Rundschau vom Cage.
Politisches.
Nachklänge zur Kaisergeburtstagsfeier. Bemerkensmert waren die Ausführungen, die in Münster der dortige Kommandierende General von Einem, Preußens früherer Kriegsminister, machte. Er hob hervor, daß durch das entschiedene Wort des Kaisers in dem vorjährigen Konflikt Desterreichs mit Serbien: Hinter Oesterreich steht die gefamte Macht des Deutschen Reiches", die drohende Kriegsgefahr gebannt wurde.- Der braunschweigische Staatsminister von Otto meinte, das Deutsche Reich sei auf dem Wege zum Bankerott gewesen, der durch die Finanzreform vermieden wurde. Allerdings wäre es um die Finanzen des Reiches, um Deutschlands inneren Frieden besser bestellt gewesen, wenn die Finanzreform nach den Vorschlägen der deutschen Regierungen gestaltet worden wäre.
Der Rücktritt des Gouverneurs von Deutschfüdwestafrifa v. Schuckmann wird in einigen Blättern als feststehende Tatsache behandelt. Wie die„ Inf." hierzu erfährt, eilt diese Meldung den Tatsachen mindestens stark voraus. Gouverneur von Schuckmann wird allerdings in den näch= sten Wochen auf Urlaub in Deutschland eintreffen, da sein schwankender Gesundheitszustand, der thn bekanntlich schon einmal zu einem vorzeitigen Urlaub genötigt hat, auch zur Zeit leider wieder nicht der beste ist. Die Frage, ob der Gouverneur in das Schutzgebiet zurückkehren wird, hängt lediglich von späteren ärztlichen Entscheidungen ab. Tatsache ist jedenfalls, daß man an den leitenden Stellen unserer Kolonialverwaltung ein etwaiges Ausscheiden des verdienten Gouverneurs außerordentlich bedauern würde.
Die Budgetkommission des Reichstages beschloß, die Neuordnung der Gehälter für die Kolonialbeamten auf das nächste Jahr zu vertagen. Am heutigen Sonnabend wird der Etat für Ostafrika und die anderen Kolonien beraten. In der Debatte empfahlen verschiedene Redner die Gehaltserhöhung für einige Beamtenkategorien, andere wünschten die Herabsetzung der Gehälter der Kolonialbecmten. Staatssekretär Dernburg protestierte entschieden gegen Gehaltsverkürzungen und betonte. die Gehaltssäte müßten so sein, daß man tüchtige Beamte bekommt. Die Gebühren tragen die Schutzgebiete seiber.
Der Entwurf über die Entlastung des Reichsgerichts wird demnächst dem Reichstage zugehen. Der Entwurf will, um die Arbeiten des Reichsgerichts zu entlasten, die Zuständigkeit des höchsten Gerichts für bestimmte Fälle ausschalten, und schlägt deshalb vor, die Einlegung einer Revision an das Reichsgericht nicht mehr zuzulassen, wenn in einer Sache auf dem Gebiete der ordentlichen, streitigen Ge= richtsbarkeit zwei Instanzen gleichlautende fachliche Entscheidungen getroffen haben.
Die Einbringung der preußischen Wahlrechtsvorlage. Die Vorarbeiter für die neue preußische Wahlrechtsvorlage sollen, wie das B. T. zuverlässig erfährt, soweit gedichen fein, daß die Einbringung der Vorlage im Landtage in der nächsten Woche zu erwarten ist.
Für ein mächtiges Deutschland. Aus Rotterdam wird gemeldet: Bei dem Kommers der hiesigen deutschen Kolonie zu Kaisers Geburtstag hielt der Rotterdamer Bürgermeister Zimmermann eine deutsche Rede, worin er den Kaiser als einen guten Nachbarn, der sein Leben für Hol= lands Unabhängigkeit einzuseßen versprochen habe, feierte und die Interessengemeinschaft Deutschlands und Hollands betonte. Wie Deutschlands Zukunft, liege Rotterdams Zukunft auf dem Wasser, das heißt, auf dem deutschen Wasser, auf dem deutschen Rhein. Ein blühendes Deutschland be= deute auch ein blühendes Rotterdam.
Verschärfung der ungarischen Krisis. Im ungarischen Abgeordnetenhause, wo gestern die Debatte über die Voren stellung des neuen Kabinetts fortgesetzt wurde, verzichteten die meisten der noch vorgemerkten 19 Redner auf das Wort, sodaß es zur allgemeinen Ueberraschung schon gestern zur Abstimmung über das Mißtrauensvotum Justh und den Antrag Kossuth auf Errichtung einer selbständigen ungarischen Bank fam. Beide Anträge wurden mit großer Mehrheit angenommen und somit dem Kabinett KhuenFedervary ein Mißtrauensvotum erteilt. Darauf übergab der Ministerpräsident Graf Khuen dem Präsidenten ein fönigliches Handschreiben, welches sofort zur Verlesung gelangte. Gemäß diesem wird das Abgeordnetenhaus bis 24. März vertagt. Dieses Handschreiben rief einen großen Sturm der Entrüstung bei der Mehrheit hervor und es wurde ein Antrag augenommen, worin gegen die ungesetzliche Vertagung protestiert wird. Gleichzeitig wird.. der Regierung die Verwaltung der öffentlichen Gelder, die Verausgabung der Summen für die gemeinsamen Augelegenheiten und die Weiterführung der Handelsvertragsverhandlungen verboten.
Die Wahlanssichten in England. Die Lage gestaltet sich für die Liberalen doch günstiger als erwartet wurde; sie besigen mit der Arbeiterpartei die sichere Mehrheit über die Konservativen. Mit den Irländern wird die Mehrheit mindestens 120 Stimmen betragen. Die unionistischen Kreise möchten einfenfen, da sie gegen eine neue Auflö= sung des Parlaments in naher Zeit sind, zumal Asquith durch ein neues ausgedehntes Flottenprogramm den Haupt= forderungen der Konservativen entgegenfommt. Das Programm umfaßt den sofortigen Bau von 6 großen und 8 fleineren Schlachtschiffen, von 24 Hochfeetorpedobooten und
24)
Der Fall Welshofen.
Kriminalroman von M. Kosfat. ( Nachdruck verboten.) Weil ich für unsere Zukunft sorgen muß es nicht tust, muß ich es tun."
da Du
Vorläufig verschwendest Du aber nur Geld für Leinwand und Farben, schrie er erbost. Verdient hast Du noch nichts und wirst nie etwas verdienen."
Nun wirft er mir gar noch vor, daß ich nicht den Haushalt unterhalte," jammerte Baula und fügte im Hinblick auf ihre vorherigen Worte wenig logisch hinzu: Geld ins Haus zu schaffen ist Sache des Mannes, aber Du hast eben nichts im Sinn wie die Weiber. Wenn Du nur tändeln und flirten fannst, so bist Du zufrieden und überlässest mich meinem Schicksal- meinem traurigen Schicksal. Eine mehr von ihrem Manne vernachlässigte Fran, wie ich es bin, hat es noch nie gegeben!"
CX
,, Und einen Mann, der mehr unter der Verschrovenheit seiner Fran leidet, als ich, auch nicht!" führ sie an.
Der Unfrieden nahm von Tag zu Tag zu und nach dreijähriger Ehe hatten die ewigen Szenen die Liebe in den Herzen der Gatten zerstört. Sie tamen überein, sich zu trennen. Scheiden lassen wollten sie sich nicht- weit feiner dem anderen die Möglichkeit geben wollte, eine neue Che zu schließen und noch ein zweites Wesen unglüdlich zu machen, wie beide behaupteten, in Wahrheit aber doch wohl, weil noch ein Funken der alten Liebé, den Gatten felbst unbewußt, in ihrem Herzen lebte.
Bautas Gatte schloß sich als Arzt einer Expedition nach dem Innern Afrifas an und sie matte Said in dieser bald in jener großen Stadt, anfänglich unter der Leitung irgend eines berühmten Meisters, bald aber selbständig. Denn was sie so lange vergeblich erstrebt hatte- öffent liche Anerkennung und große Einnahmen das siel ihr nach der Trennung von dem Gatten ganz von selbst, wie eine reife Frucht, in den Schoß. Sie freute sich auch jetzt ihres Erfolges, aber dennoch dachte sie oft mit einem bitteren Gefühl, wie alles vielleicht anders gekommen wäre, wenn derselbe früher seinen Weg zu ihr gefunden hätte.
10 Unterseebooter im Gesamtbetrage von sechzehn Millionen Pfd.
Ernste Nachrichten aus Griechenland. Der Köln. 3tg. wird aus Berlin gemeldet: Die Nachrichten aus Griechenland werden hier sehr bedenklich aufgefaßt. Namentlich meint man, daß die Forderung auf Einberufung der Nationalversammlung, der sich der König bisher widersetzte, zu umstürzenden Ereignissen führen könne. Man nimmt hier an, daß die Entscheidung in wenigen Tagen fallen muß, und betrachtet den Gang der Ereignisse, die zu immer größerer Verwirrung führen, nicht ohne Besorgnisfe.
Deutschland und Japan. In der Rede, die der japanische Minister des Aeußeren Graf Komura in der gestrigen Sigung des japanischen Abgeordnetenhauses über die auswärtige Politik hielt, findet sich folgende Stelle: Deutschland fährt fort, eine gerechte und freundschaftliche Haltung gegen Japan zu beobachten. Die kaiserliche Regierung fann mit hoher Befriedigung feststellen, daß die Politik Deutschlands im fernen Osten in keiner Weise mit der Politik Japans follidiert.
Kleine Nachrichten.
Prinz August Wilhelm, der vierte Sohn des Kaiserpaares, vollendet am heutigen Sonnabend sein 23. Lebensjahr.
Das Befinden des Grafen Stolberg. Die Hoffnung, daß der Präsident des Reichstages Graf Stolberg- Wernigerode nach dem Geburtstage des Kaisers die Leitung der Präsidialgeschäfte wieder übernehmen werde, hat sich nicht erfüllt. Obwohl Graf Stolberg auf dem Wege der Besserung sich befindet, muß er doch auf Wunsch der behandeln= den Aerzte noch das Bett hüten.
Ein neuer bayerischer Justizerlaß bestimmt, daß Untersuchungs- und einfache Haftsträflinge sich selbst beköstigen und ½ Liter Bier oder% Liter Wein täglich kaufen dürfen. Auch andere Sträflinge können das aus ihrem Arbeitsverdienst tun. Auch das Schnupfen und Rauchen kann ihnen gestattet werden. Gefängnissträflinge dürfen auch für sich selbst arbeiten und zu Außenarbetten in der Land- und Forstwirtschaft und zu Kulturarbeiten mit ih= rer Zustimmung Verwendung finden.
Wieder eine teberlandzentrale. Die oldenburgische Staatsregierung hat mit der Allgemeinen Elektrizitätsgesellschaft in Berlin einen Vertrag über Versorgung des Herzogtums mit elektrischer Energie abgeschlossen. Anlagekosten werden zehn Millionen Mark betragen.
Die
Der Karneval in Nizza. Am Donnerstag begannen an der Riviera die großen alljährlichen Karnevalfestlichkeiten. Prinz Karneval. als Nordpolforscher verkleidet, ritt auf einem Eisbären, während seine Gemahlin den berühmten Tiger aus Marseille darstellte, der vor einiger Zeit dort ausgebrochen war und die Stadt tagelang in Erregung hielt.
Die Opposition der französischen Schankwirte. In Nordfrankreich dehnt sich die Bewegung der Schankwirte, die eine Alkoholsperre als Protest gegen den Staat beschlossen haben, nach allen Industriezweigen aus. In den Schenken wird weder Schnaps noch anderes alkoholisches Getränk verschenkt. Die Wirte, die sich weigern, die Lizenzgebühren zu entrichten, werden inzwischen von Strafmandaten, Vorladungen usw. überflutet.
Die Verluste der amerikanischen Großschlächter. Aus Nenyork wird gemeldet, daß dort der Verkauf von Fleisch in wenigen Tagen um zwei Millionen Pfund zurückge= gangen ist. Die Agitation gegen die Großschlächtereien gewinnt immer größere Kreise.
Der Hafen von Wladiwostok vereist. Gewaltige Eismassen haben den Hafen von Wladiwostock vollkommen ge= sperrt. Deutsche und japanische Dampfer, die den Hafen anlaufen wollten, tönnen ihre Passagiere nicht ausschiffen und müssen vor dem Hafen halt machen. Troß aller War= nungen versuchten mehrere Reisende, vom Schiff über das Ets nach Wladiwostok zu gelangen. Doch auf dem etwa eine Meile langen Weg über die übereinandergetürmten Eisschollen verunglückten dret und erfroren.
Verwerfung der Revision eines Giftmörders. Das Reichsgericht verwarf die Revision des Tischlers Otto Rother aus Leipzig, der im Mai v. J. sein sechs Wochen altes Töchterchen und im Juni seine Frau mittels Bletweiß vergiftet hatte und vom Schwurgericht zu Leipzig deshalb zum Tode verurteilt worden war.
Begnadigung. Oberleutnant Granier vom Infanterieregiment 61 in Thorn, der, wie 1. 3t. gemeldet, Ende Juni v. J. im Duell den Oberleutnant Zwizers vom Infanterieregiment 165 in Blankenburg erschoß, ist nach kurzer Festungshaft begnadigt worden.
Die Rache eines Vierzehnjährigen. In dem spanischen Dorfe Jubia hei Ferrel hatten sich neulich zwei Schulfnaben gestritten. Gestern lauerte der eine, der 14jährige Ramon Bescos, auf dem Schulweg seinem Kameraden Pablo Minguez auf und iagte ihm zwei Revolverfugeln in den Leib. Die Mutter Pablos kam gerade dazu, als ihr Sohn sterbend zusammenbrach.
Mordtaten eines Wahnsinnigen. Der vierzigjährige Grundbesitzer Brdanov in Obersemon( Dorf in Krain Bez. Jeistrib) spaltete im Wahnsinn seinem zweijährigen Töchterchen und dreijährigen Söhnchen mit einem Hammer den Kopf und streckte feine Schwester, die herbeieilte, mit
Wie seltsam, daß das Leben, das sich jetzt doch soweit vor ihr aufgetan, ihr so wenig Neiz bot, ohne den Mann, den sie sich in heißer Liebe erwählt, und den sie dann ebenso heiß zu hassen gemeint! Sie war doch eigentlich ein unglückliches Weib, dem alles unter den Händen entschlüpfte, wonach sie sie ausstreckte. So war es immer, immer gewesen.
Wie sie so grübette, trat ein Ereignis vor ihres Geistes Augen, das eine große Bedeutung für sie geivonnen, weil es mit einer auch in nichts zerronnenen Hoffnung die sie gehegt, zusammenfiel. Vor zwei Jahren nämlich hatten die Angehörigen ihres Gatten versucht, sie mit diesem zu versöhnen. Der Bruder des Doktors Sellen. dies war der Name ihres Mannes, gegen den sie nach der Trennung von ihm wieder ihren Mädchennamen eingelauscht war zu ihr gekommen und hatte ihr erzählt, daß sein Bruder sie immer noch liebte und schwer unter der Sehnsucht nach ihr litt. Jahre wären vergangen meinte er -8 ie ihn wie Paula milder und ruhiger gemacht, zudem hätten beider Verhältnisse sich günstiger gestaltet, so daß manche Ursachen zu Reibungen zwischen den Eheleuten jetzt fortfallen möchten, mit einander zu leben, so würden sie sicher nicht dieselben bösen Erfahrungen von früher machen.
Sat Frib Sie zu mir geschickt?" fragle Baula. Ihr Schwager verneinte. Friß hat keine Ahnung von meinem Besuch bei Ihnen."
So wissen Sie ja garnicht, ob er eine Aussöhnung mit mir wünscht", tarf sie mit pochendem Herzen ein,
Ich weiß, daß er um Sie feidet und sich nach Ihnen sehnt, das ist genug. Wenn Sie einander von Angesicht zu Angesicht gegenüberständen, würde die alte Liebe auch bei Ihnen erwachen und alles würde wieder gut."
lind dann erzählte ihr Schwager, daß sein. Bruder von einer afrikanischen Expedition schwer leidend an den Joigen des Tropenficbers beimgelehrt sei und daß die Aerzte ihm geraten, vorerst einen längeren. Aufenthalt im europäischen Süden zu nehmen. Er war darauf nach Neapel gegangen, wo er vorerst auf kurze Dauer eine Stellung als Arzt in einem Sanatorium für Lungenkranke
einem Bleb nieder. Endlich wurde der Wahnsinnige gefeffelt.
Tödlicher Sturz aus dem Eisenbahnzuge. Auf der Strecke Stettin- Stargard sprang aus einem Abteil vierter Klasse ein junger Mann, der jäh aus dem Schlaf auffahrend, wohl glaubte, er befinde sich bereits auf der Station, plötzlich aus dem in voller Fahrt sich befindenden Zuge. Dem Manne wurden beide Beine und der rechte Arm abgefahren. Er wurde cls Leiche aufgefunden.
Hinterlistiger Mordversuch. Ein in einer Irrenanstalt in Frankenthal( Bayern) beschäftigter Wärter wollte seine beiden Vordermänner durch Sublimatpastillen, die er in deren Kaffee getan hatte, vergiften. Die Wärter wurden aber durch den veränderten Geschmack aufmerksam und entdeckten den Mordversuch. Der Täter ist verhaftet worden.
Schreckenstat einer Wahnsinnigen. In Halberstadt übergoß sich in einem Anfall geistiger Umnachtung die Frau eines Schriftsetzers mit Petroleum und zündete sich dann an. Die Unglückliche erlitt so schwere Brandwunden, daß sie kaum mit dem Leben davonkommen dürfte.
Wissenschaft, Kunst und Literatur.
Ernst Moriz Arndts Grabschrift. Zu Ernst Morib Arndts 50. Todestage am 29. Januar wird der Wortlaut der Grabschrift interessieren, die er sich selber gedichtet hat und die auf seinem Grabe auf dem Friedhofe in Bonn angebracht ist. Sie lautet:„ Gute Nacht! Ihr meine Freunde, Alle mein Lieben, Alle, die Ihr um mich weint, Laßt Euch nicht betrüben. Diesen Abstieg, den ich tu' In die Erde nieder! Seht, die Sonne geht zur Ruh', Kommt doch morgen wieder." Wenige Wochen vor seinem Ende hatte er noch in voller Rüstigkeit am 26. Dezember 1859 seinen 90. Geburtstag gefeiert. Mich hat alle Welt," so schreibt er am 5. Januar 1860 an seinen Sohn Karl Morib„ mich, den Neunzigjährigen, mit Zuschriften, Grüßen und Geburtstogsgaben überschüttet. Am meisten erfreut einen dabei die treue deutsche Gesinnung." Diese treue deutsche Ge= sinnung besaß Arndt selbst in höchstem Maße. Ste ist ihm yon feinem Geringeren bestätigt worden, als von dem Freiherrn vom Stein selbst, dessen getreuer Mitarbeiter er in den großen Tagen von Deutschlands Befreiung war. Ein vom 9. Februar 1822 dattertes Zeugnis Steins, das fich über Arndts Tätigkeit in den Jahren 1812-14 ausspricht, schließt mit den Worten:„ Herr Professor Arndt hat in der Zeit, daß er mit mir in den angegebenen Verhält= nissen stand( im Komitee zur Leitung der deutschen Angelegenheiten), sich als einen gottesfürchtigen, das Vaterland liebenden, seine Befreiung von fremdem Joch eifrig wünschenden und dazu durch Wort und Tat nach Kräften wirkenden Mann gezeigt."
Vom Halleyschen Kometen. Am 11. März wird der Komet die Erdbahn zum ersten Mal schneiden, nachdem er sich der Erde schon vorher zu nähern begonnen hat. Die größte Sonnennähe fällt auf den 12. April, die größte Erdnähe bekanntlich auf den 18. Mat, nachdem die Kreuzung der Venusbahn am 3. Mai stattgefunden hat. Um den 1. Jult wird das Gestirn die Bahn des Mars durchqueren, der ihm dann gleichfalls ziemlich nahe stehen wird. Di Bahn des Jupiter erreicht den Komet erst im April 1911. Da sich dieser größte Planet des Sonnensystems dann aber in einem ganz anderen Teil seiner Bahn bewegt, wird eine größere Annäherung nicht stattfinden.
Vermischtes
Abenteuer zweier Fremdenlegionäre. Zwei deutsche Arbeiter, die sich der Wehrpflicht entzogen hatten, waren in die französische Fremdenkegion eingetreten; doch rach längerer Dienstzeit desertierten sie und flohen nach Melilla. Hier wandten sie sich an die spanischen Behörden, die sie nach Malaga expedierten und sie dort dem deutschen Konsul überlieferten. Dieser unterstützte sie mit Geld= mitteln und gab ihnen den Rat, nach Deutschland zurüc= zukehren und sich dort zu stellen. Sie schlichen sich als blinde Passagiere auf den Dampfer„ Mogador" und famen erst auf hoher See zum Vorschein. Dort arbeiteten sie auf. der Heimreise so fleißig, daß der Kapitän von einer Auzeige abfah und ihnen noch Zehrgeld mit auf den Weg gab. In Hamburg wurden die beiden Deserteure von der Polizei in Empfang genommen und den Militärbehörden überliefert.
„ An die liebe Armendirektion". Ein Lebensmüder von Charakter war der 71jährige Dienstmann Karl Altmann aus der Petristraße in Berlin. A. hatte sich vor einigen Tagen erhängt, da seine Wirtin, bei der er 22 Jahre gewohnt hatte, gestorben war und er nun ins Siechenhaus gebracht werden sollte. Altmann richtete kurz vor seinem Tode folgenden Brief an die Armendirektion:„ An die liebe Armendirektion. Ich leide schon seit vielen Jahren an Reiken und Kreuslähmuna. Ich bin des Lebens so überdrüssig, daß ich beschlossen habe, aus der Welt zu schelden. Nehmen Sie mir das nicht übel. Ich habe mir in früheren Jahren. wo ich noch arbeiten und was verdienen fonnte, cinine 100 M eripart, welche ich auf der Sparkasse angelegt habe. um für das Alter eine Stübe zu haben. Da ich nun gänzlich erwerbsunfähig geworden bin, so habe ich mich an die Krmendireftion cemendet um Unterſtükung.
angenommen, um durch sein Gehalt die Kosten seines dorIm übrigen waren seine tigen Aufenthaltes zu decken. Verhältnisse jetzt keineswegs schlechte und er trug sich sogar mit der Absicht, nach seiner völligen Wiederherstellung ir gend ein größeres Sanatorium in Deutschland durch Kauf an sich zu bringen.
Noch lange sprach Doktor Selkens Bruder Bauía von ihrem Gatten und bat sie, in eine Zusammenkunft mit ihm zu willigen. Die junge Frau fonnte es ihrem Stolze jedoch nicht abringen, ihrem Mann gegenüber den ersten Schritt zur Versöhnung zu tun, sie wies vielmehr alle gutgemeinten Vorstellungen des Schwagers talt zurück, so daß dieser grollend und verstimmt abreiste. Als er dann aber fort war, stieg das Bild des einst Geliebten, Verlorenen in voller Lebendigkeit vor ihr auf und ließ sich nicht mehr verscheuchen.
Nach langem schwerem Kampje mit ihrem Stolz reiste sie eines Tages ziemlich übereilt nach dem Wunderland Italien ab. Sie wollte sich nicht mit dem Gatten versöhnen, sagte sie sich, sondern nur aus der Ferne ihn sehen um zu erfahren, was er tat und trieb, und vor allem sicj zu überzeugen, ob das, was der Bruder von seiner Sehnsucht nach ihr gesagt, auch wahr sei.
Dann wollte sie, ohne ihn gesprochen zu haben wieder nach Deutschland heimkehren, weil sie meinte, dann die Unruhe in ihrem Innern zum Schweigen gebracht zu haben. Heute gestand sie zu, daß sie in Wahrheit doch mehr von jener Reise erwartet als sie sich selbst eingestanden. In Neapel nahm sie in einem Hotel Quartier und machte häufig in der Dämmerungsstunde Spaziergänge nach jenem Sanatorium, welches vor der Stadt fag, aber noch fein einzigesmal war es ihr gelungen, ihren Gatten au sehen, bis der Zufall ihrem Wunsche zu Hilfe kam. Zu dem Hotel, in dem sie wohute, fand alle Abend eine Bariteevorstellung statt, beren Hauptanziehungspunkt in den Vorführungen einer Neapolitaner Ballettruppe bestand. Diese tanzte hauptsächlich Tarantella, sowie verschiedene Abarten dieses nationalen Tanzes.
( Fortseßung folgt.)
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