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Und sie ist mir auch gewährt worden, wofür ich herzlich dante. Da ich nun aber durch diese Wohltat mein Geld nicht alles verbraucht habe, so ist mein Wunsch und Wille, daß die Armendirektion alles, was ich noch habe, zurückerhält, Nehmen Sie es hin, und ich bitte Sie recht herzlich, mir das nicht übel zu nehmen, daß ich es so gemacht habe."
Webergriffe eines Polizeibeamten. Ein großer Auflauf entstand am Mittwoch abend nach einer Meldung des B. T. beim Zapfenstreich an der Kaserne des Infanterieregiments Nr. 22 in Gleiwib. Ein Polizeibeamter gab einer Zivilperfon ungerechterweise eine schallende Ohrfeige. Hierüber entwickelte fich eine Streiterei, die zu einer bedeutsamen Kundgebung gegen die Polizei ausartete. Hunderte von Men= schen versammelten sich und nahmen gegen die Polizeibe= amten eine drohende Stellung ein. Diese zogen blauf und verteidigten sich mit der Waffe. Viele Verwundungen sind vorgekommen. Die Situation wurde schließlich so gefahrdrohend, daß aus der Kaserne Militär zur Hilfeleistung herangezogen werden mußte. Die Menge zerstreute sich schließlich. Eine große Anzahl Verhaftungen wurden vorgenommen.
Um die Stellung eines Theaterdichters am Stadttheater in Kiel hat sich dieser Tage ein Jüngling aus Sebnitz in Sachsen beworben. Das in seiner naiven Ernsthaftigfeit sehr vergnügliche Schreiben hat nach den Kieler Neuesten Nachrichten folgenden Wortlaut:„ Ich erlaube mir hierdurch die höfliche Anfrage an Sie zu richten, ob Sie geneigt wären, mich an Ihrem Theater anzunehmen. Ich wollte gerne eine Stelle als Schauspielschreiber( Dramen= dichter) oder Schauspieler erhalten. Ich bin jedoch noch an keinem Theater angestellt gewesen, sondern will mich erst ausbilden zu einem tüchtigen Dichter, da ich die Gabe habe, schöne Dramen zu schreiben. Auch bin ich sehr mustfalisch, habe Violine gelernt und lerne sehr leicht. Zum tüchtigen Ausbilden habe ich doch noch Zeit, denn ich bin erst ziemlich 16% Jahre alt( geb. 22. 8. 93). Es würde mir sehr angenehm sein, wenn Sie mir sofort Nachricht zufommen ließen. Ich bin gegenwärtig noch Kaufmannslehrling, aber aus guten Gründen( oft Streitigkeiten, schwere Arbeit usw.) will ich fort. Ich habe nur Interesse am Dichten und Darstellen. Also wenn es Ihnen möglich sein sollte, mir den Wunsch zu erfüllen, so wäre es mir lieb, wenn Sie mir mitteilten über Wohnung, Kost, Gehalt usw. Ich hätte es gern, wenn ich am 1. April antreten könnte. Ihre werten Nachrichten gern erwartend, zeichne ich ergebenst N. N."
König Leopold II. von Belgien als französischer Thron= anwärter. Wie der Temps berichtet, liegen in den französischen Staatsarchiven die Nachweise, daß König Levpold II. von Belgien sich zweimal ernstlich um die französische Königskrone beworben hat, um den Lieblingsgedanken Napoleons III., Belgien mit Frankreich unter demselben Herrscher zu vereinigen, unter glücklicheren Verhältnissen zur Ausführung zu bringen. Den ersten der= artigen Versuch habe König Leopold im Jahre 1871 nach Niederwerfung der Kommune gemacht, den zweiten, dessen Datum das französische Blatt nicht angibt, während einer schweren inneren Krise der Republik. Da über die Absichten Leopolds II. abschließende Dokumente vorlägen, deren Veröffentlichung der französischen Regierung im gegenwärtigen Moment aber nicht opportun erscheine, so könne über diese Seite der politischen Tätigkeit des kürzlich verstorbenen Königs der Belgier ein Zweifel nicht mehr obwalten. Die Verantwortung für diese Meldung muß man dem Temps überlassen.
Bombenwürfe von der Flugmaschine aus. Aus Los Angeles wird berichtet: Die praktischen Versuche mit dem Ausmeifen von Bomben aus fliegenden Aeroplanen. die in Gegenwart deutscher, französischer und amerikanischer Offiziere am Mittwoch in Los Angeles vorgenommen wurden haben mit einem völligen Mißerfolg geendet. PaulHan stieg in seiner Flugmaschine mit dem amerikanische: 1 Leutnant Beck auf, der nun versuchte, aus dem Mercan Explosivkörper nach einem markierten Ziel zu werfen. Obgleich der als Ziel markierte Platz etwa 7 Meter lang und 7 Meter breit war, gelang es nicht, im Fliegen auch nur eine einzige der Bomben ins Ziel zu bringen. Sie alle fielen mehrere Meter abseits der markierten Fläche zu Boden.
Ein Preis für Verkehr mit einem Planeten“, wobei der Mars ausdrücklich ausgeschlossen ist, ist für das Jahr 1910 von der französischen Akademie der Wissenschaften zu vergeben. Es ist dics der Peter Guzman- Preis von 100 000 Franks Höhe, den die Witwe Guzmans dem ausgesetzt hat, der mit einem anderen Planeten als dem Mars irgendeine Verständigung erzielt. Bis es jemandem gelingt, diese Bedingung zu erfüllen, werden die Zinsen zum Kapital geschlagen, um dann nach je sünf Jahren in Form anderer Preise für Fortschritte auf dem Gebiete der Astronomie verteilt zu werden. Man kann darauf schwören. daß dieser Preis für Fortschritte der Astronomie recht oft zur Verteilung gelangen wird, ehe das Kapital als Preis weggegeben wird.
Ein Reford- Sonorar von 700 000 M hat, wie aus Neuyork berichtet wird, der bekannte amerikanische Rechtsanwalt Samuel Untermeyer in diesen Tagen in sein Einnahmebuch eintragen können. Die hübsche Summe bedentet das verabredete Honorar für die Bemühungen, die der amerikanische Advokat für die Verschmelzung der Boston Consolidated- und der Utah- Kupfergesellschaften aufgewandt hat. Seine Gebühren wurden ihm zum Teil in bar, zun Teil in der Form von 3250 Aftten der Utah- Gesellschaft ausbezahlt, deren Marktwert pro Stück 212. beträgt.
Geschützfalven durch den Seismograph registriert. Aus Petersburg wird berichtet: Am 6. Januar registrierte der Seismograph der Vulkowschen Sternwarte zwischen mittags und nachmittags fortwährend aufeinanderfolgende Grdstöße und Erschütterungen. Es wurde festgestellt, daß Diese Erscheinungen in Zarskoje- Sicln, das in der Nähe von Bulfowo liegt, den Ursprung haben. Wie es sich nun später herausstellte, hatte der Seismograph die anläßlich des Epiphaniasfestes in Barskoje- Sjelo bei der Wasserweiße in Gegenwart des Kaisers abgegebenen Geschüssalven arnou verzeichnet.
Die Riesenkraft eines Toblüchtigen führte am Sonn lag in einem Gefängnis in Trenton- Gaol, New- Jersen, zu einer aufregenden Szene. Der zum Tode verurteilte Mörder Giovanni Mayoni wurde plößlich tobsüchtig und gab ein fast wunderbares Beispiel riesiger Krast. Er zerschietterte zunächst in seiner Zelle alle Gegenstände, auch die eiserne Bettstelle, und riß dann die mächtigen schweren Eisenbarren der Türvergitterung aus den Angeln. Aus der Wand zerrte er ein langes, fast ein 3oll dickes Bleistid, das er mit den Händen so leicht umbog, als handelte es sich um eine Weidenrute, und mit dieser Waffe in der Hand bahnte er sich den Weg auf den Korridor. Während Dieses Ausbruches blinder Wut schrie Mayoni, der ein sehr frästiger Mann ist, wie ein vom Teufel Besessener: die Wärter waren so überrascht und verblüfft, daß sie sich in respektvoller Entfernung von dem wahnsinnigen Herkules hielten und ziemlich fassungslos berieten, was man tun fönne. Der Gefängnisgeistliche, der herbeieilte, um den Wütenden zu beruhigen, wurde von Mayoni jo bestig angefahren und bedroht, daß der gute Bater entfebt und laut un Hilfe rufend davonlief. Inzwischen hatte der Lobsüchtige die Bitterverren teils ausgeriffen, teils so weit verbogen, daß er seine Belle verlassen fonnte. Er schien gesonnen, alle Mörder, die in den Nachbarzellen eingesperrt waren, zu befreien. Aber inzwischen hatten die verblüffter wärter endlich ihre Fassung wiedergewonnen. Sie alle taten sich zu einem Angriff auf den tobenden Siejen zusammen. brend non der oberen Galerie des Ganges
aus einer der Beamten einen mächtigen Strahl eiskalten Wassers in das Gesicht, Mahonis richtete, griffen ihn je 15 Wärter von vorm und im Rücken an, warfen den Widerspenstigen zu Boden und fesselten ihn trotz aller Gegenwehr und der fürchterlichsten Drohungen. Die Gefängnisdirektion fennt keinen ähnlichen Fall von beispiellofer Körperkraft; die dicken Eisenbarren, die sonst gewöhnlich für schwere Verbrecher angewandt werden, sind halb so dick, wie die Vergitterung der Zelle Mayonis. Man nimmt an, daß der Wahnsinnsanfall eine abnorme Steigerung der Muskelfraft bewirkt haben müsse.
Eisenbahnräuber bei der Arbeit. Nach einer furzen Ruhepause haben die gefürchteten Bahnräuber von Missouri ihre unheimliche Tätigkeit mit einem verwegenen Ueberfall auf den von Kansasbiry ausgehenden Erpreßzug der Missouri- Pacificbahn wieder aufgenommen. Der leberfall geschah etwa 40 Meilen hinter Saint- Louis, wo zwei der Räuber den Zug als Passagiere bestiegen hatten. Wenige Meilen später wurde der Zug von zwei Männern durch das Schwenken roter Raternen auf offener Strede zum Halten gebracht. Die beiden sprangen dann auf die Lokomotive, wo sie Führer und Heizer mit vorgehaltenem Revolver in Schach hielten, während andere den Zug be= stiegen und die Begleitmannschaft zur Flucht zwangen. Nachdem die Wagen von der Maschine gekoppelt waren, erhielt der Lokomotivführer den Befehl, sechs Meilen vorzufahren. Die Banditen erbeuteten 25 Postsäcke. Was sie an Wert enthielten, ist nicht bekannt. Den im Zuge befind= lichen Geldschrank haben sie indessen nicht zu öffnen vermocht. Erst nach mehr als zwölf Stunden wurde den in den Coupees eingeschlossenen Passagieren Hilfe gebracht und die Verfolgung der Räuber durch Hunderte von Bluthunden unterstützte Sheriffs aufgenommen.
Reingefallen. Frau eines Verteidigers:„ Da hast du Verteidiger: also den Einbrecher nicht fret bekommen?" " Ja,... denke dir nur, wie ich im schönsten Herausstreichen war, da konnte der Kerl das Lachen nicht mehr halten!"
Wunder der Chirurgie.
Menschen ohne Kehlkopf, Zunge und Speiseröhre. Professor Th. Gluck von der Berliner Universität hielt, wie man der Inf." aus Wien meldet. vor wenigen Tagen in der Freien Chirurgenvereinigung einen Vortrag, bet welchem Patienten vorgeführt wurden, denen sowohl der Kehlkopf oder die Zunge, als auch Teile des Rachens und der Speiseröhre entfernt und durch künstliche Organe ersetzt worden waren und die trotzdem nicht allein den Eindruck ganz gesunder Personen machten, sondern sogar ihre Berufe ohne jegliche Störung ausüben fonnten. Unter th= nen befinden sich Leute, an denen die Operation schon vor mehr als einem Dezennium, ia sogar bereits vor 15 Jahren vorgenommen wurde und wo es gelang, die verloren geglaubte Sprachfähigkeit auf fünstlichem Wege wiederherzustellen. Es gibt Patienten, denen infolge krebsartiger Erfrankungen die Zunge entfernt werden mußte. Früher verband sich mit einer solchen Operation unbedingt der Verluft jeglichen Sprechvermögens und die Unglücklichen waren nur tmstande, lallende Laute ohne jede Artifulation von fich zu geben. Hierin hat die moderne Chirurgie in geradezu überraschender Weise Wandel geschaffen. Nach den Ausführungen Profeffor Glucks ist für das Sprechen nicht, wie allgemein in Laienkreisen geglaubt wird. Zunge und Kehlfepf das wichtigste Organ, sondern das Ansabrohr, durch welches in Mund- und Nasenhöhle der gelieferte Ton als das vernehmbar wird, was wir Sprache nennen. Wie dieses Geräusch oder dieser Ton erzeugt wird, sei es aus Speiseröhre, aus dem Magen stammend oder aus den Lungen herrührend oder durch automatische Blasebälge erzeugt, ist eigentlich für den Effekt bedeutungslos. Aus diefen Gründen kann man zur Erzeugung der nötigen Geräusche, welche dann zu Worten geformt werden, sonar phonographische Platten oder einen fünstlichen Kehlkopf verwenden. Das wichtiaste Sprachoraan, das natürlich auf feinen Fall fehlen darf, ist jenes Rohr, das sich an die Kehlkopfpfeife ansett. Manche Patienten haben sich ganz eigenartige Systeme nicht allein zurechtgelegt, sondern auch mit der Zeit praktisch durchführen gelernt, um ihre Sprache wiederzugewinnen, und die Erfolge beweisen, daß es auch für das Sprechen andere Methoden gibt, als jene, die der normale. gesunde Mensch für gewöhnlich in Anwendung bringt. Einer der Patienten beispielsweise pflegt, cs ge hört hierzu allerdings eine gewisse Uebung, feinen Minnd voll mit Luft zu nehmen, die Luft dann zu verschluckan und hierauf auszuatmen, wobei in der Speiseröhre oder im Schlundfopf gewisse Geräusche entstehen. Formt nun der Mann zu gleicher Zeit den Mund so wie er es als Find beim Sprechen lernte, so entstehen deutlich hörbare Morte. Da jedoch diese Methode nicht immer ausreichend ist, so hat Professor Gluck Versuche vorgenommen, die auch glänzend gelangen, nach denen die Stimme durch Gram= mophonplatten geliefert wird; der Apparat wird mechanisch in Bewegung gesetzt. Auch ein kleiner Elektromotor, der winzine Blafebälae treibt und einen unaufhörlichen Strom von Luft erzeuat, leistet glänzende Dienste. Man kann den Motor auch entbehren und bewegt die Bälge dann mittels einer Kurbel.
Die Hochflut in Paris.
Das Hochwasserunglück in Baris lastete auch gestern noch in seiner ganzen Schivere auf der Hauptstadt Frankreichs. Aus den Gebieten der oberen Seine, der Marne und Yonne Hegen jetzt gute Nachrichten vor, aber es wird sicherlich noch einiger Tage bedürfen, bis sich das dortige Fallen des Spiegels auch in Paris fühlbar macht. Die Hauptgefahr, ia fast die einzige Gefahr liegt denn auch längst nicht mehr in einem etwaigen direkten Uebertreten der Seine über die Kaibrüstungen, sondern in dem ungeheuren, noch keineswegs geminderten Drucke, dem die seit mehreren Tagen gänzlich überfluteten Kanalisationen und unterirdischen Stadtbahnlinien ausgesezt sind. Ganz Paris steht auf einem weitverzweigten, tausendarmigen Netzwerf von unterirdischen Kanälen, Rinnen, Adern und HöhYungen, die für die Abfuhr der Fäkalien, für die Gas- und Elektrizitätsleitungen, für die Stadtbahnlinien und etliche andere Bedürfnisse dienen. Der Untergrund ist hohl wie der eines Bergwerks, und an einzelnen Stellen erreicht der Straßendamm, wie fürzlich eingetretene Risse und Bruchstellen deutlich zeigten, taum 40 oder 50 Zentimeter Dice. Die in die Kanäle eingedrungenen Wassermassen haben all das gewaltig gelockert und unterminiert, jo daß sich jeden Augenblick Erdeutsche, Häusereinstürze und andere Katastrophen an Punkten einstellen fönnen, die filometerweit von der Seine entfernt sind.
Da aus dem unterirdischen Bahnhof des Duai d'Orsay immer neue Wassermassen hervorbringen, nimmt die Ueberschwemmung in der Rue de Lille und in den benachbarten Straßen fortdauernd zu. Das Wasser steht dort bereits 2 Meter hoch. Die deutsche Botschaft ist von allen Seiten abgeschnitten und nur mittels umständlicher Kahnfahrten zu erreichen. Der Berkehr zwischen dem Kanz lei und dem Botschaftsgebäude ist nur über das Dach eines fleinen Verbindungsflügels möglich. Das deutsche onsulat mußte heute geräumt werden; die Beamten und das Dienstpersonal fonnten das Haus nur mit Mühe verlassen. Auch das Mädchenheim in derselben Straße wurde heute geräumt. Die Parterrewohnungen aller Straßen der Gegend find vollständig überschwemmit. Unaufhörlich müssen Kähne aufgeboten werden, um schwererkrankte Leute aus den gefährdeten Wohnungen zu bergen. Die Verpraniantierung ist mit der größten Schwierig=
feiten verbunden, so daß die meisten Leute die überschwemmten Wohnungen verlassen. Die Lage in der Nähe des Bahnhofs St. Lazare ist höchst bedenklich. Die Stra Ben gleichen hier reißenden Flüssen. Die GasfanSelaber verfinfen allmählich im Boden. Das mit dem Bahnhof verbundene Hoief Terminus mußie auf volizeilichen Beicht geräumt werden. In der Umgebung der Notre- Dame- Kirche ist das Hochwasser im Steigen begrifsen. Der Kreuzgang der Kirche zeigte um 11 Uhr vor mittags one Sodensenfung. 10,423 Telephonabonnenten sind vom Verkehr abgeschnitten. Der Variser Telegra phenzentrale dreht das Eindringen des Wassers in d Räumlichkeiten, in denen sich auch die Kabelleitumgen befinden. Das Weiler im Heizraum ist zur Höhe vor 4 Meter gestiegen und hat in der Abwicklung des Dienstes grose Taiwung bervorgerufen. Viele Linien sind gegenivärtig brauchbar; jedoch werden die wichtigsten VerSindungen mit den großen Städten und der Mehrzahl der auswärtigen auptstädie aufrecht erhalten. Die direkten telegravgiden Verbindungen mit Cesterreich, England, Holland, Danemark und vielen Städten in Frankreich find unterbrochen. Der Untergrundbahnhof Tuilleries steh: fait ganz unter Wasser. Die Flut ist auch in die Keller der Markthallen gedrungen, so daß die dort lagernden Waren heraufgebrachi werden mußten. An der Place Pereire ist ein Sammeikanal geborsten: die Wassermassen ergossen sich so schnell in die Arbeitsstätten der im Bau begriffenen Untergrundbahn, daß diese von den Arbeitern in after Haft geräumt werden mußten. Auf den Champs Elysees verschwand ein Kutscher mitfauri feinem Vierbe in einer Erdienfung. Der Kutscher wurde gereitet. Auf dem Place de l'Opera befürchtet man eine Ratastrophe. Unter ihn sind drei Untergrundbahnen übereinander angelegt. Der unterste Bahntunnel, der sich 20 Meter unter dem Pilaster befindet, füllte sich gestern mit Wasser. In der vergangenen Nacht erreichte das Hochwasser dann den zweiten Tunnel, und jetzt ist bereits der dritte von den Fluten bedroht. Der Plab wurde abgesperrt, da man jeden Augenblick den Einsturz der drei übereinander liegenden Tunnels und damit eine Zerstörung des Plaßes befürchtet.
Der Gesamtschaden, den die Wassersnot anrichtete, dürfte für ganz Frankreich den Betrag von 500 Millionen erreichen. Die bisherige Staatshilfe erscheint dieser Summe gegenüber ganz ungenügend. Man reat die Aufnahme einer Staatsanleihe an. Aus den Vororten strömen massenhaft Menschen nach Paris, um hier Zuflucht su finden, während anderseits zahlreiche vermögende Leute die Stadt zu verlassen beginnen. Namentlich die Fremden beschleunigen ihre Abreise. Im Geschäftsleben ist eine schwere Stockung eingetreten, und in der Bevölkerung greift eine tiefgehende Besorgnis Platz.
Die heutigen Drahtmeldungen lauten auch noch wenig hoffnungsvoll:' n
Paris, 29. Januar. Um Mitternacht ließ der Minister der öffentlichen Arbeiten bekanntgeben, daß das Hochwaffer zurückgeht. Flußaufwärts nehmen die Fluten ab. Die Kanäle der Stadt und die Untergrundbahn füllen fich fedoch immer mehr mit Wasser. Dies wird noch so lange dauern. bis der Wasserstand die gleiche Höhe mit dem des Seine erreicht hat.
0 Paris, 29. Januar. Die Sammlungen für die durch die teberschwemmung Geschädigten haben bereits beinahe 1% Millionen Franken erreicht.
Unwetter überall.
Aus ganz Belgien kommen Nachrichten, daß das Hochwasser großen Schaden anrichtet und viel Not unter der Bevölkerung hervorruft. Am meisten hat Westilandern unter der Wassersnot zu leiden. Ganze Bezirke stehen unter Wasser, und nur die Dächer der Häuser und die Givfel der Bäume ragen noch aus den Fluten hervor. Oft hat sich die Bevölkerung der Dörfer nur mit Mühe in provi sorische Wohnungen retten können. Auch aus allen Provinzen Spaniens laufen Siobsnachrichten über Unwet ter ein, die zum Teil großen Schaden anrichteten. Aus den Pyrenäen wird starter Schneefall gemeldet. An der Nordwestküste Spaniens sind mehrere Schiffe gestrandet.
Berlin, 29. Januar. Während in Berlin gestern ruhiges Frostwetter herrschte, trafen aus Norddeutschland ununterbrochen Nachrichten über schwere Schneeftürme ein, so aus Lübeck, Ostfriesland usw. Am Niederrhein befürch tet man, daß das Hochwasser zu einer Katastrophe führt. In Hen letzten 24 Stunden stürmt, schneit und regnet es ununterbrochen. Der Rhein und die Ruhr traten berart aus den Ufern, wie seit langem nicht mehr. In DuisburgMeiderich ist der ganze innere Stadtteil unter Wasser gesetzt.
Drabtuachrichten und Deaestes.
Prinz Heinrich zum englischen Admiral ernannt. Im englischen Amtsblatt Berlin, 29. Januar. wird die Verleihung des Ranges eines Admirals an den Prinzen Heinrich von Preußen entsprechend seinem Range als Großadmiral in der deutschen Marine bekannt ge= geben.
Das englische Parlament. Loudon, 29. Januar. Nach amtlicher Bekanntmachung wird der König das Parlament am 21. Februar eröffnen. Genickstarre.
Düsseldorf, 29. Januar. Hier erkrankten mehrere Kinder im ungefähren Alter von 6 Jahren an Geuldstarre. Alle Vorsichtsmaßregeln zur Verhütung der Ansteckung sind getroffen.
Schwere Mefferftecherei.
Bottrop( Westf.), 29. Januar. Bei einer Messerstecherei zwischen italienischen und polnischen Arbeitern erhielt einer der Beteiligten sieben Messerstiche, zwei andere wurden lebensgefährlich verletzt.
Tödliche Modelnufälle.
wagen, 29. Januar. Ein Soldat wurde von einem Rodelschlitten so heftig angefahren, daß er bald darauf starb. In Hemer bei Iserlohn verunglückte ein 16jähriges Mädchen beim Rodeln, daß es auf der Stelle starb.
Fünf Kinder verbrannt.
London, 29. Januar. Unweit der Cityroad Station im Westen brach in einem dreistödigen Gebäude im obersten Geschoß, in dem fünf Kinder aflein gelassen waren, Feuer aus. Als die Feuerwehr in das brennende Zimmer gelangte, fand man die Kleinen Flammen sichend und furchtbar verletzt vor. Drei stai auf dem Beg nach dem Hospital, die anderen bald nach ihrer Ankunft. Einbruchsdiebstahl. Basel, 29. Januar. Einbrecher drangen in das Lokomotivgebände der Schweizer Bahn in Wintertur und stahlen den ganzen Lohnbetrag für das Personal in Höhe von 30,000 Franken. Von den Dieben fehlt jede Spur.
Eine Räuberbaude.
Bukarest, 29. Januar. Eine Bande, bestehend aus 25 mit Knüppein und Revolvern bewaffneten Einbrechern umstellten nachts die Staion Dunara. Einige der Banditen draugen in das Stationsgebäude ein, nahmen den Vorsteher Sie durchschnitten gefangen und raubten die Kaise aus. dann die Telegraphendrähte und ergriffen die Flucht. Beraltura.
Rom, 29. Januar. Vom Monte Christo bei Gubbio loften sich große Gecöllmassen ab. infolge der lebten heftigen Regenglise. Zwei Bauernhäuser mit 25 Bewohnern wur den von den abstürzenden Erdmossen verschüttet. Ein Teil der Bewohner fonnte sich durch ichleunige Flucht reiten. 4 Personen eritsen schwere Berießungen und vier andere, fanden ihren Tod.


