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Für oder wider die Todesstrafe.

Eine Umfrage darüber, ob die Todesstrafe abzuschaffen oder beizubehalten sei, hat die Neue Ges. Korr." veran­staltet und die eingegangenen Antworten in einem Buche Für oder wider die Todesstrafe" zusammengestellt. Ueber­raschenderweise findet man unter den Befürwortern der Todesstrafe Männer, die man wohl in der Reihe ihrer Heinde vermutet haben würde, so z. B. Paul Heyse, den Lyriker und Novellisten, der sich folgendermaßen äußert: Wie es für den einzelnen Fälle geben kann, wo er das Recht und sogar die Pflicht hat, einen Menschen zu töten, so auch für die Staatsgemeinschaft." Auch Ernst Haeckel spricht sich für die Beibehaltung der Todesstrafe aus. Er sagt, jede menschliche Kulturgesellschaft hat das Recht der Notwehr und kann unverbesserliche Verbrecher, die ihren eigenen Bestand bedrohen, nur auf diese Weise unschädlich machen. Auch verlangt die öffentliche Meinung meistens einstimmig die Todesstrafe, wenn der Verbrecher in bru­taler Roheit selbst unschuldige Menschenleben vernichtet hat. Uebrigens ist nach meinem Geschmack die Strafe des le­benslänglichen Zuchthauses widersinnig und schlimmer als die Todesstrafe." Ebensowenig wollen u. a. Richard Voß, Ernst v. Wolzogen, Graf Posadowsky, Prinz Heinrich Ca­rolath, Franz v. Stuck von der Beseitigung der Todesstrafe etwas wissen. Am weitesten geht Peter Altenberg, der allen Ernstes die Todesstrafe für Eltern, die ihre Kinder, und für Kutscher, die ihre Pferde mißhandeln, verlangt. Un­ter den Gegnern der Todesstrafe begründet Hermann Bahr feinen Standpunkt folgendermaßen: Daß irgendetn Mensch, wer es auch sei, fich anmaßen will, einem anderen das Leben abzusprechen, scheint mir etwas so Verrucht Un­menschliches, daß ich gar nicht verstehe, wie man über die Todesstrafe auch nur diskutieren kann. Sie scheint mir schändlicher als jeder andere Mord, denn sie nimmt noch die Maske der Gerechtigkeit um." Frederic Passy, der greife französische Gelehrte, von dem vor vierzig Jahren die Friedensbewegung ausging, betont, daß noch in keinem Staate die Zahl der Kapitalverbrechen nach Abschaffung der Todesstrafe zugenommen habe. Von denen, die die Ab­schaffung der Todesstrafe befürworten, seten noch genannt Roda Roda, August Bebel, Carmen Sylva, die Königin von Rumänien, Berta von Suttner, H. v. Gerlach u. a.

Rundschau vom Cage. Politisches.

Der Kaiser in Weimar. Der Katser ist am Sonntag nachmittag gegen 5 Uhr im Sonderzug in Weimar ein­getroffen. Im Gefolge befanden sich Hausmarschall Fret­Herr von Lyncker, Generaladjutant Generaloberst von Ples­sen, die Flügeladjutanten Oberstleutnant Freiherr von Sent­den und Major von Neumann- Cosel, sowie Stabsarzt Dr. Niedner. Der Kaiser wurde am Bahnhof vom Großherzog empfangen und fuhr mit diesem nach dem Residenzschlosse. Hier fand um 6 Uhr Galatafel statt.

Herr von Schoen Botschafter in Paris? Ein Ber­liner Telegramm der Rhein- Westf. 3tg. meldet auf Grund einer Information, die von angeblich gut unterrichteter Seite kommt, Herrn von Schoens Tätigkeit als Leiter der auswärtigen Politik könne als abgeschlossen betrachtet wer­den. Die Gründe für das vermutliche Scheiden des Staats­sekretärs seien nicht allein in den überaus zahlreichen An­griffen zu suchen, die von seiten aller Parteien gegen ihn laut wurden, wegen der Art, wie er deutsche Interessen im Auslande vertrete, sondern man neige auch der Ansicht zut, daß der neue Kanzler, der in manchen Beziehungen einen von Bülows Gepflogenheiten abweichenden Kurs ein­schlagen wolle, dies besser tun könne, wenn ein Mann seiner Richtung Leiter des Auswärtigen Amtes sei. Ueber den Termin des Wechsels verlaute noch nichts bestimmtes; doch werde Herr von Schoen auf jeden Fall noch sein Ressort im Reichstage vertreten. Bekanntlich set es schon lange der Wunsch des Staatssekretärs, Botschafter in Paris zu wer­den, und aller Voraussicht nach werde diesem Wunsche auch entsprochen werden.

Dernburg auf dem Wege zum Adel? Unter der Ueber­schrift Dernburg als Triumphator" meldet die Tägliche Rosch." Wenn die Leute recht haben, die das Gras wachsen hören, wird Herrn Dernburg der rühmliche Lohn für seine Arbeit an der Hebung unserer Kolonien sehr bald ereilen. Es soll in kürzester Zeit die Verleihung des Adels an den Staatssekretär der Kolonien zu erwarten sein.

Die diesjährigen Kaisermanöver zwischen dem 1. und 17. Armeekorps werden ebenso wie im Vorjahre von den Kai­serparaden getrennt abgehalten werden. Die Kaiserparade des westpreußischen Korps wird am 27. August in Danzig stattfinden. Im Anschluß an die Parade wird das geplante Fest auf der Martenburg stattfinden. Dann folgt die Parade in Königsberg, nach deren Beendigung der Kaiser nach Ber­lin zurückkehrt. Die Kaisermanöver selbst werden vom 8. bis 10. September im Gelände östlich der Weichsel bis zur Passarge abgehalten.

Die Fleischerzeugung in Deutschland. Der Vorsitzende des Bundes der Vichhändler Deutschlands Hermann Daniel aus Dirdorf, Bez. Koblenz, wurde, wie die Dtsch. Fleischerzta." meldet, vom preußischen Landwirtschaftsmini­ster von Arnim empfangen und überreichte dabei die Vor­schläge des Bundes zur Verbesserung der Fleischerzeugung

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Der Fall Welshofen.

Kriminalroman von M. Kossak.

( Nachdruck verboten.)

.. ,, Ist der Kneifer, zu dem dies Glas gehört" fragte Brümmel, das letztere vorzeigend, den Verkäufer bei Jum­busch ,, vielleicht hier gekauft? Ein Freund von mir, der Besitzer des Kneifers, hatte nämlich vor acht Tagen das Pech, das korrespondierende Glas zu zerbrechen und trotzdem er sich die größte Mühe gab, gelang es ihm nicht, hier in Wien ein gleiches zu bekommen. Er ver­mag sich nicht mehr zu erinnern, wo er dieses gekauft hat, und da er augenblicklich das Zimmer hüten muß, so bat er mich, ihm ein passendes Pincenez zu besorgen. Ich bin nun schon hier und dort gewesen, aber immer ver­gebens."

Der Verkäufer nahm das Glas in die Hand und be trachtete es ebenso wie Herr Werkenthien es getan, durch die Lupe.

,, Nein", entgegnete er ,,, das Glas ist nicht von uns, sondern höchstwahrscheinlich in Bordeaux gekauft. Das heißt, meine Folgerung ist sehr voreilig, ich machte meine Folgerung nur aus dem Umstande, daß uns im verflosse­nen Sommer der Reisende einer Bordelaiser optischen Fab­rik derartige Gläser zum Verkauf anbot."

Der Herr des Geschäfts, der aus einer Ecke des La­dens die Worte gehört, kam dazu. Er murmelte etwas, das ungefähr wie Schafskopf" tlang und dem verächt­lichen Blick nach, den er dabei auf seinen Kommis warf, Jedenfalls nicht schmeichelhaft für diesen war.

,, Kann man die Waren einer Bordelaiser Fabrik denn mur in Bordeaug, kaufen, Nosset?" fuhr er seinen Unter­gebenen an. Sie sagten eben selbst, daß der Reisende fie uns anbot und daher wird er sie selbstverständlich auch andern angeboten haben. Ich möchte Ihnen vaten, Nos­set, Ihre Worte erst zu überlegen, ehe Sie sie aussprechen, es fommen sonst gar zu viele Torheiten zutage. Bitte mein Herr" wandte er sich, indes der gemaßregelte Ver­fäufer sich groflend und beschämt zurückzog, an Brümmel ,, wollen Sie mir Ihr Glas geben."

im Inlande. Die Vorschläge gingen im wesentlichen da-| rauf hinaus, die Grenzen nicht zu öffnen, dafür aber im Innern eine stärkere Konkurrenz durch Unterstützung von Mastanstalten hervorzurufen.

Die Gofin- Gerste. Auf Veranlassung des Reichsschat­amtes sind in Hamburg, im Beisein eines Berliner Sach­verständigen, Versuche mit der Fütterung von Schweinen mit cosingefärbter Gerste veranstaltet worden. Es hat sich dabei ergeben, daß weder Magen noch Eingeweide eine rötliche Färbung zeigten. Da aber von anderer Seite an­gestellte Versuche das Gegenteil ergeben haben, hat das Reichsschazzamt an die nachgeordneten Behörden eine Ver­fügung erlassen, wonach fortan Gerste nicht mehr wie bis­her mit zwei, sondern nur mit einem Prozent Eosin ge­färbt verfuttert werden darf.

Vom Deutschen Lehrerverein. Der geschäftsführende Ausschuß des Deutschen Lehrervereins erläßt eine längere Erklärung, in der der Vorwurf des Straßburger Bischofs Dr. Frizen, der Lehrerverein verfolge religions- und ftr­chenfeindliche Tendenzen, zurückgewiesen wird. Darin heißt es: In den Organen des Deutschen Lehrervereins sind zwar schulpolitische Forderungen der Zentrumspartei wie­berholt nachdrücklich bekämpft worden. Angriffe gegen die katholische Kirche als Religionsgemeinschaft gegen katholische Dogmen oder gar gegen die Grundlagen des Gottesglaubeng wird ihnen jedoch niemand nachweisen können. Was im besonderen die religionslose Schule anbetrifft, so hat sich das Hauptorgan des Deutschen Lehrervereins, die Pädago­gische Zeitung, mit aller Entschiedenheit gegen diese Schul­einrichtung ausgesprochen."

Die Wahlen in England. Die radikale englische Presse spricht einmütig die Ueberzeugung aus, daß im neuen Par­lamente die liberale Mehrheit auf die irischen Nationalisten angewiesen sein wird. Unter solchen Umständen ist ein energisches Vorgehen gegen die Lords unmöglich. Man rechnet bereits mit einer abermaligen Auflösung des Par= laments und mit Neuwahlen für das nächste Jahr.

Heimkehr der spanischen Marokkokämpfer. Eine unge­beure Volksmenge durchzog am Sonnabend die Straßen von Madrid, durch welche die aus Melilla heimkehrenden Sol­daten ihren Einzug hielten. Die Begeisterung des Publi­tums war eine sehr große. Die Truppen wurden vom Bürgermeister, dem Gouverneur, dem Kriegsminister und dem Kabinettschef an den Stadttoren begrüßt. Letzterer be= glückwünschte den General Tovar und seine Truppen zu ihrer Haltung. Der Einzug erfolgte um 11 Uhr inmitten einer ungeheuren Volksmenge und deren begeisterten Ova­ttonen. Die Soldaten konnten sich nur mit Mühe einen Weg bahnen. Sie zogen hierauf an dem königlichen Palast vorbei.

Aus der Türkei. Der Präsident der Kammer hat offen den Verdacht ausgesprochen, daß dem Parlamentsbrand ein verbrecherischer Anschlag zugrunde liege.- Der Kammer­präsident Achmed Riza wurde gestern auf offener Straße von einem Unbekannten tätlich insultiert.

Der japanische Reichstag ist am Sonnabend vormittag wieder zusammengetreten. Der Ministerpräsident Mar­quis Katsura legte dar, daß die Beziehungen Japans zu den mit ihm durch Verträge verknüpften Mächten harmo­nisch seten und daß das Bündnis mit Großbritannien sich noch fester gestaltet habe. Alle zwischen Japan und China schwebenden Fragen seien wechselseitig geregelt worden. Die Regierung habe den Grundsatz der offenen Tür" in der Mandschuret immer geachtet. Er glaube, daß die Mächte den aufrichtigen Charakter des Japanischen Vorgehens in der Mandschurei anerkennen.

Kleine Nachrichten:

Bevorstehendes freudiges Ereignis am Zarenhofe. Der Petersburger Korrespondent des Pariser Matin" telegra= phiert, daß der wahre Grund der Krankheit und Gemüts­depression der Zarin der set, daß sie sich in gesegneten Um­ständen befinde.

Prinzessin Luise unter Vormundschaft. Die letzten Vor­gänge sollen einer Brüsseler Meldung zufolge die Not­wendigkelt haben erkennen lassen, die Prinzessin Luise einer gerichtlichen Vormundschaft bezüglich des Abschlusses von Kaufgeschäften und der Uebernahme von Rechtsverbindlich­fetten zu unterstellen. Wie zuverlässig verlautet, wird der Schwiegersohn der Prinzessin Luise, der Herzog Ernst Gün­ther zu Schleswig Holstein, namens der Familie diese Schußmaßregel unverzüglich veranlassen.

Der Fleischboykott in den Vereinigten Staaten, der, wie wir berichteten, infolge der Fleischteuerung unternommen wurde, ist im Wachsen begriffen; mindestens eine Million Personen aller Kreise des Landes haben die Verpflichtung übernommen, kein Fleisch zu essen.

Der Zustand Hofrichters. Hofrichters Verhalten im Militärarrest hat die Besorgnts wachgerufen, er könnte in Wahnsinn verfallen. Die aufgezwungene Untätigkeit und die vollkommene Abschließung hätten ihn trübsinnig gemacht. Er brütet in seiner Zelle vor sich hin und verweigert schließ= lich die Annahme von Nahrung.

Tod infolge Fischvergiftung. Baurat Martens, der Erbauer zahlreicher Banken und Sparkassen in allen Teilen Deutschlands, ist Sonnabend früh im Alter von 67 Jahren nach mehrwöchiger Krankheit in seiner Grunewaldvilla bet Berlin an den Folgen einer Fischvergiftung gestorben.

Ein schwerer Banunfall ereignete sich am Sonnabend

Der Detektiv reichte es ihm und Herr Jumbusch unter­suchte es.

,, Der Kneifer ist bet Rouveau in Toulouse gekauft", sagte er dann. Der Name des Geschäfts mitsamt der Straßennummer steht ja am Außenrande eingraviert. Durch die Lupe kann man ihn lesen. Ich kenne die Firma nicht, aber eine Fabrik ist es bestimmt nicht, da es in Frankreich nur ein paar gibt, die diese Sachen machen und deren Namen sind mir natürlich bekannt. Folglich ist Rouveau in Toulouse nur ein Optikerladen, da in Frankreich aber nur die optischen Fabriken Reisende verschicken und nie­mals die Inhaber von offenen Läden, so ist mit ziem­licher Bestimmtheit zu behaupten, daß das Pinzenez bei Rouveau in Toulouse gekauft ist. Woher die Firma es bezogen hat, vermag ich dagegen nicht anzugeben. Ueb­rigens eine ungewöhnliche Nummer. Der Mann, der das Glas trägt, muß in seltenem Maße furzsichtig sein, denn Gläser dieser Nummer hält man gewöhnlich gar nicht mehr vorrätig. Außerdem ist das Glas stark kon­kavg eschliffen eine weitere Seltsamkeit. Ich erin­nere mich kaum, daß ie nach einem solchen Glas Nachfrage gewesen ist."

doch, Herr Jumbusch" mischte sich hier der gescholtene Kommis in das Gespräch. Er wollte wohl die erlittene Scharte ausweßen. Vor acht Tagen etwa - es war ziemlich früh und wir hatten eben den Laden aufgemacht war ein Herr hier, der nach einem solchen Augenglas fragte. Er wollte diese Nummer haben, auch sollte das Glas in allem übrigen diesem hier gleichen." ,, Wie sah der Herr aus?" fragte Brümmel.

Ja, er war etwas größer als Sie, so ungefähr mittel­groß und auffallend mager und sein Gesicht sah so gelb aus wie Bergament. Keinen Bart hatte er und sprach wie ein Ausländer."

,, In welchem Alter stand er?"

Das läßt sich schwer sagen bei dem Gesicht. Er kann ebensogut jung wie alt sein, aber ganz jung ist er, glaub ich, doch nicht gewesen."

Der Detektiv wollte noch eine Frage tun, aber da Herr Jumbusch bereits befremdet aufhorchte, als der frem­de Besucher seines Geschäfts sich so angelegentlich nach

in Rixdorf bet Berkin. Auf einem vortigen Neubau brach vormittags geçen 9 Uhr die Balkenlage des ersten Stockes plößlich durch. 6 Arbeiter( ein Maurer und fünf Stein­träger) wurden mit in die Tiefe geriffen und erlitten zum Teil schwere Beslegungen.

Wahnsinnste einer Mutter. Sett dem vor einigen Wochen erfolgter Tode ihres Mannes hatte die Witwe Klaas auf dem Gute Irlerhof bei Aachen mehrfach Anfälle von Trübsinn. Gestern sandte sie ihre fünf unerwachsenen Kin­der unter cinem Vorwand aus dem Hause und durch­schnitt sich dann mit dem Ramesser ihres Mannes die Kehle.

Raubmord an einer Greff. n. In Sütern bei Birkenfeld im Rheiland wurde die über 60 Jahre alte Witwe Konrad beim Holzsammeln im n- hegelegenen Walde erdrosselt und ihrer Barschaft von etwa dri Mart beraubt.

Im Wurstkessel verbikht. In München- Gladbach stürzte das dreijährige Söhnchen des Meggermeisters Jansen in einem unbewachten Augenblick in einen Kessel mit steden­der Wurstbrühe und starb sofort.

Selbstmord eines Zehnjährigen. Der Hamburg- Berliner D- Zug überfuhr am Sonnabend bei Müssen den zehnjäh­rigen Knaben Emil Nörnberg. Der Junge war sofort tot. Er hat freiwillig seinem Leben ein Ende gemacht. Als der Knabe bei seiner Rückkehr aus der Schule erfuhr, daß feine Mutter wegen Diebstahls im Amtsgeri tsgefängnis interniert sei, rannte er voller Verzweiflung dem Zuge entgegen und stürzte sich auf das Gleis.

Einsturz eines Fabrikgebändes. In Charleroi in Vel­gien stürzte der Neubau eines Fabrikgebändes von dreißig Meter Front zusammen. Das ganze Riefengebäude bilder einen wüsten Trümmerhaufen. Fünf Arbeiter Itegen unter der ungeheuren Masse von 3ement und Eisen begraben. Von den sechs Mann, die im obersten Stockwerk arbeiteten, find fünf Mann schwer verletzt, einer ist tot.

Neues Grubenunglück. Im Georgs- Schacht der Mathil­dengrube bei Breslau wurden drei Häuer durch herab­fallendes Gestetn verschütet. Einer ist tot, die beiden an­deren sind schwer verleßt. Ferner wurden in der Ludwigs­glück- Grube drei Grubenarbeiter durch Zurückgehen eines Pfeilers verschüttet. Auch hier wurde einer getötet, während die beiden anderen Verlegungen erlitten.

Eisenbahnräuber. Räuber überfielen den Missouri- Pa­cific- Bug 45 Kilometer westlich von St. Louis, zwange den Führer, mit der Maschine und dem Gepäckwagen nach etnem abgelegenen Ort zu fahren, sprengten den Geld­schrank und entfamen mit reicher Beitte.

Wissenschaft. Kunst und Citeratur.

Auskunft- und Fürsorgestellen für Krebsverdächtige. Das deutsche Zentralfomitee für Krebsforschung hat in Ber In zwei Auskunfts- und Fürsorgestellen für Krebsverdäch­tige eingerichtet, deren Leitung dem Direktor des Charitee­frankenhauses Geh. Rat Pütter untersteht. Die Einrich­tung bezweckt. Personen, die an Krebs erkrankt sind oder fürchten, an Krebs zu leiden. Auskunft zu erteilen, in wel cher Wetse sie am besten Hilfe erhalten können. Eine ärzt­liche Auskunft seitens der Auskunfts- und Fürsorgestelle findet nicht statt.

Aus den Gerichtssälen.

Drei Todesurteile. Das Schwurgericht in Köln ver­urteilte nach fünftägiger Verhandlung den Müller Wil­helm Felix aus Winterborn bei Gammersbach wegen der Ermordung seines gleichnamigen Vetters, begangen in der Garderother Mühle bei Winterborn, zum Tode.- Das Schwurgericht zu Zweibrücken verurteilte den 26jährigen Fabrikarbeiter Schlindwein aus Bellheim, der die 21jäh­rige Anna Schiefer und deren Stiefmutter zu Ludwigs= hafen ermordet hat, nach zweitägiger Verhandlung zwei­mal zum Tode. Das Kriegsgericht in Petersburg hat Wosrefsensky alias Petroff, der für schuldig befunden wur­de, den Chef der politischen Polizei. Oberst Karpow, er­mordet zu haben, zum Tode durch den Strang verurteilt.

Vermischtes

Neues Erdbeben in Süditalien? Wie aus Aachen ges meldet wird, verzeichnete am Sonnabend die Erdbebensta­tion der dortigen technischen Hochschule ein äußerst heftiges Erdbeben von der Stärke des Messinabebens. Nach den seismographischen Aufzeichnungen begann das Beben um 9 Uhr 53 Minuten vormittags, war um 10 Uhr am hesigsten 1.nd dauerte bis 11% Uhr. Der Herd war ungefähr 2300 Kilometer in süd- südöstlicher Richtung entfernt. Die Ge­lehrten vermuten, daß das Erdbeben wieder Süditalten Heimgesucht hat. Auch der Seismograph der Utrechter Uni­versität hat das Erdbeben registriert. Da bisher keine Mel­dungen über eine neue Erdbebenkatastrophe in Süditalien vorliegen, so ist kaum anzunehmen, daß das registrierte Beben bewohnte Gegenden heimgesucht hat. Vermutlich war es nur ein Seebeben.

Wie Vermögen in Minuten gewonnen und verloren werden. 20 Milliarden Mark, das ist die märchenhafte Summe, die in Amerika alljährlich durch Spekulation und Wetten verspielt oder gewonnen wird, genug Gelb so führt

jenem Knaben erkundigte, den er doch gar nicht kannte, zog er es vor, weitere Fragen zu unterlassen.

,, m" meinte er- ,, mein Freund wird das schwer­lich gewesen sein, denn dem sieht es ieder auf den ersten Blick an, daß er erst am Ende der Zwanziger steht- ich dachte nämlich, daß der Herr, der sich hier nach dem Augenglas erkundigt hat, mein Freund ist, für den ich es besorgen will. Trug er vielleicht einen braunen Anzug?"

,, Ach nein," erwiderte der Kommis lachend ,,, iener war ganz in einen schwarz und weiß karierten Stoff geklei­det solch große Karos! Ich glaub', in ganz Wien gibt es nicht solch einen Anzug."

,, Dann ist es mein Freund ganz gewiß nicht," versetzte Brümmel. Aber ich will die Herren jeßt nicht länger aufhalten. Guten Morgen."

Er zog seinen Hut und ging.

,, Vor ungefähr acht Tagen hat jener Großfarierte nach dem Kneifer gefragt," dachte Brümmel ,,, und acht Tage finds her, als jener geheimnisvolle Mensch, von dem Fräu­lein Lina erzählte, bei der Bruſio war. Ich wette, daßi beide ein und dieselbe Person sind, denn auch die Beschreib­ung der Lina und des Imbuschschen Kommis von dem Menschen ist die gleiche. Wer aber ist er? Natürlich ein Artist! Bartlos, lederartige, gelbe Haut, der karierte An­zug! Zudem befindet sich die Habsburger Straße, in wel­cher der Laden des Jumbusch liegt, dicht neben dem ,, Graben", wo die Kaiserhallen" sind. Der Mensch hat, als er zur Vormittagsprobe ging, sich im Vorübergehen den Kneifer kaufen wollen."

Aber stand dieser geheimnisvolle Unbekannte denn auch wirklich mit dem Tode des Grafen Welshofen im Zu sammenhang? Verlor er, Brümmel, nicht am Ende koste bare Zeit, indem er einer falschen Spur nachging?

Nein, ich täusche mich nicht", sagte er. ,, Dies Gefühl welches mich auf jenen Menschen hinweist, habe ich in früheren Jahren schon oft gehabt und noch nie hat es mich betrogen." Er hatte recht, es war etwas von der Witte­rung des Jagdhundes in ihm, der eine untrügliche Wit terung für das gesuchte Wild hat.

( Fortseßung folat.)

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