft fret gehalten, und unser Globus konnte in 9% Mi­nuten umzirkelt werden.

Wie unser Kaiser operiert wurde.

Die nachstehende Schilderung entnehmen wir der fürzlich erschienenen fesselnden Biographie des großen Berliner Chirurgen Ernst von Bergmann" von Dr. Arend Buchholz( Leipzig, F. C. W. Vogel). Es war im Mat 1894, daß der Kaiser Bergmanns Hilfe in An= spruch nahm. Der Gelehrte berichtet darüber in einem Briefe von 3. Juni:

Sonntag, also gerade heute vor acht Tagen, als ich zur Segelfahrt des Kaisers eingeladen war, nahm mich Majestät beifelte und zeigte mir feine linke Wange, an der eine etwas weniger als walnußgroße Geschwulst dicht über dem Unterkiefer saß. Sie war ganz beweg­lich und mit der Haut nicht verwachsen. Scu zwei Jah­ren wollte er sie bemerkt haben, in legfer Belt fel ste aber größer geworden und langweile ihn, well bei allen Berichten und Inspektionen die Leute ihm auf die dicke Backe schauten. Leuthold hätte gesagt, es sei eine Balggeschwulst, von einem Haarbalge ausgegangen, und set leicht zu entfernen.

Nun, eine einfache Balg- und Grüßgeschwulst war es nicht, oder infofern nur eine Balggeschwulst, als sie gut eingekapselt lag. Es war das, was man eine Spet­chelzyste nennt, ein kleines abgeschnürtes Säckchen aus dem Gefüge der Oberspeicheldrüse. Ste sind auch meist leicht zu operteren, allein der Bewegungsnerv des Ge­fichts, Fazialis geheißen, Itegt mitunter in unangeneh­mer Nähe von diesen mit speichelähnlicher Flüssig eit erfüllten Blasen, und seine Verlegung hat eine unrepa­rable Lähmung, d. h. dauernden Schiefstand des Mundes zur Folge! Unter diesen Umständen fannst Du Dir denken, daß die ersten fünf Tage der Woche mir voll frauser Gedanken steckten. Nun kam die Fahrt am Montag nach Dresden, die Fakultätssitung und die Fülle flinischer Arbeit. Montag und Donnerstag er­schien Leuthold bei mir in der Klinik, um alles genauer zu besprechen. Er wollte zuerst nur mit mir allein ope­rieren: es fet ganz einfach". Aber ich machte ihn doch durch die Erwähnung stußig, daß die Geschwulst zwar eine Balggeschwulft, aber feine oberflächliche, und daß thr der mimische Gesichtsnerv hart vorbellaufe. Wetter setzte ich auseinander, daß ich schmerzlos operieren müsse, und feiner die Rofaininjeftionen so gut zu handhaben verstünde als Schlange. So wurde auch von Majestät Schlange afzepttert, allen strengstes Still­schweigen anbefohlen, da nicht einmal die Saiferin von der Sache eher erfahren sollte, als bis sie vorüber war.

Freitag 7 Uhr 5 Minuten fuhren wir mit Leuthold hinaus, ausgerüstet mit durchaus neuen Instrumenten und frisch sterilisiertem Verbandmaterial. Der Kaiser schlief noch als wir ankamen, war aber nach wenigen Minuten zur Stelle und wurde rasiert, desinfiziert und fofaiuifiert. E aina alles ganz glatt und programm­mäßta. Die Kokainisierung gelang so schön, daß er, wie er selbst versicherte, feine Spur" von Schmerz empfun­den hätte. Die Scherenschläge ich präparierte zum Teil mit der Schere hatte er gehört, aber geführt nichts. Der Bala war eine Speichelanste. Naht und Verband wurden angelegt: die ganze Sache hatte faum eine Viertelstunde gedauert. Nun galt es Geduld zu haben und Ruhe durchzusetzen, was bet der überaus lebhaften Natur des Kaisers nicht leicht d

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Nach der Operation begab sich der Kaiser zur Kat­serin, die nicht wenig überrascht war; ebenso waren es die Prinzen, der kleine Joachim hat gemeint und seine Aermchen um den Hals der Kaisers geschlungen mit den Worten: Mein armer Papa, das hat wohl furchtbar meh getan?" Als der Kaiser das verneinte, schrie aber der ganze Prinzenchor: Ja, du bist so tapfer, deswegen sagst du das nur fo!"

thre Künste zu zeigen, worin ihr die Herren nicht im mindesten gleichfamen.

Gnädigstes Fräulein find eine Meisterin," stellte Müller hingerissen fest. Wo haben Sie das gelernt, wenn ich fragen darf?"

Ste lachte. D, das ist angeboren. Und ich kann noch manches andere," fügte sie mit einem seltsamen Blick hinzu.

,, Und das wäre?"

Ste antwortete nicht darauf und begnügte sich, schel­misch zu lächeln, wobei fie fich in vielfachen Wendungen schwebend entfernte und wieder zurückglitt.

Brißelwit nahm das Gespräch wieder auf. Er be­mühte sich, ein geistreiches Geficht zu machen, und fragte: ,, Ste können noch Herzen brechen, nicht wahr, gnädiges Fräulein?"

Vielleicht!" sagte ste rätselhaft.

Bei dieser Bewegung und der Unterhaltung verfloß ihnen die Zeit wie im Fluge..

Als es zu dämmern begann und das elektrische Licht aufflammte, bemerkte Prizelwig: Es ist auch am Abend sehr hübsch hier, aber ich weiß doch von Gegen­den, wo es noch bedeutend schöner ist."

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Bum Beispiel?" fragte die Dame.

" Nunäh- trgend ein angenehmes, molliges Weinrestaurant."

" Bravo! Ganz mein Fall!" rief Müller begeistert. Prizelwig zog seine Uhr. Um sechs Uhr ist meine Dt­nerzett. Darf ich die Herrschaften einladen, mit mir zu­sammen zu speisen?"

Ja, nach der fräftigen Bewegung wird uns eine Stärkung sehr bekömmlich sein," stellte Müller fest. Die Herren blickten die Dame fragend an, und diese

ntate.

( Fortfegung folgt.)