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Geschworenen erfolgt sei, sollten sie sich zur Beratung zurückziehen. Wollten sie dann noch Aufklärung haben, so fönnten sie ihre Wünsche äußern. Aber mitten in der Beweisaufnahme sich zu einer Beratung zurückzuziehen, könne den Geschworenen nicht gestattet werden und set vom Gefeße nicht vorgesehen. Ein solches Verfahren wäre schon insofern höchst bedenklich, als die Geschworenen schon vor Beendigung der Beweisaufnahme Gelegenheit erhiel= ten, sich über die Sache schlüssig zu machen, also zu einer 3eit wo hierzu noch nicht die Mönlichkeit vorliege.
Luftschiffa rt.
Eine große Neuheit für die Luftschiffahrt bedeutet die Erfindung von Dr. v. Dechelhäuser, gewöhnliches Kohlengas in ein sehr leichtes, für die Füllung von Ballons trefflich geeignetes Gas zu verwandeln. Das Verfahren besteht in der Zersehung und Beseitigung aller schweren Kohlenwasserstoffe und namentlich des gesamten Sumpfgases sowie in der Ueberführung der Kohlensäure in das leichtere Kohlenoryd. Das Ergebnis ist ein faft geruchloses Gas, das zu mehr als vier Fünfteln aus Wasserstoff besteht. Die hebende Kraft des neuen Gases ist um mehr als ein Drittel höher als beim Kohlengas.
Im Aeroplan zum Nordpol. Wilbur Wright erklärte einem englischen Korrespondenten gegenüber, daß er schon lange das Projekt eines Fluges nach dem Pol mit einem seiner Zweidecker überlege. Dieser Versuch werde auch in nächster Zeit durch einen sehr bekannten hervorragenden Nordpolforscher ins Werk gesetzt werden, dessen Namen er allerdings noch nicht nennen könne. Auch die näheren Umstände, wie Jahreszeit, Verproviantierung, Transport zum Startplay usw. sind bereits beraten worden. Es ist auch ein Ort festgefeßt, von dem aus der kühne Flug ausgehen soll. Die Temperatur und die beschränkte Menge des mitzunehmenden Proviants fordere von selbst als Startplatz einen möglichst weit im Norden liegenden Ort. Dieser soll vom Bol nicht mehr als 500 Meilen entfernt liegen. Wilbur Wright, der sich in einer kürzlich stattgefundenen Versammlung des Aeroklubs enthusiastisch über diese kühnen Bläne äußerte, meint, daß er eventl. die Reise nach dem Bol vom Startplab und wieder zurück nach dem Ausgangspunkte in drei Wochen werde ausführen können. Diese Meldung kommt aus Neuyork, was sehr zu beachten ist.
Vermischies
Prinz Georg von Serbien wird Aviatiker. Eine aműfante Mitteilung geht der„ Information" aus Luftschiffertreisen zu: Prinz Georg von Serbien will sich dem Luftsport widmen. Besonders soll er großen Gefallen an den Flugapparaten gefunden haben, von denen er bisher nur gehört oder Bilder gesehen hat. Er ließ sich jedenfalls bei einer deutschen und einer französischen Firma erkundigen, welcher Apparat augenblicklich der tauglichste und flugsicherste wäre. Gleichzeitig ließ er sich unter der Hand nach den Preisen der verschiedenen Systeme umtun. Bleriot wurde schon vor mehreren Wochen nach Belgrad eingeladen, wo er auch aller Voraussicht nach Ende März oder Anfang April Flugübungen vornehmen wird. Prinz Georg will aber mehrere Systeme zu sehen bekommen. Da er persönlich nicht über die notwendigen Mittel verfügt so versucht er serbische Industriekreise für die Schaffung einer aviatischen Woche in Belgrad zu interessteren. Bet dem Gifer, den er an den Tag legt, ist es wohl möglich, daß er irgerd etwas derartiges zustande bringt.
Großstadtelend. In der Griebenomstraße in Berlin hat sich der 56 Jahre alte Weber Franz Jeder das Leben genormen. Der Mann war 23 Jahre finderlos verheiratet. Die Eheleute waren seit längerer Zeit beide krank und lebten von einer Invalidenrente. Die Frau liegt seit drei Wochen im Krankenhaus am Urban. Dort befand sich seit acht Tagen auch der Mann, bis er gestern auf seinen Wunsch entlassen wurde. Kaum nach Hause gekommen, schnitt er sich, auf einem Stuhle fibend, die Pulsader der linken Hand durch und starb an Verblutung. Als ein Bruder der Frau, ein Arbeiter, der bei den Leuten wohnte, von der Arbeit fam, fand er den Schwager tot auf. Das Taschenmesser lag auf dem Fußboden.
Der melkende Deferteur. Der Ackerbürger Vritschow in Nauen überraschte gestern in seinem Kuhstall einen Husaren beim Melken seiner Kühe. Mit Hilfe seiner Knechte nahm er den Mann fest und übergab thn der Polizei. Im Verhör gab der Arrestant an, daß er der Husar Mohwinkel von der 4. Eskadron des Ziethenhusarenregiments in Rathenow ist. Er sei am 10. Januar desertiert und habe sich seitdem auf dem Heuboden des genannten Ackerbürgers in Nauen aufgehalten. Seine Verpflegung habe er in der Weise besorgt, daß er an jedem Morgen die Kühe Pritschows gemolken habe. Er wurde dem Militärgefängnis in Spandau zugeführt.
Eine moderne Robinsonade. Gestern fam in London mit dem Dampfer Drcoma" der Pazifiklinie aus Punta Arenas die Mannschaft des englischen Segelschiffes Dec= can" an, die infolge von Schiffbruch fast awei Wochen auf einer menschenleeren, kleinen Insel ein mühseliges Robinsondasein geführt hatte, ubis sie von einem Walfischfänger erlöst wurde. Der„ Deccan" befand sich mit einer Maun schaft von 27 Köpfen auf der Fahrt von Port Talbot nach Südamerika, als er in der Nähe der Küste Südamerikas plößlich während eines starken Sturmes Schiffbruch litt. Im Verlauf von 15 Minuten fant das ganze Schiff mit seiner Kohlenladung. Der Mannschaft war mit knapper Not genügend Zeit geblieben, die Rettungsboote niederzulassen und diese, mit ein wenig Fleisch und Schiffsawieback versehen, zu besteigen. Wiederholt drohten die Boote bei dem Herrschenden hohen Seegang zu fentern. Doch sie erreichten glücklich nach einiger Zeit eine Sandbank. welche der fleinen Insel Sierra del Suego vorgelagert ist. Hier auf dieser Insel blieben die Schiffbrüchigen volle drei Tage, während deren sie die größten Entbehrungen zu erleiden hatten. Der wenige Proviant, der sich in den Rettungsbooten befunden hatte, war schon am ersten Tage verzehrt. Ein Regenschauer, der Schneegestöber und Hagelwetter im Gefolge hatte, sette ein. Schuylos waren die 27 Unglücklichen dem Unwetter preisgegeben, denn das Zelt, das fle aus den Segeln der Boote errichtet hatten. war bald völlig vom Regen durchnäßt. Muscheln und angeschwemmte dische waren ihre einzige Nahrung. Während ihrer Forschungs= züge durch die kleine Insel stieß die Schiffsmannschaft auf mehrere menschliche Sfelette neben einem Haufen Secmuscheln. Am 13. Tage ihrer Anwesenheit auf der Insel wurden die völlig Erschöpften endlich von einem zufällig vorbeifahrenden Walfischfänger mitgenommen.
Die Suffragette als Soldat. Auf welche Gedanken man in England nicht hier und da verfällt, um die Wehrkraft des Bandes zu erhöhen! Forderte da in der„ Pall Mall Gazette", eine der angeseheneren Zeitungen Londons, die im allgemeinen ein wirklich intelligentes Lescpublikum hat, vor ei nigen Tagen ein Herr C. W.Ratcliffe Coofe, ein ehemaliges fonservatives Parlamentsmitglied, die Suffragettes auf, ein Regiment junger Frauen aufzustellen, sie au drillen, zu trainieren und jede Cachlust würde bald durch ein Gefühl her Achtung und der Nacheiferung eriebt werden. Auf diesen Vorschlag erwidert nunmehr Fräulein Annie Gecilla Oldmeadow, daß sie diesen Gedanken bereits seit Monaten schon unter dem Titel„ Die Frauen- Territorials" verfechte. Die Frauen mit dem friegerlichen Lagerleben und der gehörigen Disziplin vertraut zu machen, würde mehr bewirken, um ihren geistigen Horizont zu erweitern und patriotische Gefühle in ihnen zu erregen, als alle die Stimmen, die je her friegerischen Suffragetten gefordert
worden sind. Mit besonderer Schärfe wendet die moderne Amazone sich dagegen, die Frauen nur auf den Samariterdienst im Kriege zu beschränken. Das sei der Tod der Frauenbewegung, deren Hauptanziehungskraft gerade das gesunde Leben in freier Luft und die kräftige körperliche Bewegung sei.
Eine neue„ Perfektsprache". Den zahllosen Versuchen, eine Weltsprache zu gründen, reiht tett Prof. Alois Hartl einen neuen an, in einem Büchlein, das den Titel trägt: „ Auf zur Spracheinheit". Er will auf Grund der lateinischen Sprache und mit Berücksichtigung der romanischen, der englischen, deutschen und anderen Sprachen, zu einer allgemeinen Volfssprache gelangen. Hermann Diels tut in der„ Deutschen Literatur- Zeitung" dar, daß die neue Sprache lediglich ein verludertes Latein tst. Man werde sehr viel schneller die Grammatik und Wortbildung des Altlateins als die dieser Lingoa Perfekt begreifen und sich aneignen können. Das Büchlein schließt mit dem Spruche, der Hoffentlich prophetisch auch für alle anderen ähnlichen Versuche gilt:„ Man de tabula“-„ Lassen wir's genug fein".
Der Einfluß des Schlafes auf das Gehirn, der kürzlich in der Universität Michigan beobachtet wurde, wird von Profeffor Weally beschrieben, der erklärt daß die Untersuchungen viele der anerkannten Theorien über den Haufen geworfen haben. Man hatte bisher angenommen, daß der Schlaf durch die Verringerung des Blutdruckes im Gehirn verursacht werde. Die Experimente in Michigan zeigten, daß gerade das Gegenteil der Fall ist. Durch genaue Mef= sungen ist das folgende festgestellt worden: Der Umfang des Gehirns nimmt zu wenn der Mensch einschläft und nimmt ob, wenn er aufwacht. In einigen Fällen wurde beobachtet. daß das Gehirn zuerst an Umfana abnimmt und sich wieder ausdehnt, wenn der Schlaf tiefer wird. Beim Grwachen nimmt der Umfang des Gehirnes ab, aber der Druck des Blutes nimmt zu. Die Untersuchungen haben Professor Weally zufolge definitiv nachgewiesen. daß, was immer Schlaf erregen maa, es nicht eine Verringerung der Blutversorgung des Gehirnes ist, denn eine derartige Verringerung tritt nicht ein.
Die explodierte Ente. Eine Schauermär weiß der„ Gaulois" aus Jowa, natürlich in den Vereinigten Staaten, zu berichten. Dort war auf einer landwirtschaftlichen Ausstel= lung ein Prachteremplar von Ente mit dem ersten Preis gefrönt worden. Plötzlich jedoch konnten die Bewunderer der Ente bemerken, wie sie an Umfang zunahm, dicker und dicker wurde. als ob sie es dem metland Frosch nachmachen wollte, der sich bis zur Größe eines Ochsen aufhlähen wollte. Schließlich erfolgte eine Katastrophe: fie explodierte! Die Splitter" flogen nach allen vier Mindrichtungen durch die Suft, und einer traf den in voller Anast herbeineeilten Befitzer der Ente mit solcher Wucht ins Gesicht. daß er dabei das Augenlicht einbüßte! Gine Erklärung für den merkwürdigen Vorfall ist durchaus natürlich: trgend ein bösmilliger Neider hatte der Ente ein großes Stick Hefe zu fressen gegeben. Das ist doch eine Ente, wie sie im Buche ftest!
Das neueste vom Schmuf. Die eleganten Modedamen Englands haben eine neue Liebhaberei zum Siege geführt: in den großen Londoner Juwelierläden sieht man jett überall reizende kleine Broschen oder Nadeln, die die For= men von großen Insekten zeigen. Der Gedanke, die For= men von Käfern. Bienen oder Schmetterlingen für Schmuckfachen zu verwerten, ist ja nicht neu, aber zum ersten Male werden hier die Modelle gnau in Naturgröße fopiert. Man fichi alle Arten von Tieren, von der kleinen Stubenfliege und dem Marienkäferchen bis hinauf zu naturgroßen Etdechsen die kunstvoll aus dunkelgrünem Email der Natur rachgebildet sind. Besonders reizvolle Farbenkombinatio= nen gestaten diet Schmetterlinge, Als Broschen, au denen die kleinen ihren der Damen befestigt werden, find reiz= nolle Nachbildugen von Nachtfaltern bevorzugt, wundervolle Farbenzusammenflänge von leuchtendem Blau, tiefem Grün und dunkleren Farben. Auch Nachbildungen von Musikinstrumenten werden als Broschen getragen, zierlich ge= fertiote fleine Lauten, Gitarren, Violinen. Harfen. aus Perlmutter. Opal oder Edelmetall hergestellt; die Saiten find aus feinem Gold- und Silberdraht gearbeitet. Bismeilen zieren kostbare Edelsteine diese Erzeugnisse der neuesten Schmuckmode.
Sansgenofin. nicht Dienstmädchen. In einer Berliner Zeitung stand dieser Tage folgendes bemerkenswerte Inserat:„ Hausgenoffin nicht Dienstmädchen wird von Familie mit drei Kindern gesucht. Die Hausfrau ist selbst außerordentlich tätig und verlangt von der Hausgenossin nur eine Unterstützung in der Arbeitslast. Da die neue Sansaenoffin ihre Kräfte hergibt, so soll sie auch entsprechend entlohnt werden, niemals aber das Gefühl haben, daß fie um Rohn„ dient". In unserem Haushalt gibt es eine Menac zu tun, dafür aber auch eine Reihe von eftlichkeiten und herzlicher Fröhlichkeit. Die neue Hausaenoffin ist selbverständlich bei allen Anlässen, zu denen wir uns Gäste Iaden. unser Gast si, e fann sich wenn sie will, an unsere Familie anschließen, es bleibt ihr aber unbenommen, ihr eiGenes Leben zu leben und an dem unseren feinen Teil zu haben. wenn sie dieses vorzieht. Wir werden den Willen der Hansaenossin niemals dem unsrigen zu unterordnen suchen, die Hausgenossin bleibt ein freier Mensch. wenngleich sie an unserer Arbeit teilnimmt. Bewerberinnen wollen sich melden unter Chiffre" nsw.
Die Amerikaner als Lehrmeister.
Die Geschäftsgewandtheit der Amerikaner offenbart sich auf den verschiedensten Gebieten und in den verschiedensten Formen. Vor allen Dingen ist dem Amerikaner eine Eugherzigkeit für Ausgaben fremd, die, ohne augenblicklichen Nuken zu bringen, ihm geeignet erscheinen, in Zukunft Vorteile zu gewähren. Diese Eigenart des amerikanischen Geschäftsmannes hat Amerika zu dem Mutterlande der großzügigen Reklame gemacht und die verschiedensten Versuche zur Belebung und Hebung von geschäftlichen Unternehmungen gezeitigt. So hat in den letzten Jahren ein großer Teil der amerikanischen Eisenbahnen als ein Mittel zur Hebung des Verkehrs landwirtschaftliche Vorträge durch Landwirte von Ruf abhalten lassen und hierbei selbst große Unkosten nicht gefcheut. Besondere Züge, auf denen allerlei Arten von landwirtschaftlichen Maschinen aufgestellt werden, verkehren auf den Bahnneben der unternehmungslustigen Eisenbahngesellschaften. In der Umgegend der einzelnen Stationen wird unter den Landwirten rechtzeitig befannt gemacht, daß an einem bestinumten Termin kostenlose Vorträge zur Ausbildung von Landwirten und die Vorführung aller Arten landwirtschaftlicher Maschinen stattfinden werden. Die Züge, die mit landwirtschaftlichen Maschinen und allerlei Gegenständen für die Vich- und Geflügelzucht ausgerüstet sind, stehen wäh rend der Dauer der Vorträge auf Nebengleisen der Eisenbahnstation. Die die Züge begleitenden Wanderlehrer halten Borträge über alle Gebiete der Landwirtschaft, über Aderbau, Gartenbau, Milchwirtschaft und Viehzucht, da von den Landwirten der Umgegend äußerst start besucht werden. Denn gewissermaßen bilden die Züge weiter nichts als landwirtschaftliche Ausstellungen, die die neuesten Fortschritte der Landwirtschaft und ihre modernſten Hissmaschinen zeigen. Unter den Erläuterungen der Wanderlehrer werden die Maschinen den Landwirten in Betriebe vorgeführt, so daß der Zudrang zu den Vorträgen die eine kostenlose Erweiterung landwirtschaftlicher Kenntnisse ermöglichen, auf Grund der nötigen Zeitungsrettame start zugenommen hat. Die ungeheuren Ausgaben die
durch die Veranstaltung derartiger landwirtschaftlicher Sure den Eisenbahnen erwachsen, werden indessen unter guter geschäftlicher Berechnung gemacht. Die Eisenbahnen hoffen infolge ihrer landwi schaftlichen Unterrichtsturie auf eine höhere Entwicklung der Landwirtschaft innerhalb ihrer Verfehrsi eke, aus der sie sich große Borteile verivverben. Die breite Entwicklung einer rationell arbeitenden Landwirtschaft muß unbedingt eine starke Hebung des Gütervertebra int Gefolge haben, aus deffen ständigen Einnahmen die Eisenbahnen eine reichliche Berzinsung und Entlohnung ihres für die Belehrung der Landwirte aufgewandten Kapitals erwarten.
Maris unter Woffer.
Das Hochwasser in Paris hat gestern neue Kerbreruns gen angerichtet. Der dertsche Botschafter Fürst Rado I in mußte gestern mittag mit seiner Familie in das Haus eines Herrn der deutimme Botschaft übersiedeln. meil der weitere Aufenthalt im Bo.chaftsvalait wegen der eberschwemmung unmöglich geworden war. Das Ge bäude, dessen Hof von der Straßenseite überscheint ist. ist nur noch von der Gartenseite zugänglich. Ein in der Nähe der Verpfählung des Bont Suffy errichteter Damm ist geborsten: das Wasser hat den Kai überffutet und den Belaa der Brücke emborgehoben. Der Stadtteil Herco ift vollständig überschwemmt und wurde geräumt. Im Palais Bourbon ſteht der innere of unter Wasser. In mehreren Straßen sind Häuser eingeft ir 3t, wobei mehrere Bersonen verfekt wurden. An einer Stelle sind die Kanalisationsrohre geplakt. Auch mehrere Kaufhäufer mußten wenen Ueberschwemmung der unteren Stockmerke gefchlofien werden. In der Nähe von Autun sind die Brückencin gestürzt. Bei Juvish bildet das, Sochmaffer einen gewaltigen See, der mit einer leichten Eisdecke überzogen ist. Die Rathäuser und Schulen sind mit Kranten überfüllt. Ueber das Schicksal von acht Bewohnern der Insel St. Pierre, die am Zusammenfluß der Seine und Marne lieat. ist man sehr beforgt. Die Leute weiaerten sich, ihre Behausung, die seit drei Tagen non 4 Meter hohem Wasser umgeben ist, zu verlassen. Man befürchtet, daß sie aanz ohne Lebensmittel sind. In Alfortville weigerten sich 200 Einwohner, die Häuser zu verfaffen; fie konnten später mit Lebensmitteln versehen werden. Auf Richtung auf den Straßendamm vor. An mehreren Bunkden Kais dringen die Wasserfluten immer mehr in der ten der Kais find Mauern aus Ziegelsteinen aufgeführt, um das Eindringen des Wassers zu verhindern. Nach einem Pariser Telegramm beträgt der Schaden, den das Hochwasser bis zum Morgen des 26. Januar angerichtet hat, nach verläßlicher Schäkuna 90 Millione it Franken. Diese Summe wird in erster Linie durch die umfangreichen Reparaturen verursacht. die die Untergrundbahn und die ganz mit Wasser gefüllte neue Strecke derselben verschlingen werden. Der Gebäudeschaden wird auf 23 Millionen Franken geschäßt.
Baris, 28. Januar. Im Justizpalast versagte die elektrische Beleuchtung vollständig, sodaß man Petroleumlampen und Kerzen benuken mußte. Zur Beförderung der in den überschwemmten Stadtteilen wohnenden Deputierten von und nach der Kammer ist ein regelrechter Dienst mit Booten eingerichtet.
Paris, 28. Januar. Die Hoffnung auf ein Fallen des Wassers hat sich nicht erfüllt, da sich Regengüsse eingestellt haben Auch in das Stadthaus sind große Wassermassen eingedrungen. Der oberste Sanitätsrat traf Borkehrungen zur Abwehr einer wegen des schlechten oder mangelnden Trinkwassers zu befürchtenden Epidemie.
Drabinachrichten und Deaestes.
Dampferzufammenstoß im Saff.
Stettin, 28. Januar. Der Stettiner Kohlendampfer Curt Fretzlaff stich heute nacht in der Nähe des 5. Feuerschiffes mit dem englischen Dampfer Marion Lee zusammen. Der letztere ist gesunken und liegt im Jahrwasser. Die Mannschaft wurde gerettet und hier gelandet. Großes Schadenfeuer.
Bielefeld, 28. Januar. Ein gewaltiges Schaden feuer vernichtete einen großen Teil der Reparaturwerkstätte und das Automobillager der Firma Dürkopp u. Co. Infolge der Explosion von Benzinbehältern nahm das Feuer gewaltige Ausdehnung an. Der Schaden ist außerordentlich groß. Es verbrannten allein 25 bis 30 neue oder in Reparatur befindliche Automobile.
Die englischen Wahlen.
6 London, 28. Januar. Bis 2% thr nachts waren folgende Wahlergebnisse bekannt: 258 Unionisten, 253 Liberale, 40 Mitglieder der Arbeiterpartei und 74 Nationalisten. Die Unionisten haben 120, die Liberalen 19 Size gewonnen.
Ausschreitungen Kreifender Kohlenarbeiter.
London, 28. Januar. Die Lage in Horton( Durham) gestaltet sich schwierig infolge der zunehmenden Unruhen. Streifende Kohlenarbeiter demolierten das Hauptquartier der Unionisten und die Wohnung des Grubenbeißer, der auf die Menge feuerte und einen der Streifenden verwundete. Ein starkes Polizeiaufgebot ist an den Schauplat des Aufruhrs gerufen worden.
Marschall Weyler schwer verunglüät. Madrid, 28. Januar. Bei einem Spazierritt durch die Straßen Barcelonas erlitt Marschall Weyler einen Unfall durch Sturz mit dem Pferde. Er trug anscheinend schwere Verletzungen davon.
Sturm im Bosporus.
Konstantinovel, 28. Janitar. Der seit 10 Tagen hier wehende Südsturm wurde in der vergangenen Nacht zum Orfan. Dabei erlitten fast alle Stationsschiffe der Großmächte Havarie. Die Bojen des deutschen Schiffes ,, Loreley" und eines österreichischen Schiffes wurden entankert. Die Loreley" hatte rechtzeitig Dampf aufgemacht und erlitt deshalb nur Havarie an einem Beiboot.
Entsprungene türkische Säftlinge. Konstantinopel, 28. Januar. Auf dem Transport von Serres nach Saloniti entsprangen aus dem Zuge 15 HäftLinge darunter der berüchtigte Bandenführer Simon, der au 15 Jahren Kerfer verurteilt worden war. 4 Gendarmen hatten den Transport begleitet, sich aber in einem anderen Abteil aufgehalten und deshalb von der Flucht nichts bemerft.
Blutiger Ausgang einer Barlamentssikung. Lemberg, 28. Januar. Gestern nachmittag fam es nady Schluß der Landtagssigung in den Couloirs zwischen dem ruthenischen Journalisten Demianczuk und den beiden ruthenischen Abgeordneten Titus und Anton Sturach zu einer Schlägerei, während welcher Demianczuk derartige Verlegungen am Kopfe erlitt, daß er blutüberströmt zu jammenbrach. Demianczuk, der Herausgeber eines rutheni schen Wochenblattes, war in der Landtagssigung vom Abg. Titus Sturach Bestic" genannt worden, weshalb er im Couloir Sturach eine Ohrfeige versette. Die Brüder Stu rach hieben mit Stöcken auf Demianczuk cin, der schwer verlegt zu Boden stürzte. Der Landesmarschall erstattete Anzeige an die Staatsanwaltschaft.
Eine Glückwunschdenciche des Präsidenten Taft. Washington, 28. Januar. Präsident Tait hat au den Deutschen Kaiser folgendes Telegramm gerichtet: Am heutigen Geburtstage Ew. Maiestat bringe ich meine herzlichsten Glückwünsche dar und übermittle zugleich den Ausdruck der guten Gesinnung, welche das Bolt und die Megierung der Vereinigten Staaten für Deutschland erfüllen, und die Wünsche, die sie für dessen Gedeihen hegen


