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eine englische Wochenschrift aus, um alle Kriegsschiffe der Welt zu bezahlen. Allein bei einem Rennen wurden fürz­lich von 90 Neuyorker Buchmachern nicht weniger als sechs Millionen Marf umgesetzt. zu ihnen treten noch die Rie­sensummen, die in den übrigen Großstädten Amerikas ver­wettet werden, so daß nach einer genauen Schätzung in ganz Amerika im Laufe eines Jahres nicht weniger als 800 Millionen Mark allein für Pferderennen verwettet werden. Aber wie gewaltig diese Zahl auch erscheint, sie schrumpft fast zur Bedeutungslosigkeit zusammen neben den Riesensummen, die an den Börsen verspekuliert werden. Ganz Amerika wird verzehrt von dem Ehrgeiz, schnell, fast noch schneller, als möglich, reich zu werden. Der Lauf­bursche eines Geschäftes spekuliert mit seinem Monatsge­halt, die Verkäuferin spielt mit ihren kleinen Ersparnissen in Eisenbahnaktien. Vor kurzem wurde in Neuyork be= kannt, daß ein Auslaufer in einer glücklichen Woche nicht weniger als 40 000 Mart verdient hatte; in der gleichen Beit gewann ein Kommis die fünffache Summe in einer Spekulation mit Union- Pacific- Aktien, und das Schreib­maschinenfräulein eines bekannten Neuyorker Börsenmak­lers, das die Ratschläge ihres Chefs sich zu nutze gemacht hatte, konnte nach Verlauf von wenigen Tagen mit einem Vermögen von 250 000 M der Schreibmaschine den Rücken fehren. Aber dies sind Glücksfälle. Wie hier das Schicksal günstig lächelte, so zeigt es anderen eine bittere Miene und der Spieltrieb verschlingt in wenigen Stunden die Erspar­nisse eines langen Arbeitslebens.

Die Vorgänge im Virchow- Krankenhaus in Berlin be­schäftigten am Sonnabend die städtische Krankenhausdepu­tation. Man war sich darüber einig, daß der Verweis, der der so tragisch aus dem Leben geschiedenen Schwester Berta Rosenkranz erteilt wurde, durchaus berechtigt war und daß sie dadurch nicht in den Tod getrieben sein konnte. Die drei entlassenen Schwestern dürften jedenfalls im Virchow­Krankenhaus nicht wieder eingestellt werden, und ob die mildernden Umstände, die sie für sich anführen, ihre Wieder­anstellung in einem anderen städtischen Krankenhaus recht­fertigen, soll eine Untersuchung des ganzen Vorganges er­geben, mit der eine aus zwölf Mitgliedern bestehende Kom­mission am Montag beginnen wird. Die von anderer Seite aufgestellte allgemeine Behauptung über Mißstände in der Behandlung der Schwestern im Virchow- Krankenhaus wur­de eingehend besprochen und widerlegt.

Ein verheerendes Großfeuer, dem eine große Anzahl von Häusern zum Opfer gefallen ist, hat in der Nacht zum Sonntag in Hamburg gewütet. Die Feuersbrunst entstand abends in dem Kortenlager von Lopez& Co. in der Daniel­straße. Das Feuer, das im zweiten Stock zum Ausbruch kam die Entstehungsursache ist noch nicht festgestellt verbrettete sich mit unheimlicher Geschwindigkeit über das ganze Stockwerk, griff dann weiter um sich und setzte auch bie unteren und die oberen Stockwerke in Brand. Nach kaum einer Stunde stand das ganze Gebäude in hellen Flammen und das Feuer griff nunmehr auch die hinter dem Korken­lager befindliche Delfabrik von Schmidt& Co. an und setzte in wenigen Minuten einen großen Teil des Gebäudes in Flammen. Das ganze Gebäude brannte ebenfalls bis auf den Grund nieder, außerdem fiel noch eine Anzahl Neben= häuser dem entfesselten Element zum Opfer. Einige fünfzig Familien von Angestellten, die diese Häuser bewohnten, wurden obdachlos.

Verkehrsstreit in Leipzig. Am Sonnabend mittag haben sämtliche Automobildroschten und Automobilomnibusse in Leipzig den Betrieb eingestellt. Die Chauffeure find sämtlich in den Ausstand getreten. Anlaß dazu hat die nach Ansicht der Droschkenbesißer und Chauffeure zu scharfe Handhabung der polizeilichen Bestimmungen über den Fahrverkehr ge­geben, die den Chauffeuren in den letzten Wochen zahl= reichen Strafmandate eingetragen hat. Es ist zu erwarten, daß auch die Droschkenkutscher sich dem Streik anschließen werden, da auch diese wegen zahlreicher Uebertretungen der Verkehrsbestimmungen mit Strafmandaten bedacht worden

find.

Unterhaltungsleftüre in Apotheken. Eine zeitgemäße Nuerung ist seit Anfang dieses Jahres in vielen Apotheken eingeführt worden. Um dem auf die Anfertigung von Arz­neien wartenden Publikum Lesestoff aus dem Gebiete der Hygiene und verwandter Gebiete zur Verfügung zu stellen, versendet der Wirtschaftsverband deutscher Apotheker an alle Apotheken eine volkstümliche Monatsschrift, die auch stän­dige Notizen über alles Wissenswerte, über den Verkehr des Publikums mit den Apotheken enthält und in dem Warteraum der Apotheken zur freien Benutzung des Publi­fums aufliegt. Was beispielsweise die teils roten, teils weißen Etiketten besagen, wann runde und wann eckige Flaschen verabfolgt werden- diese und ähnliche Bestim= mungen zum Schütze des Publikums sind noch wenig be­fannt.

Die Sensation in der Zeitung. Einem Aufsatz des Professors Wilhelm Foerster im Tag", der sich gegen das journalistische Uebel wendet, der Zeitung durch Sensation Reser zuzuwenden, entnehmen wir folgendes: Nachdem das Uebel so groß geworden ist, scheint endlich auch die ent­sprechede Größe sittlicher Energie in weiten Kreisen der Menschen gegen jenen unsäglichen Unfug zu erwachen, und man darf das sichere Vertrauen zu den hervorragenden Geistes- und Willenskräften der vielen in der Publizistik tätigen Männer und Frauen haben, daß sie sich dieser stei­genden Bewegung nicht bloß anschließen, sondern mit ihrer großen Sachkenntnis schließlich die Führung zum Rechten übernehmen werden. Aller Anfang ist schwer", und es Ist daher kaum möglich, sofort zu sagen, was zunächst ge­schehen müßte. Nur das eine darf mit Sicherheit gesagt werden, daß diejenigen, denen die Not besonders vor die Augen getreten ist, die Pflicht haben, unablässig auf allen Wegen, die ihren Aeußerungen zugänglich sind, den Ruf erfchallen zu lassen, daß ein Halt zu machen sei mit dem Elend der allzu ausführlichen, allzu sensationellen, allzu un­ablässigen Berichterstattungen über menschliches Elend sitt= licher und natürlicher Art, und zwar etwa in solcher Weise, daß einige der bedeutendsten Organe der Publizistik sich zuſammentun und jene Berichterstattungen auf das geringste Maß des Tatsächlichen und nur in längeren Perioden zu Veröffentlichungen zusammendrängen und dabei auf die Ueberfülle des Räsonnements, welches daran geknüpft wird und welches meistens nur sehr unvollkommene Grundlagen hat, verzichten, dagegen von Zeit zu Zeit wahrhaft kom­petenten Männern aus der ärztlichen, gerichtlichen und pä­dagogischen Praris zu allgemeineren Betrachtungen das Wort geben.

Das Haus der Inngfrau von Orleans. Französischen Blättern zufolge ist eines der bemerkenswertesten Denf= male der französischen Geschichte, das in Orleans gelegene Haus der Jungfrau Johanna, das bis vor kurzem als Museum jener Zeit diente, einer Straßenerweiterung zum Opfer gefallen. Troß aller Proteste aus den Kreisen der Künstler und Gelehrten Frankreichs hat der Magistrat der Stadt darauf bestanden, durch die alte und bisher recht enge Tabourgasse eine Trambahn zu führen, wobei das vorspringende, ehrwürdige Gebäude, das einst Eigentum der Agnes Sorel, der Geliebten König Karls VII. war, vollständig zerstört wurde. Vor allem ist das Fenster ver= schwunden, wo die Jungfrau die Fahne mit dem Bilde der Madonna in Empfang nahm, die sie zum Siege gegen die Engländer führen sollte. Die nicht nur historisch, son­dern auch künstlerisch wertvolle Fassade wurde dadurch ge­rettet, daß man sie auf eiserne Schienen feßte, und in einen anderen Teil der Gasse verbrachte, wo sie fürderhin ihre Stelle finden. soll. Sonst sind heute von dem Hause nur noch traurige Reste übrig.

Die Grog- ühr. Ein alter englischer Landmann, der Jüngst im Alter von 88 Jahren mit seiner 82jährigen

Frau dieg oldene Hochzeit beging, erzählte bei diesem Feste eine ganz reizende Geſchichte von einer Grog- Uhr, die einer seiner Jugendfreunde, ebenfalls ein Bauer, ständig bei sich trug. Er trug nämlich eine Weste mit zwei Reihen von je 11 Knöpfen. Das war seine Grog- Uhr. An jedem Marktage ging er abend ins Wirtshaus und bestellte sich einen Grog nach dem andern, und sobald er ein Glas getrunken hatte, öffnete er einen Knopf seiner Weste. Beim Glase Nummer 11 war die Weste ganz auf­geknöpft, und nun fing er an, sie von oben bis unten wieder glasweise zuzuknöpfen, wobei aber, wohlgemerkt, die zweite innere Knopfreihe benutzt werden mußte, weil sich sein Volumen während des Ablaufens der Grog- Uhr erheblich vermehrt hatte. Pünktlich, wenn seine Uhr das 22. Glas schlug, erhob er sich gemächlich, um nach Hause zu reiten.

Die Rettung der verschütteten Bergleute.

Nicht weniger als 86 Stunden Yang haben auf der Beche Holland" die heldenmütigen Retter, ständig durch einen Nachsturz vom Schachtrande her bedroht, an dem schwierigen Werke gearbeitet, ihre in der Dienstagnacht verschütteten sechs Kameraden aus dem eingestürzten Schachte zu befreien. In der zweiten Nachmittagsstunde des Sonnabends endlich sind, wie schon in einem Teile der letzten Nummer gemeldet, ihre Bemühungen von Er­folg gekrönt worden, und es ist gelungen, alle sechs, zwar geschwächt durch die lange Gefangenschaft, aber doch lebend an die Oberfläche zu bringen. Ueber die Rettung werden noch folgende Einzelheiten berichtet: Um 4 nach 1 Uhr ging eine freudige Bewegung durch die auf dem Zechen­plab tätigen Arbeiter und Beamten. Bald nachher ertönte auch das Zeichen zum Aufzug des ersten Transportes. Langsam zog die Fördermaschine an. Um 1.23 Uhr er­Decken gehüllt, die Augen zur Abhaltung des grellen Lichts mit einem Tuch verhängt, einer der Geretteten schien der Kübel am Schachtmund. Auf dem Rand des Kübels standen drei Rettungsleute, drinnen saß in warme Es war der Bergmann Ragozwski aus Leithe. Ragozwski wurde auf eine Tragbahre gelegt und schnell in das einige Meter vom Schacht entfernte Maschinenhaus getragen, wo der Arzt der Ankunft der Geretteten harrte. Wenige Mi­nuten nach dem ersten Transport folgte der zweite, dies­mal tamen gleich zwei Gerettete, Schüpp aus Kray und Kaufmann aus Gelsenkirchen zu Tage. Der erste, der dem Kübel entstieg, lachte dem Tageslicht mit voller Behaglich­feit entgegen. Kaufmann verschmähte die Tragbahre und ging raschen und elastischen Schrittes die Stufen zum Ma­schinenhaus empor. Wie man bei der Ankunft dieses Trans­portes sagte, hat einer der beiden Genannten durch fallendes Gestein einen Armbruch erlitten. Der letzte Kübel, der bald nach 22 Uhr den Schachtrand erreichte, führte den Drittelführer Gleßner und seine Kameraden Bayer und Dolata zum Tage und zum Leben zurück. Das auf der Steinhalde zahlreich angesammelte Publikum brach, als es sah, daß das Rettungswerk glücklich gelungen war, in begeisterte Hoch- und Hurrarufe auf Retter und Gerettete aus. Gleßner, Bayer und Dolata gingen ebenfalls zu Fuß. Im Maschinenhaus untersuchte ein Arzt die Geretteten, die alle erklärten, sich wohl zu fühlen. Man reichte ihnen Er­frischungen.

Eine Unterredung mit einem der Geretteten.

Das Befinden der sechs verschüttet gewesenen Knappen ist andauernd ausgezeichnet. Wie einer der Geretteten, der Sauer Gleßner, erzählt, erfolgte der Schachteinbruch voll­ständig überraschend für die in der Grube befindlichen sechs Knappen. Das Unglück hatte sich ohne jedes warnende Geräusch vollzogen, und die Mannschaft hatte gerade noch fobiel Beit, sich in die schüßende Mauer der Südseite zu flüchten. Natürlich ist den sechs Bergleuten der Aufenthalt in dem verhältnismäßig engen Kerker nicht eben furzweilig gewesen, zumal ihnen die Lampen beim Unglück abhanden gekommen waren. Bei ihrer Errettung hätten sie aber nicht geglaubt, daß sie im ganzen vier Tage und vier Nächte eingeschlossen gewesen wären. Nach ihrer Meinung hatten sie den Eindruck, als wären seit dem Augenblick der Kata­strophe nur zwei Tage verflossen. Daß die Verschütteten, wie verschiedentlich angegeben, sich durch Zeichen mit der Außenwelt hätten verständlich gemacht, wurde von Gleßner als unrichtig bezeichnet. In der Erwartung, daß das Klopfen an der Wand des unterirdischen Gefängnisses mög­licherweise weitere gewaltige Nachstürze verursachen könne, habe man sich darauf beschränkt, sich durch Rufen bemerkbar zu machen. Dieses Verständigungsmittel habe ja auch seinen Zweck erfüllt Sehr erschwert wurde die Lage der Verschütteten durch jeglichen Mangel an Nahrung und trink­baren Flüssigkeiten, denn die Schichten sind so eingerichtet, daß die Bergleute nach je sechs Stunden abgelöst werden und sich deshalb nicht mit Nahrung und Getränken ver­sorgen.

Das Hochwasser in Frankreich.

Aus Frankreich kommen immer neue Meldungen über die gewaltigen Schäden, die das Hochwasser angerichtet hat. Wie uns heute ein Telegramm meldet, hat sich nach den Regengüssen der letzten Tage nunmehr starkes Schnee­gestöber eingestellt. Infolgedessen sind zahlreiche Telephon­und Telegraphendrähte zerstört. Auf der Bahnlinie un­weit des Tunnels Genevreuille bei Lure fand ein Erd­rutsch statt. Ein Bahngleise ist verschüttet worden, der Verkehr wird auf einem Gleise aufrecht erhalten. Die Ueberschwemmungen längs der Maas nehmen zu, ebenso zwischen Sedan und Mezieres, wo die Felder bis auf weite Strecken überschwemmt sind. Auch die Aisne ist stark gestiegen. Im Aisne- Tal haben alle Fabriken und Mühlen In den Straßen von ihren Betrieb einstellen müssen. Rethel steht das Wasser meterhoch. Die Einwohner sind in ihren Häusern blockiert. Der Verkehr wird mit Booten aufrecht erhalten. Große Holzlager sind durch die Wasser­mengen beschädigt. In Troyes ist die Unterstadt vollständig überschwemmt. In Foucheres ertranten zwei Kinder. In Epernay herrscht große Befürchtung wegen des zu­nehmenden Steigens der Marne. Seit gestern nachmittag stehen auch hier die tiefer gelegenen Stadtteile unter Wasser und die Wohnungen mußten geräumt werden. In der Umgebung von Epernay find mehrere Ortschaften über­schwemmt und vom Verkehr vollständig abgeschnitten. Die Einwohner sind bedroht. Viele haben sich auf die Dächer geflüchtet. Auch in Chateau sur Marne ist die Lage noch sehr ernst. Die Truppen beteiligen sich an den Rettungsarbeiten. Der Schaden ist sehr groß.

Der Eiffelturm wankt.

Durch das Hochwasser der Seine, das ganze Straßen­züge in Paris überflutet, sind auch die Fundamente des gewaltigen Eiffelturmes gelockert worden, so daß man mit ber Gefahr eines Einsturzes rechnet. Unter dem Eiffel­turm befinden sich große ausgedehnte Kellerräume, in denen die Maschinen untergebracht sind, welche den Betrieb der Fahrstühle bis zu den obersten Etagen besorgen. In diese Kellerräume ist eine große Menge Wasser eingedrungen und hat die Maschinen unter Wasser gesezt. Man befürchtet mun, daß infolge dieser großen Wassermenge eine Erdsenkung erfolgen und dadurch eine Spannung der miteinander so innig verbundenen Eisenteile hervorrufen könnte. Der ganze Plaz um den Eiffelturm ist durch Seile für das Publikum abgesperrt und der Zutritt auf das strengste untersagt. Der Eiffelturm war 1889 von dem Ingenieur Eiffel als Hauptsehenswürdigkeit der großen Pariser Weltausstellung gebaut. Er ist 300 Meter hoch, ganz aus Eisen und ruht

auf gewaltigen Betonklößen. In den lebten Jahren hat er auch der Wissenschaft als meteorologische Beobachtungs station gedient. Erst vor kurzem wurde im höchsten Stod des Turmes eine Station für drahtlose Telegraphie ein­gerichtet.

Sturm in Italien.

An der italienischen Küste herrscht ein orfanartiger Sturm, der bereits enormen Scha den verursacht hat. Infolge der plößlich eingetretenen Wetterstürze ist die Be­völkerung in großer Aufregung und spricht vom Welt­untergang.

Die Eisenbahnfatastrophe in Kanada.

Ueber die furchtbare Katastrophe, die sich, wie wir bereits ant Sonnabend berichteten, auf der Kanadischen Pazifik bahn bei Espanola ereignet hat, laufen die Nachrichten, da jene Gegend nur dünn bevölkert ist, nur sehr spärlich ein, Es bestätigt sich aber, daß das Unglück von entseblicher Tragweite war, und daß die Verunglückten unter grausigen Umständen ihr Leben eingebüßt haben. Bei dem Unglück sind mindestens 45 Personen ums Leben gekom men. Sie befanden sich sämtlich in den vier Waggons, die den Bahndamm bei Webbwood westlich von Sudbury in den Fluß hinabstürzten und das zwölf Boll dicke Eis durchbrachen. Auch die Zahl der Verletzten ist außer­ordentlich groß, doch fehlen auch hier noch genauere Angaben. Ein Waggon zweiter Klasse wurde gegen den Brückenkopf geschleudert, wodurch er in zwei Hälften ge­trennt wurde. Die eine blieb auf dem Bahndamm, die andere stürzte in den Fluß. Ferner stürzten zwei andere Passagierwagen ebenfalls ab und durch das Eis, welches ungefähr fußdick war. Das Oberteil eines Waggons vagte noch über das Wasser, sodaß der Kondukteur eines Wagens acht Passagiere retten konnte, indem er die Wagendecke mit fast übermenschlicher Kraftanstrendung durchbrach. Alle an­deren Passagiere sind umgekommen, Taucher suchen die Leichen.

Drabtnachrichten und Deaestes.

Heute meldet uns der Draht noch:

Ottawa, 23. Januar. Ueber den Umfang des Eisen­bahnunglücks auf der Canadian- Pazifit- Bahn liegen nun­mehr nähere Nachrichten vor. Der Fluß, in den die Wagen hinabstürzten, war von einer 12 8oll starken Eis­schicht bedeckt, unter der jetzt die Leichen der Reisenden bon Tauchern gesucht werden. Die abgestürzten Wagen sind ein Wagen mit Auswanderern, ein Wagen erster Klasse und ein Wagen zweiter Klasse. Auch der Speisewagen entgleiste, aber die acht Insassen konnten sich retten.

Das Kaiserpaar im Warenhaus Wertheim. Berlin, 24. Januar. Das Kaiserpaar stattete gestern vormittag dem Warenhaus Wertheim in der Leipzigerstraße einen Besuch ab, um die dort ausgestellten Tonerzeugnisse aus Cadinen in Augenschein zu nehmen. Die Majestäten Iteßen sich auch den großen Lichthof, die Schöpfung Messels, zeigen und verließen das Warenhaus erst nach einem ein stündigen Aufenthalt.

Unfall eines faiserlichen Automobila.

Berlin, 24. Januar. Ein kaiserliches Automobil, in dem die Hofdame der Kaiferin. Fräulein von Gersdorff und Kammerherr von Winterfeld saßen, stieß am Brandenburger Tor mit einem Straßenbahnwagen zusammen. Weder die Infassen des Automobils noch die Fahrgäste des Straßent­bahnwagens wurden verletzt.

Kinder als Mörder.

München, 24. Jan. In Braunau am Inn überfielen die beiden schulpflichtigen Söhne eines Eisenbahnbeamten eine gebrechliche Kaufmannsfrau namens Bertel, die als sehr vermögend gilt, in ihrem Laden. Sie brachten ihr 7 Stiche bei, wurden aber überrascht und ergriffen die Flucht. Der Polizei gelang es, die beiden Jungen zu ermitteln und zu verhaften. Sie hatten beabsichtigt, die Frau und ihren Mann, der seit längerer Zeit darniederliegt, zu ermorden und zu berauben.

Genicstarre.

Paderborn, 24. Januar. Im 158. Infanterieregi­ment hat sich in der ersten und der achten Kompanie je ein Fall von Genickstarre ereignet. Die Mannschaften der betreffenden Kammern wurden zur Beobachtung ins Gar­nisonlazarett gebracht. Ein Erkrankter ist gestorben.

Im Festsaal vom Tode creilt.

Allenstein, 24. Januar. Bei einer vom Ersten Staatsanwalt Nonnenberg im Zivilkafino veranstalteten Ballfestlichkeit brach dieser nach einem von ihm ausgebrach ten Toast zusammen und verschied im Festsaal.

Verhaftung eines spanischen Gemeinderats.

0 Paris, 24. Januar. Aus Barcelona wird berichtet, daß der gesamte Gemeinderat von San Ferlios, wo der Generalstreik ausgebrochen ist und beunruhigende Formen anzunehmen droht, auf Befehl des Generalgouverneurs verhaftet worden ist.

Das Schicksal des sächsischen Ballous Luna. Christiania, 24. Januar. Ein im Gebirge bei Sigdal nördlich von Drammen wohnender Bauer, der erst kürzlich die behördliche Aufforderung zur Nachforschung wegen des verschollenen sächsischen Ballons" Luna" in der Zeitung las, meldete, daß er am 21. oder 22. Dezember gegen 3 Uhr nochmittags einen großen hellen Gegenstand niedergehen sah, etwa 50 kilometer von seinem Gehöft, wahrscheinlich am Graafield im Noregebirge. Die von der deutschen Ge-. sandtschaft und dem Ministerium des Auswärtigen einge­leiteten Erhebungen lassen die Möglichkeit zu, daß es der Ballon Luna" war. Die Behörde sandte gestern zwei Sti läufer in jene Gegend. Falls deren Forschung ergebnislos bleibt, soll eine Hilfskolonne ausgesendet werden.

Die englischen Wahlen.

London, 24. Jan. Nach den bis Mitternacht bekannten Wahlergebnissen wurden gewählt 217 Unionisten, 184 Li­berale, 33 Vertreter der Arbeiterpartei und 67 Nationalisten. Die Unionisten gewannen 101, die Liberalen 13 Size, die Arbeiterpartei einen Sib.

Eine italienische Skandalaffäre.

Rom, 24. Jan. In der gesamten römischen und neapo litanischen Aristokratie spricht man von einer Standal affäre, deren Held der Neffe des Kardinalstaatssekretärs Rampolla ist, ein junger Aristokrat, Herzog von Gampo bella und Sohn des Prinzen von Buonjorello, der mit der Stiefschwester des Kardinals verheiratet ist. Er hat den Namen seines Oheims mißbraucht und Wechsel im Betrage von 42,000 Lire auf Rampollas Namen gefälscht. Die Fa­Familie der Campobella ist eine der vornehmsten adligen Familien in Italien und hat sogar der Kirche einst einen Bapst gegeben in der Person Clemens X. Der junge Herzog ist als großer Lebemann bekannt. Er hat mit einer Sän­gerin ein Vermögen von 2 Millionen Lire durchgebracht. Bombenattentat gegen ein Gefängnis. Madrid, 24. Januar. In Innalaz( Provinz Granada) wurde das Gefängnis durch eine Dynamitbombe schwer be schädigt und zwei Gefangene verwundet. Die Gefangenen waren die Mörder eines Mannes, dessen Angehörige fich auf diese Weise rächen wollten.

Handel und Verkehr.

Caifel, 22. Januar. Weizen( 100 Kilogramm) 22.00 bis 22.50 Mt. Roagen( 100 Kilogramun) 15,75 bis 16,50 mt.- Safer( 100 Kilo Gerfte( 100 Kilogramm) 15.00 bis 16.00 Mr. Seu( Bentner) 4,50 bis 5,50 gramm) 15.50 bis 16.75 Mr. Mart. Stroh( Bentner) 1.80 bis 3.00 Mr.

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