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Lokales.

Gießen, 30. April 1910. ** Der Großherzog hat am 23. April den Pro­vinzialdirektor Dr. Karl Usinger, den Geh. Oberfort­rat Frey zu Darmstadt und den Kreisrat des Kreises Alsfeld Dr. Otto Heinrichs auf ihr Nachsuchen von den ihnen seither übertragenen Stellen bei dem Landes- Ver= sicherungsamt enthoben.

** Die Groß fürstin Sergius hat nach einer Mitteilung der" D. 3tg." nicht den Schleier genommen oder ist in ein Kloster gegangen, sondern ist vielmehr lediglich als Oberin in eine von ihr gegründete Stiftung eingetre­ten, um diese besser leiten zu können.

Bei

* Provinzial- Ausschuß. Der Provinzial­Ausschuß verhandelte fürzlich über eine gegen die Bürger­meisterwahl in Ober- Wöllstadt eingelegte Berufung. dieser Wahl fielen 87 Stimmen auf den Landwirt Feuer­bach, dessen Nebenbuhler Heinrich Gondolf 4. nur 80 Stim­men auf sich vereinigte. Die Ablehnung des von der un­terlegenen Partei gegen die Wahl erhobenen Protestes durch den Kreis- Ausschuß zu Friedberg veranlaßte, die Beschwer­deführer, welche die ungültigkeit der Wahl mit vermeint licher Wahlbeeinflussung zu begründen suchen, die Entscheid= ung des Provinzialausschusses anzurusen, der nun eben' falls den Protest kostenpflichtig verwarf.

** Uebertragen wurde am 25. April dem Leh rer Friedrich Rockel zu Lanzenhain, eine Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Münzenberg; dem Schulamtsaspiran ten Karl De che r- Lehrbach die Lehrerstelle an der Ge­meindeschule zu Elbenrod.

** Das Sch wurgericht für die Provinz Ober­hessen fängt Montag, den 6. Juni, vormittags Uhr, an. Vorsitzender ist Landgerichtsrat Schmahl zu Gie­Ben.

** Verkehrsverein. Der Verkehrsverein hat dieser Tage seinen Stadtplan an dem Bahnhof erheblich neuer gestalten und u. a. mit sämtlichen Straßenbahnsta­tionen versehen lassen. Diese Verbesserung des Planes wird wird von den hier ankommenden Fremden ganz sicher auf das freudigste begrüßt werden.

** Leseh alleverein. Die Büchersammlung des Lesehallevereins hat im Monat März 2280 Bände ausgeliehen, von denen der größte Teil auf die erzählende Literatur entfiel. Die Umgegend lich aus der Bibliothek

67 Bände.

* Die Prüfung für das mittlere Fi­nanz fach in Hessen hat soeben begonnen. Der schrift lichen Prüfung, die bis zum 6. Mai dauert, haben sich 19 Aspiranten unterzogen, darunter solche aus Mainz, Darm stadt, Offenbach, Dieburg, Alzey, Weinheim und Worms.

** Diebstahl. In dem physikalisch- chemischen Laboratorium wurde das Fehlen von aus Platin gefer­tigten Gegenständen bemerkt. Die sofort angestellten Nach­forschungen lenkten den Verdacht des Diebstahls auf einen unbekannten jungen Mann, dessen Festnahme infolge seines Verschwindens bis jetzt noch nicht erfolgen konnte.

* Plötzlicher Tod. Auf der Fahrt von Ruß­land nach Bad Nauheim ereilte einen aus Moskau stam­menden Reisenden namens Moderoff auf der Station Gie ßen plötzlich der Tod. Die Leiche wurde von der Polizei beschlagnahmt.

h3irtus Schumann. Der Zirkus Schumann traf heute früh mittels Sonderzug in Gießen ein und hatte natürlich nicht verfehlt, jung und alt nach dem Oswalds­garten zu locken. Seine in Berlin bereits rühmlichst be= kannten Marställe enthalten so viel des Sehenswerten, daß ein Besuch derselben an und für sich schon lohnend wäre. Ganz sicher wird der Zirkus bei seinen Vorstellungen im Hinblick auf seine hervorragenden Leistungen in Gießen das gewohnte Interesse finden und dem entsprechend auch auf einen guten Besuch rechnen dürfen. Die in jeder Hinsicht vorzüglichen Darbietungen in Berlin stellen den Zirkus Schumann unstreitig den größten Zirkusunternehmen gleich, da zweifellos nur bei erstklassigen Kräften seine Vorstell= ungen in einer Weltstadt wie Berlin Erfolg erzielen konn­ten.

Aus Hessen und Nachbargebiet.

aus Darmstadt, ein Sohn des Kirchenrats D. Schlosser in Gießen, tritt sein Amt in 14 Tagen an.

* Nieder- Bessingen. Der Solmser Zweig­verein des Gustav- Adolf- Vereins feierte sein diesjähriges Jahresfest in tieder- Bessingen, das dank dem Entgegen­kommen der Gemeinde in allen seinen Teilen einen glän­zenden Verlauf nahm.

* Ettingshausen, 29. April. Ein vierjähriger Knabe fiel zwischen dem eisernen Steg und der Laun= spach'schen Mühle in den Aeschersbach. Der Maurer H. Mohr, der nicht weit davon beschäftigt war, wurde durch das Schreien anderer Kinder aufmerksam und holte das Kind aus der etwa 1 Meter tiefen Stelle. Erst als es ge­rieben wurde, kam Wasser aus dem Munde und das Kind fing wieder an zu atmen.

* Rodheim b. Hungen. Die hiesige Pfarrei, zu der auch die Därfer Steinheim und Rabertshausen gehören, ist zurzeit nicht besetzt. Der neuernannte Pfarrer Schlosser

24)

Die Freundinnen.

Originalroman von Irene v. Hellmuth. ( Nachdruck verboten.)

eine

* Steinheim. Hier plante man den Bau eines neuen Schulhauses. Da die Platfrage noch nicht geregelt ist, will man bis nach Fertigstellung der Feldbereinigung warten. Die Inheidener Wasserleitung führt durch der hiesigen Ortsstraßen, trotzdem will sich die Gemeinde nicht an das Wert anschließen, sondern nach Fertigstellung der Feldbereinigung ein eigenes Werf bauen.

* Reichelsheim. Ein hochinteressanter Fund wurde von zwei Landwirten hier gemacht. Bei der Neu­anlage eines Drainagegrabens in ihrem Garten stießen dieselben auf ein Brandgrab aus der Bronzezeit, das etwa 4000 Jahre alt sein dürfte.

* Hünfeld. Hünfeld kann in diesem Jahre sein 600jähriges Stadtjubiläum feiern. Der Tag, an dem vor 600 Jahren Hünfeld, dessen Bestehen bis 782 zurückreicht, Stadtrechte erhielt, ist der 27. Juli.

* auba ch. Zum Sparkassendirettor wurde an Stelle des verstorbenen Bürgermeisters Jochem das seit­cherige Vorstandsmitglied Oberamtsrichter Zimmermann ge­des wählt.- In Klein- Eichen fiel das 3jährige Kind Landwirts Högy beim Spielen in ein Gefäß mit kochen­dem Wasser. Es zog sich so schwere Brandwunden z, daß es bald daran starb.

* Buzzbach, 29. April. Der frühere Rechner des Kugelhausfonds und der Pfennigsparkasse Heinzerling, der bekanntlich wegen Unterschlagung vor einigen Jahren ver­urteilt wurde, ist schwer leidend; er kann sich nur mit Hilfe von Krücken fortbewegen. Vier Jahre seiner Strafe hat er bereits verbüßt, die übrigen drei Jahre wird er mensch licher Voraussicht nach schwerlich überstehen.

* Friedberg, 28. April. Hier fand die dies­jährige Hauptversammlung des Kreisziegenzuchtvereins statt, welche aus allen Teilen des Kreises stark besucht war. Im Mittelpunkt der Verhandlungen stand die Beschichung der Ausstellung der Deutschen Landwirtschaftsgesellschaft in Hamburg mit Ziegen.

* Nieder- Wöll stadt, 29. April. Seine gol­dene Hochzeit feierte das Ehepaar Peter Mohr in voller Rüstigkeit.

sammlung am 9. Mai hier abhalten, und wird hierbei nach Erledigung geschäftlicher Angelegenheiten der Landtagsab geordnete Justizrat v. Brentano einen Vortrag über die neuen hessischen Verwaltungsgesetze halten.

* Mainz, 28. April. In Haft tam der Buchhalter einer Großfirma am Zollhafen, der sich im Laufe der letz­ten Jahre Veruntreuungen in Höhe von über 5000 Mart zuschulden kommen ließ.

* Wiesbaden, 29. April. Die Polizei hat der sozialdemokratischen Partei auch zu dem an die Maifeier, anschließenden Festzug nach der Bierstädter Warte die Ge nehmigung erteilt, was um so bemerkenswerter ist, als am 1. Mai nachmittags auch die Ankunft des Kaiserpaares er­folgt.

* Worm 3, 29. April. Die hier wohnenden Ober­hessen haben sich zusammengetan und einen Aufruf verbrei tet, der eine Hilfsaktion für die durch den Zusammenbruch der Kasse des Vorschuß- und Kreditvereins in Ober- Mod­stadt Geschädigten bezweckt. Jeßt hat der Verein der Ober­Hessen" beschlossen, am 6. Mai im Theatersaal des städt. Spiel- und Festhauses eine musikalisch- theatralische Auf führung zum Besten der geschädigten Landsleute zu veran stalten.

Dichters, über

geführt.

* Paris. ten Fallieres wif Der Gaulois" ge Polititer zujamme Fallieres Hoffnung Loubet, den Präfi Clemenceau und d fteriums Cheron.

* Brüssel, Mitte Juni feinen Luftschiff wird 14 nehmen und Graf Syftem halten. * Brüsse Roosevelt reiste v gens ab und traf ein, wo er vom des Königs, Gen Bahnhof aus fuhr mische Gesandtschaft * Washin Preise unternimmt Präfidenten Taft litik für die demot antwortlich. Roo bentschaft wir )( Mülhay fen, eine Radfer mit dem Siege de A. Tschumperly,

* Heilbronn, 29. April. Der Schultheiß Benz von Löschgau im Oberamt Besigheim ist wegen Unterschlag ung in der Höhe von 320 000 Mt. verhaftet worden. Benz erhielt erst vor kurzem vom König von Württemberg einen Orden.

* Traisa i. Odenwald. Seit 14 Jahren besteht das Sanatorium Glück auf"( Spezial- Institut für Ideal- Heil- Massage- Atmosphärische-, Diät- und Erhol ungsfuren) in Traisa bei Darmstadt. Bevor Herr Rinder­sprecher zur Gründung desselben geschritten, hat er sich 18 Jahre lang darauf vorbereitet und reiche Erfahrungen auf dem Gebiete der Massage- und Bäder- Heilkunde gesammelt, welche jetzt allen Heil- und Erholungsbedürftigen zugute kommen. Die Anstalt hat staatliche Konzession und unter­steht der Kontrolle eines Arztes.

Aus aller Welt.

* Berlin, 28. April. Zwischen den Vertrauens­männern der fortschrittlichen Volkspartei und der National­liberalen haben Vorbesprechungen stattgefunden, die auf ein gemeinsames Vorgehen bei den nächsten Reichstags= wahlen hinzielen. Die zweigorganisationen beider Par­teien sollen ersucht werden, sich möglichst schon jetzt über die Kandidaturen zu einigen und sich zu diesem Zweck mit den Zentralleitungen in Verbindung zu sehen.

* Berlin. Roosevelt wird sich 5 Tage in Berlin aufhalten. Er trifft am 10. Mai in Berlin ein und wohnt als Gast des Kaisers im Königlichen Schloß. Ein Festabend beim amerikanischen Botschafter Hill wird ihn nach den offiziellen Empfängen im Kreise der amerikani

* Büdingen, 29. April. Der Zusammenbruch des Bankgeschäftes von Hofrat Rothschild in Büdingen und des damit zusammenhängenden Vorschuß- und Kredit- Ver­eins zu Ober- Mockstadt haben eine derartige Notlage der Bevölkerung im Büdinger Land hervorgerufen, daß die hessische Regierung im Verein mit den Landständen einen Aufruf vorbereitet, um den ehemaligen Mitgliedern der Ge­nossenschaftskasse Hilfe zu bringen. Deren Fehlbetrag be­ziffert sich bekanntlich auf 702 000 Mt., und da eine unbeschen Kolonie sehen. schränkte Haftpflicht besteht, beträgt der Kopfteil 2300 Mt. für 423 Mitglieder, von denen etwa 118 völlig oder teil­weise leistungsunfähig sind.

Der Herr Papa aber wollte davon nichts wissen. Es tam zu argen Streitigkeiten. Der Alte glaubte, sein Sohn beziehe die Universität, derweil aber befand sich der Herr Herrmann auf dem Konservatorium, wo man Musik und Gesang studiert. Wie der Alte das erfährt, ist er furcht­bar wütend und erklärt, von dem ungeratenen Kind nichts mehr wissen zu wollen. Die Gnädige bekommt Krämpfe fällt in Ohnmacht, bitte und fleht für ihren Liebling, aber das hilft ihr alles nichts, es bleibt dabei, daß Her­mann nicht eher wieder vor den Augen des gestrengen Vaters erscheinen darf, bis er etwas vernünftiges gelernt hat. In ihrer Not wandte sich die geängstigte Mutter an mich. Franz", hat sie gesagt, du bist allezeit ein treuer Diener gewesen, auf dich kann man sich verlassen. Also, ießt gehst du, suchst meinen Sohn auf und bleibst bei ihm. Und von Zeit zu Zeit berichtest du mir, wie es ihm geht und wo er sich befindet. Ich muß doch wissen was er treibt, er ist ja mein Einziger!" Die Gnädige bat ja zwar noch eine Tochter, aber der Hermann ist halt der Erbe und Stammhalter und er war von jeher ihr Liebling. Ich konnts ihr nicht verdenken, daß sie sich um ihn gesorgt und gegrämt hat. So packte ich denn mein Bündel und seitdem bin ich bei Herrn Herrmann Walter. Er forrespondiert ja auch mit seiner Mama, aber der Bapa will immer noch nichts von ihm wissen, trotz der großen Erfolge, die wir zu verzeichnen haben."

Es klang sehr viel Selbstbewußtsein aus den Worten des Alten. Friß ließ sich offenbar dadurch imponieren, denn er schaute den Freund bewundernd an. Dann trenn­ten sie sich mit dem Versprechen, sich gegenseitig zu be suchen, um alte, liebe Erinnerungen auszutauschen.

VI.

Das Wetter war recht unfreundlich geworden. Ueber dem Walde lagerte ein dichter Nabel, die Luft war feucht und kalt. Welke Blätter lagen haufenweise am Boden; der Wind trieb sie spielend vor sich her

* Wehlar, 28. April. Der Bäckerlehrling Diehm, welcher vor einigen Wochen durch das Losgehen eines Ter­zerols eine schwere Verwundung erlitt, ist in der Klinik zu Gießen gestorben.

* Frankfurt a. M., 27. April. Die Metallar­beiter der Felten- Guilleaume- Lahmeyer- Werte sind, etwa 2700 an der Zahl, heute Abend in den Ausstand getreten, nachdem sich die Einigungsverhandlungen zerschlagen haben.

* Mom ch. Zirka 6 Millionen Stück Salatköpfe kommen von nächster Woche ab von hier aus zum Versand. Die Mombacher Frühsalatkultur gehört mit zu den bedeu­

tendsten in ganz Deutschland und bildet einen Haupter-- werbszweig der hiesigen Landwirte.

* Offenbach, 29. April. Zur Prüfung der vier zum Umbau des alten Stadttheaters eingegangenen Pro­jette ist ein Preisrichterfollegium gebildet worden.

* Hanau, 29. April. Vom preußischen Ressortmi nister ist eine Beteiligung des Staates an dem Kleinbahn­Unternehmen Hanau- Büdingen durch Hergabe eines Dar­lehens in der Höhe eines Drittels der Baukosten abgelehnt worden, da die von der Unternehmer Firma, der Attien­Gesellschaft für Bahnbau und Betrieb in Frankfurt a. M. eingereichte Rentabilitäts- Berechnung Beanstandung erfahren hat.

* Darmstadt, 29. April. Die heff. Regierung bat als Aufsichtsbehörde der Süddeutschen Eisenbahn- Gesell schaft den Beschlüssen der letzten Generalversammlung die Genehmigung versagt. Die Generalversammlung hatte eine Abänderung des§ 29 der Statuten beschlossen, welcher vorschreibt. daß kein Aktionär mehr als 1000 Stimmen ab­geben darf.

* Darmstadt. Sämtliche Arbeiter in den Betrie­ben der hiesigen Möbelfabriken legten fürzlich die Arbeit

nieder.

* Mainz. Der Landesverband der Bürgermeister im Großherzogtum Hessen wird seine diesjährige Hauptver­

,, Mir scheint, heuer kommt der Winter recht bald", meinte Friz, der in seiner blauen Livree hinter seiner jungen Herrin saß, die wie gewöhnlich die Zügel in den Händen hieft. Sie ließ die Tiere heute ganz langsam gehen. Nachdenklich schweiften ihre Blicke über die fahl gewor= denen Bäume hin und blickter dann träumerisch in die Ferne. Die Straße machte eine scharfe Biegung, daher kam es, daß sie jetzt erst den einsamen Fußgänger ge­wahrte, der dort langsam, wie in tiefe Bedanken ver­sunken, dahinwanderte. Als das Gefährt ihn erreichte, 30g er höflich grüßend den Hut. Die Insassin des Wa­gens nickte ihm freundlich und liebenswürdig zu.

,, Ah, Herr Walter, ich freue mich, Sie endlich einmal wieder zu sehen- wie geht es Ihnen? Sie waren lei­dend, wie ich zu meinem großen Bedauern vernahm! Ihre vielen Verehrer sind betrübt darüber gewesen! Hoffent­lich haben wir nun bald wieder das Vergnügen, Sie ſingen zu hören?"

Es schien beinahe, als wäre es dem iungen Manne unangenehm, in seinen Gedanken gestört zu sein, denn er erwiderte nicht eben freundlich: Wann ich wieder singen werde weiß ich noch nicht, vorläufig leide ich noch Heiserkeit."

an

Er war offenbar bestrebt, aus dem Bereich des Wa­gens zu kommen, denn er verlangsamte seinen Schritt in auffallender Weise. Maja hatte Mühe, die Tiere in die langsamste Gangart zu zwingen. Die junge Dame, die natürlich von ihrem getreuen Friß über den Inhalt des Gespräches, das er mit Walters Diener geführt, genau unterrichtet worden war, lachte nach den letzten Worten des jungen Sängers so hen und übermütig auf, daß dieser ihr einen strafenden Blick zu warf.

,, Was stimmt Sie denn so heiter, gnädiges Fräulein?" fragte er mit gerunzelter Stirn.

Ihre Heiserkeit, Herr Walter!" Walter blickte jetzt beinahe drohend zu dem übermü­tigen jungen Mädchen hin

,, Sie glauben wohl nicht daran?" Nein!" gestand Maja ohne Zögern.

Fräulein Reinau? Ich muß doch bitten!"

Das flang sehr gereizt. Aber je finsterer der junge Mann wurde, desto übermütiger lachte der kleine Kobold.

* Berlin. Der sogenannte Hauptmann von Kö­penick ist mit dem Dampfer Auguste Vittoria" aus Amerita gestern in Curhaven eingetroffen. Er besuchte mehrere Lo fale, um Ansichtspostkarten zu verkaufen.

* Berlin, 29. April. Prinz und Prinzessin Eitel Friedrich sind gestern Abend wieder hier eingetroffen.

* Berlin, 28. April. In der heutigen Sigung des Bundesrats wurde dem Entwurf eines Gesetzes betreffend Aenderung des Posttaregefeßes die Zustimmung erteilt.

* Magdeburg, 29. April. Gestern Abend be schloß die Mitgliederversammlung der Väcker mit 139 gegen 112 Stimmen den Streif.

από

* Nürnberg, 28. April. Der Rektor der höheren Mädchenschule Dr. Herberich ist gestern abend von seiner Gattin durch drei Revolverschüsse erschossen worden. Sie wurde verhaftet. Herberich, der 44 Jahre alt war, erfreute sich allgemeinen Ansehens als Lehrer wie als Gelehrter. * Wien, 29. April. In dem Schlußverhör gegen den des Giftmordes beschuldigten, seit dem 22. November 1909 in Haft befindlichen Oberleutnant Adolf Hofrich ter erhielt dieser Gelegenheit, das Gesamtbeweismaterial das für ihn erdrückend ist, fennen zu lernen. Hofrichter mußte selbst zur Einsicht kommen, daß das Beweismaterial nicht umgestoßen werden kann. Hierdurch wurde er zum Teil durch die Militärärzte, die ihn im Arrest auf seinen Geisteszustand untersucht hatten, bestärkt. Hofrichter ließ sich infolgedessen gestern dem Untersuchungsrichter vot führen, dem er unter sichtlichen Seelenkämpfen ein Ge ständnis ablegte, daß er tatsächlich Giftpillen a die Generalstabsoffiziere gesandt habe, um diese aus dem Wege zu räumen um wieder in den Generalstab aufgenom men zu werden. Diesen Plan habe er hauptsächlich au Liebe zu seiner Gattin erdacht, um ihre Zukunft sicher z stellen. Da infolge dieser veränderten Prozeßlage auch das Vorgehen der Frau nicht ganz einwandfrei erscheint, wurde diese heute dem Sicherheitsbureau vorgeführt und einen Verhör unterzogen.

* Paris, 29. April. Die Leiche Björnsons wurde gestern Abend, begleitet von der Familie des verstorbena

Für einen anderen wäre dies Lachen eine wahre Her erquidung gewesen, aber Walter ärgerte sich unbeschreibli darüber, so daß er beinahe grob wurde.

Es ist mir ganz einerlei, was Sie glauben", sagte er offenbar in der Absicht, die junge Dame ebenfalls ärgern.

Sie ging jedoch nicht auf den Ton ein, sondern fute mit allerliebster Schelmorei fort: Ich glaube den Grund Ihrer Heiserkeit ganz genau zu kennen und glaube auch da Mittel zu haben, dieselbe zu heilen."

Sie?"

Es war weniger das kleine Wörtchen als Ton urb Blick, welche verlosen sollten. Doch Maja schien das ga nicht zu merken. Die reizenden Grübchen in ihren Wanga vertieften sich, die Augen blißten den Gegner so fam pies lustig an, als wollten sie ihn noch mehr aufreize ,, Also, vorläufig wird noch nicht gesungen? Hm schabe meine Freundin und ich wir können& faum erwarten, bis wir Sie zu hören bekommen! Wirk lich schade!"

Ihre Freundin soll sich von ihrem Verlobten etivo vorsingen lassen," flang ca grimmig. Ja, das ist leicht gesagt er fann gar nicht fingen! Nur pfeifen!"

Ein höhnisches Auflachen folgte. ,, Dann kann ich ihr nicht helfen!"

Freilich können Sie es, wenn Sie nur wollen und ich wette, Sie werden es tun!"

,, Sie könnten sich verrechnet haben, mein Fräulein Ich wette zehn Flaschen Seft gegen eine, daß Ge morgen singen!"

Sie sind sehr voreilig und äußerst waghalsig!" Maja lachte noch immer.

,, Gehen Sie auch nach Neunlinden?" " Ich? Nein! Was soll ich dort?"

Ich meinte nur so. Ich hätte Ihnen dann einer

Play in meinem Wagen angeboten!"

,, Sie sind sehr tg- ich danke!" " Schade, ich hätte Ihnen manches zu erzählen, wa Sie gewiß interessieren würde. Meine Freundin näm lich=

( Fortsetzung folgt.)

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