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aber mit geringer Heranziehung der Nichtbetroffenen, in ent­sprechender Weise entschädigt werden. Die Bürgermeisterei wird sich dieserhalb mit der Großherzoglichen Regierung ins Einvernehmen setzen.

* Vom Westerwald. Der preußische Eisenbahn­minister hat die Vorarbeiten für den Bau einer Eisenbahn von Selters nach Neuwied angeordnet.

Aus aller Welt.

r Gotha. Das bekannte hiesige General- Debit Carl Heinze trilt mit, daß die Lose a 1 Mt. der 54. Gothaer Geld- Lotterie des Rennvereins für Mitteldeutschland Ziehung am 26. und 27. d. Mts. beiräumen. Die sel­ten große Gewinn- Aussicht, 10 000 Mr., 15 000 Mt. Prä­mie, also evtl. 25 000 Mt. im günstigsten Fall zu gewin nen, ist verlockend, sich am Spiel zu beteiligen.

* Berlin. Der Kaiser traf nach sehr angenehmer Fahrt vor Drontheim ein. Anfang September beabsich­figt der Monarch einen mehrtägigen Aufenthalt in Kadinen zu nehmen und zwar unmittelbar im Anschluß an große Herbstparade in Berlin.

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* Berlin. Das Mausoleum in Charlottenburg u. des das Luisendentmal im Tiergarten waren aus Anlaß 100jährigen Todestages der Königin Luise das Ziel der Wanderung von vielen Tausenden. Beim Mausoleum in Charlottenburg fuhren vorgestern nachmittag Prinz Auguſt Wilhelm und Gemahlin vor, um einen Lorbeerkranz des Kaisers, der mit weißen Rosen und Kornblumen sowie mit einer Widmungsschleife geschmückt war, am Sarge nieder­zulegen.

* Berlin. Als mutmaßlichen zweiten Vizepräsi­denten des Reichstages bezeichnet man jetzt den reichspar­teilichen Abg. von Dirksen. Außerdem wird als Vize­präsidentschaftsanwärter Abg. v. Damm genannt, ein den Braunschweiger Welsen nahestehendes Mitglied der Wirt= schaftlichen Vereinigung.

* Berlin. Vor dem Palais des Fürsten Guido Hendel zu Donnersmard wurde der Schriftsteller" Eduard H. in dem Moment verhaftet, als er von dem Fürsten die Summe von 500 000 Maet erpressen wollte. Die Verhaft­ung erfolgte durch den Berliner Kriminalkommissar von Trestow 1. H., der bereits durch frühere Affären der Po lizei bekannt war, beschuldigte den Fürsten, daß er den Besitzungen seiner Nachbarn in Schlesien nach Erzen habe schürfen lassen.

unter

* Hagen i. W. Der Kampf in der Hagen- Schwel­mer Metallindustrie ist be endet. Die Arbeit wurde wie­der aufgenommen. Die Bewegung hat länger als acht Wo­chen gedauert.

zum

* Bern. Der Schweizer Bundesrat wählte Vizedirektor des Weltpostvereins den Kaiserlich deutschen Postrat Rottner, den Leiter des deutschen Postwesens in Konstantinopel.

)( Der Preis vom Großen Garten wurde am Sonntag in Dresden in 2 Läufen von je 50 Kilome ge= ter ausgefahren und von F. Theile auf Brennabor wonnen. Zweiter wurde B. Demte, der, wie die ersten 3 Preisträger, Techmer, Tadewald und Kendelbacher, gleich­falls Brennabor fährt. Im Tandemfahren gingen die Bren­nabor- Tandempaare Wegener- Conrad, Techmer- Tadewald

und Kendelbacher- Fuchs zuerst über das Zielband.

)( Tommy Hall gewann am 17. d. Mts. in Dort­mund in einem 75 Kilometer- Rennen den Großen Sommer­preis" vor van Gent und Pongs. In Zürich ging E. Roh­mer im Hauptfahren sowohl wie im Prämienfahren als Er­fter durchs Ziel. Hall und Rohmer benußen die bewährte Marte Brennabor.

Aus dem Gerichtssaal.

In Anwesenheit eines großen Zeugenaufgebots beschäf­tigte sich die Ferienkammer des Landgerichtes Marburg im Wiederaufnahme- Verfahren mit einer Angelegenheit, die in der Gießener und Weßlarer Gegend lebhaft erörtert wurde. Der Gemeinderechner K. von Rodheim a. d. Bieber, ein wohlhabender Mann und Inhaber zahlreicher Ehren= ämter, war im Jahre 1908 von der Straftammer Marburg zu 3 Monaten Gefängnis verurteilt worden, weil er 4700 Mart ehemaliger Mündelgelder, die er für die Eigentümerin in Weylar abgehoben hatte, um sie angeblich zu einem bef= seren Zinssuß bei der Darmstädter Bant in Gießen anzu­

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legen, in sein Pult einschloß und für sich verausgabte. Der Angeklagte, der von dritter Seite angeflagt worden war, machte geltend, daß es nur eine Nachlässigteit von ihm ge­wesen und das Mädchen durchaus nicht geschädigt worden sei. Das Gericht war der Ansicht, daß er auf alle Fälle eine Unterschlagung begangen habe, weil er ohne Sicherheit dem Mädchen gegenüber eigenmächtig vorgegangen sei. Die Frage, ob Untreue vorliege, müsse jedoch verneint werden, weil eine Schädigung nicht beabsichtigt und auch nicht vor gekommen sei. Deshalb wurde das erste Urteil aufgehoben und der Angeklagte zu 500 Mart Geldstrafe oder 50 Tagen Gefängnis verurteilt.

einen

Das Kriegsgericht der 25. Division verurteilte vor 24 Jahren nach Amerika ausgewanderten Rheinhessen, der damals zum Trainbataillon in Mainz ausgehoben war und sich vor der Einstellung entfernt hatte, wegen Fahnen­flucht zu der zulässigen Mindeststrafe von 6 Monaten Ge­fängnis nebst Versetzung in die 2. Klasse des Soldaten= standes. Der Angeklagte, so schreibt die" Darmst. Zeitung", ließ sich durch einen Freund bereden, mit nach Amerita zu gehen und dort ein Geschäft zu gründen. Er unternahm nun in diesem Sommer eine Europareise, wobei er auch das Grab seiner Mutter in Flohnheim besuchte. Das Mi­litärstrafverfahren ist inzwischen nicht verjährt;

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wurde

vor einigen Tagen verhaftet und mußte aufgrund des§ 69 Str.-G. verurteilt werden. Der Angeklagte hatte vorsichti­gerweise bei der Verwaltungsbehörde vorher angefragt, und es war ihm von dieser, die keine Kenntnis von dem Mi­litärstrafverfahren hatte, ausdrücklich die Erlaubnis zum Aufenthalt in Hessen erteilt worden.

Seitdem durch die Wertsteuer die Einfuhr verpackter Zigarren aus Holland so gut als unmöglich geworden ist, haben holländische Fabrikanten in deutschen Grenzbläßen Filialen errichtet, wo die unsortiert und unverpackt einge­führten Zigarren versandfertig gemacht werden. Dieser Tage hat, wie die Südd. Tabatzeitung" zu berichten weiß, ein hoher Zollbeamter an einer dieser Versandstätten eine Be­sichtigung vorgenommen und dem Vernehmen nach sich da hin geäußert, daß die Regierung durch einen Zusayartikel zu dem Tabatsteuer- Gesetz die Einfuhr unsortierter und un­berpackter ausländischer Zigarren ver bieten wolle.

Stadttheater Gießen.

Dienstag, den 19. Juli 1910. Das füße Mädel.

Operette in 3 Aften von A. Landesberg u. Leo Stein. Musit von Heinrich Reinhardt. Die Sommergastspiele neigen sich ihrem Ende zu und das Haus wird eher schlechter als besser besucht. Der den Hoffnungen der Direktion wenig entsprechende Besuch hat seinen Grund einmal in der" Theater- Müdigkeit" des Publifums, dann aber sicherlich in der Wahl der Operetten. der Mag die Annahme, für Gießen bedeuten die meisten Stücke Novitäten oder wenigstens nichts Allbekanntes, im­merhin nicht ganz unberechtigt sein, so genießen bei dem verwöhnten Publikum längst die neuesten Operetten, allem die der Komponisten Fall und Lehar, einen solchen Ruf, daß ältere Werbe nur schwer ziehen".

vor

Sollte, wie ich höre, nächstens Die Förster christ I" auf dem Spielplan erscheinen, so wird ein sicherlich gut be­setztes Haus die Aufführung lohnen, d. i. eine Aufführung, die nicht wie so viele ihrer Schwestern unter der Hand des Operateurs zuviel gelitten hat. Denn sonst würde ich em­pfehlen, statt" Operette" den Untertitel Posse mit Gesang" zu wählen. Zu bedauern ist, daß sich die Direktion den " Grafen von Luremburg" hat wegschnappen lassen.

| Clown- Coups einzuschalten; wäre das Wert des Kompo nisten nicht, der sich einer gefälligen, abwechselungsreichen Bertonung befleißigte, man wunderte sich, warum für solche Sächelchen immer noch Geld vorhanden ist.

Die heutige Aufführung des füßen Mädels" frankte an dem zuviel der Striche. Das Terzett im 2. Aft Ein biß­chen Romantit, ein wenig Poesie!" und ebenda das Lied vom Zillertal" vermißt man ungern, wenn man nach dem Theaterzettel die Reinhardt'sche Operette erwarten darf. Müssen nun einmal die Stücke als lahmgeschossene Krüppel auf der Bildfläche erscheinen, dann bitte ich höflichst um die Anmerkung: für das Gießener Theater bearbeitet von Re­gisseur Hermann Norden.

Man hat mir vor einigen Wochen eine Arbeit aus einer Berliner Zeitung, glaub ich, zugeschickt, in der sich Dr. H. Fuchs vom Rechtsstandpunkt zum Anwalt des Publikums aufwirft gegen übermäßige Striche und dafür eine teilweise. prozentuale Rückerstattung des Eintrittsgeldes beansprucht.

Das Machwert der Librettisten mit den obligatorischen drei Verlobungen am Schluß war noch deutlicher als sol­ches gefennzeichnet, da sich die Regie bemüht, das Senti­mental- Rührselige besonders zu unterstreichen und ein paar

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Die Ouverture fam recht flott und schneidig zum Vor­trag; darin der süße Mädel" Walzer, der ia in der Ope rette selbst oft genug wiederkehrt, mit besonderer Sorgfalt herausgearbeitet.

Ueber die Szenerie" gehe ich rasch weg, wie ich auch mein Urteil über Ton, Stimmung, Milieu, wie Sie das nennen wollen lieber für mich behalte; es sind das alles die lieben, fleinen Kleinigkeiten, Aeußerlichkeiten, die zu einem völligen Gelingen unbedingt zusammenwirten müssen. Dirigent und Regisseur werden Ihnen gestehen, daß all das ausgiebig beachtet wurde, werden Ihnen sagen, daß eine Pause im Spiel eine Kunstpause sei, die, auch wenn es nicht so war, entschuldigt werden müsse, wenn sonst die Harmonie zwischen Orchester und Bühne gewahrt blieb, wer­den behaupten, daß nur besonders seine Ohren den Souf fleur auf der 7. oder 8. Reihe hören fönnten. Im übrigen glaube man dem Theaterzettel, daß die Szene in Wien spielte, und daß die Wiener" seltsamen Geschmack in ihren Wohnungseinrichtungen entwickeln, wenn man nach diesen Interieurs urteilen darf.

Ein Gast, Henny Loges von Köln, hatte die Rolle der Frißi Wehringer übernommen; die Dame besitzt Routine, beherrscht, was angenehm berührte, den Dialekt gut und leistet stimmlich. ja, die für die hiesige Auf­führung stark beschnittene Rolle der Chanteus' Masseuse gönnte dem Gast nur das englische Parodie- Duett( im leß­ten Aft) mit Frip Seybold( Florian), und danach läßt sich bliẞwenig sagen; geschult ist das Organ, ob's aus­drucksvoll ist, 2c., weiß ich nicht.

Grete Brill( Lola Winter) gefiel sehr; recht ge wandt und ausdrucksvoll, wie immer, sang sie ihr Lied vom süßen Mädel". Ließe sich das Deuten, überhaupt das Gebärdenspiel, ins Publifum nicht etwas mehr einschränken; es erinnert zu sehr an die Soubrette im Variete. Sehr gut gelang auch das Terzett( 1. Aft) mit Frip Seybold, der als Maler Florian Lieblich in seinem Spiel unbestimmt und zwischen dem fonventionellen und possenhaften hin her schwankte, und Hans Wernert( Graf Hans von Liebenburg), besonders das Duett( Aber jetzt, aber jetzt) mit letzterem. Recht eifrig und anerkennenswert hatte sich Hans Wernert um sein Walzerlied Launische Dame" be müht und erntete dafür auch lauten Beifall; ich fann nicht verhehlen, daß ihm, bei allem Lob für sein sonst ausdrudg volles und angenehmes Organ, die hohen Töne, bei Kopf­stimme und pianissimo, Anstrengung verursachten; auch halte ich es nicht immer für schön, die Töne ineinanderfließen zu lassen.

Hermann Norden gab heute ziemlich ohne Ent­gleisungen den Schwerenöter Grafen Balduin Liebenburg; seine näselnden und gurgelnden Töne scheinen direkt oder auf Umwegen Girardi entlehnt zu sein.

Ich an Graf Hans' Stelle hätte auch das füße Mädel der Kusine Lizzi( Lore Schol 3) vorgezogen: ich de dauere jedesmal, wenn Lore Scholz in solchen Rollen, die ihr gar nicht liegen, einspringen muß.

Friedrich Timian machte mit Aufbietung aller Bossenhaftigkeit aus dem Sekretär Prosper Plewny einen Hanswursten, ein lebendig gewordenes Kasperletheater; seine seine ständige Antwort:" Sehr wohl, jederzeit!" brachte in den verschiedenen Situationen die Lacher auf seine Seite. das Otto Con ra di verdient für seine Späße Großkreuz von Kalau!- Wenn sich in den Chor- Szenen die Paare nach dem Takt der Musit wiegen sollen, so sorge die Regie, daß das 1. Paar lints( vom Regisseur) im 1. Aft weiß, was ¾ Tatt ist. 8. F. Q.

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