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peuation soll einen Fall im Auge haben, bei dem ein Be­

Gute Ratschläge für den Geschäftskauf. amter, der im nationalliberalen Sinne agitatoriſch tätig

Mancher, der sich orientiert über alles dünkt, so plaidiert W. Gallrein in der ,, Deutschen Konfektion", wird bei der ersten besten Gelegenheit übers Ohr gehauen. Nehmen wir einen Geschäftskauf an. Der Käufer, ein früherer Ange­stellter, tritt mit irgend einem Geschäftsinhaber in Verbin­dung. Die Bücher! Aber gewiß, hier können Sie sich über­zeugen, daß im letzten Jahre ein Umsaß von soundsoviel Tausend erzielt wurde, dem ein Reingewinn von soundso­biel entspricht. Die Angaben stimmen aufs Haar. Noch einige Fragen, und nach einigen Tagen wird der Kauf perfekt. Der Umsaß stimmt ja, das Geschäft geht, also fertig. Bald aber kommt das dicke Ende nach. Die Kassen­eingänge sind recht minimale, sie wollen gar nicht recht mit dem gezeigten Jahresumsat stimmen. Nun erst werden frü­here Jahresabschlüsse zum Vergleich herangezogen, und da zeigt es sich, daß der lezte Umsat frisiert wurde, ohne Er taß der frühere Inhaber sich strafbar gemacht hat. trieb einfach alle außenstehenden Forderungen schnell ein, indem er seinen Kunden Abzüge gestattete, wenn sie bis zu einem bestimmten Termin zahlten. Einige große Abschlüsse zu ganz niedrigen Preisen gegen Barzahlung schrauben den Umfak noch um ein paar Tausend höher, und der Zweck ist erreicht. Und das Resultat: Käufer, seht euch unter anderem möglichst die letzten vier Jahresabschlüsse an.

Ein anderer Fall. Ein kleiner Laden fagen wir Schokoladengeschäft foll getauft werden. Der Käufer sieht sich ebenfalls die Tageskasse an: ein großartiger Um­jag; man vergleicht sogar die letzten drei bis vier Jahre, alles stimmt. Jedenfalls sind es Tageseinnahmen, die unbedingt dem Kaufpreise des Geschäfts entsprechen. Also auch dieser Kauf, wird perfekt. Wiederum ist der Käufer gepreflthier liegt der Fall nun so: Der Ehemann ist tagsüber in einer großen Fabrik angestellt, man fann es ihm gar nicht übelnehmen, wenn er täglich Ware mit­nimmt und an seine Mitarbeiter, hauptsächlich aber an die Arbeiterinnen, verkauft. Der Umsaß am Zahltag und bor Festtagen ist mit der Zeit ein ziemlich bedeutender ge­worden und die Tageskassen zeigen erfreuliche Höhen. Aber ber neue Inhaber, der lediglich auf die Laufkundschaft an­gewiesen ist, kann unter Umständen gar nicht existieren und ist um seine vielleicht sauer verdienten Groschen betrogen worden.

Man merke sich diese Fälle aus dem Leben; wer weiß, wie bald man seine Vorteile daraus ziehen kann.

Rundschau vom Cage.

Politisches.

war, vom Regierungspräsidenten gemaßregelt worden setn soll.

Amerikanisch- deutsche Zollverhandlungen. Wie verlautet, beabsichtigt die amerikanische Regierung, eine besondere Kommission zur Besprechung der Zolltariffragen nach Ber lin zu entsenden. Diese Absicht soll der deutschen Regierung bereits am Sonnabend mitgeteilt worden sein. Wie dem New York Herald" aus Washington gemeldet wird, hat das Staatsdepartement beschloffen, vorläufig auf seinen Forderungen in der Fleischfrage nicht zu bestehen, in der Erwägung, daß die hohen amerikanischen Fleischpreise noch weiter gestiegen wären, wenn Deutschland für amerikant­sches Fleisch geöffnet wäre.

Ein Geschenk des Kaisers für den französischen Bot­fchafter Cambon. Der Kaiser hat dem französischen Bot­schafter Cambon eine Bronzemedaille mit seinem Bildnis auf goldbronzenem Sockel überreicht. Der Sockel trägt in französischer Sprache die Inschrift: Der Kaiser dem fran­zöfifchen Botschafter Herrn Jules Cambon am 25. Januar 1910."

Eine weitere deutsche Geldforderung an die russische Re­gierung. Nach einem Telegramm der B. 3. am Mittag" aus Petersburg reichte die Elektrizitätsfirma Siemens und Halske bei den Petersburger Gerichten eine Klage gegen die russische Regierungsverwaltung faukasischer Mineral­wasser auf 300 000 Rubel unbezahlter elektrischer Belench­tungsrechnungen ein.

Das Befinden des Königs Eduard. In der Londoner City zirkulterten gestern ungünstige Nachrichten über das Befinden des Königs. Es verlautet, die übliche Reise nach Biarritz erfolge diesmal später, weil die Aerzte verlang= ten, daß der König vorerst eine Kur in Brighton durch= mache. Amtlich wurde bisher jede nähere Auskunft ver­weigert.

Vom Auswärtigen Amt. Die Nachricht, Staatssekretär von Schoen werden aus seinem Amte scheiden und wünsche sich den Botschafterposten in Paris, wird in ihren beiden Tellen als durchaus falsch bezeichnet. Ebenso wird die Behauptung, daß zwischen den deutschen Botschafter in Wien, Tschirschky, und dem dortigen Minister des Aus­wärtigen, Freiherrn von Mehrenthal, ein Gegensatz bestehe, in das Reich der Fabel verwiesen.

Eine neue Wahlrede Balfours. In einer Rede, die Balfour am Montag für die Unionisten in Haddington Htelt, gab er zu, daß die jetzige Wahl in England nur der erste Kampf in einer Reihe von Kämpfen sei zur Ent­scheidung der schwebenden großen Streitfragen. Die Tarif­reform set unvermeidlich. Die Marine müsse so stark ge= macht werden, daß ein für alle mal alle Befürchtungen vor Kriegen, Invasionen oder Unterbindung des britischen Handels hinfällig würden. Geschähe dies nicht, so müßte England gewärtigen, über kurz oder lang eine diplomatische Demütigung ruhig hinnehmen oder sich ein feindseliges Vorgehen gefallen lassen zu müssen, da es nicht start genug set, sich zu widersetzen.

Gesezentwurf über die Kontrolle des Reichshaushalts.. Nach der Neuen politischen Korrespondenz" ist dem Bundes­rat der Entwurf eines Gefeßes über die Kontrolle des Reichshaushalts zugegangen. Dieser Entwurf will, nicht pie in früheren Jahren, die in Preußen geltenden Vor­schriften ausnahmslos auf das Reich übertragen, sondern zugleich Vereinfachungen auf dem Gebiete der Rechnungs­prüfung bringen, wie sie von vielen Seiten, so auch im Reichstage in letzter Zeit, empfohlen worden sind.

tehen, als dem ersten Mann", der ine egped.eton von Forschern nach einem der Gidpole geführt hat.

And der Frrenanstalt extwichen. Der Oesterreicher Il­nicki, der im Jahre 1904 einen Schuß auf den russischen Ge­sandten von Sadowsky in Bern abgefeuert hatte, ist aus der Irrenanstalt Krakau entkommen. Man befürchtet, daß er neue Attentate begehen könnte. Die Poltzet fahndet nach ihm.

Die marokkanische Schadenersatzklage. Wie aus Tanger gemeldet wird, hat die Entschädigungskommission von Casa­blanca ihre Arbeiten beendet. Eingereicht waren im ganzen 3506 Forderungen. Die Entschädigungsforderungen betra­gen 26 473 366 Franken; bewilligt wurden 18 069 642. Deut­scherseits wurden gefordert 2 469 491, bewilligt wurden 1 297 502 Franken. Die Entschädigungsforderungen, betref= fend die Inbesitznahme von Grundstücken durch die fran= zösischen und spanischen Truppen, belaufen sich auf 61, auf die im ganzen 195 710 Franken bewilligt wurden, wovon 53 171 auf Deutschland entfallen.

v. d. Golz über die Lage. Generaloberst v. d. Goltz, der, wie gemeldet, wieder in Berlin weilt, erklärte dort ' einem Journalisten noch einmal ausdrücklich bezüglich der Gerüchte über Unstimmigkeiten zwischen türkischen und .deutschen Offizieren, daß auch nicht das Geringste an diesen Verlautbarungen zutreffe. Er habe bis zum 12. d. Mts. den Manövern beigewohnt, und es sei ihm eine Freude gewesen, Zeuge des herzlichen Einvernehmens zu sein, das zwischen den Offizieren beider Nationen bestanden habe. Gerade was General Imhoff anbetrifft, so zähle dieser zu ben beliebtesten Instruktoren, und seinem Scheiden aus der türkischen Armee werde schon jetzt mit lebhaftem Be­dauern entgegengesehen. Was die politischen Verhältnisse betreffe, so könne nicht geleugnet werden, daß noch man­herlei Schwierigkeiten zu überwinden seien. Aber er habe bas feste Vertrauen, daß die Regierung ihrer Herr werden wird.

Kleine Nachrichten.

Eifersuchtsdrama. Gestern früh ereignete sich in Neu­aubing bei München ein Eifersuchtsdrama. Die 30jährige Ehefrau eines Werkstättengehilfen gab auf ihren 29jährigen Mann einen Revolverschuß ab, der ihn lebensgefährlich ver­letzte; hterauf tötete fie sich selbst durch einen Revolverschuß. Der achtfache Mörder von Boguslaw gefaßt. In der Boguslawer Mordaffäre wurde, wie wir schon berichteten, ein obdachloser Mann festgenommen, der sich Hartmann nannte, in der Tat aber der ruffische Deferieur mit Namen Wesselowsky war. Die Bel& reibung des Mörders past ziem lich genau auf ihn. Auf eine Ergreifung waren bekannts lich 5000 M Belohnung auspießt.

Der Kaiser und die verschütteten Berglente. Auf Kosten des Baisers findet beute nachmittag im Hotel Rheingold in Wattenscheiō eine kleine Feier für die auf Beche Holland geretteten Bergleute statt. Aus den Kellereien der königl. Schloßverwaltung ist beim Bergamt bereits eine Sendung Wein für dieses Fest eingetroffen.

Maßregelung eines nationalliberalen Beamten? Die nationalliberale Fraktion des preußischen Abgeordneten­hanses hat folgende Interpellation eingebracht: Ist die Königliche Staatsregierung unterrichtet, daß in der Pro­vinz Posen gegen Beamte wegen ihres Eintretens für die nationalliberale Partei amtliche Maßregelungen ergriffen worden sind? Billigt sie diese Maßnahmen?" Die Inter­

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Der Fall Welshofen.

Kriminalroman von M. Kossak.

Ein gutes Beispiel. Der Inhaber der Berliner Firma Rudolf Herzog hat der Kaiserin 10 000 M zur Verfügung gestellt, die nach ihrem Befinden für wohltätige Zwecke Ver­wendung finden sollen. Eine Illumination des Geschäfts­hauses am Geburtstage des Kaisers wird in diesem Jahre daher unterbleiben.

Wissenschaft, Kunst und Literatur.

Bruchstücke einer Chronik des Bistums Fulda, dic bisher unbekannt waren, fanden sich nach der Frff. 3tg." bei Durchsicht von Verwaltungsrechnungen aus dem 17. Jahrhundert in Darmstadt vor. Die noch gut erhaltenen Bergamentteile stammen aus dem 12. Jahrhundert und geben Teile einer Schilderung des dritten Kreuzzuges unter Kaiser Friedrich Rotbart wieder.

Der nächste internationale Eisenbahnkongreß, zu dem bereits zahlreiche Anmeldungen vorliegen, findet Anfang Juli d. J. in Bern statt. Neben der zu bewältigenden Arbeit werden die Teilnehmer auch ein umfangreiches Vergnü­gungsprogramm zu erledigen haben.

" Salome" in London verboten. Richard Strauß' Salome" war, nachdem sie in Berlin, Hamburg, Köln, Wien, Prag und Neuyork gespielt worden ist, für Februar auch in London angekündigt, der Zensor hat jedoch einen Strich durch die Rechnung gemacht und die Aufführung untersagt, weil der biblische Ursprung des Stückes im Verein mit schauspielerischen und Operneffekten geeignet sei, die Moral des britischen Reiches zu erschüttern". Die Presse verhöhnt den Zensor für seine neueste Leistung auf das kräftigste, um so mehr, da ,, Samson und Delila" so= wohl als Herodias" im Conventgarden gespielt wurden.

Maßnahmen gegen die Auschläge auf Eisenbahnzüge. Infolge der häufigen Anschläge auf Eisenbahnzüge im Ruhrgebiet hat der Eisenbahnminister angeordnet, daß ab­gerichtete Polizeihunde zur Aufspürung jener ruchlosen Burschen eingestellt werden sollen.

( Nachdruck verboten.) Am Abend desselben Tages stand Brümmel schon vor ber Gröffnung der Kasse vor der Tür der Kaiserhallen" und spähte eifrig nach den Artisten aus, die dort ein­gingen. Es dauerte auch tatsächlich nicht lange, als ein magerer Mensch mit ledergelber Haut, die bis zum Kinn in einen engen, hechtgrauen Baletot eingeknöpft war, da­her fam. Unter dem Paletot aber lugten drei Hand breit weiß und schwarz karierte Beinkleider hervor. Brümmel schlug das Herz bis zum Halse hinauf, für einen Au­genblick, verschleierte sich sein Blick, sodaß er sich Mühe geben mußte des Mannes Züge seinem Gedächtnis ein­zuprägen.

Das Erbe König Leopolds. Ein Pariser Blatt erfährt, daß der Gesamtnachlaß König Leopolds sich auf 100 Mil­lionen Franken beziffert, und daß man in Belgien daran denke, die vom König der Stadt Koburg gemachte Stiftung für ungültig zu erklären, weil das für diese Stiftung ver­wendete Kapital aus dem Kongo stamme und somit einen Erfolg des belgischen Unternehmungsgeistes darstelle.

Wissen Sie, wer der Mann im hechtgrauen Baletot ist? fragte er den Portier der Kaiserhallen", nachdem jener im Innern des Gebäudes verschwunden war.

,, Das ist der Clown ,, Long- Bell", entgegnete der Por tier. ,, Kennen Sie ihn nicht? Das ist eine außerordentliche Bugkraft der Kaiserhallen". Sie sollten ihn sich ein­

mal ansehen. Da werden Sie lachen."

Eine interessante Schenkung hat der Regierungsprä­sident von Blaul- Nürnberg dem deutschen Museum für Meisterwerke der Technik vermacht. Er überwies ihm das Fernrohr, mit dem der Astronom Simon Marius in Ans­bach vor 300 Jahren den Jupiter zum ersten Male be­obachtet hat. Das Instrument ist 7,2 Meter lang und hat zwei auswechselbare Okulare und Objektive.

Streitbewegung in der vogtländischen Industrie. Eine neue große Streifbewegung ist in der vogtländischen In­dustrie ausgebrochen. Die Arbeiter der Appretur- und Blei­chereibranche sind zum Teil schon ausständig. Eine große Firma hat bereits ihren Betrieb eingestellt, da über 100 Arbeiter feiern.

Das hoffe ich zu tun," gab der Detektiv zurück. Als dann die Vorstellung ausing, saß er an einem. der mittleren Tische, nahe genug der Bühne um alle Vor­gänge gut sehen zu können, aber doch weit genug, um von dieser aus selbst nicht allzu deutlich gesehen werden.

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Eine elektrische Eisenbahn. Wie amtlich mitgeteilt wird, wird mit den Arbeiten zur Elektrisierung der 25,6 Kilometer langen Bahnlinie Dessau- Bitterfeld mit Eintritt des Früjahres begonnen werden. Diese Arbeit ist nur ein Glied der umfangreichen Elektrisierung der Eisenbahnstrecke Magdeburg- Zerbst- Leipzig- Halle a. S. mit zusemmen 154 Kilometer Bahnlänge. Der einfache Wechselstrom von hoher Spannung, der sich auf der Staatsbahnstrecke Blankenese­Ohlsdorf sehr gut bewährt hat, wird auch hier Verwendung finden. Der Betrieb erfolgt durch Wechselstrom- Lokomotiven, denen der Betriebsstrom von 10 000 Volt Spannung mittels Oberleitung zugeführt wird. Die Spannung in der zwei­polig angeordneten Speiseleitung wird 50 000 Volt be­tragen. Das Kraftwerf großen Umfangs wird in dem fünf Kilometer von Bitterfeld entfernten preußischen Dorfe Mul­denstein a. d. Mulde erbaut, wo gute und billige Braun­fohle in ausgiebiger Menge zur Verfügung ist. Die An­lagekosten einschließlich der Beschaffungskosten für die elekt­rischen Lokomotiven werden sich für die Gesamtstrecke auf 26 Millionen Mark belaufen. Die Kosten für die zunächst auszurüstende Teilstrecke Dessau- Bitterfeld find auf zwei Millionen Marf veranschlagt. Der Betrieb soll bereits im kommenden Herbst aufgenommen werden. Vorläufig ist der Bau von vier in Dessau und Bitterfeld zu stationieren­den elektrischen Lokomotiven in Aussicht genommen, die der Güter und Personenbeförderung dienen sollen. Für die Zeit der Einrichtung des elektrischen Betriebs ist in Halle a. S. ein besonderes Bauamt eingerichtet worden. Die Lieferungen sind, wie verlautet, den größten deutschen Elektrizitätsfirmen bereits übertragen worden.

Unglückliche Landung eines Ballons. Drei Insassen des in Bitterfeld aufgestiegenen Ballons Day 3" versuchten in der Nähe von Lübeck im Schneesturm zu landen. Dabei schlug der Ballon mit furchtbarer Gewalt um. Leutnant v. Rappart geriet mit dem Kopf zwischen den umgestülpten Korb und die Erde und erlitt eine schwere Verlegung am Kopfe sowie eine Zertrümmerung des Unterfiefers.

Eine Ehrung Bearns. Die geographische Gesellschaft in Lendon hat dem Kapitän Peary die goldene Medaille ver­

Wie immer, war das Lokal auch an diesem Abend aus­verkauft, denn neben Anita Brusio bildete jetzt auch Frida Sasse, von der jedermann wußte, daß sie die Braut des unter Anklage des Mordes stehenden Felix Olfers war ein Attraktion ersten Kanges. Der armen fleinen Frida waren die Vorstellungen, seit ihr Abgott, ihr Geliebter im Gefängnis saß, eine namenlose Qual, aber sie ver­mochte sich ihr nicht zu entziehen, da der Direktor darauf bestand, daß sie allabendlich auftrat.

schwebte die Vorstellung vor, daß ihr Geliebter, wenn er aus der Haft entlassen würde, krank, elend und brotlos dastehen würde, und daß sie dann fürs erste für ihn Sorge tragen müßte.

Dennoch hätte keine Macht der Welt sie auf die Bühne gebracht, wenn sie nicht gedacht hätte, ihrem Felix da­mit nüßen zu können. Ihrer kindlichen Phantasie

Vielleicht fand er nicht so bald wieder ein Engage­ment, vielleicht auch war er durch die Haft zu sehr ge­schwächt, um vorderhand eins annehmen zu können-- in beiden Fällen aber mußte sie dafür sorgen, daß er wenig­stens der Sorge ums tägliche Brot enthoben sein würde. Daß man ihn nicht verurteilen würde hoffte sie sicher, denn der schwache Zweifel an seiner Unschuld, der sie für wenige Stunden beschlichen, war längst unter der Allge­walt der Liebe untergegangen.

Vermischtes

Die Opfer des kanadischen Eisenbahnnnalücks. Die Zahl der Toten wird jetzt allgemein auf über 70 geschätzt. Der einzige Augenzeuge des Unglücks war, wie ein Kabel­telegramm meldet, ein Ingenieur, der in der Nähe an einer Brücke über den Spanischen Fluß tätig ist. Gr schildert das Jammern und Stöhnen der Unglücklichen, die vor den Augen ihrer Mitreisenden kläglich verbrennen mußten, als geradezu herzzerreißend. In dieses Aechzen der dem Tode Geweihten mischten sich die schwachen Hilfe­rufe derjenigen, die im Spanischen Fluß mit den eisigen Wassermassen rangen. Ein gestern spät abends veröffent­lichter Bericht der Eisenbahngesellschaft erzählt bereits von 31 Toten. In dem Bericht wird hinzugefügt, daß sich die Zahl aber noch vergrößern kann, da man nicht weiß, wie­

Er war unschuldig, er mußte unschuldig sein, er sollte sich nicht in ihr getäuscht haben, als er sie beschworen, an ihn zu glauben, auch wenn die ganze Welt gegen ihn zeugte. Immerhin hatte sie gehört, daß nicht jedes Ver­brechen an dem Täter gestraft wird, und daß fälschlich Angeklagte oft nicht imstande sind, sich von dem auf ihnen ruhenden Verdacht zu reinigen. Werden sie dann auch nicht verurteilen, sondern wegen Mangels an Beweisen freige­verurteilt, sondern wegen Mangels an Beweisen freige­sprochen, so bleibt doch immer etwas an ihnen haften. tun haben.

So urteilte das Kind in seinem schmerzerfüllten Sinn, troydem es eben an sich erfahren, daß schon eine Verson, die lediglich in Verbindung mit einem des Mordes An­geklagten steht, für das Publikum zu einer Sensation wird. Daß der aus seiner Haft entlassene, keineswegs vom Ver­dacht des Giftmords befreite Felix Olfers- falls es nämlich so kommen sollte für die Varietee- Direktoren eine Persönlichkeit werden würde, um die sie sich reißen und dem sie bereitwillig die dreifachen Gagen geben würden, kam ihr nicht von fern in den Sinn.

im ersten Teil mit Orchesterbegleitung fingend und das zweite Mal zu vorgerückter Stunde sich auf der Geige selbst begleitend.

Sie sah den geliebten Felix nun blaß, hohläugig, frie­rend, im abgetragenen Röckchen, ganz ihrer Sorge über­lassen. Darum mußte sie auftreten, Abend für Abend und viel Geld verdienen und dabei sparsam sein, damit von ihren Einnahmen genug übrig blieb für später.

Nie aber war sie so lieb gewesen, wie jetzt mit ihren großen, traurigen Augen und dem zuckenden Mund, aus dem heitere und schwermütige Lieder in buntem Durch­einander quollen.

So zwang sie denn ihr krantes, gequältes Herz zur Ruhe und trat, da der Direktor ihr dafür eine höhere Gage bot. allabendlich jekt sogar zweimal auf einmal

Die ersten Nummern des Programms gingen an Brüm­mel ziemlich eindrucks los vorüber. Dann aber erschien Frida, und alsbald spannten sich seine Sinne aufs äu­Berste an, um nichts von dem zu verlieren, was auf der Bühne vorging.

Sie trug ein weißes Chiffonkleid, sehr schick gemacht; aber kaum den Boden berührend, ein richtiges Backfisch­kleid, dessen einzigen Schmuck ein Strauß blaßroter Nelken im Gürtel bildete. Das war das einzige Farbige an ihrem Anzug. Das reizende Köpfchen auf dem schlanken Halse erschien mit seiner Fülle hellblonden Haares wie eine Blume am Stengel.

Aber was war das für eine seltsame Gestalt, die da hinter ihr ging und jede ihrer Bewegungen nachmachte? Ein dürrer Mann in buntscheckigem Trikotanzug mit kreide­weiß angestrichenem Gesich und fuchsroter Berücke, von der ein hoher spißer Schopf aufwärts strebte, erschien er einem grotesken Kinderspielzeug ähnlicher, als einem Men­schen von Fleisch und Blut. Und seine Bewegungen hat­ten weit mehr Aehnlichkeit mit einer Gummipuppe als mit einem Menschen.

Long- Bell, der Clown!

Wie ihr Schatten stand er hinter der holdseligen Frida, sich bewegend wie sie, gehend wie sie, kurz ihr Abbild in seinem ganzen Tun. Nur was reizend und lieblich bei ihr erschien, verzerrte sich bei ihm zur widerwärtigen Fraße. Dem Publikum erschien die Parodie sehr lustig, aber Brüm­met lief es dabei eisig und kalt über den Rücken. ,, La bete et la belle!" dachte er.

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