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awetten Atmosphäre der Erde gefunden, von der nicht ein| einziges Luftteilchen aus dem oberen Teil der Atmosphäre in die untere kommt und ein Austausch der Luftströme so gut wie gar nicht vorhanden ist. Die Grenze zwischen belden Schichten bildet die obere falte Region. Hier nimmt die Lufttemperatur dauernd ab und sinkt bei Ghent non - 41 Grad auf- S1 Grad. 15 000 bis 20 000 Meter von

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Aus den Gerichtssalen.

Geschmuggelte Automobile. Im Jahre 1906 hatte der Im vergangenen Jahre gestorbene Verleger des Simpli­& iffimus" Albert Langen in München eine Chauffeurschule gegründet, die sich mit dem An- und Verkauf von Auto­mobilen befaßte. Technischer Leiter war der Ingenieur Ludwig Bahlsen, der 3000 Mins Geschäft steckte, lauf­mannischer Leiter der Angestellte des Simplizifsimus- Ver­legers, Kaufmann August Gombel. Mit der Automobil­fabrit Züst in Mailand war vereinbart, daß sie die Wagen zoll- und frachtfrei nach München liefern sollte. Später wurden die Automobile unverzollt loko Mailand geliefert. Um nun den Eingangszoll zu sparen, schmuggelte Bahlsen eine Anzahl Wagen nach Deutschland ein. Er machte dies so. Er fuhr mit einem Chauffeur nach Mailand, übernahm die Wagen und setzte eine gebrauchte Karosserte darauf. Ueber den Nummern der Automobile brachte er eine alte Nummer, die von einem schon verzollten, gebrauchten Wa­gen stammte, an. Mit dem jeweils präparierten Wagen überfuhr Bahlsen dann an verschiedenen Plätzen die bay­rische und die badische Grenze. Den Zollbeamten zeigte er eine alte Legitimation eines schon verzollten Automobils vor, die dieselbe Nummer wie der betreffende Wagen trug. Der Zollbeamte mußte dann glauben, einen schon verzoll­ten Wagen vor sich zu haben und ließ Bahlseit passieren. Wie viel Wagen er auf diese Art eingeschmuggelt hat, steht nicht fest. Sieben Fälle standen zur Anklage. Außerdem hat der Angeklagte acht Automobile nicht versteuert und fich so gegen das Reichsstempelgesetz vergangen. Bahlsen gab in der Verhandlung die Schmuggeleten teilweise zu und behauptete, er set von dem verstorbenen Langen dazu beauftragt worden, er habe nur als dessen Angestellter ge= handelt. Gommel machte ähnliche Angaben. Bahlsen wurde wegen Rolldefraudation zu 4740 M Geldstrafe eventuell 316 Tagen Gefängnis und 71 000 M Schadenersatz verurteilt; Bahlsen und Gommel außerdem wegen Vergehens gegen das Reichsstempelgesetz zu insgesamt 14 100 M Geldstrafe, Bahlsen noch allein aut 2200 M Geldstrafe.

Viermal zum Tode verurteilt. In dem Lissaer Lust­mordprozesse wurde gestern das Urteil gesprochen. Nach dreiviertelstündiger Beratung verlündete der Obmann der Geschworenen, daß diese den Angeklagten Kosziol in vier Fällen des Mordes schuldig befunden hätten. Der Gerichts= hof verurteilte darauf den Angeklagten viermal zum Tode, zum dauernden Verluste der bürgerlichen Ehrenrechte und megen Vergehens gegen§ 175 zu 4 Jahren Gefängnis. Der Angeklagte blieb bei Anhörung des Urteilsspruchs völlig cubia.

Vermischtes

Leopold Wölfling und seine geschiedene Frau. Vor dem Zivillandgericht in Wien wurden gestern in geheimer Sitzung drei Klagen gegen Leopold Wölfling von seiten feiner geschiedenen Gattin Wilhelmine Adamowitsch er­ledigt. Sie behauptet, Wölfling komme der Alimentations­pflicht nicht nach und sie verlangt 1000 kronen monatlich Für die Zukunft und 31 000 kronen für die 31 Monate seit der Scheidung nachträglich. Ferner fordert sie die Rück­gabe ihrer Effekten oder deren Wert von 27 000 kronen. Im Urteile wurde die Rückgabe der Effekten aufgegeben, bas Alimentationsverlangen aber rundweg abgewiesen, weil ber Chegatte nach Genfer Recht, dem Wölfling untersteht, nicht verpflichtet ist, der Gattin, wenn sie nicht im Schei­bungsprozeß ihre Alimentationsansprüche erhebt. etwas zu zahlen. Schließlich erklärte sich das Gericht für inkom­petent, die Vermögensfrage zu entscheiden, weil Wölffing vom Kaiser verboten worden ist, österreichischen Boden zu betreten und er sich deshalb nicht verantworten fann.

Ein furchtbares Mordaeständnis hat der irrsinnige Sattler Dietrich abgelegt, der in Rostock vor einigen Tagen anter dem Verdacht verhaftet wurde, seine Frau umgebracht zu haben, die unter den Anzeichen eines gewaltsamen Todes in ihrer Wohnung aufgefunden worden war. Gestern hat nun Dietrich, der 35 Jahre alt ist und schiermütig war und schon einmal in einer Frrenanstalt gewesen ist, einge­standen, daß er seine Frau unter Beihilfe seiner Schwieger­mutter, einer 73jährigen Frau, ermordet habe. Auf das Geständnis des Mordes hin wurde gestern auch die Schwie­germutter verhaftet und hat alle Angaben ihres Schwieger­Sohnes bestätigt. Den Mörder hat, als seine Frau tot war, der Mut gefehlt, sich selbst zu töten.

Der Brand des türkischen Parlamentsgebäudes. Nach Nachrichten informierter Kreise in Wien verdichtet sich der Verdacht immer mehr, daß Brandstiftung die Ursache des Feuers im Konstantinopeler Parlament ist. Die Brand­Stiftung rührt wahrscheinlich von Elementen her, die zur reaktionären Partei zu rechnen sind. Bolitische Schluß­folgerungen sind aber ausgeschlossen, weil die gegenwärtig fast nur aus Jungtürken bestehende Regierung so mächtig ist, daß ein Butschversuch unmöglich wäre. Das jung­türkische Komitee in Konstantinopel hat Order an die Pro­oinzialkomitees erlassen, auf die Bevölkerung beruhigend einzumirken; namentlich dem Aberglauben entgegenzutreten. Das Parlamentsgebäude soll auf derselben Stelle mieher aufgebaut und in der Kammer ein entsprechender Kredit verlangt werden. Die erste Folge des Brandes wird eine Reorganisation der Feuerwehr sein. Die Regierung wird den fremden Stationsschiffen, die an der Löschaktion teil­nahmen, darunter dem deutschen Schiff Loreley", den Dank der Regierung aussprechen.

Vor furzem erhielt eine Frau Kommerzienrat G. in der Aschaffenburgerstraße In dem in Berlin hintereinander drei Erpresserbriefe. ersten Schreiben wurde der Dame die Mitteilung gemacht, daß sie auf beiden Augen geblendet werden würde, wenn sie nicht Tag und Nacht ein Bafet mit Banknoten in ihrer Wohnung zur Abholung bereithalte. Das Geld würde von den Beauftragten des Erekutiv komitees des russischen Anar­chistentlubs Nr. 6 abgeholt werden. Für den Fall, daß die Dame der Polizei Mitteilung mache, wurde ihr mit dem Tode gedroht. Ein ähnlicher Brief ging einige Tage später einem Fabrikbesitzer in der Alexandrinestraße zu, in dem angedroht wurde, daß seine Fabrik in die Luft gesprengt werden würde, wenn er nicht die verlangte Sum­me zahle. Nach mehrwöchiger Tätigkeit gelang es gestern der Polizei, eine 25jährige Frau Schiborda in Hast zu nehmen. Man fand bei der Verhafteten mehrere mit Trau­errand versehene Erpresserbriefe. Die Festgenommene wur­de trotz ihres Leugnens nach dem Untersuchungsgefängnis gebracht. Sie scheint jedoch nur eine vorgeschobene Person zu sein, weigert sich aber hartnäckig, ihren Auftraggeber zu nennen.

Anarchistische Grbresserbriefe.

Ein neuer Feiertag. Die Festlegung des 3. Pfingst­feiertages als gesetzlicher Feiertag für Sachsen und mög­lichst auch im ganzen Reiche beantragte laut Boss. 8tg. der freisinnige sächsische Landtagsabgeordnete Prof. Noch. Der Vorschlag erscheint eigenartig. Zu seinem Verständnis muß hervorgehoben werden, daß in Sachsen der Epiphaniastag ein Feiertag ist. Ein Antrag, dem Epiphaniastag seinen Charakter als Feiertag zu nehmen, ist in Sachsen an dem Widerspruch aller Parteien gescheitert Nunmehr schlägt Abg.

Koch vor, für den fünftig wegfallenden Epiphaniastag den 3. Pfingstfeiertag alls gefeßlichen Festtag festzulegen. An diesem Tage werde schon jest teilweise gefeiert, die In­bustrie könne leicht einwilligen; Pfingsten fei die schönste Beit im Jahre, und den Arbeitern gerade da eine längere Erholungszeit herzlich zu gönnen. Der Vorschlag findet in Sachsen allgemeinen Beifall.

Das Brandunglück in Philadelphia. Aus den Trüm­mern der eingeäscherten Hemdenfabrik sind bis jetzt vier Tote geborgen worden. Zwanzig Arbciter werden noch ver­mißt. Das Feuer zerstörte einen vierstöckigen Häuserblock im Zentrum des Geschäftsverkehrs. Man glaubt, daß noch eine Anzahl von Leichen unter den Ruinen vergraben liegt. Auf der Bandstätte herrschte eine derartige Hiße, daß jede Nachforschung nach Verunglückten für die Ret­tungsmannschaft unmöglich war. In dem eingeäscherten Gebäude befanden sich nur Hemdenfabriken, die insgesamt 500 Mädchen als Arbeiterinnen beschäftigten. Die Ursache Der der Brandkatastrophe war eine Gasolinerplosion. Sie konnten Arbeiterinnen bemächtigte sich eine Panik. den Flammen nur nach einer Seite hin entrinnen. Da auch die Fabrikfahrstühle in Brand geraten waren, spran­gen die Mädchen aus den Fenstern, viele wurden von not­dürftig in aller Eile hergerichteten Fangneßen aufgefangen. Andere, für die keine Neße aufgespannt waren, brachen die Glieder. Es spielten sich dabei tragische Szenen ab.

Gärung unter Berliner Krankenschwestern. Tie Schwe­stern im Berliner Virchow- Krankenhause haben den Be­schluß gefaßt, am 1. Februar gemeinsam nas dem Tienste zu scheiden, falls die jetzt im Vircho- Krankenhaus ob­walienden Zustände, die ihnen nach ihrer Schilderung die pflichtgetreue Ausübung ihres große Aufopferung fordern­den Dienstes unmöglich machen, nicht schleunigit abgestellt werden. Sie wollen der Direktion durch eine Gingabe von dieser ihrer Absicht Kenntnis geben. Schon lange bat unter den Schwestern des Virchow- Krankenhauses Unzufrieden­heit geherrscht. Die Art und Weise, wie ihre Kräfte aus­genußt werden, geht nach ihren Schilderungen weit über das Maß des Zulässigen hinaus. Ihre Dienstzeit beträgt vierzehn Stunden bei nur halbstündiger Mittags- und halb­stündiger Abendpause. Eine Abteilung der Schwestern speist mittags vont bis 2 Uhr, die andere von 2 bis Uhr. Hat nun eine Schwester bei einem Schwerkranken zu tun, den sie nicht ohne weiteres verlassen kann, und kommt verspätet zum Mittagessen, so wird darauf keinerlei Nücksicht genommen; sie bekommt faltes, manchmal auch gar kein Essen; die Verschiebung der Essenszeit in solchen Fällen, die eigentlich selbstverständlich sein müßte, ist un­statthaft, daher passiert es, daß die Schwestern gelegentlich nachsehen, ob im Eisschrank etwas übriggebliebenes Essen vorhanden ist, um wenigstens zu einem Jmbiß zu kommen.

Das wiedergefundene Lichespaar. In große Bestürzung wurden gestern zwet Familien in Köpenick bei Berlin versetzt. Sie erhielten am Morgen mit der ersten Post Abschiedsbriefe von ihren Kindern, dem 18jährigen K. und der 16jährigen E. Die jungen Leute wollten trotz ihrer Jugend heiraten, stießen aber auf den Widerstand ihrer Eltern. Sie beschlossen deshalb, thre Eltern einzuschüchtern, entfernten sich unter Mitnahme von Lysol aus ihren Woh­nungen und schrieben an ihre Angehörigen Abschiedsbriefe. Von Köpenick aus wurde sofort die Berliner Kriminal­polizei in Bewegung gesetzt, die aber über den Verbleib des Liebespaares nichts ermitteln konnte. Als gestern abend die beiden Mütter auf dem Polizeipräsidium vor= sprachen und die Abschiedsbriefe und Photographien der Flüchtigen deponierten, wurden sie aufgefordert, alle Ver­wandten in Berlin aufzusuchen und dort Nachfrage zu halten. Dieser Hinweis hatte Erfolg. Als die geängstigten Mütter ein Haus in der Gerichtsstraße betraten, tam ihnen das Paar nichtsahnend entgegen. Unter der Obhut der Mütter fehrten dann die unglücklich Liebenden wieder nach Köpenick zurück.

Ein seltsamer Leichenzug. In Barcelona wurde dieser Tage ein altes wohlhabendes Fräulein bearoben. das feit frühester Jugend lahm gewesen war. Die Verstorbene hatte letztwillig verfügt, daß allen Krüppeln und Lahmen, die ihrem Sarge folgen würden, eine ansehnliche Summe als Erbteil ausbezahlt werde. Die Kunde davon hatte sich rasch in der ganzen Stadt verbreitet, und am Begräbnistag fand sich alles, was von den armen Krüppeln Barcelonas nur frauchen konnte, vor dem Trauerhaus ein. Hunderte von Hinkenden und Stelzfüßen, Einbeinigen und Beinlosen er= wiesen der Toten die letzte Ehre. Dte Menge in den Straßen vermochte beim Vorüberziehen des kurtosen Trau­ergefolges nicht ernst zu bleiben. Und auch die Mienen der Leidtragenden" waren nichts weniger als ernst.

30 000 Mark unterschlagen. Der Leichtsinn eines jungen und befähigten Menschen hat wieder einmal eine chrbare Homilie in tiefes Unglück gestürzt. Der Bankbeamte Merz, der in einem Banfgeschäft in seiner Heimatstadt Giogau angestellt war, nahm troß seiner Jugend wegen seiner be­sonderen Fähigkeiten eine Vertrauensstellung ein Da täg= lich underttausende durch seine Finger aingea, erlag M. schließlich der Versuchung und eines Tages verschwand er inter Mitnahme von 30 000 Mart in Bargeld und Wert­papieren aus seiner Vaterstadt, um sich mit dem verun­treuten Gelde in den Strudel der Weltstadt Berlin zu stürzen. Der junge Mann trat hier als Kavalier auf und spielte bald in den Kreisen der Lebedamen eine Rolle. Die Barmittel wurden durch verschiedene Freudinnen bald klein" gemacht, sodaß Merz die entwendeten Wertpapiere versilbern mußte. Hierzu bediente er sich einer seiner Freundinnen", die aber in einem Berliner Bankgeschäft bei diesem Versuch festgenommen wurde. Die Verhaftete beichtete alles, sodaß auch Merz bald darauf festgenommen werden konnte. Der Vater des jungen Mannes, ein an­gesehener Kaufmann, kam sofort nach Berlin und veran­laßte seinen leichtsinnigen Sohn, den größten Teil der Wertpapiere, die dieser in einem Versteck aufbewahrt hatte. wieder herauszugeben.

Wie englische Wahlkandidaten sich gegen Durchfall ver= fichern. Das Versicherungswesen ist in England viel man­nigfaltiger ausgestaltet als in den Ländern des europäischen Kontinents. Gerade die größten und bedeutendsten Ver­sicherungsgesellschaften schließen oft Geschäfte ab, die im Grunde nichts anderes sind als Wetten. Und da die Wettlust von altersher eine der ausgeprägtesten Eigenschaf ten des britischen Nationalcharakters ist, haben die Gesell­schaften jahraus, jahrein alle Hände voll zu tun. Es ist nicht sehr starf übertrieben, wenn man behauptet, daß z. B. in diesem Augenblicke, während des Wahlkampfes, ganz England in zwei Lager von Wettenden geteilt ist. Daß die englischen Wahlkandidaten aber die Möglichkeit haben, sich in aller Form Rechtens gegen- einen Durchfall zu versichern, mag deutschen Ohren recht seltsam klingen. Das ist nun nicht so zu verstehen, als übernähme die Versiche rungsgesellschaft die Verpflichtung, dem Kandidaten, der sich ihrem Schute anvertraut, zu dem heißbegehrten Mandat zu verhelfen,- das steht natürlich außer ihrer Macht. Der Kandidat versichert sich vielmehr für den Fall seines Interliegens auf die Rückerstattung der Kosten seiner Wahl­kampagne, und man weiß, daß diese Kosten in England unter Umständen sehr hoch sein können. Entsprechend hoch ist selbstverständlich auch die Prämte, die er zu zahlen hat. Sie fällt an die Gesellschaft, wenn er gewählt wird, doch im Siegesrausche verschmerzt er sie gern und leicht. Die Sache ist also, wie man sieht, von einer genialen Einfach­heit und für beide Teile nußbringend.

Ein bedrohter Wallfahrtsort. Die Bevölkerung der kleinen, auf der Insel Camargue an der Rhonemündung gelegenen Stadt Saintes- Maries- de- la- Mer lebt seit eint­gen Wochen in ständiger Angst. Der schwache Damm, der vor einigen zwanzig Jahren errichtet wurde, tst von dem

andringenden Meere in feiner ganzen Länge zerstört. Das Meer dringt unaufhaltsam vor, und man fürchtet, daß nach einigen weiteren Sturmnächten von der Insel und dem berühmten Nest nicht mehr viel übrig sein wird. Der Wallfahrtsort erfreut sich in der Provence und in ganz Frankreich eines großen Rufes. Hierher strömen das ganze Jahr Wallfahrer aus allen Teilen Frankreichs, aber nicht nur für diese bildet das um eine fastellartige Wall­fahrtskirche gelegene Nest eine große Anziehungskraft, son= dern auch für die Kunstgelehrten. Denn die Kapelle, die dem 12. Jahrhundert entstammt, ist in einem eigenartigen romanischen Stile erbaut. Die Legende verlegt aber die Gründung von Saintes- Maries noch viel weiter zurück. Die heiligen Frauen Martha, Maria Salome, Magdalena und Sarah landeten hier nach ihrer Abreise aus Judäa. Nach ihrem Tode wurde zur Aufnahme ihrer Asche die Kapelle erbaut, die jetzt ein Raub des Meeres zu werden droht.

Drabtnachrichten und Deaestes.

Herabschung des Reichsbankdiskonts. Berlin, 21. Januar. Der Reichsbankdiskont ist auf Prozent, der Lombardzinsfuß auf 5% Prozent herab­gesetzt worden.

Das Befinden des Grafen Stolberg. Berlin, 21. Januar. Das Befinden des an Influenza erfrankten Präsidenten des Reichstages. Graf Stolberg, läßt noch immer viel zu wünschen übrig. Im Laufe des gestrigen Tages ist zwar beim Präsidenten eine leichte Besserung eingetreten, doch muß sich Graf Stolberg äußerste Schonung auferlegen. Auch einige Mitglieder der Familie des Präsidenten sind an Influenza erkrankt.

Eine ostdeutsche Ausstellung.

Posen, 21. Januar. Die Stadtverordneten bewilligten 100 000 M für die 1911 zu veranstaltende ostdeutsche Aus­stellung. Die englischen Wahlen.

London, 21. Januar Nach den bis gestern abend 10 11hr vorliegenden Meldungen über die Wahlen zum Unter­Hause sind bisher gewählt: 160 Unionisten, 134 Liberale, 27 Mitglieder der Arbeiterpartei und 53 Nationalisten. Gewonnen haben die Unionisten 68, die Liberalen 12. die Arbeiterpartei 2 Site. In 289 Wahlkreisen sind die Man­date in gleichen Händen geblieben. Das Wettrennen der beiden Parteien wurde gestern mit der gleichen Energie fortgesetzt. Obwohl der vorgestrige Tag den Liberalen schwere Niederlagen brachte, ist noch keine entscheidende Aenderung der Siegesaussichten eingetreten. Es verstärkt sich der Eindruck, daß, wenn die Liberalen siegen würden, die dauernde Beruhigung in der inneren Politik Englands nicht gesichert werden dürfte.

Aus der französischen Kammer.

Paris, 21. Januar. Der Senat verwies einen Antrag Humbert an den Heeresausschuß, wonach die gegenwärtig in der Armee dienenden vorbestraften. besonders gemein= gefährlichen Apachen den südafrikanischen Disziplinarba­taillonen zuzuteilen seten. Am Schluß der Kammersißung verurteilte beim Etat des Unterrichtsministeriums der Be­richterstatter die Kampagne gegen die Laienschule und wies die Vorwürfe gegen die Lehrer wegen Unmoral und anti­vatriotischer Gesinnung zurück. Die steigende Kriminalität der Jugendlichen sei einer zügellosen Presse und dem Al­fcholismus zuzuschreiben.

Vom König Menelik.

Addis Abeba, 21. Januar. Der Zustand des Königs Menelik hat in den letzten Tagen eine leichte Besserung erfahren, jedoch besteht keine Hoffnung auf Erhaltung des Lebens. Der Einfluß der Königin gewinnt am Hofe die Ueberhand.

Neues aus Serbien.

Belgrad, 21. Januar Nach einer Blättermeldung wird der Kronprinz Alexander am Sonntag zu einem privaten Besuch sich nach Sofia begeben. Nach einer weiteren Blätter­meldung ist ein neuer Konflikt des Prinzen Georg zu ver­zeichnen. Der Prinz habe bei der gestrigen Soiree den serbischen Generalkonsul in Budapest Christie zum Ver­laffen des Saales aufgefordert. Dieser habe aber dem Ver= langen nicht entsprochen.

Verwegener Raubüberfall.

Berlin, 21. Januar. Als gestern nachmittag_ein Wagen der Firma Spindler sich auf dem Wege vom Ber= liner Hauptkontor zur Fabrik in Spindlersfelde befand, wurde der Kutscher von einem ihm entgegenkommenden Kollegen aufmerksam gemacht, daß sich hinten an seinem Wagen zwei Burschen befänden. Der Kutscher stieg ab und fand, während die beiden jungen Leute flüchteten, daß eine Tasche, die 15 000 M in Silbergeld zur Lohn­zahlung enthielt, leer war. Zwei junge Männer, die der Tat dringend verdächtig sind, wurden in Köpenid festge­nommen. Ein zweiter Beutel, der 800 M enthielt und wahrscheinlich auf der Flucht weggeworfen wurde, ist mie­dergefunden und abgeliefert worden.

Die verschütteten Ruhrberglente.

Gelsenkirchen, 21. Januar. Heute früh vier Uhr war es der Rettungsmannschaft gelungen, bis zu dem Fuße der Mauer vorzudringen, an der am Unglückstage gear­beitet werden sollte. Von dort bis zu der Mauer, hinter welcher die Verschütteten vermutet werden, ist unter schwie­rigen Umständen noch eine zehn Meter starte Schuttschicht fertzuräumen. Wenn alles gut geht, hofft man in der kommenden Nacht bis zu den Verunglückten vorzubringen. Lebenszeichen werden von diesen nicht mehr vernommen. Gleichwohl werden Sauerstoffapparate und Belebungsmit tel zur Unglücksstelle geschafft.

Ausschreitungen streifender Berglente.

London, 21. Januar. Im Kohlenbergwerf von Hurten Bei Seaham Harbour in der Grafschaft Durham versuchten mehrere hundert Ausständige, sich der Kohlenvorräte zu bemächtigen, wurden aber von der Polizei zurückgetrieben. Die Menge warf mit Steinen und die Polizei gab Feuer. Sechs Streifende wurden verwundet. Die Ausständigen begannen einen neuen Steinhagel, durch den viele Per­sonen verlegt wurden.

Unfall eines Luftschiffers.

Baris, 21. Januar. Wie aus Oran gemeldet wird, geriet der Aviatiker Olieslagers gestern abend auf dem Flugfelde Senia mit seinem Eindecker in die Tele­graphendrähte der Eisenbahn. Die Drähte durchschnitten das vom Benzinbehälter zum Motor führende Rohr und der Eindecker stand gleich darauf in hellen Flammen. Er stürzte zur Erde, wobei der Aviatiker wunderbarerweise nur leichte Abschürfungen erlitt.

Handel und Verkehr.

Frankfurt, 20. Januar. Viehmarktvreise vom 20. Ja­muar. 1 Zentner: Kälber: feinste Mast( Vollm.- Maft) und befte Saunfälber( Lebendgewicht) 52-58 m.,( Schlachtgewicht) 86-95 Mr., 2, mittlere Maft- und gute Saugfälber( Lebend gewicht) 45-50 Mr.,( Schlachtgewicht) 76-85 Mt., 3. geringe Sausfälber( Lebendgewicht) 42-44 Mr.,( Schlachtgewicht) 71 bis 75 Mt., Schafe: 1. ältere Mafthammel und gut genährte Schafe( Lebendgewicht) 32--35 Mt.,( Schlachtgewicht) 72-75 Marf 2. ältere Masthämmel und aut genährte Schafe( Lebend­gewicht) 26 bis 29 Mart,( Schlachtgewicht) 65 bis 68 Mart, 3. mäßig genährte Hammel und Schafe( Merzschafe) ( Lebendgewicht) 00-00 f.,( Schlachtgewicht) 00-00 Mart, 1. vollfleischine Schweine über 2 Zentner( Lebendaewicht) 57 bis 59 Mart.( Schlachtgewicht) 72-74 Mart, 2. vollfleischiae Schweine bis zu 2 Rentner( Lebendgewicht) 57-59 Mark Schlach tgewicht) 73-76 mf., 3. fleischige Schweine( Lebende ( gewichi) 57-59 Mt.,( Schlachtgewicht 75 Mt.