Zweites Blatt
№ 126.
Gießener Zeitung
Expedition: Gießen, Seltesweg 83
ein fleiner Teil der Arbeit geleistet; jeder Verbandswechs! I,
Vorschläge zur Krüppelfürsorge in Hessen. ieber Gipsabgus, jebe Anpassung einer Bandage, jebe Un
Von Dr. med. Dillmann- Mainz.
Die große charitative Schöpfung der Inneren Mission, die Epileptifer- Anstalt in Niederramstadt, muß mit Recht jeden Menschenfreund zur Anerkennung der Leistungen der Inneren Mission zwingen. Allein Fürsorge für Epileptische und Fürsorge für Strüppelfinder ist doch etwas sehr Verschiedenes. Obwohl schon vor Jahresfrist von ärztlicher Seite, nämlich von Herrn Dr. 3inßer in Gießen, auf die Krüppelfürsorge in Hessen mit beredten Worten hinder gewiesen und auch gleichzeitig von mir die Läsung Frage in Rheinhessen in Angriff genommen worden ist, ift mit es doch sehr anzuerkennen, daß die Innere Mission ihrer weitverzweigten Organisation die Frage endgültig in Fluß gebracht hat.
Daß man an die Epileptiker- Anstalt in Niederramstadt ein fleineres Krüppelheim angliedern kann, diese Frage scheint mir sehr spruchreif. Der Plan jedoch, ein 3 entral- Krüppelheim für ganz Hessen, das dann natürlich unter Oberaufsicht der Inneren Mission stehen würde, nicht zu errichten, lann aus den verschiedensten Gründen gutgeheißen werden.
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am
Ich will ganz absehen von den Bedenken einzelnes Aerzt!, geistig sonst normale Kinder, die nur an Krüppeltum leiden, mit epileptischen, die allerdings häufig geistig da minderwertig sind, zusammen erziehen zu laffen, glaube, daß diese Bedenken mehr theoretischer Natur sind. Ich bin aus zahlreichen anderen Gründen zu dem Schluß gekommen, daß es für unsere hessischen Verhältnisse Besten ist( ebenso wie das auch in Hessen- Nassau geschieht) einzelne Provinzial- Krüppelheime zu errichten. Denn ein Strüppelheim wird desto frühzeitiger und häufiger vom Bublifum aufgesucht, in je engerer heimatlicher Fühlung es mit der Bevölkerung steht. Dieses ist ein äußerst wichtiger Bunkt zur Verhütung des Krüppeltums. Die Eltern schließen sich viel eher, ihre Kinder in eine nicht allzuweit entfernte fleinere Anstalt zu bringen, als in eine Zentral Anstalt, die etwa das gesamte Krüppelmaterial Hessens in fich vereinigen würde. Andererseits ist das Publikum auch biel eher und williger bereit, eine nahe Anstalt zu unter= ftüßen, deren segensreiche Wirkung ihm sozusagen bor Augen ist.
ent
immer
Die Gründung einzelner Provinzial- Anstalten in Heffen ist aber auch im Hinblick auf die geographische Zerriffenheit und die immerhin weite Entfernung der drei hess. Provinzen voneinander di reft geboten. Würde eine Zentral- Anstalt etwa in Oberhessen, wo nur Gie Ben in Betracht täme oder in Starkenburg gegrünbet, so würde das an der Krüppelnot in den beiden anderen Provinzen verhältnismäßig wenig ändern; dagegen wird burch die Errichtung einzelner Provinzial- Krüppelheime der gerade auf dem Gebiete der Krüppelbehandlung besonders üppig wuchernden Bandagisten- Kurpfuscherei der Boden entzogen werden fönnen. Ein großer Teil aller hessischer Krüppel befindet sich in Behandlung derartiger Bandagisten, die burch umfangreiche Retlame das Publifum anlocken.
Eine große 3entral- Anstalt für Hessen würde fermer notwendigerweise die Nachteile der schwierigeren Uebersichtlichkeit und der ärztlichen Ueberbürdung aufweisen, und zwar gerade auf einem Gebiete, das sorgfältigster in dividualisierender Kleinarbeit bedarf. Professor Lange- München fagt ganz richtig, daß die Zahl der Krüppelfranken, die ein einzelner Alezt behandeln fönne, eine recht beschränkte sei. Kein and! rer Kranker machte dem Arzt so viel Arbeit als schwere Krüppelfinder; denn mit der Operation sei nur
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Gerichtet.
Familienroman von Franz Wichmann.
Jn гassungsiojem Schrecken starrte die Frau ihn an. „ Du willst doch nicht deine Tochter
„ Nicht sie," sprach er langsam und feierlich, aber von ihm efererid.aber ber schuld daran ist, daß ich auch sie verlor, will ich Rechen.
schaft fordern!"
Er hob die Flinte vom Boden auf.
„ Mit der Büchse, der schrecklichen Waffe?" fragte schauderni bie Försterin. Lorenz, was hast du vor?"
Er wandte sich zum Gehen, und nur leise bebte sein Stimme, als er sagte:
„ Jetzt geht es in einem hin! Ich will alles zu Ende bringen! Mein Leben ist ja doch einmal verwirkt!". Die unselige Frau suchte ihn zurückzuhalten. „ Nein, nein, ich lasse dich nicht, du haft Schreckliches vor, - bleibe, bleibe!"
Mit einem Ruck befreite der alte Mann sich von ihren ihn umschlingenden Armen.
„ Wenn sie mich suchen, sage ihnen, daß das Gericht mich finden werde, hier oder dort!" sprach er ungebeugt. Er war gegangen. Frau Adelheid schwindelte es. Schwarze Bunkte flimmerten vor ihren Augen und verdichteten sich zu finsterer Nacht.
" Mein Sohn, mein Sohn!" stöhnte sie noch einmal. Dann sant sie bewußtlos neben der Leiche des Erschossenen nied er
01:11. Kapitel.
Wo der erste hochstämmige Fichtenwald sich lichtete und die steile Bergwand mit einem verlassenen Steinbruch brach, 30g hoch im milden Blau des Frühlingshimmels ein scharfäugiger Weih seine lauernden Kreise. Bald aufleuchtend im Sonnenstrahl, bald dunkel beschattet, wiegten seine Flügel fich lautlos wie verborgenes Unheil auf der Luft und enger, immer enger wurden seine drohenden Ringe. Jezt stand er gerade über der kleinen grauen Holzhütte, die sich mit ihrer Rückwand an den Steinbruch lehnte, und schien im senkrechten Fall auf dieselbe niederstoßen zu wollen.
Die Küchlein, die ein wenig abseits in ihrem goldgelben Federkleid durch den Rasen liefen, bemerkten ihn ebenso wenig, wie die hinter dem schlichten Holzzaun in dem kleinen Garten vor der Hütte Beschäftigten.
Feierliche Stille lag über der traulichen Stätte, die wie abgeschieden von aller Welt erschien. Wohl zog sich durch den finsteren Wald auf der Höhe ein schmaler Fußpfad herum der auf die Gartenpforte der Hütte zulief, aber er sab nicht
tersuchung müsse durch den Arzt selbst vorgenommen werden, wenn der Erfolg der Operation nicht in Frage gestellt wer den sollte.
die Als ein weiteres sehr wichtiges Argument gegen Gründung einer Zentral- Krüppelanstalt ist ferner noch anzuführen, daß man die Strüppelbehandlung eines ganzen Landes nicht zum Monopol einer einzigen Anstalt und somit eines einzigen Arztes machen soll, denn die Krüppelbehandlung ist die soziale und praktische Betätigung auf einem besonderen Spezialgebiete der medizinischen Wissen= schaft, nämlich der orthopädischen Chirurgie und hiermit tomme ich zu dem Hauptgrund, weshalb es nicht ratsam erscheint, im Anschluß an die von der Inneren Mission betriebene Epileptiker- Anstalt in Niederramstadt ein Zentral= Krüppelheim zu errichten.
Ich vertrete, wie alle Fachgenossen, die Ansicht, daß bei dem heutigen Stande der Orthopädie die Krüppelfürforge fein eigentliches Betätigungsgebftet für die Innere Mission mehr ist. Das war noch vor 10 Jahren der Fall. Es war, wie Professor Lange gelegentlich lagt, ein Glüd für die Krüppel, daß durch die ungemein verdienstvolle u. unermüdliche Arbeit von warmfühlenden und hochherzigen Männern die Erziehung der Krüppel gepflegt und ausgebildet wurde, zumal die Aerzte früher den Krüppeln wenig helfen konnten, deshalb mußte die ärztliche Behandlung zunächst gegenüber der Erziehung vollständig zurücktreten, und so ertläre sich denn aus der Geschichte der Krüppelfürsorge die Tatsache, daß 33 Anstalten in Deutschland unter nichtärztlicher Oberleitung stehen und nur in 4 Anstalten, Berlin, Stuttgart, Braunschweig und Münster,( neuerdings kommen noch Wiesbaden und einige andere dazu) Aerzte an der Spitze der Anstalt stünden.
Durch die unaushaltsam fortschreitende Entwicklung der orthopädischen Chirurgie sind aber nun viele Leiden, die früher jeder Behandlung troßten, he il bar geworden und deshalb ist heutzutage die Krüppelfürsorge eine vorzugs weise ärztliche Angelegenheit. Ich weiß sehr wohl, daß die charitativen Gründungen der Inneren Mission aus humanen Beweggründen heraus zustande kommen, und daß sie große Werke der Nächstenliebe und Barmherzigkeit darstellen; andererseits aber ist im Prinzip unbedingt daran festzuhalten, daß die Krantenbehandlung( und Krüppel sind Krante) lediglich Sache des Arztes ist, und daß dieser hierbei durch keinerlei Rücksichten wie sie überall, wo der Arzt nicht Herr im Hause ist, vorhanden sind, behindert werden darf.
Tatsächlich ist nun aber auch in Hessen diese vorzugs weise ärztliche Frage, wie bereits oben angeführt, von ärztlicher Seite in Angriff genommen worden. Herr Dr. 3inßer in Gießen ist schon seit einem Jahre bestrebt, im Anschluß an sein orthopädisches Institut die Krüppelbehandlung aufzunehmen und was Rheinhessen betrifft, so find wir dort so weit, daß die Behandlung von Krüppelfindern in dem mir unterstellten Krantenhause zu Nieder Ingelheim schon vom November d. Is. ab systematisch in Angriff genommen und durchgeführt wer den kann. Die zur Behandlung orthopädischer Leiden notwendigen Apparate und Einrichtungen sind bereits bestellt. Von dem uns von privater wohltätiger Seite gestifteten größeren Kapital wird ein Erweiterungsbau dem Krankenhause angegliedert werden, der zur Aufnahme der Krüppelfinder dienen soll und dessen Erdgeschoß den Zander- und Turnsaal aufnimmt. Die Pläne hierzu sind bereits ausge= arbeitet und der Bau wird voraussichtlich im Frühjahr fer
aus, als ob er oft betreten würde, und felten mochte ein er müdeter Wanderer die breite, grüngestrichene Bank benügen, bie, gastlich und zur Ruhe einladend, vor dem Häuschen auf gestellt war.
An der von dichtem, frischbegrüntem Gebüsch umgebenen Baisblatt- Laube, die sich gleich neben der Pforte erhob, war Ernst Hellborn beschäftigt, allzu üppig verschießende Ranken zu beschneiden und aufzubinden. Er, wie sein schönes, schlankes Weib, das in der Mitte des Gärtchens am Boden kniete und Unkraut ausriß, trugen schlichte, graue Arbeitstracht. Aber bon Sorge und Kummer der Arbeit war auf ihren frischges bräunten Gesichtern nichts zu bemerken, und von Zeit zu Zeit begegneten sich ihre Blicke mit einem so freudigen Glanz, als ob alles höchste Glück der Welt ihnen gehörte.
Der kleine Hellmut, der in der Nähe des Vaters eifrig mit einer Gießfanne ein Gemüsebeet begoß, hielt einen Augenblick mit seiner Arbeit inne.
„ Hier laufen Ameisen, Vater," sagte er, soll ich ste tots treten?"
„ Tottreten?" Was fällt dir ein!" verwies Hellborn ihn
trenge.
Klara erhob sich und trat zu den beiden.
„ Die Tiere haben dasselbe Recht zu leben, wie wir," meinte sie.
„ Warum?" forschte das wißbegierige Kind.„ Ist das wahr, Bater?"
Lou
Weißt du nicht, warum die Menschen auf der Welt find?" fragte dieser.
„ Um zu essen," erwiderte der Kleine rasch. „ Schäme dich!" tadelte Klara ihn. Wie oft hat es dir der Bater gesagt!"
Besinne dich, Hellmut!" mahnte Hellborn mild.
„ D, jetzt weiß ich es schon wieder!" rief der Knabe erfreut: Um zu arbeiten!"
„ Nun, also," schloß der Vater,„ ein jedes Wesen, das arbeitet, hat das Recht zu leben!"
„ Und die Ameisen arbeiten auch," fiel die Frau ein, .fleißiger als wir!"
„ Gibt es auch Menschen, die nicht arbeiten, Mutter?" Iragte Hellmut nach einer Pause wieder.
,, D, ia, leider Gottes, die gibt es!" entgegnete die Gefragte. „ Die müssen aber gewiß sehr unglücklich sein!" meinte das Nicht wahr, so wie Onkel Otto, von dem ihr gesagt habt, daß er gefangen sigt?"
Rind.
Hellborns Stirn legte sich in leichte Falten.
Ja, er war einer von denen, die leben wollen. obne au arbeiten. Du bist traurig, Klara?" wandte er sich zu seinem Jungen Weibe.
Samstag, den 24. September 1910.
tig werden. Die Anmeldung von Krüppelfindern kann jetzt schon erfolgen.
Wenn dann in Niederramstadt ein Krüppelheim für Startenburg( unter Verzichtleistung auf eine Landes- Bentral- Anstalt sich aus den jeßigen Anfängen entwickelt, so ist das sehr zu begrüßen und stellt eine gute Lösung der Krüppelfürsorgefrage für Starkenburg dar.
ver=
Es tönnte demgegenüber nur eingewendet werden, daß der Betrieb dreier Anstalten viel zu teuer ſei. Dieser Einwand wäre stichhaltig( wenn auch feineswegs ausschlaggebend), wenn es sich um drei selbständig zu errichtende Anstalten handelte; dadurch aber, daß alle drei sich einem bereits bestehenden flinischen Betrieb angliedern sollen, wer den sich die Betriebskosten auf das geringste mögliche Maß reduzieren. Ueberhaupt ist zu bedenken, daß in der Krüppelfürsorge der Geldpunkt nicht allein ausschlaggebend sein darf. Die Hauptsache ist, ob ein in der orthopädischen Chirurgie fachmännisch ausgebildeter Arzt, der dazu noch Interesse und Verständnis für die Krüppelbehandlung hat, sich der Sache annehmen will; man darf sich nicht dazu leiten lassen, ein Krüppelheim gründen zu wollen, weil man zufällig über Platz und ein paar Lehrkräfte verfügt. Alle Krüppelanstalten, die nicht ein Fachchirurg oder Orthopäde leitet, können und werden nicht viel leisten. Ich habe in manchen von diesen von ärztlichen Maßnahmen an den Krüppelkindern erstaunlich wenig gesehen. Wir müssen unbedingt auf dem Standpunkte stehen, den auch Prof. Lange vertritt, daß die Verhütung des Krüppeltums die erste und wichtigste Aufgabe einer rationellen Krüppelfürsorge sei; hierdurch sei allerdings die Erziehung der Krüppel nicht überflüssig geworden; aber bei der Bekämpfung des Krüppelelends müsse der Arzt im Vordertreffen stehen, der Unterricht und die Erziehung nähmen erst die zweite Stelle ein. Bei uns in Ingelheim soll es so gehandhabt werden, daß das Hauptgewicht ebenfalls auf die ärztliche Behand lung gelegt wird, und daß allmählig, je nach dem Bedürf= nis, Schul- und Handwerksunterricht für die Kinder eingeführt werden, daß wir also den Betrieb sich nach und nach entwickeln lassen wollen, ebenso, wie es auch ander= wärts geschieht.
Was nun schließlich die Kostenfrage in der Krüppelfürsorge betrifft, so will ich hierbei den Ausführungen von Dr. Schanz in Dresden und Professor Lange in München folgen, beides Männer, denen eine große Erfahrung in der Krüppelbehandlung zur Seite steht.
Hier ist nun zu allererst zu betonen, daß bei uns in Deutschland alle Krüppelanstalten zu teuer wirtschaften, und zwar weil sie, wie Schanz sich ausdrückt, alle ihre Tä tigkeit am teueren, am flinischen Ende anfangen, sodaß sich die Mittel vorzeitig erschöpfen. Schanz sieht hierin den Grund für die merkwürdige Erscheinung, daß unsere deutschen Krüppelanstalten ohne Ausnahme eine so geringe Fähigkeit zur Fortentwicklung haben. Er fordert mit Recht, daß jede großzügige Krüppelfürsorge mit der poliklinischen Arbeit( poliklinisch im weitesten Sinne des Wortes) beginnen müsse und daß der Hauptnachdruck auf die poliklinische Tätigkeit zu legen sei, also auf die ärztliche Versorgung ohne Aufnahme des Patienten in die Anstalt. Und in der Tat, die größte Mehrzahl aller Krüppelleiden läßt sich am bulant behandeln, d. h. ohne daß der Krante in eine Anftalt aufgenommen zu werden braucht. Die Fälle, welche Anstaltstur und Anstaltspflege in Anspruch nehmen, betragen nur 10 Prozent aller Krüppelhilfsbedürftigen. Bei einzelnen Leiden, wie z. B. der angeborenen Hüftverrentung, den angeborenen Klumfüßen, den rachitischen Verbiegungen der Beine, den X- und O- Beinen und anderen darf man hoffen, daß die Patienten mit wenigen Ausnahmen
" Ja," nickte sie, so oft ich an meinen armen Vater denken muß! Dem haben sie auch seinen Wald und die Arbeit genommen und ihn dadurch unglücklich gemacht!"
In ihr Gespräch vertieft, bemerkten sie den einsamen Mann nicht, der, verwilderten Aussehens, eine Büchse in der Hand, ben schmalen Pfad herabgekommen war und jetzt, als er die Bruppe erblickte, rasch hinter den mächtigen Stamm der einjelnen Buche trat, die den Schatten ihrer laubigen Krone zur Sommerszeit bis auf das Dach der Hütte warf. Seine Zähne bohrten sich in die erbleichende Unterlippe.
„ Da sind sie alle beisammen," flüsterte er vor sich hin, und fie reden von mir, ich hörte es wohl, die Luft trug den Schall ihrer Worte mir zu. Vielleicht spotten sie gar über mich, weil es mir so ergangen ist mit dem Otto und sie sich besser dünken und darum stolz sein können. Wenn sie wüßten! Aber, Blut und Hagel, ich lasse nicht über mich spotten!"
-
Seine Hände flammerten sich fester um den Schaft der Büchse.
Hellborn schlang den Arm um die Hüfte seiner Frau und blickte nach Westen, wo fern am Horizont eine bleigraue Dunstschicht die Lage der Hauptstadt fenntlich machte.
„ Er ist zu bedauern, der Arme," sagte er.„ Aber warum zieht er nicht heraus zu uns in den Wald und arbeitet mit uns? Ist der Wald nicht immer seine Heimat gewesen?"
,, O, er ist schwach geworden da drinnen in der Stadt," entgegnete sie, schwach wie alle, die diese verderbliche Atmosphäre atmen! Von Stufe zu Stufe zieht es sie hinab, sie können sich nicht mehr aufraffen. Ich habe es gleich geahnt, als die Tante uns andeutete, er habe sich dem Trunke ergeben. Wer weiß, wie schlimm das noch endet!"
Der lauschende Förster hatte nicht alles verstanden, aber einzelne Worte waren deutlich an sein Ohr gedrungen.
" Was reden sie?" Knirschte er.„ Dem Trunke ergeben habe ich mich? Hölle und Teufel, das wagt sie von mir zu sagen!" Blitzschnell erhob er die Büchse.„ D, ich habe noch ein gutes Auge und eine sichere Hand, das will ich ihr zeigen! Aber bas hat der da ihr vorgelogen, der falsche Prophet, damit sie ihren alten Vater verachten lerne!"
Und er riß die Büchse an seine Wange und die Finger, die nach dem Hahn tasteten, zuckten frampfhaft.
Aber noch ehe sie ihn fanden, stand der alte Mann plötzlich mie gelähmt.
Von fern hatte sich ein dumpfes, summendes Geräusch hören lassen. Der Knabe näherte sich wieder den Eltern. ,, Sie läuten zur Kirche, Vater!" sagte er.„ Soll ich beten?" „ Ja," antwortete der Gefragte ,,, bete zum Ewigen, für alle guten Menschen, für deinen Großvater, den Förster!" ( Fortseßung folgt.)
-
Der
gefoppte Don
Juan.
ärgerten.r Ehren, aber doch so, daß sich Schwerenöter. Am liebsten bandelte er mit den ber
fchtebenen Bräuten seiner Mitunterore an zwar in allen
Der Feldwebel der fünften Batterie var ein berlieber
Einstimmig wurde darum von ihnen beschlossen, besfröblichkeit auszutreiben. drüber oft höllisch
gefegter in die Gunft feines Tiebes durstigen Wachtmeister. lick. Iōite sich die stattliche Lockenzier und den blonden Zopf, Nannis" durch seine derben Hände gleiten zuschmeicheln suchte. Als er einmal besonders liebenswürdig natürlich mit teuflichen weg verkleideten Unteroffiziers einDie Eingeweihten beobachteten wie sich ihr Herr Vorblieb in der
Angewandtes Sprichwort.
schwer war." Freund:„ Ja Es war wohl ein Mann, der seine zweihundert Pfund
Junger Arzt: Heute hatte ich meinen ersten Patienten,
Unter Freunden. Du hast Dich schon wieder mal
aller Anfang ist schwer."
Hieb.
Crost.
Fräulein Altlich meint, daß Ehen im Himmel ge.
schlossen werden."
hat sie auch nicht viel Aussichten."
" Das dient ihr gewiß zur Beruhigung, denn auf Erden Vexierbild. ( Der Gefoppte.)
Lebemann: Mein Fräu


