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* Koblenz. Der Kaiser hat an das Oberpräsi­dium folgendes Telegramm gerichtet:" Voll innigem Mitge fühl mit den von der entsetzlichen Wetterfatastrophe betrof­fenen Bewohnern des schönen Ahrtales, deren Schaden an Blut und Gut in seinem so ganz traurigen Umfange jetzt zu übersehen ist, ist es mir ein Bedürfnis des Herzens, zur Linderung der größten Not auch meinerseits ein Scherflein beizutragen. Ich habe daher eine Summe von 10 000 Mt. zu Ihrer Verfügung gestellt und meine Schatulle zu ihrer Zahlung an Sie angewiesen."

Aus aller Welt.

* Berlin. Dem Landwirtschaftsminister von Ar­nim und dem Minister des Innern v. Moltke, ist unter Be­lassung des Titels und Ranges eines Staatsministers die nachgesuchte Entlassung aus ihren Aemtern erteilt worden. Beide scheidenden" Minister erhielten die fönigl. Krone zum Roten Adlerorden 1. Kl. mit Eichenlaub. Der Oberpräsi­dent der Rheinprovinz, Freiherr v. Schorlemer, wurde zum Landwirtschaftsminister, der Oberpräsident der Provinz Schlesien, von Dallwiß, zum Minister des Innern ernannt.

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* Berlin. In der Plenarsizung des Bun desrats wurde der Vorlage wegen Zulassung von At­tien zum Börsenterminhandel und der Vorlage, betr. Be­willigung von Ruhegehalt an Reichsbeamte zugestimmt. Außerdem tagten die vier Ausschüsse des Bundesrats für Handel und Verkehr, für Verfassung, für Industrie u. Rech­nungswesen, um ihr Votum zur Schiffahrtsab= gabenvorlage abzugeben. Die Vorlage wurde etwa vierstündiger Beratung angenommen. Der Entwurf wird jetzt Ende des Monats dem Bundesrat zugehen. Man rechnet auch hier mit einer einstimmigen Annahme. Da der Bundesrat darauf baut, daß der Entwurf auch im Reichs­tag angenommen wird, soll bereits im Sommer mit dem Ausbau derjenigen Kanalisationsprojekte; deren Ausführung von der Erhebung von Schiffahrtsabgaben abhängt, begon nen werden, im wesentlichen also die Maintanalisation von Offenbach aufwärts, die auf Grund eines preußisch- bayri­schen Staatsvertrages durchgeführt werden soll.

*

* Paris. Zu der Eisenbahnkatastrophe in Ville­preur ist eine amtliche Bekanntmachung der Eisenbahnver­waltung veröffentlicht worden, wonach außer den bereits gemeldeten 19 Toten und 80 Verletzten weitere Opfer der Statastrophe nicht zu verzeichnen sind.

* Paris. In Fraisans( Departement Jura) tam es zwischen 300, seit etwa einem Monat ausständigen Eisen­hüttenarbeitern, welche die Internationale singend, durch den Ort zogen, und etwa 50 Gendarmen zu einem bluti­gen Zusammenstoß. Zehn Gendarmen wurden durch Stein­würfe und Knüttelhiebe verwundet, unter ihnen drei schwer. Schließlich gelang es aber den Gendarmen, die Ruhe wie­der herzustellen.

* Mohilewam Duje pr. Einer großen Feuers brunst sind hier 600 Holzhäuser, zwei Kirchen, ein Volks­haus, sowie mehrere Schulen zum Opfer gefallen. 3 eh n Menschen sind dabei ums Leben gekommen.

)( Jean Böschlin ging in Chenee bei Lüttich aus dem 10 und 15 Kilometer- Rennen um den großen Steher­preis am 19. d. Mts. als Erster hervor, nachdem er erst am 13. Juni in La Louviere den grand prix de la fete communale in einem 60 Kilometer- Rennen auf Brennabor gewonnen hatte.

)( Das Kleine Goldene Rad von Bran= denburg a. H. gewann P. Adam am 19. Juni auf Brennabor, während Köpp- Gullmann auf derselben Marke im Verfolgungsrennen siegten.

Dir Fahrt des neuen Zeppelinluftschiffes von

Friedrichshafen nach Düsseldorf.

Nach einer Reihe erfolgreicher Probeflüge trat das Luft­schiff 3. 7" gestern die Fahrt nach Düsseldorf an. Um 2 Uhr früh wurde es aus der Halle gebracht und an die Abfahrtsstelle gezogen. Graf Zeppelin erteilte laut und durchdringlich seine Befehle und Punkt 3 Uhr erhob sich das Luftschiff in die Lüfte und schlug die Richtung nach Ulm der Bahnlinie entlang ein. Außer dem Grafen Zeppelin, der sein Schiff selbst führte, nahmen an der Fahrt Direktor Colsmann, Dr. Eckener, Kapitän Lau, ferner von der Luft­schiffahrtsgesellschaft Kommerzienrat Voegele- Mannheim und

Geheimrat Löwe- Berlin teil. Berlin. Der neue Staatssekretär des Reichsko­lonialamtes von Lindequist beabsichtigt, eine Informations­reise durch die deutschen Schutzgebiete cu unternehmen. Im Gegensatz zu seinem Vorgänger Dernburg will Herr von Lindequist sich auf seiner Informationsreise in erster Linie der Mitarbeit der Farmer und Ansiedler versichern.

* Berlin. Im Reichskolonialamt ist der durch die Beförderung des Herrn v. Lindequist freigewordene Posten des Unterstaatssekretärs noch immer nicht besetzt. Es soll dafür der Ministerialdirektor im Reichskolonialamt, Konze, in Aussicht genommen sein. Der Gouverneur von Kamerun, Seitz, ist für den Posten des Gouverneurs von Deutsch Südwestafrika, an Stelle des scheidenden Herrn v. Schuck­mann, ausersehen.

* Berlin. Der Kaiser unternahm im Automobil eine Fahrt von Potsdam nach Berlin. Am Brandenbur= ger Tor und Unter den Linden wurde der Monarch, der durchaus nicht leidend aussieht, herzlich gegrüßt. Hierauf stattete der Kaiser dem Reichskanzler einen längeren Besuch ab.

* Karlsruhe. Prinzessin Feodora von Schles­wig- Holstein, die jüngste Schwester der Kaiserin, ist in Ober- Sasbach bei Achern, wo sie zum Besuche der Frei frau von Röder weilte, an Herzschwäche gestorben. Die Verstorbene wurde am 3. Juli 1874 in Primfenau bei Lieg­nitz in Schlesien geboren.

* Karlsruhe. Die Badische Staatsbahnverwalt­ung wird im Murgtal ein Wasserkraftwerk errichten, dessen Kosten einschließlich einer Fernleitung aul 26 784 000 Mt. veranschlagt sind. Der gewonnene Strom soll für Eisen= bahnzwecke verwendet werden, jedoch vorläufig nicht für den Betrieb von Bahnen. Dem Landtage soll eine erste Teilforderung über 500 000 Mt. zugehen, damit mit dem Bau noch in der laufenden Budgetperiode begonnen wer­den kann.

* Stettin. Bei der von der Itarusgesellschaft ver­anstalteten Flugkonkurrenz auf der Rennbahn des Pase­walter Reitervereins ereignete sich ein schwerer Unfall. Der bekannte frühere Rennfahrer Rob I stieg mit einem Far­man- Apparat auf. Nach kurzem Flug stürzte der Apparat aus einer Höhe von 80 Metern zur Erde und begrub den Flieger unter sich. Robl ist seinen Verlegungen erlegen.

* Kopenhagen. Das Reichsgericht sprach nach mehrtägiger Verhandlung das Urteil in dem Prozeß, der auf Beschluß des Folkethings gegen den früheren Minister­präsidenten Christensen und den Minister des Innern Berg wegen Nachlässigkeit im Amte angestrengt wurde. Christen sen wurde freigesprochen, Berg wurde zur Zahlung von 1000 Kronen in die Staatstasse eventl. zu sechzig Tagen Haft verurteilt. Die Kosten des Verfahrens im Betrage von 10 000 kronen wurden der Staatskasse auferlegt, jedoch be­zahlt Berg ein Fünftel dieser Summe.

* Thorn. Der Lehrer Schardt aus Oslowo, der geständig war, die Besitzerstochter Rohlmann am 18. April ermordet zu haben, wurde von dem Schwurgericht zum Tode verurteilt.

* Me z. In einer hiesigen Konditorei gab ein 20­jähriger Bäckergeselle namens Doß, dessen Mutter als Rent­nerin in Nancy lebt, auf ein in demselben Hause beschäf= tigtes Mädchen einen Revolverschuß ab und verwundete es an einem Arm schwer, dann tätete er sich selbst durch einen Revolverschuß.

* New Yorf. Die Bundesstaatsanwaltschaft er­hov gegen die Milliardäre Morgan, Astor und Vanderbilt die Anklage wegen Betrugs und betrügerischer Börsenma­

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Das Luftschiff passierte um Uhr Aulendorf, um 4 Uhr 11 Minuten Laupheim, um 4% Uhr Ulm und gegen 5 Uhr Geislingen. Um 7.50 Uhr befand es sich bereits über Mannheim und um 8.15 Uhr passierte es Worms. Um 8.45 Uhr wurde es in Alzey und um 8.52 Uhr über Bingen gesichtet. Dann ging es in flotter Fahrt rheinab­wärts nach Koblenz, wo es um 9.45 Uhr gesichtet wurde. In schneller, vpn einem leichten Südwind begünstigten Fahrt folgte das Luftschiff dem Laufe des Rheines. Be­reits um 10.35 Uhr konnte es dem Drachenfels bei Kö­nigswinter zuwinken und zehn Minuten später schon flog es über den Dächern der rheinischen Universitätsstadt Bonn. Eine halbe Stunde später, um 11.15 Uhr, schwebte der ſtolze Segler der Lüfte über der großen rheinischen Me­tropole Köln, der alten Garnison seines verunglückten Ge­nossen. Ohne Aufenthalt ſetzte" 3. 7" seinen Kurs auf Düsseldorf zu fort, dessen Türme ihm bereits nach kurzer Fahrt entgegenblinkten. Im raschen stolzen Flug kreiste der Segler um 12 Uhr unter dem Jubel der Bevölkerung über der frohsinnigen Kunststadt des Rheinlandes, seinem neuen Aufenthaltsort. Die Ankunft des Luftschiffes wurde don einer vieltausendköpfigen Menschenmenge bejubelt, die alle Straßen und Plätze, sowie die Dächer der Häuser besetzt hielt und den Insassen des Luftkreuzers solange zujauchz­ten, bis die Landung um 12 Uhr 10 Min. glatt bewirkt worden war. Nach Aussage der Fahrtteilnehmer nahm die Die Fahrtge= Fahrt einen überaus herrlichen Verlauf. schwindigkeit war derart, daß das Luftschiff die Strecke Mannheim Düsseldorf in vier Stunden zurücklegte, während Die ein Schnellzug 6 Stunden für diese Strecke braucht. Maschinerie an dem neuen Luftkreuzer hat sich durchaus be­währt. Die leitenden Personen sind mit dem Erfolg der Fahrt durchaus zufrieden.

Ans dem Gerichtssaal.

Strafkammer.

Das

Gießen, 21. Juni 1910. Die Fortsetzung der Verhandlung gegen den Bauunter­nehmer Pfaff, den Maurermeister Stein und den Architet­ten Seuling ergab, daß der Bau in ungeheueren Schnellig feit trotz des schlechten Wetters in die Höhe ging. Mauerwerk war schlecht hergestellt, wie auch schlechtes Ma­terial verwendet wurde. Es wurde entgegen dem Bauplan ein Pfeiler schwächer aufgeführt als vorgesehen war, so daß das darauf ruhende Mauerwert wie auch der Pfeiler aus dem Blei tam, und als schließlich ein Träger ohne die nötige Abspießung eingezogen wurde, war die kata­strophe da. Als der Bau zusammenbrach, wurde die Man­sarde des Nachbarhauses beschädigt und die Frau eines In genieurs von einem umfallenden Glasschrank verletzt. Auch durch die hereinfallenden Steine wurde die Frau in Mit­leidenschaft gezogen, besonders trug sie eine schwere Ver­wundung an einem Fuß davon, die bis jetzt noch nicht völlig geheilt ist, da ihr ein Knochen aus dem Fuß genom­men werden mußte. Pfaff behauptete, er habe nur die Ma­terialien anfahren lassen, das übrige habe er dem Stein übertragen. Stein gab an, es sei der Wunsch des Bau­herrn wie auch der des Bauleiters gewesen, daß der Bau noch vor Eintritt des Winters unter Dach fäme. Schon vor der Genehmigung wurde der Aushub der Fundamente vor­genommen, aus welchem Grunde er sowohl wie der Bau­herr Strafbefehle bekamen. Stein gab zu, entgegen dem Plane, eine Mauer, die 51 Zentimeter dick sein sollte, nur

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38 Zentimeter dick aufgeführt zu haben, er sagte aber, der Bauleiter sei damit einverstanden gewesen. Die Risse, die sich zeigten, wollte Stein nicht für bedenklich gehalten ha ben, da solche bei Neubauten vielfach vorfämen. Statt daß Stein den Fehlern nachging und für Beseitigung derselben sorgte, schmierte er die Risse zu, damit sie von außen nicht zu sehen waren. Nach dem Einziehen eines Trägers an der Waschküche, bei welcher Gelegenheit die Abspießung unge­nügend war, erweiterten sich die Buchtungen und Risse der­maßen, daß er seine Arbeiter aus dem vierten Stock Tom­men ließ, um die Sache zu besichtigen. Kurz nach dem Verlassen des Baues fiel dieser in sich zusammen. Dem Seuling machte die Anklage den Vorwurf, er hätte über das schnelle Aufbauen bei der ungünstigen Witterung stubig werden und auf Befolgung seiner Anordnung drängen müs sen. Er glaubte genug getan zu haben, indem er das Wei­terarbeiten verboten und sich schließlich zur Niederlegung der Bauleitung entschlossen habe, als seinen Anordnungen nicht entsprochen worden sei. Nach Vernehmung der Zeugen, deren Aussagen für Stein sehr belastend waren, wurde die Sigung auf nächsten Freitag 8 Uhr vormittags verlegt.

Literarisches.

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Paul Linda w's gesammelte Romane und Novellen. Illustr. Ausgabe in 75 Lieferungen a 40 Pig., oder 10 Bände a Mt. 3.-. S. Schottlaenders Schlesische Verlagsanstalt G. m. b. H., Berlin W. 9. Bereits wiederholt haben wir auf diese aufs lebhafteste zu begrüßende Sammelausgabe von Lindau's Romanen hin­gewiesen, die nicht ohne Recht Meisterwerke der modernen Literatur genannt werden. Die in den uns soeben zu= gehenden Hesten 16 und 17 fortgeführte großartige Hand­lung aus dem Roman Die Gehilfin" ist durch die darin eingeflochtenen Liebesszenen nicht nur spannend und über­aus interessant, sondern läßt uns auch einen Blick tun in das Gebahren so mancher, scheinbar auf der Höhe des Le­bens stehender Geschäftsleute und die moralischen Defekte, die ihnen schließlich als Erfolg ihrer unsaugeren Mani­pulationen anhaften bleiben.

Hauswirtschaftliches.

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- Ueber das Ginmochen von Erdbeeren schreibt eine Hausfrau im praktischen Ratgeber im Obst- und Gartenbau in Frankfurt a. D.": In" Deutsch­Evern" und Sieger" haben wir zwei Erdbeersorten zum Einmachen, wie man sie sich besser nicht wünschen kann, leuchtend rote Farbe, passende Größe und Form, feines Aroma. Wollte man aber diese Sorten, wie in den meisten Rezepten angeordnet ist, sofort nach dem Reinigen in den kochenden Zuckersud bringen, so würden auch sie nicht imstande sein, Form und Farbe zu be­halten. Hierzu bedürfen die Beeren erst einer gewissen Vorbereitung, fie müssen erst festfleischig gemacht werden. Dies geschieht für alle Erdbeeren auf folgende Weise: Die entstielten, gewaschenen Beeren werden mit dem dafür bestimmten feinen Zucker wir rechnen 150 bis 200 Gramm auf ein Pfund lagenweise durchstreut in eine Kasserolle geschichtet. So bleiben fie bis zum dritten Tage stehen, während man sie täglich einmal durchschwenkt. Alsdann läßt man sie in dem ent­standenen Saft heiß werden, aber nicht fochen, danach erfalten, wieder heiß werden, wieder erkalten, nimmt die Beeren mit dem Schaumlöffel aus dem Saft, läßt diesen so fiait einkochen, daß er die vorhandenen Beeren noch bedecken kann, gibt nach dem Abkühlen beides, Saft und Beeren, in Wecksche Gläser und sterilisiert zehn Minuten bet 70 Grad. So eingemacht, find die Erdbeeren von schöner Farbe und Form, haben festes Fleisch und schwimmen nicht, wie meistens nach anderen Rezepten, alle dicht gedrängt oben im Glase auf dem Saft, sondern füllen das Glas gleichmäßig im Safte von unten bis oben.- Unsere Leser können auf Wunsch die betreffende Nummer vom Geschäftsamt des praf­tischen Ratgebers im Obst und Gartenbau in Frank­furt a. O. tostenlos erhalten.

Verantwortlich: Albin Klein, Gießen.

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