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Bur Geschmacksbildung

der Gewerbetreibenden.

Gelegentlich des von der Mittelstandsvereinigung für Handel und Gewerbe( Siz Düsseldorf) mit gutem Erfolge veranstalteten Mittelstandskursus hielt Professor Dr. Board einen Vortrag über die Geschmacksbildung des deutschen Ge­Gedanken weiteren werbetreibenden, dessen leitende

Kreisen bekannt zu werden verdienen. Der Redner knüpfte, wie die Westdeutsche Mittelstandszeitung berichtet, an die in neuerer Zeit auftretenden Bestrebungen an, die darauf gerichtet sind, zu vereinfachen, Farbe und Form in das rechte Verhältnis zu sehen und dem Zwecke anzupassen. Diese Richtung hat gute Früchte getragen, ohne daß die fünstlerische Ausgestaltung dadurch irgendwie ausgeschlossen wäre. Der Geschmack der Gewerbetreibenden, so führte der Redner weiter aus, muß sich beim Einkauf, bei der Verarbeitung und beim Verkauf betätigen. Das Wichtigste sind die Geschmacksäußerungen beim Verkauf. Alles, was den Kaufmann umgibt, muß von einem bestimmten Geschmack beherrscht sein, der Laden, der Eingang, das Schaufenster, die Einrichtung. Das Schaufenster ist gewissermaßen die Visitenkarte des Kaufmanns. In den meisten Fällen zeigt es zuviel Waren. Je nach der Branche wird es sich richten, ob der Blick in den Laden frei zu geben ist oder nicht. Der Hintergrund des Schaufensters muß so gewählt sein, daß die ausgestellte Ware sich wirkungs­voll davon abhebt. Die Aufstellung der Waren selbst muß finngemäß erfolgen. Die Gestelle müssen so beschaffen sein, daß immer die Ware das Zentrum des Schaufensters bildet. Ein wichtiger Faktor beim Schaufenster ist die künstliche Beleuchtung. Sie hat den Zweck, die Ware ,, in das rechte Licht zu sehen. Das Licht ist so anzuordnen, daß der Beschauer nicht geblendet wird, sondern das Licht auf den aufgestellten Gegenstand konzentriert wird. Vorsichttg sei man beim Unterbringen von Plakaten der Fabrikanten. Gegenstände, die mit Gewalt die Aufmerksamkeit des Pub­likums an sich ziehen sollen, z. B. durch Klopfen auf das Fenster, sind als geschmacklos zu verwerfen."

Das Innere des Ladens muß dem, was wir im Schaufenster sehen, entsprechen: einfache Ausstattung, bei der das Material anstelle der Dekoration zu wirken hat. Zu der inneren Einrichtung gehört etwas Lebendiges, das Personal. Hier ist der Punkt, wo der Kleinhandel dem Warenhaus am sichersten den Rang ablaufen kann. Kein Rayonchef wird die Initiative erseßen können, die der Prin­zipal, der unter eigener Verantwortung mit seinem eigenen Gelde arbeitet, besitzt. ,, Aber Sie glauben nicht, fährt Redner fort, wie viele Kunden tynen weggetrieben werden durch die Unbedachtsamkeit, den Vorwiß und die Gleichgül­tigkeit des Personals. Hier ist eine gründliche Erziehung am Plaze. In hervorragender Weise hat sich der Geschmack auch bei der Reklame auszusprechen, in Zeitungsan­noncen, bei Plakaten, Etiketten usw. Der Kaufmann ist der Vermittler zwischen dem, der gute künstlerische Ware herstellt und dem Publikum. Er hat eine hohe Mission zu erfüllen, indem er auf eine Förderung der Allgemeinbil dung, soweit der Geschmack anlangt, hinwirken soll."

Rundschau vom Cage. Palitisches.

er, der inzwischen konservativer Abgeordneter geworden war, zum Gouverneur von Südwestafrika ernannt.

Drei weitere Gefeßentwürfe, nämlich das Stellenver­mittelungsgesetz, das Arbeitskammergesetz und die Vorloge zur Regelung der Hausarbeit, werden schon in den nächsten Tagen dem Bundesrat zugehen. Man kann annehmen, daß die Vorlagen noch in der ersten Hälfte des Februar dem Reichstage zur Beratung überwiesen werden.

Diplomatischer Zwischenfall bei einem Kaiserbankett. Aus Karlsruhe wird gemeldet: Ein Zwischenfall, der hier peinliches Aufsehen erregte, ereignete sich am Mittwoch abend während der von der Bürgerschaft veranstalteten Vorfeter zu Kaisers Geburtstag, an der die Spißen der Regierung, sowie die Militär- und Zivilbehörden teilnah­men. Der zweite Redner, der den Trinkspruch auf den Großherzog auszubringen hatte, der Kammerstenograph Frey, Vorsitzender des Jungliberalen Vereins von Karls­ruhe, kam in seiner Rede auch auf das Verhältnis der Bundesstaaten unter sich zu sprechen und nahm dabei Ge­legenheit, ziemlich scharfe Angriffe gegen Breußen wegen des Verhaltens in der Schiffahrtsabgabenfrage zu richten. Der gleichfalls anwesende preußische Gesandte am badischen Hofe, Admiral a. D. Eisendecher, sprach darauf dem neben thm sibenden Bürgermeister von Karlsruhe sein Bedauern darüber aus, daß die Angriffe gefallen seien, und betonte, daß er sich gezwungen sähe, eine Feier zu verlassen, bei der derartige Angriffe auf den von ihm vertretenen Bundes­staat erhoben würden. Tatsächlich erhob sich der Gesandte sofort, nachdem der Redner seine Ausführungen beendet hatte, und verließ den Saal.

Der Vertrag mit der Kolonialgesellschaft für Deutsch­Südwestafrika. Ueber die Bedenken, die gegen den neuen, vom Staatssekretär Dernburg vorläufig zurückgezogenen Vertrag mit der Kolontalgesellschaft für Südwestafrika in der Reichstagskommission geltend gemacht worden sind, ver­lautet, daß es sich hauptsächlich darum handle, die Kolonial­gesellschaft zu höheren Abgaben in dem Vertrage zu ver­pflichten. Man glaubt, daß an sich die Rechte der Kolonial­gesellschaft unangetastet bleiben, um so mehr, als die be­fannten Hoheitsrechte des Reichs von der Kolonialgesell­schaft in dem Vertrage anerkannt worden sind.

Ansiedler für die Ostmarken. Augenblicklich liegen der Voff. 3tg." zufolge rund 1000 spannfähige Ansiedlerstellen und eine Anzahl Arbeiterstellen aus, die weizen- und rübenfähigen und Mittelboden sowie gute Verkehrslage haben. Binnen kurzem sollen noch 29 Güter und größere Grundstücke mit zusammen 600 Stellen verschiedener Flä­chengröße und über hundert Arbetterstellen zur Auslegung kommen, sodaß im Frühjahr für Ansiedlungslustige nicht weniger als 1600 spannfähige Stellen und eine erhebliche Anzahl von Arbetterstellen zur Verfügung stehen.

Rücktritt des Gouverneurs v. Schuckmann. Von gut unterrichteter Seite verlautet. daß die Demission, die der Gouverneur von Deutsch- Südwestafrika, Herr v. Schuck­mann, bereits vor mehreren Wochen telegraphisch einge= reicht hat, angenommen worden ist. Der Rücktritt Schuck­manns steht anscheinend im Zusammenhang mit den Vor­kommnissen in Südwestafrika, die zu den Auseinander­setzungen in der Budgetkommission geführt haben. Herr v. Schuckmann, geboren am 3. Dezember 1857, hat früher längere Zeit dem Auswärtigen Amt angehört, 1896-99 mar er Generalfonful in Kapstadt, 1903 zog er sich zur Bewirt­schaftung seines Gutes aus dem Dienst zurück. 1907 wurde

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Der Fall Welshofen.

Kriminalroman von M. Kossal ( Nachdruck verboten.)

Im Laufe des nächsten Tages verbreitete sich in Wien das Gerücht, daß des Grafen Welshofens Testament er­öffnet worden war und daß er sein ganzes verfügbares Vermögen seiner verlobten Braut, Anita Brusto, hinter­lossen hatte.

Kein Schächtverbot. Die Justizkommission des Reichs­tags, die sich am Mittwoch mit der Beratung der kleinen Novelle zum Strafgesetzbuch beschäftigte, lehnte die vorge= brachten Anträge auf Einführung des Schächtverbots, als nicht in das Strafacfetzbuch gehörig, ab.

Die englischen Wahlen. Es sind nunmehr alle zum Un= terhause gehörenden Mitglieder des englischen Kabinetts gewählt. Das Ministerium wird sich nach wochenlanger Abwesenheit demnächst in London zusammenfinden und seine Politik beschließen. Der erste Kabinettsrat dürfte nächste Woche stattfinden. Lord Beresford hat große Ent­hüllungen im Unterhause angekündigt und erklärt, die näch­ſten Wahlen werden um die Flotte ausgekämpft werden.

Demission des griechischen Kabinetts. Der Streit um die Einberufung der Nationalversammlung und die Auf­lösung der Militärliga hat in Griechenland den Rücktritt des Kabinetts Mavromichalts verursacht und dadurch die innere Krisis bedeutend verschärft. Es wird darüber be= richtet: Das neue Komitee des Militärverbandes beschloß in seiner gestrigen Sitzung die Einberufung der National­versammlung. Ferner teilte es den Parteiführern mit, daß es der Regierung das Vertrauen entzogen habe. Mav­romichalis hat deshalb mit seinem Kabinett demissioniert. Die Hoffnung, daß der weitere Gang der Entwicklung ruhig verläuft, ist gering.

In ihrer Wohnung in der Wollzeile" saß Baula Hardegg und blätterte in ihrer Skizzenmappe. Aus ihrem Bimmer führte eine Wendeltreppe nach einem großen Raum in Oberstock, den sie sich als Atelier eingerichtet hatte. Seine großen breiten Fenster waren es cigentlich gewesen, die sie veranlaßt hatten, gerade diese Wohnung zu mieten. Den Vormittag pflegte sie dort meist malend zu ver­bringen, um den übrigen Teil des Tages dann anderen Arbeiten, Besuchen und Besichtigen von Kunstschätzen, zu widmen. Viel beschäftigte sie sich auch mit dem Studium der italienischen Sprache, obgleich ihr diese Tätigkeit ei­gentlich verleidet war. Sie hatte nämlich ihren Lehrer in der Wilson- Scool verloren und der, welchen man ihr anstatt seiner gab, interessierte sie nicht. Er mochte ja ein ganz guter Lehrer sein, leider nur war er Baula nicht sonderlich sympathisch.

Wo aber war Signor Lanzani?

Der Besuch des serbischen Kronprinzen am bulgarischen Königshofe scheint keinerlei politische Folgen gezeitigt zu haben. Die in der großen Balkankrisis zutage getretenen Gegenfäße zwischen den beiden slawischen Nationen sind noch zu frisch, um den Plan einer Allianz rasch zu ver­wirklichen.

Das norwegische Kabinett hat demissiontert. Der nor­wegische Ministerpräsident hat am Donnerstag dem Staats­rat das Demissionsgesuch des gesamten Kabinetts über= reicht. Der König nahm die Demission an und ersuchte die Minister, bis auf weiteres ihre Geschäfte weiter zu führen. Das Demissionsgesuch der Regierung wird mit dem Ausfall der letzten Wahlen begründet.

Ein neuer Riefentrust in Amerika. Mitten im er= bitterten Kampfe gegen den Fleischtrust melden Neuvorfer Blätter bereits von der Gründung eines neuen Riesen= trusts. Mit einem Kapital von 300 Millionen Dollar hat sich ein neuer Trust in Amerika aebildet. Die größten Ge­schäfte der Bekleidungsbranche haben sich nach tagelangen Verhandlungen. deren Ergebnisse bisher geheim gehalten wurden, schließlich zu einer Gesellschaft vereinigt, um eine genaue Kontrolle des Materials vom Rohprodukte an bis zur fertigen Ware zu organisieren.

Ja, das wußte niemand, das war überhaupt eine son­derbare, schier rätselhafte Geschichte. Eines Tages, als der Lehrer sich nach einer Lektion, die er erteilt, entfernt hatte, weil er in der nächstfolgenden Woche keinen Unterricht zu geben brachte, war er nicht wieder gekommen. Der Inspektor schickte noch am selben Abend nach seiner ziem­lich entfernten Wohnung, aber auch dort wußte man nichts von ihm. Seine Wirtin, eine alte taube Fran, die küm­merlich von dem Wenigen, was ihre auswärts lebenden Kinder ihr gaben um den Mietertrag eines winzigen Zimmerchens lebte, sagte bet dieser Gelegenheit aus, daß sie ihren Mieter überhaupt nur seiten sähe, da, wie er ihr sagt, Geschäfte ihn zwängen, viel abwesend fogar sein und die Nächte häufia auswärts zu berbringen.

สิน

Kleine Nachrichten.

Kaiser an, in der für Ausfwließung des schlechten ameri fanischen Fleisches gedankt wird.

Zur Hofrichter- Affäre. Gestern abend starb plöslich der Bruder der Frau Oberleutnant Hofrichter, der alle Mittel zur Entlastung Hofricters beizutreiben versucht hatte, in= folge eines Schlaganfalles. Man will in Wien nicht recht an den natürlichen Tod des Bruders glauben, man nimmt vielmehr an, daß Selbstmord vorliegt. Einem Gerücht z11­folge soll der Verstorbene nicht mehr von der Unschuld Hofrichters überzeugt gewesen sein.

Die Versuche mit der drahtlosen Telegraphie nach dem Telefunkensystem, die zwischen Deutschland und den Ko= lonien einerseits und den Kolonien untereinander anderer= seits vorgenommen wurden, haben ein günstiges Ergebnis gehabt. Im Verfolg dieser Sache werden drahtlose Sta­tionen errichtet werden in der Südsee, in Deutsch- Ostafrika und in Kamerun so daß sämtliche Kolonien auf drahtlosem Wege mit dem Mutterlande verfehren können.

Streifführer zu Zwangsarbeit verurteilt. Aus Sidney wird gemeldet: Wegen ihrer Tätigkeit beim Ausstand der Minenarbeiter gegen Ende des vergangenen Jahres find der Vorsitzende des Bergarbeiterverbandes zu drei Jahren 3wangsarbeit, einige Führer der Ausständigen zu acht Monaten und acht Verglente zu zwei Wochen bis drei Mo­naten Zwangsarbeit verurteilt worden.

Die fechs Geretteten der Zeche Holland" haben nach ihrer Bewirtung in dem Wattenscheider Hotel Rheingold, die bekanntlich auf Kosten des Kaisers erfolgte, eine Dank­und Huldigungsdepesche an den Monarchen gesandt. Ge­stern wurden vier von ihnen definitiv aus dem Kranken­Hause entlassen.

Wirkung des amerikanischen Fleischboykotts. In einer von Frauen einberufenen Versammlung in Neuyorf. die gegen die Fleischpreise protestierte, fündigte eine Frau Löbinger die Absendung einer Depesche an den Deutschen

Schlimmes Ende eines Tanzvergnügens. In Salchen­dorf( Siegerland) kam es nach einer Tanzfestlichkeit zu einer großen Schlägerei, an der sich über 40 junge Leute beteiligten. Mehrere Personen wurden schwer verletzt, ein 17jähriger Bursche blieb als Leiche auf dem Plate. Erst der Gendarmerie gelang es, die Kämpfenden zu zerstreuen und einige der Anführer zu verhaften.

Doch auch den nächsten Tag erschien der hübsche Ita­liener nicht in der Schule. Der Inspektor erstattete nun bei der Polizei Anzeige von seinem Verschwinden, aber auch die Polizei, die nach ihm suchte, vermochte keine Spur von ihm zu finden.

Blutiger Kampf mit Fischräubern. Bei einem Kampfe zwischen dem kanadischen Fischereiinspektor in Ontario und amerikanischen Fischräubern, der auf dem oberen Niagara­fluß stattfand, wurde ein Räuber erschossen, die übrigen entkamen mit dem Leichnam des Erschossenen und ihrer Beute an das amerikanische Ufer.

Selbstmord eines Ehepaares. Ein trauriges Familien­drama spielte sich gestern vormittag in dem Hanse Goßler­straße 31 in Berlin ab. Der Tapezierer Otto Rückert. der ebenso wie seine Frau schon seit einiger Zeit nervenfrant war, erhängte sich in seiner Wohnung, während seine Frau vom Balkon auf die Straße hinabsprang. Sterbend wurde sie nach dem Krankenhause gebracht.

Während einiger Tage glaubte man immer noch, daß er wiederkommen würde, als dann aber diese Annahme sich nicht bestätigte, konnte man nichts anderes vermuten, als daß er irgendwo verunglückt sei. Große Aufregung verursachte sein Verschwinden nicht, da er keine Ange­hörigen und, wie es schien, auch keine Bekannten in Wien besaß.

Wissenschaft, Kunst und Literatur.

Der Urmensch der neuen Welt. In Argentinien sollen jüngst ein Skelett und ein Schädel eines amerikanischen Urmensen entdeckt worden sein, und zwar von Professor Ameghino, dem bereits früher ähnliche Funde aealückt sind. Der Fundort gehört dem Tertiär an Der eine Schädel um den es sich handelt, hat eine solche Form, daß Professor Ameghino zuerst glaubte, es hanle sich um eine Benn staltung, wie sie einige amerikanische Völker am Schädel vornehmen. Ein zweiter Schädel bewies iedoch. daß diese Annahme nicht berechtigt set. Nach dem Schädel zu urteilen, ähnelte dieser südamerikanische Urmensch, der homo pants paeus", sehr den Affen der neuen Welt. Er ist sehr breit und zeichnet sich durch den Mangel der Stirn aus, so daß er. von der Seite betrachtet, beinahe dreieckig aussteht; dabei ist er sehr hoch. Das Geficht ist sehr groß, die Kiefer stark und die Augenhöhlen größer. als hei allen bisher bekannten Menschenschädeln; die Nasenöffnung ist sehr groß. Kiefer und Kinn gleichen denen des jetzigen Meu= schen. Professor Serai behauptet. dies set der älteste Mensch, deffen Reste mon bisher aufgefunden habe.

Es war geradezu auffallend, wie allein dieser junge Mensch in der Welt gestanden haben mußte. Kein Freund meldete sich, um nach seinem Verbleiben zu forschen. In der Wilson- Scool war sein Platz rasch ausgefüllt, aber nicht so in Baulas Gedanken. Trotzdem sie nur wenige Stunden bei ihm gehabt, hatte sie doch ein starfes Inter­esse für ihn gefaßt, sodaß sein Verschwinden sie ernsthaft bekümmerte.

Immer von neuem grübeste sie darüber nach, wo er wohl geblieben sein mochte, wo sie ging und stand, sah sie ein schmales blasses Gesicht mit dem eigentümlich ge­heimnisvollen Lächeln des Südländers vor Augen. Und wenn sie sich seine Züge so recht vergegenwärtigte, dann tauchte auch stets wieder die Frage in ihrem Kopi auf: ,, Wo habe ich dies Gesicht früher schon gesehen?"

Aus den Gerichtssalem.

Darf ein Radfahrer sein Fahrrad auf einem Bürgers steige fortschieben? In fast allen Orten besteht eine polizet­liche Vorschrift, nach welcher Radfahrer auf Bürgersteigen und anderen Fußwegen nicht fahren dürfen. Schon oft sid auch Strafverfügungen dann ergangen, wenn der Rad­fahrer nicht auf dem Rade saß, sondern dieses auf dem Fußsteig an der Hand führte. Mehrfach haben die Gerichte Strafverfügungen auch in diesen Fällen als zu Recht er­gangen anerkannt. Jetzt hat nun aber ein so Bestrafter als weitere Instanz das Kammergericht angerufen, und dieses hat der Revision auch wirklich stattgegeben und die Sache zu erneuter Verhandlung an die Straffammer zu= rückverwiesen, denn ein Fahrrad auf dem Bürgersteige fortschieben, sei etwas ganz anderes als auf dem Rade sitzend auf dem Bürgersteig zu fahren.

Die Phantasie wob ihr lauter phantastische Schleier um diesen Menschen, die sie vergeblich zu durchdringen versuchte, er wurde ihr förmlich zu einer Romangestalt. Auch an diesem Vormittag beschäftigten sich ihre Gedanken wieder einmal mit ihm. Sie hatte schon am Morger schon mehrere Stunden in ihrem Atelier gemalt, dann aber aufhören müssen, weil es dort oben zu falt war.

Da ihre Auswärterin jedoch ausgegangen war und erst in zwei bis drei Stunden zurückkehren würde, um zum zweitenmal in dem Atelier zu heizen, so blieb ihr nichts übrig als einstweilen zu feiern. Tätige, an regel­mäßiges Arbeiten gewöhnte Perfon, wie sie eine war, ver­tragen solche unfreiwillige Muße schlecht. So saß sie denn in ihren Wohnzimmer, dem sie durch allerlei dekorativen Auspuh in Gestalt von Teppichen, Stickereien, Bildern

Von den Rechten der Geschworenen. Eine für das Ver­fahren vor dem Schwurgerichte wichtige Entscheidung hati soeben das Reichsgericht gefällt. Vom Schwurgerichte Hams burg ist am 13. Dezember v. J. der Tischler und Mater Engen Wyts wegen versuchten schweren Diebstahls and Totschlagsversuchs zu acht Jahren Zuchthaus verurteilt worden. Auf seine Revision hob das Reichsgericht das Urteil auf und verwies die Sache an das Schwurgericht zurück. Zur Aufhebung führten zwei prozessuale Beschwer­den. Mit Recht sei gerügt worden, daß nicht genügend nach dem Aufenthaltsorte azweier italienischer Händler, die nach Italien abgereist sein sollen, geforscht worden sei. Begründet sei aber auch die Rüge bezüglich der Geschwo­renen gewesen. Es hatte sich darum gehandelt, ob die Ge­schworenen die Vernehmung eines Sachverständigen für erforderlich hielten. Der Gerichtshof hatte die Geschwore nen veranlaßt. sich ins Beratungszimmer zurückzuziehen und sich darüber schlüssig zu machen. Das Reichsgericht erklärte dieses Verfahren für durchaus unvereinbar mit dem Geiste der Strafprozeßordnung. Erst wenn die Be­weisaufnahme an Ende geführt und die Belehrung der

und fremdländischen Nippes sein spießbürgerliches Aus­sehen genommen, und langweilte und ärgerte sich.

Wie schlecht es ihr doch eigentlich erging troß ihres künstlerischen Rufes und ihrer guten Einnahmen! Sie hat­te, als sie in Düsseldorf die Malerakademie besuchte, ei­nen jungen Arzt kennen gelernt, der sie während einer schweren Krankheit behandelte und der dann ihre Liebe gewann. Sie heirateten, doch wer die Ehe eine sehr un­glückliche, woran zum großen Teil die schlechten pekuniären Verhältnisse des Gatten die Schuld trugen.

Außerdem nahm es Paula ihrem Mann übel, daß er von ihr der Künstlerin verlangte, sie sollte sich einschränten und sich um die Wirtschaft bekümmern, und ihn wieder­um reizte ihre beständige Eifersucht. Sie wollte es gar nicht begreifen, daß sein Beruf ihn nötigte, nicht nur Männer, sondern auch Frauen zu behandeln, faum eine Ba­tientin tam ins Haus, um derenwillen sie ihm nicht eine Eifersuchtsszene machte. Infolgedessen kam er in seiner Praxis zurück statt vorwärts und die Not zog bei dem Ehepaar ein.

Knapp war es von vornherein bei ihnen zugegangen, eine fleißige sparsame Hausfrau hätte es aber froßdem fertig gebracht, eine gewisse Behaglichkeit in dem Haus­wesen zu schaffen, während Paula, die es für ihrer un­würdig hielt, sich mit Kochen und Staubwischen zu be­schäftigen, die Dinge gehen ließ, wie sie eben wollten. Wenn der Mann müde und hungrig mittags nach Hause fam, fand er seine Frau in nachlässiger Toilette vor der Staffelei siken im unausgeräumten Zimmer und mußte sich entweder mit einer Flasche Bier und einem Käsebrot begnügen oder ins Gasthaus essen gehen.

Natürlich gab es dann heftige Szenen, die umjomehr ausarteten, als beide Gatten nicht zu den sanften und ge­duldigen Naturen gehörten.

Ich möchte wohl wissen, wovon Du so müde bist," pflegte Paula zu sagen, Du hast ja teine Bragis."

Schlecht genug ist sie allerdings, denn da ich Danten nicht behandeln darf gab er zurück so muß ich mich mit der schlechtest zahlenden Armeleutekundschaft begnügen. Nicht genug damit, daß Du mir meine Praxis verdorben hast, sorgst Du nicht einmal dafür, daß ich einen Löffel tvarme Suppe finde." ( Fortsetzung folgt.)

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