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* Aus der nördlichen Wetterau. Der Schnitt des Getreides ist jetzt ziemlich beendet und auch das meiste bereits eingefahren. Die letzten warmen Tage ha­ben die Reise sehr begünstigt. Die Aberntung war dieses Jahr schwierig, da sich die Frucht durch den Regen viel fach gelegt hatte und der Maschine das Mähen verwehrte. Im allgemeinen ist man mit dem Ergebnis zufrieden. Bei Das den Frühtartoffeln zeigen sich sehr viele faule. Grummet steht schön und verspricht einen guten Ertrag. Die Apfelbäume zeigen einen Behang wie selten. Da­gegen ist von anderen Obstsorten weniger zu erwarten.

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Frankfurt a. M. Das Soziale Museum und der Deutsche Verein für Wohnungsreform haben einen Aus­schuß eingesetzt, der die tatsächlichen Verhältnisse der Wohn­ungsteuerung und Wohnungsnot in Frankfurt feststellen und den Ursachen dieser Notstände nachgehen soll.

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* Offenbach. Die Stadtverordnetenversammlung hat vor einiger Zeit die Aufhebung des bisher von städtischen Beamten genossenen Privilegs der Schulgelder= mäßigung für ihre die städtischen Schulen besuchenden Kin­der beschlossen. Gegen diesen Beschluß hatten sich die Be­amten in verschiedenen Eingaben an die Stadtverordneten­versammlung gewandt und die Aufhebung des Beschlusses gefordert, allerdings vergeblich. Nun drohen sie, den Rechts­weg zu beschreiten.

* Darmstadt. Die Leiche des seit Mitte vorigen Monats vermißten Gr. Ministerialrevisors Helfman von hier, ist in der Nähe von Martigny an einem Paßüber gang aufgefunden worden.

* Darmstadt. Als Bevollmächtigter des Königs von Spanien traf gestern nachmittag der Infant Ferdinand von Spanien mit glänzendem Gefolge in außerordentlicher Gesandtschaft hier ein, um dem Großherzog den vom König von Spanien verliehenen Orden vom goldenen Vlies zu überreichen. Der Großherzog nahm den Orden in besonderer Audienz entgegen.

* Darmstadt. Das Gr. Ministerium, Abteilung für Schulangelegenheiten, hat verfügt, daß am Sedanstag unter Aussehung des Schulunterrichts eine der Bedeutung des Tages entsprechende Schulfeier zu veranstalten sei. Da die Schulen in den Städten der Ferien wegen an die­sem Tage zumeist geschlossen sind, so hat diese Verfügung für diese Schulen feine Bedeutung.

* Marburg. Die Firma Justus Wilhelm Berdur, Bankgeschäft hier, ist durch größere Verluste, die sie durch den Konturs der Niederdeutschen Bant in Dortmund leidet, gezwungen, ihre Zahlungen einzustellen.

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* Gimbsheim. Die Tatsache wird allgemein an­erfannt, daß das Vorhandensein von Wassermasch i- nen zur Trockenlegung der vom Grundwasser überfluteten Felder in Hochwasserzeiten von großem Vorteil ist und vie­len Schaden abwenden kann. Die von der Gemeinde Gimba heim nach dieser Richtung hin angestellten Versuche verdie= nen weitgehendste Beachtung. Mit einem kleinen Benzin motor und einer Turbinensaugpumpe läßt die Gemeinde das Wasser aus den Gräben in den Rhein pumpen. In weitem Ümfreise ist bereits der Erfolg zu sehen, und viele Landwirte, die noch vor wenigen Tagen ihre Ernte als ver­loren aufgaben, können sie von den nun trocken gelegten Feldern einheimsen.

* Mainz. Am Hechtsheimer Berg werden gegen­wärtig Festungsmanöver im Nahkampf vorgenommen. Da­bei wurde in einem unterirdischen Minengang, um den Geg­ner abzuwehren, eine Mine zur Explosion gebracht. Als am Freitag um Uhr ein Gefreiter, der mit der Rauchmaske versehen war, vorgeschickt wurde, um sich von der Wirkung der Minenerplosion zu überzeugen, wurden die Leute, die ihm die Luft zupumpten, bewußtlos. Infolge­die dessen stürzte auch der Gefreite nieder. Es gelang, Leute an der Pumpe zu retten. Da es unmöglich war, in den Minengang zu gelangen, versuchte man den Gefreiten mit dem Luftschlauch herauszuziehen. Der Schlauch ri B. Inzwischen war die Feuerwehr angerückt, und mehrere Mann von ihr drangen, mit Rauchmasken versehen, in den Minengang vor, begleitet von verschiedenen Offizieren und dem Hauptmann Gehre. Während die Feuerwehrleute den Gefreiten herausschafften, wurden auch die Offiziere bewußt­los, ebenso ein Feuerwehrwachtmeister. Es gelang jedoch, sie zu bergen und ins Leben zurückzurufen. Sie befinden sich außer Lebensgefahr, dagegen ist der Gefreite Michel­mann von der 3. Kompagnie des 25. Pionierbataillong tot; dreistündige Wiederbelebungsversuche blieben erfolglos. Das Unglück geschah dadurch, daß die Mine wohl explo= dierte, aber in ihrer Durchschlagskraft versagte; infolgedes­sen konnten die Gase nicht abziehen und schlugen in den Gang zurück. Der Gouverneur hat sofort einen ausführ= lichen Bericht über den Unglücksfall, der sich bei den Sprengübungen der Pioniere ereignete, an den Kaiser ab­gesandt. Am Samstag traf der Korpskommandeur v. Eich horn von Frankfurt hier ein und besuchte die in dem Mi­litärlazarett untergebrachten Offiziere und Mannschaften, die bei den Sprengungen betäubt worden waren. Alsdann be sichtigte der Korpskommandeur eingehend die Unfallstelle. Der Zustand der Offiziere und Mannschaften ist befriedigend, ebenso derjenige des Wachtmeisters Leichner von der Feu­erwehr.

* Mainz. Die Fleischpreise beginnen auch hier ganz gewaltig in die Höhe zu schnellen. So macht die Metgerinnung bekannt, daß das Kilo Ochsen- und Rind= fleisch um 20 Pfg. im Preise erhöht wird. Die Metzger be­gründen den Aufschlag mit den hohen Viehpreisen.

* Mainz. Die vom Reichsmilitärfiskus erbaute Feldbahn, welche die Außenbefestigungen der Festung Mainz verbindet, ist fertiggestellt. Die Bahn wird in der Haupt­sache nur in Kriegszeiten Verwendung finden und für den Transport von Kriegsmaterial und Proviant dienen. Doch hat die Militärbehörde gestattet, daß in Friedenszeiten die Bahn auch Gemeinden und Privaten zum Transport von Kohlen, Feldfrüchten 2c. zur Verfügung gestellt wird.

* Mainz Nachdem die Festungswälle innerhalb Mainz gefallen waren, wurde mit dem Bau der Neuanla­gen sofort begonnen. Dieselben ziehen von Weisenau über An Hechtsheim, Nieder- Olm nach Budenheim am Rhein. schließend an die Ueberführung bei Weisenau ist man nun mit den Vorarbeiten für die rechtsrheinischen Anlagen be­schäftigt. Zunächst soll im Anschluß an die Weisenauer Ue­berführung eine Militärstraße von Ginsheim, durch den Bi­gebaut schofsheimerwald nach Rüsselsheim an den Main

werden.

*

Wiesbaden. Vor dem Wiesbadener Schöffen­gericht fand Verhandlungstermin statt in der Beleidigungs­flage gegen den Vorsitzenden der deutschnationalen Partei für Hessen- Nassau und Redakteur der Zeitschrift Germania" Jakob Kaiser wegen öffentlicher Beleidigung der Lan­

dessekretär Wilhelm Friedrich und Peter Kerzmann in Wiesbaden. Die Anklage warf ihm vor, in einem Ar­tikel gegen die Beamtenkonsumvereine, sowie in einer Pe­tition an das Ministerium die beiden Beamten der finan­ziellen Beteiligung an Kohlensyndikaten und Verwendung der Bureauzeit zur Erledigung privatgeschäftlicher Angele­genhetten beschuldigt zu haben. Das Schöffengericht sprach den Angeklagten mit der Begründung frei, daß er als Vor­sitzender der deutschnationalen Partei in Wahrung berech' tigter Interessen gehandelt habe.

* Doßheim b. Wiesbaden. Eine große militäri­sche Uebung findet im Laufe dieser Woche auf dem Schier­stein- Doßheimer Ererzierplat statt. Ein Angriff der Trup­pen, zirka 10 000 Mann, wird sich vom Rheinstrom her ge­gen die vor dem Walde bei Schloß Freudenberg gelegene Anhöhe richten. Der kommandierende General des 18. Ar­meekorps von Eichhorn, nimmt auf Schloß Freudenberg Wohnung.

Speyer. Für die bayrische Pfalz ist die E. richtung elner elektrischen Ueberlandzentrale 12 Millionen Mark geplant.

* Bingen. Eine Besichtigung der Hochwasserschä­den auf der Strecke von hier aufwärts hat der Minister des Innern von Hombergt vorgenommen. Die Besichtigung be­gann in Gaulsheim.

* Vallendar a. Rh. Die Stadtverordnetenver­sammlung beschloß, die Teilnehmer an den Feldzügen bon 1864, 1866, 1870-71, soweit sie mit einem Jahreseinkommen bou 1200 Mark veranlagt find, dauernd von der Gemeindesteuer befreit zu lassen. Dasselbe gilt für die Witwen der alten Krieger.

General v. Gogern vor dem Gericht.

Noch klingt der Fall Schönebeck- Goeben in aller Ohren, da wird schon wieder das Geschlechtsleben im Of= fizierstorps in der Oeffentlichleit zur Debatte gestellt, und zwar anläßlich des Falles Gagern- Mersmann. Eine Frau Oberleutnant Mersmann hat gegen den Generalmajor a. D. Frhrn. v. Gagern einen Alimentationspro= 3 e- ß angestrengt, weil dieser sich weigerte, für die aus sei­ner Liebschaft mit Frau Mersmann stammenden Kinder den Unterhalt zu bestreiten, obwohl er sie als die seinigen anerkannt hat. Der von seinem Vorge­setzten zum Hahnrei gemachte Oberleutnant Mersmann ist in die Schweiz gegangen und seither verschollen. Das Ge­richt hat für die Verhandlung des Falles Mersmann- von Gagern die Oeffentlichkeit ausgeschlossen, so daß die vor Gericht erörterten Einzelheiten über die Affäre vorläufig nicht bekannt sind.

Ueber das Vorleben des Frhrn. v. Gagern erzählt die Kl. Pr.", daß er aus seiner ersten Ehe ein großes Ver­mögen und vier Kinder besaß und später mit mehreren Frauen anderer Männer vert hrte". Wenn nichts übrig bliebe an diesen Nachrichten als nur der eine Fall mit dem Oberleutnant Mersmann, müßte man fragen, wo hier eigentlich das Ehrengericht geblieben ist. Aber schließlich ereilte auch Frhrn. v. Gagern das Verhängnis von selbst. Als er seine Haushäl trer in heiratete, mußte er seinen Abschied nehmen, denn die Heirat eines preußi­schen Offiziers mit seiner Haushälterin ist nicht standesge mäß. Frau Mersmann ist mit ihrer Klage abge= wiesen worden und ist jetzt in großer Not!

Aus aller Welt.

* Mannheim. Das Projekt einer elektrischen Straßenbahn Mannheim- Weinheim ist zum Abschluß ge= Jommen. Der Bau der Bahn wird in nächster Zeit in An­griff genommen. Sie nimmt die Richtung Mannheim- Kä­ferthal- Viernheim- Weinheim.

* Berlin. Wegen der Fleischteuerung hat sowohl der Vorstand des deutschen Fleischerverbandes wie des Bun des der Vichhändler beim Reichskanzler eine Audienz bezw. Konferenz der an der Fleischversorgung beteiligten Berufs­stände beantragt, in der über Gründe und Milderung der herrschenden Vichteuerung verhandelt werden soll.

* Stuttgart. Der Landesausschuß der National liberalen Partei hat bereits zu den kommenden Reichstags­und Landtagswahlen Stellung genommen. Es bestand Ein­mütigkeit in der Gesamtauffassung der Lage, die dahin ging, daß mit der Fortschrittlichen Volkspartei ein freundnach= barliches Verhältnis aufrecht erhalten werden soll, daß aber von einer Großblockpolitik in Württemberg teine Rede sein könne, schon deshalb nicht, weil der ganze Reichstagswahl­tampf in erster Linie zwischen Liberalismus und Sozial= demokratie ausgefochten werden müsse.

* Friedrichshafen. Der erste Aufstieg des Luftschiffes" 3. 6", das vorläufig zum Passagierverkehr die­nen soll, fand am Samstag statt.

* Wien. Es ist im Ministerium beschlossene Sache, daß das von der Bevölkerung wegen der Fleischteuerung gewünschte Viehausfuhr- Verbot wegen des Wie­berstandes Ungarns, das fast allein die Ausfuhr besorgt,

nicht erlassen werden wird.

* Gotha. Eine Ueberlandzentrale für das ganze Herzogtum Gotha wird demnächst erstehen. Das Gothaische Staatsministerium schloß mit der Allge meinen Elektrizitätsgesellschaft in Berlin einen Vertrag ab, durch den die lettere verpflichtet wird, im Herzo tum Gotha eine Anlage zu schaffen, die imstande ist, allen denjenigen Gemeinden des Herzogtums Gotha die sich in den ersten fünf Jahren darum bewerben, elektrischen Strom zu bestimmten Sägen zu liefern.

* London. Der in jungen Jahren von Köln nach England ausgewanderte und do t zu großem Ver­mögen gelangte Londoner Finanzmann Sir Erneft Cassel hat zum Andenken an den verstorbenen König Edwird eine Stiftung von vier Millionen Mork ge.

Kuteke

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Hervorragend bewährte Nahrung. Die Kinder gedeihen vorzüglich dabei

Kranken- u. leiden nicht an

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Verdauungsstörung

macht, die dazu dienen soll, minderbemittelten Eng­ländern, die in Deutschland einen Erwerb suchen und ebenso Deutschen in England Schutz und Fürsorge zu­teil werden zu lassen. Das Protektorat haben der König, die Königin und Königin Mutter von England und der deutsche Kaiser und die deutsche Kaiserin über­

Rommen.

)( Großer Preis von Berlin. Das klassi­sche 100 Kilometer- Dauerrennen wurde am Sonntag im Sportpark Steglitz ausgefahren und von Piet Dickentmann glänzend gewonnen. Dritter wurde F. Theile, Vierter B. Demte. Alle drei fahren Brennabor. Dicentmann verbes­serte die Bahnrekords von 60 Kilometer ab und stellte für 90 und 100 Kilometer neue Weltrekords auf; er fuhr 1 Stunde 13 Minuten und 27 Sefunden. Im 30 Kilometer­Rennen belegten die Brennaborfahrer van Net, Gnilka und Przyrembel dte drei ersten Pläße, O. Peter gewann das Hauptfahren und mit Kudela das Tandemfahren auf Bren­nabor.

)( Das Große Goldene Rad von Forst i. 2. gewann R. Scheuermann am Sonntag in einem 100 Kilo­meter- Rennen; der Sieger verbesserte sämtliche Bahnrekords. Zweiter wurde F. Huybrechts, der, wie Scheuermann Bren­nabor fährt. W. von Naßmer ging auf derselben Marke mit seinem Partner aus dem Tandemfahren als Sieger her­bor.

Literarisches.

Soeben erschien in neuer glänzender Ausstattung der erste Band des 35. Jahrganges der" Bibliothek der man Der Geschworene" aus der Feder Otto Hoeckers er­Unterhaltung und des Wissen3". Der Ro­öffnet den Jahrgang, und schon die erste Fortsetzung zeigt, welche Fülle von Spannung das höchst eigenartige Milieu, in dem die Handlung sich abspielt, mit sich bringt. Eine fäftliche Militärhumoreste Die gelbe Gefahr" von R. Bod­denhusen, eine originelle Jagdgeschichte aus dem Hochge= birg Warum der Korbl nicht geheiratet hat" von A. Ach­leitner, eine feingesponnene Novellette Die Weisheit des Philosophen" von A. Erbstein schließen sich an. Noch viele andere Beiträge, meist mit vorzüglichen Bildern geschmückt, bringt der elegant in rote Leinwand gebundene Band für nur 75 Pfg., wofür der Buchbinder im einzelnen noch nicht einmal den bloßen Einband zu liefern im stande wäre.

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