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Nr. 21.

Erscheint täglich außer Sonntags. Bezug& preis: vierteljährlich durch die Träger frei ins Saus 1.35 Mt., durch die Post bezogen 1.50 Mr.

*

Expebision: Bienen, Seltersweg 83.

Mittwoch, den 26. Januar 1910

Gießener

20. Jahrgang

Juferate: die 44 mm breite Bettigette 20 feci, Reklame: 90 Beilagen werden nach Gewicht und Größe berechnet

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Telephon- Anschluß: Sichen, Rr. 368.

Neueste Nachrichten

( Gießener Tageblatt)

Anabhängige Tageszeitung

( Gießener Beifung)

für Oberheffen und die Kreise Marburg und Wetlar; Lokalanzeiger für Gießen und Umgebung. Enthält alle amtlichen Bekanntmachungen der Großh. Bürgermeisterei Gießen, des Großh. Polizeiamtes Gießen und anderer Behörden von Oberhessen

Zum Geburtstage des Kaisers.

( Nachdruck verboten.) Der Geburtstag des Kaisers wird im ganzen Deutschen Reiche in diesem Jahre in herzlicherer und freudigerer Weise gefeiert werden als im vergangenen Jahre. Damals schwebten voch die düsteren Schatten der unerfreulichen Novembertage über die Feier, und wenn man auch wohl hoffte, daß der Kai­ser selbst die Wiederkehr jener Tage verhindern werde, so war doch eben eine zu furze Zeit verstrichen, als daß die Hoffnung eine Gewißheit hätte sein können.

Jetzt ist ein ganzes Jahr vergangen, und man darf nunmehr freudigen und dankbaren Herzens anerkennen, daß der Kaiser jene Zusage, die er am 17. November gegeben hatte, getreulich innegehalten hat. Bei seinem lebhaften Temperament und seinem regsamen Geiste, der an allem An­teil nimmt, fällt es ihm sicherlich nicht leicht, mit seinem Urteile in so viel höherem Maße zurückzuhalten, als er es früher getan hat. Was bei einem Phlegmatiker eine Selbst­verständlichkeit und kein Verdienst ist, ist bei einem Manne von dem heißblütigen Temperament des Kaisers eine Tu gend. Um so größer darf die Freude darüber sein, daß er diese Tugend im letzten Jahre getreulich geübt hat.

Dabei ist in diesem vergangenen Jahre der Versucher an den Kaiser herangetreten. Es hat, als die Entscheid­ung über die Reichsfinanzreform auf des Messers Schneide stand, nicht an Leuten gefehlt, die von dem Kaiser ein " Machtwort" erhofften und erbaten. Diese Leute handelten zweifellos in der besten Meinung, aber ihr Verlangen stand in striftem Gegensaße zu dem von ihnen selbst im vergan­genen Jahre geäußerten Wunsche der politischen Zurückhalt­ung des Monarchen. Der Kaiser hat diesen Wünschen und Bitten nicht nachgegeben, sondern er hat auch in dieser die Nation so lebhaft bewegenden und erregenden Frage voll­ständige Objektivität und große Zurückhaltung gewahrt.

Die Belohnung dafür ist nicht ausgeblieben. Vor jener Entscheidung über die Reichsfinanzreform und auch noch nachher, ja bis zum heutigen Tage hat der Streit der Par­teien über diese Frage so leidenschaftlich getobt, wie faum je zuvor bei anderen politischen Angelegenheiten. Früher befreundete Parteien sind miteinander zerfallen und haben sich gegenseitig in der schärfsten Weise angegriffen. Aber die Person des Kaisers ist glücklicherweise aus dem ganzen Streite ausgeblieben. Gegen ihn sind keine Angriffe gerich tet worden, und sie konnten es nicht, weil er eben nicht Partei genommen, sondern eine streng verfassungsmäßige Zurückhaltung gewahrt hatte. Wenn man bedenkt, wie ge­rade in der letzten Zeit die den Monarchismus bekämpfende sozialistische Partei Erfolg auf Erfolg erzielt hat, so muß man sich doppelt darüber freuen, daß der Träger der Krone ihr keine Möglichkeit gegeben hat, ihre giftigen Pfeile auf ihn zu richten und dadurch das Ansehen seiner Person und der monarchischen Institution überhaupt zu untergraben. Die Sozialdemokratie hat nur auf die Gelegenheit gelauert, den Kaiser auch bei dieser die Nation so errenden Angele genheit herunterreißen zu können, der Monarch aber hat ihr diese Gelegenheit nicht geboten.

Auch im Auslande sind die Angriffe gegen den Kaiser seltener geworden. Auch dies dürfte in Verbindung mit der von ihm jeßt geübten Zurückhaltung stehen. Wenn er früher immer wieder zu allen Fragen Stellung nahm, und zwar manchmal in sehr prononcierter Weise, so entstand da­durch im Auslande von ihm die Vorstellung von einer er­plosiven Natur, die sich unter allen Umständen betätigen muß, und man nahm an, daß diese Betätigung sich nicht nur auf die deutschen Grenzen beschränken, sondern unter Umständen auch darüber hinausgreifen werde. So entstand die total verkehrte Auffassung, daß der Kaiser aus Ehrgeiz und Tatendrang eine Gefahr für den Frieden bedeute. Die­sev Auffassung begegnet man jezt ungleich seltener als früher, und diese Berichtigung der früheren Anschauung ist zweifel­los ein Gewinn für den Weltfrieden.

Dieser Erfolg muß dem Kaiser auch persönlich erfreu­lich sein, weil er eben ein Monarch ist, der die Erhaltung des Friedens aufrichtig wünscht, weil er weiß, daß das Deutsche Reich in ernster Friedensarbeit so große Entwickel­ungsmöglichkeiten besitzt, daß es tief bedauerlich wäre, wenn diese Möglichkeiten durch friegerische Ereignisse ge­fährdet werden. Auf der anderen Seite aber geht das Frie­densbedürfnis des Kaisers glücklicherweise nicht so weit, daß er durch unwürdige Mittel den Frieden erfaufen möchte. Er will, wie mit aller Welt, so auch mit England in Frie den leben und mit diesem Lande schon ganz besonders des­halb, weii er mit dem Englischen Herrscherhause durch nahe Bande der Verwandtschaft verknüpft ist. Aber er läßt sich auf die Forderung vieler englischer Politiker nicht ein, freundliche Gesinnung der Engländer durch den Verzicht auf den Ausbau der deutschen Flotte zu erfaufen. Vielmehr hält der Kaiser im Einvernehmen mit seinen Ratgebern und der überwiegenden Mehrheit des deutschen Volkes daran fest, daß das Flyttenbauprogramm zur Durchführung gelangt, damit Deutschland in den Besit einer Flotte kommt, die sich jeden Angriffs mit Ehren erwehren kann. In diesem eben abgelaufenen Lebensjahre hat der Kaiser, in dessen Geschichte ja einst die Entwickelung der deutschen Flotte das schimmernste Ruhmesblatt sein wird, die Freude gehabt, die beiden er­sten deutschen großen Schlachtschiffe in den Dienst einge= reiht zu sehen. Hoffentlich wird die Weiterentwickelung un­serer Flotte in Sicherheit und in ungestörtem Frieden vor sich gehen ennen, zur Freude ihres Schöpfers.

Lokales und Provinzielles.

** Der Großherzog und die Großherzogin werden on der Feier des Geburtstages des Kaifers in Berlin teilnehm n. Die Rückkehr c. folgt voraussichtlich am 28 Januar.

** Gießen, 26. Jan. Die Kaisergeburts. tags- Festlichkeiten werden heute abend durch

einen großen Zapfenstreich eingeleitet. Derselbe wird seinen Ausgang von den neuen Kasernen nehmen und sich durch die Licherstraße, Oftanlage, Walltorstraße, Marktstraße und den Seltersweg nach dem Hause des Regiments fommandeurs bewegen, um von da durch die Neuen Bäue nach der Zeughaustaserne zurückzukehren. An dem folgenden Tage findet morge& ein Weden statt, worauf um 11.30 Uhr die Truppen auf Oswalds­garten Aufstellung zur Parade nehmen.

Viele Vereine veranstalten aus Anlaß des Geburts­tages des Kaisers Festlichkeiten. Das Stadttheater hat für den 27. Januar eine Fest borstellung ange­meldet.

** Gießen, 24. Jan. Heute mittag ereignete sich auf der Biebertalbahn ein Unfall, der an einer anderen Stelle leicht hätte verhängnisvoll werden kön nen. Es entgleiste nämlich der sogenaunte Schülerzug, welcher den Bahnhof Gießen furz nach 1 Uhr verläßt, bei der Station Heuchelheim Die Entgleisung hat nur Materialschaden zur Folge gehabt. Der Verkehr wurde durch Umsteigen aufrecht erhalten.

* Klein Linden, 26. Jan. Der Franzenwald soll am Montag der Schauplag eines Pistolenduells gewesen sein, das zwischen zwei Gießener Aerzten statt: gefunden habe, aber glücklicherweise unblutig verlief. Der Zweikampf soll dem Umstand zuzuschreiben sein, daß sich der eine der Gegner abfällig über die Frau des an­dern äußerte und daß der zweite deshalb denselben auf einer Festlichkeit tätlich beleidigte.

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* Marburg, 24. Jan. Hier starb, 70 Jahre alt, der frühere langjährige Universitätssekretär Röntg. Gestern wurden dret verunglückte todler in die Alinif eingeliefert.

Kindheit und Heimat.

Ein Volkskonzert

in der neuen Universitätsaula. Gießen, 23. Jan. 1910. In diesen beiden Wörtern: Kindheit und Hei­mat, ist nicht die ganze Welt darinnen vereinigt? Denkt nicht ein jeder, und wenn er der ärmste ist, gern zurück, da er als Kind in die treuen Augen seiner Mutter und seines Vaters blicken konnte, beneidet von denen, die das größte Glück treuer Elternliebe entbehren mußten. Welche Wahrheit, welch unbeschreibliches Empfinden in dem Liede: Ja selig, ein Kind noch zu sein! Und Heimat, ver­ehrter Leser, ist sie uns nicht gleichwert, denn ohne Kind­heit keine Heimat. Alle Völker der Erde lieben ihre Hei­mat, ihre Scholle, da sie in Eintracht lebten und lehrten seit Jahrtausenden ganz nach ihren Sitten und Gebräuchen. Wehe, wenn fremde unberufene Eindringlinge sie darinnen störten, sie gar von dem liebgewordenen Boden vertreiben wollten! Und all die großen Kriege und Schlachten, ist es nicht am End ein Kampf um Haus und Familie, um die Heimat gewesen.

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Leider ist in unserer hastenden Zeit, da mehr denn je der Kampf um das Leben in den Vordergrund tritt, breiten Massen des Volkes der Sinn für Kindheit und Heimat im Schwinden. Auch andere Elemente tragen dazu bei, alle Ideale weniger wertvoll einzuschätzen; die Klassen­unterschiede sind leider statt weniger immer mehr gewor­

den.

Umso erfreulicher und höchst beachtenswert ist es darum, daß seit einigen Jahren besonders im Großherzogtum Hef= sen, in Hessen- Nassau und angrenzenden Gebieten zahlreiche Männer und Frauen der verschiedensten Stände sich gefunden haben, das Volk unter sich näher zu bringen, es zu befreien von den Vorurteilen der Besißenden und der weniger oder wenig bemittelten Klassen, durch eine soge­nanni Voltsbildung. Das Sprichwort: Wissen macht frei, tann nicht bessere Früchte bringen als auf dem Gebiete der Volksbildung. Frei zu etwas höherem soll sich auch der Arbeiter, der fleine Mann aufschwingen, wenn er nach des Tages Arbeit den Hammer, den Hobel, den Pflug zur Seite gestellt hat. An geistigen Freuden soll er sich dann mit erfreuen und die Freude auf seine Familie, auf seine Nächsten, auf Freund und Verwandten übertragen, dann trägt auch er reichlich bei zur besseren Ausgestaltung der Volksbildung. Immer größer und größer wird Kreis derer, die ihre Gaben in den Dienst der Volksbild­ung stellen. Lehrer, Aerzte, Richter, Pfarrer, Rechtsanwälte, Techniker, Professoren, Schriftsteller, nicht zu vergessen be sonders begabte Leute aus dem werktätigen Volt, Männer und Frauen treten ein in die Reihen derer, die die Pflich­ten der Bildung" gegen die Unbildung" erkannt haben, die sich nicht damit begnügen, die Nase zu rümpfen oder zu schimp en über die Unbildung der Masse", sondern die mulig die Hand ans Wert legen, um auch andere, an den wertvollen Gütern der Bildung teilnehmen zu lassen. Auch die Künstler wollen nicht zurückbleiben bei solch edlem Werk sozialer Hülfe. Schauspieler, Maler, Bildhauer, Sänger und Sängerinnen, Tonfünstler aller Art stellen sich mit ihren Kräften in dankenswerter Weise uneigennüßig der Volksbildung zur Verfügung. Hierher gehören nicht nur

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die Veranstaltungen wie Volkskonzerte, Voltsvorstellungen,

Loftsvorträge, in den großen Städten, nein, auf die kleinsten Dörfer gehen diese Künstler, um auch für den hohen erzieherischen Wert der Bildung die Augen zu öffnen. All diese Gedanken gingen mir durch den Kopf, als ich vom alten Herrn Challier eine Einladung gestern Abend zu dem heute angemeldeten Voltskonzert erhalten hatte. Auf dem mitempfangenem Programm lese ich:

Mitwirkende: Frau Landgerichtsrat Sch u d t= Gie ßen( Alt), Frl. Elisabeth Fe I ch ne r- Gießen( Klavier), Frl. Meline Müller Weßlar( Rezitation) und die Män nergesangvereine" eiterfeit"-Gießen und Ger= mania"-Lollar, beide unter Leitung des Herrn Lehrer Ludwig Becker Gießen.

sonen der verschiedensten Stände aus Gießen und der Um Welch glücklicher Gedante, daß Stadt und Land, Per­gebung an diesem Volkskonzert Teil zu nehmen, mitzuwir ten sich herbeigelassen haben, denen allen schon im Vor­aus Dant und Anerkennung gebühre. Dem Lehrer Va­lentin Müller, der eifrige Schriftführer des Mittel­deutschen Sängerverbandes und seinem Freund und Kolle­gen Becker, die beide die Vorarbeiten erledigt haben, so sagte man mir, gebührt nicht minder Dank für die au ßerordentlich feinsinnige Zusammenstellung der Vortrags­folge. Da vielleicht auch anderwärts ein gleiches oder ähn liches Voltskonzert aufgeführt werden möchte, sei die Vor­tragsfolge hier abgedruckt. Sie lautet:

1. Zwei Männerchöre: a) Erinnerung an die Kindheit 2. Lieder für Alt: a) wüßt ich doch den Weg zurück( J. ( J. W. Immler), b) Des Kindes Sehnen( E. Groschoff); Brahms), b) Vor meiner Wiege( Fr. Schubert), c) Wie genlied( P. Cornelius); 3. Rezitation: a) Ein Lied von den Kindern( E. Handel- Mazetti), b) Gute Nacht( J. wenberg), c) Das alte Haus( F. Hebbel), d) Abschied( Th. Storm); 4. 3wei Männerchöre: a) Wenn ich den Wand rer frage( J. Schwartz), b) Im schönsten Wiesengrunde( N. v. Wilm); 5. Rezitation: Das Orakel( Erzählung v. Wil­denbruch); 6. Lieder für Alt: a) Frühlingsfahrt( R. Schu mann), b) Im Lenz( Haym), c) Fußreise( H. Wolf); 7. Rezitation: a) Die Maus( V. Blüthgen), b) Der Peter in der Fremde( Eberhard); 8. Männerchor: Grüße an die Heimat ( K. Kromer).

Und nun zum Verlauf des Konzertes selbst. Ueber 100 Sänger betreten( zwar etwas geräuschvoll) die Bühne; prüfend überblickt Lehrer Be der seine Gesangsfreunde und im Saal ist's still geworden. Da, aus den Kehlen dieser Männer, die des Werttags über zumeist in dumpfer Werkstatt ihren Lebensunterhalt erschaffen müssen, lösen sich die Töne und überfluten in mächtigen Afforden den gut be seßten Saal. Erinnerungen an die Kindheit" hallen in die sen derbeu aber gutgeschulten Männerstimmen wieder, ich sah es allen an, daß sie mit Herz und Gemüt einig bei der Sache waren, unbefümmert darum, daß dieser Massen chor aus zwei verschiedenen Vereinen, aus zwei verschiedenen Sängerbünden zusammengesetzt war. Und dann Des Kin des Sehnen". Wer hat es nicht schon gehört und möchte es doch immer wieder hören, zumal wenn es so eindrucksvoll wie hier gesungen wird. Der eifrige, befähigte Dirigent hatte seine Mannen ganz in der Gewalt und darum flapple es so samos. Die Sänger treten ab und eine sehr vorteil­hafte Abwechselung boten die nächsten 3 Sologesänge der Frau Landgerichtsrat Sch u d t. Wir hatten das Vergnü gen sie das erste Mal zu hören. Ruhig, sicher im Ansatz und wohlflingend ist ihre prächtige Altstimme, nichts Ge­tünsteltes in ihrem seinen Vortrag, so daß man nicht müde wird, ihr zuzuhören. wüßt ich doch den Weg zurück" und Vor meiner Wiege" sind zwei Lieder, die mir noch lange nachklingen. Nur die Klavierbegleitung hätte bei dem 1. Lied etwas gedämpfter sein können; bei den spä teren Stücken fiel es weniger anf. Immerhin verdient Fräulein Felchner Dant für die geschickte Erledigung. Den nun folgenden Rezitationen des Frl. Müller lauschten eben­falls alle sehr andächtig. Großen Eindruck hinterließen alle 3 Nummern: Gute Nacht Mutter, gute Nacht Kind", das alte Haus" und" Abschied". Das letztere, von dem echt deutschen Dichter Theodor Storm, schildert' dessen un freiwilligen Wegzug aus seiner schlesischen Heimat. Welche Wendung seit jener Zeit! Wie glücklich können wir uns preisen die Segnungen des Friedens genießen zu können. Waren die Sänger, die jetzt wieder auftreten mußten, auch derselben Stimmung wie ich, daß ihnen der Chor Wenn ich den Wand'rer frage", nicht so rein von den Lippen tam? Die Strophe".. hab teine Heimat mehr" war mehr za gend statt klagend. Recht gut hörte sich dagegen m schönsten Wiesengrunde" an; die Bässe legten sich geschicht in's Zeug. Daß Das Oratel" als Rezitation nun folgte, wurde von manchem Zuhörer seines Umfanges wegen nicht so beifällig aufgenommen. Der tiefe Sinn dieser Erzähl­ung wurde aber durch die gemütvolle lebenswahre Vor­tragsweise des Frl. Müller so herausgehoben, daß die Länge des Stückes doch gern mit in Kauf genommen wurde. Die sich anschließenden Sologesänge Frühlingsfahrt"," Im Lenz" und" Fußreise" atmen freie Luft Natur! und so hat sie auch Frau Landgerichtsrat Schudt, funstvoll und doch ungefünftelt, natürlich aufgefaßt, es hallten die Töne nur so aufmunternd den Zuhörern entgegen. Recht frisch und gut gegeben und inhaltlich ganz anpassend waren die bei den Rezitationen Die Maus" und" Peter in der Fremde". Man hätte mögen mitfangen die kleine Maus oder den Peter am Kreuzweg stehen sehen, wie er, das Muttersöhn chen so schnell vom Heimweh ergriffen, umkehrt und auf Umwegen in das Elternhaus sich wieder einschleicht, er, der so mutig in die weite Welt wollte. Als würdigen Schluß dieses Voltskonzertes haben die Sänger- aus dem Volk die Grüße an die Heimat" erschallen und so sein ausklingen lassen, daß ich ihn mit den Worten: Ende gut alles gut, und damit auch die Leistungen aller Mitwirkenden A. K. beurteilen möchte.

Rebaltion, Druck und Verlag von Ibin Klein.

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