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des Bundes sein oder werden und darf sich im Falle seiner Wahl keiner Frattion anschließen. Sollte Dr. Becker diese Bedingungen nicht annehmen, so soll Rechtsanwalt Dr. v. Helmolt als Kandidat aufgestellt werden, der sich zur An­nahme bereit erklärt hat.

* Friedberg, 25. April. Eine Vertrauensmän­ner- Versammlung der Fortschrittlichen Volks. partei faßte gestern folgende Resolution: Die Vertrau ensmänner- Versammlung beauftragt eine Kommission, mit der nationalliberalen Partei wegen eines ge= meinsamen Vorgehens bei der bevorstehenden Reichstags­ersatzwahl im Wahlkreis Friedberg- Büdingen in Verhand lungen zu treten, und ermächtigt die Kommission, selbstän­dig einen eigenen Kandidaten aufzustellen, wenn die Ver­handlungen zu einem befriegenden Ergebnis nicht führen oder wenn die Entscheidung der nationalliberalen Partei bis zum 6. Mai nicht vorliegt."

Der Kampf im Baugewerbe.

* Essen. Der Verein der Arbeitgeberverbände für das Baugewerbe in Rheinland und Westfalen macht über den Stand der Aussperrung in den größeren rheinisch- west­fälischen Städten folgende Angaben: Es wurden ausge sperrt in Bielefeld 749 Arbeiter, Düsseldorf 2324, Köln 2920, Duisburg 2271, Essen 2450, Elberfeld- Barmen 1719, Gelsenkirchen 1450, Hamburg 306, Münster 510, Minden 218, Soest 178, Rheine 219, Schwelm 160, Wattenscheid 172 und Wesel 162.- Wie der Rheinisch- Westfälischen Zeitung" gemeldet wird, hat sich die Bergwerksgesellschaft Hibernia mit dem Arbeitgeberverband solidarisch erklärt und eine Dortmunder Firma für Eisenbetonbau aufgefordert, ihre Arbeiter, die in Gelsenkirchen arbeiten, auszusperren, falls sie auf spätere Berücksichtigung bei der Erteilung der Aufträge rechnen wolle.

* Hannover. Der Vorsitzende des Einigungs­amtes für die Stadt Hannover hat den Versuch gemacht, zwischen den Parteien zu vermitteln. Die Vertreter des Arbeitgeberverbandes haben aber erklärt, daß für Wer­handlungen keine Grundlage vorhanden sei, weil die Ar­beiter keine Forderungen gestellt hätten und über die Streit punkte nur durch die Zentralstelle des Arbeitgeberbundes in Berlin verhandelt werden könne.

* Stuttgart. In einer Versammlung hiesiger Wirte wurde den ausgesperrten Bauarbeitern volle Sym­pathie ausgesprochen und eine moralische und finanzielle Unterstüßung zugesagt. In verschiedenen Stadtteilen sollen Sammelstellen errichtet werden.

* Berlin. Nachdem die drei Zentralverbände der Maurer, Zimmerer und der baugewerblichen Hilfsarbeiter, sowie der Christliche Bauarbeiterverband sich bereits mit dem Schiedsspruch des Berliner Gewerbegerichts einverstan­den erklärt hatten, hat nun auch die Generalversammlung des Verbandes der Baugeschäfte von Berlin und Umgegend dem Schiedsspruch gleichfalls zugestimmt. Damit ist der Friede im Berliner Lohngebiet auf drei Jahre bis 1. April 1913 gesichert.

Der Kampf in dem Baugewerbe hat nun für Gießen und Umgebung endgültig sein Ende erreicht. Die Aufgabe beider Parteien wird es nur noch sein, den so geschaffenen Frieden durch geeignete Verträge zu befesti­

gen.

Lokales.

Gießen, 26. April 1910.

* Der Großherzog empfing am Samstag u. a. den Amtsgerichtsrat Dr. P us ch von Ortenberg. ** Der Großherzog hat dem Domdekan Dr. Joseph Selbst im Mainz die Erlaubnis zur Annahme und zum Tragen des ihm vom Kaiser verliehenen Königlichen Kronenordens 3. Klasse erteilt.

!! Gine hessische Prinzessin im Kloster. Die verwitwete Großfürstin Sergius, eine geborene Prin zessin Elisabeth von Hessen und bei Rhein, legte nach einer Meldung aus Mostau vorgestern dort das Gelübde ab, sich dem Dienste der Nächstenliebe zu widmen.

= h- Unfall. Der Seltersweg war am Samstag der Schauplatz eines Unfalles, der leicht gefährliche Folgen nach sich ziehen konnte. Ein Meßgerlehrling überschritt kurz vor der Straßenbahn die Geleise in der genannten Straße und wurde hierbei von dem Straßenbahnwagen erfaßt, ohne jedoch glücklicherweise eine ernste Verlegung zu erleiden.

-t Verschwunden ist seit Sonntag die 58jährige Frau eines hiesigen Wertmeisters, welche früher schon gei­stestrant war und in letzter Zeit wieder Spuren davon sich bemerkbar gemacht hatten. Der Polizeihund des Schutz= mann Klös wurde nach der Wohnung der Vermißten ge= führt und nahm von dort die Richtung über einen hohen Zaun nach der Lahn auf; am Ufer, wo der Ausfluß der Klärbecken ist, machte er Halt. Die Vermutung, daß die Frau ihren Tod im Wasser gesucht und gefunden hat, be­stätigte sich nach neuerer Meldung. Heute früh wurde sie dort als Leiche geländet.

h Selbstmord versuch. Aus unbekannten Be­wegungsgründen verübte ein hiesiger Student dadurch einen Selbstmord, daß er auf sich einen Pistolenschuß abgab, der eine schwere Verlegung herbeiführte.

-gt- Männer- Turnverein Gießen. Die Vorbereitungen zur Feier des 25jährigen Bestehens des M.-T.-W., das in diesem Jahr in den Tagen vom 11. bis 13. Juni auf dem Trieb gefeiert werden soll, sind, wie man uns schreibt, in vollem Gange. Der geschäftsführende Ausschuß hielt am 18. April eine Situng ab, in der von den Einzel- Ausschüssen über die Fortschritte und Ergebnisse bezüglich der Vorbereitungen zum Fest berichtet wurde. Der Voranschlag des Festes wurde endgültig festgeseßt, so daß nunmehr die Einzelausschüsse in dessen Rahmen die Abschlüsse betätigen können. Die ersten Einladungen an die Vereine des Turngaues Hessen sind hinausgegangen. Gie­ßen hat es von jeher verstanden, Feste zu feiern, nament­lich Turnfeste. Auswärtige Besucher der früheren Turnfeste gedenken noch mit Freuden der fröhlichen Festtage und der weitgehendsten Gastfreundschaft, die sie hier gefunden haben. Mitglieder der Ausschüsse gaben aus ihren reichen Erfahr­ungen vielfache dankenswerte Anregungen, um das Fest sowohl in turnerischer Weise zu einem guten Gelingen zu führen, als auch in seinen Vergnügungen glanzvoll zu ge­stalten. Die festgesette Festordnung wird daher den Gästen und Bürgern eine Fülle schöner Vergnügungen bieten. Es werden darum auch zu diesem Feste viele frühere Tur­ner des Vereins von nah und fern zusammenkommen und sie dürfen versichert sein, daß ihnen in Gießen in alter Herz­lichkeit die Tore offen stehen.

Aus Hessen und Nachbargebiet.

* Großen Linden, 24. April. Unser Bürger meister, Landtagsabgeordneter eun, blickt jetzt auf ein fast 27jährige Amtstätigkeit zurück.

Dingen der Praxis Felbenden Zeit zugem dule ist zu weite Ulrichstei rauhof beschäftigten 2 vei Kindernach

Zuchtviehmarkt für Vogelsberger Rindvich statt. Der Martt hat den Absatz von im Zuchtgebiete der Provinz Ober. hessen gezüchtetem Jung und Großvieh zum Zweck.

* Schotten. Am 17. Mai findet in Schotten ein bracht worden. Gi

* Butzbach. Dem Fabritbesiber Friedrich Freitag in Betzdorf wurde vom Ministerium die jederzeit wider. rufliche Erlaubnis zur Anlage eines Anschlußgleises mit Lokomotivbetrieb in die Nebenbahn Butzbach- Ebersgöng in der Gemarkung Buzzbach erteilt. Der Betrieb wird von

Ficht festgestellt word

Der hiesigen Bevöller

Dr gelegt, zumal jeb literin erft furz vor eingewandert ist und at Alinit untergebrad

ommen ist.

* Offenbach

der Buzzbach- Licher Eisenbahnaktiengesellschaft ausgeführt abgehaltenen Berfamml

werden.

* Betzdorf, 25. April. Ein großer Treibriemen, der wohl als der größte der Welt gelten fann, wurde vor etwa 14 Tagen bei der Firma Sieg- Rheinische Leder- und Treibriemenwerke bestellt. Er hat eine Länge von 501,20 Metern und ist in dreifacher Stärke bei 500 Millimeter Breite zu liefern..

* Lauterbach. Von den 67 Gemeinden des M

ses Lauterbach erheben 5 über 200 Proz., 11: 175-200 Prozent, 27: 125-175 Prozent, 16: 100-125 Prozent und 10 unter 100 Prozent an Gemeindesteuerausschlägen. Am meisten erheben Steinfurt mit 224 und Hußdorf mit 216 Prozent, am wenigsten Freiensteinau mit 26 und Angers bach mit 47 Prozent. Von den größeren Orten erheben Herbstein 78, Lauterbach 104, Maar 149 und Schlitz 120 Prozent.

* Lauterb a ch, 23. April. Vor zwei Jahren wurde im Krankenhaus zu Darmstadt ein 12jähriger Zi geunerknabe mit einer schweren Schußverlegung im Unter leib eingeliefert, an deren Folgen er bereits zwei Tage später starb. Der Vorfall konnte damals nicht aufgeklärt werden. Nunmehr hat die Zigeunerin Berta Winterstein den 18jährigen Zigeuner Peter Ferdinand Reinhardt aus Rohr bach beschuldigt, den Knaben erschossen zu haben, weil die­ser ihm keinen Platz am Feuer gemacht habe. Der Täter ist bereits verhaftet worden.

Die Meifter Stellung Froch das Gewerbegeri Samlingsmeister stellter leinen Anlaß hätten, treten, da sie schon b met erklärt und mit Em ifvertrag abgeschlo nije nicht machen tön exfto weiter.

* Darmstadt Breußen ist in Mosta Darmstadt. heim zum Beigeordnete im Dezember vom Kr ba er ein überzeugter Bartei sei. Gegen dief sid ausschuß Refurs ei felben und bestätigte d Darmstad lammer beabsichtigt, d nächsten Jahres in dur Deutschen Landw 31 beschiden. Die Vorbereitungen, um e Landwirtschaft sicherzu * Nieder- J man jehen, daß haupt auf den Boden setzen Welch schlimme Folge tean, erfuhr ein hi Haften Leiden mußte Capital das Brustbein * Frankfur der Schlacht und M am Donnerstag den 5 * Frantsur stischen Amtes ist die tail Frankfurt a. M. Leßten Volkszählung derungen sowie des tan über die Sterbef Enivohner anzuneh af den alten Stad meindeten Vororte. * Wezlar. inspektion Wetzlar, pil. v. Ritgen, Wehen worden.

* Alsfeld, 24. April. Unter dem Vorsitz des Ver­bandsdirektors, Justizrat Dr. Harnier- Kassel, traten ktwa 70 Vertreter der auswärtigen Vorschuß und Kreditvereine zu einer Versammlung zusammen. Die Mitteilungen über Alsfelder Verein gemacht. Der Verband zählt 23 Vereine die Geschäftsergebnisse des Jahres 1909 wurden von dem mit etwa 20 000 Mitgliedern. Der Gesamtumsatz beläuft sich auf ungefähr 550 Millionen.

* Alsfeld, 25. April. Zu einer Kundgebung herz­licher, treuer Anhänglichkeit gestaltete sich die Abschiedsfeier für die von hier scheidenden Herren Ministerialrat Höl­zinger und Kreisamtmann& mmerling. Wohl sämt

tt Stadttheater. Auch in diesem Sommer wer den eine Reihe von Operettengastspielen stattfinden und zwar vom 16.- 30. Mai solche mit dem Personal des Em­ser Kurtheaters und vom 14. Juni bis 2. August regel mäßig jeden Dienstag solche mit dem Personal des Großh. Kurtheaters Bad- Nauheim. Im Abonnement werliche Bürgermeister, die meisten Lehrer und viele andere den 10 Vorstellungen im Ganzen gegeben werden, davon 3 mit dem Emser, 7 mit dem Nauheimer Ensemble. Auf­gelegt wird ein Abonnement auf alle 10 Vorstellungen und Teilabonnements für die erste oder zweite Hälfte der Vor­stellungen und außerdem werden Gutscheine eingeführt. Die Vorstellung im Vollabonnement stellt sich billiger als im Teilabonnement. Wiederholungen im Abonnement finden nicht statt, auch soll keines der im letzten Sommer gege­benen Stücke wiederholt werden. Zur Aufführung sind- unter Vorbehalt von Aenderungen vorgesehen: Geschie dene Frau, Graf von Luxemburg, Madame Sherry, Mi­tado, Frühlingsluft, Opernbail, Schöne Helena, Zigeuner­baron, Der arme Jonathan, Wiener Blut. Näheres wird noch bekannt gegeben.

** Zirkus Schumann, der vor etwa 2 Jahren hier in Gießen Vorstellung gegeben hat, wird auf der Durchreise nach Frankfurt a. M. Hier wieder ein 7tägiges Gastspiel auf Oswaldsgarten geben. Die Eröffnungsvor­stellung ist am 30. April abends Uhr. Das Programm ist ein ganz anderes als vor 2 Jahren, es werden stau­nenswerte Attraktionen geboten, so daß es sich sehr lohnt, die Vorstellungen zu besuchen.

-h Sonntagsruhe. Der nächste Monat wird den Angestellten der Geschäfte des hiesigen Konsum ver­eins einen von diesen schon lange gehegten Wunsch er­füllen, indem mit dem 1. Mai die ununterbrochene Sonn­wird.

** Ernannt wurde der Geometer 1. Klasse Adolf Repp aus Homberg a. d. O. zum Feldbereinigungsgeo- tagsruhe in allen Verkaufsstellen des Vereins eingeführt

meter.

* Die Generalversammlung nassauischer Gewerbevereine findet in diesem Jahre zu Ems statt, und zwar in der Zeit vom 29. bis 31. Mai. Die Verhandlun gen werden im großen Kurhaussaale gepflogen. Der An­trag auf Erhöhung der Mitgliederbeiträge ist wiederum ein gebracht worden.

** Bürgerverein. Heute abend 9 Uhr findet in dem Hotel Einhorn eine außerordentliche Hauptversamm lung dev Bürgervereins statt, deren Tagesordnung sich u. a. mit den nächsten Stadtverordnetenwahlen befaßt und deshalb in weiteren Kreisen Interesse erweckt.

21)

Die Freundinnen.

Originalroman von Irene v. Hellmuth. ( Nachdruck verboten.)

,, Wie du kannst nicht? Ich sage dir, du mußt! Du wirst Hugo heiraten! Ich werde dich zu zwingen wissen!"

,, Verlange was du willst, nur das nicht! Ich tue es nicht, Vater um feinen Preis der Welt! Ich lasse mich nicht zwingen, auch von dir nicht!"-

,, Du, du

Gin röchelnder Laut entrang sich der Brust des Auf­geregten, dann sant er stöhnend in den Sessel zurück. Das Gesicht erschien leichenblaß, die Augen waren geschlossen. Der Greis glich eher einem Toten als einem Lebenden. ,, Vater", jammerte Sylvia zitternd ,,, lieber Vater, um Gotteswillen, was ist mit dir?"

Er gab teine Antwort.

,, Es scheint eine Ohnmacht zu sein, die Aufregung war zu groß für ihn,' rief Hugo, der ebenfalls erschrocken hinzugesprungen war.

Sylvia, die rasch den lähmenden Schrecken abgeschüttelt hatte, beneßte Stirn und Schläse des Vaters mit frischem Wasser. Unter ihren Bemühungen schlug er allmählich die Augen wieder auf. Er schien sich aber der vorhergegang­enen Szene nicht sogleich zu erinnern, denn er fragte, sich in Zimmer umsehend: Was ist denn eigentlich ge­schehen?"

Besindest du dich wieder besser, lieber Vater?" rief Sylvia aufatmend. Sie kniete neben dem Sessel nieder und streichelte sanst die Hände des Alten. Ihr fiel es wie Bergeslast vom Herzen.

,, Gott, mein Gott, laß ihn leben, ich könnte es nicht ertragen, wenn er stürbe", betete sie, und ein heißes Wigst­gefühl quoll in ihrem Innern auf.

Nachdem Hugo von Trostberg gegangen war, saß sie mit gefalteten Händen an dem Lager des Vaters und starrte geradeaus ins Leere. Die ganze Nacht verging so. In die Augen des Mädchens kami tein Schlaf. Stunde

=:= Verwahrung von Mündel depots bei der Reichsbank. Bereits seit dem Jahre 1900 wer­den Wertpapiere, die zu einem Mündelvermögen gehören, bei sämtlichen Reichsbankhauptstellen und Reichsbankstellen zur Verwahrung gemäß§ 1814 des Bürgerlichen Gesetz­buches angenommen. Um den Vormündern die Benußung der Reichsbank als Hinterlegungsstelle für Mündelpapiere möglichst zu erleichtern, ist jetzt die Einrichtung getroffen worden, daß solche Mündeldepots auch bei allen mit mehr als einem Beamten besetzten Reichsbanknebenstellen errich= tet werden können.

um Stunde verrann. Der Kranke schien zu schlummern, wenigstens rührte er sich nicht.

Am andern Morgen behauptete er zwar, er besände sich ganz wohl, doch mochte er nicht aufstehen.

***

Am Abend des folgenden Tages erlebten die vielen Theaterfreunde der Stadt eine große Enttäuschung. Her­mann Walter, der in der Tat die Herzen aller Hörer im Sturm gewonnen und dessen nächstem Auftreten man mit Spannung und Ungeduld entgegensah, hatte plötzlich ab­gesagt. Erst gegen Abend war die Absage eingetroffen und das Theater war schon völlig ausverkauft. Der Inten­dant hätte sich am liebsten die Haare ausgerauft, wenn er melche besessen hätte. Er schimpfte im Verein mit dem Regisseur über die Tenöre im allgemeinen und über Her­mann Walter im besonderen.

Derjenige aber, dem alle diese liebenswürdigen Aeußer­angen galten, lag, die Hände unter dem Kopfe verschränkt, auf seinem Ruhesofa und starrte unbeweglich zur Zimmer­decke empor. Sein sonst so heiteres Gesicht zeigte einen trüben Ausdruck, um die Augen lagen tiefe Schatten.

Dem alten treuen Diener Franz, der ihn stets be­gleitete, hatte er streng befohlen, niemand, wer es auch sei, zu ihm zu lassen.

Kopfschüttelnd betrachtete der treue Alte seinen schweig­samen Herrn. Franz hatte eine schwere Arbeit, denn der Theaterdiener, der nun schon zum drittenmale tam, um nachzufragen, wie es Herrn Walter gehe, wollte sich durch­aus nicht mehr abweisen lassen. Nur ein paar Worte will ich mit Herrn Walter sprechen," bat er ,,, gestatten Sie, daß ich hingehe, ich soll doch genau Bericht erstatten über das Befinden Ihres Herrn".

Franz zuckte bedauernd die Achseln.

Ich teilte es Ihnen ja bereits mit: Herr Walter ist stockheiser, er bringt keinen Ton hervor. Es ist ab­solut nichts zu machen", versicherte er mit ernster Miene, genau so, wie sein Herr es ihm befohlen hatte.

,, Und was meint denn der Arzt dazu? Wird es lange dauern?"

,, Wir haben gar keinen Arzt," plaßte Franz unbedacht heraus.

Angehörige des Kreises waren der Einladung gefolgt. Deko­nomierat Sch a de, der die Feier mit einem Hoch auf den Kaiser und den Großherzog eröffnete und sie leitete, pries in warmen Worten die Verdienste der scheidenden Herren. Nach einer längeren Rede des Kommerzienrats Grünewald, welcher in anerkennenden Worten ebenfalls der Verdienste der Scheidenden gedachte, dankte Lehrer Ne e b von Groß­Felda besonders Herrn Hölzinger für die Fürsorge, die er dem Lehrerstand zuteil hatte werden lassen. Mehrere präch tige Schulhäuser, die dem Lande zur Zierde gereichen, die herrlich herangediehene Kreislehrerbibliothek und die Für sorge für die Volksbüchereien legten davon lebhaftes Zeug nis ab; ein noch lebendigeres war das zahlreiche, unver abredete Erscheinen so vieler Lehrer bei der Feier. Mini­sterialrat Hölzinger dankte allen Rednern in warmen, herz­lichen Worten. Die Zeit in Alsfeld sei ihm eine treffliche Schulung gewesen, er werde mit seiner Frau dieser Zeit immer gerne gedenken. Die Abschiedsfeier wurde neben den Vorträgen der Turmmusik durch ansprechende Musikvorträge und Gesangsdarbietungen mehrerer Lehrer des Kreises ver schönt.

* Bad Nauheim. In der abgelaufenen Woche sind 452 Kurgäste angekommen und es beträgt die Gesamt frequenz 1704 Personen.

* Friedberg, 22. April. An der Großh. Obst­bauschule Friedberg findet vom 9. bis 14. Mai der Obst­bautursus für Geistliche, Lehrer und sonstige Freunde des Obstbaues statt. Dieser Kursus besteht aus zwei Teilen und ist in Aussicht genommen, daß der zweite Teil vom 1. bis 6. August abgehalten wird. Dieser Lehrgang soll den Gartenliebhaber soweit ausbilden, daß er in die Lage versetzt wird, seine Obstbäume, sowohl Hoch- als Nieder stämme und Formbäume, selbst richtig schneiden, behandeln und pflegen zu können. Die Einrichtung ist so getroffen, daß vormittags der theoretische Unterricht um 9 Uhr" be­ginnt, und in drei Stunden die Teilnehmer mit den wich tigsten Obstbaumkrankheiten, Bodenverbesserung, Düngung usw. vertraut macht. Nachmittags von 2 Uhr ab finden ausschließlich nur praktische Unterweisungen statt. Es wird also nicht nur Theorie getrieben, sondern es ist vor allen

,, Was was, keinen Arzt bei solcher Heiser. keit, die kostbare Stimme kann ja so leicht verloren gehen" jammerte der Abgesandte des Intendanten, da muß ich wirklich hinein und Herrn Walter Vorstellungen machen wegen seines unbegreiflichen Leichtsinnes. Das ist ja unerhört!"

Damit schob er den überraschten Franz bei Seite was stürmte ins Zimmer.

,, Du alter Esel, habe ich dir nicht gesagt, du darfst niemand herein lassen?" schrie Walter aufgebracht, und bums flog dem unschuldigen Franz ein Buch an die nicht eben kleine Nase, direkt über den Kopf des sich eilig duckenden Theaterdieners hin.

,, Aber lieber Herr Walter, so viel ich eben bemerke, sind Sie gar nicht so heiser", rief der Theaterdiener freu dig erregt und rieb sich vergnügt die Hände. ,,, ich sage Ihnen, stockheiser," bin ich ich bringe keinen Ton aus der Kehle", versicherte Walter ärgerlich, hören Sie nur, wirklich keinen Ton." Die Stimme flang jetzt freilich verändert, aber der kundige, in solchen Sachen erfahrene Theaterdiener ließ sich nicht täuschen. Er wußte, daß der Sänger ihm eine Komödie vorspielte.

,, Lieber, lieber Herr Walter," bat er deshalb dringend, , wenn es nur eine Laune von Ihnen ist, daß Sie nicht fingen wollen, so lassen Sie sich doch erweichen und kom men Sie. Das Theater ist völlig ausverkauft, ist es nicht iammerschade, daß die Vorstellung nicht stattfinden tann? In vergangenen Winter ging das Geschäft sehr schlecht, diese Saison scheint um so besser zu werden und da kom­men Sie gleich am Anfang mit dieser Absage. Der In­tendant geht umher wie ein gereizter Löwe und wenn ich ihm nun berichte, daß Sie eigentlich gar nicht heiser sind, daß Sie aus irgend einem anderen Grunde nicht singen wollen, so"

Jebt ist es aber genug, ich bitte mich in Ruhe zu lassen!" unterbrach Walter unwillig und gereizt die lange Rede ,,, mit dem Singen ist es nichts für heute, adje!!

( Fortfcbuna folgt.)

* Marburg toessischen Vereins Fahrt. Es beteiligt watdozent Dr. Wege abrilant B. Schäfe Labr traf die Nachric Sein- Gera im Streise Marburg tigte sich in einer unit der Frage der bommt es hier zu schafts- Töpferei.

* Marbur

arus Arolsen, bishe Wniversität, habili Fatultät mit einer wer Atomtheorie * Kassel, burde die Unterschl fhuldige Angestellte * Hombur heute früh 9.50 Uh wuhe nach Straßbur * Wiesba mitteilt, ist ein Paris nach Berlin * Wiesba ende preußische& guen aus Großlichte full erlegen. Der an und vertrat den

Sanatoriu und Pensi Traisa i. bei Darmst

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