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Deutscher Reichstag.

Der Reichstag erledigte am Mittwoch das Heimars bettsgesetz in zweiter Lesung. Der Lohnämterantrag ber Sozialdemokraten wurde abgelehnt, dagegen der Kompromißamirag auf Errichtung von Fachausschüssen Auch die Resolution der Kommission, angenommen.

Die nächste Marokkodebatte im Reichstag. Am Donnerstag hat man sich im Reichstag dahin verstän­digt, daß die Marokkodebatte für nächsten Dienstag auf die Tagesordnung gesetzt werden soll. Es ist jetzt be= stimmt, daß für die Konservativen nicht Herr von Hey­debrand, sondern Graf Westarp sprechen wird. Für die Nationalliberalen wird wieder Herr Bassermann, für das Zentrum Freiherr von Hertling sprechen. Ueber die Frage, ob man sich auf furze Erklärungen beschrän­fen soll oder ob die auswärtige Politik breit und aus­führlich zu behandeln set, werden die Fraktionen sich erst in den nächsten Tagen schlüssig werden.

Deutsche Geschüße für die Türkei? Der frühere tirtische Kriegsminister Mahmut Mukhtar Pascha ist am Dienstag nach Berlin abgefahren, angeblich, um in Deutschland Waffen und Geschüße zu kaufen.

Die Vergleichsverhandlungen in der Berliner Me: tallindustrie sind am Donnerstag gescheitert und die Aussperrung tritt in Kraft. Es ist aber, da die For­rier einen Teil der Vermittelungsvorschläge angenom­men haben, Aussicht vorhanden, daß sich auch noch über die strittigen Punkte eine Verständigung erzielen läßt, so daß in diesem Falle die Aussperrung nur von kur= zer Dauer sein würde.

bte die bekannte Forderung auf Berücksichtigung von Tarifverträgen bet Vergebung öffentlicher Lieferungen auch auf die Hausarbeit überträgt, wurde angenommen. Am Donnerstag wurde zuerst der Geseßentwurf betr. Aufhebung des Hilfskaffengefeges in zweiter Lesung beraten. Der Paragraph 1 des Entwurfs, der das Ge setz über die eingeschriebenen Hilfskassen aufheben will, wurde unverändert angenommen, ebenso die übrigen Paragraphen. Es folgte die zweite Lesung des Privat­beamtenversicherungsgesetzes. Auf Anfrage des Abg. Linz( Rp.) erklärt Ministerialdirektor Caspar, sämt liche technische Beamte, vor allen Dingen auch die Mu­Sterzeichner, feien ohne Rücksicht auf den künstlerischen Wert ihrer Leistungen in das Gesetz einzubeziehen, und erwidert dem Abg. Raab( W. Vga.) auf die Be­fürchtung, daß den Werkmeistern die Etgenschaft als Privatbeamte strittig gemacht werden könnte, weil sie mit einer fürzeren Kündigungsfrist angestellt sind: die Kündigungfrist set ohne Einwirkung auf das Gefeß. Auf weitere Anfragen erwiderte Ministerialdirektor Cafpar: Vorübergehend mit gewissen Funktionen be= traute Gesellen sind natürlich feine Angestellte. Dienst­boten fallen im allgemeinen nicht unter das Gesez. In den weitaus meisten Fällen werde der Brinzipal zu entscheiden haben, wer Angestellter ist. Der§ 1 bleibt unverändert.§ 9 gab Veranlassung zu einer lebhaf= ten Auseinandersetzung zwischen den Abgg. Cuno und Mommsen( F. Vp.) und Ministerialdirektor Caspar. Die Abgeordneten wollten wissen, wie es mit der Ver= ficherungspflicht der Angestellten der Gemeinden, Kom­munen usw. steht. Ministerialdirektor Caspar erwiderte, daß nur solche Beamte unter das Gesetz fallen, die tet­nen Anspruch auf anderweite Bension hätten. Der 89 wurde mit einem Zusaß Schulz( Ry.) angenom= men, wonach in Zweifelsfällen die Entscheidung den Oberverwaltungsbehörden zusteht. Am Freitag geht die Besprechung weiter.

Unser Freund Italien.

das keine Augen hat. Augenhöhlen und Augenbrauen sind gleichfalls nicht vorhanden. Der obere Teil des Kopfes tit vollständig rund. Ein zu Rate gezogener Spezialist stellte fest daß das bedauernswerte Wesen lebensfähig ist.

Die Vereinigung der Buchdruckereibefizer Berlins erklärt, zum Ausgleich der erhöhten Löhne und der fortdauernd gestiegenen Materialkosten die Druckpreise vom 1. Januar ab um zehn Prozent erhöhen zu wollen. Im Bestscheckamt und in der Reichsbank zu Ber= lin konnter am Donnerstag etwa eine Stunde hin­durch keine größeren Zahlungen erfolgen, weil wegen unvorhergesehener Abhebungen größerer Summen der Barvorrat erschöpft war. Große Firmen hatten zusam men mehrere Millionen Mark erhoben. Neue Vorräte mußten erst aus den unterirdischen Tresors der Bank geholt werden. Die Reichsbank bestreitet übrigens, so­weit sie in Frage kommen soll, die Richtigkeit der Met­Dung.

Keine Einberufungen zu militärischen Nebungen während der Reichstagswahlen. Um zu vermeiden, daß Offiziere oder Mannschaften des Beurlaubtenstandes bet den nächsten Reichstagswahlen durch militärische Gründe an der Beteiligung verhindert werden, hat das preußische Kriegsministerium angeordnet, daß in der Zeit vom 12. Januar bis zur Erledigung etwaiger Stichwahlen, also bis zum 30. Januar, keinerlet Ein­berufungen zu Uebungen des Beurlaubtenstandes stattfinden dürfen.

Die Besserung der Reichsfinanzen. Wie die Ber­liner Politischen Nachrichten" mitteilen, wird die An­leihe des nächsten Reichsetats fich auf etwa 50 Millio­nen belaufen. Im Statsentwurf für 1911 betrug die Anleihesumme 97% Millionen Mark.

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Beim Essentragen tödlich vernnglückt. Die Ehe­frau Thieme aus Globigant bei Neumark wurde beim Effentragen nach der Grube Leonhardt beim Gleisüber­schreiten von einer Maschine der Baagerbahn erfaßt und sofort getötet.

Eine Expedition nach Deutsch- Kongo. Wie aus to­Ionialen Kreisen mitgeteilt mird, ist nunmehr die Er= pedition in das neue von Frankreich an Deutschland abgetretene Kongogebiet gesichert. Die Expedition hat in erster Linie die Aufgabe, neue Verkehrswege nach Innerafrika zu schaffen. Man denke zunächst an die Einrichtung einer deutschen Motorschiffahrt auf dem Kongo, Ubangi und dem Sanaha. Die Erpedition mird ausgefandt von dem wirtschaftlichen Komitee der dent­schen Kolonialgesellschaft. Nachdem der Vorstand des Komitees am Mittwoch seine Zustimmung erteilt hat, dürfte die Ausreise in kürzester Zeit erfolgen.

Unter diesem Titel veröffentlicht Danzers Armee­Bettung", in Wien folgende aufsehenerregende Mittet lung: Die Einberufungskarten, mit denen Italien wegen der Expedition nach Tripolis den Jahrgang 1888 unter die Fahnen rief, besitzen eine sonderbare Eigen­titmlichfett. Sie zeigen nämlich Ueberklebungen. Die schmalen Streifen lösen sich leicht weg und unter ihnen wird das Datum 1909 sichtbar. In den österreichischen militärischen Büros sollen mehrere Originaleremplare von großen, auf grünes Papter aedruckten Plakaten der Mobilisierungskundmachungen" zirkulieren, welche die gleichen Ueberklebungen aufwetsen. Ein Exemplar dieser interessanten Kundmachung soll auch dem Katser Franz Josef vorgelegt worden sein, die klipp und klar beweist, daß Italien während der Annexionskrisis eben daran war, Oesterreich in die Flante zu fal= Ien, als Rußlands Rückzug die Hoffnungen un­feres Bundesgenossen zerstörte. Man muß natürlich ber genannten Korrespondenz die Verantwortung für die Richtigkeit der Mitteilung überlassen.

Italien des Dreibundes müde?

Kleine Dachrichten.

Unschädlich gemachte Ränberbande. In Peters­burg wurde eine Bande von 26 Personen verhaftet, die einen bewaffneten Ueberfall auf ein Nonnenkloster geplant hatte, um es zit berauben. Unter den Verhaf­teten befanden sich auch Studenten und Studentinnen.

Wissenschaft, Runst und tratur.

Ueber Syphilis als Erblindungsurfache bet ingend: lichen Individnen hat in letzter Zeit die Universitäts­Augenklinik Halle a. S. neue wissenschaftliche intersu­chungen angestellt. Als Objekt dienten die Zöglinge der Brovinzial- Blindenanstal. An jedem einzelnen nahm Dr. Igersheimer, der Leiter der Klinit, eine Blutun­tersuchung vor und kam dabei zu Resultaten, die trob der relativen Kleinheit des Matertal besondere Beach­tung beanspruchen, weil bisherige Statistiken die Be­deutung der Syphilis als Erblindungsurfache fast ganz vernachlässigten. Von 187 3öalingen fonnte überhaupt bet 32 ohne Rücksicht auf einen Zusammenhang zit­schen dem Allgemeinleiden und der Augenaffektion Syphilis nachgewiesen werden. Nach Abwägen aller Faktoren spielt die schreckliche Seuche insgesamt bei 13, 4 Prozent der untersuchten Fälle, eine ursächliche Rolle. Eine hohe, bisher wohl ungeahnte Rahl Snphilishlin­der. Dr. T. ist zurzeit mit weiteren untersuchungen an den Insassen der Blindenanstalt Barby a. E., einer Zweiganstalt der Bl.-A. Halle, beschäftigt.

Abdul Hamids Perlenhalsband. Die erste Hälfte der Versteigerung der Schäße Abdul Hamids in Pa­ris erbrachte insgesamt den Betrag von 4 947 476 Frcs. Den höchsten Preis. erzielte ein dreireihiges Berlen­halsband mit kostbarem Diamantverschluß, das für 920 000 Fres. erworben wurde. Die Versteigerung wtro am 4. Dezember fortgesetzt.

Todessturz aus dem Fenster. Donnerstag mittag stürzten in einem Hause in der Liebenauer Straße in Halle aus einem Fenster des dritten Stockwerks zwet Kinder auf den Hof. Ein vierjähriges Mädchen war so­fort tot; ein zweieinhalbjähriger Knabe wurde schwer verlebt ins Krankenhaus gebracht.

Die Wiener Reichspost" will von römischer Seite erfahren haben, daß in den letzten Tagen in Rom Be­sprechungen stattgefunden haben, die sich auf den Ablauf der Dreibundsverträge bezogen und derzeit noch fort= dauern. Die Grundlagen der Verhandlungen, welche von dem französischen Botschafter Barrère mit der ita­Itenischen Regierung eingeleitet wurden, bildet der Vor­schlag, Italten solle den Dreibund verlassen und fich den Alliancen und Freundschaften Frankreichs anschließen. Auf Seite der italienischen Regierung habe die Aussprache eine sympathische Aufnahme gefun­den. Der Gedankenaustausch habe zu einer Verständi­gung in wichtigen Punkten geführt. Dabei wurde von Italienischer Seite dem Gedanken Ausdruck gegeben, daß Italien unbeschadet einer eventuellen neuen Gruppie­rung der Mächte ein Ententeverhältnis mit Desterretch inbezug auf die Balkanfrage aufrechtzuerhalten wünsche. In den Verhandlungen wurde seitens der französischen Diplomatie sehr geschickt die Verstimmung ausgenüßt, die gegenwärtig im Schoße der italienischen Regierung gegen Deutschland besteht. Die Meldung ist sicher mit großer Reserve aufzunehmen.

Rundschau oom Cage.

Politisches.

Statt Medizin Chloroform. In Greifswald tran* ein junges Mädchen, das Medizin einnehmen wollte, versehentlich einen Rest Chloroform aus. Ste etlte noch bis in das Wohnzimmer, brach aber hter zusammen. In furzer Zeit verstarb das Mädchen an Vergiftung.

Die Einberufung des hessischen Landtags ist durch landesherrliches Edikt auf Dienstag, den 19. Dezember bestimmt worden. Die feierliche Gröffnung des Land­tags wird am Mittwoch, den 20. Dezember erfolgen.

Aus Eifersucht.

Roman von Max Hoffmann. ( Nachdruck verboten.)

Uebertritt eines katholischen Pfarrers zum Prote: ftantismus. Der Pfarrer Joham Goehlert aus dem Böhmisch- sächsischen Grenzorte Moldau zeigte bei der Tepliker Bezirkshauptmannschaft seinen Austritt aus der katholischen Kirche an. Er reiste darauf nach Halle ab, um zum Protestantismus überzutreten.

Aus den Gerichtscälen.

Ein Herenprozeß ist vor dem Schöffengericht in Mannheim verhandelt worden. Eine Maurersfrau aus dem Mannheimer Vorort Käfertal hatte eine Bäuerin wegen Beleidigung verklagt, da diese thr nachaesagt hatte, sie besitze das 7. Buch Moses und sei schuld am Verenden des Viehs der Bäuerin. Die alte. Frau hatte gegen die junge, bildsarbere Here" Widerklage erhoben und war nur schwer zu einem Vergleich zu bewegen, da sie durchaus nicht begreifen wollte, daß sie sonst ver= urteilt würde. Die finat to in der Kerch, daß mar's drauffe heert, un die foll fauber sein?" rief die Alte und entfernte sich fopfschüttelnd und feineswegs überzeugt von der Unschuld ihrer Gegnerin.

Ein neuer Gewaltstreich der Stimmrechtshamen. Premierminister Asquith, der am Mittwoch in London in einer philantropischen Gesellschaft eine Rede halten wollte, wurde dort von einer Anzahl Suffragetten em= pfanger, die ihn durch Schreien am Sprechen hinderten, so daß er schließlich gezwungen war, das Gebäude zu verlassen, ohne gesprochen zu haben.

81) Bitte, erkennen Sie in ihm nicht tenen Tischler wieder, der bet Ihnen an dem Tage vorsprach, als eine Schwester zum Herrn Regierungsrat von Marleben be= stellt wurde?"

Denisches Geld für die Tschechen. Das Budweiser tschechische Afttenbräuhaus, dessen Bier start nach Deutschland exportiert wird, widmete von dem diesjäh­rigen Reinertrag 47 525 Kronen tschechisch nationalen Zwecken.

Die Gefragte schaute jetzt aufmerksamer zu Ma­jewskt hin. Ich kann wirklich nicht genau sagen, ob er es war," entschied sie.

Ein geständiger Mörder freigesprochen. Der 17iöb= rige Arbeiter Wenzel Brotsch aus Tetschen. der ein junges Mädchen ermordet hatte. wurde vom Schwurge= richt Leitmerit troß seines Geständnisses freigesprochen.

Die Kronprinzessin trifft aus Lanofuhr am 2. De­zember in Berlin ein wo sie längere Zett bleiben wird. Der Kronprinz trd sie vermutlich nach Berlin beglet­ten und dann in Schlesien jagen. Für Mitte Dezem ber wird im. Kronprinzlichen Palats ein freudiges Er­eignts erwartet.

Majewski Holte mehreremale tief Atem und sagte dann leise: Ja, Fräulein, ich bin es gewesen. Ich sah nur damals sehr reduziert aus und deshalb können Ste mich heute nicht genau rekognoszteren."

Herr von Scharffenstein lächelte. Nun, wenn er es selbst sagt, dann wird es wohl stimmen. Ich danke Ihnen, wertes Fräulein."

Ueber eine seltsame menschliche Mißgeburt berich­tet die Straßburger Post" aus Hayingen: Eine Frau hatte am Samstag einem Kinde das Leben geschenkt,

Die junge Dame entfernte sich schnell. Man merkte es thr an, daß ihr die ganze Sache widerlich gewesen war und daß ste froh war, rasch aus diesem Gebäude, wo ein dumpfer Hauch von Schuld und Strafe zu wehen schten, herauszukommen.

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Eine Verhaftung mit Hindernissen. In Neumün fter sollte ein Agent eine fleine Strafe verbüßen. Da er sich nicht freiwillig meldete, wurden zwei Beamte mit seiner Verhaftung und Einlieferung betrout. In fet= ner Wohnung fanden sie den Delinquenten im Bett Itegen, bis an den Hals zugedeckt. Es stellte sich her= aus, daß der Unglückswurm fein einziges Kleidungs­stück meh besaß die letzte Hose hatte er am Tage vor­her versezt. Um ihren Auftrag auszuführen, blieb den Beamten nichts übrig, als die Kleidungsstücke beim Bfandleiher auszulösen, dann wurde der Mann ins Gefängnis eingeliefert.

rief er wild. Ich sage es wieder und immer wieder und will es hinausschreien in alle Welt: Ich habe nte­mand getötet! In dieser Angelegenheit bin ich unschul­dig wie ein junges Lamm."

Gleich darauf wurde Friß von Marleben vorge­lassen. Auch er sollte die Uebereinstimmung dieses Menschen mit tenem, den er am Tage vor dem Ver­brechen bet der Diakonissin gesehen hatte, feststellen.

,, Schweigen Ste!" herrschte thn Scharffenstein ener= gtsch an. Was erlauben Ste sich hier für einen Ton? Wenn ich so etwas noch einmal höre, lasse ich Sie dret Tage einstecken, merken Ste sich das!"

" Gewiß," sagte er, nachdem er Majewskt scharf ge= mustert hatte ,,, er ist es!"

Bei dem Berliner Boftraub ist auch die Reichsbank zu Schaden gekommen. In der Sitzung des Zentral­ausschusses der Reichsbant am Mittwoch bemerkte der Vorsitzende, Erzellenz Havenstein, daß bei dem Postraub der Reichsbank verschiedene Sachen abhanden gekom­men seien. Es handelt sich um Wechselbestellungen. Da­von sind solche in sieben Bankanstalten aanz verschwun­den und einige teilweise vernichtet worden. Außerdem ist auch einiges Bargeld verloren gegangen. Die Reichsbank hofft aber, daß im ganzen der Verlust nur gering sein wird. Man wird versuchen, aus den Ko­pten fich klar darüber zu werden, was vernichtet wor= den ist.

Der Verbrecher verftel wieder in seinen weiner= lichen Ton. Aber Herr Untersuchungsrichter, wenn ich Ihnen doch sage, daß ich unschuldig an dem Morde bin!" Warten Sie gefälligst ab, bts Ste gefragt werden! Sie haben also die Identität festgestellt, Herr von Mar­leben. Dann danke ich Ihnen."

Sein Blut tam in Wallung, als er diesen Men­schen vor sich sah, der so viel Schmerz, Aufregung und Trauer über ihn gebracht hatte. Er ballte die Faust und brohte ihm mit den Worten: Also das ist der Nieder­trächtige, der so schändlich war

Majewski sprang troßig auf und unterbrach thn blizenden Auges." Bum Teufel noch einmal, nein!"

Fritz von Marleben ging langsam hinaus, nicht ohne vorher einen giftigen, höhnischen Blick von setten des Assessors aufgefangen zu haben, was ihn aber sehr falt ließ. Hier hatte man nach seiner Meinung endlich den Mörder, den die wohlverdiente Strafe treffen wirde und er selber wäre dann aller wetterer Scherereien ent­hoben. Dieser Gedanke gewährte thm bet aller Auf­regung, in die ihn der Anblick dieses Menschen versetzt hatte, eine gewisse Befriedigung.

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ich wohl zehn Minuten zusammengekauert fißen und lauschte. Wie mir meine Freundin gesagt hatte, schten der Alte in tiefem Morphiumschlaf zu Itegen, denn ich hörte nicht einen Atemzug. Da wurde ich ganz dreist, zündete ein Wachsstöckchen an und nahm den Schlitssel, den ich genau nach Angabe in einer kleinen Bronze­schale fand, und öffnete den Schrank. Im Nu hatte ich das Paket Geldscheine eingesteckt, als aus dem Neben­zimmer ein verdächtiges Geräusch kam. Das Blut in den Adern schien mir vor Schreck zu gerinnen, ich hatte kaum so viel Kraft, um nach dem Fenster zu schleichen, fletterte wieder hinunter, ergriff die Leiter und wollte sie wieder nach dem Holzstall zurückbringen. Aber ich war fast sinnlos vor Angst, eilte mit der Letter in der Hand nach dem Gitter, legte sie dort behutsam nieder, so daß sie nicht gleich zu sehen war, fchwang mich über die Eisenstäbe und stürmte wie von Furten gehetzt nach Hause. Es war sehr wett. Ich kam in Schweiß ge= badet dort an und legte mich gleich zu Bett. weiß ich nichts, so wahr mir Gott helfe!"

Herr von Scharffenstein setzte das Verhör des Ver­hafteten fort.

,, um welche Zeit führten Sie den Einbruch aus?" ,, Es war kurz nach zwölf!"

,, Und Sie stiegen durchs Fenster?"

,, Ja. Ueber den Korridor wollte ich nicht gehen, weil ich da erst über die Treppen gemußt hätte, und da fürchtete ich, von den Dienstmädchen gehört zu werden." Ihre sogenannte Freundin hatte das Fenster an­gelehnt gelassen?"

" Jawohl, und dann holte ich mir aus dem Holz= stall dte Letter, von der sie mir schon vorher erzählt hatte, und stieg hinein. Dicht am Fensterbrett blieb

Weiter

Herr von Scharffenstein schlittelte den Kopf. ,, Machen Sie mir doch nichts weiß! Warum hat Ihnen denn Ihre sogenannte Freundin nicht geholfen?"

,, Muß ichs immer wieder sagen? Die hätte alles von vornherein verdorben. Sie hat gar keinen Mut zu so etwas und hätte bei der geringsten Störung laut auf­geschrieen. Nein, sie war nicht dazu zu gebrauchen." Wo ist denn nun eigentlich das Mädchen?" Majewski biß sich auf die Lippen und schwieg. ,, Ach so, Ste wollen den Gentleman spielen und ste nicht verraten! Das ist aber doch töricht. Sie allein könnte vielleicht den schweren Verdacht des Mordes von Ihnen nehmen."

Majewskt wiegte sein Haupt und atmete schwer. Aber er sagte nichts. Der alte Herr nahm eine milde, fast väterliche Rede­weise an.

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