Einzelbild herunterladen

et

ift

min

r

T

DESES=

n

2

11

11

Te

e=

as

ge

これ

I-

=

18

t;

11

11

10

ie

da

e?

de

011

er

ei

e.

Bal

viel Leichen sich in dem Wagen erster Klasse befinden, der unter der Eisdecke des Spanischen Flusses liegt. Die mei ften Opfer hat der Brand der Wagen auf der Brücke ge­fordert.

Die streitbaren englischen Frauen. Ein eigenartiges Mittel, um den von den Suffragettes vielgeplagten Mi­nister des Innern noch mehr zu plagen, hat Lady Con­stance Lytton ersonnen. Sie war wegen Ausschreitungen in Newcastle zu einer Gefängnisstrafe verurteilt worden, wurde aber vor ihrer Zeit entlassen mit der Begründung, daß sie an Herzschwäche leide. Lady Constance bestritt dies auf das energischste und behauptete, daß die Behörden fie infolge ihres Rangs und ihres Titels nachsichtiger als ihre von der Geburt weniger begünstigten Gesinnungsge­nossinen behandelten. Mit aller Entschiedenheit bemühte fie sich somit um das Privilegium, im Gefängnis bleiben zu können. Die Behörde leugnete jedoch, daß sie infolge ihrer angesehenen gesellschaftlichen Stellung ent­Tassen worden sei und bestand darauf, daß dies nur aus gesundheitlichen Rücksichten geschehen sei. Und somit wurde ber bedauernswerten Lady der Schmerz zuteil, daß sie wider ihren Willen in Freiheit gefeßt wurde. Doch Laoh Constance wußte Rat. Sie kleidete sich wie eine Arbeiterin, verübte in Liverpool wiederum Unfug, wurde verhaftet, nannte sich Miß Jane Warton und wurde als solche ver­urteilt. Nun hatte sie die Freude, wieder das Märtyrertum auf sich genommen zu haben, sie wurde durch den Nasen­Schlauch gefüttert und genoß alle anderen ähnlichen Gefäng­nisunterhaltungen. Diesmal war von Herzschwäche keine Rede und es gelang der Dame, ihre Anonymität bis jetzt zu wahren, d. h. fast bis zum Ende ihrer Strafe, denn am Samstag wird sie freigelassen. Laut ist ihr Triumph­geschrei, daß sie und nicht der Minister im Rechte war.

Dank des Reichskanzlers. Ein Forster Bürger, der ein Kleines Besitztum am Waldesrande hat. hatte dem Reichs­fanzler aus Anlaß des Jahreswechsels einen in Versen ab­gefaßten Glückwunsch zugehen lassen. Daraufhin ist dem schlichten Manne, der seinen Mitteln entsprechend, eifriger Geweihsammler ist, vom Reichskanzler ein prächtiges Hirsch= geweih mit folgendem freundlichen Widmungsschreiben zu­gegangen: Ihre Verse und Ihre guten Neujahrswünsche haben mich aufrichtig gefreut. Ich danke Ihnen herzlich und bitte Sie, das betfolgende Geweth eines Hohen- Finower Damhirsches an die Wand Ihres Hauses am Walde zu hängen. Ich sehe, daß Sie Waldesluft und schöne Natur mit ebensolcher Freude genießen wie ich und wünsche Ih­nen nur, daß Ihnen Ihr Beruf dafür mehr Zeit übrig läßt als mir der meinige. v. Bethmann Hollweg."

Das Testament auf der eigenen Haut. Die Erbschafts­behörden Merifos wurden fürzlich durch einen einzigartigen Fall in peinliche Verlegenheit gebracht. Ein alter Sonder­Iing hatte sich das Vergnügen gemacht, sich im Jahre 1902 sein Testament auf die eigene Brust zu tätomteren. Das Gesetz bestimmt, daß jedes Testament etgenhändig geschrie­ben und unterschrieben sein muß, aber die Möglichkeit tätowierter Testamente hatten die mexikanischen Gesetzgeber nicht vorausgeahnt. Die Richter gerieten in schwere Ge­wissensnöte; wie war es dem verblichenen Oiginal mög= lich gewesen, sich selbst zu tätowieren? Nach langen Be­ratungen und Besprechungen mit dem Justizminister wurde schließlich beschloffen, vor der Entscheidung erst einmal die Erbmasse festzustellen. Da zeigte es sich, daß der Alte, den man für einen Millionär gehalten hatte, nicht einen Gent hinterlassen hatte. Er war zu Lebzeiten ein Feind der Justiz gewesen, aber daß sein Scherz so gut gelingen würde, hätte er wohl kaum vorausgeahnt.

Straßenreiniger mit Masken. Das Hygienedeparte­ment der Stadt Neuyork hat füngst allen städtischen Stra= Benkehrern eine Art Maske geliefert, die fast genau so aus­fieht wie ein Maulkorb. Durch eine vor kurzem veran= staltete Untersuchung war nämlich festgestellt worden, daß die Straßenfehrer mehr als irgend eine andere Kategorie von Arbeitern ansteckenden Krankheiten und vor allem Bungenkrankheiten unterworfen sid. Durch die hygienische Maske" hofft man so viel wie möglich gegen die Ansteckungs­gefahr sie schüßen zu können. Die Maske schützt den Mund und die Nase vor dem Eindringen von Staub.

Bandalismus bei Polarexpeditionen. Die Polargebiete find, wie man erwarten kann, nicht gerade reich an Tier­arten. Dafür sind in der Arktis wie in der Antarktis einige sehr ansehnliche Säugetiere, die sonst auf der Erde nicht zu finden sind, in erheblicher und zuweilen erstaun­Itch großer Zahl vertreten oder vertreten gewesen. Lei­der haben unter den Robben, See- Elefanten, Walrossen usw. Habgierige Menschen schon furchtbar gewütet und aanze Hekatomben dieser merkwürdigen Geschöpfe zur Strecke ge= bracht, um von ihren Körpern Pelze und Tran zu ge= winnen. Immerhin haben diese Verwüstungen sich auf die Gebiete beschränkt, die verhältnismäßig leicht auf Schiffen zu erreichen sind. Seit einiger Zeit ist aber auch eine andere Art von Jagdexpeditionen" nach Nordpolargegen­den beinahe Mode geworden, und Dr. Emil Böse macht in Petermanns Mitteilungen darauf aufmerksam, daß diese Unternehmungen eine wirkliche Gefahr des Aussterbens über wertvolle und bereits selten gewordene Tierbestände heraufbeschworen haben. So soll die Ervedition von Peary über 100 Moschusochsen umgebracht haben, ohne daß ein Nahrungsmangel als Veranlassung oder Rechtfertigung anerkannt werden kann. Dafür hat der Bericht eines Be= gleiters von Peary, George Borup, Zeugnis abgelegt. Was dert von der Jagd auf Moschusochsen erzählt wird, ist allerdings nicht besser als eine Schlächterei, und doch han­delt es sich um eine Tierart, von der jetzt vielleicht nur roch einige Hundert am Leben sind und zu deren fünst­licher Erhaltung bereits Schritte getan worden sind. Von diesen, außerdem noch schönen Geschöpfen, tötete die Ex­pedition Peary auf vier Jagdzügen allein 47 Stück, und dann wurden aus reiner Mordlust noch in weiteren vier Tagen 72 Walrose umgebracht. Und sollte es wirklich wahr sein, daß Pearn diese" Jagd" begünstigt habe, um späteren Forschern die Reise nach dem Nordpol zu er= schweren?

Vergiftete Säuglinge. In Deutschland sterben jährlich 400 000 Kinder, noch bevor sie das erste Lebensjahr vollendet haben. Die Säuglingssterblichkeit beträgt in Schweden 9%, in Schottland 12%, in Deutschland dagegen über 20%, ia in einigen Fabrikstädten 35%. Das ist eine wahrhast grauenhafte Ziffer. zumal wenn man bedenkt, daß der größte Teil der Kinder lebenskräftig zur Welt kommt. Momentan ist die Fürsorge für die kleinen ja sehr af= tuell, überall werden Säuglingsheime errichtet, wird in Wort und Schrift Shutz den Kindern gepredigt. Auf einen " Schutz" ist bis jetzt aber vergeblich hingewiesen worden, nämlich auf den Schutz gegen Vergiftung der Säuglinge. Nicht absichtlich werden die Kleinen vergiftet, sondern aus Zeichtsinn und Faulheit. Um die Kinder zu beruhigen, wird ihnen, ganz abgesehen von Schnaps und Bier, der berüchtigte Schlaf-, Mohn- oder Kindertee bezw.-Syrup eingegeben. Die unreifen Mohnkapseln, deren Verbrauch in Bayern viele hundert Zentner pro Jahr beträgt, enthalten In ihrem Milchsaft Opium. Dagegen sind kleine Kinder äußerst empfindlich. So kommen auf 377 tödliche Opium­vergiftungen von Kindern 170 auf Kinder unter einem Jahr und 203 auf Kinder unter fünf Jahren. Nicht nur als Schlafmittel, sondern auch gegen Krämpfe und Husten werden die Schlafmohnpräparate gereicht. Von allen Län= dern steht Deutschland im Konsum der unreifen Mohn­lapseln an der Spite. Soweit bis jetzt bekannt, sind es ramentlich die durchweg kinderreichen Industriebezirke, wie das Rheinland, wo der Konsum der Mohnpräparate und die Kindersterblichkeit am höchsten sind. Jedenfalls ist ficher, daß der Unfug mit diesen Präparaten, die in den unteren Volksschichten, besonders dort, wo man fremde

Kinder in Kost hat, allgemein benutzt werden, vielen Säng= Ingen das Leben foftete und noch kostet. Der Handel mit den todbringenden Tees und Mixturen wäre ein wichtiger Punkt, auf den die Säuglingsfürsorgebestrebungen ihr Au­genmerk richten sollten. Die freie Abgabe des Mohn- Tees" usw. müßte verboten und die Droge, wie in der Schweiz, nur gegen ärztliches Rezept verabfolgt werden.

Was kostet ein Kuß? Vor dem Gericht von Louisville in den Vereinigten Staaten erschien fürzlich der achtzehn Jahre alte Leo Bedford unter der Anklage, dem sechzehnt­jährigen Fräulein Ethel Scoggins einen Kuß geraubt zu haben. Ich bin ihm neulich abends begegnet," erzählte die fleine Klägerin dem Richter, da hat er einfach seine Arme rm meinen Hals gelegt und mich mitten auf den Mund ge= füßt. Das war das erste Mal, daß ein junger Mann mich gefüßt hat. Es flößte mir äußerstes Entseßen ein." Und dauert dieses Entsetzen immer noch fort?" fragte der Rich­ter. Nein. Herr Präsident!" erwiderte die Kleine errötend. Dann war der Kuß wohl nicht so bitter," meinte der Rich= ter, und eine Geldstrafe von fünf Dollars wird wohl de­nügen. Zumal man bedenken muß, daß die Versuchung für den fungen Bedford wirklich sehr arok war.

Crottendorf und der Hundefleischkonsum. Ein Ver­treter des Londoner ,, Daily Chronicle" hat bekanntlich auf Grund angeblicher Lokalstudien in seinem Blatte be­hauptet, die Bewohner des erzgebirgischen Ortes Grotten­dorf seien enragierte Hundefletschkonsumenten, der Not ge­horchend, nicht dem eigenen Triebe. Die zur konservativen Seite neigenden englischen Wähler sollten in dieser Schil­berung schaudernd erkennen, zu welchem Ende die Schuß­politik führen könne. Sehr begreiflich, daß Crottendorf für die Ehre dankt, im englischen Wahlkampf diese Rolle des hundefleischessenden Schreckgespenstes zu spielen. So beröffentlicht denn die ,, Crottendorfer 3tg." elne Erklärung, die ihr ,, von amtlicher Seite", also wohl vom Bürgermeister zugegangen ist. Darin heißt es: Dem genannten eng­lischen Blatte ist ein ,, Crottendorfer Anzeiger" in die Hände gekommen. in welchem Pferde- und Hundefleisch von einem hiesigen Pferdeschlächter angeboten wurde. Es wird zuge­geben, daß dieses Inserat tatsächlich erfolgt ist, und daß auch Pferde- und Hundefleisch von ärmeren hiesigen Gin wohnern, wie dies zweifellos auch in Orten Englands der Fall ist, ab und zu gegessen wird. Daß aber Grottendorfer Einwohner ausschließlich von Pierde-, Hunde- und Katzen­fleisch leben, ist eine englisch- liberale Lüge; derjenige, der diesen Blödsinn glaubt, gehört zu denen, die nicht alle werden." Als Kommentar zu dieser Erklärung gibt dann die ,, Grottendorfer 3tg." dem englischen Verfasser des Stan­bafberichtes" den Rat, nicht nochmals eine Reise ins Erz­gebirge zu unternehmen, weil die jedenfalls sehr tätigen Männer des Erzgebirges von ihren derben Fäusten aus­giebigen Gebrauch machen würden, um ihm sein nichts­würdiges Gebaren gründlich zu vergelten."

Die Verbrechervoflame in den Morifer Reitungen hat nun auch in der Pariser Presse selbst einen entrüsteten Protest hervorgerufen. Der Gil Blas" veröffentlicht einem offenen Brief an den Ministerpräsidenten, den Po­lizeipräfekten und die Leiter der vier Hauptsensations= zeitungen ,,, Matin" ,,, Journal" ,,, Petit Journal" und Be­tit Parisien", worin auf eine Einschränkung dieser Mör derverherrlichung dieser Portraits von Apachen und ihrer Dirnen, von photographischen Greuelszenen u. f. 1: ge­drungen wird. Es handle sich um eine Maßnahme der mo­ralischen Hygiene und gleichzeitig um einen Versuch, den Geschmack des Publikums zu läutern. Das Blatt bringt auch gleichzeitig eine gelungene Zeichnung zur Kommen­tierung dieses Aufrufes: eine Dirne, die einem jungen Apachen verächtlich sagte: ,, Na, wann wirst Du denn end­lich Dein Bild in den Beitungen haben?"

Ein pensionierter Vierfüßler, Seit Jahren konnte man auf den Bahnhöfen Londons einen schönen, flugblickenden Schäferhund bemerken, der mit offenkundigem Stolz eine Sammelbüchse trug. Sobald iemand Miene machte, seine Börse hervorzuziehen, blieb der Hund erwartungsvoll auf­schauend, vor ihm stehen. Ein beredtes Schweifwedeln dank­te dem freundlichen Spender, und aufmerksam hielt das in­telligente Tier weiter Umschau. Jeder Einheimische wußte, daß der Hund für die Witwen und Waisen der Londoner Nordwest- Eisenbahn- Angestellten sammelte. Vor kurzem hatte Brum", der nach vollbrachtem Tagewerk oft bedeut= tende Summen ablieferte, einen Unfall erlitten, von dessen Folgen er sich nicht mehr zu erholen scheint. Da das Tier zu schwach geblieben ist, um sein Amt im Dienste der Wohl= tätigkeit weiter auszuüben, hat man jetzt seine Pensionie­rung" öffentlich bekannt gegeben.

Eine Bauernfängerkomödie.

Der neue Türkenkönig", der falsche Kriminalbeamte und der gerupfte Provinziale spielten eine Rolle in einer Bauernfängergeschichte, die gestern die zweite Straffammer des Berliner Landgerichts I mehrere Stunden hindurch be= schäftigte. Unter der Anklage des Betrugs bezw. der Be­günstigung hatten sich der Kellner Strothmann. der Kellner Kohn, der Möbelpolier Brodtke und der Koch Emde zu ver­antworten. Dieses Quartett hatte am 23. November ein Bauernfängerstückchen nach der bekannten Schablone ausge= führt. Ein Hausdiener Grundmann war aus Sachsen auf dem Anhalter Bahnhof angekommen, um sich in Berlin eine Stelle zu suchen. Er hatte seine Ersparnisse in Höhe von 150 Mark mitgenommen und dachte, es könne ihm an Erfolg in Berlin gar nicht fehlen. Auf der Straße begann Kohn mit thm ein Gespräch mit der geistreichen Bemerkung, daß in Berlin nicht so viel Schnee liege, wie in Leipzig. Grund­mann, ein 17jähriger Mensch, war froh, einen engeren Landsmann begrüßen zu können, und folgte dessen Auffor­derung, zusammen ein Glas Vier zu trinken. Bald gesellte fich auch Strothmann hinzu, und dann führten beide den Provinzialen nach einem Lokal in der Wassertorstraße, wo sie ihn mit Weißbier bekannt machen wollten. An einem Nebentisch saß ein Fremder, der Paul Brodtke gewesen sein soll, und las eine Zeitung. Als er diese weglegte, bat Kohnt um die Zeitung und griff gleich danach. 3ufällig" fiel aus der Zeitung dabei ein Spiel Karten heraus. Nun gesellte sich Brodtke, der sich als Fettviehhändler aus Hamburg vor­stellte, zu den übrigen und unterhielt sie durch allerlei possierliche Kartenkunststücke, die dann in das bekannte Kümmelblättchen" übergingen. Kohn sette zweimal je 100 Mark und gewann; schließlich ging der scheinbare Gewinst aber wieder verloren. Grundmann wurde durch die hohen Gewinne gereizt. auch zu setzen. Anfänglich gewann Herz­fönig auch für ihn, bald aber ließ er ihn schmählich im Stich, und Grundmann hatte in furzer Zeit 100 Mark verloren. Strothmann empfahl sich dann auffallend schnell. Brodtke erklärte dem G., daß er schleunigst nach Hamburg abfahren müsse, um nach seinem Vieh zu sehen, und versprach, daß er ihm sein Geld zurückgeben würde, wenn jener in zwei Ta= gen ihm nach Hamburg folgen und bei ihm eine Stellung annehmen würde. Kohn blieb noch und nahm dem jungen Mann privatim noch 15 Mark ab unter dem Vorgeben, er wolle schleunigst nach Wien an seinen reichen Vater telegra= phieren, um sich und den G. wieder flott zu machen". Auf dem Wege zum Telegraphenamte gesellte sich plöblich Emde zu dem G., der auf Kohn wartete. Diesem erzählte G. sein Abenteuer, und Emde versprach ihm seine Hilfe zur Wieder­erlangung des Geldes, indem er den Kriminalbeamten spiel­te und erklärte, daß G. Bauernfängern in die Hände ge= fallen sei. Er lotste" diesen dann aus der Gegend fort, in­dem er erklärte, er habe Unter den Linden Dienst; der neue Türkenkönig komme zum Besuch des Katsers, und es sei sehr wahrscheinlich, daß auch die Bauernfänger dorthin fä­men, um sich den Einzug anzusehen". Grundmann ging Herzensfroh mit dem.Priminalbeamten"; diefer fand in defien

Gelegenheit, plöglich zu ve schwinden. Nun trat aber ein wirklicher Kriminalbeamter in Tätigkeit. Er hatte die Herrschaften" von dem Augenblicke an beobachtet, als sie das Lokal in der Waffertorstraße verließen, und da er als Mit­glied der Bauernfängerpatrouille" seine Pappenheimer kannte, hatte er fie verfolgt. Jett erfuhr er von Grund= mann sein Abenteuer; das vierblättrige Kleeblatt saß bald in Haft. Das Gericht verurteilte Strothmann zu einem Jahr. die übrigen Angeflagten zu je neun Monaten Ge­fängnis.

Tyrannische Testamente.

Schon oft hat der in unserer Natur begründete Wunsch, Menschen, die zu unseren Lebzeiten von uns abhängig sind, auch noch nach unserem Tode, zu ihrem eigenen Besten, unter unseren Willen zu beugen, zu Härte und Ungerechtig­feit geführt. England und die Vereinigten Staaten von Nordamerika sind das klassische Land der tyrannischen Testa­mente. Und gerade die Millionärsfinder sind es, denen dort die Eröffnung des letzten Willens ihrer Eltern häufig die seltsamsten und peinlichsten Ueberraschungen bringt. So ist z. B. merkwürdigerweise jetzt erst das Testament des Mr. G. Mortimer Pullmann eröffnet worden, der durch die Erfindung der nach ihm benannten Schlafwagen zu un geheurem Reichtum gelangte und schon vor einigen Jahren in Chicago starb. Für seine Söhne bedeutet das Testament Mr. Pullmanns eine sehr herbe Enttäuschung. Denn er hat nicht weniger als sechs Millionen und eine halbe öffent­lichen Wohltätigkeitsanstalten der Union vermacht und außerdem seiner Frau, seinen Töchtern und seinen Brüdern und Schwestern recht bedeutende Legate ausgesetzt. Ueber seine Söhne äußert er sich aber in seinem Testamente fol­gendermaßen: ein einziger von meinen Söhnen besitzt das Maß von Verantwortungsgefühl, das, nach meiner Meinung, für den weisen Gebrauch von großen Besißtümern und beträchtlichen Geldsummen notwendig ist. Daher sehe ich mich zu meinem Schmerze veranlaßt, meine lettwilligen Verfügungen inbezug auf sie ganz eng zu begrenzen." Und das Ende vom Liede ist, daß jeder von seinen beiden Söhnen nur eine Jahresrente von 3000 Dollars( 12 000 Mart) erhalten soll, deren Kapital nach ihrem Tode auf ihre Kinder übergeht. Bedenkt man, daß 3000 Dollars in Amerika nicht viel mehr bedeuten als bei uns in Deutschland 3000 Mart, so kann man diesen Millionärserben ein ge wisses Mitleid nicht versagen. In Rochester in England hat Mrs. Sarah Smith türzlich ihre älteste Tochter int Testamente von ihrer, im ganzen etwa zwei Millionen Mr. betragenden, Erbschaft ausgeschlossen, weil diese Tochter einer religiösen Schwestergemeinschaft, gegen ihren Willen, beigetreten war. Sie schreibt in ihrem Testament: ,, Wer Mitglied einer Schwestergemeinschaft ist, hat nach meiner Erfahrung feine Gelegenheit, Geld zu anderem Zwecke als zum Vorteile der Schwesternschaft auszugeben, und das ent spricht nicht meinen Wünschen." Auch jeder ihrer übrigen Töchter droht sie mit gänzlicher Enterbung, wenn sie sich einer religiösen Gemeinschaft, sei es eine protestantische oder eine katholische, anschließen sollten.

Der Draht übermittelt uns heute noch folgende Mel­bungen:

Baris, 26. Januar. Das Hochwasser der Marne bei Alfortville erreichte teilweise die erste Etage der Häuser. Seit heute vormittag find 3000 Personen auf Booten ge­rettet worden, 3000 fonnten sich selbst retten, 10 000 Ber sonen sind noch zu bergen. Zwei Greisinnen sind er­trunken; auch zwei Straßenarbeiter werden vermißt. Stren ge Maßnahmen werden gegen die Plünderer getroffen, die auf Kähnen unter dem Vorwand, sich an den Rettungs­arbeiten zu beteiligen, die Straßen durchfahren.

Paris, 26. Januar. Die von der Presse veranstaltete Sammlung hat bis heute abend 248 000 Francs ergeben. Außerdem sind zahlreiche Privatbeiträge gezahlt worden. Aus der Provinz laufen noch immer ungünstige Nachrichten über Ueberschwemmungen ein. In Havre haben sich viele Schiffe wegen des herrschenden Sturmes in den Hafen ge­flüchtet. Auch die Rhone steigt noch weiter.

Drabtnachrichten und Deaestes.

Stiftungen der Stadt Berlin.

Berlin, 26. Januar. Die Stadtverordnetenversamm­lung lehnte die Bewilligung von 10 000 M für die Heils­armee ab und genehmigte für Zwecke der Schulzahnpflege 30 000 M.

Sturz aus dem Personenzuge.

Berlin, 26. Januar. In der Nähe von Gransee stürzte gestern abend aus dem in voller Fahrt befindlichen Personenzug Neustrelitz- Berlin ein achtjähriges Mädchen auf das Gleis. Das Kind wurde mit schweren Verlegungen in das Berliner Chariteekrankenhaus eingeliefert.

Die Wahlen in England.

London, 26. Januar. Bis 12% Uhr nachts waren ge­wählt 238 Unionisten, 213 Liberale, 30 Arbeiterparteiler und 71 Nationalisten. Die Unionisten gewannen bisher 112 Size und die Liberalen 15 Site. Die Arbeiterpartei gewann einen Sitz.

o

Der Mörder des Fleischerlehrlings.

Dresden, 26. Januar. Ein 20jähriger Dienstknecht, der dieser Tage wegen eines Einbruchsdiebstahls verhaftet wurde, hat ein Geständnis abgelegt, am Abend des 20. No­vember v. J. den Fleischerlehrling Hölsch auf der Land­straße bei Opersbach mit einem Stein erschlagen und das von ihm einkassierte Geld geraubt zu haben. Wegen der Mordtat waren bereits verschiedene Personen unschuldig in Untersuchungshaft genommen worden.

Bou einer Lawine verschüttet. Bellinzona( Schweiz), 26. Januar. Im Forcolla- Paß zwischen dem Misertal und Chiavenna wurden sieben Schmuggler von einer Lawine überrascht. Sechs von ihnen wurden fortgerissen; einer fonnte sich retten.

Waffen- und Munitionsdiebstahl.

Wien, 26. Januar. In dem montenegrinischen Orte Geflin kam man großen Waffen- und Munitionsdiebstählen auf die Spur. Die Täter konnten bisher nicht ermittelt werden. Zahlreiche Verhaftungen wurden vorgenommen. In Cetinje herrscht große Aufregung, da eine neue Ver­schwörung befürchtet wird. Ceflin galt bisher als ein der Dynastie trenes Dorf. Die Verhafteten leugnen jede Schuld.

Prozeß gegen den Fleischtrust.

Neuhort, 26. Januar. In Chicago ist jetzt eine große Jury gebildet worden, vor der, wie mit größter Bestimmt heit verlautet, der Prozeß gegen den Fleischtrust geführt werden soll. Richter Leandis, der im vorigen Jahre die Standard Oil Company zu einer Geldstrafe von 29 Mil­lionen Dollar verurteilte, wird den Vorsitz führen. Auch gegen die andern großen Trusts soll nach einer halbamt­lichen Mitteilung aus dem weißen Hause auf gerichtlichent Wege vorgegangen werden. Vor allem habe die Regierung den Stahltrust im Auge. Seit Wochen werde das Material für die Anklage gegen den Stahltrust vorbereitet. Die Re­gierung wartet aber noch ab, wie das Urteil des höchstert Gerichtshofes in Sachen der Standard Oil Company und des Tabaktrusts ausfällt. Nur wenn diese Entscheidung sich auf den Standpunkt der Regierung stellt, wird sie ihr Vorgehen gegen den Stahltrust durchführen.

Handel und Verkehr.

Gaffel, 25. Januar. Weizen( 100 Kilogramm) 22,00 bis 22,50 M. Roggen( 100 Kilogramm) 15,75-16,50 M. Hafer 100 Kilogramm) 15,50-16.75 M.